BLKÖ:Ziegler, Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 60 (1891), ab Seite: 56. (Quelle)
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Ziegler, Karl (österreichischer Poet, geb. zu St. Martin in Oberösterreich am 12. April 1812, gest. in Wien am 20. Mai 1877). Erst vier Jahre alt, verlor er seinen Vater, einen in sehr guten Verhältnissen lebenden herrschaftlichen Pfleger, durch den Tod. Mit der Mutter, die sich wieder verheiratete, und den Geschwistern übersiedelte er 1818 nach Wien. Als aber der Stiefvater die provisorische Syndicusstelle zu Mödling bei Wien annahm, ging auch die Familie dahin und blieb daselbst bis zum Jahre 1823, in welchem sie wieder nach der Hauptstadt zurückkehrte. 1817 begann Ziegler die philosophischen Studien, aber poetische Neigungen und eine früh angesponnene Liebschaft veranlaßten ihn, baldigste Versorgung zu suchen und nach einer Kanzleianstellung zu streben, die er denn auch 1835 bei der k. k. Schulbücherverlagsdirection fand, in welcher er bis zu seiner nach 22jähriger Dienstleistung erbetenen Versetzung in den Ruhestand thätig blieb. 1845 verheiratet, verlor er schon nach zweijähriger Ehe seine Gattin durch den Tod, welche ihm 1846 ein Töchterlein geboren hatte, das sich im Alter von 21 Jahren, im März 1867, mit dem Buchhändler Ludwig Taube in Salzburg verehelichte. Im September 1867 schritt er zur zweiten Ehe, und zwar mit einer jungen Salzburgerin, Rosa geborenen Strnad. Auf mehreren Reisen in den Jahren 1830, 1831, 1835 und 1855 besuchte er sein Heimatland Oberösterreich, 1857 München und 1862 Stuttgart, von wo er auf der Rückreise Nürnberg und Regensburg kennen lernte. Im letztgenannten Jahre folgte er auch der Einladung eines Freundes nach Triest, und 1864 und 1867 dehnte er seine Ausflüge bis nach Venedig aus. Frühzeitig erwachten seine poetischen Regungen; der mehrjährige Aufenthalt in einer der reizendsten Gegenden in Wiens Nähe und öfterer Besuch der Theater der Residenz weckten und nährten die jugendliche Phantasie, welche sich schon im Alter von sieben Jahren zu regen begann. Als er 14 Jahre alt war, erblickte er in der Poesie den Mittelpunkt seines Lebens, das Ziel seines Strebens und wurde dadurch zu eigenem Nachtheil von ernster wissenschaftlicher Arbeit abgelenkt, die bei seiner unleugbar hohen poetischen Begabung von bildendem Einfluß für ihn gewesen wäre. Sein erstes Gedicht erschien im März 1832, es war eine Ode an den Sänger Wild, die von seinem älteren Bruder ohne sein Wissen unter dem Pseudonym Carlopago, einem Spitznamen, den ihm derselbe im [57] Familienkreise zu geben pflegte, veröffentlicht wurde. Von nun ab erschienen seine Gedichte in Zeitschriften und Taschenbüchern unter obigem Pseudonym, den er bis 1856 beibehielt. Im Jahre 1843 kam seine erste Sammlung „Gedichte“ bei Brockhaus in Leipzig heraus. Vorher aber hatte er mit einigen literarischen Freunden eine Art Musenalmanach in Heften herauszugeben begonnen, welches Unternehmen jedoch schon mit dem 5. Hefte seinen Abschluß fand. Im Laufe der Jahre gab er noch einige Gedichtsammlungen unter folgenden Titeln: „Himmel und Erde“ (Wien 1856); – „Oden“ (Salzburg 1866) und „Vom Kothurn der Lyrik“ (ebd. 1869) heraus. Zwei Trauerspiele, in den Jahren 1834 und 1836 geschrieben, blieben ungedruckt. Die Kritik nahm seine Dichtungen mit großem Wohlwollen auf. Bornmüller zählt ihn zu den „formfeinsten österreichischen Dichtern der neuesten Zeit“; einschränkender beurtheilt ihn Adolf Stern, nach welchem er „zu den besseren, weil einfacheren deutsch-österreichischen Poeten“ gehört.

Neue illustrirte Zeitung (Wien, Zamarski, kl. Fol.) 1877, Nr. 22. – Illustrirte Zeitung (Leipzig J. J. Weber, kl. Fol.) 1. September 1877, Nr. 1783. – Kehrein (Jos.). Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhunderte (Zürich, Stuttgart und Würzburg 1871, Leo Wörl, gr. 8°.) Bd. II, S. 282. – Bornmüller (F.). Biographisches Schriftsteller-Lexikon der Gegenwart. Die bekanntesten Zeitgenossen auf dem Gebiete der Nationalliteratur aller Völker mit Angabe ihrer Werke (Leipzig 1882, Bibliogr. Institut, br. 18°.) S. 784. – Stern (Adolf), Lexikon der deutschen Nationalliteratur (Leipzig, bibliogr. Institut 1882. br. 12°, S. 404. – Kurz (Heinrich). Geschichte der neuesten deutschen Literatur (Leipzig 1872, Teubner, schm. 4°.) S. 38a. – Oesterreichischer Volksfreund (Wiener Parteiblatt) 1864, Nr. 244 im Feuilleton [darin wird Carlopago mit dem Dichter Otto Prechtler verwechselt, denn dieser und nicht Ziegler war einige Zeit Großmeister der Wiener Rittergesellschaft „Grüne Insel“. Carlopago war gar nicht Mitglied derselben].