BLKÖ:Habsburg, Rudolph II.

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 7 (1861), ab Seite: 141. (Quelle)
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279. Rudolph II., deutscher Kaiser (geb. 18. Juli 1552, gest. 20. Jänner 1612). Sohn des Kaisers Maximilian II. aus dessen Ehe mit Maria, Tochter des Kaisers Karl V. Kaiser Rudolph war unvermält geblieben. Wahlspruch. Ueber einem Widder, der sich auf eine Erdkugel stellt, schwebt ein Adler; zur Seite erglänzt ein Stern mit der Devise : „Fulget Caesaris Astrum“. Hervorragende Lebensmomente. Rudolph war in Spanien unter den Augen König Philipp’s II. erzogen worden und in dieser spanischen Erziehung, wie in dem Einflusse von Personen, welche in ihrer geheim gehaltenen Herrschlust sich in das Vertrauen des Kaisers zu drängen und ihren Willen, ihre Absichten dem Kaiser zu unterschieben wußten, darin liegen die Gründe, daß seine 36jährige Regierung eine unruhevolle und wenig von Segen und glücklichen Erfolgen begleitete gewesen ist. Mit 20 Jahren war (25. September 1572) Rudolph König von Ungarn, mit 23 Jahren (21. September 1575) König von Böhmen und (27. October d. J.) römischer König. Die Unruhen in den Niederlanden, durch welche das Haus Habsburg den schönsten Theil der Erbschaft Karl’s des Kühnen verlor, endeten mit der Unabhängigkeit des um seine Freiheit gegen die spanische Unterdrückung seit Jahrzehenden mit allen Mitteln der List und des Aufruhrs kämpfenden Landes. In den österreichischen Erblanden suchte der Adel immer neue Rechte und Vortheile zu ertrotzen. Schon besaß der Ritter- und Herrenstand die freie Religionsübung, hatte die wichtigsten Aemter und Stellen, insbesondere das so wichtige Steuerwesen ganz in seinen Händen. Die Reibungen zwischen den Religionsparteien nahmen in höchst betrübender Weise zu. Auf den katholischen Universitäten impften die Jesuiten, wie auf den akatholischen die Fanatiker des protestantischen Glaubens, Unduldsamkeit in die Gemüther der Schuljugend. Diesen Theorien folgte in der Praxis des Lebens eine Verfolgungssucht, welche die Gemüther in beständiger Sorge und Aufregung hielt. Durch solchen Parteigeist wurden allmälig die Bande der Unterwürfigkeit, des Gehorsams und Vertrauens gelockert und in den bürgerlichen, gesellschaftlichen und häuslichen Verhältnissen [142] endlich völlige Zerrüttung herbeigeführt. Daß der Kaiser diesem unheilvollen Zustande ein Ende zu machen bedacht sein mußte, ist leicht begreiflich, und durch völlige Gleichstellung der Evangelischen mit den Katholischen suchte er die Ausbreitung der neuen Lehre zu verhindern. Die Protestanten sahen aber darin die versteckte Absicht, sie völlig auszurotten, was den Zwiespalt, statt zu heben, nur größer machte. In Deutschland gab der Religionswechsel des Churfürsten und Erzbischofs von Cöln, Gebhard’s von Waldburg, Anlaß zu erbitterten Kämpfen. Gebhard war aus Liebe zu Agnes, Gräfin von Mansfeld, zu diesem für ihn so verhängnißvollen Schritte bewogen worden. Der Bannfluch des Papstes (23. Mai 1583) blieb nicht aus. Gebhard wurde trotz aller Einsprache der Churfürsten seiner Würden entsetzt und Ernst von Bayern, Albrecht’s V. Sohn, an seine Stelle ernannt. Spanien und Bayern brachen in Gebhard’s Land ein, der sich nach England flüchtete und zuletzt in Straßburg als Domdecan (21. Mai 1601) starb. In Ungarn, wo die unaufhörlichen Rüstungen den Staatsschatz auch sehr in Anspruch nahmen, wußten die Türken die Verlegenheiten des Kaisers auszubeuten. Hassan Pascha von Bosnien brach in Croatien ein und schlug den Ban Thomas von Erdödy (17. September 1592). Wohl wurde er schon im folgenden Jahre von Andreas von Auersberg und Rupprecht von Eggenberg (12. Juni 1593) bei seinem Uebergange über die Kulpa ganz auf’s Haupt geschlagen und verlor dabei sein Leben, doch aber gelang es den Türken, neue Vortheile zu erringen und den Kaiserlichen Sissek, Vesprim und Palota wegzunehmen. Erst Ferdinand Graf Hardegg entsetzte Stuhlweissenburg (24. October d. J.) und Feldmarschall Christoph von Tieffenbach eroberte Sabolka und Filek. Der darauf folgende Feldzug, in welchem Erzherzog Mathias die Armee befehligte, war wieder sehr unglücklich, die Belagerung von Gran mußte aufgehoben werden, Tata und Raab ergaben sich den Türken. Mit wechselndem Glücke dauerten so die Kämpfe in Ungarn bis 1598 fort. Die