BLKÖ:Schürer von Waldheim, Rudolph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schürer, Franz
Band: 32 (1876), ab Seite: 122. (Quelle)
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Schürer von Waldheim, Rudolph (Typograph, geb. zu Wien 12. December 1832). Ein Sohn des Karl Sch. v. W. aus dessen Ehe mit Dorothea gebornen Schütze. Die Eltern der Mutter waren gegen Ende des vorigen Jahrhunderts aus den Rheinlanden, jene des Vaters zur selben Zeit aus Dänemark eingewandert. Beide Familien verloren ihr Vermögen in der Finanzkatastrophe des Jahres 1811. Durch Fleiß und Strebsamkeit brachte es der Vater dahin, im Anfange der Zwanziger-Jahre die Apotheke zur „goldenen Krone“ in Wien (damals im Trattnerhof) erwerben zu können und, wenngleich mit Sorge belastet, seinen Kindern eine sorgfältige Erziehung angedeihen zu lassen. Die Jahre, in welche der erste Unterricht fällt, brachte Sch. v. W. zu St. Pölten im Hause seines Oheims väterlicher Seits, Peter Sch. v. W., zu, welcher im Jahre 1855 als k. k. Regierungsrath und Vorstand der k. k. Dikasterial-Gebäude-Direction in Wien sein dem Staatsdienste gewidmetes Leben beschloß. Unter dem Einflusse dieses streng rechtlichen und vom lebendigsten Pflichtgefühle beseelten Mannes genoß er den ersten Unterricht. Im Alter von kaum acht Jahren nach Wien in’s väterliche Haus zurückgekehrt, besuchte S. das akademische Gymnasium und setzte diese Studien privatim auch dann fort, als der Vater, veranlaßt durch die Erfolge Auer’s, den Knaben als Lehrling in die k. k. Hof- und Staatsdruckerei eintreten ließ. Typographische Vorbildung erschien ihm für das Fortkommen des Knaben um so erwünschter, als er denselben für einen verwandten Berufszweig – den Buchhandel – bestimmt hatte. Die Zeit von 1844 bis 1849 benutzte S., um sich in verschiedenen graphischen Zweigen Kenntnisse zu erwerben. Mit besonderer Vorliebe wandte er sich der Holzschneidekunst zu, welche damals eben wieder in Wien einen schönen Aufschwung nahm, und zählte bald zu den befähigsten Schülern Exter’s [Bd. IV, S. 116]. Um sein Verständniß für die Reproduction künstlerischer Leistungen zu fördern, besuchte er von da ab auch die Akademie der bildenden Künste. Der Jüngling war somit jahrelang vom frühen Morgen bis in den späten Abend beim Arbeits- und Zeichentische und bei der Studirlampe thätig. Seine Begeisterung für die im Jahre 1848 hervorgetretenen freiheitlichen Ideen sollte rasche Abkühlung finden, indem er durch den Einfluß seines Oheims von der bisherigen künstlerischen Laufbahn abgezogen wurde. Die Neigung des herangewachsenen Jünglings für die schönen Künste schien dem strengen Manne in zu grellem Widerspruche zu stehen mit dem thatsächlichen Umschwunge der Verhältnisse, welcher allerdings idealen Bestrebungen nichts weniger als günstig war. So finden wir den damals siebzehnjährigen Jüngling Mitte des Jahres 1849 als [123] unbesoldeten Praktikanten der k. k. Ober-Postverwaltung in Wien, Ende 1850 als Assistenten in Brünn, im Jahre 1851 als Official in Wien. Im Jahre 1854 wurde der damals 21jährige S. zum Leiter der Rechnungskanzlei der niederösterr. Postdirection bestellt. Inmitten seiner amtlichen Thätigkeit begründete S., der sich bereits am 15. Mai 1854 mit Fräulein Pauline Sieber vermält hatte, am 15. März 1855 die nachmals bedeutend gewordene xylographische Anstalt im Vereine mit dem in seiner Kunst ausgezeichneten Xylographen F. W. Bader und schied nach dem im Jahre 1856 erfolgten Tode seines Vaters aus dem Staatsdienste, um sich ausschließlich der Pflege der Holzschneidekunst widmen zu können. Mit den ihm durch Erbschaft zugefallenen geringen Mitteln führte er lange Zeit sein Unternehmen, das allerdings