BLKÖ:Lachenbauer, Johann Baptist

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Lachemayr, Karl
Nächster>>>
Lachner, Franz
Band: 13 (1865), ab Seite: 459. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Johann Baptist Lachenbauer in der Wikipedia
GND-Eintrag: 1100381775, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Lachenbauer, Johann Baptist|13|459|}}

Lachenbauer, Johann Baptist (Bischof von Brünn, geb. zu Braunau in Böhmen 31. Jänner 1741, gest. zu Brünn 22. Februar 1799). Besuchte das Gymnasium des in seiner Vaterstadt befindlichen Benedictinerstiftes, Philosophie und Theologie hörte er aber zu Prag, wo er im Jahre 1759 in den ritterlichen Orden der Kreuzherren mit dem rothen Sterne eintrat. Nachdem er die priesterliche Würde erlangt, trat er in die Seelsorge und wurde Caplan in der Ordenspfarre zu Schab in Böhmen. Zwei Jahre später schickte ihn der General-Großmeister seines Ordens nach Preßburg, wo dieser Orden in dem sogenannten Waisenhause eine Commende mit einem sehr großen Armenspitale besaß. In Preßburg zuerst erweckte L. durch seine erhebende Kanzelberedsamkeit allgemeine Aufmerksamkeit. In Folge dessen kam er im Jahre 1770 in gleicher Eigenschaft an die Karlskirche nach Wien, welche zu jener Zeit auch seinem Orden angehörte. Auch in Wien verbreitete sich alsbald der Ruf seiner glänzenden Rednergabe und drang bis zu Hof. Eines Sonntags wartete Kaiser Joseph auf einen seiner Beamten in der Cabinetskanzlei. Dieser war immer sehr pünctlich, an diesem Sonntag jedoch länger als gewöhnlich ausgeblieben. Endlich kam er und fand den ihn erwartenden Kaiser, auf dessen Frage über sein Ausbleiben er erwiderte: „er wäre in Lachenbauer’s Predigt in der Karlskirche gewesen und habe sich in Folge dessen verspätet“. Als nun der Kaiser fragte, ob denn Lachenbauer wirklich ein so vorzüglicher Redner sei, wie ihn der Ruf als solchen bezeichne, und der Beamte erwiderte, er habe einen so ausgezeichneten Prediger wie L. noch nicht gehört, beschloß der Kaiser, den berühmten Redner auch zu hören und verfügte sich am nächsten Sonntag in die Karlskirche. Der Kaiser überzeugte sich nun in Person von der Richtigkeit des Rufes, der über L. allgemein war, und Lachenbauer’s Zukunft war entschieden. Er bestieg nun im Auftrage des Kaisers bei feierlichen Anlässen die Kanzel der kaiserlichen Hofcapelle und hielt auch die gewöhnlichen Fastenpredigten bei Hofe. Die große Kaiserin und ihr Sohn wendeten fortan dem würdigen Kanzelredner ihre ganze Huld zu. Als im März 1783 in Folge der neuen Wiener Pfarreintheilung die Karlskirche die [460] Bestimmung einer Vorstadtpfarre erhielt, wurde L. von Kaiser Joseph zum Pfarrer an derselben ernannt. Aber nicht lange blieb L. in diesem Amte. Bei der zu Ende desselben Jahres erfolgten Errichtung von k. k. Generalseminarien in allen Erbländern wurde L. von Kaiser Joseph zum Rector des k. k. Generalseminars in Wien ernannt. Drei Jahre wirkte er auf diesem Posten, worauf ihn der Kaiser am 11. November 1786 zum Bischof von Brünn erhob, welche Ernennung am 22. April 1787 päpstlicher Seits bestätigt wurde. Zwölf Jahre bekleidete L. diese hohe Kirchenwürde, bis ihn der Tod im Alter von 58 Jahren seiner Diöcese entriß. L. zählte zu den würdevollsten Vertretern des hohen Amtes, das er bekleidete; daß sein Lebensweg nicht mit Rosen gebettet war, darin stimmen seine Biographen überein und bemerken: „Von der Güte seiner Sache und der Redlichkeit seiner Absicht überzeugt, ging er beherzt seinen Weg vorwärts. Durch seinen unerschütterlichen Muth, durch ausharrende Standhaftigkeit, durch die Klugheit und Mäßigung, welche er stets damit zu verbinden wußte, trug er größtentheils den Sieg über Bosheit und Cabale davon, entlarvte List und Heuchelei und erreichte die schönsten seiner Zwecke“. L. war der würdige Priester, der den Stand, dem er angehörte, nach zwei Seiten hin verherrlichte, nämlich durch das, was er darin wirkte, und durch das, was er darin litt. L.’s priesterliche Thätigkeit fiel zu ihrem größeren Theile in die Josephinische Periode und hatte er selbst nicht unwesentlich Theil an der Ausführung der kirchlichen Reformen dieses Monarchen, der ihn auch zu seinem wirklichen geheimen Rathe erhoben hatte.

Kunitsch (Michael), Biographien merkwürdiger Männer der österreichischen Monarchie (Gratz 1805, Gebr. Tanzer, kl. 8°.) S. 109 bis 125. – Megerle von Mühlfeld (Joh. Georg), Memorabilien des österreichischen Kaiserstaates u. s. w. (Wien 1825, J. P. Sollinger, 8°.) S. 294. – Neuigkeiten (Brünner politisches Blatt, Fol.) 1858, Nr. 119. – Oesterreichische Biedermanns-Chronik. Ein Gegenstück zum Fantasten- und Prediger-Almanach (Freiheitsburg [Akademie in Linz] 1785, kl. 8°.) I. (und einziger) Theil, S. 127. – Oesterreichische National-Encyklopädie, herausgegeben von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 325.