BLKÖ:Saphir, Moriz Gottlieb

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Saphir, Sigmund
Band: 28 (1874), ab Seite: 213. (Quelle)
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Saphir, Moriz Gottlieb (Schriftsteller, geb. zu Lovas-Berény in Ungarn am 8. Februar 1795, gest. zu Baden bei Wien am 5. September 1858). Sein Vater Gottlieb, eigentlich Israel, war der erste seines Namens. Als unter Joseph II. die Juden vorgeladen wurden, um vor einem königlichen Commissär Familiennamen anzunehmen oder zu erhalten, konnte sich Saphir’s Vater, ein achtbarer, damals jedoch noch wenig bemittelter Handelsmann zu Lovas-Berény im Stuhlweissenburger Comitate, nicht schnell genug entschließen und schwankte in der Wahl eines Familiennamens. Da sprach der Commissär: Sie haben einen Ring mit einem schönen blauen Stein am Finger. Wie heißt dieser Edelstein? Nennen sie sich nach diesem Stein. Und der Ringstein, den der Vater trug, war ein edler Corund, den die Juweliere Saphir nennen, und also entstand der Familienname Saphir. Saphir’s Vater war, wie gesagt, ein israelitischer Kaufmann, der unter seinen Glaubensgenossen für einen gelehrten Mann galt, seiner witzigen, oft knappen und zutreffenden Antworten wegen weit und breit bekannt war. Er erfreute sich auch allgemeiner Achtung und soll auch Vorsteher sämmtlicher israelitischen Gemeinden des Stuhlweissenburger Comitates gewesen sein. Die Mutter Charlotte, eine geborne Brüll, stammte aus Preßburg und war das lebendige Princip der Liebe, Milde, Wohlthätigkeit, Gastfreundschaft und Duldung. Aus dieser Ehe stammte Moriz oder, wie er ursprünglich hieß, Moses, der die kaufmännische Laufbahn des Vaters betreten sollte. Der Vater widmete alle Muße, die ihm seine eigene anstrengende Beschäftigung übrig ließ, der Erziehung und dem Unterrichte seines Sohnes, der aber nichts weniger als auf die kaufmännischen Intentionen seines praktischen Vaters einging und schon frühzeitig einen höheren Flug nahm. Dabei hatte er sich aber schon in den Knabenjahren mit sämmtlichen Büchern der h. Schrift, mit einer großen Anzahl Tractate aus der Mischna und dem Talmud und ihrer Commentatoren bekannt gemacht, und da er ein vortreffliches Gedächtniß – wie überhaupt in Wirklichkeit ganz ungewöhnliche Geistesgaben – besaß, ganze Capitel und lange Stellen aus diesen mitunter hochpoetischen Schriften auswendig gelernt. Nachdem der Gedanke, den Sohn zum Kaufmann auszubilden, in Folge seiner blendenden Geistesanlagen fallen gelassen worden, sollte er die theologische Laufbahn betreten, und es wurde beschlossen, ihn an die rabbinische Schule nach Prag zu senden, welche damals ob ihrer trefflichen Lehrer, darunter namentlich Rabbi Landau [Bd. XIV, S. 69], einen gewissen Ruf besaß. Indessen sollte er vorher an der israelischen Schule in Preßburg für den Eintritt in jene zu Prag vorbereitet werden. Aber Moriz kam früher und aus ganz eigenthümlicher Ursache nach Prag. In der Nähe von Preßburg besaß der Knabe Anverwandte, welche er zu besuchen pflegte. Dort [214] befreundete er sich mit dem im gleichen Alter stehenden Sohne einer jungen hübschen Witwe. Dieser Letztere kam nun einmal auf die Idee, daß, wenn Moriz seine Mutter heirathete, er nun sein Vater würde. Dabei fand Moriz an der sauberen Mutter seines Freunde auch Gefallen, er ging nur zu gern auf die Idee seines Freundes ein und hatte nichts Eiligeres zu thun, als mit diesem Verlangen vor den Vater zu treten. Dieser hielt dieses Begehren anfänglich für einen müssigen Knabenscherz, als aber Moriz sein Anliegen mit allem Ernste betonte, trug es ihm eine höchst unsanfte Berührung der Vaterhand mit seiner Wange ein. Das brachte das Gemüth des Knaben in wahre Empörung. Erzürnt verließ er das Vaterhaus, lief nach Preßburg, wußte von seinen dort lebenden Verwandten einiges Geld zu erlangen und ging nun, es war im Jahre 1806, selbst nach Prag, wo er in die rabbinische Schule eintrat und mit seinen großen Fähigkeiten bald allgemeines Staunen erregte. In der That machte er auch in seinen rabbinischen Studien solche Fortschritte, daß ihm das dortige Collegium ein Diplom ertheilte, wodurch er berechtigt wurde, in jeder isrealischen Gemeinde über Streitigkeiten religiösen Inhalts vollgiltig zu entscheiden. Aber das war es nicht, wonach S. geizte; nachdem er sich, während er rabbinische Studien betrieb, zugleich mit den Heroen der deutschen Dichtung und Wissenschaft näher vertraut gemacht, fand er an den theologischen, geisttödtenden und nutzlosen kabbalistischen Spitzfindigkeiten der Rabbinen kein Gefallen mehr, und trunken von der Geistesfrische der deutschen Literatur, hing er Talmud und was damit im Zusammenhange stand, auf den Nagel und begann nun eindringliche und fleißige Studien der deutschen, französischen, italienischen und englischen Sprache und Literatur, mit deren Meisterwerken nach jeder Richtung hin er sich bald völlig vertraut gemacht hatte. Aber so leichten Kaufes sollte dieses Aufgeben des elterlichen Planes nicht vor sich gehen. Der Vater wollte von einer Veränderung der Standeswahl weiter nichts wissen, und als der Sohn zur Rückkehr zu den rabbinischen Studien schlechterdings nicht zu bewegen war, entzog ihm der Vater die Subsistenzmittel zu längerem Verbleiben in Prag. In die Zeit des Prager Aufenthaltes fällt auch Saphir’s erstes poetisches Product, das er auf der Prager Brücke gedichtet und seinen beiden Freunden Ludw. H. (alirsch?) und Joh. Gab. S. (eidl?) aus der Ferne zugeschickt hat. Das seltene, fast verschollene Gedicht brachte Kober’s „Von Haus zu Haus“ 1860, S. 238. Der Zwiespalt zwischen Vater und Sohn war nicht von langer Dauer. Der Vater wollte durch hartnäckiges Beharren auf seinem Entschlusse den talentvollen Sohn nicht ganz verlieren, und indem er ihm Reisegeld schickte, berief er ihn 1814 in’s Vaterhaus, wo er an dem Handelsgeschäfte seines Vaters theilnehmen sollte. S. kehrte auch zu seinem Vater zurück und gewann, in dessen Geschäft eintretend, bald sein unbedingtes Vertrauen. Aber auf die Dauer sagte dem von dem Genusse des geistigen Schaffens entflammten S. solch trockenes, mercantiles Gebaren doch nicht zu, und statt die Strazzen zu führen, die Contobücher im Stand zu halten und die Contracte für die Lieferanten zu schreiben, schrieb er Scherzgedichte, ersann witzige Charaden und knüpfte trotz seiner nichts weniger als einnehmenden Larve kleine Verhältnisse an, die ihm die Zeit vertreiben halfen und ihn amusirten. Dabei machte er [215] Schulden, die er seinen Vater bezahlen ließ. Einmal, als er längere Zeit abwesend war, schrieb er nach Hause um Geld; als er keines erhielt, bombardirte er den Onkel täglich mit Briefen, der, um sich den lästigen Neffen vom Halse zu schaffen, sich endlich herbeiließ, ihm 100 fl. zu senden. Durch ein Versehen gab aber der Onkel diesen Auftrag an zwei Häuser, so das Saphir zu gleicher Zeit 200 fl. erhielt. Von diesen war in wenigen Tagen nichts mehr zu sehen und der Onkel konnte um die Rücksendung der zu viel geschickten 100 fl. viele Briefe schreiben, er erhielt von S. doch keine Antwort. Nachdem mehrere Briefe, in welchen er die Rücksendung des Geldes verlangte, erfolglos geblieben waren, so schrieb der Onkel: er solle das Geld immerhin behalten, aber doch nur mittheilen, daß er es bekommen habe und somit nicht verloren sei, nun antworte Saphir ganz kurz: „er hätte ihm nur zeigen wollen, wie es thue, mehrere Wochen umsonst um hundert Gulden schreiben zu müssen“. Dieser an und für sich komische Zug charakterisirt am treffendsten den frechen Cynismus, der ein Hauptmerkmal seines Charakters war. In Pesth, wo er die in Prag begonnenen Studien der modernen Sprachen mit jenen der lateinischen und griechischen vertauschte, begann S. zu schriftstellern. Den ersten Aufsatz schickte er an Bäuerle, den damaligen König der Zeitungspresse in Oesterreich. Als Bäuerle den Aufsatz gelesen, sandte er denselben an Saphir mit der Bemerkung zurück, er nehme keine Auszüge aus Classikern auf, sein Blatt heiße ein Originalblatt. Diese Antwort lautete für den Verfasser ebenso kränkend, wie ermuthigend. Dabei übte der damals noch junge Autor sein von Natur außerordentliches Gedächtniß, und man erzählt, daß er ganze Seiten der modernen und alten Schriftsteller aller Nationen nach einmaligem Lesen zu wiederholen im Stande war. Es erklären sich aus diesem Umstande seine an das Wunderbare grenzenden Citate in seinen flüchtigsten Aufsätzen und die Beschuldigung, die man gegen ihm erhob, er habe viele seiner besten Gedanken genommen, wo er sie eben gefunden. Er hatte sie nicht erst zu suchen gebraucht, er trug sie immer in seine Kopfe herum. Als später sein Vater nach Moor übersiedelte, fand S. im Hause einer dort lebenden gräflichen Familie (Lamberg, n. A. Lambert) die wohlwollendste Aufnahme, und in dieser Zeit entstanden seine „poetischen Erstlinge“ [die bibliographischen Titel seiner Schriften siehe S. 221, in den Quellen], auf welche Adolph Müllner, der damalige Matador der deutschen Kritik, im Literaturblatte seiner „Mitternachts-Zeitung“ aufmerksam machte und namentlich den Jean Paul’schen Geist, der aus diesen Arbeiten sprach, betonte. Diese Anerkennung weckte die Lust zum Schaffen und S. begab sich wieder nach Pesth, wo er an der von dem Grafen Festetics begründeten „Pannonia“ bald als Hauptmitarbeiter durch seine lyrischen und humoristischen Gedichte, seine Kritiken, Papilloten und insbesondere seinen Argonautenzug nach der Margaretheninsel Aufsehen erregte. Seine Gegner, durch diese Erfolge gereizt, beschuldigten ihn schon damals des Plagiats, namentlich die Papilloten als Blüthen, aus Jean Paul’schem Grunde gerissen; aber Saphir erwiederte auf solche Anschuldigungen mit neuen und noch originelleren Variationen derselben Themata. In diese Zeit fällt seine Variation der falschen Catalani im rabbinisch-jüdischen Dialekte, welche ätzende, [216] durch ihre ungeheure Wirkung erprobte Satyre auf die Abgeschmacktheiten und Lächerlichkeiten des orthodoxen Judenthums in den Familien