BLKÖ:Niembsch Edler von Strehlenau, Nikolaus

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Niegowiecki, Jacob
Nächster>>>
Niembsch
Band: 20 (1869), ab Seite: 324. (Quelle)
Nikolaus Lenau bei Wikisource
Nikolaus Lenau in der Wikipedia
GND-Eintrag: 118571508, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Niembsch Edler von Strehlenau, Nikolaus|20|324|}}

Niembsch Edler von Strehlenau, Nikolaus (österreichischer Dichter, geb. zu Csatad im Banat 13. August 1802, gest. zu Döbling bei Wien 22. August 1850). Sein Vater Franz war Beamter der königlichen Cameralherrschaft Csatad, der wegen anhaltender Kränklichkeit seinen Dienst aufgeben mußte, worauf er sich mit seiner Gattin Therese, der Tochter einer wohlhabenden Ofner Bürgerin, Namens Maigraber, zu derselben nach Ofen begab und dort im Frühlinge 1807 – erst 29 Jahre alt – seinem Leiden erlag. In Ofen erhielt N. den ersten Unterricht, besuchte die deutschen und lateinischen Schulen und lernte überhaupt leicht. Seine Lieblingsunterhaltung in diesen Knabenjahren war der Vogelfang, und beim Meisenlocken, erzählt sein Schwestermann Schurz, erlernte er das Pfeifen mit dem Munde, worin er es, wie es noch manche seiner lebenden Freunde zu erzählen wissen, zu einer Virtuosität seltener Art gebracht hat. Gottesfurcht und Frömmigkeit bildeten einen ausgesprochenen Zug seiner Knabenseele. Vor einem zum Altare hergerichteten Stuhle die Messe zu lesen, bereitete ihm die größte Freude. Sein erster Beichtgang blieb ihm sein lebenlang eine süße Erinnerung. Aus dieser Frömmigkeit des Knaben leitet Schurz die Wahl der religiösen Stoffe: Albigenser, Savonarola, welche der Dichter behandelte. Als sich nach mehreren Jahren seine Mutter zum zweiten Male mit einem Arzte verheirathete, übersiedelte sie nach Tokay. N. verlebte dort das fünfzehnte und sechzehnte Lebensjahr in ungetrübter süßer Fröhlichkeit. Ein junger Ungar, Namens Joseph von Kövesdy, war sein Lehrer, der mit ihm die Gegenstände durcharbeitete, die zu jener Zeit in den zwei Lycealcassen, welche man Poesie und Rhetorik nannte, gelehrt wurden. In Ujhely – denn in Tokay befand sich kein Gymnasium – legte N. die Prüfungen mit so glänzendem Erfolge ab, daß die Professoren über sein Talent in Staunen geriethen. Um diese Zeit wünschte sein Großvater väterlicher Seits, Joseph Niembsch, damals Oberst und Commandant der Haupt-Monturscommission zu Stockerau und bald darauf mit dem Prädicate Edler von Strehlenau in den erbländischen Adelstand erhoben, daß sein Enkel die Studien in Wien fortsetze. Schwer war die Trennung von Mutter und Sohn, die mit zärtlichster Liebe aneinander hingen, aber N., der ohne Vermögen war, sollte sich für eine öffentliche Stellung heranbilden und dazu bot die Kaiserstadt die beste und entsprechendste Gelegenheit. So kam Niembsch im J. 1819 nach [325] Wien und eine von Joh. Gabr. Seidl in den Frankl’schen „Sonntagsblättern“ 1848, Nr. 5 mitgetheilte Schilderung des jungen Deutsch-Ungars, der mit Seidl dasselbe Collegium besuchte, zeichnet mit Schärfe das tiefernste, verschlossene, unerschrockene Wesen, das auch später einen Grundzug seines Charakters bildete. Mit seinem nachmaligen Schwager Schurz – dieser heirathete im August 1821 Niembsch’ Schwester Therese und blieb bis zu des unglücklichen Dichters traurigem Ende dessen innigster, treuester und aufopfernder Freund – wurde N. im großelterlichen Hause zu Stockerau bekannt und bald innig befreundet. Nach des Großvaters Wunsch sollte N. die Rechte studiren, er gab auch diesem Verlangen nach, um aber die lange Studienzeit der deutschen Universitäten nach Thunlichkeit zu beseitigen, entschloß er sich, freilich gegen die Ansicht seines Großvaters, für das ungarische Recht, dessen Studium nur halb so lange dauerte und wodurch ihm auch die ersehnte Möglichkeit ward, mit seiner Mutter vereint zu leben. In der That übersiedelte auch die Letztere, um bei ihrem Sohne sein zu können, von Tokay nach Preßburg, wo nun N. an der dortigen Akademie sein Berufsstudium begann. Mit dieser Wahl war, wie gesagt, der Großvater, der auf das ungarische jus nicht zu große Stücke hielt, nicht einverstanden, und die zwischen ihm und dem Enkel darüber entstandene Verstimmung wurde erst kurz vor des Großvaters Ableben ausgeglichen. Als dieses bald darauf eintrat – im Juli 1822 starb der 76jährige Oberst zu Stockerau – gab N. auch das Studium der ungarischen Rechte auf und ging zur Landwirthschaft über, zu welchem Zwecke er sich nach Ungarisch-Altenburg begab, wo die von dem Erzherzog Karl errichtete Ackerbauschule ihre segensvolle Wirksamkeit entfaltete. Auch die Mutter mit ihrem Gatten folgte dem Sohne dahin. Während seines Aufenthaltes in Ungarisch-Altenburg schrieb N., wie Schurz meldet, seine ersten Gedichte, welche jedoch niemals bekannt geworden und wahrscheinlich verloren gegangen sind. In den bei und um Altenburg gelegenen weiten Pußten, welche N. ihrem ganzen Charakter nach kennen zu lernen genug Gelegenheit gehabt, will Schurz auch die Grundtöne finden zu den mit so unheimlich schwermüthiger Wahrheit gedichteten „Haidebildern“, zu denen die Gedichte: „Ahasver“, „Die Haideschenke“, „An die Wolke“, Himmelstrauer“, „Der Invalide“ gehören. In Ungarisch-Altenburg blieb N. nicht länger als ein Jahr, war es, daß diese Richtung menschlicher Thätigkeit seinem Schaffensdrange und geistigem Arbeiten nicht zusagte, sei es, daß er für den Fall, als er eine Scholle selbst bebauen sollte, sich genug angeeignet zu haben glaubte, um auch diese Aufgabe zu lösen, genug, nach einem Jahre sagte er der Landwirthschaft Ade und kehrte wider alles Erwarten zu den Rechten, dieses Mal aber zu den deutschen, zurück und begab sich zu diesem Zwecke im Herbste 1823 in Begleitung seiner geliebten Mutter nach Wien, die auch bei ihm daselbst bis an ihr im October 1829 erfolgtes Ende beständig wohnte. In den Jahren 1824–1826 lag N. dem Studium der Rechtswissenschaften ob, natürlich in seiner Art und Weise, d. h. er studirte einige Zeit mit anhaltendem Fleiße, dann aber kümmerte er sich wochen-, ja monatelang nicht um Bücher und Professoren und lebte mit seinen Freunden in Apolline in Neuner’s [326] „silbernem Kaffeehause“ und spielte mit Meisterschaft Billard, dichtete wohl auch, suchte heitere Gesellschaft, die ihm vor Allem Bedürfniß war; „er brauchte“, schreibt Schurz, „äußere Hilfsgenossen gegen den inneren Feind. Wäre er ein Fürst des Mittelalters gewesen, er hätte sich zehn Hofnarren neben einander gehalten“. So waren drei Jahre mit dem juridischen Studium vergangen, als er es auch aufgab und mit einem Male – Medicin zu studiren begann. Er machte es damit wie mit jenem der Rechte. „Randweise“, wie Schurz es treffend nennt, trieb er es mit ganzem Ernste, namentlich wenn es gegen die Prüfung ging, die er dann jedesmal mit ausgezeichnetem Erfolge bestand. Von 1827 bis 1830 hatte er den medicinischen Studien obgelegen, in der Zwischenzeit aber einen herben Verlust erlitten, im October 1829 war seine Mutter gestorben, die ihn über Alles zärtlich liebte. Nach dem Tode seiner Mutter wohnte N. längere Zeit gemeinschaftlich mit einem jungen galizischen Edelmanne, Namens Nikolaus Boloz von Antoniewicz, der wahrscheinlich ein Bruder des Dichters und berühmten Kanzelredners Karl Boloz von Antoniewicz [Bd. I, S. 48] war. Dieser Freund war selbst ein Dichter und N. übersetzte auch dessen Gedicht: „Abschied von Galizien“, das sich in Lenau’s Gedichten befindet, aus dem Polnischen. Diese freundschaftliche Verbindung, wie der um diese Zeit ausgebrochene Polenaufstand, den Alles, was ein Herz hatte, im Geiste mitkämpfte und dabei stets auf der Seite der Unterdrückten stand, gab Veranlassung zu den vier in seiner Gedichtensammlung enthaltenen herrlichen Polenliedern, zu denen außer dem Vorgenannten noch die drei: „Der Polenflüchtling“, „In der Schenke“ und „Der Maskenball“ gehören. Im Juni 1830 hatte N. wieder zwei medicinische Prüfungen abgelegt und es fehlte ihm nur noch eine, auf welche er sich nun auch mit dem angestrengtesten Fleiße vorbereitete, als ihn, wohl zunächst in Folge der Ueberanstrengung, ein heftiges Fieber packte und auf’s Krankenlager warf. In den letzten Tagen des Juli sollte er auch die letzte Prüfung machen, statt dessen fesselte ihn Krankheit an’s Zimmer und das Examen mußte aufgeschoben werden. N. machte es nie. Um sich zu erholen, mußte er sofort Wien verlassen und in stärkender Gebirgsluft sollten dem angegriffenen Körper und Geiste wieder ihre Rechte werden. Mit Schurz zusammen reiste er zu dem gemeinschaftlichen Freunde, dem Dichter Schleifer, der am Traunsee in Oberösterreich in einer wunderbar schönen, von den herrlichsten Reizen der Natur geschmückten Gegend wohnte. „Ich halte mir mit der Linken die Rechte“, schreibt Schurz, „damit diese nicht in eine Schilderung unserer Wonnewochen zu Ort sich ergehe“. Ort ist nämlich der Name der Gegend, wo Schleifer am Traunsee wohnte. Der August war rasch dahingegangen und N. zu vollen Kräften gekommen. Anfangs September kehrte er vollkommen gestärkt nach Wien zurück, wo kurze Zeit darauf sein Schicksal für Lebenszeit eine entschiedene Wendung nahm. Seine Großmutter, die Gemalin des schon erwähnten Obersten Niembsch, eine geborne Freiin von Kellersperg, war im hohen Alter von 86 Jahren gestorben und vererbte ein mäßiges Vermögen an ihre zwei Enkel Nikolaus Niembsch und Therese Schurz. Mit dieser Erbschaft gab sich N. zufrieden und ließ alles fernere Studiren sein. Vergebens war das Zureden seiner Freunde, das Doctorat [327] der Medicin, wozu ihm eben nur mehr eine Prüfung fehlte, zu erlangen, um für alle Fälle – da ja doch das mäßige Erbe nicht für alle Zeit vorhalten könne – durch eine öffentliche Stellung sich die Zukunft zu sichern. N. wollte nichts davon wissen, und nur um seine Freunde zu beschwichtigen, versprach er, in Würzburg oder Heidelberg zu promoviren. Vor Allem wollte er nun der Poesie und nur ihr ausschließlich leben. Bisher waren wenige Gedichte von ihm gedruckt worden, das eine im Jahrgange 1828 des Wiener Taschenbuchs Aurora, betitelt: „Jugendträume“; „doch weh, nun naht mit eisernschwerem Gange die Wirklichkeit“, so hatte N. damals ahnungsvoll geschrieben und wahrhaftig, in allem, was nachher über ihn kam im Leben, war der eisernschwere Schritt der Wirklichkeit fühlbar; dieses Gedicht, das erste gedruckte, trug seinen vollen Namen; und das erste, das mit seinem Dichternamen Lenau, sinnig aus den beiden Endsylben seines Prädicates Strehlenau gebildet, erschien, hatte Anastasius Grün an Karl Spindler für den von Letzterem redigirten „Spiegel für Literatur, Kunst und Musik“ gesendet. N. bereitete nun eine Herausgabe seiner Gedichte vor. Daran in Oesterreich zu denken, erlaubten die damaligen sinnverwirrenden Censurverhältnisse nicht. Er beschloß also, nach Stuttgart zu gehen. Er sammelte und sichtete mit allem Eifer, und als der Juni 1831 herankam, nahm er Abschied von seinen Angehörigen und Freunden und reiste nach Stuttgart; es war ein Abschied für längere Zeit, welche einen wichtigen, zum Theil noch zu erforschenden Abschnitt seines Lebens bildet. Am 9. August 1831 kam N. in Stuttgart an und nun begann ein Leben unter Freunden und Sangsgenossen, wie es ein Dichterherz wie das seine befriedigen mußte. Bei und durch Gustav Schwab lernte er sie alle, die damals die schwäbische Dichterschule bildeten, kennen, da war der noch junge Gustav Pfitzer, und Uhland, und Justinus Kerner, und Alexander Graf Württemberg, und dann Karl Mayer, dem man die schöne Gedächtnißgabe; „Lenau’s Briefe an einen Freund“ verdankt. Und im Hause des Geheimrathes Hartmann, in welchem schon in früheren Tagen Matthisson