Vereinigung Siebenbürgens mit Ungarn, indem Sigmund Bathory das Land an Rudolph gegen einen Jahresgehalt abtrat, war die Ursache neuer und blutiger Kämpfe. Vorerst nahm Sigmund den Vertrag, Nichterfüllung der Bedingungen kaiserlicher Seits vorschützend, zurück; aber ein glänzender Sieg, den der General Georg Basta über dessen Feldherrn Moses Szekely bei Garoszla (3. August 1601) erfocht, brachte das Land wieder an Oesterreich. Basta hatte aber wohl zu siegen, das besiegte Land jedoch nicht zu erhalten verstanden. Die Unzufriedenheit über die Nichtberücksichtigung der Wünsche des Landes hatte neue Unruhen zur Folge. Sigmund’s Mutter-Bruder, Stephan Bocskay, wurde zum Fürsten Siebenbürgens ausgerufen (10. August 1605) und vom Sultan sogar zum Könige von Ungarn ernannt. Bocskay’s Tod erfolgte zwar bald (28. December 1606), aber anstatt daß das Land nunmehr den bestehenden Verträgen gemäß dem Kaiser heimfiel, wurde Sigmund Rakoczy zum Fürsten desselben gewählt, und als dieser 1608 abdankte, an seine Stelle durch Wahl Gabriel Bathory gesetzt. Dieses Mißgeschick in den Angelegenheiten im Innern des Reiches wurde durch die Zwietracht Rudolph’s mit seinem Bruder Mathias [s. d. Nr. 258], und somit [143] durch die Spaltung in seinem eigenen Hause bedeutend erhöht. Wie Rudolph an Mathias Ungarn und Oesterreich (25. Juni 1606) förmlich abtrat, endlich von diesem in Prag selbst belagert wurde und nun auch (11. April 1611) die erbländische Regierung, wie jene Böhmens, an ihn abtrat, ist schon in der Biographie des Kaisers Mathias [Nr. 258] erzählt worden. Rudolph behielt nichts mehr, als den deutschen Kaisertitel und einen Jahrgehalt von 300.000 Ducaten, der aber für seine Bedürfnisse so wenig ausreichte, daß er das Reich um einen standesmäßigen Unterhalt ansprach. Doch nicht lange überlebte Rudolph die für ihn so schmerzlichen Ereignisse; im Alter von 60 Jahren, im 34. seiner Regierung, schied er unter der Furcht, auch die deutsche Kaiserkrone zu verlieren, aus dem Leben, welche Besorgniß in ihm durch die von den Churfürsten eifrigst betriebene Wahl eines römischen Königs entstanden war. So wenig Tröstliches also die Geschichte von Rudolph dem Fürsten zu melden vermag, so wird doch ihre Meldung über ihn als Freund und Förderer der Wissenschaften belangreicher. Die Mathematik, die Natur- und Sternkunde, das Studium der Alterthümer bildeten Rudolph’s beständige Beschäftigung. Die Liebe zu den Wissenschaften galt ihm bald über Alles, er vergaß über ihr das Regieren; eingeschlossen in seinen Gemächern, ließ er Niemanden vor sich kommen, und unbekümmert um Alles, was außen geschah, ließ er die Dinge ihren Weg gehen, der nicht immer der gerade war. Rudolph malte mit besonderem Geschicke und insbesondere besaßen die Bildnisse, die er malte, große Aehnlichkeit. Diesen seinen Lieblingsneigungen gemäß, umgab er sich auch mit Männern, die ihm als Mithelfer bei seinen Arbeiten geeignet erschienen, und unter welchen Namen wie Hagecius, Boethius, Longomontanus, Keppler, Tyho Brahe vorkommen. Die nach ihm benannten Rudolphinischen Tafeln sind jedoch nicht sein Werk, sondern eben nur ihm zu Ehren so benannt; es sind Tafeln, welche zur Berechnung des Laufes der Gestirne von seinem Hofastronomen Tyho Brahe begonnen und von seinem zweiten, Keppler, nach Brahe’s Beobachtungen, aber nach eigener Theorie, ausgearbeitet worden sind. Rudolph war nie vermält, obwohl er an alle Höfe Gesandte schickte, und von allen Nachrichten über Prinzessinen einholte, auch mit mehreren Prinzessinen, als mit der Infantin Isabella, mit Maria von Medicis, mit einer Prinzessin von Lothringen, mit zwei Töchtern des Erzherzogs Karl’s mit einer Tochter des russischen Großfürsten und des Wojwoden der Wallachei, verlobt war. Natürliche Kinder besaß er mehrere, von denen er drei Söhne, Mathias, Karl und Julius, und drei Töchter, Karolina, Dorothea und Elisabeth, als die seinigen erkannte. Von letzteren war Karolina an Franz Thomas, Grafen von Oiselay und Cantecroix, vermält, die zwei anderen traten in Klöster und starben als Nonnen in Wien und Madrid. Von jeher zur Hypochondrie geneigt, nahm dieses Uebel in den höheren Jahren in bedenklicher Weise zu, und erklärt dieser traurige Gemüthszustand des Kaisers manche unheilvolle Thatsachen, welche eben in der letzten Periode seines Lebens geschehen waren.

