BLKÖ:Bergmann, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Bergler, Stephan
Band: 1 (1856), ab Seite: 313. (Quelle)
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Bergmann, Joseph[BN 1][BN 2][BN 3] (Geschicht-, Sprach- und Alterthumsforscher, wirkl. Mitglied der kais. Akademie der Wissensch., geb. zu Hüttesau in Vorarlberg 13. Nov. 1796). Sohn eines Malers. Studirte 1809 zu Feldkirch, dann 1811–1814 unter Böhm, der ihm die Richtung zur Philologie gab, zu Kempten. 1814 kam er nach Wien, studirte Philosophie und setzte unter Prof. Anton Stein seine philol. Sprachstudien fort, während er zu gleicher Zeit über griechische Sprache und die Classiker an der Universität Vorträge und Repetitionen hielt. 1826 kam [314] er als Professor an’s Gymnasium in Cilli und nach Alois Primissers Tode (1827) trat B. dessen Stelle als erster Custos im Münz- und Antikencabinete und der Ambraser Sammlung an. Im Herbst 1831 übernahm B. den Unterricht der drei Söhne des Erzherzogs Karl und trug den Erzherzogen Albrecht und Ferdinand Karl die östr. Staatengeschichte und dem Erzherzog Friedrich allgem. Geschichte und lateinische Sprache vor. Die vielen gründlichen und gelehrten Forschungen, insbesondere über die Geschichte Tyrols und Vorarlbergs bewirkten B.’s Aufnahme in die erste Reihe der am 1. Febr. 1848 ernannten wirkl. Mitglieder der kais. Akademie d. Wissensch. Außerdem zeichneten zahlreiche gelehrte Vereine des In- und Auslandes B. durch Uebersendung ihrer Ehrendiplome aus. B.’s Arbeiten gehören in’s Gebiet der Geschichte, Numismatik und Philologie. Der größte Theil derselben [einzelne davon so umfangreich, daß sie selbstständige Werke bilden könnten] ist in Sammelwerken und Vereinsschriften erschienen. Selbstständig kamen heraus: „Untersuchungen über die freien Walliser oder Walser in Graubünden und Vorarlberg. Mit einigen diese Gebiete betreffenden historischen Erläuterungen“ (Wien 1844, 8°., mit einer Karte); diese gründliche und erschöpfende Arbeit war zuerst im „Notizenblatte zu den Wiener Jahrbüchern“ 1844, Bd. CV–CVIII erschienen; – „Uebersicht der k. k. Ambraser Sammlung nach ihrer dermaligen Aufstellung“ (Wien 1846, Staatsdruckerei); – „Medaillen auf berühmte und ausgezeichnete Männer des östr. Kaiserstaates vom 16.–19. Jahrhunderte. In treuen Abbildungen“ (Wien 1844 u. f., 4°.); von diesem Werke ist der erste Band ganz vollendet und enthält XIV Tafeln mit 69 Medaillen und die Biographien von 50 Männern u. Frauen. Der zweite Band ist bis zum 4. Hefte gediehen und enthält VIII Tafeln Medaillen und 40 Biographien; endlich bildet der 12. Band der Bibliothek des literar. Vereins in Stuttgart von Bergmann: „Das Ambraser Liederbuch vom Jahre 1582“ (1845, 8°.). Es enthalt 260 Lieder. Indem wir, was die übrigen Arbeiten Bergmanns betrifft, auf den unter den Quellen angegebenen „Almanach der kais. Akademie“ verweisen, wo dieselben vollständig angegeben sind, lassen wir hier nur noch die wichtigern geschichtlichen und biographischen Arbeiten dieses Gelehrten nach den Sammelwerken, wo sie erschienen sind, folgen. I. Ueber Vorarlberg: In Hormayrs „Archiv“: „Die Schweden in und um Bregenz (1647)“, 1824, Nr. 116, 117; – in Kaltenbäcks „Oestr. Zeitschrift“: „Ueber den Bregenzerwald“, 