und Tieck und Jean Paul und Rükert verkehrt hatten, fand sich nun ein Kreis von Poeten zusammen, in welchem Lenau nicht zu letzten zählte. Und auch ein Mädchen war dabei, ein Wesen voll Anmuth und Bescheidenheit, eine Meisterin im Clavierspiel. Mit Entzücken horchte N. den Tönen, wenn sie Beethoven’s „Adelaide“ oder sonst ein classisches Tonstück spielte. Ihr Bild war ihm tief in die Seele gedrungen und raubte ihm den Schlaf bei Nacht, und obgleich er Erwiederung seiner Gefühle hoffen durfte, beschloß er zu entsagen. Er fühlte in sich selbst so wenig Glück, daß er Anderen keines geben konnte, und dann war seine eigene Lage noch so beschränkt und ungewiß, daß er ein Wesen, das er liebte, in dieselbe nicht mithineinziehen durfte. So waren einige Monate vergangen, im November 1831 begab er sich nach Heidelberg, in der Absicht, im Frühlinge des nächsten Jahres zu promoviren. Dieser Uebergang aus dem zerstreuungsreichen bewegten Leben in Stuttgart zu dem gesammelten strengeren der Wissenschaft in Heidelberg mochte ihm im Anbeginn wohl behagen, auf die Dauer ertrug er es nicht, in der Einsamkeit verfiel er in Schwermuth und in eine gedrückte Seelenstimmung. Um aus derselben [328] sich emporzuraffen, machte er Ausflüge nach Weinsberg, Stuttgart und Tübingen, und außerdem beschäftigte er sich mit der Correctur seiner Gedichte, deren Ausgabe bei Cotta in Stuttgart zu Ostern bevorstand. In dieser Zeit entstand seine Absicht, nach Amerika auszuwandern. Auch für die vermittelnde Erklärung des Ursprungs dieser Idee, welche Absichten ihn geleitet haben mochten, einen solchen Gedanken zu fassen, fehlen noch die näheren Belege. Besorgte er, jener Gemüthskrankheit zu entgehen, deren Schauer ihn schon damals dann und wann unheimlich durchrieselten? Hoffte er in jenem Lande der Arbeit und forthastenden Thätigkeit, die aller Gefühlsschwärmerei fremd, auf dem festen Boden der Praxis ihres Erfolges mehr oder weniger sicher ist, aller jener bangen Empfindungen und quälenden Träumereien los zu werden, die in Europa seinen Gedankenkreis verdüsterten und den Aufschwung seiner Dichterseele lähmten? Hoffte er von der angestrengten Arbeit, auf die dort ein jeder, der nicht Millionen mitbringt, angewiesen ist, volle Genesung jener krankhaften schwarzen Stimmung, die ihn so oft beschlich? Wer kann das sagen? Schurz geht über diesen Entschluß, den Lenau gefaßt, mit zu großer Leichtigkeit hinweg. Und Worte: „Aus der neuen Welt wolle er mit einer neuen Welt im Busen zurückkehren und Niegesungenes singen. Seine Poesie lebe und webe in der Natur und in Amerika sei diese schöner und gewaltiger als in Europa. Dort wollte er sich Ländereien kaufen, die schon, so hoffte er mit aller Zuversicht, nach wenigen Jahren eine bedeutende Rente abwerfen würden. Reich in jeder Hinsicht könnte er – schien ihm – nur in Amerika werden“, solche Worte erklären manches, ja vieles, aber nicht Alles. Warum wollte er denn auch reich werden? Eine Idee, die zwar jeden, auch den bedeutendsten Dichter einmal im Leben erfüllt, für deren Verwirklichung aber nur er den entscheidenden Schritt gethan. Oder war schon dieser Auswanderungsbeschluß das erste Symptom eines krankhaften Seelenorganismus? N. war trotz aller Gegenreden und Vorstellungen darüber mit sich einig geworden und Ende Juli 1832 bestieg er zu Amsterdam einen holländischen Ostindienfahrer (Capitän Tollen), der dießmal einen Abstecher nach Baltimore machte. Nach einer Fahrt von zehn Wochen kam er in Amerika an. Auf der Ueberfahrt lernte er das Meer in seiner Ruhe und in seiner Bewegung kennen. Diese endlose Wasserwüste, deren Wogen das Schiff nicht selten wie eine willenlose Kleinigkeit hin und her schleuderten, machte auf ihn einen mächtigen nachhaltenden Eindruck. In der tiefen grenzenlosen Einsamkeit war es ihm unbeschreiblich zu Muthe und dann erwachte die Sehnsucht nach den lieben Bergen, den lieben Menschen in der Ferne. Zwei Hauptmomente, die ihn gebildet, nannte er das atlantische Meer und die österreichischen Alpen, vorzugsweise aber erklärte er sich für einen Zögling der letzteren. Das bewegte Meer empörte seinen Stolz auf’s Bitterste; wenn man auf dem von den Wogen hin und her geschleuderten Schiffe plötzlich willenlos an die Wand geworfen wurde, da meinte er in seinem ganzen Stolze, „je weniger der äußere Mensch aufrecht stehen könnte, um so mehr thäte es der innere“. Er befand sich nun in der neuen Welt, aber diese behagte ihm bald noch weniger als die alte, oder vielmehr sie behagte ihm gar nicht, sie bot ihm nicht einmal einen Maßstab zur Vergleichung, es war wirklich [329] eine ganz andere, eine neue Welt. In Baltimore, wo er im Exchange-Hotel wohnte, traf er mit einem deutschen Studenten zusammen, der ein guter Geiger war. Dieser Umstand – denn N. selbst spielte mit Meisterschaft dieses Instrument – vermittelte schneller als irgend etwas die Bekanntschaft beider, und der Student wollte N. zu nichts geringerem bereden, als zu einer musikalischen Fußreise nach Südamerika, Australien und Ostindien. N. ging auf diesen verrückten Plan nicht ein, wohl aber kaufte er sich einen Schimmel und ritt durch die Urwälder nach Ekonomy in Pennsylvanien. Dort erkaufte er am 26. October 1832 vierhundert Morgen Urwald in Crawford Countey und überließ diese einem mit ihm nach Amerika gewanderten Zimmermeister aus Württemberg, auf dessen Rechtschaffenheit und Tüchtigkeit er große Stücke hielt, auf acht Jahre in Pacht. Noch besuchte er, während er in Amerika verweilte, den Niagarafall, das Hauptziel seiner Reise, das ihn lange, bevor er es sah, in seinen Phantasien beschäftigte, dann kehrte er nach Europa zurück und schiffte sich von dort nach New-York ein. Was mit seinem Eigenthum an Grund und Boden in der neuen Welt geworden, hat weder er noch Jemand Anderer erfahren. In Kürnberger’s Roman: „Der Amerikamüde“, in dessen Moorfeld man unsern Niembsch erkennen will, ist, wie auch leicht begreiflich, zunächst die Dichtung bei der Darstellung dieses Charakters maßgebend gewesen. Ein Dichterleben, wie Lenau’s, verlangt für einen so langen Aufenthalt in einem Lande, das ihm förmlich anwiderte, nachdem er einen Blick in diese ewig rotirende Scheibe materiellster Interessen und glaubensbarer Selbstsucht gethan, eine authentische Darstellung zu Nutz und Frommen aller auswandernden und am Weltschmerz siechenden jungen Poeten. Die Früchte seiner Amerikafahrt waren für seinen Körper ein schweres rheumatisches Leiden, das er sich bei der schon vorgerückten Jahreszeit in dem feuchten nebelhaften Klima zugezogen und an dem er lange litt, poetischer Seits die lebenswahren Meeres- und Matrosenscenen im „Faust“ und dann mehrere großartig schöne Gedichte, als die „Atlantica“, „Die Seejungfrauen“, „Meeresstille“, „Seemorgen“, „Der Schiffsjunge“, „An mein Vaterland“, „Der Indianerzug“, „Die drei Indianer“; dann die in der Hallberger’schen Ausgabe „Neuere Gedichte“ unter dem Cyklus „Reiseblätter“ zusammengefaßten: „Der Urwald“, „An einen Baum“, „Verschiedene Deutung“, „Niagara“, „Das Blockhaus“, „Meeresstille“, „Sturmesmythe“, „Wanderer und Wind“, „Das Wiedersehen“ und dann noch einige andere Stimmungsgedichte. denen jedoch der locale Hintergrund nicht eben kenntlich aufgedrückt ist. Den nach Europa Zurückgekehrten empfing ein reifer Dichterruhm und die Liebe der alten Freunde in Wien und Stuttgart, in welchen beiden Städten er abwechselnd die nächsten Jahre verlebte. In Wien stand er zu A. Grün, Fr. Halm, Feuchtersleben, L. A. Frankl, Grillparzer, Castelli, Zedlitz in den freundlichsten Beziehungen, und das Stuttgarter Leben befreundete ihn mit der geistig und künstlerisch hervorragenden Charlotte von Bawr, A. von Sternberg, Emma von Niendorf, Arthur Schott u. A. Er wurde unzertrennlicher Freund des edlen Reinbeck’schen Hauses und des diesem angehörigen Kreises und verlebte in demselben als Hausgenosse [330] Monate, ja fast Jahre lang bis zu der Katastrophe, die ihn der Welt vor seinem leiblichen Tode entriß. Die unzarten Bemerkungen, geeignet, eine Dissonanz in Lenau’s Freundesverkehr mit Reinbeck’s zu bringen, wie solche im Aufsatze: „Der letzte Sommer Lenau’s“ in Robert Prutz „Deutschem Museum“ 1851 enthalten sind, wurden bald darauf in den Hamburger „Jahreszeiten kurz, aber entschieden zurückgewiesen. Wie gesagt, zwischen Wien und Stuttgart verlebte N. die nächsten folgenden Jahre. An Reiseanlässen gebrach es ihm, wie Schurz schreibt, glücklicherweise nicht, da seine verschiedenen Dichtungen bis zur Zeit seiner unheilbaren Erkrankung (October 1844) mehrere Auflagen erlebten und er etwas darein setzte, die Correcturen am Druckorte selbst zu besorgen. Das wichtigste Erlebniß N.’s in dieser Periode ist, daß er noch nach seiner Wiederkunft nach Wien im Herbste 1833, wo alles nach der Bekanntschaft des plötzlich berühmt gewordenen jungen Dichters geizte, „allzuspät eine Frau kennen lernte, die, wäre sie noch Mädchen gewesen, ihm vielleicht sein Himmel auf Erden geworden sein würde“. Im April 1834 begann N. auch zu recensiren. Er betrachtete ganz richtig eine solche Beschäftigung für eine Studie, durch welche man seine Kunstansichten erhelle und befestige. Er schickte in jener Zeit an die „allgemeine Literaturzeitung“ von Halle den Versuch einer Bestimmung, was eigentlich Naturpoesie sein müsse. Im August 1834 machte er mit Freund Reinbeck und dessen Gemalin eine Reise von Stuttgart über München und Salzburg nach Gmunden, wo er seinen langjährigen Freund Schleifer überraschte. Die Reisenden besuchten das ganze Salzkammergut, und nachdem die Reinbeck’s nach Schwaben zurückkehrten, durchwanderte N. die herrliche Obersteiermark, über Leoben, Bruck in das Mürzthal nach Neuberg, wo er mit seinem Schwager Schurz zusammentraf, und dann auf kurze Zeit nach Wien ging, dann aber nach Neuberg zurückkehrte. Auf dieser Reise hatte er das Unglück, auf einer Poststation das druckfertige Manuscript seines „Faust“ zu verlieren. Dieser Verlust brachte ihn in ungeheure Aufregung. Durch Anstrengung seines Gedächtnisses gelang es ihm jedoch, das Gedicht zum zweiten Male niederzuschreiben. Er kehrte dann nach Wien zurück, wo er die Dichtung im Kreise mehrerer Sangsgenossen, unter denen sich auch Grillparzer befand, vorlas. Grillparzer, wie Schurz berichtet, nannte ihn „Deutschlands Dante“. Auch den Sommer des folgenden Jahres brachte N. in den vorerwähnten reizenden Alpengegenden zu und aus Ischl (28. September) schrieb er an Schurz ein kurzes Billet, worin es heißt: „... Wir rücken auch den Vierzigen zu, die Haare werden grau und immer ledig. Was glaubst du, sollt ich nicht ein Weib nehmen? Wenn mir auch kein alter Vater, wie in jenem Bergmannsliedel, zuruft: „Nimm dir ein Weib, für deinen Leib!“ Willst du nicht so gut sein und einen solchen Ruf an mich ergehen lassen? ... Also Bruder überleg dir’s und sag mir im October, wo ich dich sehen werde, was du denkst. Der Gegenstand meiner kühnen Schicksalshypothese ist ...