gebildeter Israeliten noch heute in Abschriften circulirt und sich wie eine Tradition von Vater auf Söhne vererbt. Daß unter solchen Umständen und bei seiner sich stets steigernden Beliebtheit ihm der Zutritt in vielen Häusern möglich war, versteht sich von selbst. Aber bald war ihm Pesth als bleibender Schauplatz seiner geistigen Thätigkeit, obgleich damals der Magyarismus noch nicht dominirte und der ungarische Globus als für sich stehende Welt noch nicht erfunden war, viel zu enge; er folgte im Jahre 1822 einer Einladung Bäuerle’s nach Wien und wurde bald dessen Hauptmitarbeiter an der damals tonangebenden „Theater-Zeitung“. Aber auch an den anderen Blättern war S. thätig, so an Gräffer’s „Conversationsblatt“, an Schmidl’s „Literarischem Anzeiger“, am „Sammler“ und zugleich war er Correspondent der besten belletristischen Blätter Deutschlands, für das „Morgenblatt“, die „Abendzeitung“ u. a. Aber auch in Wien fand er sich in kurzer Zeit nicht behaglich. Im Jahre 1825 verließ er Wien – nach Einigen wäre er aus Wien gewiesen worden, was immer möglich ist, da man in jenen Zeiten, wie auch lange Zeit noch später mit den verpönten „Scribenten“ nicht viel Federlesens machte und sie, wenn sie mißliebig wurden, einfach außer Land verwies oder, was noch schlimmer war, festsetzte. S. ging, nachdem er eine längere Reise durch Süddeutschland gemacht, zunächst nach Berlin, wo er seine Anwesenheit mit dem berüchtigten „Sontag-Scandal“ inaugurirte. Jetzt beginnt die Scandalperiode seines Daseins, da es nämlich keine ehrenhaften Mittel gab, die Aufmerksamkeit der sogenannten Welt auf sich zu richten, so mußte der Scandal helfen, ihn in aller Welt Mund zu bringen. In Berlin ließ er ein Gedicht auf Henriette Sontag in der Spener’schen“ Zeitung inseriren, welches, nachdem die versteckte Persiflage enthüllt war, im größten Theile des Publicums ungeheure Entrüstung erregte, aber für den Verfasser auch die Folge hatte, daß ein Buchhändler, der aus diesem Scandal eine reiche Ernte zu ziehen hoffte, sofort den Autor aufsuchte und ihm unter den glänzendsten Bedingungen die Redaction seiner Zeitung antrug. Der Buchhändler hieß Krause, die Zeitung war die „Berliner Schnellpost“, ein Blatt, das durch Saphir’s Mitwirkung ein Moment in der Richtung, weniger in der Entwickelung der deutschen Journalistik bildet. Es ist viel gefragt worden, was denn die anmuthige Henriette Sontag verbrochen habe, um den Angriff Saphir’s hervorzurufen. Eine aufklärende Antwort ist nie ertheilt worden, denn die beißende Xenie: „Der Affe hat den Engel geseh’n, nun kann man die ganze Geschichte versteh’n“ ist doch mehr eine galante Interpretation, als die Losschälung der Hülle vom eigentlichen Kern. Die Geschichte ist im Artikel Rossi-Sontag [Bd. XXVII, S. 68 u. f.] ausführlich erzählt und wird, um Wiederholungen zu vermeiden, auf denselben gewiesen. Die „Schnellpost“ aber nahm nun unter S. einen ungeahnten Aufschwung. In Einem stimmen leider die höchsten Kreise mit den niedersten zusammen, im Behagen am Scandal, und dieser wurde in den Spalten des Journals reichlichst geboten. Adolph Schaden erzählt die Geschichte mit der „Schnellpost“ in anderer Weise. Der Inhalt der „Schnellpost“ reichte für das [217] scandalsüchtige Publicum nicht mehr hin, es wurde also Rath geschafft für neue Nahrung, und so kam der „Berliner Courier“ zu Stande, welcher der „Berliner Schnellpost“ Concurrenz machte. So standen denn diese beiden Blätter als literarische Erscheinung eigenster Art auf der Tagesordnung, um alle anderen Blätter kümmerte sich kein Mensch. Aber dieser Erfolg ward eben nicht mit lauteren Mittel erzielt, sondern Spott, Satyre, halb verhüllte Angriffe, eine immer an die Grenze des Schicklichen streifende Polemik, Ausfälle aller, Einfälle billigster Art waren das Ragout, womit der Gaumen der müssigen Leser gekitzelt und für die gesunde, mitunter derbe Kost, welche die anderen Journale boten, unempfindlich gemacht wurde. Die talent- und charaktervollen Schriftsteller Berlins sahen sich ohne Schuld in eine schiefe Stellung gerückt und glaubten gegen dieses Gebaren offen und entschieden auftreten zu müssen, sie hatten leider das immer zutreffende Epigramm vergessen: hoc scio pro certo, quoties cum stercore certo, si vinco ant vincor semper tamen maculor.[1] Und so geschah es, daß Saphir gegen die geachtetsten Berliner Schriftsteller, darunter Fouqué, Förster, Ludwig Robert, Gubitz, Häring (Willibald Alexis), Cosmar, ein Pamphlet erscheinen ließ, betitelt: „Der getödtete und dennoch lebende Saphir ...“, das eben, weil es Scandal war, in wenigen Tagen drei, nach Anderen sogar vier Auflagen erlebte. Indessen arbeitete Saphir an seinen eigenen und an anderen Journalen, wie an der „Hebe“, den „Originalien“ u. s. w. fort, hielt mit schlagfertigem Witze, Satyre und humoristischen Aufsätzen aller Art, für welche er oft die albernsten Titel (wie z. B. Salaterien, Kokettir-Novellen, Papilloten u. dgl. m.) erfand, die Lesewelt im Athem und gründete – und das war seine verdienstlichste That – die sogenannte Sonntagsgesellschaft, anläßlich welcher er aber die perfide Erklärung abgab, er habe sie eben so genannt, damit man nicht glauben solle, sie wäre der Sontag zu Ehren gegründet, gegen welche, wie gegen ihre Verehrung er immer ankämpfen werde. Eine wirklich ergötzliche Episode seines Berliner Aufenthaltes ist aber das nicht zu Stande gekommene Duell mit dem Breslauer Theaterdichter Schall, bei welchem der Philosoph Hegel als Cartellträger Saphir’s, seines Lieblings und Schützlings, fungirte. Obwohl er nach den eben erwähnten Scandalen noch einige Zeit sein Unwesen trieb, hielt er es doch für gerathen, diesen Schauplatz seiner zweideutigen Thätigkeit zu meiden und benützte den ersten Anlaß, der sich ihm darbot, es auszuführen. Der Buchhändler Frankh war aus Stuttgart in Berlin zu Besuch, und dessen Antrag, eine Zeitung für seine Filiale in München zu redigiren, nahm Saphir an und übersiedelte Ende des Jahres 1829 nach München. Dort gründete er ziemlich zu gleicher Zeit zwei Journale: den „Bazar“ und den „Deutschen Horizont“. Mit beiden Blättern hielt es sich nicht lange vor, Frankh zog sich zurück und Saphir war genöthigt, mit der Redaction des „Bazar“ auch dessen Verlag zu übernehmen. Auch der „Deutsche Horizont“ erschien nur bis 1833 unter Saphir’s Redaction. Hatte er in Berlin zunächst die Schriftsteller auf’s Korn genommen, so kühlte er in München an den vogelfreien Schauspielern, an der Theater-Intendanz, ja sogar am König sein Müthchen. Aber dort sollte sein satyrischer und kritischer Uebermuth nicht ungestraft [218] bleiben, er wurde in die Frohnveste eingesperrt, mußte vor dem Porträte des Königs Abbitte leisten und dann München verlassen. Er ging nun nach Paris, wo er wie in München deutsche, so hier französische Vorträge hielt, doch ohne Beifall, der ihm in München nicht gefehlt hatte. Wohl hatte er es verstanden, für seine Vorlesungen im Salon Bossange die Reclame einiger Journale in Bewegung zu setzen, auch war es ihm gelungen, von König Ludwig Philipp eine Einladung, in den Tuilerien vorzulesen, zu erhalten, im ganzen doch war der Pariser Zug ohne nachhaltigen Erfolg geblieben, nur hatte er es dort vermieden, einen Scandal anzuzetteln. Indem er nun von König Ludwig die Erlaubniß erbat, nach München zurückzukehren, machte er sich, nachdem ihm solche ertheilt worden, 1831 an die Heimreise. Die beiden Zeitschriften „Bazar“ und „Horizont“ hatte er schon früher zu redigiren aufgehört, er übernahm nun die Redaction des „Bayerischen Beobachters“ nebst der des damit verbundenen „Conversationsblattes“. Ueber seine Rückkehr nach München und sein damaliges Auftreten berichtete Adolph Schaden – freilich nach Saphir’s eigenen und somit nicht ganz zuverlässigen Mittheilungen – daß er sich zu jener Zeit viele Feinde dadurch gemacht, indem er, dem man die krassesten liberalen Ansichten zugetraut hatte, weil er oft mit großer Bitterkeit gegen einzelne Blößen der Hoftheater-Intendanz zu Felde gezogen war, jetzt entschieden auf die Gegenseite übertrat. „Und doch war dieß“, schreibt Schaden-Saphir, „gar kein Uebertritt, er hatte nie zuvor eine feste politische Ansicht ausgesprochen; in Paris aber hatte er nach seiner Meinung und Einsicht die Bodenlosigkeit eines „gewissen Liberalismus“ (!) einzusehen die beste Gelegenheit gehabt und diese Einsicht sprach sich jetzt offen aus.“ Wahrhaftig, es gehört eine kühne Stirne dazu, Moriz Saphir einer politischen Consequenz für fähig zu halten, ihn, der sich, wie es notorisch bekannt, von Schauspielern, Sängern und Virtuosen freilich nicht mit Silber, wohl aber mit schwerem Golde bestechen ließ. Für seinen Gesinnungswechsel aber hat ihn König Ludwig zum Intendanzrathe der königlichen Hofbühne ernannt, nachdem er vorher noch dem Judenthume abtrünning geworden und zur protestantischen Kirche übergetreten war, wobei er den bisherigen Namen (M(oses) mit Moriz vertauschte. Bis zum Jahre 1834 blieb S. in München, wo er, wie einer seiner Schmeichler schreibt, „abgöttisch geliebt“ war und es nur aus zarter Rücksicht gegen achtungswürdige Persönlichkeiten verließ, deren Familienfrieden durch sein längeres Verbleiben dort Störungen hätte erfahren müssen. Das ist denn doch starker Tabak, als ob S. je auch nur die geringste Rücksicht gegen Andere hätte walten lassen! Im genannten Jahre kam nun S. nach Wien, wo er in anderer Weise wie bisher auftrat. Seine Bitte, ihm die Herausgabe eines eigenen Blattes zu gestatten, wurde ihm von den omnipotenten Behörden jener Zeit rundweg abgeschlagen. Er arbeitete also nun längere Zeit an Bäuerle’s „Theater-Zeitung“, hatte aber bald solche Proben journalistischer Uneigenützigkeit gegeben, daß ihn Bauernfeld in seinem Lustspiele: „Der literarische Salon“ erbarmungslos bloßstellte. Der Frank’sche Almanach [vergl. die Quellen: Saphir’s Porträte] setzte diesem Pamphlete noch die Krone auf, indem ein Stahlstich, worauf Herr Saphir mit Porträtähnlichkeit dargestellt [219] ist, ihn eben in