BLKÖ:Ridler, Johann Wilhelm

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Ridler, Georg
Band: 26 (1874), ab Seite: 73. (Quelle)
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Ridler, Johann Wilhelm (Universitäts-Bibliothekar, geb. zu Leitmeritz in Böhmen 12. April 1772, gest. zu Wien 23. Jänner 1834). Sein Vater Jacob Hilarius R. hatte in der kaiserlichen Armee gedient, die Feldzüge während der Regierung der Kaiserin Maria Theresia mitgemacht, war Officier geworden und aus dem Militärstande in den Dienst eines k. k. Tabak- [74] und Gefällen-Commissärs zu Leitmeritz in Böhmen übergetreten, wo er seiner Familie und der Erziehung seiner Kinder lebte, von denen Johann Wilhelm das jüngste war, das er den Studien widmete. Klopstock’s Messias“, den die Eltern – die Mutter war eine Protestantin – laut vorzulesen pflegten, weckte die ersten edleren, geistigen Keime im Gemüthe des Knaben, der in den Gymnasialclassen, dessen Lehrer damals viel zu wünschen übrig ließen, den Unterricht in den gewöhnlichen Lehrgegenständen erhielt. Im Jahre 1757[WS 1] bezog R. die Prager Hochschule, wo er unter Männern wie Seybt, G. A. Meißner und Ignaz Cornova das nachholte, was er bei dem schlechten Gymnasialunterrichte versäumt hatte. Die drei genannten Lehrer weckten Ridler’s Sinn für wissenschaftliche Arbeiten, namentlich für historische Forschung, und mit Cornova blieb R. selbst dann noch im brieflichen Verkehre, nachdem er sich bereits eine selbstständige Lebensstellung geschaffen. R. begann nun, um sich für ein Amt im Staatsdienste vorzubereiten, das Studium der Rechte, hatte bereits auch Naturrecht und Kirchenrecht gehört, als er im Jahre 1791 die Erzieherstelle bei einer Familie in Wien übernahm und nun die ferneren Studien privat fortsetzte. Später kam er in das Haus des Großhändlers Freiherrn von Natorp, wo es bei den gesellschaftlichen Verhältnissen desselben nicht an mannigfachen Anregungen fehlte. In Wien besuchte er während seines Aufenthaltes bei Natorp’s (1795–1804) an der Universität die Vorträge des Professors der classischen Literatur, Franz Hammer, durch dessen Vermittlung Ridler den Auftrag erhielt, die Lehrkanzeln der Welt- und österreichischen Staatengeschichte zu suppliren, worauf er nach einer mehrjährigen Thätigkeit auf diesem Posten im Jahre 1804 wirklicher Professor der genannten Fächer an der Wiener Hochschule wurde. Nach des greisen Professors Alter Versetzung in den Ruhestand wurde R. berufen, an dessen Stelle das Lehrfach der Diplomatik zu suppliren. Die Berufung des jungen Mannes fand in den Studentenkreisen eben keine erfreuliche Aufnahme, alle Zuhörer blieben aus, bis auf den Einen, der durch die Befreiung vom allgemeinen Unterrichtsgelde gebunden war, diese Vorträge zu besuchen. Ridler aber ließ sich durch diesen Umstand nicht im geringsten beirren, trug diesem Einen, als ob es Viele wären, den Gegenstand vor, und bald hatte sich zu seinen anziehenden Vorträgen ein ansehnlicher Zuhörerkreis wieder eingefunden. Als in der Folge, 1795, Wien die Franzosen beherbergte, hielt R. seine Vorträge, in welchen er ungeachtet der Anwesenheit des Feindes in der Hauptstadt seinem patriotischen Eifer, der ihn Manches aussprechen ließ, was demselben eben nicht schmeicheln mochte, keinen Einhalt that, und doch hatten seinen Vorträgen nicht selten französische Officiere beigewohnt, die im Elsaß geboren, der deutschen Sprache mächtig waren. Im Jahre 1807 erhielt Ridler die Berufung als Erzieher, zu Sr. kais. Hoheit Erzherzog Franz Karl, worauf er in ähnlicher Eigenschaft bei den Erzherzogen Ferdinand und Joseph und als Lehrer bei den Erzherzoginen Maria Ludovica, Leopoldine und Karoline thätig war. Im Jahre 1809 wurde R., unter gleichzeitiger Ernennung zum Regierungsrathe, bei der k. k. Studien-Hofcommission angestellt, bei welcher er sieben Jahre diente, bis er nach dem Tode des Hofrathes Anton Spendou im Jahre [75] 1814 auf dessen