“ Es war eine berühmte, noch lebende Künstlerin; da es in betheiligten Kreisen längst kein Geheimniß ist, nehme ich keinen Anstand, ihren Namen herzusetzen: Karoline Ungher, heute vermälte Ungher-Sabathier. [331] Diese Verbindung, wie sehr der Dichter sie anstrebte, kam nicht zu Stande. Indessen arbeitete N. rastlos fort. Seine Gedichte, mehrmals mit köstlichen Zugaben bereichert, erschienen unter seinen Augen in sieben Auflagen; die Frucht seiner dichterischen und menschlichen Lebenserfahrungen, Faust, die seiner inneren religiösen Kämpfe, Savonarola, die Frucht der Zeitideen in Philosophie und Politik, die Albigenser, traten theils erneuert, theils neu an’s Licht, zwei Jahrgänge des „Frühlingsalmanachs“ wurden von ihm mit gewissenhafter Genauigkeit bis zur Correctur, die er sich stets persönlich vorbehielt, besorgt, ein episch-lyrisches Gedicht: „Ziska“ begonnen und im Sommer 1844 ein anderes lyrisches Epos: „Don Juan“ nahezu vollendet. Das aufgeregte Dichterleben, das unstäte Wandern, das viele Nachtwachen, verbunden mit geistiger Anstrengung, der Mangel einer jeden geordneten körperlichen Pflege, an deren Stelle nervenzerstörende Reizmittel von ihm angewendet wurden, dieß Alles mußte endlich den Körper zerstören und mächtig sein Bedürfniß nach Ruhe wecken. Unter solchen Umständen war das Jahr 1844 herangekommen. Den Winter hatte er mit Vollendung mehrerer poetischer Arbeiten leidlich zugebracht. Ende März reiste er nach Stuttgart, wo seiner viel Arbeit harrte: die Durchsicht der siebenten Auflage seiner „Gedichte“, der zweiten seines „Savonarola“ und der „Albigenser“. Auch feilte er fleißig und in fast fieberhafter Hast an seinem lyrischen Epos „Don Juan“, das er – wenigstens in den Hauptzügen – nahezu vollendet hat. Die Herausgabe dieser Dichtung verdankt man nach Lenau’s Tode der Sorgfalt seines Freundes und Sangsgenossen Anastasius Grün, der sich in dem der Dichtung vorangeschickten Vorworte näher über dieselbe ausspricht und bezüglich des Schlusses der Dichtung die Bemerkung macht: „mag immerhin in dieser Beziehung der vorfindige Gedichtschluß als ein vielleicht nur „provisorisches Nothdach“ gelten, so wird doch das cyklopische Mauerwerk seines mächtigen Unterbaues, als Zeuge einer gewaltigen Kraft und ungewöhnlicher Kühnheit, noch die spätesten Beschauer mit Ehrfurcht und Bewunderung erfüllen müssen“. Nach so übermäßigen geistigen und körperlichen Anstrengungen ging Niembsch im Juli nach Baden-Baden und wollte von dort ein Seebad – Scheveningen – besuchen. Eine Ahnung seiner gebrochenen Kräfte mochte man in seiner Aeußerung: „es geht mit beschleunigter Geschwindigkeit holpernd und stürzend thalab“ erkennen. In Baden traf ihn schmerzlich die Nachricht von dem Tode seines innigen Freundes Alexander Grafen Württemberg, aber ebenda machte er auch die Bekanntschaft einer jungen liebenswürdigen Dame, Marie Behrends aus Frankfurt a. M., deren reine sanfte Seele sich in der anmuthigsten Gestalt spiegelte. Die Hoffnung eines endlichen festen Lebensglückes erwachte in seinem auf den Wogen der Dichtung hin und hergetriebenen Geiste um so sehnlicher, als er täglich mehr das Bedürfniß desselben fühlte und in fast überraschender Eile feierte er das Glück der erwiederten Neigung mit einer schnellen Verlobung. Bald darauf reiste er nach Wien und an seinem Geburtstage – 13. August 1844, damals 42 Jahre alt – überraschte er seine Freunde und Bekannten mit der Bestätigung dieser Nachricht, die sich mittlerweile schon allenthalben verbreitet hatte. Aber wie erfreulich einerseits die Thatsache war, so [332] bedauerlich erschien bereits andererseits sein Gesundheitszustand. Schon damals war N. körperlich völlig gebrochen, er, der einst so rüstige Berg, und Alpensteiger, vermochte sich nur mühsam auf die nächst Wien gelegene niedrige sogenannte Sophienalpe zu schleppen. Dabei war seine Gemüthsstimmung ungemein wechselnd, unsicher, weich, wehmüthig, elegisch, dann wieder ohne einen äußeren Anlaß reizbar und heftig. Nicht ohne Besorgniß sahen ihn die Freunde nach Frankfurt zu seiner Braut abreisen. Am 15. September 1844 verließ er auf dem Dampfschiffe die Kaiserstadt. In der Nähe von Linz rannte sich das Schiff auf einer Sandbank fest. Bei der Flottmachung arbeitete er zwei Stunden mit der größten Anstrengung, ein Umstand, der bei seinem Leiden nicht wenig bedenklich erscheint. Von Linz reiste er mit Eilwagen über München nach Stuttgart, wohin ihn der Abschluß eines Verlagsgeschäftes rief. Am 20. kam er in Stuttgart an, konnte aber, wie sehr er auch drängte, erst am 29. September die Angelegenheit in endgiltige Ordnung bringen. Er wohnte bei Reinbeck, wo er, wie immer bisher, gastfreundliche Aufnahme gefunden. Seine Stimmung war trübe, sorgenvoll. Da sprang er eines Tages mit einem Aufschrei des höchsten Zornes und Kummers auf, und im gleichen Augenblicke fühlte er einen Riß durch sein Gesicht. Er ging an den Spiegel, sah seinen linken Mundwinkel in die Höhe gezerrt und die rechte Wange war total starr und gelähmt bis an’s Ohr. Das Auge blieb zwar frei und beweglich, doch hatte es ein stieres und gläsernes Ansehen. Dieser Nervenschlaganfall, dafür hielt ihn wenigstens Niembsch, erfüllte ihn nun mit schweren Besorgnissen für die Zukunft. Er erschien sich selbst wie ein vom Tode Bezeichneter; dieser hatte Hand an ihn gelegt. Alle seine Hoffnungen auf häusliches Glück mit einer geliebten Frau schienen ihm in den Abgrund eines schreckenvollen Verhängnisses versunken, da ihn der Unfall gerade in dem Augenblicke getroffen, als er mit den letzten Anstalten zu seiner Verheiratung beschäftigt war. Die Gesichtslähmung verlor sich wohl schon nach mehreren Tagen, aber in der Nacht vom 11. October 1844 trat der erste stärkere Paroxismus von Tobsucht ein. Mit diesem Tage erlosch sein Geist für immer – denn die vereinzelten lichten Momente, die in der ersten Zeit noch dann und wann eintraten – ermangelten auch des vollen Bewußtseins seiner Selbst. Vom 11. October an machte die Krankheit reißende Fortschritte. Es war entschiedener Wahnsinn mit allen nach der Individualität wechselnden Erscheinungen. Wir können hier füglich darüber hinweggehen, da es ein ausschließlich pathologisches Interesse bietet und für die Erkenntniß und Bedeutendheit dieses edlen Dichterlebens weiter ohne Belang ist. Im Folgenden geben wir sonach nur die einzelnen Veränderungen, die mit dem Kranken vorgenommen wurden. Die nächstfolgenden Tage, die er in einem erbarmungswürdigen Zustande der Aufregung und Verzweiflung zubrachte, bis zum 22. October blieb er noch bei Reinbecks, wo sich Gustav Pfitzer und Freiherr von Porbeck, der damalige badische Gesandte, in seiner Pflege theilten. Noch am 16. Morgens spielte er, ein Virtuose auf der Guitarre und Violine, die letztere auf herrliche Weise, ging aber plötzlich in einen steierischen Ländler über und stampfte den Boden tanzend dazu, daß das Zimmer bebte. Wiederholte Selbstmordversuche wurden glücklich gehindert. [333] Aber am 20. October sprang er mit dem Rufe: „In die Freiheit will ich“ am frühen Morgen im Hemde aus seiner damaligen Parterrewohnung auf die Straße und lief an die hundert Schritte weit, bis er durch einen der genannten Freunde eingeholt und zurückgebracht wurde. Von da an tobte er ununterbrochen, nahm weder Speise noch Arznei und zwei Tage darauf, am 22., mußte er unter dem Geleite seines treuen Freundes Gustav Pfitzer in die drei Fahrstunden von Stuttgart entlegene königliche Heilanstalt zu Winnenthal, deren Director Hofrath Dr. Zeller war, gebracht werden. In Winnenthal besuchte ihn zuerst sein Schwager Schurz, dann Justinus Kerner und später Anastasius Grün, der diese Begegnung in den drei, „Winnenthal 1845“ überschriebenen Sonetten, beginnend: „Welch Wiederseh’n! Zerstörung und Entsetzen“ schildert. In Winnenthal sprach Niembsch noch in einem seiner helleren Augenblicke das in Frankl’s „Sonntagsblättern“ 1845, S. 293, mitgetheilte Sonett, das „’s ist eitel nichts, wohin mein Aug’ ich hefte“ beginnt und das er nach seiner Angabe auf der letzten Reise zwischen Zernolding und München, Nachts, im rollenden Eilwagen, schon sehr krank, „aus Vorwitz, ob er unter so feindlichen Umständen wohl noch zu dichten vermöchte“, gedichtet. Es ist dieß somit das letzte Gedicht Lenau’s. Dritthalb Jahre brachte der kranke Dichter in Winnenthal zu, wo namentlich in der ersten Zeit die ihn behandelnden Aerzte fast zuversichtlich auf seine Genesung hofften. Aber wenn eine andauernde Besserung seines Zustandes einen solchen Hoffnungsschimmer aufleuchten ließ, stellte sich mit einem Male wieder ein fürchterlicher Anfall ein, daß alle Hoffnung in die alte Nacht zurücksank. Endlich meinte man, daß eine Veränderung seines Aufenthaltes, daß die Heimkehr in sein Vaterland ihn möglicher Weise retten könne, und es wurde beschlossen, ihn nach Wien bringen zu lassen. Ende April 1847 stellte sich sein Schwager Schurz in Winnenthal ein, um die nöthigen Vorbereitungen zum Transporte des Kranken zu treffen, und am 13. Mai trat er in Begleitung des Krankenwärters, Sachsenheimer, der selbst Poet, um 7 Uhr Morgens die Heimfahrt an. Am 16. Mai, nach einer von Fährlichkeiten mancherlei Art begleiteten Reise trafen die Reisenden mit dem Dampfschiffe in Nußdorf ein und von dort wurde Niembsch sofort nach Oberdöbling in die Irrenanstalt des Doctor Görgen überbracht. Eine im Juli 1847 durch des Dichters Curator, den nachmaligen Minister Dr. Bach, berufene Versammlung von bewährten Aerzten sprach sich über den Zustand des Kranken hoffnungslos aus. So führte er denn noch volle drei Jahre dieses Unleben, denn Leben kann man solchen Zustand doch nicht nennen, bis am 22. August 1850 Morgens 6 Uhr endlich auch der Körper der Natur ihren Tribut bezahlte. Sein leiblicher Tod war eine Erlösung. Im Sommer 1849 hatte noch L. A. Frankl den Maler J. M. Aigner nach Döbling gebracht, der die gebrochene Gestalt mit der kranken Seele – ein gelblich bleiches Gesicht, langes Haar, voller Bart, ein Auge voll Wehmuth, dem Fragenden begegnend – im Lehnstuhl gekauert antraf und unter herzzerschneidendem Wimmern des Armen, fieberhaft aufgeregt, die Contur entwarf und mit dem halbvollendeten Bilde davoneilte. Einen Tag nach dem Tode, am 23. August Morgens, wurde die Leichenöffnung vorgenommen. Ein [334] junger Arzt, Dr. Heinrich Meckel aus Halle, der Sohn des berühmten Meckel von Hamsbach, erbat sich die Begünstigung, die Section vorzunehmen: Dieser wohnten außerdem die Doctoren Romeo Seligmann, Fr. Benesch und L. A. Frankl bei. Bildhauer Hirschhäuter, von Letzterem eingeladen, nahm vorerst die Todtenmaske des übrigens völlig unkenntlich gewordenen Angesichts des Todten ab. Auch wurde für Abnahme eines Schädelabgusses Sorge getragen. Die Section, deren Protokoll im schon erwähnten Werke von Dr. Frankl: „Zu Lenau’s Biographie“, S. 137–142, vollständig mitgetheilt ist, zeugte als besonders charakteristisches Moment einen bedeutenden Schwund des Gehirnes, aus dessen Höhlen über 9 Unzen seröser Flüssigkeit abflossen. Die Lunge befand sich in sehr zerstörtem Zustande, beträchtlich tuberculös. Das Herz war schlaff, übrigens normal bis auf den vorderen Theil der Aortaklappe; an derselben befand sich ein Ausfluß vom Durchmesser eines Drittelzolls. Die phrenologische Anschauung über Lenau’s Organe des Gehirns von dem Phrenologen Noel ist auch bei Frankl, S. 133, mitgetheilt. Bei Lebzeiten hatte Lenau, wie es Schurz in Auer’s Zeitschrift „Faust“ 1834, S. 118 u. f., erzählt, gewünscht, in Weidling am Bach, einer in Wien’s Nähe bei Klosterneuburg reizend gelegenen Ortschaft, auf dessen stillem, im Thalgrunde liegenden Friedhofe begraben zu werden. Diesem Wunsche wurde willfahrt. Am 24. August Nachmittag fand die feierliche Einsegnung der Leiche in der Kirche von Oberdöbling Statt, bei welcher die Minister Dr. Alex. Bach und Ritter von Schmerling, beide N.’s persönliche Freunde, zugegen waren. Eine abermalige Einsegnung und hierauf die Beerdigung erfolgte zu Weidling um sechs Uhr Abends. Zum Schlusse sprachen am Grabe Laube und Niembsch’ Schwager Schurz, welch letzterer seine kurze Ansprache mit den Worten schloß: „Wir geben nur deinen Staub dem Staube zurück. Mögen sie auch, da du der letzte Zweig eines edlen Stammes, dein Wappen stürzen und brechen und rufen: Heute Niembsch von Strehlenau und nimmermehr – – ich rufe dagegen: Heute Nikolaus Lenau