BLKÖ:Prechtler, Johann Otto

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Prechtler, Marie
Band: 23 (1872), ab Seite: 240. (Quelle)
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Prechtler, Johann Otto (österreichischer Poet, geb. zu Grieskirchen, einer kleinen Landstadt in Oberösterreich, am 21. Jänner 1813). Von seinen unbemittelten Eltern – über seine Mutter, die Naturdichterin Prechtler, siehe Näheres in den Quellen, S. 244 – schon früh zum geistlichen Stande bestimmt, führten ihn jedoch Neigung und Beruf auf einem anderen Pfade dem Lebensziele entgegen. Er vollendete in Linz und Wien seine Studien, trat 1834 in den österreichischen Staatsdienst, in welchem er stufenweise vorrückend, zuletzt nach Jubilirung Grillparzer’s an dessen Stelle zum Archivsdirector im k. k. Finanzministerium ernannt wurde. Bis in die Mitte der Sechziger-Jahre (1866) blieb P. in Activität, dann wurde er in den Ruhestand übersetzt und zog sich nach Oberösterreich zurück, wo er bald da, bald dort verweilte, dann in Urfahr bei Linz, gegenwärtig in Stadt Steyr seine bleibende Wohnstätte aufgeschlagen hat. Um diesen einfachen Umriß einer ganz gewöhnlichen amtlichen Laufbahn schlingen sich frische grüne Blätter edleren geistigen Schaffens und dieses letztere räumt ihm einen Platz in vorliegendem Werke ein. In frühester Jugend schon gab sich Neigung und Beruf zur Dichtkunst in Prechtler kund; kaum 16 Jahre alt, vollendete er ein romantisches Drama in Versen, betitelt: „Die blutige Locke“, welches auf dem Theater zu Linz nicht ohne Beifall aufgeführt wurde. Die poetischen Keime, die in ihm lagen, genossen der wärmsten Pflege seines damaligen Vorstandes Grillparzer und des geistvollen Feuchtersleben, welche Prechtler die Genien seines Lebens und Dichtens nennt. Nachdem sein Talent sich im Lyrischen durch mehrfache Proben in Zeitschriften und Almanachen kundgegeben hatte, ließ er 1836 eine erste Sammlung von Gedichten, Grillparzern gewidmet, nebst einem lyrischen Drama: „Die Braut aus Süden“, im Drucke erscheinen, welche eine freundliche Aufnahme fanden. Im Jahre 1844 folgte eine neue Sammlung, reicher an Inhalt, geläuterter in Form, aus welcher mehrere Lieder in Musik gesetzt und so in weitere Kreise verpflanzt wurden; dann 1847 ein größeres romantisches Gedicht: „Das Kloster am See“, worin P. eine oberösterreichische Sage in rhytmischer Form behandelt; im Jahre 1849: „Ein Jahr in Liedern“, [241] Zeitstimmen, welche in einer nichts weniger als für Poesie empfänglichen Zeit beinahe spurlos verhallten, obgleich ihnen die Kritik einen freundlichen Geleitsbrief mitgab und mit einer im Jahre 1855 veröffentlichten neuen Sammlung, betitelt: „Zeitlosen“, beschloß er seine bisherigen lyrischen Publicationen. [Die bibliographischen Titel seiner Schriften, von denen jedoch die dramatischen meist nicht im Buchhandel, sondern nur als „Bühnenmanuscript“ gedruckt erschienen sind, folgen S. 242 in den Quellen.] Doch nicht das lyrische als vielmehr das dramatische Gebiet ist es, auf welchem P. vorherrschend thätig gewesen. Er schrieb in der ersten Periode seiner dramatischen Arbeiten über dreißig Opernbücher, von denen die Compositionen durch Lachner, Hoven, Netzer, Füchs, Dessauer, Proch u. A. bekannt sind. Den ersten Versuch als selbstständiger