BLKÖ:Lachner, Franz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 13 (1865), ab Seite: 460. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Franz Lachner in der Wikipedia
GND-Eintrag: 118725815, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Lachner, Franz|13|460|}}

Lachner, Franz (Tonsetzer, geb. zu Rain in Schwaben 2. April 1804). Eine nahezu zehnjährige Wirksamkeit Lachner’s in Wien, damals noch mit gutem Fug und Recht das „musikalische“ genannt, räumt ihm umsomehr eine Stelle in diesem Werke ein, als sein Name in einer Geschichte der Musik in Wien nicht übergangen werden dürfte. Der Sohn eines Organisten, erhielt er den ersten Unterricht in der Musik von seinem Vater. Zwölf Jahre alt, kam er auf das Gymnasium zu Neuburg an der Donau, wo er seine musikalischen Studien fortsetzte, bis er sich im Jahre 1822 nach München begab. In Neuburg war Eisenhofer, in München Ett sein Lehrmeister in der Compositionslehre. Seine Fortschritte in der Musik bewogen ihn, die Studien aufzugeben und sich fortan ausschließlich der Musik zu widmen. Damals war Wien der Centralpunct deutscher Musik. Nach Wien war auch Lachner’s Sehnsucht gerichtet. Um dieses Ziel zu erreichen, hatte er seine seit Jahren und unter Entbehrungen mannigfacher Art angekaufte, aus classischen Werken bestehende musikalische Bibliothek verkauft und der Erlös dieses kostbaren Opfers war sein Reisegeld. Ohne Freunde, ohne Empfehlung, nur seinem Muthe und seinem Talente vertrauend, kam er im Jahre 1824 nach [461] Wien. Der Zufall fügte es so glücklich, daß gerade um jene Zeit der Concurs um die Organistenstelle an der evangelisch-protestantischen Kirche eröffnet wurde. Lachner bewarb sich um diese Stelle und erhielt sie durch Ausspruch des Abbé Stadler und Herrn Streicher unter dreißig Mitbewerbern. Auf diesem Posten machte sich L. sowohl durch seine tüchtige Leitung wie durch seine Compositionen bemerkbar und der damalige Pächter des kais. Hof-Operntheaters Barbaja, Lachner’s schönes Talent erkennend, bot ihm die Capellmeisterstelle des Hof-Operntheater-Orchesters an. Nicht nur die beträchtliche Verbesserung seiner materiellen Verhältnisse, sondern der für den Künstler noch wichtigere Umstand, daß ihm aus seiner neuen Stellung der Vortheil entsprang, die Wirkungen großer Massen zu studiren und mit dem Theaterstyle vertraut zu werden, bestimmten ihn den vortheilhaften Antrag anzunehmen. Acht Jahre blieb L. in dieser Stellung in Wien und entwickelte eine große, in Musikkreisen vielgewürdigte Thätigkeit. Er versuchte sich in jedem Genre. Er componirte in dieser Zeit zwei große Opern, welche angekauft, aber sonderbarer Weise nicht aufgeführt wurden, dann viele Quartetten, Quintetten, Trio’s u. m. a. Seine deutschen Lieder, für eine und für mehrere Stimmen geschrieben, machten bald die Runde durch Deutschland; ferner schrieb er in Wien drei Messen, die Cantate: „Die vier Menschenalter“ und das Oratorium „Moses“ und, wodurch sein musikalischer Ruf eigentlich dauernd begründet wurde, seine drei Symphonien in Es, in F, und die preisgekrönte, am 18. Februar 1836 aufgeführte C-molI-Symphonie: „Sinfonia passionata“. Auch hat sich L. während seines Aufenthaltes in Wien um die Begründung der philharmonischen Concerte verdient gemacht. Im Jahre 1834 erhielt L. einen Ruf als Hofcapellmeister nach Mannheim, welchen er auch annahm, zwei Jahre später einen nach München in gleicher Eigenschaft, welchem er auch folgte. Von 1836 bis heute ist L. in München als Hofcapellmeister thätig, im Jahre 1852 erhielt er den Titel eines kön. bayerischen General-Musikdirectors. Lachner ist einer der fleißigsten