BLKÖ:Schottky, Julius Maximilian

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schouppe, Alfred
Band: 31 (1876), ab Seite: 251. (Quelle)
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Schottky, Johann, n. A. Julius Maximilian (Schriftsteller, geb. zu Kupp bei Oppeln in Preußisch-Schlesien im Jahre 1794, gest. um das Jahr 1849). Ueber sein Vorleben sind nur sehr lückenhafte und wechselnde Nachrichten vorhanden. Nach Einigen war er, bevor er nach Wien übersiedelte, bereits Professor der deutschen Sprache und Literatur in Posen, nach Anderen ging er erst, nachdem er seit 1815 in Wien privatisirt, nach Posen, legte dann diese Stelle nieder, begab sich nach Prag, wo er bis 1831 einen längeren Aufenthalt nahm, und von dort nach München, von wo er noch 1834 einen Ausflug in Oesterreichs südliche Alpenländer, nach Tirol, worauf seine letzte gedruckte Arbeit hindeutet, unternommen hat. Von da ab verliert sich seine Spur und taucht erst wieder gegen Ende der Vierziger-Jahre auf, als 1848 das Parteiblatt: „Rheinische Volkshalle“ in’s Leben trat und ein Arbeiter um den andern in die Redaction berufen wurde. Einer von diesen war Schottky, der, da er die weite Welt durchwandert und Vieles aufgezeichnet hatte, was sich im Feuilleton verwenden ließ, immerhin leistungsfähig war. Der Versuch jedoch, wie Wilhelm Chezy in seinem „Helle und dunkle Zeitgenossen“ berichtet, ihn im politischen Theile, und zwar in der Zusammenstellung der Zeitungsnachrichten aus verschiedenen Ländern zu verwenden, fiel kläglich aus. Der vielgereiste Mann schien keinen Begriff von der örtlichen Eintheilung unseres Erdtheiles zu haben und kein Gedächtniß für die laufenden Begebenheiten zu besitzen. Am Donnerstag strich er in Zeitungen von jenseits des Rheins Mittheilungen an, die schon am Sonntag in Cöln gelesen worden, und theilweise sogar aus dem Blatte, für das er eben schrieb, genommen waren. Lange kann er bei diesem Blatte, wo sich sein Einkommen monatlich kaum auf 12 Thaler belief, nicht geblieben sein, denn gegen das Frühjahr 1849 kam er in eine Lage, die er als eine glänzende pries. Roderich Benedix und andere Gönner hatten ihm nämlich seine Berufung nach Trier als Redacteur der dortigen Zeitung mit einem Jahrgehalte von 400 Thalern vermittelt. Aber nicht lange sollte er sich dieses Glückes freuen, denn schon nach wenigen Wochen riß ihn ein Schlagfluß aus der Mitte der Lebenden. Schottky hat sich als geographischer, ethnographischer und vornehmlich culturhistorischer Forscher vortheilhaft bekannt gemacht, so daß Menzel und Laube in ihren Literaturgeschichten seiner gedenken. Wie der Rieger’sche Slovník naučný (Bd. VIII, S. 363) dazu kommt, seine meisten Arbeiten eitel Compilation und durchwegs unkritisch und unzuverlässig zu nennen, muß demselben nachzuweisen überlassen bleiben. Schon Schottky’s Verbindung mit dem gediegenen Tschischka hätte ihn gegen so harten Vorwurf schützen sollen. Die Titel der von Schottky veröffentlichten Schriften sind: „Oesterreichische Volkslieder mit ihren Singweisen “ (Pesth 1819, Hartleben, gr. 8°.). S. gab dieselben in Gemeinschaft mit Franz Tschischka (Žiška) heraus – eine zweite vermehrte und verbesserte Auflage besorgte im Jahre 1844 Tschischka allein – mit diesem zusammen hatte Schottky die Lande ob und unter der Enns, Salzburg, Tirol, Kärnthen und Steiermark bereist. Man hatte bisher allenthalben die österreichische Mundart für einen verdorbenen [252] Auswuchs der Schriftsprache gehalten, und nun durch diese unmittelbar aus dem Munde des Volkes gesammelten Lieder mußte man zugestehen, daß sie eine in sich selbst wurzelnde unabhängige Sprachweise sei; – „Vorzeit und Gegenwart“ (Posen 1823, Munck, gr. 8°.), nach Gräffer und Meyer 9, nach Kayser’s „Bücher-Lexikon“ 3 Hefte: „Die Karolinische Zeit oder der äussere Zustand und die Sitten und Gebräuche Prags und Böhmens überhaupt, vor und insbesonders während der Regierung Kaiser Karl’s IV. nebst vorausgeh. geschichtlicher Abhandlung über den h. und Nepomuk u. s. w.