Dramatiker machte Prechtler 1842 im k. k. Wiener Hofburg-Theater mit dem zweiactigen Drama: „Die Waffen der Liebe“, am 21. Jänner 1842 zum ersten Mal gegeben und nach der dritten Aufführung am 1. Februar d. J. zurückgelegt. Im Jahre 1843 folgte das dramatische Gedicht: „Isfendiar“, auch vom 1. bis 7. Juni dreimal und nicht wieder gegeben; dann 1844: „Die Kronenwächter“, welches Stück sich eines nachhaltigeren Erfolges zu erfreuen hatte, da es seit seiner ersten Darstellung am 25. September 1844 bis 18. März 1846 neunmal gegeben wurde. Einen nicht minder günstigen Erfolg hatte das am 27. October 1846 auf der Wiener Hofbühne zum ersten Male aufgeführte romantische Drama: „Falconiere“, das in vier Monaten – bis 4. Februar 1847 zehnmal – die größte Zahl Wiederholungen, welche ein Prechtler’sches Stück auf dem Burgtheater erlebte – aufzuweisen hat. Das nächste an der Reihe war nun das romantische Drama: „Adrienne“, dessen erste Aufführung am 29. November 1847 stattfand und das mit der achten Darstellung am 26. April 1848 – wohl zunächst in Folge der politischen Ereignisse – bleibend vom Repertoire verschwand. Die beiden letztgenannten Stücke: „Falconiere“ und „Adrienne“ wurden auch in Norddeutschland, besonders „Adrienne“ in Hamburg und Leipzig mit günstigem Erfolge aufgeführt. Das 1848 erschienene historische Buchdrama: „König Heinrich von Deutschland“, kam nicht zur Darstellung; das dramatische Gedicht: „Die Rose von Sorrent“ wurde nur zweimal, am 7. und 8. August 1849, das auf fast allen Bühnen Deutschlands gegebene Lustspiel: „Er sucht seine Braut“, im Burgtheater vom 3. Jänner bis 6. December 1850 fünfmal, die Tragödie: „Johanna von Neapel“ vom 31. August bis 22. September 1850 ebenso oft; – das einactige dramatische Gedicht: „Paolo Rocca“ vom 13. April bis 8. August 1852 sechsmal; das fünfactige Drama: „Michael Colomb“ vom 23. bis 27. September 1854 nur dreimal; das Schauspiel: „Cäcilie“ vom 19. bis 26. November 1855 viermal und das fünfactige historische Schauspiel: „Die Kinder des Königs“ vom 14. März bis 2. September 1864 siebenmal gegeben. Seit September 1864 brachte die Wiener Hofbühne kein Stück P.’s mehr zur Darstellung. Außer diesen zwölf im Burgtheater aufgeführten Stücken hat P. noch einige, die nicht dargestellt wurden, geschrieben, und zwar eine historische Tragödie: „Ein Mann der That“, im Jahre 1848 gedichtet, welche das entschiedene Gepräge des tiefen Eindrucks an sich trägt, den die Ereignisse des Jahres 1848 auf den Dichter ausübten, und das er eben deshalb keiner Bühne übergab; [242] ferner das fünfactige Drama: „Paoli“ und das historische Lustspiel in zwei Acten: „Künstlerrecht“[WS 1]. Ueber seine Mitarbeiterschaft an Heinrich Laube’s Lustspiel: „Cato von Eisen“ berichtet Laube selbst in seiner „Geschichte des Wiener Burgtheaters“ und im Feuilleton: der „Neuen freien Presse“ 1868, Nr. 1258: „Das Burgtheater von 1848 bis 1867. XIX“. Mit den vorerwähnten dramatischen Arbeiten, wenn man hiezu noch die in den Quellen angeführten Opern-Libretti rechnet, schließt P.’s dramatische Thätigkeit ab. Außerdem schrieb er Novellen und Reisebilder in verschiedenen Almanachen und schöngeistigen Blättern, von denen u. a. seine im Abendblatte der „Wiener Zeitung“ im Jahre 1856 abgedruckten, „Zwölf Tage