BLKÖ:Laube, Heinrich

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 14 (1865), ab Seite: 193. (Quelle)
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Laube, Heinrich[BN 1][BN 2] (deutscher Dichter und Schriftsteller, geb. zu Sprottau in Schlesien 18. September 1806). Besuchte die Bürgerschule seiner Vaterstadt; 14 Jahre alt, bezog er das evangelische Gymnasium zu Großglogau, auf welchem ebenso gewissenhaft lateinische Sprach- als Betübungen gehalten wurden. Fünf Jahre hielt er diese pietistische Richtung aus, länger nicht, er ging nun nach Schweidnitz, wo er die Studien fortsetzte und sein Abiturientenexamen ablegte. Mit guten geographischen und historischen Kenntnissen ausgerüstet, neben der Muttersprache, die er vollkommen inne hatte, ein fließendes Latein sprechend, begab er sich im Jahre 1826 nach Halle, um dort die Theologie zu studiren. Im Burschenleben sich behaglich fühlend, war er auf dem Fechtboden – was sich mit dem künftigen Theologen schlecht vertrug – öfter als in den Collegien zu finden, nur die Vorträge Wegscheider’s versäumte er selten und stellte sich unter dessen rationalistische Fahne aus innerster Ueberzeugung; auch hörte er einige Collegien über romantische Literatur. Zugleich machte er schon damals mit befreundeten Collegen weite Ausflüge, wie er denn während seiner Studienjahre die schlesische Heimat nach verschiedenen Richtungen, nicht selten zu Fuß, durchwandert hatte. Im Jahre 1828 kam er auf die Universität nach Breslau und hier trieb er fleißiger als bisher theologische Wissenschaften, besonders Kirchengeschichte und predigte auch mitunter; immer aber ein abgesagter Gegner alles Philiströsen, schien der theologische Ernst, der ihm nöthig war, lange nicht kommen zu wollen. Im Gegentheile wurde er, nachdem er einer Aufführung von Kleist’s „Kätchen von Heilbronn“ beigewohnt und diese zündend in sein Herz geschlagen, in einen ganz eifrigen Theaterbesucher umgewandelt. Eine zarte Herzensneigung trat nun auch noch hinzu; ein poetischer Verein, der sich gebildet und dessen Mitglied er wurde, gab anregende Gelegenheit zu Mittheilungen lyrischer und dramatischer Versuche, und so hatten sich Amor und Thalia gegen den jungen Theologen verschworen und endlich auch über ihn gesiegt. In jener Zeit schrieb L. seine ersten Theaterstücke: „Gustav Adolph“, eine fünfactige Tragödie in Versen, welche in Breslau – Kunst gab den Gustav Adolph – mit Beifall gegeben wurde, und durch das Auftreten Paganini’s wurde die phantastische Posse „Nicolo Zaganini“ hervorgerufen, welche Laube auf die Bitte eines Schauspielers, des nachmaligen Burgtheater-Inspicienten Just schrieb, der ein geschickter Violinspieler war, Paganini treffend [194] copirte und mit dieser Rolle Gastspiele auf allen deutschen Bühnen gab. Ein drittes Werk, das Trauerspiel „Moriz von Sachsen“, wurde aber den Freunden vorgelesen. So hatte sich allmälig das Interesse für die Bühne Laube’s bemächtigt. Ein näherer Verkehr mit Seydelmann, der damals längere Zeit in Breslau weilte, that das Seinige hinzu und war überdem nutz- und lehrreich. Minder glücklich als mit seinen dramatischen Erstlingen war L. auf journalistischem Gebiete. Er unternahm die Herausgabe einer Zeitschrift „Aurora“, für die er die besten Köpfe der damaligen literarischen Kreise zu gewinnen hoffte, aber die Erwartungen verwirklichten sich nicht und schon nach einem Vierteljahre war die „Aurora“ untergegangen. In diesem journalistischen Torso kommen mehrere kritische Artikel Laube’s vor. Verhältnisse – da auf literarischen Wegen keine Rosen blühten – nöthigten ihn, eine Hauslehrerstelle anzunehmen. Er vertauschte nun das bisherige Stadt- mit dem Landleben. Mittlerweile vollendete er auch die Arbeiten für sein Doctorexamen. Vielfache Anstrengungen hatten ihn so sehr geschwächt, daß er Heilung im Bade Salzbrunn suchen mußte. Unter solchen Verhältnissen war das denkwürdige Jahr 1830 herangekommen, welches wie in so vielen deutschen Herzen auch in jenem Laube’s die Theilnahme für Politik rege machte. Während er nun als Hauslehrer auf dem Lande in Schlesien lebte, betrieb er mit allem Eifer historische und politische Studien. Nun brach auch die polnische Bewegung aus, welche damals – im Gegensatze zu der Bewegung im Jahre 1863 – in allen Gemüthern in Oesterreich und in Deutschland die wärmste Theilnahme fand. Daß auch Laube’s Innerstes von dem todesmuthigen opfervollen Kampfe dieses Volkes tief berührt wurde, begreift sich bei einer für Recht und Freiheit erglühenden Seele leicht. Er schrieb in dieser Stimmung damals einen Brief an Brougham, der als Broschüre hatte gedruckt werden sollen, jedoch ungedruckt geblieben ist. Er soll später zu Spatzier’s Kenntniß gekommen und von diesem benützt worden sein. Dieser Landaufenthalt weckte auch in Laube die bis zum heutigen Tage in ihm rege gebliebene Jagdlust, die zu befriedigen sich ihm damals häufig genug Gelegenheit bot, wie denn ferner die reiche, besonders in deutscher und schöner Literatur wohlbestellte Bibliothek des schlesischen Landesältesten von Nimptsch, in dessen Hause L. eine gastliche Aufnahme gefunden, ihn in seinen politischen und culturgeschichtlichen Studien, wozu ihm neben seinem Lehrerberufe in der ländlichen Einsamkeit noch Muße genug blieb, wesentlich unterstützte. Die bisher gepflegte dramatische Richtung – für die es unter den bezeichneten Umständen an jeder Nahrung gebrach – wich bei seinem Drange zu schaffen einer anderen und um diese Zeit entstand das Buch „Polen“. Mit Manuscripten und literarischen Plänen ging L. im Sommer 1832 nach Leipzig, das aber damals nur eine Station auf dem Marsche nach Paris sein sollte. Hier gab L. nun „Polen“ und die politischen Briefe unter dem Collectivtitel „Das neue Jahrhundert“ heraus. Dieß war sein literarisches Debut. Im folgenden Jahre schon trat er als Redacteur an die Spitze der „Zeitung für die elegante Welt“ und stand nun – ehe er sich dessen versehen – mitten im literarischen Fahrwasser, zumeist literarischen statt politischen Studien und Arbeiten zugewendet, wenn er auch letzteren ununterbrochen die wärmste [195] Theilnahme und die regste Aufmerksamkeit bis auf die Gegenwart bewahrt hatte. In Leipzig fanden sich zu jener Zeit die Vertreter einer neuen geistigen, überdieß sehr lebendigen kritischen Richtung zusammen, welche später „das junge Deutschland“ genannt wurden, ein Jugendbegriff, der bis auf die Gegenwart sich erhalten hat, denn es gibt zur Zeit ein „junges Polen“, ein „junges Čechien“ und man will in Wien ein „junges Oesterreich“ kennen. Als Vertreter des jungen Deutschland der dreißiger Jahre nannte man unter Anderen Heinrich Heine, Karl Gutzkow, Ludolph Wienbarg, Theodor Mundt. Wienbarg’s „Aesthetische Feldzüge“ waren der erste als Buch gesammelte Ausdruck der neuen Richtung, welcher die literarische Jugend jener Zeit von allen Seiten zudrängte. Aber auch von Laube, der gleich Gutzkow sich schon damals vorzugsweise der schöngeistigen Production zuwandte, erschien zu jener Zeit ein Werk, welches die Aufmerksamkeit aller Gebildeten auf ihn richtete und zugleich als der bedeutsamste und für weite Kreise berechnete Ausdruck der geistigen Richtung jener Zeit zu betrachten ist, es ist dieß die Novelle „Die Poeten“, welche den ersten Theil seines „jungen Europa“ bildet. Die Erlebnisse einer darauf in Gesellschaft mit Gutzkow unternommenen Reise nach Italien beschrieb er in den ersten zwei Bänden seiner „Reise-Novellen“, in denen der nachhaltige Eindruck sichtbar, den Heine zu jener Zeit auf Laube geübt [die bibliographische Aufzählung der Werke Laube’s folgt auf S. 202]. Laube’s Auftreten wurde von den in allen Zeiten vorhandenen, in stürmischen aber, wie es die dreißiger Jahre waren, gleich Pilzen über Nacht aus dem Boden schießenden Demagogenriechern übel vermerkt. In seinen Schriften wollte man nichts als eine Polemik gegen das Bestehende, das bedenkliche Streben, eine neue Welt auf neuen Grundlagen zu improvisiren, finden, und so wurde L. zuerst aus Sachsen, 1834, verwiesen. Er begab sich nun über Berlin nach Gräfenberg, wo ihn die Sorge für seine leidende Gesundheit längere Zeit festhielt und kehrte genesen nach Leipzig zurück. Von dort begab er sich nach Berlin, wo er bei Gelegenheit der Untersuchung, welche die preußische Regierung gegen die Theilnehmer der sogenannten „Burschenschaft“ verhängte, auch verhaftet und in Untersuchung gezogen wurde. Neun Monate arbeitete nun L. in der unfreiwilligen Muße der Berliner Hausvogtei an der Fortsetzung seines jungen Europa, welches die Novellen „Die Krieger“ und „Die Bürger“ enthält, auch fällt in jene Zeit die Abfassung der „Liebesbriefe“, die ebensowohl eine Styl- als Herzensstudie sind. Im Frühjahre 1835 freigelassen, begab er sich vorerst nach Naumburg und von dort in das benachbarte Bad Kösen, wo er die Novelle „Die Schauspielerin“ vollendete und seine bisherigen zerstreuten Aufsätze in den „Modernen Charakteristiken“ sammelte. Nun aber traf auch jene Schriften der Bann, welcher über alle Geisteswerke des jungen Deutschlands[WS 1] verhängt wurde. Das Verbrechen dieser Bewegungspartei aber bestand darin, daß sie mit geistigen Waffen den starren Formalismus feststehender Dogmen und Institutionen bekämpfte und das Banner seiner Natürlichkeit und Ursprünglichkeit aufpflanzte. Unter dasselbe aber schaarten sich Alle, die über die eigenthümliche Saat der Segnungen, welche für die in den Befreiungskriegen gebrachten Opfer dem deutschen Volke zu Theil geworden, erst nachdenklich, [196] dann aber unwillig geworden waren. Im Jahre 1836 kehrte L. nach Berlin zurück, wo er an der Fortsetzung seiner „Reisenovellen“ arbeitete und anonym eine Flugschrift über die französische Revolution herausgab, welche er ganz richtig nicht in die Jahre 1789–1793 hineinzwängte, sondern sie als bis zum Tage des Erscheinens seiner