und immerdar“. Ein Grabgesang, von dem Chormeister Gustav Barth des Wiener Männergesang-Vereines componirt, schloß die Feier [über das Denkmal siehe die Quellen]. Die Frage über die Ursachen des Wahnsinns, der des Dichters Ende vorzeitig und so grauenhaft herbeiführte, wurde damals und wird noch heute von Allen, die des Dichters herrliche Werke lesen und in sich aufnehmen, gestellt. Es scheint, daß N. selbst bei Lebzeiten noch Antwort darauf gegeben. Emma von Niendorf (Frau von Sukow in Stuttgart), die das lesenswerthe inhaltreiche Buch: „Lenau in Schwaben“ herausgegeben, berichtet an einer Stelle einen Ausspruch des Dichters, den er während der Zeit seines beginnenden Wahnsinns in einem lichten Augenblicke zu Vertrauten gethan, und dieser Ausspruch lautet: „Gott ist sehr gut, daß er mich durch die Natur bestrafen läßt und nicht durch das Gesetz, denn ich habe gegen beides gefehlt, ich habe das Talent noch über das Sittengesetz gestellt und das ist doch das höchste. Sagen sie das auch ihr – sie hat das Sittengesetz auch nicht genug erhoben“. In diesen unter allen Umständen immer sehr merkwürdigen Worten N.’s liegt ein Glaube und ein Bekenntniß. Diese letzten Worte beziehen sich auf jene Frau in [335] Wien, mit der N. zwölf Jahre lang im zärtlichsten Verkehre gestanden und die von Vielen als diejenige angesehen wird, die zum Theile wenigstens die Katastrophe im Leben des Dichters herbeiführen half. Als sich nämlich N. in Frankfurt verliebte und dann verlobte – seine Braut war ein unschuldiges Mädchen – ging er nochmals nach Wien, um dort von jener Frau Abschied zu nehmen, und diese habe, schreibt Frau v. Niendorf, in einer rachegierigen dämonischen Prophezeiung zu ihm, der schon damals in seinem Geistes- und Nervenleben zerrüttet war, die Worte gesprochen: „Einer von uns muß wahnsinnig werden“. Und ihm, dem Armen, war das Los zugefallen. In dieser Selbstanklage des Dichters, worauf das Schicksal ihm in so entsetzlicher Weise den Bescheid gab, liegt ein wichtiges Moment zum Verständnisse seines Unterganges. Jedenfalls das Bedeutendste aber, was über die Ursachen von Lenau’s Erkrankung irgendwo gesagt worden, ist L. A. Frankl’s Darstellung, in der jeder Satz schwer wiegt. Indem Frankl schon in der Leidenschaftlichkeit des Vaters, die sich selbst aufreibt und in dem durch eine phantasievolle Mutter Angezeugten und Empfangenen die ersten Keime dessen ahnt, was zu einer so monströsen Frucht sich entwickelte, schreibt er weiter: „Ein cholerisch-melancholisches Temperament läßt schon den Knaben die Einsamkeit lieben. Die Spiele des Knaben verrathen eine ernste glühende Einbildungskraft, die sich auf fromm religiöse Anschauung, auf kirchliches Gepränge beziehen. Jene Triebe in der physischen Sphäre werden wach, denen Knaben verderblich zu huldigen pflegen. Der Verlust einer leidenschaftlich geliebten Mutter, an deren langjährigem Krankenbette der edle Sohn als Wärter lebt, bringt in sein ernstes Gemüth nun eine tiefere Stimmung. Der rege Geist, der ruhelos Befriedigung sucht, schweift von einer Wissenschaft zur anderen. Nirgend scheint sich ihm das Räthsel zu lösen. Er beginnt starke, melodisch geformte Fragen an das Leben, an die leblose Natur, die er vor Allem liebt, vor der ihm aber doch graut, so oft er sich in sie versenkt, zu richten. Er schreibt Gedichte. Die alte Welt widert ihn an, er geht zu Schiffe, der trostlos grenzenlose Ocean stimmt sein Herz erhabener, aber auch einsamer. Sein Ideal ist in der neuen Welt ist – dießseits nicht zu finden. Einsame Ritte durch den Urwald ziehen ihm lang andauernde, heftig quälende Erkältungen zu, die schwanke See den Scorbut. Sein Unterleibssystem wird krankhaft, das Verkehren der natürlichen Ordnung, welche die Nacht dem Schlafe, den Tag der Arbeit, der Bewegung widmet, unausgesetztes Forschen mehr mit der Phantasie als dem klaren Verstande, erhöhen die vorhandene krankhafte Stimmung. Vorliebe für würzhafte, für feurige Weine, für starken Kaffee und narkotischen Tabak vermindern sie nicht. Trotz glänzender Erfolge bleibt ein ungemessener Ehrgeiz, trotz großer Anerkennung eine noch größere Selbstschätzung unbefriedigt. Die Phantasie des Dichters versenkt sich in die Bücher der Gnostiker. Die mystische Weltanschauung bemächtigt sich seiner; dabei eine Vorliebe für das sagenhaft Wilde, das schauerlich Blutige, ein kühnes Spielen mit dem Dämonischen. All diesem ist durch keine praktische Thätigkeit, durch keine materielle Lebensarbeit ein Gegengewicht geboten. Diese intensiv feurige Seele, in welcher die geistigen Anlagen die Kraft des Willens und des Urtheils beherrschen, hat früh [336] einmal die Liebe überkommen; ein bitteres Erlebniß klingt in hundert melancholischen Liedern durch. Als ihn das allmählige Gefühl wieder ergreift, bringt es seinen Geist in Kämpfe neuer Art. Er sucht frei zu werden, es hat ihn langsam, aber mit um so sichereren Banden angeschmiedet. Er fängt an, unter fortgesetzter geistig aufregendster Arbeit, über das abnehmende Leben, über den Verlust der Jugend zu klagen; er bemerkt erlöschende physische Kraft, eine geistig gedämpfte dürfte dem Kenner Lenau’scher Werke in den letzten Scenen des „Don Juan“ entgegendämmern. Er hält das Glück eines eigenen Herdes, einer beglückenden Häuslichkeit für „verpaßt“, Sorge um die Zukunft ergreift ihn, doch verlobt er sich mit einer vermeintlich reichen Braut. Der Irrthum klärt sich auf, er wurde daher von der beunruhigendsten Sorge ergriffen. Von den Zinsen seines Vermögens konnte er bei seiner Weise, zu leben, kaum allein existiren. Seine Braut aufzugeben, verboten ihm Neigung und Ehre. Der Wunsch, sich in der Nähe Wiens ansässig zu machen, die Absicht, noch manche Geschäfte zu ordnen, führen ihn noch dahin. Wenn alle Freunde den letzten Schritt des Freundes nun bedenklich finden, ein weibliches Herz ist durch ihn zertreten – das stirbt nicht ohne schmerzlichsten Aufschrei. Er reist ab, ein Unfall auf der Donau setzt ihn stundenlang nächtlicher Kälte und Nässe aus und macht den reizbaren Organismus nur noch empfindlicher. Die angedeutete Enttäuschung tritt ein, die Sorge legt sich mit einem Vampyrrüssel an das ängstlich klopfende Herz, das schon einmal an einer Entzündung gelitten hat, die heftige Aufwallung eines zornmüthigen Blutes bringt einen Nervenschlag – er legt die kalte Todeshand – vorerst nur mahnend – an ihn. Erschreckende Briefe fliegen ihm zu. Entsetzen und Verzweiflung ergreifen die Creatur und – „Du kennst“, äußerte Lenau einmal, „die Geschichte von Phaëton und den durchgehenden Sonnenrossen. Wir Dichter sind alle so phantastische Wagenlenker, die sehr leicht einmal von ihren eigenen Gedanken geschleift werden können“. So L. A. Frankl über den armen Niembsch. Es ist also nicht ein Ereigniß, sondern das Zusammentreffen von allen nur denkbaren physischen und moralischen Eingriffen in Ein Menschenleben, das von Kindheit den Keim grausamster Selbstvernichtung in sich trug. [Ueber die Ausgaben seiner Dichtungen, über seine Bildnisse, die Compositionen und Illustrationen einzelner seiner Gedichte u. dgl. m. vergleiche das Nähere in den Quellen.]

I. Niembsch von Strehlenau Werke in bibliographischer Angabe ihrer verschiedenen Auflagen. Gedichte (Stuttgart 1831, Cotta, 8°.) [diese erste Auflage ist dem Dichter G. Schwab, „seinem Freunde“, gewidmet]; – zweite verm. Auflage (Stuttgart und Tübingen 1834, Cotta, 8°.); – dritte Aufl., mit Bildniß (ebd. 1838, 8°.); – vierte Aufl. (ebd. 1840, 8°.).
Neuere Gedichte (Stuttgart 1838, Hallberger, 8°.) [auf dem Titelblatte unter dem Pseudonym Nikolaus Lenau steht zum ersten Male sein ganzer Name Nik. Niembsch von Strehlenau in Klammern beigedruckt]; – zweite verm. Aufl. (ebd. 1840, 8°.); – neue Ausg. (ebd. 1843, 16°.).
Gedichte. Zwei Bände. 1. Band fünfte, 2. Band dritte Aufl. (Stuttgart und Tübingen 1841, Cotta, 16°., mit Goldschn.); – dieselben, l. Band sechste, 2. Band vierte verm. Aufl., mit einem Stahlstich (ebd. 1843, 8°.); – dieselben, 1. Band siebente verm. (letzte von Lenau selbst durchgesehene), 2. Band fünfte sehr verm. Aufl. (ebd. 1844, 16°.); – dieselben, 1. Band achte, 2. Band sechste Aufl., mit Titelk. (ebd. 1847, 16°.); – dieselben, 1. Band neunte, 2. Band siebente Aufl. (ebd. im näml. Jahre, 16°.); [337] – dieselben, 1. Band zehnte, 2. Band achte Aufl. (ebd. 1848, 16°.); – dieselben, 1. Band eilfte, 2 Band neunte Aufl. (ebd. 1850, 16°.); – dieselben, 1. Band zwölfte, dann dreizehnte, 2. Band zehnte, dann eilfte Aufl. (ebd. 1851, 16°.); – dieselben. 1. Band vierzehnte, 2. Band zwölfte Aufl., mit Porträt im Stahlstich (ebd. 1852, 16°.), auch mit engl. Einb. und Goldschn.; – dieselben, zwei Bände in Einem Band, 1. Band fünfzehnte, dann sechzehnte, 2. Band dreizehnte, dann vierzehnte Aufl., jeder Band mit einem Stahlst. (ebd. 1855, 1856, Cotta, 16°.); – dieselben, zwei Bände (ebd. 1856, gr. 8°., mit Bildniß im Stahlstich); – dieselben, zwei Bände (neue wohlfeile Ausgabe) (ebd. 1857 u. 1858, 8°.); – dieselben, zwei Bände (Miniatur-Ausgabe) (ebd. 1858, mit 2 Stahlst.); – dieselben, in Einem Bande (ebd. 1862, 8°.); – dieselben, in Einem Bande (ebd. 1863, 16°.). [Vergleiche über Lenau’s Gedichte. Literatur-Blatt. Von Dr. Wolfgang Menzel (Stuttgart, Cotta, 4°.) 1835, Nr. 73; dasselbe, 1839, Nr. 42 u. 43, und Blätter für literarische Unterhaltung (Leipzig, Brockhaus, 4°.) 1839, Nr. 136: „Neuere Gedichte“.]
Faust. Ein Gedicht (Stuttgart und Tübingen 1836, Cotta, 3“.) [zuerst als Fragment im „Frühlings-Almanach“, 1. Jahrg.]. Wann die zweite Auflage des Faust erschienen, war mir nicht möglich aufzufinden, wahrscheinlich 1843 oder 1844; – dritte Aufl. (ebd. 1847, Cotta, gr. 8°.); – vierte Aufl. (ebd. 1852, gr. 8°.); – fünfte Aufl. (ebd. 1865, 8°.). [Vergleiche: Ueber Lenau’s Faust. Von Johannes M……n (Stuttgart 1836, Cotta, 8°.). – Literarische und kritische Blätter der Hamburger Börsenhalle (4°.) Jahrg. 1836, S. 980 u. 989. – Unser Planet. Blätter für Unterhaltung, Literatur u. s. w. (Leipzig, 4°.) VII. Jahrg. (1836), Literatur- und Kunstblatt Nr. 157, 168 u. f. – Rosen (Leipzig, 4°.) Literaturblatt, 1838, Nr. 47.]
Savonarola. Ein Gedicht (Stuttgart und Tübingen 1837, Cotta, 8°.); – zweite durchgesehene Aufl. (ebd. 1844, 8°.); – dritte Aufl. (ebd. 1849, gr. 8°.); – vierte Aufl. (ebd. 1853, 8°.). [Vergleiche: Blätter für literarische Unterhaltung (Leipzig, Brockhaus, 4°.) 1838, Nr. 217 u. 218. – Literatur-Blatt. Redigirt von Dr. Wolfgang Menzel (Stuttgart, Cotta, 4°.) 1837, Nr. 132. – Die Rosen. Literaturblatt, 1838, Nr. 47.]
Die Albigenser. Freie Dichtungen (Stuttgart und Tübingen 1842, Cotta, 8°.); – zweite Aufl. (ebd. 1846, gr. 8°.); – dritte Aufl. (ebd. 1852, 8°.). [Die Albigenser, der Faust und Savonarola sind auch in der „deutschen Volksbibliothek“, Neue Folge in hundert Lieferungen (Stuttgart, Cotta; Leipzig, Göschen, 16°.) in der 5., 32., 33. u. 77. Lieferung erschienen.]
Frühlings-Almanach. Herausgegeben von Nik. Lenau, 1. Jahrg. 1835 (Stuttgart 1835, Brodhag, 16°., mit lith. Titelblatt). [Enthält: Faust. Fragment von N. Lenau; Lieder von Karl Mayer; der Bärenhäuter im Salzbade, ein Schattenspiel von Justin. Kerner; Herbst 1833 in Neuseß von Rückert; Salomo’s Nächte von Gust. Pfitzer); – 2. Jahrg. 1836 (Stuttgart, Scheible, Rieger und Sattler, mit 5 K. K., 16°.) [enthält: Gedichte von Rückert; Lieder von Karl Mayer; Gedichte von Nik. Lenau; Gedichte von Friedrich Notter und Joseph Notter; Gedichte von A. Schurz; Ezzelin von Romano von Gust. Pfizer; Neuere Spaziergänge eines Wiener Poeten; Lieder aus Italien von Anastasius Grün. [Vergleiche: Der Gesellschafter. Herausgegeben von Gubitz (Berlin, 4°.) 1837, Nr. 83 u. 84.]