I. a) Zur Biographie und Geschichte Rudolph’s II. Boudot (Paul), Harangue funèbre de l’empereur Rudolphe II. prononcée à Bruxelles (Arras 1612, 8°.). – Brachelius (Joh. Adolph), Fama Austriaca (Col. Agripp. 1627, Fol.). – Eyzinger (Michael), Funff [144] Theyl historischer Beschreybungen, damit angezeygt, was sich unter Keyser Rudolph dem andern gedenckwürdiges zugetragen biß auffs Jahr 1596 (Cöln 1597, 4°.). – Heinrich Julius von Braunschweig, Wahrhafftiger Bericht wegen der nicht erfolgten Abdanckung des Passau’schen Kriegsvolks (Braunschweig 1610, 4°.). [Das einzige Exemplar soll sich in der Wiener Hofbibliothek befinden.] – Derselbe, Gründlicher Bericht wegen der zwischen Rudolph dem Andern und dem Könige von Ungarn, Herrn Mathiä, getroffenen Vergleichung, auch Abdankung des Passau’schen Kriegsvolks (Braunschweig 1611, 4°.) [gleichfalls höchst selten und ein Exemplar in der Bibliothek zu Wolfenbüttel]. – Hosmann (A.), Klag- und Trauerschreiben wegen tödtlichen Abtritts (sic) Römisch Kayserlicher Majestät Rudolphi II. (Leipzig 1612, 4°.). – Kurz (Franz Seraph), Geschichte des Kriegsvolkes, welches Kaiser Rudolph II. im Jahre 1610 zu Passau anwerben ließ (Linz 1809, 8°.). – Derselbe, Schicksale des Passau’schen Kriegsvolkes in Böhmen bis zur Auflösung desselben im Jahre 1611 (Prag 1831, 8°.). — Lomniczky v. Budcze (Simon), Carmen bohemicum de obitu Rudolphi II. (Prag 1612, 4°.). – Kaiser Rudolph’s II. Majestätsbrief vom Jahre 1609, übers. und herausg. von Johann Baptist Borott (Görlitz 1803, 8°.). — Rudolphi imperatoris caesaris augusti epistolae ineditae (Viennae 1771, 4°.). – Santorio (Paolo), Vite di Ridolfo (II.) e Mattia imperatori (Venezia 1664, 8°.). – Schneid (Joh. Jos. Ign. Xav. Maria), Vollständige Geschichte der römischen Königswahl Rudolph’s II. Beitrag zur Geschichte der Churfürstentage und von Königswahlen (Würzburg 1792, 8°.). – Weber (Immanuel), Dissertatio de Rudolpho II. Romanorum imperatore (Giessen 1707, 4°.). – Zprava o smrti nejosvicenysiho p. Rudolfa cisare i. t. d. (Praze 1612, 4°.).
