BLKÖ:Batthyány, Kasimir Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 1 (1856), ab Seite: 178. (Quelle)
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Batthyány, Kasimir Graf (Minister des Aeußern während der ungar. Revolution 1848, geb. den 4. Juni 1807). Wurde nach damaliger Sitte ungarischer Magnaten im Auslande erzogen. Nachdem er größere Reisen gemacht, ließ er sich endlich in seinem Vaterlande nieder, wo er sich mit der Sprache, Literatur und den Gesetzen desselben vertraut machte. Er trat zuerst auf dem Landtage 1839/40 auf. Noch sprach er zu dieser Zeit die Muttersprache nicht fließend, schrieb sie aber desto richtiger und zierlicher. Auf dem Landtage von 1843/44 wurde er zum Präses des Landes-Schutzvereines gewählt. Die Reden, die er in den Versammlungen des Schutzvereines hielt, sind 1847 theilweise in den „Magyar szózatok,“ d. i. Winke an Ungarn, im Ausland gedruckt erschienen. Auf seinen Gütern ließ er Kleinkinderbewahranstalten und Schulen auf eigene Kosten errichten, und beschenkte die ung. Akademie mit einer Bibliothek. Als Graf Georg Apponyi als Kanzler auftrat, stellten sich die Parteien immer schroffer gegenüber. An der Spitze der Opposition stand Graf Ludwig Batthyány zu Pesth, an jener der Conservativen Graf Gabriel Keglevich zu Ofen. Kasimir B. war mit der verehlichten Gräfin Antonie Szapáry, einer gebornen Gräfin Keglevich, die [179] mit ihm zusammen zum protest. Glauben übergetreten, und von ihrem vorigen Gatten nach preußischen Gesetzen zu Breslau geschieden war, vermält. Dieß steigerte nur den persönlichen Haß zwischen B. und Keglevich, und hatte für B. manche unangenehme Folge. Nach den Märztagen ward er Obergespann, später Regierungscommissär des Baranyaer und Fünfkirchner Comitates, und bewachte die Gränzen dieser Comitate gegen die Südslaven. Als Freiwilliger ging er hierauf nach Bács gegen die Raitzen, focht mit bei Szent-Tamás, wo er unter dem dichten Kugelregen mit größter Kaltblütigkeit seine Cigarre rauchte. Als die Croaten unter General Roth bei Tolnau durch ihn und Anton Perczel geschlagen wurden, ließ er die gefangenen Croaten nach abverlangtem Eide nach Hause, setzte die von dem Commissär Bunyik vertriebenen Officiere und Beamten zu Esseg wieder ein, und ließ in der Festung die ung. Fahne ausstecken. Er bewachte nicht nur das Drauufer, sondern machte auch häufig Ausfälle gegen Diakovár. Den 19. Dec. gewann er bei Csepin eine Schlacht, wo er 130 Grenzer zu Gefangenen machte; bei einem andern Ausfalle gegen Bukovár siegte er bei Szarvas. Gegen Ende Nov. trug ihm Kossuth das Portefeuille des Aeußern an, er schlug es jedoch aus. Nach der Uebergabe von Esseg, zu welcher Zeit B. in Debreczin war, wurde er am 12. Feb. 1849 vom Vaterlands-Vertheidigungsausschuß zum bevollmächtigten Regierungs-Commissär und militärischen Oberbefehlshaber in den Comitaten von Bács, Csongrád und Pest, des Bezirkes von Klein-Kumanien, der Städte Szegedin, Theresiopel und Zombor ernannt. Als solcher wohnte er zu Szegedin, ordnete die Gerichtsämter, und nahm, als ihm auch Moritz Perczel zur Seite gegeben wurde, mit diesem vereint Antheil an der Schlacht bei Szöreg-Szentivány am 22. März, wo er selbst einen Munitionswagen erbeutete. Hierauf folgten: die Reinigung des Bácser Comitates, die Einnahme von Szent-Tamás, die Entsetzung von Peterwardein, und die strengen Maßregeln gegen die Raitzen, als Vergeltung für die von denselben verübten Grausamkeiten. Nach dem 14. April, an welchem Ungarns Unabhängigkeit erklärt worden, nahm ihn Kossuth trotz seines Sträubens in’s Ministerium. Von ihm, als Minister des Aeußern, wurde die Appellation gegen die russische Intervention unterschrieben, ebenso der Aufruf: „A haza veszélyben van,“ d. i. Das Vaterland ist in Gefahr. Nach der Abdankung Kossuths ging B. mit ihm nach Widdin, wurde dann mit den übrigen Häuptern der Revolution zuerst nach Schumla, später nach Kiutahia gebracht. In letzter Zeit hielt er sich in Paris auf. Kasimir Batthyány war nach seiner äußeren Erscheinung ein schöner, schlanker Mann, der zwar keine wissenschaftlich-gründliche, aber eine belletristisch-encyklopädische Bildung besaß. Levitschnigg schildert ihn: „Schwachsinniger aber sinnreicher Redner nach franz. Zuschnitte ... Patriot von Natur wie aus Eitelkeit ... Republikaner mit einem Stammbaum, Demokrat in einem eleganten Vierspänner, Jakobiner mit einer Grafenkrone. Seine Rolle: Prince Egalité par amour. Sein Wahlspruch: Pour moi la révolution n’est qu’une vengeance.“

Ujab kori ismeretek tára, d. i. ungar. Conversations-Lexikon der neueren Zeit (Pesth 1850, Heckenast) I. Bd. S. 354. (Artikel von Y.) – Levitschnigg (Heinrich Ritter v.), Kossuth und seine Bannerschaft (Pesth 1850, Heckenast, 2 Bde.) II. Bd. S. 1–7. Daselbst das Facsimile seiner Unterschrift. – (Brockhaus) Conversat.-Lexikon (10. Aufl.) II. Bd. S. 355. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la dir. de M. le Dr. Hoffer (Paris 1853) IV. Bd. Sp. 737. – Constitutionelle Zeitung (Berlin, Fol.) 4. Mai 1849: „Charakterbilder aus dem ung. Freiheitskriege. I. Graf Kas. B.“