BLKÖ:Dall’Ongaro, Francesco

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Dalmistro, Angelo
Band: 3 (1858), ab Seite: 134. (Quelle)
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Dall’Ongaro, Francesco[BN 1][BN 2][BN 3] (Dichter, geb. zu Tromeacque an der Gränze Friauls und der Mark von Treviso 1810). Entstammt einer wohlhabenden seit Jahrhunderten begüterten Familie, verlebte seine Knabenzeit in der Heimat, ging 1824 mit seinen Eltern nach Venedig, wo sein Vater ein Handlungsgeschäft unternahm, dabei aber ansehnliche Verluste in seinem Vermögen erlitt. Francesco wurde für den geistlichen Stand bestimmt und erhielt eine diesem Zwecke entsprechende Erziehung. Ein Gedicht, „Die Sündfluth“, welches er als Schulaufgabe verfaßt, war so gelungen, daß man ihn nach diesem ersten Versuche als Dichter begrüßte, die poetische Begabung des Jünglings förderte und ihm die Lectüre italienischer Dichter, wie Bettinelli und Algarotti empfahl. Doch war des Jünglings eigene Wahl glücklicher, als er sich Petrarca und Dante auserkor. Nachdem er vier Jahre im Patriarchen-Seminar Venedigs zugebracht, ging er nach Padua, um an der dortigen Hochschule Theologie zu studiren; aber bald gab er das theologische Studium auf und lebte der Poesie und Wissenschaft, trieb humanistische Studien, über welche er ein Jahr lang in Triest öffentliche Vorlesungen hielt, brachte dann längere Zeit als Erzieher in Istrien zu und übersiedelte zuletzt bleibend nach Triest, wo er über italienische Literatur las. Insbesondere entwickelte D. eine philanthropisch-humanistische Wirksamkeit; seine Bemühungen für Kinderbewahranstalten, Arbeitshäuser, technische Schulen u. verwandte Institute blieben nicht erfolglos und erwarben ihm die Achtung seiner Landsleute. Auch an der Gründung des Triester Kunstvereins hatte D. wesentlichen Antheil. Doch waren es vorzüglich die poetischen Arbeiten D.’s, welche seinen Namen in weitern Kreisen bekannt machten und sogar über die Marken seines Vaterlandes hinaus nach Deutschland und Frankreich trugen. Sein erstes Gedicht, mit dem er vor die Oeffentlichkeit trat, war: „Amica ideale“. Das Gedicht [135] erweckte unter der Jugend wahre Begeisterung. Diese Ode erschien unter fremdem Namen in Druck, und ein Anderer hatte sich die Autorschaft angemaßt, bis sie D. selbst der Presse übergab, um sein Eigenthumsrecht zu bewahren. Darauf folgte: „Der Charfreitag, eine Scene aus Lord Byrons Leben“, der erste Theil einer Trilogie, in welcher der Dichter die drei göttlichen Tugenden durch die Lebensschicksale dreier berühmter Männer verherrlichen wollte. Dieses Gedicht fand aber weniger Beifall, als die oben erwähnte Ode, welche vielfach nachgeahmt wurde. Im J. 1840 gab D. zwei Bände Gedichte heraus, welche er mit der Ode „Amica ideale“ eröffnete und welche Romanzen, Oden, Canzonen und Hymnen enthielten. Auch befanden sich darin fünf Balladen einer Gattung, welche den Italienern zuerst durch D. und Carrer (siehe Letztern II. Bd. S. 292) bekannt wurde. Diese Gedichte erschienen dann in einer Sammlung italienischer Classiker (Paris Baudry) und in einer Auswahl (Florenz). Die Balladen gefielen sehr und D. pflegte nun diese Dichtungsart. Er gab neue Balladen heraus, welche Triest und dessen Umgebung und Friauler Sagen zum Gegenstande haben. Eine dieser Balladen, „Die Perle im Schmutz“, worin der Dichter eine arme Dirne zeichnet, welche durch die drückendste Armuth der Sünde zugeführt wird, aber Herz und Gefühl rein erhält, zog dem Dichter Anfeindungen jener Leute zu, deren Thaten priapeische Poesien weit überbiethen, die aber um ihre Verbrechen zu bedecken, an der Verirrung eines Dichters, wenn es überhaupt eine solche ist, Aergerniß nehmen. Später wendete sich D. dem Drama zu; der Impresario Modena, dessen Truppe für die beste Italiens gilt, bewog ihn ein Drama zu schreiben. D. bearbeitete eine Criminalgeschichte, welche geschichtlichen Boden hat, und in Venedig in den letzten Tagen der Republik noch im frischen Andenken stand. Das bühnengerechte in markiger Prosa geschriebene Drama machte die Runde auf den Bühnen von Mailand, Venedig, Triest und der Städte Oberitaliens und erntete überall Beifall. Es kam später auch im Drucke heraus: „Il Fornaretto (Triest 1846, 18°.). D. betheiligte sich als Mitarbeiter an der in Triest von Valussi herausgegebenen Zeitschrift „Favilla“. Außerdem erschienen von ihm im Drucke: „La memoria. Nuove Ballate“ (Venedig u. Triest 1847, 8°.); – „Viola tricolor. Scene famigliari“ (Padua 1846, 8°.); – „Canti popolari di Francesco Dall’Ongaro“ [1845–49] (Capolago, tipografia elvetica. Ottobre 1849, 32°.), jetzt sehr selten; – „L’undici Agosto 1848 a Venezia. Memorie istoriche“ (Ebenda) und: „Figlie del popolo. Novelle“ (Turin 1855, 16°.). Mehrere Balladen von D. hat Gabr. Seidl meisterhaft in’s Deutsche übersetzt, einzelne seiner lyrischen Dichtungen übertrug aber Frau Eugenie Bolza [s. II. Bd. S. 34].

Ergänzungs-Conversations-Lexikon von Dr. Fr. Steger (Leipzig u. Meißen 1853, Lex. 8°.) II. Bd. S. 410. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für gebildete Stände (Hildburghausen 1845, Bibl. Inst., Lex. 8°.) II. Suppl. Bd. S. 1268.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Ongaro, siehe: Dall’Ongaro, Francesco [Bd. III, S. 134].
    Nachtrag zu den Quellen. Gartenlaube. Illustrirtes Familienblatt (Leipzig, Ernst Keil, gr. 4°.) Jahrg. 1868, Nr. 19, S. 297: „Dichter und Agitator“. Von Ludmilla Assing. [Bd. 21, S. 66.]
  2. E Dall’Ongaro, Franz [Bd. III, S. 134].
    Neues Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1870, Nr. 70: „Aus Florenz. II.“ – Neue freie Presse 1870, Nr. 2164, im Feuilleton: „Florentiner Chronik“. – Westermann’s illustrirte Monatshefte 1860, Nr. 152 (Maiheft). [Bd. 24, S. 383.]
  3. E Dall’Ongaro, Franz [Bd. III, S. 134; Bd. XXIV, S. 383].
    Die Gartenlaube. Illustrirtes Familienblatt (Leipzig, Ernst Keil, 4°.) Jahrgang 1868, S. 297: „Dichter und Agitator“, von Ludmila Assing. [Bd. 28, S. 329.]