Componisten der Gegenwart. Außer vier großen Opern: „Die Bürgschaft“; – „Alidia“; – „Der Guss des Perseus“ und „Katharina Cornaro“, welche letztere am bekanntesten geworden und den meisten Beifall geerntet, und den schon oben erwähnten größeren Werken, als: Cantate, Oratorium und den drei Symphonien, schrieb er noch die Musik zu „König Oedipus“, 5 Symphonien, mehrere Psalmen, Ouverturen, Sonaten und eine große Anzahl von Liedern; in neuester Zeit erst zwei Orchester-Suiten, eine in D-moll, im Jahre 1863 in Wien durch Dessof, und eine in E-molI, ebenda im Jahre 1864 zur Aufführung gebracht. Franz L. wird von der Kunstkritik zu jenen Meistern der Gegenwart gezählt, welche noch unter den Einflüssen der älteren, durch den Haydn-Mozart’schen Standpunct specifisch gekennzeichneten Zucht und Schule groß geworden sind. Nachdem er von Jugend auf eine tüchtige fachgemäße, systematisch instruktive Unterweisung genossen, entwickelte er als einer der Träger und Vertreter der Tradition und des conservativen Elementes in der edelsten Kunstrichtung eine normale künstlerische Thätigkeit. Weit entfernt, in die Musik eine poetische oder philosophische Deutung zu legen und die Töne als die klingende Verleiblichung bestimmter Ideen und Gedanken anzusehen, sind seine in anspruchslosem [462] Behagen geschaffenen Werke liebliche, anmuthige musikalische Bilder, um ihrer selbst, um der Musik willen da, die überdieß durch ihre meisterhafte Form und ihre solide, aber auch moderne Orchestertechnik den Künstler von Geschmack und gediegener musikalischer Bildung beurkunden. – Auch zwei Brüder Lachner’s, zur Kaiserstadt gleichfalls in einiger Beziehung, verdienen hier eine Erwähnung. Der eine, Ignaz[WS 1] (geb. zu Rain 11. September 1807), der auch Talent für die Musik zeigte, folgte einer Einladung seines Bruders Franz nach Wien, wo ihm dieser Unterricht, im Generalbasse und in der Composition ertheilte und überhaupt für seine musikalische Ausbildung sorgte. Nachdem Franz Capellmeister des Hof-Operntheaters geworden, erhielt sein Bruder Ignaz dessen Organistenstelle an der reformirten Kirche in Wien. Bald darauf wurde er Orchestermitglied am Hof-Operntheater und 1830 Vicecapellmeister. Im Jahre 1831 folgte er einem Rufe als Hof-Musikdirector nach Stuttgart, von dort ging er in einigen Jahren nach München, von München nach Hamburg, 1857 nach Stockholm und 1861 nach Frankfurt a. M., wo er sich noch befindet. Auch er hat Symphonien, Ouverturen, Streichquartette, Concertpiecen für verschiedene Instrumente, viele Lieder, die Singspiele und Opern: „Die Regenbrüder“; – „Der Geisterthurm“; – „’s letzte Fensterln“ und „Drei Jahrl’n nach’m letzten Fensterln“, zwei Alpenscenen; – „Die beiden Freier“, Gebirgsscene; – „Der Ju-Schroa“, ländliches Charakterbild; – „Loreley, die Fee am Rhein“ componirt. – Des Franz zweiter Bruder Vincenz[WS 2] (geb. zu Rain 19. Juli 1811), der sich zwar zum Schulmann gebildet hatte und schon Hofmeister bei einer gräflichen Familie in Preußisch-Schlesien war, besaß gleichfalls ein nettes musikalisches Talent, dessen Ausbildung er sich ziemlich spät angelegen sein ließ, und erhielt, als sein Bruder Ignaz dem Rufe nach Stuttgart folgte, dessen Stelle an der reformirten Kirche und am kais. Hof-Operntheater in Wien, und als sein Bruder Franz von Mannheim nach München ging, wurde er dessen Nachfolger in Mannheim. Gleich seinen Brüdern hat auch Vincenz fleißig und vornehmlich Lieder, Streichquartette, Symphonien, Ouverturen u. dgl. m. componirt. Jedoch an künstlerischer Bedeutung und Ruf überragt beide letztgenannten Franz L., der Münchener General-Musikdirector.