jener Scene zeigt, in welcher seine humoristische Uneigennützigkeit bei Anblick von einigen Goldstücken sich zu entwickeln beginnt. Die Geschichte wirbelte zu jener Zeit viel Staub auf, und da S. in gewissen Kreisen auch seine Gönner hatte, soll ihm gleichsam, um diese Unbill zu verschmerzen, die Concession eines belletristischen Blattes verliehen worden sein. So entstand im Jahre 1837 die Zeitschrift „Der Humorist“, der mit dem 1. Jänner genannten Jahres sein Dasein begann und von Saphir bis zu seinem Ableben redigirt wurde. Die Geschichte dieser Redaction, wie er die Autoren, namentlich jüngere Talente, um Beiträge preßte, nie einen Heller Honorar zahlte und doch das Blatt zu einer ergiebigen Melkkuh für sich machte, dieß Alles, so interessant es wäre, zu erzählen, kann hier doch nur angedeutet werden. Im vormärzlichen Wien spielte Saphir bis 1848 eine große Rolle. Goedeke schildert sein Auftreten und Vorgehen mit wenigen, aber treffenden Worten. In Wien, schreibt er, begann Saphir eine andere Rolle als bisher; er machte die Literatur, wie er sie auffaßte und allenfalls selbst handhaben konnte, durch Zuhilfenahme der Wohlthätigkeit salonfähig, indem er declamatorische Abende veranstaltete, deren Ertrag zu milden Zwecken bestimmt und in anerkennendster Weise verwendet wurde. Diese Akademien, in denen der Wortwitz und die flache Logik vorwalteten, hatten das Maß der alltäglichen Durchschnittsbildung vor Augen und erfreuten sich bei den gutmüthigen wohlthätigen Wienern großer Theilnahme, trugen sehr viel ein und hoben Saphir’s gesellschaftliche und literarische Stellung. Mitunter machte er sogenannte Kunstreisen durch Deutschland, las seine eigenen Witze und Geschichten vor, fand aber nirgends mehr als die Theilnahme der bloßen Neugier. Die Wiener Märzrevolution, der er anfangs nicht ausweichen konnte, veranlaßte ihn, sobald als thunlich, Wien zu verlassen; er ging nach Baden und kehrte erst, als Jellačić anrückte, mit dessen Truppen zurück, um seine journalistische Thätigkeit wieder aufzunehmen. Nach seiner Rückkehr aus Baden traf ihn, wie eine unserer Quellen berichtet, ein schwerer Herzenschlag, indem ihn das Weib, das er innig liebte, an dem er mit ganzer Seele hing, an der Hand eines jüngeren Mannes verließ. Dieser Schlag traf ihn hart, so daß er sich all’ seiner Lebtage nicht mehr davon erholte. Der Wurm des Kummers nagte fort an seinem Herzen, der Körper brach immer mehr zusammen, die Lust am Schaffen war geschwunden, man bemerkte sogar an seinen Schriften eine Abnahme, sie wurde blässer und matter, wenn es auch noch oft genial darin aufblitzte. Um sich aus seiner trüben Stimmung herauszureißen, reiste er im Jahre 1855 nach Paris und setzte seinen Ehrgeiz darin, auch vor dem Kaiser sein Licht leuchten zu lassen. Es gelang ihm, vor dem Hofe eine seiner Soiréen abzuhalten; befriedigt kehrte er nach Wien zurück. So Goedeke. Nach dem Achtundvierziger-Jahre war seine Macht gebrochen. Die Saphir-Bäuerle’sche Aera war um. Wien hatte Anderes zu thun, als mit dem Saphir’schen „Wochenkrebs“, das war der stehende Titel eines seiner Feuilletons, rückwärts zu schreiten und im Referat über eine Ballerina, wie es Bäuerle’s Zeitung brachte, über den Jammer dieser Welt sich in den Theaterhimmel zu erheben. Saphir, der neuen Zeit nicht gewachsen, überhaupt mit seinen Witzen für des Lebens Ernst [220] gar nicht gemacht, hatte sich überlebt. Aber er wollte daran nicht glauben, noch immer schwang er seine Narrenpeitsche wie zuvor, griff Alles an, was ihm in den Weg trat, und man ließ ihn schalten, denn man schonte den alten gebrechlichen Mann und ließ von seinem Gekläffe sich nicht anfechten. Aber einmal, im Jahre 1856, kam er an den unrechten Mann. In einer Frühjahrsnummer seines „Wochenkrebses“ erklärte er, er habe die Wiener Journalistik von jeher durch Furcht beherrscht und rieth sämmtlichen Collegen schließlich: „D’rum wer klug ist, lerne schweigen“. Das war eine directe Herausforderung, und jeder Journalist Wiens, der einigermaßen Ehre im Leibe hatte, mußte voraussichtlich bei der ersten Gelegenheit, die sich ihm darbot, dem übermüthigen Humoristen beweisen, daß Furcht in der Reihe von Empfindungen, welche ihm das Wirken Saphir’s erregte, nicht anzutreffen sei. Es fand sich auch bald genug die Gelegenheit. Ein junger Wiener Journalist, der Kritiker in der „Ostdeutschen Post“ war, Herr Valdeck, dem Saphir in seiner gewohnten Weise in den Weg trat, wies den Humoristen in ganz energischer Weise zurecht. Nun entspann sich jene merkwürdige, wochenlang dauernde Fehde, welche an die blühendsten Tage der vormärzlichen Aera mahnte, denn ganz Wien sprach durch Wochen nur über den Saphir-Valdeck-Semlitsch-Scandal, von dem alle Blätter voll waren. Saphir hatte seine Leute gefunden. Die volle frische, ihm geistig und sittlich überlegene Jugend konnte sich mit ihm messen, und als der Aufsatz: die „Abwicklung der Saphir-Mumie“ (Donau 1856, Nr. 58, Abendblatt) erschien und in einer Folge von Gedichten: „Im Geschmacke der wilden Rosen“ Saphir’s Muse den Todesstoß erhielt, da war es um Saphir geschehen, und wenn auch seine Angreifer, die vielleicht etwas zu weit gegangen waren, vor Gericht – denn Saphir, dessen Feder stumpf geworden war, ließ den Knoten, den er selbst geschürzt, durch das Schwert der Gerechtigkeit durchhauen – verurtheilt waren, die öffentliche Meinung hatte über Saphir ihr Verdict gesprochen und der Saphir-Nimbus war für immer dahin. In den Quellen ist die ganze, zur Geschichte der Entwicklung der österreichischen Literaturzustände nicht unwichtige Saphir-Valdeck-Affaire sorgfältig verzeichnet, denn das ist eine unbestreitbare Thatsache: der eigentliche Vater jenes mit dem Namen „Revolver-Presse“ bezeichneten und heute noch rumorenden Bruchtheils der Wiener Journalistik ist M. G. Saphir, diese Entehrung der österreichischen Schriftstellerwelt ist S.’s eigenstes Werk. Nachdem dieser letzte Act in Saphir’s Leben abgespielt war, sah und hörte man – außer wenn sein „Wochenkrebs“ wöchentlich einmal aus dem Schlamme seines Montagshumors heraufkroch – von Saphir nicht mehr viel. Nur, als er im Sommer 1858 zu Baden krank darniederlag, wendete sich ihm, da er mit einer Resignation und Ruhe, die man bei ihm nicht gesucht haben würde, seinem Ende entgegensah, die allgemeine Theilnahme noch einmal zu. Die Wiener haben es ihm nicht vergessen, daß er sie durch ein Vierteljahrhundert mit seinen Späßen und Witzen weidlich belustigt und daß er ihrem Armen und den Armen anderer Städte Tausende und Tausende von Gulden gespendet, was ihm denn doch nur durch jene Fülle von Geistesgaben möglich war, die er in der That besaß. Was der arme Mann noch in seinen letzten Tagen erleben mußte, zeigt wieder die [221] volle Unverschämtheit des Egoismus, dem jede Stunde, auch die Sterbestunde, gut genug ist, wenn es nur gilt, sein Ziel zu erreichen. So schickte eine Frau dem auf dem Sterbebette liegenden, seiner Auflösung entgegensehenden Saphir ein leeres Albumblatt mit der Bitte, dasselbe, wenn es noch nicht zu spät ist, zu guter Letzt für sie und ihre kleine Eugenie mit ein paar Worten des gefeierten Dichters zu schmücken. „Ich hatte“, schreibt Saphir selbst in einem vom Krankenbette datirten Briefe, „geistige Klarheit genug, diese humoristische Zumuthung auf folgende Weise zu erfüllen. Ich schickte ihr nämlich das Blatt mit folgenden Worten zurück: „Hier ein frugales Blatt für euer liebes Album, es bringt weder die Kuh noch das Kalb um“. Ebenso naiv kam ein bekannter Zeichner und bat, er möchte ihm noch in der Geschwindigkeit zu einem Porträte sitzen. Saphir erwiederte ihm, die Alternation über diesen Antrag überwindend: „Ich sitze schon zwei Monate dem schwarzen Kreidezeichner „Tod“, ich bin überzeugt, daß, wenn er mich trifft, es ein Bild „nach dem Leben“ sein wird“. Indem Saphir noch wenige Tage vor seinem Tode seine letzten Verfügungen getroffen, starb er am Sonntag (5. September) Früh um halb vier schmerzlos und ruhig. Seine letzten Worte waren: Jetzt ist es aus, ich muß fort. Seine Leiche wurde nach Wien gebracht und auf dem protestantischen Friedhofe bestattet. Der Partezettel, der sein Ableben anzeigte, nannte ihn „k. bayer. Hoftheater-Intendanzrath, Eigenthümer und Redacteur des „Humorist“, Mitglied mehrerer literarischer Gesellschaften und Ehrenbürger der Stadt Pesth“. Er war 64 Jahre alt geworden. Unterzeichnet standen sein Neffe Bernhard Saphir, seine Tochter Marie und sein Pflegesohn August Gordon, k. k. Lieutenant. Mit der Ordnung seines literarischen Nachlasses wurde der Dichter Friedrich Hebbel [Bd. VIII, S. 164] betraut. Saphir besaß alle Talente und einen reichen Geist, um in der Literatur eine große und bleibende Rolle zu spielen. Die er gespielt, war wohl groß, es ist aber sehr zu bezweifeln, ob sie eine bleibende sein wird. Seine Wortwitze, schildert Goedeke sein literarisches Wirken, waren sammt denen, die Jeder auf seinen Namen erfand, eine Zeit lang in Aller Munde. Bei der gedankenlosen Mittelbildung erfreute sich sein sogenannter Humor entsprechender Schätzung, seine für die Declamation berechneten Plattheiten wurden durch die Schauspieler verbreitet; seine lyrischen Gedichte sind matt, platt und nüchtern, haben aber doch ihr Publicum gefunden (mehr denn hundert sind und mitunter von namhaften Componisten auch mit entschiedenem Glücke in Musik gesetzt worden). Die ganze Erscheinung, seine große Wirksamkeit geben ein erschreckendes Bild, wie die selbstbewußte, unermüdliche Mittelmäßigkeit sich emporzuschrauben vermag. In der Zeit des wuchernden Virtuosenthums war er der Virtuos der Phrase. Hieronymus Lorm aber charakterisiert ihn treffend „als Witzbold, der aber durchaus kein Humorist war; zum Humor fehlte ihm eine der wesentlichen Bedingungen: Der Ernst. Er, der Mann, der in tausend Einfällen lebte, hat niemals für einen Gedanken gelebt“. Das Verzeichniß seiner Schriften, die Urtheile der bedeutenderen Literaturhistoriker, die Uebersicht seiner Porträte u. dgl. m. folgen in den Quellen.