1835, Nr. 27; – „Verzeichniss der Landamänner im innern Bregenzerwalde vom Jahre 1400–1806“, 1835, Nr. 90; – „Ueber Hohenems und die dortige Judengemeinde“, 1836, Nr. 99, 100; – „Ueber die Pfarre Röfensberg im äusseren Bregenzerwalde und ihre Mundart“ 1837, Nr. 84, 85; – „Die Pfarre Bildstein bei Bregenz und des FM. Max Lor. Graf von Starhemberg Stiftung und Grabmahl“, 1837, Nr. 86, 87 und Nr. 100, S. 400; – „Geschichtliche Notizen über das obere Walserthal und besonders über die Herrschaft Blumeneck in Vorarlberg“, 1837, Nr. 101, 102 und im „Tyroler Boten“ 1841, Nr. 701; – in Chmels „Oestr. Geschichtsforscher“ (Wien 1838, 8°.): „Urkunden (28) der vier vorarlbergischen Herrschaften und der Grafen von Montfort“ I. Bd. S. 169–206, II. Bd. S. 30–65; in den „Wiener Jahrbüchern der Literatur:“ „Ueber das ursprüngliche Doppelelement der Bevölkerung in Galtür in Tyrol“, CXV. Bd.; – „Früheste Kunde über den Bregenzer Wald und die Stiftung des Klosters Mehrerau“ CXVIII. Bd. (dazu Heidelb. Jahrb. Anzeigeblatt 1848, S. 147–150); – in den „Sitzungsberichten der histor.-philos. Classe der kais. Akademie der Wissenschaften“: „Die Wiedertäufer zu Au im inneren Bregenzer [315] Walde und ihre Auswanderung nach Mähren im Jahre 1585“, 1848, III. Heft, S. 106; – „Beiträge zu einer kritischen Geschichte Vorarlbergs,“ VI. Bd. S. 195; – „Ueber das Geschlecht Hunfrieds Grafen von Churrhätien“, VI. Bd. S. 506. – In den „Denkschriften derselben Classe“: „Necrologium Augie majoris Brigantinae ordinis S. Benedicti“, V. Bd. S. 62; – im „Archiv für Kunde östr. Geschichtsquellen“: „LXIV Urkunden der vier vorarlbergischen Herrschaften und der Grafen von Montfort“, 1848, III. Heft, S. 40–160, IV. Heft, S. 1–82; – in der „Zeitschrift für östr. Gymnasien“: „Geographische Skizze von Vorarlberg“, 1850, III. Heft, S. 176–188. – II. Ueber Vorarlberger. In Ridlers „Archiv“: „Angelika Kaufmann“, 1831, Nr. 123; – im „Tyrolerboten“: „Joh. Rudolph Schmid Freiherr von Schwarzenborn, kais. Grossbotschafter an der omanischen Pforte († 1667)“, 1838, Nr. 27, 28; – „Patriz Heller von Feldkirch, 45. Propst zu St. Pölten († 1683)“, 1839, Nr. 17; – „Georg Kurz von Feldkirch, erster infulirter Abt zu Klosterbeuern in Schwaben († 1704)“, 1839, Nr. 41; – „Martin Greussing von Mellan, erster infulirter Abt zu Schlögel (1626–1665)“, 1839, Nr. 55 (und in Ebersbergs „Zuschauer“ 1839, S. 1297); – „Ueber die beiden Jakob Manlius oder Mennel im 16. Jahrhunderte“[WS 1], 1840, Nr. 27; – in Adolph Schmidls „Oestr. Blätter für Liter. u. Kunst“: „Barthol. Bernhardi aus Schlins, Propst zu Kemberg in der preuss. Provinz Sachsen († 1551) und dessen Bruder May. Joh. Bernhardi, Prof. zu Wittenberg“, 1844, II. Quartal, Nr. 57; – in Kaltenbäcks „Oestr. Zeitschr.“ indessen Bl. f. Liter. u. Kunst: „Alois Primisser und sein literarisches Wirken“, 1837, Nr. 99; – im „Neuen Nekrolog der Deutschen“ für 1840 (Weimar 1842) Nr. 252: „Pauline von Schmerling, geb. Freiin von Koudelka“; – in der „Wiener Zeitung“: „Andr. Alois di Pauli, Freiherr von Treuheim“ 1842 vom 9. April; – „Peter Fendi, Zeichner und Kupferstecher am k. k. Münz- und Antiken-Cabinet“, 1842 vom 6. October; – „Anton Stein, Prof. der Philologie“, 1845 vom 5. Jänner; – „Balthasar Edler von