Pietznigg (Franz), Mittheilungen aus Wien (Wien, 8°.) Jahrg. 1833, Heft 4, S. 101: „Lachner’s letzte Symphonie sammt einem kurzen Ueberblicke seines Lebens“, von J. N. Hofzinser; – dieselben, Jahrg. 1834, Heft 2, S. 197 [daselbst wird sein Geburtsort „Krain, ein Städtchen in Bayern“ – statt Rain (Rein) – sein Lehrer in der Composition Eichenhofer – statt Eisenhofer – genannt]. – Neue freie Presse (Wien, Fol.) 1864, Nr. 92, im Feuilleton. – Morgenblatt zur Bayerischen Zeitung (München, 4°.) Jahrg. 1863, Nr. 104 u. 105: „Aus Franz Lachner’s Leben“ [Beschreibung einer reizenden Composition des Malers Moriz Schwind, deren Gegenstand das reichbewegte Leben seines Freundes Lachner bildet]. – Oesterreichische Zeitung (Wien, Fol.) Jahrg. 1857, Nr. 125: „Aus der Lebensgeschichte eines deutschen Musikers“ [vielfach nachgedruckt, als: im Frankfurter Konversationsblatt 1857, Nr. 72; – in der Didaskalia 1857, Nr. 75; – in Bäuerle’s Theater-Zeitung 1857, Nr. 63]. – Schilling (G. Dr.), Das musikalische Europa (Speyer 1842, F. C. Neidhard, gr. 8°.) S. 203 u. f. – Heindl (Joh. Bapt. Dr.), Gallerie berühmter Pädagogen, verdienter Schulmänner, Jugend- und Volksschriftsteller und Componisten aus der Gegenwart, in Biographien und biographischen Skizzen (München 1859, Finsterlin, 8°.) Bd. I, S. 529. – Brockhaus (Brockhaus) Conversations-Lexikon, 10. Auflage, Bd. IX, S. 304. – Männer der Zeit. Biographisches Lexikon der Gegenwart (Leipzig 1860, [463] Carl B. Lorck, 4°.) I. Serie, S. 702. – Neues Universal-Lexikon der Tonkunst. Angefangen von Dr. Jul. Schladebach, fortgesetzt von Ed. Bernsdorf (Dresden 1856, Rob. Schäfer, gr. 8°.) Bd. II, S. 693. – Oesterreichische Revue (Wien, gr. 8°.) Jahrg. 1864, Bd. VI, S. 125, 127, 128, 135, 141, 142, in dem Aufsatze: „Zur Geschichte des Concertwesens in Wien. III.“ – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XIX, I. Abthlg, S. 700, Nr. 2 [wo sich das vollständige Verzeichniß seiner Compositionen befindet]. – Porträte von Franz L. 1) Lithographie (Wien, Spina, Fol.); – 2) lithogr. von Rigal (München, Ravizza, Fol., Kniestück); – 3) lithogr. von Selb (München, Aibl, gr. Fol., Kniestück, mit Facsimile); – Lithographie (ohne Angabe des Zeichners, München, Mey u. Widmayer, Fol.).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Ignaz Lachner (Wikipedia).
  2. Vinzenz Lachner (Wikipedia).