I. Uebersicht der Werke von M. G. Saphir.Poetische Erstlinge (Pesth [Wien, Gerold] 1821, 8°.). – „Poesien“ (Wien 1824, [222] Tendler, gr. 12°.). – „Kommt her! oder: Liebes Publicum, schau, trau, wem? Ein humoristischer Holzschnitt, mit Melodien versehen“, 2. Aufl. (Berlin [Leipzig, Focke] 1828, 8°.) [ist gegen Gubitz gerichtet]. – „Der getödtete und dennoch lebende Saphir, oder dreizehn Bühnendichter und ein Taschenspieler gegen einen einzelnen Redacteur. Ein Schwank voll Wahrheit, in phlegmatischer Laune erzählt“. 2. Aufl. (Berlin 1828 [Focke in Leipzig], 8°.). – „Der eiserne Abschiedsbrief, oder Abdications-Acte eines gepeinigten und gequälten Recensenten und Martyers der Wahrheit, nebst einem Generalpardon an alle Schauspieler und Künstler, Sänger und Sängerinnen, an Hunde, Affen, Wölfe und alle vier- und zweibeinige Künstler aller Hof-, National- und Provinzialbühnen Deutschlands“ (Hamburg 1828, Hoffmann u. Campe, 12°.). – „Conditorei des Jokus, oder scherzhafte Bonbons, Früchte und Confitüren für spaßliebende Näscher und lustige Leckermäuler. Eine Auswahl jokoser Aufsätze, Einfälle, Anekdoten und Witzspiele aus dem „Berliner Courier“ und der „Berliner Schnellpost“ (Leipzig 1828, Focke, gr. 12°.). – „Die Runde des großen steinernen Apolls aus dem Thiergarten in der ersten Carnevals-Nacht, durch die Straßen Berlins. Eine Horrende in drei Currenden“. 6. u. 2. Auflage (Berlin 1829, Krause, 8°.) [gegen Friedr. Förster]. – „Humoristische Abende. Ein Cyklus Vorlesungen, gehalten im Museum zu München“ (Augsburg 1830, Kranzfelder, 16°.). – „Trauer-Kleeblatt, den Napoleoniden geweiht“ (Gedicht) (München 1832 [Jaquet], 16°.; 2. Aufl. Augsburg 1847, 8°.). – „Drei Tage in Nürnberg am achten großen Nationalfeste, den 25., 26. Und 27. August 1833“ (Nürnberg 1833, Riegel u. Wießner, 8°.). – „Humoristische Glasperlen. Eine Vorlesung zum besten der verwundeten Polen. Im Odeonsaale zu München gehalten“. 2. Aufl. (München [1831] 1833 u. 1835 [Jaquet], gr. 12°.). – „Carneval- und Masken-Almanach, oder Winter-Etui“ (München 1834, 16°.). –„Dumme Briefe, Bilder und Chargen, Cypressen, Literatur und Humoral-Briefe“ (München 1834, Jaquet, gr. 12°.). – „Carneval- und Masken-Almanach, oder Winter-Etui“ (München 1834, Jaquet, mit 2 illum. K. K., 16°.). – „Am Plaudertische. Ein lustiges Potpourri von Wortspielen, Anekdoten, Calembourgs, Räthseln und Impromptu’s des berühmten Humoristen. Mit Saphir’s Genehmigung von mehreren seiner Freunde gesammelt. 1. u. 2. Heft (Berlin 1843, Plahn’sche Buchhandlg., gr. 12°.). – „Wilde Rosen“. Illustrirte, verm. u. verb. Ausg. mit Holzschnitten nach C. Schnorr v. Carolsfeld (Wien 1847, Haas, 16°., mit S.’s Porträt im Kupferst.), der erste Abdruck derselben steht im „Humoristen“, der zweite befindet sich im 3. u. 6. Bande der „Humoristischen Damenbibliothek“; 3. Aufl. (Brünn 1865, Karafiat, 12°.). – „Herz-, scherz- und schmerzhafter Sylvester-Nachtwächter für die Neujahrsnacht 1849/50, oder „der Humorist“ und „der deutsche Michel“ gießen Blei, Wer Lust hat, der komm’ und steh’ dabei“. Mit viel. Illustr. (Wien 1849, Jasper, 8°.). – „Fliegendes Album für Ernst, Scherz, Humor und lebensfrohe Laune. 2 Bde. (Leipzig 1846 Jackowitz, 8°., mit Bildn. u. Facs., 8°.; 3. Aufl. 1858). – „Nachfeier der Nachdrucker zum Gutenbergfeste. Eine dramatisch-episch-drastisch-komisch-literarisch-typographische Jubel- und Triumphscene in abgerissenen Bildern. Literar. Tag- und Nachtwächter. Redacteur Schuhu oder die reisenden Kunstvögel (Leipzig 1846, Jackowitz, 8°.). – Sammlungen und Auszüge der Saphir’schen Schriften sind: „Gesammelte Schriften.“ 1.–4. Band (Stuttgart 1832, Hallberger, 8°., mit S.’s Bildniß). Inhalt 1. Bd.: Humoristische Erzählungen und Devisen; – 2. Bd.: Klatschblätter und Mimosen, oder zufällige Gedanken in zufälligen Formen; – 3. Bd.: Lyrisches. Humoristisch-satyrischer Bilderkasten; – 4. Bd.: Humoristisch-declamatorisches. Jocoses. Geselliges. Epigrammatisches und Parodistisches. Papilloten. Magister Zikzak. – „Neueste Schriften“. 1.–3. Band (München 1832, Jaquet, gr. 12°.). Inhalt. 1. Bd.: Violen. Lyrische und humoristische Gedichte; – 2. Bd.: Nachtschatten der Zeit und des Lebens. Humoristisches; – 3. Bd.: Nesselblätter der Zeit und des Lebens. Satyrisches. – „Humoristische Damen-Bibliothek“. 1.–6. Band (Wien 1838 bis 1841, Ant. Mausberger, 8°.). 1. Bd.: Erzählungen. Humoristische Vorlesungen. Salaterien; – 2. Bd.: Humoristische Bilder und Arabesken. Bluetten. Album geselliger Thorheiten und Lächerlichkeiten. Humoristisch-satyrischer Bilderkasten. Sechse treffen; – 3. Bd.: [223] Wilde Rosen, Nr. 1–101. Goldfischleins Roman; – 4. Bd.: Declamations-Saal. Sensitiven und Flatterrosen. Kritischer Seccirsaal. Theater-Salon. Literarischer Salon; – 5. Bd.: Humoristische Vorlesungen. Kokettir-Novellen. Volksthümliche Reden und Aushängschilder. Genrebilder. Jocoses und Sentimentales. Humoristisch-satyrischer Bilderkasten und Minne-Gerichte; – 6. Bd.: Ernster und humoristischer Declamationssaal. Wilde Rosen, 102–174. Didaskalien und Kritischer Sections-Saal. – „Declamatiorische Soiree“ (Pesth 1858, Hartleben, 8°.). – „Conversations-Lexikon für Geist , Witz und Humor“. 6 Bände. 2. veränd. u. reichverm. Aufl. (Wien 1861, Markgraf, kl. 8°.; neue [Classiker-] Ausgabe 1865, 8°.) [erschien zuerst Dresden 1852]. – „Blaue Blätter für Humor, Laune, Witz und Satyre“. 6 Thle. (Pesth und Wien 1855 u. f., Hartleben, 8°.); Volksausgabe in Einem Bande (1865, 8°.). – „Ernster und humoristischer Declamations-Saal nebst Goldfischleins Roman, oder: Die Zeit der wilden Rosen. Ein Märchen“ (Brünn 1865, Karafiat, 8°.). – Ueberdieß redigirte Saphir mehrere Journale und Kalender, die zahlreiche Aufsätze aus seiner Feder enthalten, u. z.: „Berliner Schnellpost für Literatur, Theater und Geselligkeit, nebst einem Beiwagen für Kritik und Antikritik“, 1. u. 2. Jahrgang: 1826 u. 1827 (Berlin, Laue, 4°.), die folgenden Jahrgänge gab nicht mehr Saphir heraus. – „Der Berliner Courier. Ein Wochenblatt für Theater, Mode, Eleganz, Stadtleben und Localität“. 1.–3. Jahrg.: 1827–1829 (1. Jahrg. Berlin, Laue; 2. Jahrg. Leipzig, Becke; 3. Jahrg. Berlin, Krause, gr. 8°.). – „Berliner Theater-Almanach auf das Jahr 1828 (Berlin, Zesch, 16°., mit 6 ill. K. K.), außer Saphir, von dem die meisten Aufsätze darin herrühren (Vorrede – Dediction an Donner und Blitz – Bauholz zu einem humoristisch-dramatischen Conversations-Lexikon – Entwurf zu einem Theaterwörterbuch – Memoiren – Complimentirbuch für alle Fälle im theatralischen Leben – Sensitiven) schrieben in derselben noch Ludwig Halirsch, Castelli, Friedr. Schulz, Wilh. John und Ludw. Liber. – „Der Bazar für München und Baiern. Ein Frühstücksblatt für Jedermann und jede Frau“ (München 1830, Augsburg 1831, wieder München 1833, gr. 8°.), dieses Blatt erschien in den Jahren 1830 und 1831 bis April, kam von da ab bis Ende 1832 nicht heraus und wieder von Jänner 1833 bis Juli, in diesem Jahre mit der Beilage: Extra-Bazar. – „Der deutsche Horizont. Ein humoristisches Blatt für Zeit, Geist und Sitte“. 1.–3. Jahrgang: 1831–1833 (München, Jaquet, gr. 8°.), nur diese drei Jahrgänge gab Saphir, den 4. (1834) Gustav Bacherer heraus; auch führt der erste Jahrgang den Titel: Ein humoristisches Sopha- und Toilettenblatt. – „Sonntagsblatt. Eine Erheiterung für das Gemüth. Jahrg. 1832 (München, Jaquet, gr. 4°.), nur diesen zweiten Jahrgang redigirte Saphir, den ersten, vom J. 1831, besorgte Fr. Neyle. – „Der bairische Volksfreund. Jahrg. 1832 (München, Jaquet, 4°.). den ersten Jahrgang, 1831, redigirte Fr. Negle. – „Der Humorist. Eine Zeitschrift für Scherz und Ernst, Kunst, Theater, Geselligkeit und Sitte“ Jahrg. 1837–1858 (Wien, 4°., mit artist. Beilagen). – „Der bairische Volksfreund“. – „Die Hamburger Welt“. – „Humoristischer Volkskalender nach Vor- und Rückwärts. Mit satyrischen Illustr.“ Für das Jahr 1850 (Wien, Jasper, 8°.; 2. u. 3. Aufl. ebd. 1851); für das Jahr 1851 (ebd.); für die Jahre 1852, 1853 und 1854 (8°.). – „Humoristischer Volks-Kalender“ (Wien, Hügel, kl. 8°.) Jahrgänge 1855, 1856, 1857, 1858. Von diesen vier Jahrgängen veranstaltete die Verlagsfirma Hügel im Jahre 1860 eine neue wohlfeile Ausgabe unter dem Titel: „Heiterer, immer heiterer! Jahrbuch des Witzes und der Satyre“. Mit 300 Holzschnitten. – Den Kalender selbst aber haben unter Saphir’s Firma A. Brennglas (1860), Märzroth und Oettinger (1861 und 1862), dann wieder Brennglas (1863) herausgegeben.
