BLKÖ:Petter, Franz Xaver

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 22 (1870), ab Seite: 137. (Quelle)
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Petter, Franz Xaver (Blumenmaler, geb. zu Wien 22. October 1791, gest. ebenda 11. Mai 1866). Sollte sich nach dem Wunsche seines Vaters Jacob Petter (geb. 1758, gest. 1842), welcher als Landschaftsmaler in der k. k. Porzellan-Fabrik in Wien angestellt war, gleichfalls diesem Fache widmen, da er jedoch zur Oelmalerei eine entschiedene Neigung in sich trug, begann er 1811 unter Anleitung des damaligen akademischen Correctors der Blumenmalerei, Sebastian Wegmaier (gest. 1838), die Werke des tüchtigen Blumenmalers Professor Johann Drechsler zu studiren und durch fortgesetzte Studien nach der Natur bildete er sich in Farbenharmonie und Composition aus. Auf Anrathen [138] und Verwendung des Joseph Freiherrn von Sonnenfels, damaligen Präses der Akademie, in dessen Hause Petter ein gern gesehener Gast ward, kam er zu Anfang des Jahres 1814 als provisorischer Corrector in die akademische Blumenzeichnungsschule, welche Stelle er unentgeltlich versah. Nach Drechsler’s Tode erhielt Wegmaier die Professur und P. wurde im November 1815 wirklicher Corrector, 1832 Professor der akademischen Manufactur-Zeichnungsschule und Ehrenmitglied der Mailänder Kunstakademie, 1835 ordentlicher akademischer Rath und im selben Jahre in Folge seiner besonderen Verdienste um Manufactur-Zeichnung, Director der genannten Schule. Auch war P. in den J. 1825–1830 der Lehrer der geschätzten Künstlerin in der Blumenmalerei, Frau Pauline von Schmerling, geb. Freiin von Koudelka [Bd. XIII, S. 60], Gattin des gewesenen Staatsministers, und später fiel auf ihn die Wahl zum Lehrer im Blumenmalen für die Erzherzogin Maria Henriette, nachmalige Herzogin von Brabant, jetzige Königin der Belgier. Als im Jahre 1849 anläßlich der Reformen der k. k. Akademie der bildenden Künste die Manufacturschule aufgehoben wurde, erfolgte zu gleicher Zeit Petter’s Versetzung in bleibenden Ruhestand. Groß ist die Zahl der Bilder, welche Franz gemalt; seit 1816 bis 1858 hat P. in den Jahres-Ausstellungen der Akademie der bildenden Künste bei St. Anna in Wien und in den Monats-Ausstellungen des österreichischen Kunstvereins seine Blumen und Fruchtstücke, Stillleben u. dgl. m. dem Publicum vorgeführt. Unter diesen sind besonders von den in der Akademie der bildenden Künste ausgestellten hervorzuheben, im Jahre 1824: „Blumen“ und Früchtenstück“; – 1828: „Austern und Krebse“; – „Austern und Häringe“; – 1830: „Früchtenstück mit einem Arras“; – 1834: „Blumen, Früchte und ein Papagei“; – „Früchtenstück mit zwei Papageien“; – 1835: „Blumen, Früchte und Vögel“; – 1837: „Rosen und Früchte“; – 1839: „Rosen in einem Topfe“; – „Blumen in einem Korbe“; – „Georginen in einem Topfe“; – 1840: „Rosen“; – „Todtes Geflügel“; – 1842: „Rosen“, für Ihre Majestät die Kaiserin; – 1846: „Blumen und Früchte“; – „Waldblumen“ (100 fl.); – „Blumen“ (300 fl.); – „Früchte“ (60 fl.); – 1848: „Jahreslauf in Blume und Frucht“ (250 fl.), eines der reizendsten Bilder des Meisters; – 1858: „Waldblumen“; – „Rosen“; – und in den Monats-Ausstellungen des österreichischen Kunstvereins, 1852: „Waldblumen und Erdbeeren“; – „Rosen und Windling“, beide Privateigenthum; – „Blumen“; – „Waldblumen“, beide Eigenthum der Frau Erzherzogin Maria Dorothea; – 1857: „Waldblumen“ (460 fl.); – „Blumenstück mit religiösen Emblemen“ (Eigenthum Ihrer Maj. der Kaiserin Karolina Augusta); – 1858: „Waldblumen“ (300 fl.); – 1856: „Blumen“ (60 fl.); – „Waldblumen“ (220 fl.); – 1857: „Waldblumen“ (100 fl.); – „Trauben“ (250 fl.); – 1858: „Früchte und Blumen“ (180 fl.); – „Rosen“ (120 fl.). Außerdem befinden sich viele Arbeiten des Künstlers in der Belvedere-Gallerie und im Privatbesitze mehrerer Mitglieder des Allerh. Hofes und auswärtiger Höfe; in den verschiedenen Gallerien des hohen Adels und der zahlreichen Kunstfreunde. P.’s Bilder zeichnen sich durch die geschmackvolle und richtige Anordnung und die Naturwahrheit der Blumen, Früchte und Thiere aus, in den letzteren Jahren waren es besonders die Waldblumenbilder, [139] welche die Aufmerksamkeit der Kunstkenner auf sich zogen, und in der That ist es P., der die so lange vernachlässigte Blumenmalerei wieder in Aufnahme gebracht und dafür allenthalben den Sinn geweckt hat, woran seine Kunstfertigkeit und sein angeborner feiner Geschmack den wesentlichsten Antheil haben. Im höheren Alter, als durch die Last der Jahre seine physischen Kräfte bereits geschwächt waren, übte P. seine Kunst nur noch in der Aquarellmalerei. Noch in der akademischen Ausstellung vom Jahre 1864 befanden sich zwei ausgezeichnete schöne Bilder von seiner Hand, denen nicht anzusehen war, daß sie das Werk eines 73jährigen Greisen, der erst von einer Todeskrankheit genesen und der auch zwei Jahre später altersmüde starb. Nebenbei sei noch bemerkt, daß er ein großer Musikfreund und im engeren Kreise als vorzüglicher Streichquartettist bekannt war. Von seinen beiden Söhnen Theodor [s. d. S. 142] und Gustav [s. diesen in Theodor’s Biographie zu Ende des Textes S. 143] übt der Erstere die Kunst des Vaters in einer eigenen, von ihm zuerst in Anwendung gebrachten Richtung.

(Hoffinger, Jos. Ritter v.) Oesterreichische Ehrendalle (Wien, A. Schweiger, gr. 8°.) IV. Bd. (1866) [Separat-Abdruck aus dem österreichischen Volks- und Wirthschafts-Kalender für 1868), S. 77. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. VI, Suppl, S. 575. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, Fleischmann, 8°.) Bd. XI, S. 194. – Kataloge der Jahres-Ausstellungen in der Akademie der bildenden Künste bei St. Anna in Wien in den Jahren 1816, 1820, 1822, 1824, 1828, 1830, 1832, 1834 bis 1840, 1842 bis 1848, 1850, 1852 u. 1858. – Verzeichnisse der Monats-Ausstellungen des österreichischen Kunstvereins, 1852, Jänner, Mai, December; 1855, Mai; 1856, Jänner, März, October; 1857, Jänner, Februar, Mai; 1858, Jänner, Mai, September, October.