BLKÖ:Landsteiner, Karl Borromäus

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 14 (1865), ab Seite: 81. (Quelle)
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Landsteiner, Karl Borromäus (Schriftsteller, geb. zu Stoizendorf in Niederösterreich 30. August 1835). Sein Vater war stiftsherrschaftlicher Beamter zu Stoizendorf. Der Sohn studirte in Melk, Krems und Wien; 18 Jahre alt, trat er 1853 in den Orden der frommen Schulen bei Maria-Treu in der Josephstadt in Wien ein, legte am 25. März 1857 das Ordensgelübde ab und erlangte am 25. Juli 1860 die heil. Weihen. Nun setzte er im philosophischen Seminar an der Wiener Hochschule seine Studien fort und widmete sich dann dem Lehramte. Seit 1862 als provisorischer Gymnasiallehrer am Josephstädter Gymnasium in Wien in Verwendung, wurde er, nachdem er im Februar 1865 die Staatsprüfungen abgelegt, in den Lehrfächern der Geschichte, Geographie, deutschen Sprache und Literatur für ein vollständiges (Ober- und Unter-) Gymnasium approbirt. Im November 1864 an das Gymnasium in- Krems übersetzt, wurde er daselbst 1865 wirklicher Professor. L. hat die Muße seines pädagogischen Berufes zur eigenen Fortbildung fleißig benützt; so hat er ein Jahr die Akademie der bildenden Künste in Wien besucht, und da er schon früher fertig zeichnete, unter Professor Führich [82] diese Fertigkeit nur mehr ausgebildet; hat in den Ferien weitere Reisen unternommen, Italien, Deutschland besucht und sich in Freiburg. Cöln, Weimar längere Zeit aufgehalten. Nach Krems, an das dortige Gymnasium übersetzt, verband er sich mit mehreren Fachgenossen zur Abhaltung populärer Vorträge und hielt deren selbst über Goethe und Dante, welche den Bewohnern des vom großen Weltverkehre abseits gelegenen Städtchens willkommen und wohl auch förderlich waren. Auf schriftstellerischem Gebiete entwickelt L. eine vielseitige Fruchtbarkeit. Im Schulprogramm des Josephstädter Gymnasiums für 1861 trat er mit dem Aufsatze: „Lessing als Bibliothekar“ zum ersten Male vor die Oeffentlichkeit; diesem folgte im Programm für 1862 der Aufsatz: „Nikolaus Lenau’s Geistesproceß“; in jenem für 1863: „Der österreichische Einheitsstaat in historischer Entwickelung“. In dem Aufsatze über Lenau’s Geistesproceß befindet sich folgende Stelle über die österreichischen Poeten: „Die österreichischen Schriftsteller wollen selten Farbe bekennen. Sie sind sehr achtbare Männer, Beamte, Professoren, Militärs, Hofräthe sogar, ihre Gedichte sind recht gelungen, recht formvollendet, recht herzlich, aber sie begeistern nicht, sie reißen nicht fort – es ist gewässerter Wein[1]“. Diese Ansicht scheint L.’s literarisches Glaubensbekenntniß zu sein und mag wohl zunächst die Stellung kennzeichnen, welche er zu den Poeten Oesterreichs einnehmen will. Außer den angeführten Programmaufsätzen erschienen selbstständig: „Pulsschläge“ (Wien 1862, Mechitharisten, 16°.), Gedichte; – ferner die Romane: „Aus dem Leben eines Unbekannten“ (Wien, 3. Auflage 1864, 8°.); – „Die Kinder des Lichts“, 2 Bände (ebd., 2. Auflage 1865); – „Edmund Fröhlich, der Abenteurer“, 4 Bände (ebd. 1865, 8°.). Zur Herausgabe soll er „historische Novellen“, welche sich von jeder tendentiösen Richtung, wie die vorgenannten Romane eine solche einschlagen, fernhalten sollen, vorbereiten.

Kremser Wochenblatt 1864, Nr. 43: „Die Werke Karl Landsteiner’s“ [ein von Uebertreibungen jeder Art strotzender Aufsatz, über den, wir wollen es glauben, L. selbst die Achseln gezuckt haben mag]. – Blätter für literarische Unterhaltung (Leipzig, Brockhaus 4°.) Jahrg. 1863, S. 417.

  1. Zu den Dichtern Oesterreichs zählen Namen wie: Grillparzer, Anastasius Grün, Karl Beck, Zedlitz, J. G. Seidl[WS 1], Betti Paoli, Friedrich Halm, Moriz Hartmann, Alfred Meißner, L. A. Frankl, Egon Ebert, Ladislaus Pyrker, also diese Koryphäen des österreichischen Parnasses credenzen „gewässerten Wein“!!!

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: J. N. Seidl.