BLKÖ:Uhl, Friedrich

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Uhl, Christoph von
Band: 48 (1883), ab Seite: 239. (Quelle)
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Uhl, Friedrich (Schriftsteller, geb. zu Teschen in Schlesien am 14. Mai 1825). Der Sohn eines Verwalters auf den Gütern des Erzherzogs Karl in Schlesien, erhielt er seine wissenschaftliche Vorbildung zunächst auf dem Gymnasium zu Teschen, dann auf jenem zu Troppau, welches er 1842 mit dem Zeugniß der Reife verließ, um an der Hochschule Wien Philosophie zu studiren. Dem daselbst sich bald der Schriftstellerei Zuwendenden begegnen wir zuerst in Dr. L. A. Frankl’s „Sonntagsblättern“, dem geachtetsten vormärzlichen Journale der Residenz, in welchem Uhl 1845 mit einer „schlesischen Dorfgeschichte“ [S. 313] debutirte, worauf noch im nämlichen Jahrgange die Artikel: „Fürst Liechtenstein“ [S. 532} und „Der Ficofage“ [S. 1102] folgten; der Jahrgang 1846 brachte von ihm zwei „Märchen“ [S. 337 und 515], „Der Mann mit dem Leierkasten“ [S. 388], dann eine Folge ethnographischer Skizzen: „Aus dem Banate“ [S. 1137, 1167, 1195]; der Jahrgang 1847: „Märchen aus dem Weichselthale“ [S. 185], „Aus dem Banate“ [S. 27]. 1847 erschien das erste selbständige Werk Uhl’s unter dem Titel: „Märchen aus dem Weichselthale“ (Wien, Groß und Bianchi, 12°.), mit Illustrationen von Michael von Zichy und Anderen. Dasselbe ist Ludwig August Frankl, der einige Proben daraus in den „Sonntagsblättern“ aufgenommen hatte, und Adalbert Stifter gewidmet und fand bei der Neuheit des Gegenstandes und der netten Behandlung des Stoffes eine sehr freundliche Aufnahme. Auch war Uhl um diese Zeit im Hause des Freiherrn Vesque von Püttlingen als Erzieher thätig. Im Bewegungsjahre 1848 begegnen wir ihm auf lyrischem Gebiete. Ein in zwei Auflagen bei Klopf und Eurich (8°.) erschienenes Flugblatt enthält sein schönes Gedicht: „Für die Bürger, die am Montag den 13. März 1848 in Wien gefallen“, welches dann öfter noch nachgedruckt wurde. Ein anderes: „Schwarz-Roth-Gold“, folgte in den letzten Apriltagen, wenn ich nicht irre, in Glöggl’s „Musik-Zeitung“. Dasselbe ist der Gräfin Therese Mittrowsky, geborenen Gräfin Wrbna, gewidmet und von S. Sulzer in Musik gesetzt. Die bedeutendste poetische Kundgebung Uhl’s in jenen Tagen sind aber seine in Rank’s „Volksfreund“ [1848, Nr. 35, S. 142; Nr. 36, S. 147; Nr. 37, S. 151; Nr. 38, S. 155, und Nr. 39, S. 159] erschienenen „Neuesten Erzeugnisse der čechischen Literatur“: die čechischen Schmählieder: I. „Das Lied Kuranda“, II. „Das Lied vom deutschen Parlamente“, III. „Was doch der Čeche treiben mag“, IV. „Nach der Schlacht am weißen Berge“, V. „Ha, sie riefen uns nach Frankfurt“. Er übertrug diese Lieder aus dem Čechischen und schrieb in einem [240] kleinen Vorworte dazu unter Anderem Folgendes: „Ich überlasse es den Lesern, nach diesen Liedern auf den Culturzustand der Čechen zu schließen, und will ein Čeche werden, wenn das ganze deutsche Volk nur einen Theil eines solchen Schatzes besitzt“. Schließlich in den letzten Augusttagen debutirte er auch mit einem Nationalgardenliede, das unter dem Titel: „Lied der fünften Compagnie“ als Flugblatt in vier Auflagen, in der vierten mit dem Schlusse: „Der fünften Schottenviertel-Compagnie gewidmet von ihrem Mitgliede“, erschien. Auf journalistischem Gebiete treffen wir Uhl, als es im Reichstage zur Erörterung über die Zulassung der Journalisten zu den Verhandlungen desselben gekommen war. In dieser Angelegenheit, welche einiger journalistischer Indiscretionen wegen mit einem Male zu einer sensationellen Tagesfrage aufgebauscht wurde, stellte Sigfried Kapper zunächst den Antrag, an den Reichstag einen Protest zu richten, der durch alle Zeitungen veröffentlicht werde. Wie Freiherr von Helfert in seiner Schrift: „Die Wiener Journalistik im Jahre 1848“ schreibt, war dieser Protest, mit dessen Abfassung man den Antragsteller Kapper nebst Niederhuber, Tausenau, Zang und Uhl betraut hatte, äußerst burschikos gehalten. Als dann am 11. Juli g. J. das Vereinsblatt der Deutschen in Oesterreich: „Schwarz-Roth-Gold“ mit dem Motto: „Deutschland, Deutschland über Alles, über Alles in der