Schrift, wie er schon aus dem Titel andeutet, 1789 bis 1836, und darüber hinaus dauernd betrachtet, wie sie ja noch gegenwärtig, wenn auch latent, aber nicht minder den ganzen europäischen Continent unterwühlend, fortdauert. Zu dieser Zeit trat er auch als Mitredacteur der „Mitternachts-Zeitung“ ein und arbeitete eine neue Novelle: „Das Glück“, während eine Reise nach Pommern ihm Stoff gab für einen neuen (den fünften) Band der „Reisenovellen“. Im Herbste desselben Jahres verheirathete sich Laube in Berlin mit der jungen liebenswürdigen Witwe des Leipziger Professors Hänel und wider alles Erwarten traf ihn gerade im ersten Jahre seiner Ehe die Verurtheilung zu anderthalb Jahren Festungshaft, als Ergebniß der oben angeführten Untersuchung. Man wollte die burschenschaftlichen Studententräume nach strengen Strafsätzen gerichtlich ahnden. Gleich ihm waren viele hundert junge Leute in demselben Falle und die preußischen Festungen hatten keinen Raum mehr für so viele Burschenschafter, so, daß man sich genöthigt sah – um denn doch den richterlichen Ausspruch, da er einmal gefällt war, Wahrheit werden zu lassen – für viele der Verurtheilten die Festungshaft in den Aufenthalt in kleinen Städten unter der Aufsicht der dortigen Gerichtsbehörden zu verwandeln. Man sieht schon aus dieser Maßregel, wie man sich in peinlicher Verlegenheit befand, als man ein Vergehen, das bei ruhiger vorurtheilsfreier Auffassung mit einer strengen Rüge abzuthun war, im ersten Momente der Entrüstung zu schwer aufgefaßt und nun, da man ohne der Würde des Gerichtes zu schaden, nicht mehr zurück konnte, doch den Gesetzen der Menschlichkeit möglichst nahe zu kommen suchte. Laube hatte das Städtchen Muskau in der Lausitz entweder selbst gewählt, oder war ihm dasselbe zugewiesen worden. Dort durfte er sich im alten Schlosse des Fürsten Pückler (des berühmten „Verstorbenen“) mit seiner Familie einrichten. Dort schrieb er auch zwei Werke, die beide eine eigenthümliche Wirkung hervorbrachten und auch in einem eigenthümlichen Verhältnisse zu einander stehen. Das eine ist seine „Deutsche Literaturgeschichte“, welches vierbändige Werk von mehreren Seiten stark angefochten wurde, obgleich es in jenen Partien, in denen Laube sozusagen auf eigenen Füßen steht, ganz Vortreffliches bietet und die ideelose Production des Tages mit unerbittlicher Strenge richtet. Eine aphoristische Zusammenstellung der literarischen Aussprüche Laube’s würde zeigen, wie viel Goldkörner in dieser als Spreu verschrieenen Arbeit stecken. Das zweite Werk aber ist sein köstliches „Jagdbrevier“, später von Mehreren nachgeahmt, von Keinem noch erreicht oder übertroffen. Der Umstand, daß es erst einige Jahre später (1841) erschien, hat nichts zu sagen; während des Muskauer Aufenthaltes Laube’s ist es entstanden. Wie schon früher bemerkt worden, war in L. frühzeitig die Jagdlust erwacht; die meilenlangen Jagdreviere Muskau’s, die ihm zu durchstreifen eingeräumt worden, hätten, wenn diese Passion noch nicht da gewesen wäre, dieselbe erwecken müssen, [197] so aber konnten sie den alten Drang nur steigern. Dieses Jagdbrevier Laube’s, dessen sich erst die neueste Zeit, wieder erinnert hat und es wohl nicht wieder vergessen wird, ist eine der köstlichsten literarischen Spenden Laube’s. Laube’s Neigung, sich in die Natur hineinzuleben und dieselbe geistig in sich wiederzugebären, spricht aus jeder Seite dieses Buches. Ein Drama, ein Epos zu schreiben, braucht man nur Poet überhaupt zu sein. Ein Buch wie das Jagdbrevier verlangt aber eine Liebe zur Natur, die weit hinaus geht über die Fähigkeit, das Entzücken eines herrlichen Sonnenaufganges und einer stillen Maiennacht zu empfinden. Und eine solche opferwillige, keine Gefahr scheuende Liebe zur Natur spricht aus jeder Seite dieses Jagdbreviers. In keinem seiner Werke ist Laube so ganz er selbst, als in diesem, und Jedem, der es liest, wird es ein reich sprudelnder Quell des Ergötzens sein. Es ist nicht etwa eine Folge von Abhandlungen über das eigentliche Wesen der Jägerei; Laube erhebt sich damit weit über den realen Jäger, indem er, die Jagd von ihrer idealen Seite erfassend, Selbsterlebtes, Selbstbeobachtetes, mit der ganzen Wärme seines überhaupt prächtigen, man möchte ihn am richtigsten nennen: sinnlichen Styls, schildert. Treffend bemerkte Jemand über Laube, nachdem er das Jagdbrevier gelesen: Laube hätte, wenn er nicht artistischer Director einer Hofbühne geworden wäre, Oberjägermeister an einem der deutschen Höfe werden müssen. In den zwei letztgenannten Werken Laube’s, in seiner Literaturgeschichte, in der er ernste Anläufe zu durchdringenden literarischen Studien nehmen mußte, wenn er sie auch wegen Kürze der Zeit nicht erschöpfen konnte, wie in seinem eben geschilderten Jagdbrevier, zeigt sich auch schon ziemlich deutlich der Anbeginn eines geistigen Läuterungsprocesses, der in seinen folgenden Werken immer klarer und vollendeter zu Tage tritt. Nachdem er die Freiheit, die er unter so bewandten Umständen kaum merklich vermißt haben mochte, nominell wieder erlangt, zogen die religiösen Wirren, die durch die Cölner Angelegenheit zwischen Rom und Deutschland entstanden, die Aufmerksamkeit[WS 2] Laube’s auf sich und in der anonym 1838 herausgegebenen Broschüre „Görres und Athanasius“ gab er sozusagen sein Votum. Er stellte darin das Paradoxon auf, daß die Nachlässigkeit der Hegel’schen Schule in Vertretung der protestantischen Denkfreiheit und ein Mangel an energischem Entgegenwirken derselben gegen den in Süddeutschland grassirenden somnambulen Neuschellingianismus viel verschuldet habe. Auch beschäftigte er sich in dieser Zeit mit der Herausgabe der Werke Heinse’s. Zu Beginn des Jahres 1839 verließ er aber mit seiner Frau Deutschland, um längere Zeit zu reisen und namentlich Frankreich kennen zu lernen, welches Verlangen seit Laube’s erstem Aufenthalt in Leipzig (1832) in ihm lebte. Vom Mittelpuncte, Paris, aus durchstreifte er Frankreich nach allen Richtungen und ging auch nach Afrika hinüber bis an den kleinen Atlas. Dieser längere Aufenthalt Laube’s in Frankreich blieb nicht ohne bedeutenden und nachhaltigen Einfluß auf seine literarische Production, sowohl was die Wahl der Stoffe betrifft, als ihre künstlerische Mache. Erst nahm er seine geistvollen Reiseschilderungen wieder auf und beschreibt darin die parlamentarischen Kämpfe zwischen Guizot und Thiers, ein Thema, das ihm seines publicistischen [198] Charakters halber hochwillkommen war. Die nähere Umschau auf dem französischen Boden rief das dreibändige Werk „Französische Lustschlösser“ hervor, worin er die Geschichte der französischen Helden von Franz I. bis zu der Maitressenwirthschaft in Versailles in farbenreichen Skizzen dargestellt. In der Galerie des cerfs zu Fontainebleau trat aber die Erinnerung an den von der schwedischen Christine gemordeten Monaldeschi so mächtig an ihn heran, daß er ihn zu seiner ersten Bühnendichtung verwendete, nachdem er über ein Jahrzehend hindurch der dramatischen Muse untreu gewesen. Weiter schildert L. die Lustschlösser Chambord, Eu, Pau, St. Germain, Versailles und das ehemalige Residenzschloß der arabischen Emire, die Kaschba. Das Leben des ritterlichen Franz I. bot ihm in der bekannten Maitresse desselben, der anmuthigen Françoise Chateaubriant, Stoff zu einem größeren Roman, in welchem er das traurige Schicksal dieser Frau poetisch behandelte. Noch fallen in diese Zeit „Der Prätendent“, eine Skizze, hervorgerufen durch das plötzliche Auftauchen des Uhrmachers[WS 3] Naundorf[WS 4] als Ludwig XVII., „Der belgische Graf“, und gleichsam den Schluß dieser französischen Eindrücke bildet seine „Charakteristik der Frauenbilder der George Sand“, eine ebenso geistvolle als im Wirrsal der folgenden Jahre leider zu rasch vergessene Arbeit. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland schildert L. im Roman „Die Bandomire“ die Geschicke eines böhmischen Adelsgeschlechtes, das im 17. Jahrhundert nach Kurland übersiedelt war und dort ihr tragisches Ende gefunden hat. Indem man daraus eine treue Darstellung der Physiognomie dieses deutschen, aber den Deutschen fast völlig unbekannten Landes erhält, Aufschlüsse über die geistige und sittliche Richtung der Bewohner, farbenvolle Schilderungen der kräftigen Männlichkeit der Helden, ist doch der eigentliche Roman für das Massenhafte des Stoffes zu sehr zusammengedrängt und dieses Buch wohl dasjenige Laube’s, welches am wenigsten Glück gemacht. Glücklicher ist er, als er wieder zu der ihm so geläufigen Reisenovellistik zurückkehrt und seinen Aufenthalt in Skandinavien in seinem „Die drei Königsstädte im Norden“, Reiseschilderung mit Novellistik und geschichtlicher Charakteristik verschmelzend, in lebendiger und anziehender Weise schildert. Auch hat L. in dieser Zeit, 1842 bis 1844, neuerdings die Redaction der „Zeitung für die elegante Welt“ übernommen. Vergebens hat sich Herausgeber bemüht, irgendwo aufzufinden, wie es denn kam, daß Laube in sein eigentliches Element, das Drama, endlich hineingerieth, daß er dann auch, nachdem er es als solches erkannt, nicht wieder verließ, es wäre denn, daß er ihm nach dem so erfolgreichen Wiederauftreten im Roman in neuester Zeit, wieder untreu würde. Kurz vor der Wiederaufnahme der Redaction der „Zeitung für die elegante Welt“ eröffnete er in Leipzig mit „Monaldeschi“ die Reihe seiner Dramen, welche, wie einer seiner Biographen treffend bemerkt, den zur hohlen Phrase gewordenen Kothurngang der deutschen Bühne mit dem frischen Reiz kecker Probleme und gesunder dreister Natürlichkeit verdrängen halfen. Bald machte „Monaldeschi“ [in Wien zum ersten Male am 23. März 1843 und bis zum 10. Jänner 1864 38 Mal gegeben] die Runde auf allen deutschen Bühnen von einiger Bedeutung, und bald erkannte man, welch eine Kraft in Laube der deutschen Bühne gewonnen sei. Nachdem