II. Biographien. a) Selbständige, in Journalen und Sammelwerken zerstreute, Nekrologe. Der getödtete und dennoch lebende M. G. Saphir, oder dreizehn Bühnendichter und ein Taschenspieler gegen einen einzelnen Redacteur. Ein Schwank voll Wahrheit, in phlegmatischer Laune erzählt von M. G. Saphir. Zum Besten einer milden Stiftung. Zweite Auflage (Berline 1828). – Curtius (Carl Julius), Der lebende und dennoch maustodte M. G. Saphir, oder eine Salve gegen dreizehn Bühnendichter, einen Taschenspieler und einen einzelnen Redacteur (Berlin 1828, 8°.) – (Foerster, Friedrich) M. G. Saphir und Berlin u. s. w. (Berlin 1828, 8°.). – Landau (Hermann), M. G. Saphir [224] als Mensch, Humorist, Kritiker, Lyriker und Epiker, Journalist und Redacteur (Wien 1845, Hirschfeld’sche Druckerei, 28 S. 8°.) [Hätte doch der Autor dieser Schrift gehört, was Saphir selbst darüber gesagt!] – Leidens- und Freudensgeschichte eines kleinen Journalisten im Großen, oder Moses Goldwolf Rubin (ohne Ang. d. O., J. u. Verl., 8°., 8 S.) [ein wesentlicher und wichtiger Beitrag zur richtigen Beurtheilung Saphir’s]. – Album österreichischer Dichter (Wien 1858, Pfautsch u. Voß, 8°.) Zweite Serie, S. 410: „M. G. Saphir“, von H. Ritter v. Levitschnigg. – Curiositäten- und Memorabilien-Lexikon von Wien. Von Realis, herausg. von Anton Köhler (Wien 1846, gr. 8°.) Bd. II, S. 299 [wahrhaftig gehört Saphir in ein Curiositäten-Lexikon, denn er war ein zweifüßiges Curiosum als Mensch, Poet, Kritiker und Schriftsteller überhaupt; aber dann müßte er anders gezeichnet werden, als es in diesem Curiositäten-Lexikon der Fall ist]. – Didaskalia. Blätter für Geist, Gemüth u. s. w. (Frankfurt a. M., 4°.) 1858, Nr. 223 u. 234. – Europa. Herausg. von Gust. Kühne (Leipzig, schm. 4°.) 1858, Nr. 39, Sp. 1261: „M. G. Saphir“. – Humorist. Herausg. von M. G. Saphir (Wien, 4°.) XXII. Jahrg. (1858), Nr. 205–207: Nekrolog, von Levitschnigg; Nr. 213: „Aus Preßburg“, von Aliquis. – Iris (Gratzer Muster- und Modeblatt) 1858, III. Band, 12. Liefrg. S. 143. – Krakauer Zeitung 1858, Nr. 208, im Feuilleton in den „Wiener Briefen. XLIII.“, von Emil Schlicht. – Männer der Zeit. Biographisches Lexikon der Gegenwart (Leipzig 1860 u. f., C. B. Lorck, 4°.) I. Serie, Sp. 896 [nach diesem geboren am 8. Februar 1794; alle anderen Quellen geben das Jahr 1795 als Saphir’s Geburtsjahr an]. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Zweite Abthlg. Bd. VII, S. 91. – Oesterreichische illustrirte Zeitung (Wien, 4°.) IV. Jahrg. (1854), Nr. 132 u. f.: „Moriz Gottlieb Saphir“. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 488. – Schlesische Zeitung (Breslau, Fol.) 1858, Nr. 421, im Feuilleton [auch im Wiener „Wanderer“ 1858, Nr. 206]. – Sonntags-Zeitung (Pesth, 4°.) 1858, Nr. 37: „M. G. Saphir“. – Der Spiegel (Unterhaltungsblatt, gr. 8°.) 1842, S. 323; „Saphir“. – Temesvárer Zeitung 1858, Nr. 208, im Feuilleton. – Von Haus zu Haus (illustr. Unterhaltungsblatt, Prag, Kober, 4°.) 1860, Nr. 19: „M. G. Saphir“. – Wiener Theater-Zeitung. Herausgegeben von Adolph Bäuerle, 52. Jahrg. (1858), Nr. 205. – Wiener Zeitung, Abendblatt 1858, Nr. 213, im Feuilleton. – b) Biographisches, Züge aus dem Leben, Anekdoten u. s. w. Allgemeine Theater-Zeitung. Herausg. von Adolph Bäuerle (Wien, gr. 4°.) 37. Jahrg. (1844), Nr. 253, in der Rubrik: „Wiener Tagsblatt“ [eine Erörterung des Geburtsjahres Saphir’s von Gffr. (Gräffer)]. – Bohemia (Prager polit. u. belletrist. Blatt, 4°.) 1849, Nr. 45: „Saphir und Nestroy“. – Breslauer Anzeiger (Localblatt) 1854, Nr. 224: „Saphir als politischer Psalmist“ [eine ungemein witzige Paraphrase in Reimen auf die Redensart: „Alles hat seine Zeit“, von Saphir]. – Constitutionelle österreichische Zeitung (Wien, Fol.) 1863, Nr. 589, im Feuilleton: „Erlebnisse auf und außer der Bühne“ [aus Saphir’s Leben]. – Conversations-Lexikon der neuesten Zeit und Literatur. In vier Bänden (Leipzig 1834, f. A. Brockhaus, gr. 8°.) Bd. IV, S. 119 [auch nach diesem im Jahr 1794, u. z. zu Pesth geboren; sein Geburtsort ist Lovas-Berény, ein Dorf in der Nähe von Pesth]. – Gartenlaube (Leipzig, Ernst Keil, 4°.) 1867, S. 703: „Saphir in Krähwinkel“, von Eduard S... – Gmundner Wochenblatt (4°.) 1862, Nr. 33, u. 1863, Nr. 47: „Aus dem Leben Saphir’s“. – Gräffer (Franz), Kleine Wiener Memoiren: Historische Novellen, Genrescenen u. s. w. (Wien 1845, Fr. Beck,Fr. Beck 8°.) Theil I, S. 5: „Saphir beim Conversationsblatt“. – Gratzer Telegraf (polit. Blatt) 1858, Nr. 172: „Saphir“ [Aus seinem Leben]. – Illustrirte Novellen-Zeitung (Wien, 4°.) 1858, Nr. 73: „Aus M. G. Saphir’s Leben“; Nr. 77: „Aphorismen (!) aus dem Leben M. G. Saphir’s“, von H. Hausmann [diese Episoden aus S.’s Leben heißen hier „Aphorismen“]. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, kl. Fol.) Bd. VI (1846), S. 208: „M. G. Saphir“. – Jüdisches Athenäum. Gallerie berühmter Männer jüdischer Abstammung und jüdischen Glaubens u. s. w. (Grimma u. Leipzig 1851, Verlags-Comptoir, 8°.) S. 216. – Kertbeny (K. M.), Silhouetten und Reliquien. Erinnerungen an Albach, Bettina, [225] Grafen Louis und Kasimir Batthyányi u. s. w. (Prag 1863, Kober, 8°.) Bd. II, S. 84: „M. G. Saphir“. – Der Komet. Von Herloßsohn (Leipzig, 4°.) 1833, Nr. 113: „Saphir und der Tod“. – Konstitutionelle Vorstadt-Zeitung (Wien, Fol.) 1868, Nr. 337, im Feuilleton: „Saphir als Geisterseher“, von Marie Saphir. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1866, Nr. 720: „Saphir’s Mittel gegen die Cholera“. – Neuigkeiten (Brünner polit. Blatt) 1859, Nr. 4 u. 5: „M. G. Saphir’s erste musikalisch-declamatorische Vorlesung in Berlin“. – Oettinger’s Argus (Unterh. Blatt, 4°.) II. Jahrg. (1838), Nr. 324: „Geschichte meines ersten Gedichtes“, von Saphir“. – Olmützer Zwischen-Akt (Localblatt, 4°.) V. Jahrg. (1870), Nr. 120: „Der lange Saphir und der kurze Angely“, von Karl Haffner“. – Der Osten (Wiener Parteiblatt, 4°.) 1871, Nr. 47: „Mit mir brauchst du nicht zu pfeifen“ [aus Saphir’s Leben]. – Rheinische Blätter für Unterhaltung u. s. w. (4°.) 1858, Nr. 155: „Aus Bäuerle’s Memoiren“ [Episode aus Saphir’s Leben] – Seyfried (Ferdinand Ritter v.), Rückschau in das Theaterleben Wiens seit den letzten fünfzig Jahren (Wien 1864, 8°.) S. 331, im Artikel: „39. Eine Partie Piquet“. – Stadt-Post (Wiener Localblatt) 1858, Nr. 253: „Anekdoten aus S.’s Leben“. – Von Haus zu Haus (Prager Unterhaltungsblatt, Kober, 4°.) 1860, Nr. 13, S. 161: „Saphir als Possendichter“, von Karl v. Holtei. – Wallner (Franz), Rückblick auf meine theatralische Laufbahn und meine Erlebnisse am und außer der Bühne (Berlin 1864, Gerschel, 8°.) [enthält Mehreres über Saphir]. – Wanderer (Wien) 1858, Nr. 206: „Nekrolog“; Nr. 242, im Feuilleton: „Aus Saphir’s Leben“, von Dr. Wilh. Turteltaub [auch im Beiblatt „Omnibus“ der Brünner „Neuigkeiten“ 1858, Nr. 73]. – Weil (Philipp), Wiener Jahrbuch für Zeitgeschichte, Kunst und Industrie, und österreichische Walhalla (Wien 1851, A. Schweiger, 12°.) S. 55.
III. Saphir-Scandale. a) Saphir-Valdeck-Scandal in Wien. Breslauer Zeitung 1856, Nr. 139: „Wiener Briefe“ [behandelt in unbefangener Weise den Saphir-Valdeck-Scandal, dessen in der Lebensskizze ausführliche Erwähnung geschieht]. – Donau (Wiener Blatt) 1856, Nr. 55, im Feuilleton: „Huschhusch! Piffpaff! Trara! Ein Jagdstück“, von L. J. Semlitsch [den Saphir-Valdeck Scandal betreffend; nachgedruckt in der „Presse“ 1856, Nr. 56]; – ebenda Nr. 58, Abendblatt, im Feuilleton: „Abwickelung der Saphir-Mumie“, von J. L. Semlitsch; – ebenda Nr. 63, Abendblatt, im Feuilleton: „Auf die gestrige Erklärung des Herrn M. G. Saphir“; – ebd. Nr. 64, Abendbl.: „Der heutige Wochenkrebs. Der alte Wolf, eine Fabel“ [beide Artikel betreffen Saphir und seine seit Jahren verübten journalistischen Umtriebe]; – ebd. Nr. 68, Abendbl.: „Jetzt wissen wir’s“, von J. L. Semlitsch; – ebd. Nr. 72, 73, 74, 80, 86, Abendbl. im Feuilleton: „Im Geschmack der „Wilden Rosen“ [köstliche Parodien auf Saphir’s poetischen Schwulst]; – ebd. Nr. 181, Morgenblatt, Gerichtshalle: M. G. Saphir gegen „Ost-Deutsche Post“, „Presse“ und „Donau“. – Humorist. Montagsblatt. Von M. G. Saphir (4°.) 1856, Nr. 10: „Der Wochenkrebs. Recurs an das gebildete Lesepublicum Wiens“, von M. G. Saphir [Saphir’s Erwiederung auf Angriffe Valdeck’s]; – derselbe, Nr. 75: „Erklärung an das gebildete Lesepublicum“, von Saphir. – Ost-Deutsche Post 1856, Nr. 53, und auch Presse. Herausg. Von Zang (Wien), 1856, Abendausgabe Nr. 53 [eine Erklärung Rudolph Valdeck’s, des eigentlichen Urhebers der Saphir-Hetze, welche damals wochenlang das Tagesgespräch Wiens bildete. Auch ein überwundener Standpunct! Dergleichen kommt doch heut’ nicht vor]. – Ost-Deutsche-Post 1856, Nr. 61, 70 u. 79: „Gegen das journalistische Unwesen des Herrn M. G. Saphir“, von Rudolph Valdeck; Nr. 63: „Ueber die gestrige Erklärung des Herrn M. G. Saphir; Nr. 78 u. 79, im Feuilleton: „Gegen das journalistische Unwesen des Herrn M. G. Saphir. I. u. II.“, von Rud. Valdeck. – Wanderer (Wiener polit. Blatt) 1856, Nr. 61, im Feuilleton: „Der „solo“-gefangene Wochenkrebs. Ein schillerndes Räthsel. Wochenkrebses Abschied“. Drei Gedichte von Julius Wend. – Der Wiener Courier (Localblatt, gr. 4°.) 1856, Nr. 65: „Herr Jegerle über die Saphirhetze“ [den Saphir-Valdeck-Scandal betreffend]. – b) Saphir-Scandal in Berlin. Der Freimüthige. Herausgegeben von Kuhn (Berliner Unterhaltungsblatt, 4°.) 1828, S. 447, 451, 455: „Zur Zeitgeschichte Berlins“ [über Saphir’s Treiben daselbst]. – Gesellschafter (Berliner Unterhaltungsblatt, 4°.), herausgegeben von Gubitz, 1828, Nr. 69, Beilage „der Bemerker“ Nr. 9: „M. [226] G. Saphir und Berlin“; ebd. Nr. 73, „Bemerker“ Nr. 10: „Herr M. G. Saphir“. – Hermione. Kunst- und Unterhaltungsblätter (Hamm, 4°.) II. Jahrg. (1828), Nr. 23: „Die Berliner Mittwochsgesellschaft gegen Saphir“. – Komus. Literarisch-kritisches Beiblatt der „Hebe“, 1828, Nr. 5: „Kriegsartikel“ [Saphir’s Umtriebe in Berlin betreffend]. – c) Saphir-Scandal in München. Der Bazar für München und Baiern. Ein Frühstücksblatt für Jedermann und jede Frau. Von M. G. Saphir (gr. 8°.) 1830, Nr. 109: „Bekanntmachung“ [über seine plötzliche Entfernung aus München]; – derselbe, Beilage zu Nr. 111: „Auch eine Erklärung“ [eine vom Verleger des Bazar: F. G. Frankh, und eine zweite von Wilhelm von Chezy, beide Saphir betreffend]. – Berliner Theater-Zeitung. III. Jahrg. (1833), Nr. 105: „M. G. Saphir in München“. – Hesperus (Unterhaltungsblatt, 4°.) 1830, Nr. 47: „Correspondenz aus München“ [über Saphir’s Umtriebe daselbst]; Nr. 299: „Ist kein Dalberg hier?“ [Correspondenz aus München, Saphir betreffend]. – Unser Planet (Unterhaltungsblatt, 4°.) 1830, Sp. 341 u. s. w.: Saphir in München“. – d) Verschiedene Scandale. Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1846, Nr. 47, S. 372: „Aphoristische Bemerkungen über M. G. Saphir’s Polemik gegen Herrn Director Pokorny“. – Berliner Figaro (Unterhaltungsblatt, 4°.) VIII. Jahrg. (1838), Nr. 198: „Erklärung“ [von Saphir; den im Berliner Figaro 1838, Nr. 184, enthaltenen Artikel: „Wiener Figaro“, welcher mit „S–r“ unterzeichnet war, betreffend]. – Europa. Von Gustav Kühne (Leipzig, schm. 4°.) 1850, S. 112: „Der Wiener Humorist und sein schamloser Nachdruck“, von Kühne. – Rosen. Literaturblatt (Leipzig, 4°.) 1842, Nr. 34: „Rechtfertigung“ [von A. Freiherrn von Seckendorff, der es gewagt hatte, Saphir’s Gedicht „Weihnachtsfest der Todten“, unbefangen zu kritisiren]. – Sonntagsblatt. Beiblatt zur Neuen Salzburger Zeitung 1856, Nr. 14: „Saphir wegen Ehrenbeleidigung verurtheilt“ [der Compositeur Dessauer klagte Saphir]. – Unser Planet. Blätter für Unterhaltung, 1838, Nr. 84, 108 u. 112: „Saphir’s Treiben in Wien“. – Theater-Zeitung (damals Oesterreichischer Courier). Herausg. von Ad. Bäuerle (Wien, gr. 4°.) 1849, Nr. 42, S. 168: „J. Nestroy an M. G. Saphir“. – Zuschauer, herausg. von J. S. Ebersberg (Wien, Lex. 8°.) Jahrg. 1849, Nr. 273, S. 2183: „Unser armer Schakal-Saphir“ [mit vier Spottbildern Saphir’s].