Welt“ unter Dr. L. von Löhner’s Redaction zu erscheinen begann, befand sich in dem Redactionscomité neben Dr. Kuh, Joseph Rank, Schöpf und Dr. Robert Zimmermann auch Friedrich Uhl. Schon bei der zweiten Nummer fiel das Motto weg, bei der siebenten zeichnete Löhner nicht mehr als Redacteur, mit der eilften, welche am 15. August herauskam, hörte das Blatt zu existiren auf. Als die Frucht einer bereits im Jahre 1846 unternommenen mehrmonatlichen Reise in Ungarn gab dann Uhl nachstehende Werke heraus: „Aus dem Banate. Landschaften mit Staffagen. Mit einer Ansicht der Herkulesbäder (in Holzschnitt) und 1 (in Kupfer gest. und col.) Karte des Banates“ (Leipzig 1848, Weber, 8°., 233 S.) und „An der Theiss. Stillleben“ (Leipzig 1851, F. A. Brockhaus, 8°., X und 230 S.). Von 1848 ab war er ununterbrochen journalistisch thätig, von 1861–1865 als Chefredacteur des Parteiblattes „Der Botschafter“, und im Jahre 1872 wurde ihm unter gleichzeitiger oder doch bald danach erfolgter Verleihung des Regierungsrathstitels die Redaction der amtlichen „Wiener Zeitung“ übertragen, in welcher Stellung er sich zur Stunde noch befindet. In dieser Zeit sind auch aus seiner Feder folgende größere Werke erschienen: „Die Theater-Prinzessin. Roman“ 3 Bände (Wien 1863, Gerold, 16°., 494 S.); – „Das Haus Fragstein. Roman“ (Wien 1878, 8°.); – und „Die Botschafterin. Roman“ 2 Bände (Berlin 1880, Gebrüder Paetel, 8°.). Ueber Uhl’s Romane urtheilt ein Kritiker: Sie gehören zu den tüchtigsten der neuesten Zeit in realistischer Richtung. Steht er auch an Spannkraft und Reiz den gleichartigen Erzeugnissen der Franzosen nach, den Sittenbildern Feuillet’s oder Daudet’s, so übertrifft er sie an gewissenhafter Treue, an innerer Wärme, an dichterischem Gehalte. Seine Romane sind Zeichen und Zeugen der Zeit, culturhistorische Documente, aus denen die Enkel lernen, wer und wie ihre Großeltern gewesen, illustrirte Bücher der Chronika, welche die politische Geschichte ergänzen, erläutern, coloriren. Und da [241] die Geschichte der Wiedergeburt Oesterreichs und seiner Kaiserstadt zu den interessantesten Capiteln aus dem gewaltigen Epos des neunzehnten Jahrhunderts zählt, so sind aus dieser Geschichte geschöpfte Romane um so willkommener, je mehr die darin handelnden Personen mit Callot’scher Feinheit, mit Teniers’scher Lebenswahrheit gezeichnet sind“. Ueber Uhl als Lyriker bemerkten wir schon oben Einiges. Vor 1848 begegnen wir ihm als solchem nur ein paar Male in Frankl’s „Sonntagsblättern“, auch veröffentlichte er in J. Gabriel Seidl’s „Gedenke Mein“ für 1848 sein Gedicht „Drei Rosen“; eine Sammlung seiner Gedichte aber ist nie erschienen. Doch nicht blos in seiner Eigenschaft als Schriftsteller haben wir Friedrich Uhl’s zu gedenken. Er ist auch Sammler alterthümlicher Objecte, und seine Villa im Orte Mondsee, einer von den Wienern sehr besuchten Sommerfrische Oberösterreichs (und nicht, wie so oft zu lesen: des Salzkammergutes), ist ein kleines Museum alterthümlicher Geräthe, von Kästen, Credenzen, Oefen, Spiegeln, Reliefs, Wandleuchtern, Trinkgefäßen, Majoliken u. s. w. Der bewährte Kenner von dergleichen, Jacob von Falke, hat diese Sammlung in der Wiener illustrirten Zeitschrift: „Die Heimat“ in dem Artikel „Mondsee“ ausführlich beschrieben und seine Darstellung nebst Abbildungen einer gothischen Eisenthür aus dem fünfzehnten Jahrhundert und eines Renaissancekastens aus dem sechzehnten Jahrhundert, mit einer Ansicht der von dem Wiener Architekten Karl Stattler im Renaissancestyle erbauten Villa Uhl’s begleitet. Seit 5. Jänner 1874 ist Friedrich Uhl Ritter des Ordens der eisernen Krone dritter Classe.

Brümmer (Franz). Deutsches Dichter-Lexikon. Biographische und bibliographische Mittheilungen über Dichter aller Zeiten. Mit besonderer Berücksichtigung der Gegenwart (Eichstätt und Stuttgart 1877, Krüll’sche Buchhandlung, kl. 4°.) Bd. II, S. 440. – Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) Beilage vom 3. Februar 1878, Nr. 34: „Wiener Früchteln“. – Dieselbe. Beilage 26. Mai 1880, Nr. 147: „Zur deutschen Romanliteratur“. – Magazin für Literatur des Auslandes. Von J. Lehmann (Leipzig, 4°.) 1864, Nr. 37, S. 580 und 1865, S. 101.