er die [199] mustergiltige Technik der Franzosen gründlich studirt, nahm er sie sich zum Muster bei seinen meisterhaften Anlagen und Verknüpfungen in der dramatischen Intrigue. Was auch seine Gegner, die, wie die Gegner jedes Menschen, an Allem was er schafft, mäkeln werden, bald an der Wahl der Stoffe, bald an der Charakteristik, bald an der sittlichen Tendenz der dramatischen Arbeiten Laube’s tadeln mögen, die technische Formvollendung wagt ihm doch keiner streitig zu machen. Auf „Monaldeschi“ folgten zunächst „Rococo“ [in Wien zum ersten Mal am 22. September 1851 und bis 27. October 1851 9 Mal, seither nicht mehr gegeben] und „Die Bernsteinhexe“; im ersteren versuchte L. ein treues Bild der französischen Corruption im kurzen Zeitraume eines Theaterabends und in einem mit Meisterhand geschürzten Lustspielconflicte zu geben; im anderen wollte er merkwürdiger Weise der Romantik, die er in früheren Jahren mit Stumpf und Stiel auszurotten und durch einen lebensheiteren Realismus zu ersetzen bemüht war, einen volksthümlichen Ton abgewinnen; aber beide, und eben die einzigen Stücke Laube’s, konnten sich keiner dauernden Theilnahme des Publicums erfreuen. Nun folgten „Struensee“ [in Wien zum ersten Mal am 30. October 1849 und bis 1. December 1864 30 Mal gegeben], das würdige Seitenstück zu „Monaldeschi“, „Gottsched und Gellert“ [in Wien zum ersten Mal am 2. März 1862 und bis 31. October 1863 11 Mal gegeben], „Die Karlsschüler“ [in Wien zum ersten Mal am 24. April 1848 und bis 18. Mai 1865 55 Mal gegeben] und „Prinz Friedrich“, die herrliche dramatische Tria’s, in welcher Laube deutsche, dem Herzen des deutschen Volkes naheliegende Stoffe mit Geist und Begeisterung behandelt, worauf noch „Graf Essex“ [in Wien zum ersten Mal am 1. Februar 1856 und bis 5. März 1865 45 Mal gegeben] und „Montrose“ [in Wien zum ersten Mal am 3. Februar 1859 und bis 30. October 1859 10 Mal, seither nicht wieder gegeben] folgten, mit welchen vorderhand die Reihe seiner dramatischen Arbeiten geschlossen ist. „Graf Essex“ ist überdieß besonders bemerkenswerth dadurch, daß ein Berliner Autor behauptete, Laube habe sein Stück auf Grund einer früheren von seinem Angreifer verfaßten und veröffentlichten Arbeit ausgeführt. Es war auch komisch zu sehen, wie nach diesem Angriffe Werther’s, so hieß der Dichter des Stückes „Liebe und Staatskunst“, an welchem sich Laube so sündlich vergangen und daraus seinen Essex geschnitzt haben soll, gleich ein zweiter von Herrn Ludwig Eckardt folgte von wegen der „Karlsschüler“. Treffend bemerkte aus Anlaß dieser dünkelhaften Plagiatbeschuldigungen, mit deren Für und Wider damals die Journale mehrere Wochen hindurch fast ihr Dasein fristeten, ein Schriftsteller: „Es heißt der Literatur einen schlimmen Dienst leisten, wenn man ihre ersten Vertreter – und zu diesen zählt doch wohl Laube – zu Fabricanten, die vom „Musterraub“ leben, herabwürdigt, und nicht entschieden genug kann man sich gegen solche Nichtigkeiten geistigen Eigenthums erklären, wie sie Laube entgegengeschleudert worden sind“. Man überblicke nur die vorstehende Lebensskizze, um zur Ueberzeugung zu gelangen, daß ein Poet wie Laube solcher „Anregungen“ zur Production nicht bedarf. Mitten in der oben gegebenen Darstellung seiner dramatischen Thätigkeit – Herausgeber ist bei der Aufzählung von Laube’s dramatischen Arbeiten um [200] einige Jahre vorausgeeilt – wird auch Laube von den Ereignissen des Jahres 1848 erfaßt. Das deutsche Reichsparlament soll zusammentreten, da durfte einer der wirksamsten und energischesten Vertreter Deutschlands, der sich überdieß dessen klar bewußt war, was man anzustreben hatte, nicht fehlen. Merkwürdig ist es nun, daß der Norddeutsche Laube in einem süddeutschen Wahlbezirke, im böhmischen Kreise Elnbogen, wo er seit einem Jahrzehend Karlsbader Curgast gewesen, in die Frankfurter Versammlung gewählt wurde. Als jedoch am 5. April 1849 die Abberufung der österreichischen Abgeordneten stattfand, welcher ein kleiner Theil nicht Folge leistete, da dieser erklärte, nicht von dem österreichischen Ministerium das Mandat zur Nationalversammlung, sondern von ihren Wählern erhalten zu haben, legte auch Laube sein Mandat als österreichischer Abgeordneter nieder, um als Ersatzmann des ausgetretenen Graevell für einen preußischen Wahlbezirk thätig zu bleiben. Die positive politische Ausbeute des Frankfurter Parlamentsjahres war, wenn man die Ereignisse in Sachsen und das Nachspiel in der Pfalz nicht mit in Rechnung bringt, eine unbedeutende. Viele gleich Laube mochten dieß fühlen, aber nur Wenigen war der feine beobachtende Scharfblick eigen, das Erlebte[WS 5] sozusagen plastisch wiederzugestalten, wie es Laube in seinem dreibändigen Werke: „Das erste deutsche Parlament“ gethan, das ebenso geschichtlich interessant ist, da es in klarer Weise den Gang der Verhandlungen abwickelt und die Stellung der Parteien zeichnet, als es durch die geistvollen Silhouetten der hervorragendsten Parlamentsmänner auch sonst anziehend wirkt. Laube selbst verharrte im Parlamente nur noch in den ersten Monaten 1849; als er jede Hoffnung auf das Gelingen einer schöpferischen Neugestaltung aufgeben mußte, trat auch er aus. Er schildert im genannten Werke die Wirksamkeit dieser Versammlung, wie eine ähnliche Europa bisher nicht gesehen und wohl nicht wieder sehen wird, in der anschaulichsten Weise. Er ergreift selbst nicht Partei einzelner Personen, nicht einmal die Partei bestimmter positiver Zwecke, sondern die Partei einer Idee, einer hohen sittlichen Idee. Dabei zeichnet er mit lebendigen Farben die verschiedenen Parteien, das Casino, den Landsberg, den Augsburgerhof u. s. w. Die ersten zwei Bände haben einen memoirenartigen Charakter, der dritte mehr den einer geschichtlich politischen Darstellung. Im Parlamente selbst hatte Laube zu den Wenigen gehört, welche statt der endlosen Debatten über Grundrechte und statt der Reden über Principien, gleich zu Anfang Organisationsmaßregeln verlangten. Wenige Monate nach seinem Austritte aus dem Parlamente, Ende 1849, erfolgte seine Berufung nach Wien, wo ihm die Stelle eines artistischen Directors des k. k. Hof-Burgtheaters anvertraut wurde, welche Laube auch am 1. Jänner 1850 antrat. Das Wiener Hof-Burgtheater nimmt seit Jahrzehenden den Rang der ersten deutschen Bühne ein. Noch als es schon unter Deinhardstein und später unter Holbein sichtlich in Verfall gerathen war, konnte ihm den Rang keine andere streitig machen. Aber die Nothwendigkeit, daß wie seit 1848 in vielen Fällen Reformen Platz griffen, auch hier solche eintreten mußten, trat immer klarer zu Tage und Laube ward dazu ausersehen, Ordnung zu machen. Und in der That, Laube war auch der rechte Mann dazu. Freilich griff er nicht mit Glacéehandschuhen [201] die Sache an und ließ sich auch von dem übermüthig gewordenen Schlendrian ganz und gar nicht verblüffen. In seltenem Grade energisch und in dem Maße eine unverwüstliche Arbeitskraft, wurde er übrigens von der Journalistik unterstützt, die es wohl ganz gut fühlte, daß sie dem zum Director einer Hofbühne aufgestiegenen früheren einfachen, wenngleich anerkannten Schriftsteller in seinem an und für sich schwierigen, unter den damaligen Verhältnissen aber doppelt schwierigen Geschäfte hilfreich unter die Arme greifen müsse. Nahezu sechszehn Jahre führt nun L. die artistische Leitung der Wiener Hofbühne in einer Zeit, in welcher das deutsche Theater entweder in einer Krise begriffen ist oder seinem Verfalle entgegen geht. Was die Leistungen Laube’s in dieser Stellung betrifft, gibt uns Emil Kuh , als er anläßlich des Conflictes, der Ende 1864 wegen Beeinträchtigung der Befugnisse des Directors mit dem Oberstkämmereramte Statt hatte, Laube’s Wirksamkeit übersichtlich schilderte, die zuverlässigsten Aufschlüsse. Er hat, schreibt Kuh, das zerfahrene Repertoir Deinhardstein’s und Holbein’s fest gegliedert, und dessen Lücken nach vielen Seiten lobenswerth ausgefüllt; er hat für das präcise Einhalten der für jede Woche bestimmten Vorstellungen gesorgt und die Proben mit einem Fleiß und einer Ausdauer dirigirt, wovon der jeweilige Theaterabend sprechend Zeugniß gab; er hat die Scenirung auf eine Stufe der Ausbildung gehoben, welche vor ihm nicht wahrzunehmen war; er hat dem Burgtheater und daher dem deutschen Theater überhaupt mehrere glänzende achtunggebietende Schauspielkräfte zugeführt, wie die Damen: Seebach, Boßler, Wolter, Baudius, Bognár und Gabillon; die Herren: Dawison, Sonnenthal, Lewinsky, Baumeister und Gabillon – Herr Wagner war schon in Berlin als ein sehr guter Schauspieler bekannt; die in den ersten Jahren seiner Leitung hervorstechende Pflege Shakespeare’s [WS 6][siehe S. 209, in den Quellen: VI. Einzelheiten]; die bühnliche Wiederbelebung der Werke Grillparzer’s und das Emporziehen der Dramen Otto Ludwig’s; diese Thatsachen werden immerhin als würdige Erinnerungszeichen an Laube’s Direction in der Chronik des Theaters zu bezeichnen sein. Wie sehr ihn auch sein anstrengendes Amt in Anspruch nahm, beweist die Thatsache, daß er seit Antritt desselben bis 1857 kein Zeichen schriftstellerischer Thätigkeit gegeben, und im genannten Jahre nach sechsjährigem Schweigen zuerst wieder mit dem fünfactigen Drama „Essex“ auftrat, welchem dann in einiger Zeit das Drama „Montrose, der schwarze Markgraf“ folgte. In neuerer Zeit wieder ist L. zu dem durch zwei Decennien von ihm vernachlässigten Roman zurückgekehrt und mit einem größeren historischen Roman „Der deutsche Krieg“ aufgetreten, mit welchem er vorerst die durch Louise Mühlbach, Brachvogel und Consorten verwahrloste oder richtiger gesagt vernichtete künstlerische Form des Romans gerettet, überdieß aber auch im Roman die für die deutsche Geschichte, die politische Entwickelung und die Lösung der religiösen Frage so wichtige Zeit des dreißigjährigen