BLKÖ:Teirich, Valentin

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 43 (1881), ab Seite: 219. (Quelle)
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Teirich, Valentin (Kunstschriftsteller, geb. in Wien 23. August 1844, gest. ebenda am 8. Februar 1876). Der jüngere Sohn eines noch lebenden geachteten Wiener Schulmanns. Unter des Vaters Augen im Hause sowohl als in der Gymnasial- und Realschule sorgfältig gebildet, bezog er das Technicum, welches er 1863, 19 Jahre alt, mit Auszeichnung verließ. Frühzeitig hatten sich in ihm die Anlagen zur Kunst entfaltet, wobei er sich aber stets als sehr gewandter Mathematiker und Constructeur zeigte. Glücklicherweise fiel seine künstlerische Entwicklung in eine Zeit, da in Wien eine neue Aera der Kunst, oder richtiger gesagt, eben die Aera der Kunst begann, denn was in der Zeit vor derselben geleistet wurde, waren nur überraschend gelungene Werke Einzelner, deren Genius sich trotz alledem Bahn brach (wir nennen beispielsweise Amerling, Fendi, Gauermann, Ranftl). In die Akademie der bildenden Künste aufgenommen, lag er den Studien daselbst zunächst unter F. Schmidt’s [Bd. XXX, S. 244, Nr. 37] Leitung ob; dabei aber trieb er zur höheren Ausbildung Aesthetik und Philosophie an der Universität und erlangte, durch mehrere Preise ausgezeichnet, das Stipendium zu einer Reise nach Italien, welche er im Alter von 21 Jahren mit der ganzen Begeisterung einer für das Schöne herangebildeten Jünglingsseele antrat. Ein Jahr nur währte sein Aufenthalt daselbst, aber die Eindrücke, die er dort empfangen hatte waren so mächtig, daß er später sechsmal immer wieder nach Rom, Florenz, Venedig wallfahrtete, um seinen Kunstsinn an den italienischen Kunstwerken zu läutern. Von jeder Ausfahrt brachte er reiche Mappen mit Skizzen und Studien heim. Insbesondere hatte ihn das Kunstleben des Quattrocento an- und allmälig von dem Formenschema der Gothik, in welchem er bisher zu befangen gewesen, abgezogen. So ward er nach und nach einer der eitrigsten und begabtesten Kenner der Renaissance und einer ihrer hervorragendsten Vertreter. In der Akademie trat er bald in die Schule des Professors Van der Nüll [Bd. XX, S. 222] ein, dessen Einfluß auf ihn ein mächtiger wurde. Des Meisters ausgesprochener Sinn für die decorative Seite der Kunst ging auf den begabten, nach dieser Seite sich besonders entwickelnden Schüler über. Von der Architectur wurde Teirich naturgemäß auf das Kunstgewerbe hinübergeleitet, und nach dieser Richtung mit allem Eifer arbeitend, vervollständigte er durch Reisen, auf welchen er ganz Oesterreich, Deutschland, Holland und Belgien besuchte, seine Kenntnisse in der deutschen Renaissance. Nebenbei – zur Erholung – trieb er Musik, aber auch hier an den Classikern, wie Beethoven, Mozart, sich erquickend, oder läuterte seinen Geist an den Genien der classischen Literatur. Der Besuch der Weltausstellungen in Paris, später in London, sowie die schon erwähnten Reisen nach Italien erweiterten seinen Gesichtskreis und vollendeten seine umfassende vielseitige künstlerische und ästhetische Ausbildung. Während er kleinere Arbeiten in der „Stuttgarter Gewerbehalle“ und Abhandlungen über das Kunsthandwerk in der „Neuen Freien Presse“ und in der „Wiener Abendpost“, einer Beilage der amtlichen [220] „Wiener Zeitung“, veröffentlichte, erschien als Frucht seiner Reise nach Paris sein erstes größeres selbständiges Werk: ,Die moderne Richtung in der Bronce- und Möbelindustrie nach Wahrnehmungen auf der letzten Weltausstellung“ (Wien 1868), welches in Kunstkreisen gerechte Würdigung fand. Im Jahre 1868 wurde er zum Docenten an der Kunstgewerbeschule des österreichischen Museums und gleichzeitig zum Docenten an dem k. k. polytechnischen Institute ernannt. 