Ziernfeld“, 1846 vom 7. April. – III. Historische Aufsätze vermischten Inhalts. In den „Wiener Jahrbüchern“: „Frauen des östr. Erzhauses mit den Insignien des goldenen Vliesses auf bildlichen Denkmälern“, LI. Bd. Anzeigebl. S. 2–15; – „Der Habsburgische Pfau“, LVI. Bd. Anzeigebl. S. 1–18; – „Der älteste gedruckte Katalog der Rüstungen der k. k. Ambraser Sammlung vom Jahre 1593“, LXXXIV. Bd. Anzeigebl. S. 14–24; – „Kaiser Maximilians I. Bibliothek“, XCVIII. Bd. Anzeigebl. S. 1–27; – „Historische Untersuchungen über die heutigen sogenannten Cimbern in den Sette comuni über die Namen, Lage und Bevölkerung der XIII comuni im veronesischen Gebirge“ Mit mehreren Kärtchen. CXX. und CXXI. Bd. (B. wohnte im J. 1847 der Versammlung der Naturforscher in Venedig bei, benützte seine Reise zu einem Ausfluge in die Sette comuni und sammelte an Ort und Stelle die interessanten Ergebnisse, welche den Inhalt obiger Abhandlung bilden); – in Ridlers „Archiv“: „Johann Truchsess von Waldburg und Sonnenberg“ 1831, Nr. 113; – in Kaltenbäcks „Zeitschrift“: „Ueber die Entstehung, Eintheilung und den Inhalt des städt. Museums zu Salzburg (1836)“, 1837, Nr. 28–31; – in Dr. Mor. v. Stubenrauchs „Oestr. Kalender“ für 1844 (Wien, Sollinger); „Oswald von Wolkenstein“ S. 60 u. f. – IV. Numismatische Abhandlungen. Außer einzelnen Mittheilungen in vielen Nummern des Ridler’schen „Archivs“ d. J. 1831–33 und in Johann Schicks „Wiener Zeitschrift“ d. J. 1835 schrieb er: in Chmels „Oestr. Geschichtsforscher“: „Münzen von den Kaisern und Königen Karl dem Dicken, Berengar von Friaul, Guido von Spoleto und seinem Sohne [316] Lambert, dann von Arnulph von Kärnthen, von etwa 850–900 n. Chr. Geb. Mit 1 Münztafel“ I. Bd. S. 217–225; – In den „Wiener Jahrbüchern der Literatur“: „Untersuchungen über das älteste Münzrecht zu Lieding (im J. 975) und Friesach (im J. 1015) u. s. w.“, CI. Anzeigebl. S. 1–30; – „Das Münzrecht der gefürsteten Grafen von Cilli; das Münzrecht, die Münzen und Medaillen des gräflichen Geschlechtes von Hardegg-Glatz“, CIII. Anzgbl. S. 29–50; – „Ueber den ausgez. Medailleur AN. AB., d. i. Antonio Abondio“, CXII. Anzeigebl. S. 125 u. CXIV. Anzgbl. S. 43; – „Ueber die Meraner Münze und die Uebereinstimmung ihres ältesten Typus mit den Aquilini grossi oder Adlergroschen einiger Städte Oberitaliens“, CXIII. Anzgbl. S. 1. – V. Philologische Abhandlungen. In der „Zeitschrift für Tyrol und Vorarlberg“: „Ueber die Volkssprache im äusseren Bregenzerwalde“, III. 1827, S. 268–312; – in den „Wiener Jahrbüchern“: „Lateinische Grammatik, moralische u. diätetische Verse sammt einer Vermehrung in Prosa zum Unterrichte des Erzherzogs, nachherigen Kaisers Maximilian I.“ (von seinem Lehrer Stephan Hewner, Dominikaner in Wien, um 1470 geschrieben), LXXVIII. Anzeigebl. S. 17–34; – „Von dem Mayr Helmprechter. Eine poetische Erzählung aus dem dreizehnten Jahrhunderte von Wernher dem Gartenäre“, LXXXV. und LXXXVI. Anzeigebl.; – „Des Ritters Ulrich von Liechtenstein Itwiz oder Frauenbuch vom J. 1257“ XCII. und XCIII. Anzeigebl.; – „Des steiermärk. Herrn und Sängers Herant von Wildon[WS 2] vier poetische Erzählungen aus der Mitte des den dreizehnten Jahrhunderts“, XCV. und XCVI. Anzeigebl. – Außer den bisher angeführten Arbeiten enthalten die Sitzungsberichte der histor.