BLKÖ:Arneth, Joseph Calasanz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 1 (1856), ab Seite: 67. (Quelle)
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Arneth, Joseph Calasanz[BN 1][BN 2][BN 3] (Mitglied der hist. philos. Classe der kais. Akademie der Wissensch.), geb. zu Leopoldsschlag im Mühlviertel, Oestr. o. d. Enns 12. August 1791). Studirte in Linz unter Leitung seines Bruders Michael, hörte in Wien die Numismatik unter Neumann, der dem eifrigen Jünglinge 1811 die Stelle eines Praktikanten im k. k. Münz- und Antiken-Kabinete verschaffte. 1813 wurde A. zum Custos ernannt. Als im nämlichen Jahre Befehl gegeben ward, das Kabinet einzupacken, bat A. am Kriege theilnehmen zu dürfen, und machte als Officier in der östr.-deutschen Legion den Feldzug 1813 und 14 mit. Im Feldzuge in Savoyen nahm A. nach dem Gefechte bei Montmelian, am 10. u. 11. April, vier franz. Officiere gefangen. Nach Beendigung des Feldzuges trat A. in seine frühere Dienstleistung zurück. 1817 vermälte er sich mit der bereits erwähnten Künstlerin [68] Antonie Adamberger, betreff welcher mit Hinweisung auf ihre in diesem Werke enthaltenen Lebensskizze (S. 5) bemerkt werden muß, daß sie vorzüglich in tragischen Rollen glänzte und im J. 1832 von ihrer Majestät der Kaiserin Karoline Auguste zur Vorsteherin des von dieser Fürstin gegründeten Institutes zur Erziehung weiblicher Soldatenkinder ernannt wurde. Auf Reisen in Deutschland und Italien bereicherte A. sein numismatisches und archeologisches Wissen. Seit frühester Zeit in seinem Fache und den mit demselben verwandten Gebieten literarisch thätig, ließ er zahlreiche Aufsätze in den wissenschaftlichen Blättern des Kaiserstaates erscheinen. Im Kabinete hat er über 25,000 griechische Münzen den catologue raisonné in 5 Foliobänden in lateinischer Sprache beendet. Seit 1840 ist A. Direktor des k. k. Münz- und Antiken-Kabinetes und der damit vereinigten Anstalten, d. i. der Ambraser- und ägyptischen Sammlung, hat in der Anordnung und Aufstellung der unter seiner Oberaufsicht befindlichen Schätze wesentliche Verbesserungen eingeführt und die ganze Anstalt auf einen hohen Grad der Vollendung in ihrer Organisation gebracht. Arneth ist Ritter des östr. Franz Josephordens und Inhaber des k. k. Armeekreuzes von d. J. 1813 und 1814, und von mehreren fremden Fürsten durch Decorationen ausgezeichnet worden. Am 14. Mai 1847 wurde er zum wirkl. Mitgl. der k. Akademie ernannt; außerdem ist er wirkliches, Ehren- und corresp. Mitglied vieler in- u. ausländischen gelehrten Vereine und Akademien. Außer seinen zahlreichen, in wissensch. Journalen befindlichen, oft umfangreichen Aufsätzen sind als selbstständige Werke zu nennen: „Geschichte des Kaiserthums Oestreich“ (Wien 1827); – „Synopsis numorum graec. qui in Museo C. R. Vindob. adservantur“ (Vindob. 1837. 4°.) – „Synopsis numorum romanorum, qui in M. C. R. Vindob. adservantur“ Vindob. 1842. 4°.) – „Zwölf römische Militairdiplome“ (1843. 4°. mit 25 lith. Tafeln). – „Das Niello-Antipendium zu Klosterneuburg“ (Wien 1844); – „Das k. k. Münz- und Antiken-Cabinet beschrieben“ (Wien 1845, mit 4 K. K.); – „Die antiken Cameen des k. k. Münz- und Antiken-Cabinets“ (Wien 1849 Fol. mit 25 K. K.) – „Die antiken Gold- und Silbermonumente des k. k. Münz- und Antiken-Cabinets“ (Wien 1850 Fol. mit 41 Taf.). Seine übrigen Arbeiten sind in den unten angemerkten „Almanachen der Akademie der Wissenschaften“ speciell verzeichnet, wie daselbst auch alle Vereine, Akademien und Gesellschaften benamt erscheinen, zu deren Mitglied A. ernannt worden. – Arneth, Alfred (Hof- und Ministerial-Concipist im k. k. Ministerium des Auswärtigen), Sohn des Vorigen. Widmet sich der Geschichtschreibung, und bereits erschien von ihm das von der Kritik freundlich aufgenommene Werk: „Das Leben des kaiserlichen Feldmarschalls Grafen Guido Stahremberg (1657–1737). Ein Beitrag zur östr. Geschichte“ (Wien 1853). Das Leben des Prinzen Eugen von Savoyen, nach Quellen des k. k. Staats-Archives, soll folgen.

Almanach der kais. Akademie der Wissenschaften (Wien 1856) VI. Jahrgang. S. 85. – Ebenderselbe für 1851. S. 111 enthaltend: „A.’s selbstständige Werke und kleinere Arbeiten.“ – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann) I. Bd. S. 123. – Bermann (Mor.), Oestr. biogr. Lexikon (Wien 1851) II. Hft. S. 239. „Ausführliche bio- und bibliographische Skizze.“ – J. A.’s Porträt mit Facsimile nach der Natur gez. und lithograph. von A. Dauthage (Wien 1854, Neumann. Fol.).

Berichtigungen und Nachträge

  1. Arneth, Joseph Calasanz [s. d. Bd. I, S. 67], gestorben zu Karlsbad 31. October 1863.
    Waldheim’s illustrirte Zeitung (Wien, Fol.) 1863, S. 1172 [mit einem Porträte in Holzschnitt nach einer Photographie von F. Schultz]. [Bd. 11, S. 357.]
  2. E Arneth, Joseph Calasanz Ritter von [s. d. Bd. I, S. 67, und Bd. XI, S. 357].
    Joseph Ritter von Arneth. Eine biographische Skizze von Dr. Friedrich Kenner (Wien 1864, 8°.). – Die feierliche Sitzung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften am 30. Mai 1864 (Wien, Staatsdruckerei, 8°.) S. 49–57, im Berichte des Generalsecretärs der philosophisch-historischen Classe, Ferdinand Wolf. [Bd. 14, S. 382.]
  3. E Arneth, Joseph Ritter von [Bd. I, S. 67; Bd. XI, S. 357].
    Hoffinger (Jos. Ritter v.), „Oesterreichische Ehrenhalle“ im Oesterreichischen Volks- und Wirthschafts-Kalender (Wien, Prandl, gr. 8°, Jahrg. 1865, S. 19. – Bermann (Mor.) l. c., S. 239–243. [Bd. 22, S. 466.]