Posten als Vorsteher der Wiener Universitäts-Bibliothek berufen wurde. Mit diesem Amte hatte er keinen Ruhedienst übernommen, da er die Bibliothek auf eine den Anforderungen der Wissenschaft entsprechende Höhe bringen und den reichen Bücherschatz, den sie enthielt, nutzbringender als es bisher der Fall war, machen wollte. Die Bibliothek, die unter seiner Leitung stand, verdankt ihm nicht nur eine ungemein bedeutende Vermehrung des Bücherschatzes – derselbe war während seiner 20jährigen Verwaltung um etwa 30.000 Bände gewachsen – sondern auch eine zeitliche Vermehrung der Dotation, um 2000 fl. jährlich, und eine neue, sehr zweckmäßige Aufstellung der Bücher in den Lesesälen, worüber er in dem von ihm selbst redigirten Archive 1830 vom 12. Februar erschöpfende Nachricht gibt. Die letzten Lebensjahre R.’s waren zum Theile durch schweres Leiden getrübt, das ihn auch im Alter von 62 Jahren dahinraffte. Die schriftstellerische Wirksamkeit R.’s beschränkt sich auf die Redaction des von ihm in Gemeinschaft mit Karl Veith begründeten „Oesterreichischen Archiv’s für Geschichte, Erdbeschreibung, Staatenkunde, Kunst und Literatur“, welche er durch die drei Jahre 1831, 1832 und 1833 führte. Dasselbe schließet sich an das Hormayr’sche „Archiv“ (1809 bis 1828), dann an dessen von Megerle v. Mühlfeld und Em. Th. Hohler besorgte und unter dem Titel: „Neues Archiv“ herausgegebene Fortsetzung (1829 und 1830) an; wie nach Ridler’s „Oesterreichischem Archiv“ zwei Bände der unter dem Titel: „Oesterreichische Zeitschrift für Geschichts- und Staatskünde“, herausgegeben von J. B. Kaltenbäck, welche nach kurzer Unterbrechung in den Jahren 1835 und 1836 erschienen sind, diese so inhaltreiche und seither nicht mehr ersetzte Publication schließen. Außerdem erschien von ihm selbstständig die „Darstellung des Lebens und Wirkens dreier hochgesinnter Männer Oesterreichs, des Grafen Wrbna, k. k. Oberstkämmerers, des Grafen von Chorinsky, k. k. Staatsministers, und des Grafen von Lazansky, k. k. böhmisch-galizischen Hofkanzlers“ (Wien 1823, gr. 8°.). Von seinen zahlreichen, in politischen und wissenschaftlichen Zeitschriften, Sammelwerken u. dgl. m. veröffentlichten Arbeiten sind zu nennen: die „Nekrologe von Joseph Leithner“ im „Oesterreichischen Beobachter“ 1822, Nr. 326; – von Rudolph Grafen Chotek“ in der „Wiener Zeitung“ 1825, Nr. 35; – von „Karl Grafen Zichy“ ebenda 1827, Nr. 135; – von „Ferdinand Fürsten Trautmannsdorff“ ebd. 1828, Nr. 83; – von „Franz Freiherrn von Bedekovich“ ebd. 1827, Nr. 166; – von „Augustin Reichmann, Freiherr von Hochkirchen“ ebd. 1829, Nr. 170; – von „Peter Anton Freiherrn von Frank“ ebd. 1819, Nr. 10, und „Joseph Grafen Wallis“, ebd., Nr. 42; – im Taschenbuch für die vaterländische Geschichte, II. Jahrg. (1812), S. 136: „Die Thermopylen der karnischen Alpen“, eine Verherrlichung der Heldenthat der Hauptleute Hensel und Hermann; und im IV. Jahrgange (1814), S. 9: „Ueber die wechselseitigen Verpflichtungen der österreichischen Völker“; – S. 50: „Spaziergang an die Lunzerseen“; – S. 86: „Joseph II. und Voltaire. Ein geheimer Geschichtszug“; – S. 108: „Oesterreichische Kriegsscenen. 1–4“; – S. 162: „Nachrichten über Thaddäus Hänke“, und S. 270: „Erinnerungen aus der Vorzeit der vaterländischen Geschichte“; [76] – in der Wiener Moden Zeitung 1817, S. 166: „Die Ruinen von Velleja“; – S. 329: „Die Insel Madera“; – S. 113: „Bruchstück einer Reise nach Maria-Zell“; – im I. Bande von Schlegel’s „Deutschem Museum“: „Die skandinavische Halbinsel und ihre Bewohner“; und Vieles, was nicht seinen Namen trägt, hat er in den drei Jahrgängen des von ihm redigirten „Oesterreichischen Archivs“ niedergelegt, wie denn auch im ersten Bande von Hormayr’s „Archiv“ 1810, Nr. 85 u. 92, die Rückerinnerung an österreichische Helden“ und ebenda, Jahrg. 