-philos. Classe der kais. Akademie der Wissenschaften und andere wissenschaftliche Zeitschriften Besprechungen numismatischer, historischer Werke und einzelne Abhandlungen. Seine neuesten Arbeiten sind in den „Sitzungsberichten der kais. Akademie der histor. phil. Classe“: „Leibnitz in Wien“, XIII. Bd. S. 111; – „Ueber Karl VI. Rath und Hof-Antiquarius Heraeus, dessen Stammbuch und Correspondenz“, XIII. Bd. S. 539 und in den „Berichten des Alterthumsvereins zu Wien“ (1854): „Erzherzog Maximilian I. und Marie von Burgund und deren älteste Porträte in der Ambraser Sammlung.“

Almanach der kais. Akademie der Wissenschaften (Wien, Staatsdruckerei, 8°.) 1851, S. 116. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 275. – Wurzbach von Tannenberg (Dr. Const.), Bibliogr. statistische Uebersicht der Literatur des östr. Kaiserstaates. II. Bericht (Wien 1856, Lex. 8°.) Marginal: 6305, 6332, 6416, 6193, 6656, 6939, 7847.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Bergmann, Joseph, Geschichtsforscher [s. d. Bd. I, S. 313]. Wurde nach J. C. Arneth’s Tode im November 1863 Director des k. k. Münz- und Antikencabinets. Seit 1856 sind von ihm folgende Schriften erschienen: „Erzherzog Friedrich von Oesterreich und sein Antheil am Kriegszuge in Syrien 1840“ (Wien 1857, Pendler u. Comp., 4°.), ein Separatabdruck aus dem zweiten Bande des [370] Werkes: „Medaillen auf berühmte und ausgezeichnete Männer des österreichischen Kaiserstaates vom XVI. bis zum XIX. Jahrhunderte“, welches mittlerweile auch vollendet wurde; – „Leibnitz als Reichshofrath in Wien und dessen Besoldung“ (Wien 1858, 8°.); – „Die Edlen von Embs zu Hohenembs in Vorarlberg. Dargelegt und beleuchtet in den Ereignissen ihrer Zeit, vom Jahre 1170–1560“ – und „Die Reichsgrafen von und zu Hohenembs in Vorarlberg u. s. w., vom Jahre 1560 bis zu ihrem Erlöschen 1759. Mit Rücksicht auf die weiblichen Nachkommen beider Linien von 1759 bis 1860“ (ebd. 1860 und 1861, 4°.); – „Zwei Denkmale in der Pfarrkirche zu Baden. I. Für Paul Rubigall, den Jüngsten (gest. 1576) und II. für Hieronymus Salius von Hirschperg (gest. 1555) nebst einer Medaille auf den Kanzler Joseph Zoppl von Hauss“ u. s. w. (ebd. 1860, mit 2 K. K.); – „Der Geneolog P. Gabriel Bucelin. Benedictiner zu Weingarten und Prior zu St. Johann in Feldkirch“ (ebd. 1861, 8°.); – „Pflege der Numismatik in Oesterreich im 18. und 19. Jahrhundert. I–IV“ (Wien 1856–1863, 8°.); diese vier Hefte sind reich an biographischen Notizen über gelehrte und namentlich um die Pflege der Numismatik in Oesterreich verdiente In-und Ausländer. [Bd. 11, S. 369 f.]
  2. Bergmann, Joseph [Bd. I, S. 313; Bd. XI, S. 369], gestorben zu Gratz 29. Juli 1872.
    Presse 1872, Nr. 211, im Feuilleton: Nekrolog. – Wiener Zeitung 1872, Nr. 175. [Bd. 26, S. 369.]
  3. E Bergmann, Joseph [Bd. l, S. 313; Bd. XI, S. 369; Bd. XXVI, S. 369].
    Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1874, Nr. 198, Beilage: „Aus dem Bregenzer Wald. III.“, von L. St.(eub) [interessante Einzelheiten über diesen humanen Gelehrten]. [Bd. 28, S. 326.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vergleiche dazu Mennel, Jakob (ADB).
  2. Herrand von Wildon (ADB).