I. b) In anderen Werken Zerstreutes. Austria. Oesterr. Universal-Kalender für 1852 (Wien, Klang, gr. 8°.) XIII. Jahrg. S. 36: „Erbhuldigung Rudolph II. zu Linz“. – Bergmann (Joseph), Medaillen auf berühmte und ausgezeichnete Männer des österreichischen Kaiserstaates vom XVI. bis zum XIX. Jahrhunderte (Wien 1847–1857, 4°.) Bd. I, S. 29, 33, 115, 119 (Anmerkung), 127, 129, 131, 132, 177, 184, 185, 202, 208, 200, 232, 242; Bd. II, S. 12 (Anm.), 13, 19, 27, 36, 46 (Anm.), 52, 56, 64, 92 (Anm.), 100, 102, 111 (Anm.), 113, 115, 116, 124 (Anm.), 151 (Anm.), 152 (Anm.), 159, 198 (Anm.), 206, 214, 223 u. f., 241, 253, 255, 272, 293 (Anm.), 370, 373, 464. – Chronique et histoire universelle, contenant les choses plus mémorables avenues des quatres souverains empires royaumes republiques etc. Dressée premièrement par Jean Carion, puis augmentée ... par Ph. Melanchton et Caspar Peucer et reduite en cinq livres. Plus deux livres ... comprenans les choses ... avenues sous l’empire de Charles V., Ferdinand I., Maximilian II. et Rodolphe II. 2 Bde. (1595, 8°.). – Hormayr’s Archiv für Historie u. s. w. 1825, Nr. 91, S. 573: „Beiträge zur Geschichte der Schatz- und Wunderkammer Rudolph’s II. in Prag“. – Hormayr’s Oesterr. Plutarch, Bd. VII, S. 30–88 : „Biographie“ [wieder abgedruckt in der „Austria. Oesterr. Universal-Kalender“ für das Jahr 1855, S. 59 u. f.]. – Neues Archiv für Geschichte u. s. w., herausgegeben von G. Megerle von Mühlfeld und Em. Th. Hohler (Wien, 4°.) 1830, Nr. 74: „Schreiben Mohamed Pascha’s, des Sohnes Sinai’s, an Erzherzog Mathias (1598). Antwort des K. Rudolph II. von Wien“. – Oesterreichisches Archiv für Geschichte ..., herausgegeben von J. Ridler und C. Veith (Wien, 4°.) 1831, Urkundenblatt Nr. I, II und III (Beilage zu Nr. 38, 50, 64): „K. Rudolph’s II. Ordnung für seinen kaiserlichen Hof“ (de dato Linz 12. December 1576). – Dasselbe 1832, Urkundenblatt Nr. 1: „Memoriae, das Evangelisch Exercitium im Land ob der Enss betreffendt“ (1590). – Oesterreichische Zeitschrift für Geschichts- und Staatskunde von Joh. Paul Kaltenbäck (Wien, 4°.) 1837, Nr. 75, S. 228: „K. Rudolph II. verpfändet dem Reichshofrath und J. U. Dr. Bartholom. Pezz Schloß und Herrschaft Troppau auf 3 Jahre“ [für ein Capital von 76.500 Thalern Schuld soll er sich 3875 fl. Zinsen abziehen jährlich, den Ueberschuß verrechnen, de dato 12. Aug. 1596].
II. Porträte. 1) (T. Bidenhartter sc.) (gr. Fol.), auf dem Paradebette; – ein zweites Blatt von demselben Künstler in Folio: der Kaiser auf einem Wolkenwagen; – 2) D. Custos sc. 1594 (4°.); – 3) J. W. Delff sc. (Fol.); – 4) Soutman p., Gaillard sc. (8°.); – 5) P. de Jode sc. (8°.), Hüftbild; – 6) Moncornet exc. (8°.); – 7)M. de Voß p., Cr. de Passe exc. (Fol.); – 8) J. v. Achen p., Aeg. Sadeler sc. 1603 (Fol.); – ein [145] zweites Blatt von Sadeler aus dem J. 1604 stellt den Kaiser in Rüstung dar (Fol.), Hüftbild; – 9) P. Soutman p., P. v. Sompel sc. (gr. Fol.); – 10) (A. Vaillant sc.) (Fol.); – 11) H. Ullrich sc. (4°.); – 12) A. Wierx fec. (12°.), ein seltenes Blatt.
III. Medaillen. 1) Krönungsmedaille mit des Kaisers Wahlspruch : Fulget Caesaris Astrum. – 2) Eine zweite mit den Wappen der Churfürsten. – 3) Medaille von Maler auf die 1592 bestandenen 12 Monarchien. – 4) Medaille auf den Reichstag zu Regensburg (1607). Vergleiche übrigens das „Verzeichniß der von dem k. k. Feldmarschall-Lieutenant Ludwig de Traux in Wien hinterlassenen Münz- und Medaillen-Sammlung“ (Wien 1856, 8°.) Nr. 144–153; 748–755 und 2719–2723.