BLKÖ:Braun, Ritter von Braunthal, Karl Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 2 (1857), ab Seite: 121. (Quelle)
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Braun, Ritter von Braunthal, Karl Johann (Schriftsteller, geb. zu Eger in Böhmen 1802). Kam noch als Kind nach Wien. Verlor früh, mit 14 Jahren, seine Eltern. In Folge der beifälligen Aufnahme, welche seine Erstlingsarbeiten [122] im Publicum fanden, beschloß er auf alle Vortheile einer sichern Existenz zu verzichten und Schriftsteller zu werden. Die erste größere Arbeit – die in den Journalen des In- und Auslandes zerstreuten kleineren Dichtungen abgerechnet – womit B. vor das Publicum trat, war: „Die Himmelsharfe. Geistliche Dichtungen“ (Wien 1826, 1 K. u. Vign. 8°.). – Derselben folgte: „Loda. Trauerspiel in den Arten. Nach Ossian“ (Wien 1826, Gerold, gr. 8°.) und „Die Glückliche oder Gedanken über die Ehe und über weibliche Erziehung“ (2. Aufl. Berlin 1829, Stuhr, gr. 12°.). Im Herbste 1826 verließ er Wien u. Oesterreich, und einer Einladung des Grafen Schafgotsche, der ihm die Erziehung seines Sohnes anvertraute, folgend, ging er nach Breslau. Dort lernte er Steffens, Hoffmann, Runge, und, als Erzieher in einem hochadeligen Hause, die Sitte der vornehmen Welt kennen. Im Frühjahre 1829 gab er seine Stelle auf und ging nach Berlin, wo er mehrere literarische Verbindungen anknüpfte; sein Trauerspiel „Graf Julian“ und „Die Geopferten“ öffentlich vorlas, welche letzteres schon 1828 in Hannover beifällig aufgenommen wurde. Beide erschienen „Graf Julian“ (Berlin 1832, 2. Aufl. 1838); – „Die Geopferten“ (Wien 1835) im Drucke [Vergleiche über „Graf Julian“ Literar. u. krit. Bl. der Hamb. Börsenhalle 1833, S. 55]. – Die Journale des J. 1829 meldeten B.’s in Berlin erfolgten Uebertritt von der katholischen zur evangelischen Religion. Im J. 1830 kehrte B. nach Wien zurück und nun beginnt B. die Herausgabe einer Reihe von Werken, welche die Aufmerksamkeit der literarischen Welt auf ihn lenkten: „Die ästhetisch gebildete Dame“ in zwei Büchern (Wien 1830, Gerold gr. 8°.); – „Fragmente aus dem Tagebuche eines jungen Ehemannes“ (Wien 1833, Tendler) [Vergleiche Liter. u. krit. Bl. der Hamburger Börsenhalle 1834, S. 116, und Archiv für Gesch. 1833, von Frankl]; – „Antithesen, oder Herrn Humors Wanderungen durch Wien und Berlin“ (Ebenda 1833); – „Novellen“ (Eb. 1834, gr. 12°.); – „Morgen, Tag und Nacht aus dem Leben eines Dichters“ (Leipzig 1834, 2. Aufl., Dresden 1843); eine Reihe von Dichtungen verschiedener Gattung [vergleiche darüber „Wanderer“ (Wiener Blatt 4°.) 1834, S. 64 und 83 von Dr. L. A. Frankl. – Wiener „Modezeitschrift“, redigirt von Johann Schickh[WS 1], 1835, S. 526 – und Menzels Literaturblatt 1835, S. 307]; – „Faust. Eine Tragödie“ von B.(raun) v.(on) B.(raunthal) (Leipzig 1835, Brockhaus),Vergleiche Literar. u. krit. Bl. der Hamb. Börsenh. 1835, S. 983, von Ph. Leitner, und S. 1016]; – „Phantasie- und Thierstücke“ (Wien 1836); – „Shakespeare. Drama in drei Acten“. Nach Tiecks Novelle: „Dichterleben“ (Wien 1836, Pichler, 8°.); – „Stehende Masken im Lustspiele des Lebens in zwölf Freskobildern“ (Wien 1837). – Im Jahre 1837 gab er den „Oesterreichischen Musenalmanach“ heraus. In demselben erschien ein Gedicht von A. Grün: „Fünf Stunden“. Durch dieses sollte Anastasius Grün im Almanache vertreten sein, der aber keinen Beitrag an den Herausgeber gesendet. Die Angelegenheit nahm eine ernste Wendung; ein Briefwechsel entspann sich zwischen Anastasius Grün und Braun von Braunthal in den Journalen. Die öffentliche Meinung trat en masse auf die Seite des Anastasius Grün [Vergleiche Augsburger Allg. Ztg. 1827, Auß. Beil. October, 447; – Argus, herausgegeben von E. M. Oettinger 1837, Nr. 163 und 181]. Bald nach dieser Geschichte verließ B. Wien u. lebte