N. Lenau’s dichterischer Nachlaß. Herausgegeben von Anastasius Grün (Stuttgart 1851, Cotta, gr. 8°.). [Vergleiche: Sonntagsblatt zur Weser-Zeitung (Bremen, gr. 4°.) 1851, Nr. 24.]
Nikolaus Lenau’s sämmtliche Werke. Herausgegeben von Anastasius Grün. Vier Bände (Stuttgart 1855, 8°., mit Lenau’s Bildniß im Stahlstich).
Uebersetzungen. Lenau’s Dichtungen sind mehrfach von Franzosen, Italienern, Engländern und von Poeten der verschiedenen slavischen Stämme, Einzelnes auch mit entschiedenem Glücke, übersetzt worden. Eine selbstständige Sammlung von übersetzten Dichtungen Lenau’s erschien nur in englischer Sprache, und zwar: Brydges (John), Poems of N. Lenau (London 1848, 8°.). – Gregorovins in seinen „Wanderjahren in Italien“ (Leipzig 1864) berichtet in dem Abschnitte über die neurömische Poesie und Poeten, daß Don Giovanni Torlonia, ein neurömischer, bereits verstorbener Poet, einige Gedichte Lenau’s, darunter „Vergangenheit“, „die Blumenmalerin“, in’s Italienische übersetzt habe; auch soll der römische Marchese Capranica [338] Lenau’s „Albigenser“ und „Savonarola“ in’s Italienische übersetzt haben; diese Uebersetzungen aber sind noch nicht im Drucke erschienen. – Ebenso haben neuere französische Poeten, dann Ungarn, Čechen und Polen, einzelne Gedichte Lenau’s in ihre Muttersprache übertragen.
II. Biographien,a) Selbstständige Werke. Nicolaus Lenau (Leipzig 1859, Verlag der modernen Classiker, 24°.) Fünfte neu bearbeitete Auflage (170 S.) [bildet auch mit den Biographien Grün’s und Kinkel’s den 24. Band der „Modernen Classiker“]. – Frankl (Ludwig Aug.), Zu Lenau’s Biographie (Wien 1854, 8°.). [Frankl, mit dem unglücklichen Dichter innig befreundet, bringt in diesem Werke sehr dankenswerthe Aufschlüsse über den Dichter, freilich nicht Alles, was er weiß. Insbesondere eine große Menge von Aussprüchen, Ansichten, Urtheilen Lenau’s über Personen und Geistesschöpfungen, wie sie hie und da gedruckt zerstreut sich vorfinden, oder zum ersten Male von den Betreffenden dem Herausgeber mitgetheilt wurden. Es trägt wesentlich zur Charakteristik dieser in Allem und Jedem ganz eigenthümlichen Dichterindividualität bei. Auch ist in diesem Buche die Begegnung des Herausgebers dieses Lexikons mit Lenau ausführlich erzählt.] – Mayer (Karl), Nicolaus Lenau’s Briefe an einen Freund. Herausgegeben mit Erinnerungen an den Verstorbenen (Stuttgart 1853, Mäcken, 8°.) [vergleiche: Augsburger Allgemeine Zeitung 1853, Beilage Nr. 253 u. 254]. – Niendorf (Emma von), Lenau in Schwaben (Leipzig 1853, Herbig). [Verfasserin dieses an Einzelheiten über Lenau so reichen Buches ist Frau von Sukow in Stuttgart, schade nur, daß Alles kunterbunter untereinander geworfen ist, daß eine Nachsuchung darin einer wahren „Waschung auf Gold“ zu vergleichen ist. Für den späteren Biographen Lenau’s ist diese Schrift eine unschätzbare Fundgrube, nur wird er sich erst Alles mühsam zusammensuchen und zurechtlegen müssen.] – Schurz (Anton X.), Lenau’s Leben, größtentheils aus des Dichters eigenen Briefen. Von seinem Schwestermanne – –. 2 Bde. (Stuttgart und Augsburg 1855, Cotta, 8°.) [vergl. darüber: Blätter für liter. Unterhaltung 1856, S. 853].
II. b) Kürzere, in Zeitschriften und Sammelwerken erschienene Biographien. Anastasius Grün hat als Einleitung zu Nik. Lenau’s „Sämmtlichen Werken“ (4 Bände, Stuttgart und Augsburg 1855, Cotta, 8°.) des unglücklichen Dichters Leben geschrieben [vergl. darüber: Blätter für literar. Unterhaltung 1856, S. 853]. – Album österreichischer Dichter (Wien 1850, Pfautsch u. Voß, 8°.) Erste Serie, S. 1–57: „Nikolaus Lenau“, von Anton X. Schurz [S. 1–24 Biographie, S. 25–57 Auswahl aus seinen Gedichten]. – Blätter für literarische Unterhaltung (Leipzig, Brockhaus, 4°.) Jahrg. 1854, S. 27: „Lenau und seine Freunde in Schwaben“, von Theodor Fasoldt [anläßlich der Werke von Karl Mayer und Emma Niendorf über Lenau]; S. 122; „Aus Lenau’s Leben“, von Ebendemselben [anläßlich der Schrift von L. A. Frankl über Lenau; mit einem Nachtrage von H. Marggraff]. – Bremer Sonntagsblatt (4°.) 1864, Nr. 52: „Lenau’s Leben und Charakter“. Von Fr. Kern. – Deutsche Monatschrift aus Kärnten, redigirt von Vinc. Rizzi (Villach, gr. 8°.) 1850, S. 310: „Nikolaus Lenau“. – Die Gartenlaube. Illustrirtes Familienblatt (Leipzig, Ernst Keil, gr. 4°.) Jahrg. 1863, S. 164: „Bilder aus dem Leben deutscher Dichter. Nikolaus Lenau“. Von Herbert König. – Der Gesellschafter, oder Blätter für Geist und Herz. Herausgegeben von Gubitz (Berlin, 4°.) 1847, Nr. 152, 153 u. 154: „Nikolaus Lenau“. Andeutungen über sein Leben und Dichten. Von Hieronymus Lorm. – Illustrirtes Familienbuch des österreichischen Lloyd (Triest, gr. 4°.) I. Bd. (1851), S. 300 u. f: „Nikolaus Lenau“, von C. L. – Kurz (Heinrich), Geschichte der deutschen Literatur mit ausgewählten Stücken aus den Werken der vorzüglichsten Schriftsteller (Leipzig 1859, B. G. Teubner, schm. 4°.) Bd. III, S. 258, 259, 299, 303 u. 392. – Neuer Plutarch, oder Biographien und Bildnisse der berühmtesten Männer und Frauen aller Nationen und Stände u. s. w. Vierte Auflage. Mit Verwendung der Beiträge des Freiherrn Ernst von Feuchtersleben neu bearbeitet von Aug. Diezmann (Pesth, Wien und Leipzig 1858, C. A. Hartleben, 8°.) S. 74. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 396 [unter dem Namen Lenau. Dieser Artikel, so kurz er ist, ist doch bemerkenswerth, da er zur Zeit drückender Censurverhältnisse mit unverhehlter Anerkennung die Bedeutenheit des Dichters, der seine uncensurirten Werke im Auslande erscheinen ließ, ausspricht. Der Erklärungsgrund für diese [339] auffällige Erscheinung ist der Umstand, daß der deutsche Poet Lenau von Geburt ein Ungar ist]. – Schwäbischer Merkur 1850, Beilage: Schwäbische Chronik Nr. 248, S. 1653: „Nikolaus Lenau“. – Steger (Fr. Dr.), Ergänzungs-Conversations-Lexikon u. s. w. (Leipzig und Meißen, gr. 8°.) VI. Bd. (1851), S. 217–224.
II. c) Biographisches [Begegnungen mit Lenau – Episoden aus seinem Leben – Ansichten und Aussprüche]. Es ist noch keine eigentliche Biographie Lenau’s vorhanden, daher glaubte ich auch, Alles, was über ihn irgendwo erschienen und nur bekannt geworden, hier anführen zu müssen. Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1864, Beilage zwischen den Nummern 214 u. 219: „Ein Wort über Lenau“. – Der Bazar (Berliner Musterblatt, kl. Fol.) XIV. Jahrg. (1868), Nr. 2, S. 15: „Ein Concert im Postwagen“. Von Karl Neumann-Strela. (Eine Begegnung Lenau’s mit Therese Milanollo. Die Virtuosin soll im Jahre 1850 auf sein Grab einen Lorbeerkranz mit weißseidenem Bande, worauf die Worte standen;

„Und als Lebewohl er winkte mit der Hand,
War’s, ob der letzte Jugendtraum mir schwand.
     Dem Unsterblichen von Therese Milanollo.“

gelegt haben.] – Blätter für literarische Unterhaltung (Leipzig, F. A. Brockhaus, 4°.) Jahrg. 1851, Nr. 109, S. 648: „Lenau und seine Freunde. Ein literarisches Todtenopfer“ [die Freunde sind: Gustav Schwab, Frau von Suckow, Reinbeck und Justinus Kerner]. – Deutsches Museum, herausgegeben von Rob. Prutz und W. Wolfsohn (Leipzig, gr. 8°.) 1851, 1. Heft, enthält: „Der letzte Sommer Lenau’s. Erinnerung und Betrachtung“, von Berthold Auerbach. [Dieser Aufsatz Auerbach’s wurde in den betheiligten Kreisen fast mit Befremden aufgenommen. Bald darnach, als er erschienen, brachten die Hamburger „Jahreszeiten“ über denselben folgende Mittheilungen: „Der sonst von uns sehr geschätzte Autor hat in diesem Abriß, den er von Lenau gibt, leider ein wenig zu oberflächlich und mit zu viel Eingenommenheit von sich selbst geschrieben. Das Bild, das er von dem armen dahingeschiedenen Dichter entwirft, ist in vielfacher Beziehung ein falsches. Lenau, das darf man glauben, war in seinen bösen, wie in seinen guten Seiten weit interessanter, als ihn Auerbach beschreibt und nach einer so kurzen Bekanntschaft beschreiben konnte. Der Verkehr zwischen Beiden scheint auch gar nicht so intim gewesen zu sein, wie das Auerbach im Eifer sich selbst und Andern hat einbilden mögen. Es geht vielmehr aus Allem, was mitgetheilt wird, hervor, daß die Vertraulichkeit, die sich zwischen beiden ausgezeichneten Literaturerscheinungen angeknüpft hat, nur eine äußerliche und eine solche war, wie sie durch den Ton und das Wesen Auerbach’s leicht erzeugt wird. Auerbach hätte, darauf fußend, nicht so bestimmt urtheilen sollen. Lenau war nicht so leicht zu fassen, als Auerbach es meint. Und sein Artikel selbst liefert Beleg genug dazu. Wenn Auerbach an Lenau’s Werken tadeln wollte und ihm Letzterer darauf erwiederte: „Laß nur gut sein, du magst Recht haben, es bleibt aber doch so, rede lieber nicht weiter davon“, oder ähnliche Worte, so ist das sehr stolz abweisend und eben nicht zum Vortheile für Auerbach. Daß er glaubte, sein Anblick könne eher als der eines Andern auf den Wahnsinnigen Eindruck machen und zu seiner Heilung beitragen, klingt sehr selbstgefällig, ist aber im Grunde, wie wir wohl wissen, nur jene unbeschreiblich naive Gutmüthigkeit, welche dem Verfasser der „Schwarzwalder Dorfgeschichten“ oft so reizend gelassen hat, daß man schon darüber fortsehen kann, wenn sie einmal an der unrechten Stelle zum Vorschein kommt. Wenn Auerbach aber mittheilt, daß Lenau ihm vertraute, er fühle sich nicht behaglich bei Reinbeck’s, so ist dieß eine große Indiscretion, die der armen Frau Reinbeck, die für Lenau das tiefste Interesse hatte, sehr wehe thun muß. Wenn Auerbach Lenau wirklich gekannt hätte, so würde er gewußt haben, daß dieser sehr von Stimmungen abhing und sich im üblen Humor oft bitter über Menschen ausließ, die er im Grunde liebte und auch alle Ursache hatte zu lieben. Daß Auerbach aber so sehr imponirte, daß Lenau sich vom Kellner kleine Münze herausgeben ließ, hat uns lachen gemacht. Solche Züge besagen nichts und am wenigsten bei Lenau. Von ihm eine rechte Schilderung zu geben, werden Wenige vermögen. Die von Auerbach ist, wie man dieß nicht bezweifeln kann, in guter Absicht, aber in einer Unkenntniß geschrieben, wie man sie zu Nutz des gestorbenen Poeten und seiner ihn überlebenden Freunde nicht unerläutert lassen darf.“ Herausgeber dieses Lexikons hat nun von Freunden und Fremden immer wieder diese flüchtige Skizze Auerbach’s über [340] Lenau, als eines ganz Außerordentlichen und zur Seelenkenntniß Lenau’s so wesentlich Beitragenden Erwähnung thun hören, daß er zur Berichtigung der Ansichten in beiden Lagern – jener, die mit oder gegen Auerbach gehen“ – diese Apostrophe aus den „Jahreszeiten“ 1851, Nr. 4, mitzutheilen für angemessen fand.] – Didaskalia (Frankfurter Unterhaltungsblatt, 4°.) 