1812, S. 106 u. d. f., seine nicht unwichtigen „Berichtigungen der Posselt’schen Taschenbücher“ aus seiner Feder stammen. Als er im Jahre 1833 das „Oesterreichische Archiv“ geschlossen, hatte R. die Absicht, an Stelle des Hormayr’schen „Taschenbuches für vaterländische Geschichte“, das mit Hormayr’s Abgang nach Bayern eine wesentliche Veränderung in seiner Tendenz erlitten hatte, ein neues unter dem Titel: „Austria“ herauszugeben, aber sein Tod vereitelte diese Absicht. Literarische und engere freundschaftliche Verbindungen unterhielt R. mit J. G. Meinert [Bd. XVII, S. 281], Johannes von Müller [Bd. XIX, S. 360], mit Frau Karoline Pichler [Bd. XXII, S. 242], Ladislaus Pyrker [Bd. XXIV, S. 115], Hofrath Hammer [Bd. VII, S. 267], Abbe Dobrowsky [Bd. III, S. 334], dem Chorherrn Franz Kurz [Bd. XIII, S. 421], Friedrich von Gentz [Bd. V, S. 136] und mit den ausländischen Gelehrten J. S. Ersch und Bischof Münter aus Seeland. Ridler’n ist auch die Entdeckung zu danken, daß der im Auslande gerühmte und gefeierte Reisende und indische Sprachforscher Fra Paolino, dessen Reise nach Ostindien J. R. Forster in’s Deutsche übersetzt und im Jahre 1798 herausgegeben hat, ein Oesterreicher, und zwar in einem Orte an der ungarischen Grenze geboren ist und nach seinem Familiennamen Philipp Wešdin heiße. An Auszeichnungen in der damals an dergleichen im[WS 2] hohen Grade kargen Zeit erhielt R. folgende: er war seit 1814 k. k. Prüfungscommissär an der Wiener Hochschule, Ehrenmitglied an der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien, in den Jahren 1812 und 1824 Decan der philosophischen Facultät und im J. 1830 Rector der Wiener Hochschule, die ihm schon im Jahre 1806 das Diplom eines Doctors der Philosophie verliehen hatte. Ferner hatte R. wesentlichen Antheil an der Gründung des Wiener allgemeinen Witwen- und Waisen-Instituts, welcher Anstalt er als Director bis an sein Lebensende eine dieselbe fördernde Thätigkeit gewidmet hatte.

Erinnerung an J. W. Ridler, k. k. Regierungsrath und Vorsteher der Universitäts-Bibliothek in Wien (Wien 1835, 12°.). – Pietznigg (Franz), Mittheilungen aus Wien (Wien, kl. 8°.) 1834, Bd. III, S. 145: „Erinnerungen an Joh. Wilh. Ridler“, von Karl Veith. – Zuschauer, herausg. von J. S. Ebersberg (Wien, gr. 8°.) 1638, Bd. II, S. 444. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 385. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, B. Fr. Voigt, 8°.) XII. Jahrg. (1834), S. 73.
Verleihung des Adels an Johann Wilhelm Ridler’s drei Söhne Karl Friedrich, Franz Karl, und Ferdinand Rudolph. Des Regierungsrathes Johann Wilhelm Ridler Witwe, geborne Theresia von Anders und Porodim hat im Jahre 1853 um Verleihung des Adels für ihre drei noch lebenden Söhne Karl Friedrich, Franz Karl und Ferdinand Rudolph gebeten. Karl Friedrich (geb. 1815) dient als Officier in der kaiserlichen Armee und hat die Feldzüge 1848/49 in Italien mit Auszeichnung mitgemacht; der zweite, Franz Karl, hat die politische Laufbahn [77] eingeschlagen, und der dritte, Ferdinand Rudolph (geb. 1824), gleichfalls Officier, hat im Jahre 1848 bei der Einnahme Wiens und im ungarischen Feldzuge tapfer mitgefochten; denselben wurde nun in Rücksicht der Verdienste ihres Vaters mit Diplom vom 20. October 1853 der erbländische Adelstand mit dem Ehrenworte „Edler von“ und dem Prädicate Greif in Stein verliehen.
Wappen. Ein längsgetheilter Schild. Das rechte rothe Feld durchziehen drei silberne Querbalken und im linken silbernen Felde erscheint ein über sich gebogener Arm im schwarz angelaufenen goldbespangten Harnisch mit schräglinks gezücktem blanken Schwerte in goldenem Griffe in der mit Blechhandschuh bedeckten Hand. Auf dem Schilde ruht ein rechtsgekehrter gekrönter Turnierhelm, aus dessen Krone ein rechts von Roth über Silber, links von Silber über Roth quergetheilter Adlerflug hervorgeht, welchem ein silberner Stern eingestellt ist. Die Helmdecken sind roth, mit Silber unterlegt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Jahreszahl irrig.
  2. Vorlage: im im.