einige Zeit in Dresden; einer Mittheilung im „Ost und West“, einem Prager Blatte, zufolge, wurde er 1845 von den Fürsten Colloredo-Mansfeld als Archivar zu Opocno in Böhmen angestellt. Im J. 1850 kam er wieder nach Wien, wurde nach einiger [123] Zeit bei der neu creirten Bibliothek der Polizei-Hofstelle verwendet, welchen Posten er aber 1855 auch aufgab und seit dieser Zeit ausschließlich der Schriftstellerei sich widmet. In die Epoche von 1838 bis 1855 fallen mehrere Arbeiten von ihm theils unter seinem ganzen Namen, theils unter dem Pseud. Jean Charles, u. z. unter ersterm: „Gedichte. Neue Folge“ (Nürnberg 1839, Raspe, 16°.) (Vergleiche: „Rosen“, Literaturblatt 1839, Nr. 19 von R(obert) H(eller)]; – „Lebensbilder und Lebensfragen“ (München 1840, 8°.); – „Lieder eines Eremiten“ (Stuttgart 1840, Griesinger, 12°.) [Vergleiche: Gesellschafter 1841, Literaturbl. S. 203]; – „Don Juan. Drama in fünf Abtheilungen“ (Leipzig 1842, Fleischer; neue Aufl. Dresden 1844, gr. 12°.) [Vergleiche: Literarische Bl. Beilage zum Gesellschafter 1842, Nr. 20. „Rosen“ 1842, Nr. 153, von Freiesleben. – Literaturbl. Beilage zum „Kometen“ 1842, Nr. 17]; – „Mission. Ein Wort zur Zeit. Gerichtet an Dr. Strauss“ (Strauß 1841, Vereinsbuchh. gr. 8°.). – Unter dem Namen Jean Charles erschienen: „Schöne Welt“, zwei Theile (Leipzig 1841, Brockhaus, 8°.) [Vergleiche: Rosen. Literaturbl. 1842, Nr. 17. – Literarische Blätter, Beilage zum Gesellschafter 1842, Nr. 4]; – „Donna Quixote oder Leben und Meinungen einer scharfsinnigen Edlen a. Jungdeutschland. Roman. 2 Bde.“ (Leipzig 1844, Melzer, 8°.); – „Die Seherin von Venedig. Roman. Drei Theile.“ (Dresden und Leipzig 1845, Arnold, 8°.); – „Der Abenteurer oder hundert Leben in Einem. Nach dem Tagebuch eines hochgestellten Mannes“, drei Theile (Leipzig 1845, Fritzsche 8°.); – „Die Erbsünde“ Roman. Zwei Theile (Leipzig 1848, Fritzsche, 8°.). – Das letzte Werk, welches B. brachte, ist: „Das Ende der Welt. In sechs Gesängen“ (Wien 1851, Sollinger, 8°.). – Gottschall charakterisirt Jean Charles Romane: „Eine ähnliche verwilderte Genialität (wie Ernst Willkom) repräsentirt Jean Charles in seinen Romanen, die einige Zeit lang großes Aufsehen erregten, weil sie mit größter Keckheit in Styl und Gedanken die jungdeutsche Analyse der Gesellschaft auf die Spitze trieben. Befanden wir uns bei jenen Autoren auf der Anatomie, so befinden wir uns bei J. Ch. schon auf der chirurgischen Klinik. Die geschlechtlichen Verhältnisse werden chirurgisch erläutert und mit den ekelhaftesten Wunden dieser Zustände wird kokettirt.“ Bemerkenswerth und für B. charakteristisch sind seine absprechenden Urtheile über die deutschen Classiker, in seinem „Dichterleben aus unserer Zeit“, so z. B. schreibt er von Schiller: „Hingestorben in seinen schönsten Jahren, möchte man den Wunsch äußern, er möchte niemals jung gewesen, d. h. die Poesie seiner Jugend mochte vergessen sein (!). Der reine blaue Himmel schöner Gläubigkeit, hingebender Liebe, süßen Hoffens auf Menschenwerth und Lebensglück hing nicht über ihm“ (!) u. s. w.; über Mozart: „Mozart ist trivial (!), es fehlt ihm an den drei Kleinigkeiten: Leidenschaft, Geist und Begeisterung“ (!) [Sonntagsblatt von L. A. Frankl, 1842: „Cola Rienzi und Herr Braunthal“].

Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer und Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I Bd. S. 374, VI. Bd. Suppl. S. 382. – Gottschall (Rudolph), Die deutsche National-Literatur in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts (Breslau 1855, Trewendt und Granier, gr. 8°.) I. Bd. S. 509 und II. Bd. S. 386. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für gebildete Stände (Hildburghausen 1853, Bibl. Inst., Lex. 8°.) V. Bd. S. 649.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Joseph Schickh.