BLKÖ:Cerri, Cajetan

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 2 (1857), ab Seite: 322. (Quelle)
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Cerri, Cajetan[BN 1] [BN 2] (Schriftsteller, geb. zu Bagnolo bei Brescia 26. Mai 1826). Sohn des k. k. Districtscommissärs in Cremona; kam 1839 nach Wien in das damals bestandene Stadt-Convict, ohne auch nur ein Wort deutsch zu können; durch einen unüberwindlichen Drang, „Werthers Leiden“ von Goethe in der Originalsprache selbst lesen und dieses Werk mit Foscolo’s stoff- und formverwandtem italienischen Buche: „Le ultime lettere di Jacopo Ortis“ vergleichen zu können, wurde er zu einem emsig-ausdauernden Studium des deutschen Idioms angeregt. Im Winter 1845 erschien sein erstes deutsches Product (das Liebesgedicht: „Geschieden“), in Bäuerle’s „Theaterzeitung“. Das Jahr 1847 brachte er abwechselnd in Venedig, Padua, Mailand und Cremona zu, wo er mit zahlreichen dortländigen Notabilitäten, als z. B. Aporti, Giuseppe Barbieri, Dall’Ongaro, Menin, Silvio Pellico, Prati u. s. w. in persönliche Berührung kam. Anfangs 1848 nach Wien zurückgekehrt, unterbrachen die Ereignisse dieses Jahres seine halbvollendeten juridischen Studien, worauf er als überzähliger Praktikant bei der damaligen Amtsverwaltung Schotten und später als [323] Candidat beim vorbestandenen k. k. Ministerium für Landescultur und Bergwesen eintrat; um diese Zeit bekleidete er auch die Stelle eines Professors der italienischen Sprache und Literatur am Wiener Conservatorium. Gegenwärtig ist er Official beim k. k. Ministerium des Innern. Selbständige Arbeiten von ihm sind: „An Hermine, ein Lied von der Unsterblichkeit“ nach A. Aleardi (Wien 1849, Gerold); – „Glühende Liebe, deutsche Lieder eines Italieners“ (Wien 1850, Gerold); – „An Fanny Elsler, eine Apotheose nach G. Prati“ (Wien 1851, Keck); – „Ispirazioni del cuore, sonetti e poesie diverse“ (Cremona 1854, Ottolini); ferner ein dramatisches Gedicht „Byron in Venedig“ und ein Operntext (für Thomas Löwe) „Alma“. Außerdem zerstreute Prosa und Poesie in fast allen Wiener Journalen so wie auch in „Unterhaltungen am häuslichen Heerd“, „Hamburger Nachrichten“, „Leipziger Theaterchronik“, „Phönix“, in Schads und Gruppe’s „Musenalmanachen“ u. s. w. Im Jahre 1854 redigirte derselbe das Feuilleton des „Corriere italiano“ und in den J. 1850, 1851, 1855 u. 1856 die in Graz erscheinende Damenzeitung „Iris“.

Mosenthal (S. H. Dr.), Museum aus den deutschen Dichtungen östr. Lyriker u. Epiker (Wien 1854, Gerold) S. 514.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Cerri, Cajetan [Bd. II, S. 322].
    Grazer Zeitung 1865, Nr. 56, im Feuilleton: „Heimische Literatur“ [ein biographischer Abriß C. Cerri’s von F.(riz) P. (ichler). – Kölnische Zeitung 1865, Nr. 144. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1849, Nr. 107. – Fremden-Blatt, herausg. von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1865, Nr. 71: „Theater und Kunst“ – Blätter für literarische Unterhaltung 1864, S. 926, über sein „Auf einsamer Stube“. [Bd. 23, S. 373.]
  2. E Cerri, Cajetan [Bd. II, S. 323; Bd. XXIII, S. 373], gegenwärtig k. k. Hofsecretär im Ministerium des Aeußern in Wien; hat außer den bereits angeführten Schriften ferner herausgegeben 1858 eine italienische Uebersetzung von Mosenthal’s „Deborah“ und von Saphir’s „Sololustspiel“ zur Darstellung der Frau Ristori während ihres Gastspieles in Wien; – „Inneres Leben. Neuere Gedichte“ (Wien 1860, Gerold); – „Aus einsamer Stube. Dichtungen“ (2. Aufl. Troppau 1864, Kolck); – „Gottlieb, ein Stillleben“ (Leipzig 1871, Engelmann); – „Aretino. Dialog über Malerei, aus dem Italienischen des Carlo Dolce (1557) mit Noten von R. von [381] Eitelberger“ (Wien 1872, Braumüller); – „Sturm und Rosenblatt. Dramat. Gedicht in 1 Acte“ (Wien 1872, Lechner) und „Ein Glaubensbekenntniss. Zeitstrofen“ (ebd. 1872, Czermak), worin der Dichter mit rückhaltsloser Offenheit im dichterischen Zorne und in schwungvollen Versen der entarteten Zeit ihr trauriges Spiegelbild vorhält. Ueberdieß redigirte er in den Jahren 1850, 1851, 1855 und 1856 die Gratzer Damenzeitung „Iris“, im Jahre 1854 das Feuilleton der „Corriere italiano“ und schrieb unter dem Pseudonym Dr. Veritas und Bayard die Wiener Briefe über das Hofburg-Theater in der Leipziger Theater-Chronik. C. ist seit 1868 mit einer Wienerin, Fräulein Charlotte Kaschnitz Edle von Weinberg, verheirathet. Im Jahre 1861 erhielt er die goldene Wahlspruch-, im Jahre 1867 die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft.
    Kurz (Heinrich), Geschichte der deutschen Literatur mit ausgewählten Stücken aus den Werken der vorzüglichsten Schriftsteller (Leipzig, B. G. Teubner, schm. 4°.) IV. Bd. (1872), S. 44 b, 262 a, 262 d. [Bd. 24, S. 380 f.]