“, mit 3 K. K. (Prag 1830, v. Mayregg, gr. 12°.); – „Prag, wie es war und wie es ist, nach Actenstücken und den besten Quellenschriften geschildert“, 2 Bde., mit 8 K. K. u. 2 Plänen (Prag 1830, Calve, gr. 8°.); – „Paganini’s Leben und Treiben als Künstler und Mensch ...“, mit 1 Stahltaf. u. Facsimile (ebd. 1830, Calve, gr. 8°.); – „Die Burg Karlstein nebst ihren Umgebungen“ (ebd. 1831, Calve, gr. 8 °.), vorher in der Monatschrift der Gesellschaft des böhmischen Museums 1828; – „Ueber Wallenstein’s Privatleben. Vorlesungen, gehalten im Museum zu München“. Mit 4 Steintafeln (München 1832, Franz, 16°.); – „Ueber Münchens Kunstschätze und künstlerische, der Oeffentlichkeit gewidmete Bestrebungen“, 1. Abthlg. (München 1833, Franz, 8°.), erschien auch unter dem besonderen Titel: „Münchens öffentliche Kunstschätze im Gebiete der Malerei“; – „Bilder aus der süddeutschen Alpenwelt“ (Innsbruck 1834, Wagner, gr. 12°.). Auch hatte Schottky C. Brantl’s Monographie: „Die Ruine des Berges Bössig“, mit 3 Ansichten, welche 1831 zu Prag bei Enders erschienen ist, mit einem Vorworte eingeleitet, in der Monatschrift der Gesellschaft des vaterländischen Museums in Böhmen den Artikel: „Ueber die Verehrung des h. Johann von Nepomuk“ (1828, Juli, S. 44), und auch in der Zeitschrift „Das Ausland“ Einiges veröffentlicht. S. war, wie er erschien, ein Sonderling. Ueber sein Verschwinden aus Prag munkelte man Allerlei. Seine Sammelwuth verwirrte leicht seine Eigenthumsbegriffe, In den Dreißiger- und Vierziger-Jahren muß er viel umhergewandert sein und soll in jener Zeit in Südfrankreich sich umhergetrieben haben. Er führte, wie Chezy ihn köstlich schildert, als Fahrnisse ein paar Kartoffelsäcke voll von Papieren bei sich. Der ganze Papierwust war zu kleinen und diese wieder zu größeren Päckchen zusammengebunden. Man mußte ihn als thatsächlich geordnet anerkennen, da S. Alles herauszufinden wußte, wessen er eben bedurfte. Um das schon erwähnte wegwerfende Urtheil des Herrn Ra im „Slovník naučný“ auf das rechte Maß zurückzuführen, möge hier stehen, was Wilhelm v. Chezy, dem wir doch unter allen Umständen mehr Urtheil in dergleichen zuerkennen, über Schottky sagt: „In der Literatur“, schreibt Chezy, hat S., wenn auch nicht durch schöpferischen Geist, anerkannt Werthvolles geleistet. Sein Wesen schien ihm zum genialen Lumpen zu stempeln, obschon er kein Lump, sondern einfach der arme Teufel war, wozu Natur und Schicksal ihn bestimmt. Fraß und Völlerei waren ihm fremd wie die anderen alltäglichen Todsünden. Ebenso wenig spielte er. Seine Genügsamkeit war die eines Diogenes.“

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1836, 8°.) Bd. IV, S. 585. – Raßmann (Friedlich). Pantheon deutscher, jetztlebender Dichter und in die Belletristik eingreifender Schriftsteller, begleitet mit biographischen Notizen und der wichtigsten Literatur (Helmstädt [253] 1823, Fleckeisen, 8°.) S. 301. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Zweite Abtheilg. Bd. VII, S. 1273. – Chezy (Wilhelm). Erinnerungen aus meinem Leben (Schaffhausen 1864, Fr. Hurter, 8°.) Zweites Buch, 4. Bändchen, S. 190 u. f.