auf einem deutschen Fürstenschlosse“ insbesondere deßhalb erwähnenswerth sind, weil sie eine interessante Schilderung seines Aufenthaltes auf Schloß Callenberg, der Sommerresidenz des Herzogs Ernst von Sachsen-Coburg enthalten, wohin P. einer Einladung des Herzogs, für den er auch einen Operntext: „Diana von Solanges“, geschrieben, gefolgt war. Sein Stück: „König Heinrich von Deutschland“, hatte die Intendanz zur Aufführung angenommen, diese aber wurde von der damaligen Censur, da von derselben das Stück „als in staatlicher und kirchlicher Beziehung bedenklich“ bezeichnet ward, verhindert, worauf P., nachdem er es hatte drucken lassen und ein Exemplar Sr. Majestät dem Kaiser überreicht hatte, mit der goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet ward. Im Jahre 1864 überreichte ihm die Gemeinde seines Geburtsortes Grieskirchen anläßlich seines fünfzigsten Geburtsjahres das Ehrenbürger-Diplom. Und einer Mittheilung zu Folge aus letzter Zeit („Fremden-Blatt“ 1869, Nr. 346) soll P. seine gegenwärtige schriftstellernde Thätigkeit der Abfassung seiner Memoiren zuwenden, die bei seinen mannigfachen Berührungen mit verschiedenen Kunstcelebritäten der letzten 30 Jahre des Interessanten genug enthalten dürften. Das „Oesterreichische Dichteralbum“ schreibt noch: „Prechtler ist seit 1839 vermält. In sein sonst friedliches, durch freie Wahl der Lebensgefährtin geweihtes Eheleben, fielen tragische Schatten, deren nähere Berührung wir uns natürlich versagen müssen. Nur einer Wunde dürfen wir erwähnen: Unvermuthet raffte im Jahre 1857 der Tod seinen einzigen siebzehnjährigen Sohn Ernst dahin. Dieselbe Quelle endlich bemerkt, „daß die Wiener Kritik Prechtler’s Streben und Wirken stets feindlich, nie belehrend, mehr leidenschaftlich als würdig, ja mit sichtbarer Mißgunst und Entstellung der Erfolge behandelt hat; eine Thatsache, die nicht abgeleugnet werden kann. Im Uebrigen wird auf die S. 243 in den Quellen mitgetheilten Stimmen der Kritik über Prechtler’s Dichten und Schaffen gewiesen.

Bibliographische Uebersicht der Schriften Otto Prechtler’s in chronologischer Folge. Der größere Theil von P.’s Werken ist in den Bücherkatalogen nicht zu finden, die dramatischen Arbeiten sind meist als Bühnenmanuscripte gedruckt. a) Lyrische und dramatische Werke „Dichtungen“ (Wien 1836, Wenedickt, gr. 8°.); – „Die Waffen der Liebe“, Schauspiel (ebd. 1842); – „Isfendiar“, dramatisches Gedicht (ebd. 1843); – „Die Kronenwächter“, romantisches Drama (ebd. 1844); – „Gedichte“, erste Gesammtausgabe (Wien 1844, Ignaz Klang, 8°.); – „Falconiere“, romantisches Drama (ebd. 1846); – „König Heinrich von Deutschland“, historisches Drama in 5 Acten (Wien 1846, Ignaz Klang, 8°.); – „Adrienne“, dramatisches Gedicht (ebd. 1847); – „Das Kloster am See“, romantisches Gedicht (ebd. 1847); zweite Auflage unter dem Titel: „Das Kloster [243] am Traunsee. Volkssage aus Oberösterreich in 3 Gesängen (Gmunden 1869, Habacher); – „Die Rose von Sorrent“, dramatisches Gedicht (ebd. 1849); – „Ein Jahr in Liedern“, Zeitstimmen aus dem Jahre 1848 (Wien 1849, Lechner, gr. 8°.); – „Johanna von Neapel“, historische Tragödie (ebd. 1850); – „Paolo Rocca“, dramatisches Gedicht (ebd. 1852); – „Michel Colomb“, Drama (ebd. 1854); – „Zeitlosen“, neue Gedichte (Wien 1855, Grund, 