BLKÖ:Schwicker, Johann Heinrich

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 32 (1876), ab Seite: 380. (Quelle)
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Johann Heinrich Schwicker in der Wikipedia
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Schwicker, Johann Heinrich (Schulmann und Schriftsteller, geb. zu Neu-Bessenova im Temeser Comitate 28. April 1839). Studirte im elterlichen Hause, dann in der Realschule und Lehrerbildungsanstalt in Werschetz, erhielt 1856 die Befähigung als Hauptschullehrer und machte 1865 die Prüfung für das Professorat aus deutscher Sprache und Literatur, Geographie und Geschichte. Anfänglich Lehrsupplent in Werschetz, ward er dann als selbstständiger Lehrer in Csákova (1857) und Groß-Becskerek (bis 1869) bedienstet. Im letztgenannten Jahre berief ihn der damalige ungarische Unterrichtsminister Baron Joseph Eötvös zum Director des Central-Muster-Lehrerseminars nach Ofen und im Jahre 1871 wurde er zum ordentlichen Professor für deutsche Sprache und Literatur am kön. Obergymnasium in Pesth ernannt. Seit 1873 ist er außerdem für dasselbe Fach Docent am kön. Joseph-Polytechnicum ebendaselbst. S. hat neben einer vielfachen Lehrthätigkeit sich schon frühzeitig (seit 1857) mit literarischen Arbeiten beschäftigt. Seine schriftstellerischen Leistungen sind theils belletristischer, theils pädagogisch-didaktischer, theils publicistischer und theils historisch-wissenschaftlicher Art. Die belletristischen Arbeiten erschienen in verschiedenen Zeitschriften, als im „Illustrirten Haus- und Familienbuch mit Farbendruckbildern“ (Wien), in den „Mußestunden“, in „Westermann’s Monatsheften“, „Heinrich’s Monatsheften“ u. s. w. Auf dem Gebiete der Pädagogik und Didaktik ist S. einerseits durch die von ihm redigirten Schulblätter, andererseits durch seine Schulbücher thätig. Von 1868 bis 1872 redigirte er den „Ungarischen Schulboten“, seit 1873 die „Ungarische Schulzeitung“ und nebstbei seit 1875 auch ein Schulblatt in ungarischer Sprache: Tanügyi Hiradó (Schulbote). Seine Schulbücher erfreuen sich großer Verbreitung; es sind folgende: „Deutsche Sprachlehre“ (Wien, 3. Auflage 1875); – „Die bürgerlichen Rechte und Pflichten“ (aus dem Ungarischen des J. Környei) (Budapest, 2. Aufl. 1873); – „Geographie von Ungarn“ (Budapest , [381] 6. Aufl. 1875; auch in ungarischer Ausgabe bereits in 3. Aufl. erschienen); – „Allgemeine Geographie“ (Budapest, 2. Aufl. 1874; ungar. ebenfalls 2. Aufl.); – „Deutsches Sprach- und Stylbuch“ (ebd., 5. Aufl. 1875); – „Deutsches Stylbuch“. 3 Theile (ebd. 1875/6); – „Ungarn. Kurzgefaßte Darstellung“ (Wien, 3. Aufl. 1874); – „Bilder aus der Geschichte Ungarns“ (Budapest, 2. Aufl. 1874; ungar. ebenfalls 2. Aufl.). Außerdem erschienen zahlreiche pädagogisch-didaktische Artikel in den Fachblättern: „Oesterreichischer Schulbote“, „Volksschule“, „Unterrichts-Zeitung“ (sämmtliche in Wien), dann in mehreren ungarischen Zeitschriften. S. hat überdieß hervorragenden Antheil an der geistigen Reform des ungarischen Schulwesens, an der Belebung des Vereins- und Versammlungswesens der ungarischen Lehrer, namentlich in Südungarn, wo unter seiner Mitwirkung der „Banater (jetzt südungarische) Lehrerverein“ gegründet wurde und er fünfmal als Präses die „allgemeine südungarische Leserversammlung“ (stets von mehreren hundert Lehrern besucht) leitete. Als Publicist ist derselbe seit 1862 thätig. Er begann als Mitarbeiter der „Temesvárer Zeitung“, trat dann bei der Wiener „Presse“ als politischer Correspondent für Ungarn ein, wirkte später am „Pesther Lloyd“ und ist seit 1871 ordentliches Redactionsmitglied des politischen Tagblattes „Ungarischer Lloyd“ (in Budapest). Außerdem erschienen auch publicistische Arbeiten von ihm in der Augsburger „Allgemeinen Zeitung“. Die Culturfragen, Schule, Kirche, die Nationalitäten, der Orient sind die hauptsächlichsten Rubriken seiner publicistischen Wirksamkeit. Mehrere Flugschriften, wie: „Vor den Wahlen“ (1872), „Ein offenes Wart an die Wähler“ (1872) u. a., stammen aus seiner Feder. Als Historiker trat er im Jahre 1861 mit seiner „Geschichte des Temeser Banats“ (Groß-Becskerek, F. P. Bettelheim, 170 S. 8°.) auf; hierauf folgten: „Die Katholiken-Autonomie in Ungarn“ (Budapest, 2. Aufl. 1870, 8°.); – „Die letzten Regierungsjahre der Kaiserin-Königin Maria Theresia“, 2 Theile (Wien 1871), den 13. Band der „Oesterreichischen Geschichte für das Volk“ bildend. Außerdem erschienen die größeren historischen Abhandlungen: „Cardinal Martinuzzi und die Reformation in Ungarn und Siebenbürgen“ (in der Oesterreichischen Vierteljahrsschrift für katholische Theologie, 1867); – „Kurzgefaßte Geschichte der Besitzverhältnisse des Csanáder Bisthums“ (ebd. 1868); – „Die neuesten Ansichten über den Ursprung der Magyaren“ (in der „Internationalen Revue“ 1867); – „Die ungarische Literatur seit 1830“ (im „Literar. Handweiser“ 1867, Nr. 59 u. 60); – „Baron Joseph Eötvös“ (im „Magazin für die Literatur des Auslandes“ 1871, in diesem Blatte überdieß zahlreiche Aufsätze über die neuesten Erscheinungen der ungarischen, historischen und ethnographischen Literatur); – „Zur Geschichte der kirchlichen Union in der croatischen Militärgrenze“ (im 52. Bande des „Archivs für österr. Geschichte“, herausg. von der kais. Akademie in Wien; auch separat erschienen), u. m. a. Außerdem war S. ständiger Mitarbeiter der Wiener „Allgemeinen Literatur-Zeitung“, wo von 1861 bis 1873 eine große Menge von Kritiken aus seiner Feder geflossen ist. Von Seite des Billéter Wahlbezirkes (Torontaler Comitat) wurde S. in den 1870ger ungarischen Katholiken-Congreß als Deputirter gewählt; ebenso wurde er seitens mehrerer Gemeinden im Jahre 1871 zum Münchener Katholiken-Congresse als Bevollmächtigter [382] entsendet, wo er auch die Functionen eines ersten Secretärs des Congresses versah. Seine jüngste Schrift ist: „Die Katholiken-Autonomie in Ungarn. Wesen, Geschichte und Aufgabe derselben“ (Pesth 1870, Aigner, 8°.).

Törtenelmi Adattár csanád-egyházmegye hajdaná ’s jelenéhaz, d. i. Historische Daten zur Vergangenheit und Gegenwart des Csanáder Bisthums (Temesvár 1871), S. 646. – Handschriftliche Mittheilungen. – Porträt. Auf einem Gesammtbilde der Mitglieder des ungarischen Katholiken-Congresses. Steindruck, herausg. von Anton Nagy-Oteny in Pesth, 1871.


Ende des zweiunddreißigsten Bandes.