IV. Porträte in Stahlstich, Lithographie, Holzschnitt und Caricaturen. 1) Stahlstich mit der Unterschrift: „Zwölf Louisd’or? Es steigen mir bereits humoristische Blasen auf“. [Eine Scene aus Bauernfeld’s Lustspiel: „Der literarische Salon“, darstellend, welches in Frank’s „Taschenbuch dramatischer Originalien 1837“ abgedruckt steht. Saphir’s Porträt ist unverkennbar. Das Blatt ist sehr selten.] – 2) Unterschrift: Von M. G. Saphir. Facsimile des Namenszuges. Lithogr. u. gedr. bey Hanfstängl in München (4°. u. 8°.). – 3) Stadler lith. (8°.). – 4) Prinzhofer lith. (Fol.). – 5) Facsimile: Nur nicht in Lebensgröße u. s. w. Lith. v. C. Mittag 1843 (Fol., Berlin Krebs). – 6) Lithographie. Unterschrift Facsimile: Der Mensch entgeht dem Drucke nie: im Leben auf | dem Stein – zum Sprechen; im Tode unter dem Stein – zum Schweigen. M. G. Saphir. Kriehuber (lith.) 1835. Gedr. bei J. Höfelich (Fol.). – 7) Unterschrift. Facsimile: Der Unterzeichnete bestätigt zur Frist, daß er der Obengezeichnete ist. M. G. Saphir. Kriehuber (lith.) 1841. Gedr. bei Joh. Höfelich (4°.). – 8) Facsimile des Namenszuges: M. G. Saphir. Stadler 1858 (lith.). Druck von J. Haller in Wien (8°. u. 4°.) [auch im „Album österreichischer Dichter“]. – 9) Holzschnitte in den Wiener Blättern: Stadt-Post 1858, Nr. 249, und Telegraf 1858, Nr. 204. – 10) Unterschrift: M. G. Saphir. Lithographie von E. Gl.(eich). Versuch auf Stein von E. Gleich 1827. Gedr. im art. lith. Institut von C. Eduard Müller (4°.), sehr ähnlich und sehr selten. – 11) Holzschnitt ohne Angabe des Zeichners u. Xylographen im Wiener Blatte: Stadt-Post, I. Jahrg. (1858), Nr. 249. – 12) Holzschnitt mit der Ueberschrift: M. G. Saphir’s Vorlesung im Olymp. Ohne Ang. des Zeichners u. Xylogr. in J. F. Böhringer’s „Illustrirter Novellen-Zeitung“ 1858, Nr. 76. – 13) Ueberschrift: Zum Inventarium unseres Journal-Elends. Holzschnitt in einem Wiener Blatte [Saphir als Löwe, seine Pranke auf einem andern Thiere mit menschlichem Antlitze haltend]. – 14) Mit der Ueberschrift: Physiognomisch-autographische Aufgabe Nr. 13 [in der Leipziger illustrirten Zeitung 1852, mit dem beigesetzten Facsimile seiner Handschrift: So ist mein [227] Talent, so ist mein Gesicht! – Auch schon im J. 1846 brachte die Illustrirte Zeitung Saphir’s Bildniß im Holzschnitt]. – 15) Holzschnitt. A. Seipp sc. (8°.). – 16) Unterschrift. Facsimile des Namenszuges: M. G. Saphir. Eduard Kaiser lith. (Wien, Fol.) [Brustbild, sehr ähnlich]. – 17) Von ebendemselben, Kniestück, lith 1857. – 18) Holzschnitt. Gezeichnet von Maler Herrn Hutschenreuter [schlecht]. – 19) Vier mehr und weniger ähnliche Caricaturen Saphir’s enthält Ebersberg’s Zuschauer 1849, Nr. 273, S. 2184. – 20) Unterschrift: Humoristisches Bade-Costume in Vöslau. Lithographirt. Monogramm: File:Vol28page227 T A P.jpg (kl. Fol. Wien, J. Höfelich). – 21) Caricatur. Unterschrift: Jocko der Patient als Recensent. Der Schütze zielte zu hoch – ich habe den Schuß im Kopfe, | Nun sitz’ ich hier, Medicinire und Kritisire. Lithographie ohne Ang. des Ortes u. Zeichners (kl. Fol.). – 22) Federskizze von Friedrich Kaiser, an einem Dinstag-Abend der Kunstgesellschaft der Ritter der grünen Insel entworfen. Im Besitze des Herausgebers dieses Lexikons [ein freilich nicht geschmeicheltes, aber unbedingt das ähnlichste Porträt dieses Mensch-Affen, der eine wesentliche Stütze der Darwin’schen Theorie bildet]. – Zu den bisher angeführten lithographirten, gestochenen und in Holz geschnittenen Bildnissen sei hier noch eine geschriebene Silhouette erwähnt, welche in dem zu Hamburg von E. M. Oettinger herausgegebenen Blatte „Argus“ sich befindet und zwar Jahrg. 1837, Nr. 128, in den „Porträts deutscher Journalisten. Von einem reisenden Literaturfreunde. M. G. Saphir“ und deren Zeichner, wenn wir nicht irren, wohl Oettinger selbst sein dürfte. – Ein Kupferstich, den ich nicht zu Gesichte bekam, soll im Facsimile die Worte unter dem Bilde zeigen: „Zum Brechen getroffen. M. G. Saphir“. – Eine ziemlich zutreffende Silhouette von Saphir in Worten zeichnet der heruntergekommene Antiquar im „Oesterreichischen Parnaß“ (Frey-Sing, bei Athanasius u. Comp., 8°.). Sie lautet: „Saphir M. G. (nach seiner Angabe 45, wirklich 54 Jahre alt). Groß, hübsch gewachsen, breitäugig, häßliche Züge und darauf sehr eitel; breite, mit nach innen gekrümmten Nüstern versehene Nase, welche trotz der Stacheln eines blonden Schnurbartes mit ihrer schon etwas kupferigen Spitze bis an die Oberlippe reicht. (Parbleu! Joseph, bring’ mir doch meinen Spiegel!) Blonde gelockte Perrücke, komisches Kopfnicken, trägt große Brille, überladen mit Bijoux, immer sehr elegant, aber nachlässig gekleidet, beständiges Rühren, Witzmacher von Profession, talentvoll, aber schon etwas ausgeschrieben, nicht sehr gewissenhaft, Autodidact, aufdringlich, gutmüthig, aber leicht reizbar und dann excentrisch, im niederen Lesepublicum beliebt, sehr bekannt, unverträglich seiner Eitelkeit und Eifersucht wegen, furchtsam, heiseres Organ, zerrüttete Finanzen, glanz- und gefallsüchtig, früher sehr wohl, jetzt sehr wenig gelitten in den Salons der Aristokraten, Geck und sehr verliebt, Redacteur mehrerer eingegangener Blätter, jetzt Redacteur des eingehenden Humoristen, hat sich durch seine kriechenden kritischen Artikel einerseits und durch sein gemeines parteiisches Herunterreißen oft würdiger Männer andererseits selbst zu jener Nulle gemacht, die er in der deutschen Literatur ist, hagestolzer Vater.“
V. Saphir’s Krankheit und Tod. Humorist. Von M. G. Saphir (Wien, 4°.) 22. Jahrg. (1858), Nr. 171: „Circular-Depesche des kranken Mannes an sein Publicum“ u. s. w. Von M. G. Saphir. – Neuigkeiten (Brünner Blatt) 1858, Nr. 209: „Saphir’s Leichenbegängniß“. – Wiener Theater-Zeitung, herausg. von Ad. Bäuerle (gr. 4°.) 52. Jahrg. (1858), Nr. 167: „Saphir“ [über seine Krankheit]; Nr. 207: „Am Grabe Saphir’s“ und „M. G. Saphir’s Leichenbegängniß“.
VI. Saphir-Feste. Frankl (Ludw. Aug. Dr. Sonntagsblätter (Wien, 8°.) 1844, Februar in der Local-Zeitung: „Saphir’s fünfzigster Geburtstag“. – Der Gesellschafter (Wiener Blatt, verlegt von Rud. Lechner, 4°.) 1857, S. 109 u. f.: „Saphir’s Geburtstag“. – Gräffer (Franz), Wiener Dosenstücke u. s. w. (Wien 1852, Groß, 8°.) Theil II, S. 109: „Das Saphir-Fest“ [Abdruck eines Artikels aus dem „Humoristen“, der nur in vier Exemplaren abgedruckt wurde]. – Wiener Theater-Zeitung, herausg. von Ad. Bäuerle (gr. 4°.) 49. Jahrg. (1855), S. 142: „Saphir’s sechzigste Geburtstagsfeier“, von Adolph Bäuerle.