Krieges in höchst plastischer Weise dargestellt hat. Von den drei Büchern, die das ganze Werk bilden soll, sind die ersten zwei und zwar das erste, „Junker Hanns“, in vier Theilen und das zweite, „Waldstein“, in drei [202] Theilen bereits erschienen, das dritte Buch, „Bernhard von Weimar“, in drei Theilen, wird das Ganze schließen. Wenn man das genaue Studium der Oertlichkeiten, die Charakteristik der merkwürdigen, mit einer seltenen Lebenswahrheit modellirten, durchwegs historischen Gestalten, das mit künstlerischer Hand aufgetragene Colorit der Zeit, die lichtvolle Darstellung der politischen, militärischen und religiösen Parteien aufmerksam würdigt, so muß man zu der Ueberzeugung gelangen, daß Laube mit diesem Werke nicht eben ein geistvolles Werk mehr zur Unterhaltung liefern, als vielmehr zu seiner eigenen künstlerischen Befriedigung ein großes historisches Gemälde, das den Charakter einer unheilvollen Periode in seiner Gesammtheit wie in den einzelnen Trägern derselben mit gewissenhafter Treue abspiegelt, vollenden wollte und daß dasselbe nicht etwa dem glücklichen Einfall eines honorarlüsternen Schriftstellers, der eben Zeit zu schreiben hat, zu danken, sondern vielmehr die köstlich gereifte Frucht ist der eindringlichen Studien in den schönsten Jahren eines Mannes, der, unter welcher Fahne er dienen mochte, auf dieselbe immer seine Devise „Fortschritt“ aufgeschrieben hat. Wie bereits an einer Stelle dieser Lebensskizze bemerkt worden, ist Laube seit 1836 mit der Witwe des Leipziger Professors Hänel verheirathet, mit welcher er am 10. November 1861 die silberne Hochzeit gefeiert und an diesem Tage von Nah und Fern vielfache Beweise inniger Theilnahme erhalten hat. Aus dieser Ehe stammte ein Sohn Hans L. Dieser seit den Knabenjahren Wien angehörend, war in der gebildeten Welt Wiens wohlbekannt und als eine durch und durch tüchtige und liebenswürdige Persönlichkeit geschätzt. Nach vortrefflich beendeten Studien unterzog er sich bereits den strengen Prüfungen zur Erlangung der juridischen Doctorwürde, als ihn nach längeren Leiden im Alter von erst 25 Jahren der Tod (März 1863) dahinraffte. Es war wohl dieß der härteste Schlag, der das Herz Laube’s und seiner Gattin im Leben getroffen. – Letztere, Iduna (geborene Budeus), eine der geistreichsten und gebildetsten Frauen der Residenz, ist auch als Vorsteherin eines, humanistische Zwecke zum Frommen der Kinder ärmerer Volksclassen fördernden Frauenvereins, in segensvoller Weise seit Jahren thätig. Weiter unten in den Quellen folgen nach Laube’s Schriften und Angabe der von ihm vorhandenen Bildnisse jene wichtigeren Momente seines literarischen Wirkens, welche in der deutschen Literatur Veranlassung polemischer Invectiven wurden, an welche sich zur Würdigung und zum Verständniß dieses originellen Charakters die Charakteristiken verschiedener Literarhistoriker und Biographen Laube’s anschließen.

I. Laube’s im Drucke erschienene[WS 7] Schriften. „Das neue Jahrhundert“, 1. Band. Auch unter dem Titel: „Polen“ (Fürth 1833, Korn, 4°.) 2. Band. Auch unter dem Titel: „Politische Briefe“ (Leipzig 1833, Literar. Museum, 8°.). – „Das junge Europa. Novelle“, 2 Bände (Leipzig 1833 [Hoff in Mannheim], gr. 12°.), erschien im Jahre 1834 unter dem veränderten Titel: „Die Poeten. Novelle“. – „Reisenovellen“ (zuerst erschienen nur 6 Bände und darunter der 5. u. 6. (letzte) Band als „Neue Reisenovellen“ (Leipzig 1834–1837 [Hoff in Mannheim], gr. 12°.); die zweite Auflage erschien unter dem Gesammttitel: „Novellen“, 10 Bde. (Mannheim 1847 u. 1848, Hoff [jetzt Zürch, Siegfried], der 1. bis 9. Band unter dem Titel: Reisenovellen; der 10. Band unter dem Titel: „Paris 1847“. – „Liebesbriefe. Novelle“ (Leipzig 1833 [Hoff in Mannheim] 8°.). – „Moderne Charakteristiken“, 2 Bde. (Mannheim 1833 [Hoff], 8°.). – „Die Schauspielerin. Novelle“ (Mannheim 1836, Hoff, [203] 8°.). – „Die französische Revolution von 1789 bis 1836“ (Berlin 1836, kl. 8°.), anonym. – „Das junge Europa. 2. Theil, 2 Bände; auch unter dem Titel: „Die Krieger. Novelle“, 2 Bde. (Mannheim 1837, Hoff, gr. 12°.); – dasselbe, 3. Theil, auch unter dem Titel: „Die Bürger. Novelle“ (ebd. 1837, gr. 12°.). – „Das Glück. Novelle“ (Mannheim 1837, gr. 12°.). – „Görres und Athanasius“ (Leipzig 1838, 8°.), anonym. – „Geschichte der deutschen Literatur“. 4 Bde. (Stuttgart 1839 und 1840, Hallberger, Lex. 8°.). – „Französische Lustschlösser“, 3 Bde. (Mannheim 1840, Hoff, gr. 12°., mit 3 Titelbildern und 2 Karten in Fol.), die Bände enthalten: Fontainebleau. Chambord. – Eu. Pau. – St. Germain. Versailles. Die Kaschba. – „Das Jagdbrevier“ (Leipzig 1841 [Berlin, Klemann], 16°.; 2. verm. Aufl. Leipzig 1858, Hässel, 16°.). – „Der Prätendent“ (Leipzig 1842, Teubner, 8°.). – „Die Bandomire. Kurische Erzählung“, 2 Theile (Mitau 1842, Royher, 8°.). – „Gräfin Chateaubriant. Roman“, 3 Bände (Leipzig 1843, Teubner, 8°.). – „Drei Königsstädte im Norden“, 2 Bde. (Leipzig 1845, Weber, 8°.). – „Der belgische Graf“ (Mannheim 1845, Hoff, 8°.). – „George Sand’s Frauenbilder“, 24 Lieferungen (Brüssel 1845, Haumann u. Comp., gr. Lex. 8°., mit 24 Stahlstichen und im Texte befindl. Holzschn.). – „Dramatische Werke“, 1.–9. Band (Leipzig 1845–1858, J. J. Weber, 8°.) 1. Band: „Monaldeschi. Tragödie in 5 Acten und einem Vorspiele“ (1845); 2. Band: „Rokoko. Lustspiel in 5 Acten (1846); 3. Band: „Die Bernsteinhexe. Historisches Schausp. in 5 Acten. Nach Meinhold’s Hexenprocesse: Marie Schweidler“ (1847); 4. Band: „Struensee. Tragödie in 5 Acten“ (1848); 5. Band: „Gottsched und Gellert. Charakter-Lustspiel in 5 Acten“ (1850); 6. Band: „Die Karlsschüler. Schauspiel in 5 Acten“; davon eine 2. verbesserte Auflage ebenda 1847 (8°.); 3. verbess. Aufl. ebenda 1849 (16°.); 4. Aufl. (ebenda, 8°.); 7. Band: „Prinz Friedrich. Schauspiel in 5 Acten“ (1854); – 8. Band: „Graf Essex. Trauerspiel in 5 Acten“ (1856); 9. Band: „Montrose, der schwarze Markgraf“ (1859). Jedes der genannten Stücke ist mit dem angegebenen Titel auch abgesondert ausgegeben worden. – „Paris 1847“ (Paris 1848, 8°.). – „Das erste deutsche Parlament“, 3 Bände (Leipzig 1849, Weidmann, 8°.). – In die Zwischenzeit 1849–1864 fallen die unter der Gesammtausgabe der dramatischen Werke aufgezählten Dramen. – „Der deutsche Krieg. Historischer Roman in drei Büchern“ I. Buch, Bd. 1–4: Junker Starrschädel. II. Buch, Bd. 1–3: Waldstein (Leipzig 1863 u. f., Hässel, 8°.). Der ganze erste und ein Theil des zweiten Bandes vom ersten Buche war zuerst im Feuilleton der Wiener „Presse“ abgedruckt. Das dritte Buch, dessen Erscheinen bevorsteht, wird den Titel: Bernhard von Weimar, führen. Außer diesen bisher angeführten und selbstständig erschienenen Arbeiten sind noch andere in belletristischen Journalen erschienen; hat Laube mehrere Journale redigirt; Werke Anderer herausgegeben und mehrere Stücke für die deutsche Bühne übersetzt und eingerichtet; so erschien denn im 2. Bande der von Theod. Mundt herausgegebenen „Dioskuren“ von Laube die Novelle: „Die Maske“, welche auch im 3. Bändchen der von Feodor Wehl herausgegebenen „Eleganten-Bibliothek moderner Novellen“ (Berlin 1844, Schepeler, gr. 16°.) abgedruckt ist. – Die „deutsche Pandora, Gedenkbuch zeitgenössischer Gegenstände und Schriftsteller“, enthält im 3. Bande von Laube das literarische Charakterbild: „Gans und Zimmermann“. – Für die bei Sauerländer in Frankfurt 1835 erschienene Ausgabe der „sämmtlichen Werke Victor Hugo’s“ übersetzte Laube für den 7. Band den „Bug Jargal“; – auch gab er Wilhelm Heinse’s sämmtliche Schriften in zehn Bänden (Leipzig 1838, Volkmar, 8°.) heraus; schickte im 1. Bande als Einleitung das Leben und die Charakteristik Heinse’s voraus und fügte dem letzten (10.) Bande ein Schlußwort bei. Gleich zu Anbeginn seiner literarischen Laufbahn, noch während seines Aufenthaltes in Breslau unternahm L. die Herausgabe der Zeitschrift „Aurora“, welche aber, nachdem er in seinen Erwartungen, die besten Kräfte dafür zu gewinnen, enttäuscht worden, nach einem Vierteljahre bereits zu erscheinen aufhörte; später redigirte L. in den Jahren 1833 und dann wieder 1843 und 1844 die „Zeitung für die elegante Welt“, und in diesen beiden Jahrgängen sind viele Artikel von Laube’s Feder enthalten; überdieß lieferte er Beiträge für die „Blätter für literarische Unterhaltung“, für die „Mitternachts-Zeitung“, für die „Minerva“, die „Allgemeine Zeitung“ und die „Halle’schen Jahrbücher“, und schrieb zu Anfang seines literarischen Auftretens für Schall’s Zeitung in Breslau die Theaterkritiken; in der neuesten Zeit aber für die in Wien von Mayer herausgegebene „Oesterreichische Revue“ mehrere [204] Artikel über das Theater und eine Künstlercharakteristik Fichtner’s; und Einiges auch in früheren Jahren für das „Familienbuch des österreichischen Lloyd“, darunter besonders seine biographisch-literarische Skizze Grillparzer’s hervorzuheben, da er dieselbe gleichsam als Vorläufer vorausschickte, nachdem er den Plan gefaßt, Grillparzer’s Stücke bleibend im Repertoir des Burgtheaters zu führen, was ihm auch gelang. – Schließlich folgt hier der Vollständigkeit wegen die Liste jener Stücke, welche nach Laube’s Uebersetzung im Hofburg-Theater gegeben werden: „Die Eine weint, die Andere lacht“, Schauspiel in 4 A.; – „Die guten Freunde“, Schauspiel in 5 A. nach Sardou. – „Graf Hiob“, Schauspiel in 5 A. nach Laya; – „Eine vornehme Ehe“, Schauspiel in 5 A.; – „Cato von Eisen“. Lustspiel in 3 A. nach Gorostiza; – „Der kleine Richelieu“, Lustspiel in 2 A. nach Bayard; – „Der letzte Brief“, Lustspiel in 1 A. nach Sardou; – „Die Mördergrube“, Schwank in 1 A. nach Lokroy; – „Eine Partie Piquet“, Lustspiel in 1 A. nach Fournier; – „Der Pelikan“, Schauspiel in 5 A. nach Emil Augier; auch hat er das „Käthchen von Heilbronn“ von Kleist und den „Heinrich IV.“ von Shakespeare für die Bühne eingerichtet.