1856, Nr. 9: „Lenau’s Liebe“; Nr. 237: „Lenau’s letzte Zeilen“ [auch in der Theater-Zeitung von Adolph Bäuerle, 1856, Nr. 212]; – dasselbe, 1858, Nr. 232 [zu Lenau’s Charakteristik]. – Frankfurter Konversationsblatt (belletrist. Beilage zur Ober-Postamts-Zeitung) 1854, S. 651, „Erinnerung an Lenau“, von Emma Niendorf; – 1856, Nr. 160 [ein Zug aus seinem Leben; auch in der „Deutschen allgemeinen Zeitung“ 1856, Nr. 158]. –Frankl (L. A.), Sonntagsblätter (Wien, gr. 8°.) IV. Jahrg. (1845), S. 793: „Ein Gedicht on Nikolaus Lenau“ [sechs Wochen vor dem Ausbruche seiner Krankheit gedichtet. Es beginnt: „s’ eitel nichts, wohin mein Aug’ ich hefte“]; – dieselben, VI. Jahrg. (1847), S. 29: „Aus dem Banate. Landschaften und Staffagen“, von Friedrich Uhl [über Lenau’s Geburtsort Czatad und seine Eltern]; – VII. Jahrg. (1848), S. 17: „Nikolaus Lenau als Hörer der Medicin. Aus der Erinnerung eines Collegen“. Von Leopold Kompert; – ebenda, in der Beilage: Literatur Nr. 6, S. 33: „Wie Nikolaus Lenau Christ geworden ist“, von L. A. Frankl; S. 49: „Nikolaus Lenau“. Erinnerung aus meinem Leben“, von Johann Gabriel Seidl. – Humorist. Von M. G. Saphir (Wien, kl. Fol.) 1858, Nr. 126. „Eine Erinnerung“. Von L–gg (Levitschnigg) [erzählt ein Gespräch Lenau’s mit Levitschnigg mit der Hindeutung auf einen Versuch, das alte deutsche Puppenspiel „Faust“ zu parodiren, wonach aber diese Idee nicht Lenau, sondern Levitschnigg ausgesprochen hat]. – Jahreszeiten (Hamburger Modeblatt, schm. 4°.) 1853, Nr. 40, Sp. 2207 bis 2220: „Erinnerungen an Nik. Lenau“. – Illustrirtes Familienbuch des österreichischen Lloyd (Triest, 4°.) I. Jahrg. (1851), S. 30: „Ein Stündchen mit Lenau und Raimund“, von Emanuel Straube. – Iris (Gratzer Muster- und Modeblatt, schm. 4°.) Jahrg. 1859, I. Band, 9. Liefg. S. 32: „Nikolaus Lenau“ [Lenau’s Beziehungen zu Gustav Schwab]. – Klüpfel (Karl), Gustav Schwab’s Leben und Wirken (Leipzig 1858, Brockhaus, 8°.) [enthält Nachrichten über Lenau’s Beziehungen zu Gust. Schwab und seiner Familie und mehrere noch ungedruckte Briefe Lenau’s an Schwab und dessen Frau]. – Morgenblatt (Stuttgart, Cotta, 4°.) 1856, Nr. 8, S. 185: „Lenau’s Leben. Wahrheit und Dichtung“ – National-Zeitung (Berlin, Fol.) 1864, Nr. 155, 163, 165 u. 169, im Feuilleton: „Mit Lenau. Tagebuchblätter 1843 und 1844“. Von Karl Beck [auch nachgedruckt in der „Temesvárer Zeitung“ 1863, Nr. 228, 234, 246, 252 u. 258; im „Pester Lloyd“ desselben Jahres unter dem Titel: „Tagebuchblätter 1843/44“. Beck erzählt darin sein Zusammentreffen mit Lenau in Wien]. – Omnibus. Beilage zu dem Brünner polit. Blatte „Neuigkeiten“ 1856, Nr. 54, S. 432: „Lenau und ein Gespenst“. – Schenckel (J. Dr.), Deutsche Dichterhalle des neunzehnten Jahrhunderts (Mainz 1851, C. G. Kunze, 8°.) Bd. II, S 118–164; „Nikolaus Lenau“ [biographisch-literarisch]. – Sternberg (Freiherr v.), Erinnerungsblätter (Berlin 1855, Spindler, 8°.) [enthält auch Erinnerungen an Lenau; vergleiche: die „Oesterreichische Zeitung“ 1855, Nr. 400]. – Theater-Zeitung. Herausg. von Adolph Bäuerle (Wien, gr. 4°.) 1853, Nr. 246: „Lenau über Amerika“. – Waldheim’s Illustrirte Zeitung (Wien, Fol.) 1863, Nr. 81, S. 966: „Ein Wohnhaus des Dichters Nikolaus Lenau“ [es ist eine hölzerne Hütte auf der sogenannten Generalswiese am Fuße des Festungsberges in Ofen, in welcher Lenau’s Mutter, als sie im Jahre 1817 fast hilflos nach Ofen kam, wegen der in Ofen selbst unerschwinglich theuren Wohnungen, eine erbärmliche Zuflucht fand]. – Der Wanderer. Organ für Literatur, Kunst u. s. w. (Wien, gr. 4°.) 36. Jahrg. (1849), Nr. 60 u. f: „Ein Abend in Aigen und ein Gespräch mit Lenau“, von Ludwig Mielichhofer [auch im Sonntagsblatt, Beilage zur „Neuen Salzburger Zeitung“ 1856, Nr. 15; im „Wanderer“ 1856, Nr. 178, und in L. A. Frankl’s „Sonntagsblättern“ 1846, Nr. 26]; – derselbe, 37. Jahrg. (1850), Nr. 421: „Badner Briefe“ (kurze Mittheilung über Lenau’s Aufenthalt in Baden im Jahre 1842]; – derselbe, 1866, Nr. 327, im Feuilleton: „Aus den Memoiren von Braun von Braunthal. Lenau“; Nr. 329: „Briefe von Lenau an mich“ (Braunthal). – Ein im „Frankfurter Konversationsblatt“ zu Anfang [341] der Fünfziger-Jahre – ich kann den Jahrgang nicht mit Bestimmtheit bezeichnen – abgedruckter Aufsatz: „Einige Stunden in Weinsberg“, von N. Adler, enthält auch persönliche Notizen über Lenau.
II. d) Literarische Charakteristiken. [Sie enthalten alle mehr oder weniger auch biographisches Materiale, aber das literarisch-kritische Moment ist darin das vorherrschende.] (Augsburger) Allgemeine Zeitung (Cotta, 4°.) 1840, Beilage Nr. 195: „Englisches Urtheil über Nikolaus Lenau“ [aus dem British and foreign Review]. – Berliner Figaro (schm. 4°.) VII. Jahrgang (1837), Nr. 271: „Wiener Dichter“ [Charakteristiken Zedlitz’, Bauernfeld’s, Lenau’s u. s. w. von Ph.]. – Elberfelder Zeitung 1862, Nr. 283 u. 284, im Feuilleton: „Nikolaus Lenau. Eine literarhistorische Skizze“, von Carl Siebel. – Ergänzungsblätter zur Allgemeinen Zeitung (Stuttgart, Cotta, 4°.) 1845, S. 162 u. 163, im Aufsatze: „Deutsche Dichter aus Oesterreich“. – Frankfurter Konversationsblatt (4°.) 1850, Nr. 72: „Nikolaus Lenau“. Ein Literaturbild, mitgetheilt von Y. – Frankl (L. A. ), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) II. Jahrg. (1843), S. 1165 [im Aufsatze: „Ein Franzose über deutsche Poesie. Freiligrath, Heine, Zedlitz. Lenau“. Der Franzose ist Herr Taillandier, der in der Revue des deux mondes eine Abhandlung: „De l’état de la poesie en Allemagne“, mit nicht ganz glücklichen Ansichten veröffentlichte]. – Goldschmidt (Wilhelm), Fragmente (Berlin 1865, Stilke u. van Muyden, 8°.) [enthält neben drei Novellen und einer Charakteristik Christian Günther’s auch eine Charakteristik Lenau’s]. – Gottschall (Rudolph), Die deutsche Nationalliteratur in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, Literarisch und kritisch dargestellt – –. Zweite verm. u. verb. Aufl. (Breslau 1861, Ed. Trewendt, 8°.) Bd. I, S. 171: Hölderlin und Lenau; Bd. II, S. 249: Lenau als österreichischer Poet; Bd. III, 96 u. f.: seine Gedichte; S. 103: Faust; S. 104: Savonarola; S. 107: dichterischer Nachlaß; S. 115: Vergleich mit Meißner; S. 110: philosophischer Lyriker. – Horn (Uffo), Nikolaus Lenau, seine Ansichten und Tendenzen, mit besonderer Hindeutung auf sein neuestes Werk: Savonarola. Offenes Sendschreiben an Karl Gutzkow von – – (Hamburg 1838, Hoffmann u. Campe, 8°.) [ein unnützes Buch, durch das Lenau nicht um ein Stäubchen größer wird, als er schon war und bleibt]. – Humorist. Von M. G. Saphir (Wien, gr. 4°.) XIV. Jahrg. (1850), Nr. 208: „Nikolaus Lenau“. – Laube (Heinr.), Geschichte der deutschen Literatur (Stuttgart 1840, Hallberger, gr. 8°.) Bd. III, S. 254 u. 255. – Lorm (Hieronym.), Wiens poetische Schwingen und Federn (Leipzig 1847, Fr. Wilh. Grunow, 8°.) S. 33–48: „Nikolaus Lenau“. – Marbach (Oswald), Ueber moderne Literatur (Leipzig 1838, kl. 8°.) S. 363: „Dreiunddreißigster Brief. Lenau“. – Menzel (Wolfgang). Die deutsche Literatur. Zweite vermehrte Auslage (Stuttgart 1856, Hallberger, 8°.) Theil IV, S. 41. [Kurz, aber treffend ist, was Menzel über Lenau sagt: „Unter den neueren Dichtern ist Einer, in welchem sich eine süße Wehmuth in der vollendetsten Form, die echt poetische Melancholie offenbart. Lenau. Vielleicht ist bei keinem anderen Dichter die ewige Sehnsucht des Herzens so rührend ausgedrückt, nicht in leidenschaftlicher Wildheit, auch nicht in schmerzlicher Klage, sondern in dem, was der Engländer „die Wonne der Thränen“ nennt.“] – Mundt (Theodor), Geschichte der Literatur der Gegenwart. Vorlesungen über deutsche, französische, englische u. s. w. Literatur. Von dem Jahre 1789 bis zur neuesten Zeit (1853). Zweite neu bearbeitete Auflage (Leipzig 1853, M. Simion, 8°.) S. 682–686. – Neue Münchener Zeitung (4°.) 1850, Beilage zu Nr. 206: „Nikolaus Lenau“. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1867, Nr. 1069: „Briefe eines alten Wieners an eine Freundin. Die poetischen Dioskuren Oesterreichs“, von Eduard Bauernfeld. [Bauernfeld schreibt in diesem Briefe über Anastasius Grün und Lenau. Der größere Theil dieses Briefes ist der Charakteristik Lenau’s und seinem Wiedersehen im Jahre 1845 gewidmet.] – Neue Zeit (Olmützer polit. Blatt) 1868, Nr. 37, 38, 39, 41, 42, 43, 44: „Nikolaus Lenau. Ein Vortrag von Prof. Dr. E. Schwab“. – Oesterreichischer Parnaß, bestiegen von einem heruntergekommenen Antiquar (Frey-Sing, Athanasius u. Comp. [Hamburg, Hoffmann u. Campe], 8°.) S. 29 [eine in der burschikosen Weise dieses berüchtigten Pamphlets ausgeführte Silhouette]. – Opitz (Theodor), Nikolaus Lenau. Eine ausführliche Charakteristik des Dichters nach seinen Werken (Leipzig 1850, 8°.). – Programm und Jahresbericht des k. k. Josephstädter Gymnasiums für das Schuljahr [342] 1862 (Wien 1862, Staatsdruckerei, 4°.) S. 3: „Ueber Nik. Lenau’s Geistesproceß“. Von Karl Landsteiner. – Rivista critica, per Cesare Bini, 1867, Nr. 4–6: „N. Lenau“. – Schmidt (Julian), Geschichte der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts (Leipzig 185., gr. 8°.) Bd. III, S. 82 [befangen und haltlos wie vieles, was Herr Julian Schmidt im Kathedertone über deutsche, vornehmlich österreichische Schriftsteller vorbringt]. – Seidlitz (Julius Dr.), Die Poesie und die Poeten in Oesterreich im Jahre 1836 (Grimma 1837, J. M. Gebhardt, 8°.) S. 119–140: „Nikolaus Lenau“ [Lenau’s wahrer Name Niembsch Edler von Strehlenau wird dahier zu Nimtsch entstellt und der einfache Edelmann zu einem Freiherrn von Strehlenau gemacht]. – Wanderer (Wiener politisches Blatt, Fol.) 1850, Nr. 493 u. f., im Feuilleton: „Lenau und seine Sendung“. – Wiener Zeitschrift, herausg. von Schickh, später von Witthauer (Wien, 8°.) 1832, Allgemeines Notizenblatt S. 31 [Lenau’s erstes Auftreten als Poet und über seine Absicht, in Amerika sich anzusiedeln]. – Wiener Zeitung 1868, Nr. 164, S. 131: „Waldwege“, von Bacciocco [eine kurze, aber zutreffende Charakteristik Lenau’s, seiner unheimlichen Virtuosität, in die schauerlichsten Räthsel der Natur einzudringen, um von dem geahnten Geheimnisse wenigstens einen Klang zu uns emporzusenden]. – Dr. O. Lindner hat in Berlin im Februar und März 1866 einen Cyklus von drei Vorlesungen zum Besten des dortigen Volkskindergartens über Lenau als Dichter, dann über dessen Faust, Savonarola und Albigenser gehalten. Diese Vorträge scheinen noch ungedruckt zu sein.