VII. Kritische Urtheile über Saphir. Heinrich Laube schreibt über Saphir: „Wie Weber Stoff und Bemerkung geschmacklos durcheinander schüttelt, so schüttelt, dehnt und reckt Saphir das Wort. Das ist der Schriftsteller der Worttortur, den man einen Escamoteur der Buchstaben nennen kann. Unerschöpfliche Thätigkeit dafür muß ihm zugestanden [228] sein, und er hat im Scherze der Etymologie mitunter Allerliebstes geleistet; ließe sich nur das weite Ackerfeld unübersehbarer Gelegenheitsspielerei auf eine kürzere Uebersicht zusammen drängen. Sonst ist es nur dem gefälligsten Journalpublicum zuzumuthen, daß diese Drescharbeit vollen und leeren Strohes, dieß unsichere Sieben der Spreu, was nicht ohne Zeitverlust und lästigen Staub abgehen kann, gefällig angesehen werde. Die Art selbst, Erscheinung und Gedanken in die That eines Artikels zu dichten – denn eine größere Formabsicht kommt nicht zu Tage – schließt sich im Sentimentalitäts-Gange besonders an Jean Paul, und da gibt denn die Verzweiflung am Nahen und Passenden, die Versenkung in’s Erdenkliche neben der quälerischen Willkürlichkeit auch manchen kleinen Perlenfund. Im Ganzen war diese abstracte Wortkomik, war dieser haltlose Versuch in’s Blaue hinein aus bloßer, oft gewaltsamer Stimmung und mit bloßer Hilfe der Sylbengeschicklichkeit, das Komische zu finden, im Ganzen war er resultatlos, und es ist ein Unglück für die österreichische Journalistik, daß sie sich dieser hohlen Manier anschließt, seit der gewandte Saphir in Wien die Buden seiner komischen Quacksalber-Literatur aufgeschlagen hat. Manier ist die Mutter, Manierirtheit und Caricatur ist das Kind einer Schriftstellerei, die keinen andern Boden hat, als den der Beliebigkeit. Der bessere Weg zu komischem Gewinne ist der des Anhaltes an Landes- und Volkseigenthümlichkeit, wie ihn Glasbrenner, der Erfinder des Eckensteherpacks und der Volksscenen, in Berlin eingeschlagen hat, mit der offenen Perspective, in die höher komische Welt von solchem festen Grunde aufzusteigen. Oesterreich, dieß hingebende Land der Heiterkeit, böte dazu mit seiner Naivetät ein aufgepflügtes Feld, wie Eulenspiegel ein solches Feld des Volkswitzes in Norddeutschland aufpflügte. Einzelne Spuren in Saphir’s neueren Artikeln geben Hoffnung, daß er sich von sich selbst befreien und einer Welt mit harmlosem Worte hingeben könne, die in ihren Verhältnissen viel nachdenklichere Komik vorbereitet hat, als jemals aus bloßem Schatten des Lebens, aus Buchstabe und Wort werden mag. Darin allein findet sich auch eine Erlösung vom Unstyle dieser forcirten Komik, welche Jean Paul’s unmusikalische Streckung und Kürzung der Sätze unmusikalisch nachgeahmt hat, statt die Rundung zu suchen, in welcher die Grazie des Klanges schweben muß.“ – Rudolph Gottschall charakterisirt Saphir’s Muse, wie folgt: „Moriz Saphir aus Pesth, der längere Zeit die pikante Luft Berlins geathmet, ist der incarnirte Wortwitz; das ist seine Bedeutung in der Literatur. Indem der Wortwitz mit den Worten spielt, spielt er auch mit ihrem Inhalte. Er kann gemüthlich sein, bürgerlich, familiär. Es gibt Worte, die sich so rührend drehen und wenden lassen, daß der gute Bürger sich tief ergriffen fühlt; es gibt Worte, die sich lermoyant auswinden lassen, deren Sinn man erst faßt, wenn ihre ganze sentimentale Feuchtigkeit uns entgegentropft. Das versteht Saphir, wo er eine ernste Miene annimmt und die Augen elegisch aufschlägt, wie in vielen seiner ernsten „Gedichte“. Doch im Grunde ist der Wortwitz spitzig, polemisch, scandalsüchtig, klopffechterisch, herausfordernd – und wie der Witz, so ist sein Autor, denn er ist unselbständig; es ist die Dialektik des Wortes selbst, die ihn leitet; es ist der eigene Proceß des in die humoristische Retorte geworfenen Wortes, der so blitzt und sprüht und dem der Chemiker selbst zusieht. Er ahnt und weiß es selbst nicht, wie sich das Wort unter seinen Händen verwandelt; er läßt das Chamäleon schillern und notirt seine Farben. Dabei ist natürlich von eigener Farbe, von Inhalt, von Gesinnung nicht die Rede. Tiefere Ideen werden zum Glücke selten von diesen hin und her spielenden Wortmaschinen zerrieben. Die Satyre Saphir’s sucht mit Vorliebe altbekannte, triviale Gegenstände, die Aerzte, die Frauen, das Theaterwesen auf und richtet das politische Wetter ganz nach dem Barometer der öffentlichen Zustände ein. Dennoch scheint ihm die Sonne des politischen Freisinns, oder er braut revolutionären Sturm, oder der Himmel ist ganz bewölkt und der Autor hüllt sich in feierliches Schweigen. Saphir kann als Lyriker keine sonderliche Bedeutung beanspruchen. Er appellirt wohl hin und wieder in elegischen Klängen mit Glück an die Thränendrüsen; er seufzt in Trochäen und saloppen Heine-Versen; er dichtet eine Ode auf Sanct Helena; doch alle diese Gedichte haben keine bestimmte Physiognomie. In seinen längeren Dichtungen herrscht eine verwaschene Geschwätzigkeit und flach moralische Sentimentalität, der echte Basenton der Erzählung, die armen, müdgehetzten Worte, hinter denen sein spielender Witz auf ernstem Gebiete herjagt, flüchten sich [229] in Mitleid erregender Weise durch die langgestreckten Verszeilen. Seine heiteren Gedichte enthalten manchen glücklichen Wurf und sind populär geworden, besonders als beliebte Declamationsübungen, um so mehr, als sie sich nirgends über das Niveau hausbackener Verständlichkeit erheben. Die humoristischen Vorlesungen Saphir’s, in denen die Hammerwerke und Sägemühlen seines Wortwitzes am ungeübtesten arbeiten, enthalten viel Geistreiches, Glänzendes, Frappantes und zeugen von einem nicht gering zu schätzenden humoristischen Talente und einer die Sprache beherrschenden und bereichernden Virtuosität. Saphir’s Produktivität ist unbegrenzt, denn die Combinationen des Wortspieles sind so reich, wie die jedes andern Spieles.“ – Ungleich milder beurtheilt Wolfgang Menzel den Humoristen Saphir: „Einen weit größeren Ruf“ (als der wenig gekannte Mises), schreibt Menzel, „hat Saphir erlangt, der sich ebenfalls Jean Paul zum Muster nahm. Seine Phantasie ist sehr reich, seine gute Laune unerschöpflich. An Wortwitz hat ihn wohl Keiner übertroffen. Wenn er nur niemals Wien verlassen hätte, wenn er nur nicht in die Theaterpolemik von Berlin und München verwickelt worden wäre. Dieß hat ihn in Lagen gebracht, in denen er seine schwächere Seite bloßgeben und Inconsequenzen begehen mußte, die zum Hasse Derer, die sein Witz beleidigt hatte, noch eine Geringschätzung hinzufügte, die nicht immer unverdient war. Doch habe ich sein Benehmen immer durch seine Lage entschuldigt und thue es hier wieder. Gute Laune ist so selten in unserer Zeit, daß man sie schätzen und schonen sollte. Es vereinigt sich eben so Alles gegen sie, um sie zu verwirren, zu entmuthigen, und sie pflegt von Natur mit Bonhomie und Leichtsinn so unglücklich gepaart zu sein, daß sie zu harte Proben nicht bestehen kann. Saphir ist in vieler Hinsicht ein Märtyrer des Humors geworden. In einer minder von Leidenschaften aufgeregten Zeit und in einer mehr gesicherten Existenz, etwa in Wien so eingerichtet, wie weiland Pater Abraham a Santa Clara, würde er, statt sich überall Feinde zu machen, nur Freunde gefunden haben. Scheidet man aus seinen vielen Schriften, größtentheils Journalaufsätze, das Triviale, Polemische und Momentane, so bleibt immer ein Kern von köstlichem Witz und ein Buch zurück, das auch die Nachwelt noch mit fröhlichem Lachen lesen wird.“ – Ich kann nur wiederholen, was ich schon vor Jahren über Saphir, da er noch am Leben war, geschrieben: „Saphir hat Witz. Aber seine Schriften sind weite und lange Flußbette, aus denen man die Witzkörner, die bald reich, bald dürftig darin schimmern, herauswaschen muß. Bei wenigen Schriftstellern findet man so häufig das Pikanteste neben dem Mattesten, Geistreiches neben Abgeschmacktem, wie bei Saphir. Saphir sollte nur Einfälle veröffentlichen, zu größeren Aufsätzen fehlt ihm oft die Einheit der Auffassung, die Klarheit der Durchführung. Saphir würde Vieles selbst streichen, läse er es nochmals mit logischer Prüfung durch, aber was flimmert, mit Worten schillert, betäubt ihn selbst, über jeden guten Einfall ist er so froh, daß er dann eine Menge kindischer Sprünge hinterher macht. Saphir wird erst recht genossen werden, wenn ein kritischer Kopf sich an die Arbeit macht und den „Witz aus Saphir’s Werken“ heraushebt. Was bei anderen Schriftstellern, deren Geist von Sammlern auf Flaschen gezogen wurde, störend ist, weil der Zusammenhang gelöst wird, kann für Saphir nur ein Gewinn sein, denn in seinen Productionen ist kein Zusammenhang; was zwischen Witz und Witz liegt, sind nur öde Steppen oder trübes Wasser. Saphir wäre aber ein weit gediegener Schriftsteller geworden, wenn Deutschland Kritiker ohne Furcht und Tadel gehabt hätte. Doch die Zwerge der Kritik wurden bald durch seine schlagenden Repliken eingeschüchtert, und die sich für Riesen halten, fürchten auch seinen Witz, und um diese Furcht zu verbergen, scheinen sie ihn zu übersehen und lassen höchstens hin und wieder einige nichtssagende Worte über ihn fallen. Wäre sein Talent in das Glühfeuer einer echten Kritik gekommen, es hätte die Schlacken fallen lassen, Saphir hätte aufgehört, in seinem noch nicht dagewesenem Hochmuthe sich selbst zu überschätzen, er hätte nach Selbstkenntniß gestrebt, statt daß er sich nur abgöttisch anbetet. Jene jämmerlichen literarischen Kleinkrämer, die Lobhudler werden, um von einem ausgezeichneten Talente einen Blick der Gnade zu erhaschen, jene kriechenden Höflinge und Schmarotzer bedeutender Literaten haben Saphir auf ihrem Gewissen. Leider ist er nicht stark genug, um sich selbst kindisch zu erscheinen bei dem Schmunzeln über das Lob der schwachköpfigen Schmeichler; seine Eitelkeit hat das Reifen seines Geistes gehemmt. Das frechste, lächerlichste Lob kann [230] ihn noch nicht verletzen, er hält sich noch stets Miethlinge, die ihm für Protection und gute Worte Weihrauch streuen müssen.