II. Biographien und Biographisches. Biographische Umrisse der Mitglieder der deutschen constituirenden Nationalversammlung zu Frankfurt a. M. Nach authentischen Quellen (Frankfurt a. M., S. Schmerber, 8°.) S. 205. – Blätter für literar. Unterhaltung (Leipzig, Brockhaus, 4°.) Jahrgang 1838, Nr. 125 bis 129: „Heinrich Laube“. – Brockhaus’ Conversations-Lexikon, 10. Auflage, Bd. IX, S. 417. – Europa, herausgegeben von Aug. Lewald, Jahrg. 1837, 3. Lieferung, S. 135 u. f. – Europa (belletristisches Wochenblatt), redigirt von Gustav Kühne (Leipzig, schm, 4°.) Jahrgang 1859, S. 234: „Vier Männer des weiland „jungen Deutschlands“ [diese vier Männer sind: Ludolph Wienbarg – Heinrich Laube – Theodor Mundt – Karl Gutzkow; Sp. 238–241 enthalten Laube’s gedrängten Lebensabriß]. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, kl. Fol.) 1856, Nr. 6653, S. 226: „Biographie“ [S. 225 Laube’s ähnliches Porträt, jedoch gibt es bei weitem ähnlichere; ebenda auch eine Scene aus seinem damals auf der Wiener Hofbühne zum erstenmale gegebenen „Essex“]. – Männer der Zeit. Biographisches Lexikon der Gegenwart (Leipzig 1860, Carl B. Lorck, 4°.) Sp. 425. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliograph. Institut, gr. 8°.) Bd. XIX. Abtheilung 1, S. 1136. – Allgemeine Moden-Zeitung, herausgegeben von Dr. Aug. Diezmann (Leipzig, 4°.) Jahrg. 1845, Nr. 29, S. 231: „Laube auf der Bühne“. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1850 et s., 8°.) Tome XXIX, p. 873 [mit dem falschen Geburtsdatum: 18. Februar 1806]. – Nowack (Karl Gabriel), Schlesisches Schriftsteller-Lexikon oder bio-bibliographisches Verzeichniß der .... schlesischen Schriftsteller (Breslau 1836 u. f., W. G. Korn, kl. 8°.) Heft III, S. 77. – Schlesische Zeitung (Breslau, Fol.) 1860, Nr. 495, in der „Schlesischen, bezüglich Breslauer Gedenktafel“ [nach dieser geboren am 28. September 1806]. – Schütze (Karl Dr.), Deutschlands Dichter und Schriftsteller von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart (Berlin 1862, Alb. Bach, 8°.) S. 196. – Steger (Fr. Dr.), Ergänzungs-Conversations-Lexikon (Ergänzungsblätter) (Leipzig und Meißen, gr. 8°.) Bd. VI, S. 826; Bd. X, S. 33. – Illustrirte Theater-Zeitung. Herausgegeben von Adolph Bäuerle (Wien, 4°.) 38. Jahrgang (1845), Nr. 171, S. 687: „Laube als Statist“. – Briefe an Ludwig Tieck. Ausgewählt und herausgegeben von Karl von Holtei. 4 Bde. (Breslau 1864, E. Trewendt, 8°.). – Waldheim’s’s Illustrirte Zeitung (Wien, Fol.) Jahrg. 1862, Nr. 13 [mit Laube’s wohlgetroffenem Bildniß im Holzschnitt]. – Wigand’s Conversations-Lexikon (Leipzig, 8°.) Bd. VII, S. 944. – Im Vorworte zum 2. (6.) Bande seiner „neuen Reisenovellen“ äußert sich Laube selbst über seine bisherige (1837) schriftstellerische Thätigkeit. – Dem ersten Bande seiner „dramatischen Werke“ (Leipzig 1845), dem Drama „Monaldeschi“, schickt Laube als Einleitung ein frisch und keck dargestelltes Stück seiner Bildungsgeschichte voraus.
III. Laube’s Bildnisse. 1) Unterschrift. Facsimile folgenden Autographs von Laube: „Der Poet aber ist Gottes! Du vergreifst dich an Gottes vorbehaltenem Eigenthume, wenn du den Dichter, Gottes ewigen Quell von unerhörten Dingen, vor dein beschränktes weltliches Tribunal schleppst (Gräfin Franziska in den „Karlsschülern“). Wien am 27. April 1848. [205] Heinrich Laube.“ Kriehuber (lith.) 1848. Gedr. bei B. J. Rauh (Wien, Halb-Fol.). – 2) Holzschnitt in der Leipziger Illustrirten Zeitung 1856, Nr. 665, S. 225 [wenn Herausgeber nicht irrt, nach Kriehuber’s Porträt]. – 3) Unterschrift: Der Reichstags-Abgeordnete Heinrich Laube. Nach Vogel’s Lichtbild Wolf sc. (4°.) [in den „Zeitgenossen“, Neue Folge, Verlag des Bibliograph. Instit., Nr. LII]. – 4) Unterschrift: Facsimile des Namenszuges Laube. Nach einem (in Laube’s Besitze befindlichen Originalgemälde von Fr. Pecht. Ohne Angabe des Stechers (Leipzig, 4°.) [schönes, geistvoll gearbeitetes Blatt, dessen Stecher immerhin sich hätte nennen können]. – 5) Holzschnitt nach einer Photographie von C. v. Jagemann, auch in Nr. 15 des Jahrg. 1862 von Waldheim’s Illustrirter Zeitung [sehr ähnlich]. – 6) Die Lewald’sche „Europa“ bringt in einem der ersten Hefte des Jahrg. 1837 Laube’s lithographirtes Bildniß [im Alter von etwa 30–31 Jahren]. – 7) Unterschrift: Das junge Deutschland im alten Burggarten.

„Wie von Alraunen ächzt es in den Bäumen
Des alten Gartens, der sich neu be-Laubt.
Neu pflanzen will der rauhe Mann, aufräumen
Soweit der höh’re Staatszweck es er-Laubt“.

Lithographie von Herbert K.(önig) in „Eine Gallerie von Zeitgenossen“, Nr. 5 [diese Folge von Carricaturen, deren Unterschriften – meistens in Versen – Arnold Schlönbach verfaßt haben soll, sind zuerst in der von Gust. Kühne redigirten „Europa“ erschienen]. – 8) Auf einer von Franz Gaul 1860 gezeichneten, aber nur photographisch vervielfältigten Carricaturengruppe, Laube inmitten der hervorragendsten Hofschauspieler vorstellend [ein wirklich höchst komisches und durch die große Aehnlichkeit der Einzelnen sehr interessantes Blatt]. – 9) Auch ist ein von Decker – wenn Herausgeber nicht irrt – in Aquarellfarben ausgeführtes Bildniß Laube’s aus dem Jahre 1862 oder 1863 vorhanden.