1870 trat er aushilfsweise in den Lehrerkreis der Kunstgewerbeschule, und zwar für die Vorbereitungsclasse, wo er schon im folgenden Jahre als provisorischer Professor Anstellung fand. 1872 erhielt er Titel und Charakter eines wirklichen Professors. Während seiner Wirksamkeit am österreichischen Museum vollendete er für dasselbe eine Reihe von Entwürfen aller Art, insbesondere für die Möbel-, Bronce- und Thonwaaren-Industrie. Auf Antrag des genannten Institutes gewährte ihm nun das Handelsministerium eine reichliche Subvention für Studienreisen in Italien, welche zunächst seinem Plane, ein Musterwerk von eingelegten Arbeiten und Broncen zu entwerfen, dienen sollten. So entstand das große Prachtwerk: „Die Ornamente aus der Blütezeit der italienischen Renaissance. Originalaufnahmen der vorzüglichsten Arbeiten in Holzmosaik (Intarsien)“ (Wien 1871), wodurch der junge Künstler in weiteren Kreisen in vortheilhaftester Weise bekannt wurde. Im Jahre 1872 gründete er im Vereine mit dem für Förderung und Vervollkommnung des österreichischen Holzschnittes hochverdienten Schürer von Waldheim [Bd. XXXII, S. 122] die „Blätter für Kunstgewerbe“, womit er der vaterländischen Kunstindustrie einen festen literarischen Mittelpunkt zu schaffen und durch Vorführung der besten mustergiltigen Werke aller Kunstperioden den Styl und Charakter ihrer eigenen Ausführungen zu heben, die Absicht hatte. In fünf Jahrgängen, bis zu seinem Tode, nachdem er seines Leidens wegen bereits seine Lehrstelle am österreichischen Museum – in welcher Karl Ströhl sein Nachfolger wurde – aufgegeben hatte, führte er die Redaction seiner Zeitschrift, darin einen wahren Schatz von Monographien über ausgewählte Capitel der Kunstgeschichte oder Kunsttechnik, ausgestattet mit den sorgfältigst ausgeführten bildlichen Darstellungen, niederlegend. Als Vervollständigung des oberwähnten Intarsienwerkes ließ er dann erscheinen: „Die eingelegten Marmorornamente des Mittelalters und der Renaissance in Italien“ (Wien 1874), das wie sein früheres zum Zeichenunterrichte und in Kunstwerkstätten seine Dienste leisten sollte. Um dieselbe Zeit gab er auch in prächtiger Ausgabe eine Monographie. betitelt: „Cabinet, im Auftrage Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph I. entworfen“ (Wien 1874) heraus: es ist dies eine musterhafte Composition Teirich’s, begleitet von einem erläuternden Texte, nämlich einer Abhandlung über die Geschichte des Kunstschrankes. Dieses Werk ist – wenn Herausgeber nicht irrt – nicht in den Handel gekommen. Das letzte Jahr seines kurzen Lebens – er wurde nur 32 Jahre alt – widmete er der Herausgabe eines großen Kupferwerkes über „Die Broncen der italienischen Renaissance“. Der Tod wand ihm die Feder aus der Hand; er knickte vorzeitig ein junges Leben, das gewiß noch Großes und Herrliches dargebracht hätte. In einer kranken Brust – denn Teirich war seit Jahren leidend – flammte das heilige Feuer der Kunst. Mit glühender [221] Sehnsucht, mit rastlos strebendem Geiste und einer für seinen kranken Körper bewunderungswürdigen Ausdauer lebte er bis zu seinem letzten Athemzuge seinen Idealen. Sein Tod riß eine Lücke, die kaum so rasch ausgefüllt werden dürfte.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst (Leipzig, 4°.) Bd. XI, S. 626 u. f. – Neue Freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1876, Nr. 4116 und 4118. – Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1876, S. 3299, 3300. Von Lübke.Beilage zur Wiener Abendpost, 1874, Nr. 284, 1876, Nr. 37.