III. Ueber Niembsch von Strehlenau’s Wahnsinn. Allgemeine Zeitschrift für Psychiatrie, der Jahrgang 1850 enthält einen Aufsatz über Lenau’s Wahnsinn von Dr. Heinrich Meckel, Oberarzt der Irrenanstalt in Winnenthal, in welcher Lenau die erste Periode seiner Krankheitszeit zubringen mußte. Dieser Aufsatz ist auch in den „Hamburger Jahreszeiten“ 1850, Nr. 11, abgedruckt. – Europa (Leipzig, schm. 4°.) 1854, S. 36: „Frankl über Lenau’s Wahnsinn“. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber), XVII. Bd. (1851), Nr. 424, S. 150: „Ueber Lenau’s Wahnsinn“. Die darin ausgesprochene Ansicht: „Lenau’s Erziehung und Bildung war einseitig“, ist durchaus falsch. Wie kann die Bildung eines Mannes, der die Rechtswissenschaften – zweimal, zuerst an der Pesther, dann von Neuem an der Wiener Hochschule – dann Landwirthschaft und zuletzt Medicin bis zur Ablegung der strengen Prüfungen vollendet hatte, der in den Schulen ein ausgezeichneter, ob seiner Talente und Kenntnisse vielgepriesener Student gewesen, mit dem Worte „einseitig“ abgefertigt werden? – Theater-Zeitung (Wiener allgemeine Zeitung für Theater, Kunst und Musik, gr. 4°.), herausg. von Ad. Bäuerle, 1851, Nr. 66: „Nikolaus Lenau’s Wahnsinn“. – Wanderer (Wiener polit. Journal) 1855, Nr. 354, im Feuilleton: „Brief von Justinus Kerner und Nikolaus Lenau“. [Kerner schreibt diesen Brief anläßlich Frankl’s Buch über Lenau, und erörtert darin vornehmlich Lenau’s Wahnsinn.) – Auerbach in den „Deutschen Abenden“ behandelt Lenau’s Wahnsinn in dem ästhetisirenden Essai: „Der Weltschmerz in besonderer Beziehung auf Lenau“.
IV. Niembsch v. St.’s Tod, Bestattung und Grabdenkmal.Grabdenkmal. Die vier überlebenden Schwestern des verewigten Dichters ehrten das Andenken des berühmten Bruders durch Errichtung eines schönen Grabdenkmals. Dasselbe befindet sich auf dem Friedhofe zu Weidling am Bache, wo auch Hammer-Purgstall bestattet ist. Es besteht aus einer abgestumpften (hindeutend auf sein abgebrochenes Dichterwirken) Pyramide von abgeschliffenem grauen Granit aus der Gegend von Mauthhausen an der Donau in Oberösterreich. Der Stein ist sieben Fuß hoch. In der Gesichtshöhe des Beschauers ist in eine eingeschliffene kreisrunde Vertiefung das eherne Kopfmedaillon des Dichters, von einer sich in den Schweif beißenden Schlange umringt, eingesenkt. Ueber dem Bildniß glänzt – nach antiker Sitte – ein siebenstrahliger goldener Stern. Unterhalb ist in Lapidarschrift nur der Name Lenau zu lesen. Der Name sagt Alles. Ein eisernes Gitter umfaßt den kleinen Grabplatz, in dessen Mitte der Verewigte unter Rosen, die er im Leben so sehr liebte und so herrlich besang, in jener Ruhe schlummert, die er zeitlebens vergeblich gesucht. Die Wände um das Denkmal sind aus Thränenweiden, Cypressen, Birken gebildet, außerhalb des Gitters stehen Rosen und Lebensbäume. Der Stein wurde in der Steinmetzwerkstätte Wasserburger in Wien bearbeitet. Das Medaillon mit dem Bildnisse des Dichters ist ein Werk des Bildhauers Hirschhäuter; [343] das eiserne Gitter ist aus der Eisengießerei zu Blansko in Mähren. Die decorative Einfassung aus verschiedenen Bäumen ist mit Beziehung auf einzelne Dichtungen zusammengestellt. Die Thränenweiden erinnern an eine Stelle des Gedichtes die „drei Zigeuner“, die an einer Weide lagen; die Birken an die Eingangsstrophe des Gedichtes: „Reiseempfindungen“; die Cypressen an die Schlußverse seines Gedichtes: „Glauben, Wissen, Handeln“ Die Einweihungsfeier dieses Denkmals fand am 22. Juli 1851 Statt. Wahrlich, einen schöneren Ruheplatz hat kaum ein anderer Dichter gefunden. „Wie eine zierliche Muschel“, schreibt ein Unbekannter, „liegt auf blumigem Hügel dieser Weidlinger Kirchhof, eine kostbare Perle Oesterreichs, Lenau’s Grab, in sich schließend.“ – Erinnerungen (Prager Unterhaltungsblatt, 4°.) 1856, S. 27: „Lenau’s Grab“. – Faust. Polygraphische Zeitschrift von Auer (Wien, gr. 4°.) Jahrg. 1854, Nr. 15, S. 118: „Lenau’s Tod, Begräbniß und Grab“, von Anton X. Schurz [Der ausführlichste und verläßlichste Bericht über diese Trauerfeier und die ein Jahr darnach stattgehabte Aufstellungsfeier des Grabdenkmals]. – Frankfurter Konversationsblatt (4°.) 1850, S. 715: „Lenau’s Todtenfeier“. – Wanderer (Wiener polit. Journal) 1850, Nr. 399, im Feuilleton: „Lenau’s Leiche“ [Nachricht über dessen Section, Abnahme der Todtenmaske, Leichenbefund. Das Ausführlichste steht in Frankl’s: „Zu Lenau’s Biographie“, S. 123–142]. – Eine Beilage zu Auer’s polygraphisch-illustrirter Zeitschrift „Faust“ brachte die Ansicht von „Lenau’s Grab“, von Conrad Grefe 1851 gezeichnet, Druck von Perlasca und Auer.
V. Illustrationen zu Lenau’s Dichtungen Achtzehn Umrisse zu Lenau’s Gedichten. Drei Lieferungen à 6 Blatt auf Ton gedruckt im Format der Gedichte (Karlsruhe, artist. Institut). [Die Blätter sind zu folgenden Gedichten: Einem Knaben – Die Haideschenke – Der Raubschütz – Clara Hebert (3 Bl.) – Die Wald-Capelle (3 Bl.) – Die Marionetten (5 Bl.) – Maria und Wilhelm (3 Bl.) – Die Werbung.) – Neue Stahlstiche zu Lenau’s Gedichten. Separat-Ausgabe aus der Gallerie zur Cotta’schen Volks-Bibliothek (Stuttgart, Karl Goepel, Taschenbuch-Format) [enthält Lenau’s Porträt im Stahlstich aus Karl Mayer’s Kunst-Anstalt in Nürnberg; ferner bildliche Darstellungen, gleichfalls aus Karl Mayer’s K. A. in Nürnberg, zu den Gedichten: „Der Polenflüchtling“, Simon gez., – „Der Indianer-Zug“, dieses und alle folgenden von Ferd. Rothbart gez., – „Wilhelm und Maria“, – „Der Greis“, – „Der ewige Jude“, – „Die drei Zigeuner“, – „Anna“, – „Johannes Zizka“]. – In den Illustrationen zu deutschen Dichtern aus Hans Wachenhusen’s „Hausfreund“ (Berlin o. J., Lemcke u. Comp., gr. 4°.) befindet sich auf Blatt IX Lenau’s Gedicht: „Der Hagestolz“, illustrirt von G. Schweißenger als Seitenstück zu desselben Künstlers Illustration zu dem Gedichte: „Das Blatt im Buche“ von Anast. Grün. – Georg Scherer’s deutscher Dichterwald. Lyrische Anthologie (Stuttgart, Hallberger, gr. 12°.) Vierte Auflage, enthält eine Illustration in sauberem Holzschnitt zu dem Gedichte „Der Postillon“ nach der Zeichnung von G. K. Winkler. – Das Album für Deutschlands Töchter. Lieder und Romanzen. Mit Illustrationen von E. Götze, W. Georgy, R. Kretschmar (Leipzig 1858, C. F. Amelang, gr. 8°.) Dritte Auflage, enthält folgende Illustrationen: S. 18 u. 20 ein reizendes Initial und ein Bild zum Gedichte „Der Postillon“ von R. Kretschmar; S. 48 zu „Liebesfeier“; S. 115 zu „Der Entfernten“ und S. 121 zu „Stimme des Kindes“. – Die Illustrirte Welt. Blätter für Natur und Leben u. s. w. (Stuttgart, E. Hallberger, schm. 4°.) X. Jahrg. (1862), enthält auf S. 169 eine Illustration von Gust. Cloß zu dem Gedichte „Einsamkeit“, und XV. Jahrg. (1867), S. 89, zu dem Gedichte „Der Postillon“, welch letztere jedoch weit zurücksteht hinter der von Kretschmar im „Album deutscher Töchter“. – Ueber Land und Meer (Stuttgart, Hallberger), VI. Bd. (1861), S. 456: „Die drei Zigeuner“, Gedicht von Lenau, illustrirt von G. Roux. – Buch der Welt(Stuttgart, Hoffmann, 4°.) Jahrg. 1868, S. 84: „Die Waldcapelle“, o. A. d. Z. in A. Mauch’s xyl. Anstalt [schönes Blatt]. – Das von O. Fikenischer in geistvoller Weise illustrirte Gedicht: „Die drei Reiter“, in Hallberger’s illustrirter Zeitung „Ueber Land und Meer“, XV. Bd. (1866), S. 116, ist in der Unterschrift irrig als ein Gedicht Lenau’s bezeichnet, denn es ist von Emanuel Geibel. – Ferdinand Stolle’s „Jahreszeiten im Schmucke deutscher Poesie“ enthalten zu Lenau’s reizendem Gedichte „Der Lenz“ (16. April) eine ziemlich geschmacklose Holzschnitt-Illustration ohne Angabe d. Z. u. Xyl.
[344] VI. Compositionen zu Lenau’s Gedichten. Bei der ziemlich mangelhaften Einrichtung der Musikkataloge, welche bei Lieder-Compositionen wohl den Componisten, aber nicht immer den Autor des componirten Liedes angeben, war es mir unendlich schwer, eine nur annäherungsweise vollständige Uebersicht der Compositionen Lenau’scher Dichtungen zu erlangen; ich biete also, was meinem sorgfältigen Suchen aufzufinden gelang. Cyklus Dichtungen von Carl Banck (dem Bruder des Kunsthistorikers Otto Banck), Op. 69 (Dresden 1839, bei B. Friedel) [enthält 28 Nummern]. – „Bitte“, von Benedict. – „Abendlied“, von Anna Bochkoltz. – „Nächtliche Wanderung“, von Ign. Brüll, in dessen Op. 2: „Drei Lieder“. – „Im Walde“, „Stille Sicherheit“, „An den Wind“, „Waldlied“, alle vier von Dessauer. – „Schilflieder“, von C. Evers, Op. 40. – „Vision“, von Ebendemselben, Op. 44; überdieß enthalten die Opera 11 und 17 desselben auch Compositionen zu Lenau’s Gedichten. – „Lied eines Schmiedes“, aus „Faust“: Fein Röslein, ich beschlage dich, von C. Evers, in dessen Op. 69: „Vier Lieder“. – „Dein Bild“, von Hackel, Op. 42. – „Bitte“, von M. H. Hauser, in dessen „Sechs Gesänge für Pianoforte“, Op. 7. – „Die drei Zigeuner“, von Joh. Herbeck, Op. 4. – „Schilflied“, von Rud. Hirsch, Op. 16. – „Frühlingsgedränge“, von Ferdinand Hiller, in Op. 25: „Sechs Gesänge für Sopran, zwei Tenor- und zwei Baßstimmen“. – „Frage nicht“, von G. Hölzel, Op. 72. – „Huszarenlied“, von J. W. Kaliwoda. – „Andenken“, „Meiden“, von A. Mangold, Op. 14. – „An die Entfernte“, von H. Marschner. – „Bitte“, „Schilflied“, von C. Meindl, in dessen Op. 5: „Zwei Chöre für Männerstimmen“. – „Der Postillon“, von Adolph Müller Vater. – „Herbstklage“, von Aug. Pott, in dessen „Vier deutsche Lieder für 4stimmigen Männerchor“. – „Die drei Zigeuner“, von H. Proch, Op. 191. – „Schilflieder“, mit gegenüberstehender čechischer Uebersetzung. von L. Prochazka. – „Schilflied“, von B. Randhartinger [in der Witthauer’schen Wiener Zeitschrift“ 1835, Beilage zu Nr. 131]. – „Liebesfeier“, von A. Rubinstein, in Op. 61: „Sechs Lieder für Männerstimmen“. – „Sängerliebe. Lieder-Cyklus“. Dichtungen von O Roquette, E. Geibel, Hoffmann v. Fallersleben, Lenau, von Schmidtler, Op. 7. – „Sechs Gedichte von Lenau“, von Rob. Schumann, Op. 90. – „Lieder von Sternau, Lenau u. s. w.“, compon. von G. Wöhler, Op. 6.