IV. Literarische und persönliche Charakteristik L.’s. Ueber Laube sind öfter geschriebene Porträts, Silhouetten und literarische Charakteristiken von Freund und Feind entworfen worden. Es wird dem Herausgeber beinahe die Auswahl schwer. Wienbarg, Gustav Kühne, Rudolph Gottschall, von Sternberg und viele Andere genannte und ungenannte Autoren haben diesen Charakterkopf gezeichnet, Beweis dessen, daß er eine interessante Studie ist und bleibt. Um diese Skizze eines der bedeutendsten lebenden Vertreter der deutschen Literatur zu schließen, folgen hier ein paar Charakteristiken, welche wenigstens ein möglichst ähnliches Bild L.’s zu entwerfen suchen. – Gottschall in der zweiten Auflage seiner Literaturgeschichte schreibt: „Während Gutzkow auf allen Fährten der Zeit spürte und witterte, um modernes Gedankenwild einzufangen, folgte Heinrich Laube mit größerer Frische dem Drange eines lebhaften Naturells, das sich nicht ängstlich um Entzifferung der Hieroglyphen des Jahrhunderts bemühte, sondern mit lustigem und wildem Triebe alt gewordenen Sitten und Zuständen den Krieg erklärte. Heinrich Laube ist ein kecker Realist und selbst als seine Keckheit verschwand, ist sein Realismus geblieben. Er geht stets vom concreten Bilde aus, das er mit glänzendem Colorit ausmalt. Er predigt nicht die Theorie, sondern er schildert die Praxis. Auf den üppigen Beeten seiner Schilderungen wachsen die Gedanken wild. Er säet sie nicht, er pflegt sie nicht – sie wachsen und vergehen wie nach Naturgesetzen. Diese Unmittelbarkeit scheint auf echt dichterische Kraft hinzudeuten. Auch ist die Kraft vorhanden; doch ihr fehlt die Concentration. Bei Laube ist Alles glücklicher Wurf. Er baut seine Charaktere nicht dialektisch auf, er verwebt in seine Situationen keine Gedanken; Charaktere und Schilderungen sind volle Lebenslust und diese Lebenslust ist zugleich Tendenz. Wo bei Laube eine Doctrin auftaucht, da klingt sie gewiß wie Renommage. Sie ist keck, aber sie steht so auf der Spitze, daß sie sich selbst zu ironisiren scheint. In Laube wurde das junge Deutschland gleichsam personificirt; er war der fleischgewordene Jungdeutsche, der sich die Reformtheorien wie klirrende Sporen angeschnallt, um die Philister zu ärgern und barsch mit der Reitgerte predigte. Er repräsentirte den frischen Lebensdrang, die Berechtigung der Jugend, die Emancipation der Sinnlichkeit. Das Moderne war bei ihm üppige Vegetation; das Alte, das sie hemmte, auszujätendes Unkraut. Er hatte seinen Styl nach dem Heine’schen Muster gebildet und dem Dichter der „Reisebilder“ jede glückliche Eigenheit abgelauscht, die lebensvollen, farbenreichen Adjectiva, den Witz überraschender Pointen und kecker Zusammenstellungen, die lyrischen Sprünge der Diction, die sich in keinen Perioden abarbeitet, sondern wo sie [206] berauschend wirkt, kurze Sätze wie geharnischte Minerven aus dem Haupte schleudert und sie nur anstandshalber durch ein schüchternes „Und“, die Conjunction der Ammenmärchen, verbindet. Wenn indes die Heine’sche Poesie bei Laube nur abgeschwächt zum Vorscheine kommt, so findet sich dagegen bei diesem größeres Compositionstalent, größerer Ernst der Gesinnung bei aller flotten Haltung und in den Schilderungen des Volkslebens ein feineres Organ für die stillwirkenden Verschiedenheiten und den Zusammenhang des Locals mit der Volkssitte[WS 8]“. – Eine treffende Charakteristik Laube’s ist wohl folgende: „Heinrich Laube ist wohl die interessanteste Künstlerfigur Wiens. Wenn man ihn genau ansieht, ist eine gewisse Gedrungenheit, Präzision, Strenge der Erscheinung seiner Figur nicht wegzuleugnen. Der geistreiche Kopf, das tiefliegende dunkle Auge, die scharfmarkirten Gesichtszüge, die sich sogar an einem fremdartigen, außereuropäischen Typus kenntlich machen, das Alles gibt der Figur dieses Mannes den Ausdruck des Kategorischen. Wer je mit Laube wenige Worte gewechselt, dem ist dieser Ausdruck auch in seiner Redeweise, in seiner Unterhaltungsart nicht verborgen geblieben. Der Mann liebt nicht langes Herumreden, das hört ihr ihm gleich an. Dabei ist keine Eitelkeit, kein Behagenfinden an Originalität des Geberdens im Spiele. Laube gibt sich wie er eben ist, streng, markig, kurz, präcis. Für den Beobachter hat diese Weise ihre interessanten Seiten, der an die Alltäglichkeit gewöhnlicher Menschen gewohnt ist, dem wird sie Anfangs abstoßend, unfreundlich, unliebenswürdig scheinen; das ist sie jedoch in der That nicht. Ein gewisser Grad männlicher Liebenswürdigkeit ist bei Laube’s Umgangsweise immer im Spiele, sehr oft ist sie äußerst anregend, pikant und witzig. Besonders heilbringend ist sein kategorisches, scharfkantiges Wesen dem Theater, in dem er ein strenges Regiment, eine kategorische Hausordnung eingeführt hat. Er beherrscht[WS 9] die Künstlerschaar, deren Wirken unter seiner Controle steht, mit fester gediegener Einsicht, er imponirt ihr durch den Reichthum dramaturgischer Erfahrung, durch ein festgeordnetes Wissen und durch seine auf das Höhere gerichtete Kritik. Er gewinnt sie aber auch durch seine hilfreiche Hand, die er jedem echten Talente zu reichen gewohnt ist, durch die Liebe, Vorliebe, Zärtlichkeit, könnte man sagen, mit der er eine wirkliche Begabung pflegt, hätschelt, ja sogar oft zu verzärteln weiß.“ – In der literarischen Kritik eines Ungenannten über Laube [Europa 1859, S. 239] heißt es über ihn: „Als Kritiker trieb er, was er Mittelmäßigkeiten nannte, heerdenweise vor sich her. Noch schärfer fast als die ideallose Mittelmäßigkeit verfolgte er die formlose Idealistik; er forderte mit einer Bravour, die freilich bald genug bloß bei den Franzosen die vermißte Formgestaltung des deutschen Drama’s und des deutschen öffentlichen Lebens suchte und bewunderte, um jeden Preis straffere, faßbar tüchtigere Formen zur Neugeburt einer besseren Gegenwart, er war mit slavischer Hitze im Stande die Formen zu octroyiren, um einen neuen Inhalt zu erzielen, despotisch neue Trachten zu erfinden, um Brauch und Schönheitssinn zu vereinigen und in der gesammten literarischen Arbeit der Jahrhunderte nur ein Ringen nach neuen Formen zu sehen. Gegen Doctrinen, die er höchstens als Stichwort gelten ließ, stieg sein Fanatismus der Form bis zur Verblendung, daß er die Entdeckungen Schelling’s im Reiche der Metaphysik für eitel Erfindungen, Hegel’s Dialektik für mechanischen Schulkram hielt, und als kecker Realist, der den gesunden Naturtrieb der sinnlichen Kraft in sein Recht einsetzen wollte, für die neubelebten Stoffe des Daseins keine andere Idealistik als Goethe’s plastische Grazie und Scribe’s Virtuosität in technischer Formvollendung zum Abschluß fand. In Heine sah er einen Hochpunct der Culturgeschichte Deutschlands; in ihm selbst gestaltete sich ein Gemisch von Heine und Heinse, obschon der geniale Schwung der Lyrik in Jenem auf dem Felde deutscher Romantik erblühte, Ardinghello’s „classisch antike Liebe ohne Pfaffen und Kirche“ in Laube’s natürlicher Grazie ihren Widerstand fand. Bon enfant von Haus aus, erwuchs in Laube der Literatur ein heiterer und tapferer Charakter; sein Gemisch von gesunder Kindlichkeit und starker Mannhaftigkeit bezeugt am besten die von ihm selbst geschilderte Idylle seiner Sprottauer Familienheimat.“ – Cerri zeichnet in seiner bekannten Weise in der „Iris“ folgende Silhouette Laube’s: „Slavischer Typus, mittelgroße Gestalt, brünette Farbe, kleine, graue, lebhafte Augen, kurzgeschornes, braunes Haar, brauner Schnur- und Backenbart, um den Mund ein sarkastischer Zug, im Ganzen ernstes geistreiches Aussehen; leichter, rascher Gang, [207] schlanke Turnüre; .... trägt sich immer sehr elegant; Frack und Glacée-Handschuhe permanent; im Benehmen wortkarg, aber interessant, liebenswürdig, zuvorkommend; hört gern fremden Rath; als Politiker gehört er, seiner früheren Wirksamkeit nach, zu den deutschen Kaiser-Schwärmern; als Schriftsteller überhaupt der französischen Manier huldigend – lebendig, pikant, dramatisch, und mehr die Staffagen als den eigentlichen Mittelpunct des Gemäldes beachtend, mehr phantasiereicher Skizzen-Zeichner als ausführender Miniaturmaler; als Dramaturg voll Scharfblick, Energie und Consequenz. – Abendblatt der Pesth-Ofner Zeitung 1856, in einer der Nummern zwischen dem 18. und 20. December, entwirft der Wiener Feuilletonist eine Charakter-Silhouette des Dichters des „Essex“, bei welcher er sich vornehmlich an Laube’s Ausspruch: „Junge Leute sind Kalbfleisch! wenn sie etwas werden, werden sie das Gegentheil von dem, was sie sind“, klammert. Aber auch von Laube’s Frau entwirft der Feuilletonist ein zu wohl getroffenes Bild, als daß wir es unterlassen können, hier mitzutheilen. „Als schöne Ergänzung dieser Holzschnitt-Figur (damit ist Laube gemeint) betrachten wir seine geist- und lebensvolle Frau, welche sehr gewandt die Honneurs in Laube’s Salon macht, dem Neuling, der über seine eigenen Beine stolpert, über die Hitze des geselligen Gesprächs weghilft; der geschwätzigen Salondame zuhorcht; dem Wortkargen einen Funken entlockt; dem Vorwitzigen ein Schnippchen schlägt und Alles auf die feinste und schicklichste Weise, mit dem Geistreichen geistreich, mit dem Gelehrten gelehrt ist, immer mit der Literatur gleichen Schritt hält, ja ihr voraus ist, da sie doch natürlich die Werke ihres Gatten früher kennt als die Welt, aber bei alledem die Berlinerin nicht verleugnet“. – Außer den vorangeführten Urtheilen der kritischen Stimmführer in der deutschen Literatur mögen hier noch einige Nachweise interessanterer Beurtheilungen der geistigen Thätigkeit Laube’s in ihrer Gesammtheit folgen. Breslauer Zeitung 1863, Nr. 261: Eine Charakteristik Laube’s von Rudolph Gottschall im Feuilleton der Breslauer Zeitung, worin G. seine in der Kaiserstadt von Begegnungen mit österreichischen Schriftstellern empfangenen Eindrücke schildert und auch eine Silhouette Laube’s, doch vornehmlich des artistischen Directors entwirft. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig, 4°.) II. Section, 29. Bd., S. 17 u. 21. – Gottschall (Rudolph), Die deutsche Nationalliteratur in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Literaturhistorisch und kritisch dargestellt (Breslau, zweite vermehrte und verbess. Aufl., Ed. Trewendt, 8°.) Bd. II, S. 91 u. f.; S. 74 [Laube’s kritischer Radikalismus]; S. 93 [das junge Europa]; S. 95 [seine deutsche Literaturgeschichte]; S. 96 [seine Reisenovellen]; S. 97 [moderne Charakteristiken]; S. 434–443 [über seine Bernstemhexe, Monaldeschi, Struensee, Rococo, Gottsched und Gellert, die Karlsschüler, Prinz Friedrich, Essex, Montrose]; S. 553 [über die Gräfin Chateaubriant]. – Gutzkow hält in seinem „Blasedow und seine Söhne“ eine giftige Apostrophe an das junge Europa und natürlich auch an Laube, die er in späteren Jahren wohl für sein Leben gern ausgestrichen hätte. – Hallesche Jahrbücher 1840. Diese enthalten eine interessante literarische Charakteristik Laube’s von Echtermayer. – Der Komet. Beilage für Literatur, Kunst u. s. w. Jahrg. 1837, Nr. 52: „Heinrich Laube“. – Kühne (Gustav), Porträts und Silhouetten (Hannover 1843, Kins, 8°.) Bd. II, S. 226 bis 244: „Heinrich Laube. 1835–1842“. – Mainzer Unterhaltungsblätter 1843, Nr. 9: „Die elegante Journalistik und Heinrich Laube“. – Mainzer Unterhaltungsblatt 1843, S. 859: „In Sachen des jungen Deutschland“. – Marbach (G. Osw.), Ueber moderne Literatur (Leipzig 1838, kl. 8°.) 336–345: „Dreißigster Brief. Heinrich Laube“. – Menzel (Wolfgang), Die deutsche Literatur (Stuttgart, zweite vermehrte Aufl. 1836, Hallberger, kl. 8°.) Theil IV, S. 354. – Minckwitz (Johann), Der illustrirte neuhochdeutsche Parnaß (Leipzig 1861, Arnold, 8°.) S. 517. – Mundt (Theodor Dr.), Geschichte der Literatur der Gegenwart. Vorlesungen über deutsche, französische, englische u. s. w. Literatur. Von dem Jahre 1789 bis zur neuesten Zeit (Leipzig 1853, Simion, 8°.) S. 612 u. f. – Oettinger’s Argus, II. Jahrgang (1838), Nr. 352: „Das junge Deutschland auf dem Culminationspunct“. Von W. Lieboldt. [Ein nicht unwichtiger Beitrag zur Geschichte der literarischen Verhältnisse in Deutschland in den Dreißiger Jahren.] – Schlesische Zeitung (Breslau, Fol.) 1858, Nr. 307: „Laube’s literarische Charakteristik“ [entnommen den „Erinnerungsblättern“ von A. von [208] Sternberg]. – Schmidt (Julian). Geschichte der deutschen Literatur im neunzehnten Jahrhundert (Leipzig 1855, Herbig, 8°.) Zweite Auflage, Bd. III (Die Gegenwart), S. 62 u. 164 u. f. – Wiener Theater-Chronik, herausgegeben von Sachse, 1860, Nr. 4: „Daguerreotypen aus der Künstlerwelt“. von Ariel [Heinrich Laube’s Daguerreotyp].
