BLKÖ:Dessauer, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 3 (1858), ab Seite: 255. (Quelle)
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Dessauer, Joseph[BN 1] (Compositeur, geb. zu Prag 28. Mai 1798). Ist der Sohn wohlhabender Eltern, welche ihn zum Kaufmannsstande bestimmten, dem sich D. auch im Alter von 20 Jahren widmete. Doch trieb er dabei leidenschaftlich Musik. Dionys Weber, der Director des Prager Conservatoriums, machte ihn zu einem ausgezeichneten Pianisten, Tomaschek, der berühmte Theoretiker, nannte ihn einen seiner vorzüglichsten Schüler. Eine Unterhaltungsreise nach Neapel (1821), wo seine Virtuosität allgemeinen und ungewöhnlichen Beifall erhielt, brachte ihn zur Erkenntniß seines eigentlichen Berufes. In sein Vaterland zurückgekehrt, widmete er sich nun eifrigst der Composition und componirte Lieder, Trio’s, Quartette, Ouverturen, die jedoch immer nur in Dilettantencirkeln ausgeführt wurden. In den Jahren 1831 und 1832 unternahm er Reisen nach Italien, Frankreich und England. Während seines langen Aufenthaltes in Paris wurden seine Compositionen immer beliebter und namentlich gebührt D. das Verdienst, das bisher in Paris nur unter dem Namen: chant, mélodie etc. gekannte „Lied“, unter dieser deutschen Bezeichnung dort heimisch gemacht zu haben. Ein längerer Aufenthalt in Mailand blieb auch nicht ohne wohlthätige Folgen. Dort erschienen die meisten seiner Claviercompositionen, und eine Oper war der Vollendung nahe, als ihn Familienverhältnisse bestimmten, in das Vaterland zurück zu kehren. Er widmete sich nun meistens der Liedercomposition, obgleich er sich auch von [256] Zeit zu Zeit in der Oper versuchte. So entstand die ernste Zauberoper „Lidwinna“ (3 Acte. Text von Egon Ebert), gegeben während der Krönungsfeier Sr. Majestät des Kaisers Ferdinand, als König von Böhmen. – Für das Dresdner Hoftheater schrieb er (1838) die komische Oper „Der Besuch in Saint-Cyr“ (3 Acte, Text von Bauernfeld) (s. d. I. S. 186). – Die ernste Oper „Paquita“ (3 Acte, Text von Otto Prechtler) wurde im Jahre 1851 zuerst in Wien auf dem Kärntnerthor-Theater zur Aufführung gebracht und jüngst erst hat er eine komische Oper: „Dominga, oder die Schmuggler in den Pyrenäen“ (3 Acte, Text von Alex. Baumann) (s. d. I. Bd. S. 189) vollendet, deren Libretto bereits erschienen ist. Ein Aufenthalt in Paris (1840–42) gab einer bedeutenden Anzahl französischer Gesänge die Entstehung, unter denen der Boléro „„Ouvrez“, die Romanzen: „Le ciel est pur“; – „La contrebandière“ etc. zu allgemeiner Anerkennung kamen. Auch wurde von seinem Verleger Moriz Schlesinger, eine Uebersetzung der deutschen von D. componirten Lieder in’s Französische, und der französischen in’s Deutsche veranstaltet. Von seinen Compositionen sind dem Herausgeber bekannt worden: „Der Pilot. Von Anton Guido Grünes“ (Beilage zur Wiener Zeitschrift 1835, Nr. 104); – „Rondo brillant“ (Nr. 5650 des Ricordi’schen Musikalien-Katalogs); – „Rondo alla Polacca“ (5756); – „Capriccio sopra alcuni motivi della Norma di Bellini“ (5767); – „Rondo Caratteristico preceduto da una introduzione“ (6606); – „Hommage à Mad. Pasta. Fantaisie sur l’air de Pacini: I tuoi frequenti palpiti, dans la Niobe“ (6610); – „Ballo alla scozzese. Divertimento“ (6618); – „Die Wanderlieder“ von Uhland, sie erschienen auch in Paris in einer französischen Uebersetzung und wurden in der Revue des deux mondes sehr günstig besprochen; – „Sechs deutsche Lieder für eine Singstimme“ (Op. 45), aus Kappers slav. Gedichten und Gedicht von C. Hugo; – „Tarantella. Gedicht von Al. Bauman“ (Op. 47); – „Zwei Legenden mit Pianoforte“ (Op. 48); – „Zwei Gesänge mit Pianoforte“ (Op. 49), Gedichte von Eichendorff und Geibel; – „Die Lockung“, Gedicht von Eichendorff; – „Nach Sevilla“, Ged. von Brentano; – „Sechs Lieder für Alt mit Pfte.