BLKÖ:Koudelka, Joseph Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kouble, Joseph Franz
Band: 13 (1865), ab Seite: 58. (Quelle)
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Koudelka, Joseph Freiherr (k. k. Feldmarschall-Lieutenant, geb. zu Wien im Jahre 1773, gest. am 20. Mai 1850). Begann seine militärische Laufbahn als Stabs-Fourier. Bald rückte er zum Stabsquartiermeister-Lieutenant vor und wurde bis zum Jahre 1816, welche Zeit hindurch er immer im General-Quartiermeisterstabe gedient, Oberst in demselben, führte seit Juli 1813 die Leitung der Geschäfte des General-Quartiermeisterstabes und wurde im folgenden Jahre in Anerkennung seiner in den Befreiungskriegen geleisteten ausgezeichneten Dienste mit dem Commandeurkreuze des Leopold-Ordens belohnt, zu welchem noch russischerseits jener des Annen-Ordens hinzukam. Im Jahre 1815 wurde er General-Quartiermeister unter Frimont [Bd. IV, S. 363] in Italien und schloß als solcher am 11. Juli den Waffenstillstand mit Marschall Suchet in Lyon ab. Vom September 1815 bis März 1816 war er Chef des General-Quartiermeisterstabes der Armee, erhielt dann das Commando des Infanterie-Regiments Erzherzog Karl Nr. 3, wurde 1820 zum General-Major und 1831 zum Feldmarschall-Lieutenant befördert. Er ward zumeist bei der Armee in Italien und als Divisionär zuletzt in Bregenz verwendet. Nach 48jährigen ausgezeichneten Diensten trat er im Jahre 1837 in den Ruhestand. Früher noch, im Jahre 1826, hatte er, den Statuten des Leopold-Ordens gemäß, die Freiherrnwürde erlangt und war 1834 zum Inhaber des 40. Infanterie-Regiments – früher Ferdinand Herzog von Württemberg, jetzt Roßbach – ernannt worden. K., der seit 1795 an allen Kriegsereignissen thätigen Theil [59] genommen, war, wie sein Nekrologist meldet, „einer jener Veteranen der österreichischen Armee, die derselben stets als Muster der Intelligenz, des Heldenmuthes und der Humanität vorleuchten“. Während seines Ruhestandes, den er noch 13 Jahre genoß, lebte er ganz seinen Lieblingsstudien: der Musik, dem Zeichnen und der Malerei. In der Musik, namentlich in der alten Kirchenmusik und ihrer Geschichte, war K. ein gründlicher Kenner. Auch war er ein tüchtiger Zeichner und Maler, ein Talent, mit welchem seine Tochter Pauline [s. d. Folgende] ihren Künstlernamen begründete. Koudelka selbst hat eine ganze Folge von Blättern mit der Radirnadel ausgeführt, und es ist ein Heft von 45 Blättern in Qu. Fol. vorhanden, mit dem Titel: „Etudes a l’eau forte dediées a Madame la Baronne Koudelka, née Baronne Wezlar Blankenstern 1844“, welches Arbeiten aus den Jahren 1814, 1816, 1839, 1840 und 1841 u. z. Landschaften, darunter einige aus Wiens Umgebung, enthält. Mehrere dieser Radirungen sind mit den Buchstaben J. K. auch mit K. allein, bezeichnet, andere ermangeln dieser Bezeichnung. K., ein durch und durch genialer Kopf, führte, was er erfaßte, mit Ausdauer und Geschick durch. Freiherr Koudelka war mit Katharina Freiin Wetzlar von Blankenstern vermält, aus welcher Ehe folgende Kinder stammen: Pauline [siehe die Folgende], Stephanie, vermält (seit 8. October 1834) mit Eugen Freiherrn von Dickmann-Secherau (gest. 1863, siehe mein Lexikon, Bd. III, S. 279); Rudolph, seit 27. Mai 1859 Feldmarschall-Lieutenant, nachmals Truppen-Commandant in Großwardein, jetzt in Pension; Philippine, vermält mit dem ungarischen Edelmanne und k. k. Kämmerer Ignaz von Besznak, und Flora, bekannt als ausgezeichnete Pianistin und Tonsetzerin, vermält gleichfalls mit einem ungarischen Edelmanne, Herrn von Döry. Freiherr von Koudelka wurde 77 Jahr alt und liegt auf dem Friedhofe zu Hietzing begraben.

Oesterreichischer Soldatenfreund (Wien, 4°.) Jahrg. 1850, Nr. 62, S. 279; Jahrg. 1853, S. 688. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, B. F. Voigt, kl. 8°.) XXVIII. Jahrg. (1850), S. 921, Nr. 259. – Oesterreichisches Militär-Konversations-Lexikon, herausg. von J. Hirtenfeld (Wien 1850, 8°.) Bd. III, S. 620. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliograph. Institut, gr. 8°.) IV. Supplement-Band, S. 329. – Freiherrnstands-Diplom vom 10. Mai 1834. [Obgleich die Erhebung Koudelka’s zum Freiherrn statutenmäßig schon am 17. August 1826 erfolgt war, so wurde sein Diplom doch erst am 10. März 1834 ausgefertigt.] – Obige Mittheilung über das Heft mit den 45 von K. selbst radirten Landschaftblättern verdankt der Herausgeber dieses Lexikons der schon oft erprobten Gefälligkeit des gelehrten Herrn Regierungsrathes und Directors des k. k. Münz- und Antikencabinetes Joseph Bergmann, der dieses ihm bis dahin völlig unbekannte Heft erst kürzlich antiquarisch angekauft hat. – Wappen. Ein von Blau und Gold siebenmal in die Quere in drei senkrechten Reihen geschindelter Schild. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone, auf welcher sich drei gekrönte Turnierhelme erheben. Auf der Krone des mittleren in’s Visier gestellten Helms ruht ein geharnischter, mit goldenen Spangen gezierter, auf den Ellenbogen gestützter, in der bloßen Hand ein blankes Schwert an einem goldenen Gefäße zückender Arm. Aus den Kronen des rechten und des linken nach innen gekehrten Helmes ragen je drei wallende Straußenfedern, je eine goldene zwischen zwei blauen. Die Helmdecken sind zu beiden Seiten der drei Helme blau mit Gold unterlegt. Die Schildhalter sind zu beiden Seiten zwei goldene, sich aufbäumende und auswärts sehende Rosse mit fliegenden Mähnen, zurückgeschlagenen Schweifen und vorgestreckten rothen Zungen.