V. Kritische Urtheile der bedeutenderen deutschen Journale über Laube’s einzelne Werke (in der alphabetischen Folge ihrer Titel). Die Bandomire. Rosen. Literaturblatt (Leipzig, 4°.) 1842, Nr. 6. – Die Bürger. Der Spiegel. Zeitschrift für literarische Unterhaltung und Kritik (Stuttgart, 4°.) 1837, Nr. 91: „Das fortgesetzte junge Europa von Heinrich Laube“. – Blätter für literarische Unterhaltung, 1838, Nr. 129. – Gräfin Chateaubriant. Literaturblatt. Beiblatt zur allgemeinen Leipziger Mode-Zeitung. Herausgegeben von Dr. A. Diezmann, 1843, Nr. vom 1. April. – Rosen. Literaturblatt (Leipzig) 1842, Nr. 50. – Der deutsche Krieg. Allgemeine Zeitung (Augsburg, 4°.) Beilage Nr. 144–150. – Blätter für literarische Unterhaltung, 1865, S. 209: „Laube’s deutscher Krieg“, von Rudolph Gottschall. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt, Fol.) 1864, Nr. 120. – Wiener Abendpost (Beilage der amtl. Wiener Zeitung) 1863, Nr. 124, 125, 126: „Der deutsche Krieg von Heinrich Laube“, von Hieronymus Lorm. – Das erste deutsche Parlament. Blätter für literarische Unterhaltung. 1850, S. 798. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1849, Nr. 217 u. 218. – Essex. Blätter für literarische Unterhaltung, 1857, S. 31: „Neue Essex-Dramen“ (von Lohmann, Werther und S. 33 von Laube). – National-Zeitung (Berlin, kl. Fol.) 1855, Nr. 485. – Französische Lustschlösser. Blätter für literar. Unterhaltung, 1841, Nr. 158. – Zeitung für die elegante Welt. Von Dr. F. G. Kühne, Jahrg. 1840, Nr. 254 u. f. – Die Novelle Das Glück. Zeitung für die elegante Welt. Redigirt von Dr. F. G. Kühne, 1837, Nr. 126. – Gottsched und Gellert. Constitutionelle österreichische Zeitung (Wien, Fol.) 1862, Nr. 105: „Laube’s „Gottsched und Gellert“, von Leopold Kompert. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1862, Nr. 62: „Gottsched und Gellert“, von Ed. Hanslick. – Jagdbrevier. Blätter für literar. Unterhaltung, 1841, Nr. 173 u. 174: „Laube’s Jagdbrevier“, von Richard Morning. – Literarische und kritische Blätter der Hamburger Börsenhalle, in der Beilage „Deutsches Literaturblatt“, redigirt von Dr. L. Wienbarg[WS 10], 1840, Nr. 12 u. 13. – Die Karlsschüler. Der Humorist. Von M. G. Saphir (Wien, gr. 4°.) XII. Jahrg. (1848), Nr. 100: „Didaskalien“. von M. G. Saphir [über Laube’s „Karlsschüler“; Saphir nennt das Stück „ein von dem warmen Athem der Poesie durchglühtes effectvolles Zeitgemälde“]. – Die drei Königstädte. Blätter für literar. Unterhaltung, 1845, Nr. 171. – Die Krieger. Blätter für literarische Unterhaltung, 1838, Nr. 128. – Liebesbriefe. Literarische und kritische Blätter der Hamburger Börsenhalle (4°.) Jahrg. 1836, S. 328. – Literaturgeschichte. Blätter für literar. Unterhaltung, 1840, Nr. 236 u. 237: „Geschichte der deutschen Literatur von H. Laube“, von Wilhelm v. Lüdemann. – Literarische und kritische Blätter der Hamburger Börsenhalle, 1840, Nr. 1881. – Zeitung für die elegante Welt (Leipzig, 4°.) 1840, Nr. 242–244: „Laube und Gervinus“. – Monaldeschi. Beiblätter des Planeten für Literatur, Theater u. s. w., Herausgegeben von Ferdinand Philippi, 1842, Nr. 11: „Dresdner Theater-Skizzen. Laube’s Monaldeschi“, von Ed. Gehe. – Montrose. Morgen-Zeitung (Breslau) 1859, Nr. 78: „Theater-kritische Studien über Montrose“. – Das Neue Jahrhundert. Blätter für literar. Unterhaltung. 1833, Nr. 296, S. 1219. – Der Komet (Leipzig, 4°.) 1833, Nr. 23. – Unser Planet. Blätter für Unterhaltung, Zeitgeschichte u. s. w. 1833, Nr. 22: „Das neue Jahrhundert. Von Laube. Erster Band. Polen“. Von F. Stolle. – Prinz Friedrich. Blätter für literar. Unterhaltung, 1855, S. 414. – Didaskalia. Blätter für Geist, Gemüth u. s. w. (Frankfurt a. M.) 1848, Nr. 318. – Frankfurter Konversationsblatt 1848, S. 1247, 1251, 1255, 1259. – Reisenovellen. Blätter für literar. Unterhaltung, 1838, Nr. 125–129: „Heinrich Laube“. – Rococo. Didaskalia. Blätter für Geist, Gemüth u. s. w. (Frankfurt a. M., 4°.) 1851, Nr. 259: „Aus Wien. Ueber Laube’s Rococo“. Theater-Zeitung, herausg. von Adolph Bäuerle (Wien, 4°.) Jahrg. 1851, S. 886. – Struensee. Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, kl. Fol.) Jahrgang 1844, Nr. 56, S. 58 (mit bildlichen Darstellungen zweier Scenen des Stückes, der fünften des ersten und der letzten des vierten Actes].
[209] VI. Einzelheiten: Laube’s Shakespeare-Repertoire des Wiener Burgtheaters. Laube und der Čechismus. Laube als Pseudonym. Ein Autograph Laube’s. Laube und der Fechter von Ravenna. Laube und Werther. Laube und Ludwig Eckardt. Laube und Saphir. Laube und Heine. Laube und das Oberst-Kämmereramt.Laube’s Shakespeare-Repertoire auf dem Burgtheater. Laube hat während seiner Direction des Burgtheaters alle früher auf dieser Bühne gegebenen Stücke Shakespeare’s neu einstudirt; einige aber, wie „Cymbelin“, „Richard III.“, neu aufgeführt; so umfaßt nun das Shakespeare-Repertoire der Hofbühne folgende Stücke: „Lear“, – „Der Kaufmann von Venedig“, – „Romeo und Julie“, – **„Julius Cäsar“, – *„Coriolan“, – **„Richard III.“, – „Heinrich IV.“, – **„Der Sommernachtstraum“, – „Die Widerspenstige“, – „Die lustigen Weiber von Windsor“, – *„Macbeth“, – „Hamlet“, – *„Othello“. – *„Cymbelin“, – **„Was ihr wollt“, – **„Viel Lärmen um Nichts“, – *„Die beiden Edelleute von Verona“, – **„Antonius und Cleopatra“, – **„Das Wintermärchen“. Von diesen sind die zweisternigen von Laube zuerst zur Aufführung gebracht, die einsternigen durch ihn neu einstudirt. – Laube und der Čechismus. Der Komet. Redigirt von Herloßsohn (Leipzig,[.) 1843, S. 592 u. f.: „Gegen Heinrich Laube“ Von J. Kaufmann [eine Polemik gegen Laube’s Ansicht, der die Čechonomie theils als Spielerei, theils als nationale Agitation betrachtet]. – Jordan, Slavische Jahrbücher (Leipzig, gr. 8°.) Jahrgang 1845, S. 226. – Laube als Pseudonym. Einem Hamburger Blatte entnehmen wir, daß Laube in Breslau längere Zeit Kritiken über Literarische und Bühnenproducte unter dem Pseudonym Aletophilos veröffentlicht habe; – ferner erzählt der Bahnhof (Wiener Blatt) 1855, in Nr. 48: „Aus dem Leben eines Dichters“, daß Laube als Student in Breslau unter dem Namen Heinrich Lampe ein Stück: „Gustav Adolph“ geschrieben, es zur Aufführung gebracht, selbst ausgepocht habe und dafür von den ehrsamen Breslauer Bürgern, welche an dem Mißfallen des Autors an seiner eigenen Arbeit Aergerniß nahmen, herausgewiesen worden sei. – Ein Autograph Laube’s. Parlaments-Album. Autographirte Denkblätter der Mitglieder des ersten deutschen Reichstages (Frankfurt a. M. 1849, S. Schmerber’sche Buchhandlung, kl. Fol.) S. 34. Laube’s Autograph lautet: „Die Revolution hat nur so weit Recht und behält nur so weit Recht, als sie wirklich nothwendig gewesen. Das Gemachte an ihr wird früh oder spät verurtheilt. Frankfurt 4. März 1849. Heinrich Laube“. – Adolph Hentze in seinem Büchlein „Die Handschriften der deutschen Dichter und Dichterinen mit 305 Facsimiles, kurzen Biographien und Schrift-Charakteristiken“ (Leipzig 1855, Bernhard Schlicke, 8°.) charakterisirt Laube’s Handschrift (S. 90) mit folgenden Worten: „Zwar burschikose, aber elegante Form“. – Laube und der Fechter von Ravenna. Als Halm’s „Fechter von Ravenna“ zuerst anonym auf der Wiener Hofbühne gegeben wurde und sehr gefiel, fand sich mit einem Male ein Schulmeister in Possenhofen (bei München), Namens Bacherl, der Ansprüche auf die Autorschaft erhob. Es war bald nach dem orientalischen Kriege, die Zeitungen arm an Stoff, da bot die Fechter von Ravenna-Frage Nahrung auf mehrere Wochen. Endlich trat Laube auf und zerhieb mit einer geharnischten Erklärung den gordischen Knoten. Da diese Episode in der deutschen Literaturgeschichte wegen der damit verbundenen Frage des geistigen Eigenthums immer eine Stelle behaupten wird, folgt in nachstehender Uebersicht ein vollständiger Nachweis der wichtigsten diesen Gegenstand behandelnden Artikel. Aachener Zeitung 1856, Nr. 72: „Heinrich Laube über den Fechter von Ravenna“. – Deutsche allgemeine Zeitung (Leipzig 1856, Brockhaus), Nr. 59: „Laube’s Erklärung auf O. von Schorn’s Frage betreff des „Fechters von Ravenna“. – Donau (politisches Blatt in Wien, 4°.) 