VII. Niembsch von St.’s Bildnisse in Stahlstich, Lithographie und Holzschnitt. 1) Unterschrift: Nicolaus Nimpsch von Strehlenau (Nicolaus Lenau). Franck del., C. Kotterba sc., gestochen von C. Mahlknecht (4°.) [auch in den ersteren Ausgaben seiner Gedichte). – 2) Auf einem Blatte mit Anast. Grün, Murray, Durham, Sieges und Necker. Stahlstich von Carl Mayer’s Kunst-Anstalt in Nürnberg (8°.) [Miniaturbildniß]. – 3) Unterschrift: Nicolaus Lenau. Stahlst. o. A. d. Z. u. St. (kl. 8°.), auch als Titelbild zu der Biographie: „Nicolaus Lenau“ (Leipzig 1859, Verlag der modernen Classiker). – 4) C. Mayer sc. (Stuttgart, Göpel, 8°.). – 5) Lithographie ohne Namen des Zeichners und Lithogr. (4°.). – 6) Unterschrift: Nicolaus Lenau. Geb. 13. August 1802. Kriehuber (lith.) 1841. Gedruckt bei J. Höfelich [Beilage zur Wiener Zeitschrift Nr. 1, 1. Jänner 1842. Unstreitig sein ähnlichstes Bild]. – 7) Unterschrift: Lenau Miklós. Marastoni J. (lith.) 1863 [auch im „Az ország tükre“ 1863, Nr. 3]. – 8) Nicolaus Lenau. Originalzeichnung von Herbert König. [Lenau, an einen Baumstamm gelehnt, in tiefem Nachsinnen, umgeben von wie in der Luft schwebenden Ansichten: Justinus Kerner’s Wohnhaus bei Weinsberg – Ungarische Haide – Heilanstalt Winnenthal bei Stuttgart – unterhalb seine Ruhestätte auf dem Weidlinger Friedhofe bei Wien. Xylographie von W. Haase. Sinnig gedacht und sauber ausgeführt.] – 9) Unterschrift: Nicolaus Lenau. Holzschnitt von Deis. – 10) Unterschrift: Facsimile des Namenszuges Lenau. X. A. v. G. Laufer [auch in Heinrich Kurz’s „Geschichte der deutschen Literatur“, III. Band, S. 258]. – 11) Georg Scherer’s „Deutscher Dichterwald. Lyrische Anthologie“ (Stuttgart, Hallberger, 12°.) Vierte Auflage, bringt auf S. 159 ein in Holz geschnittenes sauberes Bildniß Lenau’s nach der Zeichnung von Fritz Kriehuber, mit Vignette von J. J. Schönberg. – Der Wanderer (Wiener polit. Journal) 1850, Nr. 399, enthält im Feuilleton den Aufsatz: „Lenau’s Porträt. Aus meinem Skizzenbuche“. Von J. M. Aigner. [Aigner erzählt, wie er das Bildniß des bereits Wahnsinnigen malte. Dieses Bild, das wohl nie enthüllt sein und [345] überhaupt gar nicht gezeigt werden sollte – ein Mensch, der Göttliches mit seinem Geiste schuf, zum Schemen, unter das Thier erniedriget – befindet sich im Besitze des Dichters Ludw. Aug. Frankl.] – Bildhauer Hirschhäuter nahm Lenau’s Todtenmaske ab; früher schon hatte er mit Hilfe eines Daguerreotyps und vorhandener Bildnisse eine ziemlich ähnliche Statuette des Dichters dargestellt. Von Hirschhäuter ist auch das Bronze-Medaillon, das auf der Pyramide, die sein Grabdenkmal bildet, zu sehen ist.
VIII. Gedichte an Niembsch v. St. Der Gesellschafter, oder Blätter für Geist und Herz, herausgegeben von Gubitz (Berlin, 4°.) Jahrg. 1839, Nr. 10: „An Nic. Niembsch von Strehlenau (Lenau). Von Dräxler-Manfred. – Deutsches Museum, herausg. von Robert Prutz und Karl Frenzel (Leipzig, gr. 8°.) 1866, Nr. 30: „Lenau in Wien. Ein Lieder-Zyklus“. Von J. G. Fischer. – Pfaff von Kahlenberg. Ein ländliches Gedicht von Anastasius Grün (Leipzig 1850, Weidmann’sche Buchhandlung, Miniaturformat), enthält das Widmungsgedicht an seinen „geliebten Freund“. [Es beginnt mit den Zeilen: Dein Banner war tiefschwarze Seide, ich schwang ein rosenfarb Panier u. s. w. und ist vom November 1849 datirt.] – Sonntagsblätter von Ludw. Aug. Frankl (Wien, 8°.) IV. Jahrg. (1845), Nr. 23: „An Nikolaus Lenau“. Von Anastasius Grün [die drei herrlichen Sonette Grün’s bald nach Lenau’s unheilbarer Geistesumnachtung] – Zu Lenau’s Biographie. Von Ludwig August Frankl (Wien 1854, Keck u. Pierer, 8°.), enthält auf S. 120 u. d. f. 6 Sonette A. Grün’s an Lenau, die obenerwähnten drei: „An Nicolaus Lenau“ und drei andere mit der Ueberschrift: „Winnenthal 1845“. – Bald nach Lenau’s Tode brachte die Wiener Zeitung ein längeres Gedicht von Friedrich Halm an Lenau mit der sehr bezeichnenden Schlußstrophe: „Ihr Andern werdet in den Lüften treiben, Wie dürres Laub vom Herbstwind weggeweht, Wenn lange grünend noch sein Name steht Und jung und frisch noch seine Lieder bleiben“. – Morgenblatt für gebildete Leser (Stuttgart, Cotta, 4°.) 1842, Nr. 237: „Mein Krystallglas“ (an Nikolaus Lenau), von Justinus Kerner. – Wanderer (Wiener polit. Journal) 1850, Nr. 538, im Feuilleton: „Lenau’s Grab“. Von Emil Kuh. – Erinnerungen (Prager Unterhaltungsblatt, 4°.) 1856, S. 27: „Lenau’s Grab“, „An Lenau’s Gegner“ [zwei Gedichte von Ferdinand Lauffer]. – Wiener Zeitschrift von Witthauer (8°.) 18.., S. 1029: „An Nicolaus Lenau“, von Franz Sauter. – Sonntagsblätter von L. A. Frankl (Wien, 8°.) 1848, in der Beilage „Literaturblatt“ Nr. 6: „An Nikolaus Lenau“. Von Joh. Gabr. Seidl. – Blätter aus Krain 1865, Nr. 49: „Am Grabe Lenau’s“, Gedicht von Ludwig Waldeck. – Morgenblatt für gebildete Leser (Stuttgart, Cotta, 4°.) 1840, Nr. 149: „Auf Lenau’s einsamen Trinker“. Von Alexander Graf v. Württemberg. – Theater-Zeitung, herausg. von Ad. Bäuerle (Wien, gr. 4°.) Jahrg. 1850, Nr. 204: „An Lenau“ [von Wurzbach (W. Constant)]. – Auch Franz Dingelstedt hat in einem Gedichte meisterhaft Lenau’s Porträt mit Worten gezeichnet.
IX. Einzelheiten [Lenau’s Devisen – Schrift – Braut – Lenau im Roman – Denkstein – Ein Wohnhaus Lenau’s]. – Niembsch’ Emblem und Devise. Um ein vom Sturme umhergeworfenes Schiff: „Telle est ma vie“. [Mit einem Petschaft, in das dieses Emblem sammt dieser Devise eingravirt waren, pflegte er zu siegeln, und mit demselben war auch sein letztes Schreiben vom 16. October 1844, das deutliche Spuren seines Wahnsinns trägt, an seine Freundin Sophie gesiegelt. Jedoch wird auch folgender Spruch: „Der Mensch must sterben, darum eilen“ als Lenau’s Devise bezeichnet. – Niembsch über den Ruhm. Sonntagsblätter, herausg. von Ludwig August Frankl (Wien, 8°.) 1846, S. 1127: „Gruppen und Gestalten aus dem Wiener Leben“. Von M. G. Herbert. [Anläßlich Lenau’s Ausspruch: „Wer in die Praterallee des Ruhmes gelangen will, darf sich in keinen Zeiselwagen einsetzen“. Der „Zeiselwagen“ ist ein Fuhrwerk niederer Gattung vor den Linien Wiens.] – Niembsch über die Faustsage. Pester Sonntagsblatt (4°.) 1854, Nr. 3: „Zur Lenau-Literatur“. [Ueber Lenau’s Ansicht, die Faustsage ließe sich auch satyrisch durchführen. Wo und wann Lenau diese Ansicht ausgesprochen, ist aus den Mittheilungen über ihn nicht ersichtlich, wohl aber hatte Levitschnigg in einem Gespräche mit Lenau den Gedanken, das alte Possenspiel „Faust“ zu parodiren, hingeworfen. Vergl.: Humorist 1858, Nr. 126: „Eine Erinnerung“.] – Niembsch’ Schrift. Jemand bemerkt: Lenau’s [346] Schriftzüge haben eine auffallende Aehnlichkeit mit denen Aug. Lewald’s, nur daß die letzteren etwas spitziger und feiner sind. Es mag dieß ein neuer Beweis für die schon mehrfach ausgesprochene Ansicht sein, wie mißlich es sei, aus der Beschaffenheit der Handschrift auf die Charakterbeschaffenheit des Schreibenden zu schließen; denn irgend eine geistige oder literarische Verwandtschaft zwischen Lenau und Lewald – obwohl sie die erste Sylbe ihres Namens gemein haben – möchte auch dem feinsten Spürer nicht gelingen, herauszufinden. – „Lenau’s Braut, Fräulein Behrends, welche das traurige Schicksal des unglücklichen Dichters mit erduldet, ist am 5. August 1865 in Frankfurt a. M. nach längerem Leiden verschieden“, so meldete die Deutsche allgemeine Zeitung 1865, Nr. 187, aber schon in der nächsten Nummer widerruft sie diese Nachricht, bemerkend, daß nur die Cousine Thekla Behrends der noch lebenden Braut Lenau’s, Fräuleins Marie Behrends,. gestorben sei. – Lenau im Roman. Der Amerika-Müde. Amerikanisches Kulturbild von Ferdinand Kürnberger (Frankfurt a. M. 1856, Meidinger Sohn u. Comp., 8°.) [Moorfeld, der Held dieses Romans, soll, wie eine literarische Ueberlieferung lautet, Lenau sein. Einige Züge und Nuancen sind wohl dem poetischen Wesen Lenau’s entnommen, im Uebrigen ist die ganze Figur ein geistreiches Phantasiegebilde des Autors.] – Denkmal für Niembsch. (Augsburger) Allgemeine Zeitung (Cotta, 4°.) 1867, Beilage zwischen Nr. 237–243: „Denkmal für Lenau“. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1867, Nr. 1072: „Denkmal für Lenau“ [Aufruf des Professors Schwicker in Groß-Becskerek, der Erinnerung Lenau’s in seiner Vaterstadt Csatad im Banate einen Denkstein zu weihen]. – Parodie auf Lenau’s Gedicht: „Die drei Zigeuner“. Diese steht in Zacharias Funk’s 2. Cyklus: „Deutsche Parodien und Travestien“ (Erlangen, bei Palm). [Zach. Funk, ein Bamberger Bibliophile, mit dem wahren Namen Kunz, bringt auf S. 27 genannten Buches die Parodie auf Nikolaus Lenau’s „Drei Zigeuner“ unter der Aufschrift: „Die drei Scribenten“ von Demselben. Dieser „Derselbe“ sollte Lenau sein und Lenau sich selbst parodirt haben? Mit nichten. Diese Parodie stand im Jahrgange 1839 der von Franz Weiß begründeten, später von Friedrich Faber redigirten Zeitschrift „Eisenbahn“ mit der Chiffre: „Niko-Sauk Laune“, womit auch Nikolaus Lenau’s Name anagrammatisch parodirt ist. Die Parodie weist auf die Zeitschrift: „Die Rosen“ und auf Leipzig hin, wo Lenau niemals gewesen ist – Ein Wohnhaus Lenau’s. Waldheim’s Illustrirte Zeitung (Wien, Fol.) 1863, Nr. 81: „Ein Wohnhaus des Dichters Nicolaus Lenau. Nach einer Originalskizze“. Holzschnitt o. A. d. Z. u. X. [Es ist das Haus auf der Generalswiese bei Ofen, dessen auf S. 340 in der Abtheilung „Biographisches“ bereits Erwähnung geschah; Abbildung und Mittheilung auch in den „Mußestunden“ (Wien, bei Waldheim, 4°.) 1863, S. 381 u. 383.]
X. Niembsch von Strehlenau’s Wappen. Wie schon bemerkt worden, stammt Niembsch’ Adel von seinem Großvater väterlicher Seits, der Officier in der kaiserlichen Armee gewesen. Dieser nämlich, Joseph Niembsch, hatte sich im Jahre 1793, am 16. October, in den Niederlanden durch seine Umsicht und Tapferkeit, denen man die Befreiung zweier vom Feinde bereits ganz eingeschlossenen Infanterie-Bataillons verdankte, besonders ausgezeichnet. Wunden halber wurde er im September 1795 als erster Rittmeister in den Friedensstand übersetzt und bei den verschiedenen Monturs-Commissionen in Podgorze, Brünn und zuletzt in Stockerau verwendet. Auch in diesem Dienste that er sich durch Energie und Rechtlichkeit besonders hervor. Nachdem er über 52 Jahre gedient, bat der damals schon zum Oberst vorgerückte N. um den Adel. Denselben führten zwar schon sein Großvater und Vater, dieser Letztere war Oberstlieutenant bei Schröder-Infanterie, aber die Familienpapiere und mit diesen das Adelsdiplom waren in den Kriegswirren des 18. Jahrhunderts in Verlust gerathen, und Oberst Niembsch bat, um sich den Adel, den er nicht erweisen konnte, nicht fürder anzumaßen, um Verleihung desselben, die dann auch mit Diplom vom 24. December 1820 erfolgte. – Wappen. Ein in die Länge golden und roth und in die Quere blau getheilter Schild. 1: in Gold eine rothe, mit vier grünen Blattspitzen versehene und golden besamte Rose; 2: in Roth eine goldene Lilie. Im unteren blauen Felde auf grünem Boden rechts eine mit einer geschlossenen Festungsmauer umgebene Stadt mit mehreren Kirchen und Thürmen, links ein großer schroffer Felsen natürlicher Farbe. Auf dem Schilde erhebt sich ein rechtsgekehrter gekrönter Turnierhelm. Auf [347] der Krone desselben ruht zwischen einem schwarzen offenen Adlerfluge ein geharnischter Arm, dessen Hand ein Schwert an goldenem Griffe schwingt. Die Helmdecken sind rechts roth mit Gold, links blau mit Silber belegt.