durch Heranbildung tüchtiger Holzschneider Ersprießliches leistete, ohne gegründete Aussicht, demselben durch materiellen Erfolg einen dauernden Bestand zu sichern. Er glaubte die Ursache der nichts weniger als ermunternden Erfolge Auer’s in Hinsicht auf die Pflege der Holzschneidekunst darin zu finden, daß es Auer nicht gelungen war, Unternehmungen von literarischem Werthe zu begründen, welche den graphischen Kunstzweigen eine Zufluchtstätte zu bieten geeignet sein könnten. Sein Bestreben ging demnach zunächst dahin, unter Mitwirkung ausgezeichneter Schriftsteller und Künstler ein Verlagsgeschäft zu begründen, um dadurch die Cultur des so vernachlässigten Holzschnittes zu sichern. So begründete er im Jahre 1856 im Vereine mit dem Humoristen Karl Sitter das Witzblatt „Figaro“, 1859 das illustrirte Familienblatt „Mußestunden“, 1862 das Wochenblatt „Waldheim’s Illustrirte Zeitung“, 1864 „Waldheim’s Illustrirte Blätter“, durchwegs Unternehmungen, welchen die tüchtigsten schriftstellerischen und künstlerischen Kräfte, unter letzteren namentlich Canon, Grottger, J. V. Geiger, Katzler, Kriehuber, L’Allemand, Lichtenfels, Laufberger, Mařak, Leopold Müller, K. Swoboda u. A., als Mitarbeiter beigetreten waren. Der Entwickelung dieser Unternehmungen standen jedoch viele Hindernisse im Wege. Während der „Figaro“ Jahre lang unter dem Drucke der Censur ein kümmerliches Dasein fristete, wurde die Concurrenzfähigkeit der von S. in’s Leben gerufenen belletristischen Wochenblätter mit den Erscheinungen des Auslandes dadurch vereitelt, daß die heimischen der Stempelpflicht unterzogen wurden. Nach vieljährigem fruchtlosen Mühen endlich gezwungen, diese mit so viel Kostenaufwand in’s Leben gerufenen illustrirten Journale, die sich mit den meisten der damals im Auslande erscheinenden immerhin messen konnten, aufzugeben, erweiterte S. 1865 seinen Wirkungskreis durch den Ankauf der artistischen Anstalt des Professors Ludwig v. Förster [Bd. IV, S. 270), dessen weltbekannte „Bauzeitung“ später auch in den S.’schen Verlag überging. In den Zeit von 1865 bis 1867 unternahm Sch. v. W. mehrere Reisen nach Frankreich und England, nicht nur, um sich mit den Fortschritten auf den verschiedenen graphischen Gebieten bekannt zu machen, sondern auch, um die zweckmäßigsten Einrichtungen durch Autopsie kennen zu lernen. Der wirthschaftliche Aufschwung Oesterreichs lohnte bald darauf S.’s Bestrebungen, die Anforderungen an die graphischen Fächer steigerten sich in ungeahntem Maße, und S. konnte bald ein Personale, aus [124] 300 Köpfen bestehend, durch eigene Verlagsunternehmungen und mittelst Lohnarbeiten beschäftigen. Die Buchdruckerei wurde durch Acquisition einer großen Anzahl der besten Schnellpressen zu einer der leistungsfähigsten im Inlande gehoben, eine Abtheilung für Werthpapier-Fabrication eingerichtet. Diese günstigen Zeitverhältnisse benützte er, eingedenk der durchgemachten harten Schule, um eine Anzahl von Verlagsunternehmungen in’s Leben zu rufen, durch welche nicht allein die Cultur des Holzschnittes einigermaßen gesichert, sondern auch bezweckt weiden sollte, in schlechteren Zeiten der polygraphischen Anstalt Beschäftigung zu bieten. Im Vereine mit dem jüngstverstorbenen (8. Februar 1876) Professor V. Teirich begründete S. 1872 die „Blätter für Kunstgewerbe“, welche von der höchst beachtenswerthen Stufe Zeugniß ablegen, auf welcher heute die graphischen Künste in Oesterreich stehen. Demselben Bestreben verdankte 1871 das officielle Coursbuch: „Der Conducteur“, sein Entstehen; ähnliche Behelfe für Handel und Verkehr – ein bis dahin ziemlich vernachlässigtes Verlagsgebiet – folgten rasch nacheinander. Im Jahre 1874 betheiligte sich