16°., mit P.’s lithographirtem Porträt); – „Die Tochter des Waldes“ (1859); – b) Operntexte: „Der Tag der Verlobung“, romantische Oper in 3 Acten (1837), componirt von F. C. Füchs in Wien; – „Das Matrosengrab“, romantische Oper in 3 Acten (1837), componirt von Gustav Ebell in Triest; – „Alidia“, romantische Oper in 3 Acten (1838), componirt vom kön. bayerischen Hofcapellmeister Franz Lachner. aufgeführt im kön. Hoftheater in München“; – „Johanna d’Arc“, romantische Oper in 3 Acten (1839), componirt von J. Hoven in Wien, aufgeführt im k. k. Hof-Operntheater zu Wien und in Karlsruhe u. s. w.; – „Mara“, romantische Oper in 3 Acten (1841); componirt von Joseph Netzer, Capellmeister in Leipzig; aufgeführt am k. k. Hof-Operntheater in Wien, auch in Prag, Braunschweig u. s. w.; – „Drei Freier“, komische Oper in 2 Acten (1841); – „Das Kätchen von Heilbronn“, romantische Oper in 4 Acten (1841), componirt von J. Hoven in Wien, kam daselbst zur ersten Aufführung; – „Das Hünengrab“, romantische Oper in 2 Acten (1841); sollte von G. Barth in Wien componirt werden; – „Estrella di Soria“, große Oper in 3 Acten (1841), componirt vom kön. schwedischen Musikdirector Franz Berwald in Stockholm; – „Die Braut des Rabi“, komische Oper in 2 Acten (1842), sollte ebenfalls von G. Barth componirt werden; – „Juditha“, historisch-romantische Oper in 3 Acten (1842), componirt vom großherzoglichen Hofcapellmeister August Pott in Oldenburg, kam auch daselbst zur ersten Aufführung; – „Der Sohn der Sclavin“, heroisch-romantische Oper in 3 Acten (1842), componirt von Fr. Kücken in Berlin; – „Der Rächer“, heroisch-romantische Oper in 3 Acten (1843), componirt vom Capellmeister Louis Schindelmeisser in Pesth; kam ebenda zur Aufführung; – „Die Braut von Venedig“, historisch-romantische Oper in 3 Acten (1843), sollte von Adolf Reichel in Genf componirt werden; – „Der Besuch Mohammed’s“, komische Oper in 2 Acten (1843), – „Liebeszauber am See“, romantische Oper in 3 Acten (1843), für den Hofcapellmeister H. Proch in Wien zur Composition; – „Johannes Guttenberg“. tragische Oper in 4 Acten (1843). componirt von F. C. Füchs in Wien; – „Bettler und König“, Oper in 4 Acten (1843); – „Liebesfäden“, romantische Oper in 2 Acten (1843), für J. Hoven in Wien zur Composition; – „Traumleben“, romantische Oper in 3 Acten (1844), zur Composition für Harry Hugh-Pierson in London; – „Diana von Solanges“, comp. von Sr. kön. Hoheit Herzog Ernst von Coburg-Gotha; – „Amaranth“, comp. von Preyer; – „Lenore“, comp. von Otto Bach; – „David“, comp. von Volkmann; – „Anna von Bretagne“, comp. von Graf von Gatterburg, aufgef. in Gotha und Salzburg.
I. Quellen zu Otto Prechtler’s Biographie. Album österreichischer Dichter (Wien, Pfautsch, 8°.), Neue Folge (1857), S. 215 u. f. – „Otto Prechtler“, von B. Julian Marschall; – Gallerie denkwürdiger Persönlichkeiten der Gegenwart. Nach Originalzeichnungen, Gemälden, Statuen und Medaillen (Leipzig, J. J. Weber, Fol.) Bd. I, S. 50. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber), XVIII. Bd. (1852), Nr. 46, S. 39: „Otto Prechtler“. – Europa (Leipzig, schm. 4°.). Herausg. von Gustav Kühne 1849, Nr. 1, S. 35: „Otto Prechtler“. – Waldheim’s Illustrirte Blätter (Wien, gr. 4°.) 1864, Beilage Nr. 9 in den „Wiener Gasflammen“.