“ (Op. 50), Gedichte von W. Müller, Carlopago, Chamisso, Goldhann und Geibel; – „Zwei Gesänge mit Pianoforte“ (Op. 52), Gedichte von Mosenthal u. Geibel; – „Frühlingsnacht für Altstimme mit Begl. des Violoncells u. Pianoforte“ (Op. 53), Gedicht von Eichendorff; – „Frühlinglied von Wolfg. Müller, für Sopr. mit Begl. der Viol. u. des Pfte.“ (Op. 54); – „Vier Gesänge mit Pfte.“ (Op. 55), Gedichte von Geibel, Mosenthal und Hoffmann v. Fallersleben; – „Zwei Gesänge mit Pfte.“ (Op. 56), Gedichte von Carlopago und Geibel; – „Drei Lieder für zwei Frauenstimmen mit Pfte.“ (Op. 57), Gedichte von Haugwitz, Goethe, W. Müller; – „Sonate für Pfte. u. Violoncell“ (Op. 58); – „Die Spinnerin, aus dem Engl. des Jul. Fane“ (Op. 59); – „Gesänge für eine Singstimme mit Begl. des Pfte.“ (Op. 60), Dichtungen von Lenau, Mosenthal, Rodenberg, Roquette [diese sämmtlich bei Pietro Mechetti in Wien]. Dessauers Compositionen wird von Kennern Grazie, Leichtigkeit und Melodienreichthum nachgerühmt. Eine große Anzahl Lieder und manches größere Werk liegen in D.’s Pulte.

Schilling (G. Dr.), Das musikalische Europa (Speyer 1842, F. C. Neidhard, gr. 8°.) S. 68. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für gebildete Stände (Hildburghausen 1845, Bibl. Inst., Lex. 8°.) VII. Bd. 4. Abth. S. 276. – Porträte. 1) Ohne Unterschrift. Kriehuber, 1831, gedr. im lithogr. Institut in Wien. kl. Fol. [Sitzend im Pelzrock]. – 2) Unterschrift: Facsimile des Namens: Jos. [257] Dessauer. Gabriel Decker, 1846, gedruckt bei J. Rauh. – Henri Blanchard in einer Besprechung der Compositionen Dessauers in der Pariser „Revue et Gazette musicale“ schreibt über D.: „... M. Dessauer procède à la manière de Schubert et de Proch ou plutôt il se livre à la double inspiration mélodico-harmonique, dont il faut reconnaître cependant que Schubert a été la manifestation la plus exquise comme la plus distinguée et qui a porté un coup fatal à la romance française, à la romance pur sang, nationale enfin.“ ..... „Il y a bien par-ci par-la quelque erreur de prosodie .... mais que sont ces légères taches .... quand l’harmonie franche et distinguée sont là pour attester le mérite réel du compositeur? Cette double qualité se trouve à un éminent dégré dans le recueil de M. Dessauer.Cajetan Cerri entwirft in der Damen-Zeitung „Iris“ 1850 folgende Silhouette von D.: „Wenn meine Stimmung recht sentimental ist, so besuche ich gewiß den Compositeur Dessauer. Eine ganz eigenthümlich poetisch-ernste Persönlichkeit! großer, bedeutend kahler Kopf; dunkle, schwärmerische Augen; hohe Stirne; dicke Backen; hohe, wohlgenährte Gestalt; seine Hypochondrie und seine fixe Idee, immer krank zu sein, sind allgemein bekannt; sie ..... spricht wenig, gemessen aber sehr geistvoll; ist überhaupt ein höchst gebildeter Mann, und die ersten Dichter, Schriftsteller und Künstler halten viel, auf sein Urtheil; ist viel bereist und hat so Manches erfahren; als Lieder-Compositeur allgemein geachtet und beliebt; auch seine eben vollendete Oper „Paquita“ soll reich an herrlichen Schönheiten sein.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Dessauer, Joseph [Bd. III, S. 255]. Beging im Jahre 1868 die Feier seines 70. Geburtstages.
    Neue freie Presse 1868, Nr. 1345: „Dessauer’s 70. Geburtstag“. – Deutsche allgemeine Zeitung (Leipzig, 4°.) 1856, Nr. 76 u. 77. [Bd. 24, S. 387.]