BLKÖ:Koudelka, Pauline Freiin von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 13 (1865), ab Seite: 60. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Pauline von Koudelka in der Wikipedia
GND-Eintrag: 117456764, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Koudelka, Pauline Freiin von|13|60|}}

Koudelka, Pauline Freiin von (Blumenmalerin, geb. zu Wien 8. September 1806, gest. zu Ober-St. Veit bei Wien 31. Juli 1840), nachmals vermälte von Schmerling, unter ihrem Familiennamen als Blumen- und Früchtemalerin in der Kunstwelt hochgeschätzt. Die erstgeborne Tochter des Feldmarschall-Lieutenants Joseph Freiherrn von Koudelka [s. d. Vorigen] aus dessen Ehe mit Katharina Freiin Wetzlar von Blankenstern. Ihr Vater, selbst eine echte Künstlernatur, aber überdieß gebildet und kenntnißreich, widmete ihr, die frühzeitig ein schönes Talent für Kunst und insbesondere für Blumenmalerei bekundete, in der Erziehung alle Sorgfalt und Aufmerksamkeit, führte sie selbst in die ersten Elemente der Kunst ein und bestellte ihr später einen tüchtigen Künstler zum Lehrer, den bekannten Blumenmaler Professor Franz Petter. Aber auch ihre übrige Bildung wurde mit seltener Umsicht geleitet, und Pauline erhielt – eine bei Frauen seltene Thatsache – eine wissenschaftliche Richtung. So erwarb sie gründliche Kenntnisse in der deutschen, französischen, italienischen und englischen Sprache und Literatur; auch der Unterricht in den classischen Sprachen, für welche sie besondere Neigung besaß, wurde ihr zugleich mit ihrem Bruder Rudolph, und als dieser bald darauf die militärische Laufbahn betrat, allein ertheilt. Der gegenwärtige Director des Münz- und Antikencabinets, Regierungsrath Joseph Bergmann, war von 1822 bis 1826 ihr Lehrer im Altgriechischen und las mit ihr den Herodot und Xenophon, Einzelnes aus der Anthologie, den Gnomikern, Homer’s Gesänge und die Tragödien des Sophokles. In den modernen Sprachen hatte sie es zu solcher Vollkommenheit gebracht, daß, wie Dr. L. A. Frankl in seiner Lebensskizze der Verewigten berichtet, sie in italienischer Sprache mehrere Malerbiographien niedergeschrieben hat, welche jedoch nicht gedruckt worden sind. Im, Jahre 1835 vermälte sie sich mit Anton Ritter von Schmerling, dem jetzigen Staatsminister, und an ihrem Hochzeitstage stimmten sieben Wiener Poeten die „siebentönige Lyra“ [siehe die Quellen] an um dem allgemein verehrten Hochzeitspaare eine sinnige Huldigung darzubringen. Nur wenige Jahre währte das Glück dieser Ehe. Schon am 31. Juli 1840 zerriß der Tod dieses Band. Die erst 34jährige Künstlerin starb in Ober-St. Veit bei Schönbrunn. Ihre Muße als Mädchen und später als Frau widmete sie neben ihrer Fortbildung in Sprachen und in anderen den Geist erhebenden Kenntnissen, vornehmlich der Blumenmalerei, in welcher sie echt künstlerische Arbeiten vollendete. Mehrere Jahre hindurch waren ihre Blumen- und Fruchtstücke die Zierde der Wiener Ausstellungen, und ein vollendet schönes Blumenbild prangt unter den Meisterwerken alter und neuer Kunst in der k. k. Belvedere-Gallerie: es ist ein Blumengehänge um ein Grau in Grau gemaltes Basrelief (Höhe: 2 Fuß 2 Zoll, Breite: 1 Fuß 9 Zoll), ein sogenanntes Silentium; es ist nur mit ihrem Vornamen Pauline und mit der Jahreszahl 1834 bezeichnet und auf Leinwand gemalt. Sonst befinden sich ihre Bilder meist im Besitze ihrer nächsten Angehörigen, als ihrer Schwestern Stephanie, Philippine, Ihres Gemals Sr. Excellenz des Staatsministers Ritter von Schmerling, welcher davon allein 14 Stücke besitzt, seiner zwei Brüder Rainer und Moriz, im Besitze des Letzteren 2, ferner Sr. kais. Hoheit des Herrn Erzherzogs Franz Karl, Ihrer Excellenz der Frau [61] Baronin Prokesch-Osten, der Familie des Arztes und Professors Dr. Joseph Berres 2, ihrer Lehrer Franz Petter und Joseph Bergmann, und des k. k. Beamten Joseph Fladung je 1. Was ihre Arbeiten betrifft, so hatte sie ein für den Zauber der Blumenfarbe besonders empfängliches Auge. Sie wußte den Moment, wo die Blume ihr schönstes glühendstes Leben ausstrahlt, zu erlauschen und magisch festzubannen; ihre Zeichnung ist bestimmt, ihre Farbe lebhaft, die Behandlung der Formen zart, weich und naturgetreu. Bergmann nennt sie treffend die österreichische Rachel Ruysch.

Wiener Zeitung 1840, Nr. 323, S. 2233: Biographie von Dr. Ludw. Aug. Frankl. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, B. Fr. Voigt, kl. 8°.) XVIII. Jahrg. (1840), S. 840, Nr. 252. – Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode (Wien, 8°.) Jahrg. 1840, Nr. 146, S. 1163: „Tod der Frau Pauline v. Schmerling, geb. Freiin v. Koudelka“. Von Karoline v. Pichler. – Oesterreichischer Zuschauer, herausgegeben von Ebersberg (Wien, 8°.) Jahrg. 1840, Nr. 108, S. 1083: Nekrolog von L. F.(ürstedler). – Siebentönige Lyra, angeklungen von Caroline Pichler, geb. Edl. v. Greiner, Johanna Freiin v. Nell, Joseph Ritter v. Hammer, Joseph Bergmann, Franz v. Elsholtz, Max Löwenthal und Ludwig August Frankl, zur Vermälungsfeier des Fräuleins Pauline Freiin von Koudelka mit Herrn Anton Ritter von Schmerling. Am 21. April 1835 (Wien, 4°.) [eine sinnige Spende von sieben Hochzeitsliedern]. – Bergmann (Joseph), Medaillen auf berühmte und ausgezeichnete Männer des österreichischen Kaiserstaates vom XVI. bis zum XIX. Jahrhunderte (Wien 1844 u. f., Tendler, 4°.) S. 441 [in einer der Anmerkungen zu der Beschreibung der Medaille auf Joh. Nep. Ritter von Dickmann-Secherau]. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 263.