II. Zur Kritik der Dichtungen Otto Prechtler’s. Rudolph Gottschall in seinem Werke: „Die deutsche Nationalliteratur in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts“ fährt, nachdem er betont, daß in der ganzen österreichischen Dramatik das declamatorische Element vorherrsche, folgendermaßen fort: „Auch jüngere Dichter, wie Otto Prechtler, tragen dieß Gepräge, obwohl P.’s solides Talent das Lyrische nicht maßlos überwuchern läßt, sondern einen strengen dramatischen Styl schreibt. Es ist bei ihm anzuerkennen, daß Episoden nie die Einheit der Handlung stören, und daß sich diese energisch weiter entwickelt, obschon die Charaktere und damit die Motivirung oft an allzu abstracter Haltung leiden. Wir erwähnen von seinen mit Beifall aufgeführten Dramen: „Der Falconiere“; „Adrienne“, „Die Rose von Sorrent“. [244] Das erstere hat den gehaltensten dramatischen Styl, aber ohne höhere Magie; das letzte erinnert an die psychologischen Experimente, die Halm in seinen Dramen anzustellen liebt. Der Standesunterschied zwischen dem Aristokraten und der Kunstreiterin, auf welchem der Conflict ruht, wird am Schlusse in trivialer Weise aufgehoben, indem sich aus der Chrysalide der Arena eine Grafentochter entpuppt“. – „Adrienne“ ist eine diplomatische Tragödie mit fesselnder spannender Handlung, dramatischem und theatralischem Effecte. Die durch den Zufall herbeigeführte Katastrophe lag freilich schon in den Grundbedingungen des Stückes; aber die Handlung würde menschlich ergreifender sein, wenn das Verhältniß zwischen „Fuegos“ nicht so durchweg diabolisch wäre und „Fuegos“ eine größere Gesinnung offenbarte, welche Sympathien zu erwecken vermöchte.“ – Heinrich Kurz schildert in seiner „Geschichte der deutschen Literatur“, Bd. IV, Sp. 38, P.’s lyrische Schöpfungen, folgendermaßen: „Die „Gedichte“ (Wien 1844) von Otto Prechtler, verbinden Wärme des Gefühls mit Klarheit der Darstellung und Gewandtheit[WS 2] der Form. Seine Gedanken sind nicht immer besonders tief, aber doch immer gehaltreich. Ein „Echo in Liedern. Zeitstimmen aus dem Jahre 1848“ (Wien 1849). charakterisirt jene merkwürdige Zeit auf das Beste, indem die Lieder mit dem Ausdrucke schwärmerischer Begeisterung und hoffnungsvoller Erwartung beginnen, dann allmälig matter werden und in vollständiger Schwäche“ abschließen. – In den „Zeitlosen“ (Wien 1855) schlägt der Dichter wiederum kräftigere Töne an. und da die Furcht vor dem Belagerungszustande ihn nicht mehr lähmt, wagt er es wieder, den großen Aufschwung von 1848 zu verherrlichen. Auch in den übrigen Gedichten ist Kraft und Reichthum der Gedanken zu rühmen.“
III. Porträte. 1) Stadler 1847 (lith.), Druck von J. Haller (Wien, 8°.); – 2) Facsimile des Namenszuges. Lith. von Bauer (Wien. Grund, gr. 16°.) [auch als Titelbild zu Prechtler’s „Zeitlosen“]; – 3) Holzschnitt o. A. d. Z. u. X. in Weber’s „Illustrirter Zeitung“, XVIII. Band (1852), S. 40. – Cajetan Cerri zeichnet folgende Silhouette von Prechtler: „Schlichte Erscheinung, gesundes Aussehen, starke, im Zunehmen begriffene Corpulenz; mittelgroß; breite, hervortretende Stirne, kleine, tiefliegende Augen, scharfer Blick, ruhige, starkmarkirte Züge, angenehmes Organ; scheinbar passives und doch höchst leidenschaftliches Wesen; im Benehmen bescheiden, gemächlich und – wie wenige – Anderen freudengönnend, liebt er lärmende Gesellschaften, wo er dann lebhaft, witzig, manchmal sogar ausgelassen ist; im Ganzen aber etwas Pedant und die Behaglichkeit selbst; wechselt alle Augenblicke die Verfassung seines braunen Bartes; trägt sich in neuerer Zeit (1851) ganz besonders „nobel“; als Dichter: reichgebildet, sprachgewandt und der südlichen Poesie ergeben; nur selten die eigentliche Tiefe erfassend; mehr lyrisches als dramatisches Talent, mehr scharfer, dialektischer Verstand, als durchgeisternde Empfindung; übrigens sehr oft ebenso hart als ungerecht angegriffen; schafft unendlich rasch und leicht; schreibt auch gute Prosa; hat sehr viele Feinde. [Iris (Gratzer Mode- und Musterblatt), Jänner 1851.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: „Künstlervorrecht“.
  2. Vorlage: Gewandttheit.