1856, Nr. 62, in der Rubrik: „Verschiedenes“. Anfrage an die Münchener. Neues „Bacherl“-Ventil. – Humorist. Von M. G. Saphir (Wien, kl. Fol.) 1856, Nr. 79, S. 314: „Ist mit Herrn Dr. Laube’s Erklärung die Fechter-Angelegenheit erledigt? – Nein! Erstes Gutachten“. Von M. G. Saphir; – dasselbe Blatt Nr. 83, S. 330: „Zur „Fechter“-Frage“. Von O. von Schorn. – Oesterreichische Zeitung (Wiener politisches Blatt) 1856, Nr. 136: „Schreiben von O. von Schorn in der Fechter von Ravenna-Sache“. – Ostdeutsche Post (Wiener polit. Blatt) 1856, Nr. 63, in der Rubrik: „Kunst, Literatur und Theater“. – Laube und Werther. Noch war nicht „die Fechter von Ravenna-Frage“ erledigt, als das Erscheinen des Laube’schen „Essex“ neue Rachegötter über Laube heraufbeschwor. [210] Ein Herr Werther hatte vor einigen Jahren ein Stück: „Liebe und Staatskunst“, in Druck gegeben, in welchem das Verhältniß Essex’ zu Elisabeth den Stoff des Drama’s bildet. Nun als der Laube’sche Essex erschien, und auf mehreren Bühnen gefiel, kam Herr Werther auf den Gedanken, daß Laube das Beste seines Essex aus seiner (Werther’s) „Liebe und Staatskunst“ geholt habe. Für spätere Literarhistoriker, die den Stand der Frage und die Polemik darüber kennen lernen wollen, werden die folgenden Quellen angegeben. Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen. Nummer vom 5. März 1856: „Werther’s Ansichten, wie Laube sein Stück: „Liebe und Staatskunst“ für den Essex benützt habe“. – Frankfurter Konversations Blatt 1856, Nr. 58: „Die Tragödie „Graf Essex“ betreffend“, von Karl Ludwig Werther. – Oesterreichische Zeitung (Wiener politisches Blatt, Fol.) 1856, Nr. 128: „Werther contra Laube“, von B(etti) P(aoli) [wird aus einer eingehenden Parallelisirung des „Essex“ von Laube und des Trauerspiels „Staatskunst und Liebe“ von Werther, der übrigens am Tage liegende Beweis geliefert, daß es L. wohl nicht einfallen konnte, bei Werther für sein Stück etwas zu borgen]. – Allgemeine Theater-Chronik (Leipzig, 4°.) 1856, Nr. 37 bis 39: „Die zwei „Essex“, von Rudolph Valdeck [geharnischte Abfertigung der Werther’schen Ansprüche und Anschuldigungen]. – Laube und Ludwig Eckardt. Kaum war Werther mit seinen Ansprüchen auf zufällige Einzelheiten im „Essex“ abgewiesen worden, als Dr. Ludwig Eckardt in einem aus Bern 13. März 1856 datirten, in der Allgemeinen (Augsburger) Zeitung ab- und in ein paar Wiener Blättern nachgedruckten Briefe behauptete, Laube habe bei den „Karlsschülern“ ein Lustspiel Eckardt’s: „Der politische Dichter“, vorgeschwebt. Der ganze Brief machte einen komischen Eindruck und erschien, da zu Ende desselben Herr Ludwig Eckardt folgendes Bekenntniß ablegt: „Daß er Herrn Laube, den verdienstvollen Bühnenleiter seiner Vaterstadt, immer mehr achten lernte“, geradezu lächerlich. – Laube und Saphir. Es ist bekannt, daß Saphir, so lange Laube nicht in Wien sich befand und nicht Director der Wiener Hofbühne war, Laube nicht nur unangefochten ließ, sondern ihn als einen bedeutenden Dichter proclamirte. „Saphir hat’s gesagt“, das wollte in den Vierziger Jahren in Wien etwas bedeuten. Ungeachtet der vorangegangenen Märztage machte doch die Nummer 100, im Jahre 1848 des „Humoristen“, welche so anfing: „Endlich! Endlich! Endlich! „Die Karlsschüler!“ von Laube. Il vaut mieux tard que jamais!“ Aufsehen. Und am Schlusse der Kritik des Stückes heißt es: „Sehen wir nur noch von einigen Längen der ersten Acte ab, so müssen wir in den „Karlsschülern“ ein von dem warmen Athem der Poesie durchglühtes, effectvolles Zeitgemälde erkennen. .... Wir bedauern, daß uns die fieberhafte Aufregung, in welche die politischen Ereignisse die ganze Welt versetzen, ein gründlicheres Eingehen, wie es das Stück und der Name seines Dichters verdient und wie es ihm schon früher geworden ist und in ruhigeren Augenblicken noch werden wird, jetzt geradezu unmöglich macht“. Diese ruhigeren Augenblicke Saphir’s für Laube sind nicht gekommen. Kaum war Laube – um sich eines trivialen Ausdruckes zu bedienen – in Wien warm geworden, als schon Saphir die Dolche und zweischneidigen Schwerter seines Witzes und seiner Satyre scharf schliff und Laube literarisch kalt zu machen suchte. Diese Angriffe Saphir’s gehören mit zu der Charakteristik der Sumpf- und Moderperiode der geistigen Zustände Wiens vor noch wenigen Jahren; daher hier die wichtigeren angeführt werden. Humorist. Von M. G. Saphir (Wien, 4°.) XIV. Jahrg. (1856), Nr. 26: „Didaskalien. Von M. G. Saphir. Die Apokalypse des Burgtheaters in der Wiener Zeitung“ [mit diesem Artikel hebt Saphir’s Opposition gegen Laube’s Direction an]; – derselbe im nämlichen Jahrgang, Nr. 107: „Didaskalien. Von M. G. Saphir. Maria Stuart, Tragödie von dem „Chirurgus“ Friedrich Schiller, amputirt von Doctor Heinrich Laube“; – derselbe im nämlichen Jahrgang, Nr. 243: „Ueber das Spieß-Deutschthum des Herrn Dr. Laube“. [Eine Fortsetzung dieser literarischen Razzia Saphir’s auf L. in Nachweisung weiterer Aufsätze ist überflüssig. Das Angeführte genügt zur Signatur Saphir’s und der geistigen Zustände Wiens, so lange Saphir lebte.] – Laube und Heine. Aus Kertbeny’s „Silhouetten und Reliquien“, Bd. II, S. 201, erfährt man, daß eine reiche Sammlung von Heine’s Briefen (Kertbeny nennt sie reicher als die Varnhagen’sche, uns nunmehr bekannt gewordene), welche Laube besaß, bei dem Brande von Laube’s Wohnung [211] in Wien verkohlte. – Laube’s Conflict mit dem Oberst-Kämmereramte wurde zu einer Bedeutung hinaufgeschraubt, die er nie hatte. Laube machte sein Recht geltend, als in dasselbe Eingriffe geschahen; er bestand auf seinem Rechte, nicht um seiner Person, sondern um der Sache willen, die durch willkürliches Gebaren leiden mußte. Das Recht siegte. Und damit war es abgethan. In den hier folgenden Blättern findet sich eine vollkommene Darstellung des Anfanges, des weiteren Verlaufes und des Endes desselben. Krakauer Zeitung 1864, Nr. 237: „Wiener Briefe“. [Enthalten ausführliches Detail über den Conflict zwischen Laube und dem Oberst-Kämmereramte. Darin heißt es von L.: „Sein oder nicht sein, gehen oder nicht gehen! Der Abgang eines Laube wäre unersetzlich. Was Laube an unserem Burgtheater des Guten gethan, werden Jahrzehnde nicht verwischen, wer es jedoch wagen wollte, als sein Nachfolger zu candidiren, wäre mit hellem Spott zurückzuweisen. Man kann Herrn Laube vom Herzen gründlich hassen, den Dramaturgen muß man in ihm hoch achten. Er hängt am Theater mit der Leidenschaft einer ersten Liebe. Er hat seit fünfzehn Jahren auf keiner Probe gefehlt und thätigst wie thatsächlich in alle Radien eingegriffen. Er ist ein energischer, entschlossener, geistreicher Mann, kurz es gibt in Deutschland keinen Laube den Zweiten“. In der That, Laube’s Abgang vom Burgtheater wäre gleichbedeutend mit dessen Verfall zunächst und dem bald darauf eintretenden der anderen deutschen Bühnen.] – Morgen-Post (Wiener polit. Blatt, Fol.) 1864, Nr. 94: „Director Laube“. – Neue freie Presse (Wien, Fol.) 1864, Nr. 31: Theater-Epistel [erörtert Laube’s Conflict mit dem Oberst-Kämmereramte]. – Politik (Prager politisches Blatt) 1864, Nr. 269 [ein Wiener Brief, geschrieben anläßlich des Conflictes der artistischen Direction mit dem Oberst-Kämmereramte, voll persönlicher Insinuationen gegen erstere]. – Presse 1864, Nr. 262: „Die Krisis im Burgtheater“; – dieselbe 1864, Nr. 272: „Heinrich Laube und das Burgtheater“, von Em(il) K(uh). [Eine Würdigung Laube’s als artistischen Directors des Burgtheaters anläßlich seines Conflictes mit dem Oberst-Kämmereramte.]

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Laube, Heinrich. Auf Seite 200, erste Spalte, eilfte Zeile von unten, ist statt Erlaubte zu lesen Erlebte, und Seite 202, zweite Spalte, 22. Zeile von unten soll es statt: Laube’s im Drucke erschienenen Schriften, heißen: Laube’s im Drucke erschienene Schriften. [Bd. 14, S. 496.]
  2. E Laube, Heinrich [Bd. XIV, S. 200 u. 496]. Im September 1874 legte Laube die Leitung des Wiener Stadt-Theaters zurück und hat Lobe dieselbe übernommen.
    Die Gartenlaube. Ein illustrirtes Familienblatt (Leipzig, Ernst Keil, 4°.) 1868, S. 516: Einer vom „Jungen Deutschland“ (mit vortrefflichem Holzschnittbildniß von A. N.(eumann)]. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, kl. Fol.) XLIX. Bd. (1867, S. Theil), S. 255. [Bd. 28, S. 363.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Deuschlands.
  2. Vorlage: Aufmersamkeit.
  3. Vorlage: Urmachers.
  4. Karl Wilhelm Naundorff (Wikipedia).
  5. Vorlage: Erlaubte.
  6. Vorlage: Shakesspeare’s.
  7. Vorlage: erschienenen.
  8. Vorlage: Volssitte.
  9. Vorlage: beherrrscht.
  10. Vorlage: S. Wienbarg.