“ – Zur Charakteristik Saphir’schen Witzes. Daß Saphir witzig, ungemein witzig war, wer wird das bestreiten? Dabei war er schlagfertig und parirte jeden ihm zugeschleuderten Witz treffend und in malitiösester Weise. So z. B. begegnete ihm einst Castelli, als S. mit einem neuen Hute aus dem Kaufladen trat. Sieh’ da, rief Castelli, Saphir ein Patentfilz! – Und mein lieber Castelli – ein Wasserdichter, war Saphir’s Antwort, deren Bosheit und Harmlosigkeit in der Zweideutigkeit des Wortes „Wasserdichter“ als Hauptwort und „wasserdichter“, nämlich Hut, gipfelt. – Saphir war nie um eine Antwort verlegen, und ein Vergleich, eine Antithese, ein Bonmot von überraschender Wirkung sprangen blitzschnell über seine Lippen. So ward einmal bei einer Mahlzeit bei Rothschild, zu welcher auch Saphir geladen, köstlicher Lacrymae-Wein aufgetragen. Warum, Freund Saphir, fragte Rothschild, heißt wohl dieser Wein Lacrymae Christi? Weil, Herr Baron, entgegnete Saphir, jeder gute Christ Thränen vergißt, wenn ein Jude diesen Wein trinkt. – Seine Charakterisirung der Münchener ist sprichwörtlich geblieben, sie lautet: Wenn der Münchener des Morgens aufsteht, ist er ein Bierfaß, und wenn er Abends zu Bette geht, ein Faß Bier – Als in Deutschland die Kammerauflösungen an der Tagesordnung waren, bemerkte Saphir treffend: Wenn jetzt ein Blatt die Nachricht von einer Einberufung der Stände bringt, so sollte es gleich wie zu einem Rebus hinzusetzen: „Die Auflösung folgt in einem der nächsten Blätter“. – Ein ander Mal ertappte eine Frau, der Saphir den Hof machte, den Humoristen eben im Momente, als er ihre Zofe umarmen wollte. Saphir wurde über diese Ueberraschung wohl verlegen, zog sich aber sofort mit der Bemerkung aus der Verlegenheit: „Verehrte Frau, ich bewundere nicht allein die Macht Ihrer Reize, sondern auch die Reize Ihrer Magd“. – Viele seiner Aussprüche leben noch heute im Munde des Volkes, und manches geflügelte Wort, an dem man sich noch zur Stunde ergötzt, hat, ohne daß man es weiß, Saphir zum Vater. Doch aber war sein Witz meist Wortwitz, Sylbenspielerei, selten entsprang er aus der Tiefe des Gemüthes, denn, wenn Saphir mitunter auch sentimentale Anwandlungen hatte, so war er doch immer gemüthlos, und in seinen lyrischen Dichtungen, die manche Gedankenperle enthalten, wird die herrlichste Stimmung oft durch ein seichtes Wortgetändel geradezu vernichtet. Am vollendetsten war er immer im Wortspiele, als ihm z. B. ein Componist, den er im „Humoristen“ getadelt, wüthend zurief: Warten Sie nur, die Zeit kommt noch , daß ich Sie in Wuth setzen werde, erwiederte S.: Setzen Sie mich, in was Sie wollen, nur nicht in Musik; und ein ander Mal, als an der Tafel die Toaste auf die berühmtesten alten Musiker, Mozart, Haydn, Gluck, Rossini u. s. w., von Saphir ausgebracht wurden, fragte ihn ein junger Compositeur, warum er nur die alten Musiker leben lasse? O, rief Saphir, der Toast auf die neuen folgt jetzt, meine Herren, die neueste Oper des Herrn .... hier soll leben und somit laß ich viele alte und neue Compositeure zugleich leben. Der Componist soll sich nie wieder einen Toast von S. erbeten haben. Quellen zur Charakteristik. Argus. Herausg. von E. M. Oettinger (Hamburg, schm. 4°.) 1837, Nr. 166: „Saphir, der Sänger der „wilden Rosen“. – (Czartoryski’s) Monatschrift für Theater und Musik. Herausgeber: Joseph Klemm (Wien, Wallishausser, 4°.) IV. Jahrg. (1858), S. 498; M. G. Saphir“ [eine treffende Charakteristik Saphir’s des Schriftstellers und Kritikers; eine Ergänzung des trefflichem Artikels von Hieronymus Lorm über Saphir]. – Frankl (Ludw. Aug.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) II. Jahrgang (1843), S. 294: „Von Saphir oder von Básthy“ [Nachweis eines an Saphir begangenen Plagiats, was übrigens nicht viel bedeuten will, denn Saphir nahm sich auch die Sachen, wo er sie eben fand]. – Goedeke (Karl), Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung. Aus den Quellen (Hannover 1863, L. Ehlermann, 8°.) Bd. III. S. 587, Nr. 62. – Gottschall (Rudolph), Die deutsche Nationalliteratur in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Literarhistorisch und kritisch dargestellt. Zweite verm. u. verb. Aufl. (Breslau 1861, Trewendt, 8°.) Bd. III, S. 123. – Gräffer (Franz), Wiener Dosenstücke u. s. w. (Wien 1852, J. F. Groß, 8°.) Theil I, S. 65, im Artikel: „Beggiana“. [Der ingeniöse Wiener Bäckermeister Georg W.(immer), dem eine Menge köstlicher Wortwitze in den Mund gelegt werden, nannte Saphir einen „Weltschwaderer“, [231] Saphir’s kürzere und treffendste literarische Charakteristik]. – Der Humorist. Von M. G. Saphir (Wien, 4°.) 1855, Nr. 135: „Jules Janin über Saphir“ [allen Respect vor Jules Janin] aber es ist eine alte Geschichte: parochus parochum non decimat]. – Kinderfreund (Karl Joseph), Thalia’s und Euterpe’s Klagen. Nebst vermischten Episoden über Manches aus unserer Zeit (Wien 1850, Leopold Grund, 8°.) S. 110: „M. G. Saphir“. – Kurz (Heinrich), Geschichte der deutschen Literatur mit ausgewählten Stücken aus den Werken der vorzüglichsten Schriftsteller (Leipzig 1859, B. G. Teubner, schm. 4°.) Bd. III, S. 263, Sp. b; S. 294, Sp. b, S. 530, Sp. b [beurtheilt ihn mit Rücksicht auf Charakter, Tendenz und Umfang des Werkes doch zu oberflächlich]. – Laube (Heinrich), Geschichte der deutschen Literatur (Stuttgart 1840, Hallberger, gr. 8°.) Bd. III, S. 323. – Menzel (Wolfg.), Die deutsche Literatur. Zweite verm. Auflage (Stuttgart 1836, Hallberger, 8°.) 4. Theil, S. 73. – Seidlitz (Julius Dr.), Die Poesie und die Poeten in Oesterreich im J. 1836 (Grimma 1837, J. M. Gebhardt, 8°.) Bd. I, S. 156. – Werschetzer Gebirgsbote (Lokalblatt, kl. Fol.) IV. Jahrg. (1860), Nr. 34: „Saphir als Possendichter“, von Karl v. Holtei. – Wiener Zeitung 1858, Abendbl. Nr. 213, im Feuilleton: „M. G. Saphir“ von H.(ieronymus) L.(orm) [das Gediegenste und Zutreffendste, was über den literarischen Nihilismus, den Saphir’s Schriften glänzend vertreten, gesagt werden kann].
VIII. Gedichte an Saphir. Humorist. Von M. G. Saphir (Wien, 4°.) XXII. Jahrgang (1858), Nr. 210: „Nachruf an M. G. Saphir“ [ein englisches Gedicht an S. mit gegenüberstehender deutscher Uebersetzung.]. – Tritsch Tratsch. Herausg. von A. Varry (Wien, 4°.) I. Jahrg. (1858), Nr. 28: „Ein Monument, dem Andenken M. G. Saphir’s“. – Wiener Courier (polit. Blatt) 1856, Nr. 121: „Wohlgemeinter Zuruf eines Freundes an M. G. Saphir“, von I. F. Castelli. – Wiener Theater-Zeitung, herausgeg. von Adolph Bäuerle (gr. 4°.) 52. Jahrg. (1858), Nr. 206: „Saphir’s letzte Stunde“ von J. Weyl.
IX. Saphiriana. Xenie auf Saphir. S.’s Handschrift. S.’s goldene Feder. Morizruhe u. s. w.1) Epigramm auf Saphir. Am bezeichnetsten schildert folgendes Epigramm Saphir’s Muse: An Börne mahnt sein Geist, sein Styl an Heine, | Sein Witz an Swift, sein Sentiment an Sterne; | Und doch steht er den Edlen, ach, so ferne! | Stets mahnt an Edles schmerzlich – das Gemeine. – 2) Saphir’s Handschrift. Henze (Adolph), Die Handschriften der deutschen Dichter und Dichterinen mit 305 Facsimiles u. s. w. (Leipzig 1855, Schlicke, gr. 12°.) S. 127. [Henze vermag diese Krakelfüße Saphir’s nicht treffender zu charakterisiren, als daß er dem Facsimile seines Namens beifügt: „Das ist Saphir!“] – In das zu Bremen erschienene deutsche Stammbuch schrieb Saphir: Zum Dichter muß man geboren, zur Anerkennung muß man gestorben sein. M. G. Saphir. Wien im März 1852. – 3) Noch eine Xenie auf S. Saphir wurde bei Lebzeiten oft und scharf gegeißelt. Eine Berliner Zeitung brachte auf ihn folgende Xenie: Les’ ich vom wundergroßen Saphir | Den „dramaturgischen Courier“, | Und hab’ ich lange dagesessen | Und durchgelesen Blatt für Blatt, | So bin ich am Ende gerade so satt: | Als hätt’ ich die Supp’ mit der Gabel gegessen. – 4) Der Berliner Sonntags-Verein. Saphir ist der Stifter des literarischen Sonntags-Vereins in Berlin, dessen Gründung in den December 1827 fällt und dessen erstes Ehrenmitglied der Erbauer des Themsetunnels, Sir Marc Isambert Brunel, war. Saphir führte in diesem Vereine den Namen Aristophanes. – 5) Moriz-Ruhe. In Baden nächst Wien, wo die Parkanlagen enden und der Calvarienberg beginnt, befindet sich ein von Felsstücken und Buschwerk umgrenztes Plätzchen und darauf ein Pavillon, das Lieblingsplätzchen Saphir’s, welches nach seinem Vornamen Moriz: „Moriz-Ruhe“ heißt. – 6) Saphir’s goldene Feder. Saphir redigirte und schrieb für den Buchhändler Hügel in Wien den humoristischen Kalender, der so großen Absatz fand, daß sich Hügel veranlaßt sah, dem Verfasser außer dem ansehnlichen Honorar eine goldene Feder mit der Aufschrift: „Deine Feder ist Gold“ zu verehren. – 7) Saphir’s Grabschrift. Auf seinem Sterbebette hat sich Saphir selbst folgende Grabschrift verfaßt:

Eine Auster, einsam in des Ufers Sand,
Warf das Zeitmeer mich an den Lebensstrand,
Ein Tropfen Licht fiel vom Himmel hinein,
Wurde Perlchen darin, gering und klein;
Wurde Krankheit da und doch auch Lust,
Ich gab sie der Welt aus off’ner Brust. –
[232] Zeitmeer, hier nimm deine Schale zurück!
Perlchen, überleb’ mich ein Weilchen mit Glück!
Tropfen Licht, der vom Himmel in die Schale sank,
Schweb’ empor zum Himmel jetzt und sag’ ihm Dank.

M. G. Saphir.

Anmerkung (Wikisource)

  1. „Streit’ ich mit Lumpenpack, so viel ist immer sicher, / Beschmutzt geh' ich davon, und wär' ich zehnmal Sieger.“ Julius Wegeler: Philosophia patrum versibus praesertim leoninis, rhythmis Germanicis adiectis, iuventuti studiosae, hilariter tradita. Koblenz 1869, S. 38 books.google Nr. 503