Sch. v. W. an der Herausgabe der Zeichnungsvorlagenwerke, welche auf Veranlassung der von den Ministerien des Cultus und des Handels eingesetzten Commission zur Organisirung des Zeichenunterrichtes in Oesterreich gearbeitet und in den Schulen eingeführt werden sollten. In die neueste Zeit fällt die Errichtung einer Abtheilung für Chartographie und Chemigraphie. Die Anstalt steht dermalen unter der persönlichen Leitung S.’s, sowie unter jener seiner Vertreter F. W. Bader und K. Jacobsen. Ein Ende 1875 abgeschlossener Verlagskatalog gestattet einen Einblick in die ebenso rege, als mannigfaltige literarische und künstlerische Thätigkeit der noch so jungen Firma. Die Gebiete, welche sie vorzugsweise pflegt, sind jene der Technik und Kunst, dann ferner der Kriegswissenschaft und des Militärwesens, der Comptoir- und Geschäftsliteratur, der Geschichte und Belletristik. Nicht weniger denn zehn und durchaus als tüchtig anerkannte Fachjournale – der ewig junge „Figaro“, der sein wöchentliches Rasirgeschäft seit 1859 mit unermüdlicher Ausdauer und immer gleich köstlichem Humor unverdrossen ausübt, ungerechnet – erscheinen in diesem Verlage, und zwar die berühmte „Bauzeitung“, von Ludwig Förster 1836 in’s Leben gerufen, dann die musterhaften „Blätter für Kunstgewerbe“, „Der Conducteur“, die officielle Ausgabe des amtlichen „Coursbuches“, die „Mittheilungen über Gegenstände des Artillerie- und Geniewesens“, seit 1870 erscheinend, das „Organ der militärwissenschaftlichen Vereine“, die von Franz Schuselka redigirte politische Wochenschrift „Reform“, Streffleur’s „Oesterr. militärische Zeitschrift“, bereits im 16. Jahrgange, die „Wiener Feuerwehr-Zeitung“, seit 1871, und die „Zeitschrift des österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereins“, seit 1849. Die Zahl sämmtlicher Verlagsartikel belief sich Ende 1875 auf anderthalb hundert, wovon allein 63 auf die Gebiete der Technik und Kunst, 17 auf jenes der Kriegswissenschaft und des Militärwesens, 15 auf die Comptoir- und Geschäftsliteratur, und 55 auf Geschichte, Belletristik und Miscellaneen entfallen. In der Ausstattung gibt sich geläuterter Geschmack, im Ganzen eine wohlthuende Solidität kund.

Die Schürer von Waldheim sind eine alte Adelsfamilie. Schon am 1. Juli 1592 wurden [125] durch Kaiser Rudolph II. Valentin, Kaspar, Dominik und Paul Schürer, auch Martin Schürer, Valentin’s Sohn, der bei Hofe unter Herrn von Rosenberg auf Krumau, damals Oberstburggraf und Ritter des goldenen Vließes, bedienstet war, in den Adelstand mit dem Prädicate von Waldheim erhoben. Dieser Familie gehört auch der schlesische Rath und Kanzler des Stiftes Trebnitz in Schlesien, Ignaz Schürer von Waldheim, an, der mit Diplom vom 9. Juli 1665 die Bestätigung des böhmischen Adelstandes erlangte. Die Familie gehörte ferner zu den Patriziergeschlechtern der Stadt Zittau, wo im Jahre 1716 Johann Christian Schürer von Waldheim als Notar bei dem dortigen Stadtrath fungirte. [Carpzov, Histor. Schauplatz der Stadt Zittau. III. Theil, 7. Capitel, S. 131.] – Wappen. Ein nach der Länge abgetheilter Schild. Die rechte Hälfte ist von sechs Querbalken durchzogen, deren 1., 3. und 5. golden, der 2., 4. und 6. schwarz sind. Auch die linke Hälfte ist – jedoch in entgegengesetzter Richtung – von sechs Querbalken durchzogen, deren 1., 3. und 5. blau, 2., 4. und 6. roth sind. Auf dem Schilde erhebt sich ein gekrönter Turnierhelm. Auf der Krone steht ein mit Hermelin gefütterter spitziger hoher, schräg blau über Roth gestreifter tartarischer Hut, aus welchem vier Straußenfedern, eine schwarze, goldene, rothe und blaue, emporwallen. Die Helmdecken. Diese sind rechts schwarz mit Gold, links blau mit Roth unterlegt.