BLKÖ:Deinhardstein, Johann Ludwig

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Deibel, Joseph
Band: 3 (1858), ab Seite: 207. (Quelle)
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Deinhardstein, Johann Ludwig[BN 1][BN 2][BN 3][BN 4] (dramatischer Dichter, k. k. n. ö. Regierungsrath, geb. in Wien 21. Juni 1794 nach Gabriel Seidls Angabe im „Album“). Ist der Sohn eines k. k. Hof- und Gerichtsadvocaten in Wien. Seine Studien vollendete er an der Wiener Hochschule, trat in Staatsdienste und begann als Actuar beim Criminalsenat in Wien. Schon früh gab er seinen Dichter-Beruf durch poetische Leistungen zu erkennen, welche beifällige Aufnahme im Publicum fanden. Gleichen Beifall erhielten auch D.’s erste Arbeiten im dramatischen Fache, worunter sich besonders die kleinen Lustspiele: „Das Sonett“; – „Mädchenlist“ und „Der Witwer“, durch gefälligen Conversationston und leichte glückliche Versification auszeichnen. Nach dem Tode des bekannten österr. Lyrikers Leopold Haschka (s. d.) erhielt D. 1827 dessen Stelle als Professor der Aesthetik an der theresianischen Ritterakademie in Wien, welche er schon durch mehrere Jahre, wie auch die gleiche Professur an der Wiener Hochschule bis zu Franz Fickers Eintritte supplirt hatte. 1827 trat D. mit seinem dramatischen Gedichte: „Hans Sachs“ auf, welches am 4. October 1827 zum ersten Male mit seltenem Beifalle auf der Hofbühne dargestellt ward und die Runde auf allen Bühnen Deutschlands machte. 1829 übernahm er, der indessen auch Censor geworden war, die Redaction der „Wiener Jahrbücher der Literatur“, um deren Emporbringung D. unbestreitbare Verdienste besitzt. Im J. 1830 unternahm er blos in der Absicht, geeignete Mitarbeiter im Auslande für diese seit ihrem Aufhören nicht ersetzte gelehrte Vierteljahresschrift (jedes Vierteljahr erschien ein starker Band) zu gewinnen und das Interesse derselben aller Orten zu befördern, eine Reise nach Deutschland. Thatsächlich erschienen auch in jener Periode unter den Mitarbeitern der „Jahrbücher“ Namen wie: Böttiger, Carus, Creuzer, Fichte, Grimm, Goethe, Gottfried Hermann, Humboldt, Immermann, Wenzel, Oken, Ritter, Rückert, Schelling, Tischendorf, Zschokke u. A. Namen, wie denen ebenbürtige im Verein kein literarisches Unternehmen der Gegenwart in Oesterreich aufzuweisen hat. Die nach seiner Rückkehr als Frucht dieser Reise herausgegebenen „Reiseskizzen“ (Wien) erfuhren manchen Angriff. Im J. 1829 erschien sein: „Maximilians Brautzug“ auf der Bühne, ohne gleichen Erfolg mit „Hans Sachs“ zu theilen, dessen sich hingegen das 1832 erschienene Lustspiel: „Garrick in Bristol“ erfreute, das auf allen großen Bühnen Deutschland’s sehr beifällige Aufnahme fand. In diesem Jahre erhielt er auch, nachdem der Dramaturg Schreyvogel (West) als Hoftheatersecretär in Pensionsstand gesetzt worden, die Stelle eines Vicedirectors der Hofbühne, welche er bis zu dem 1841 erfolgten Tode seines Chefs, des Landgrafen zu Fürstenberg, bekleidete. In dieser Stelle führte D. den Dichter Halm mit seiner „Griseldis“, Gutzkow mit seinem „Werner“ auf der Hofbühne ein durch ihn wurden die Neumann, die Enghaus jetzige Hebbel und Karl Laroche für die Hofbühne gewonnen; von ihm Shakspeare’s „Der Keiferin Zähmung“ (Die Widerspenstige) und „Was ihr wollt“ (Viola) für die Bühne bearbeitet und Gäste wie die Crelinger, Haitzinger, Eßlair, Seydelmann, Wolf und Rott zu Gastspielen geladen. In diese Periode (1834) fällt auch seine Ernennung zum k. k. n. ö. Regierungsrathe. Als er 1841 [208] die Leitung dieser Bühne in Franz von Holbeins Hände niederlegte, erhielt D. die Stellung als stabiler Referent der Polizeihofstelle in Censursachen, welche er bis 1848 bekleidete. Gegenwärtig (1857) fungirt D. als Beirath des Statthalters in literarischen, hauptsächlich theatralischen Angelegenheiten. D.’s Schriften sind in chronologischer Folge: „Dichtungen für Kunstredner“ (Wien 1815, Geistinger, 8°.); – „Dramatische Dichtungen“ (Wien 1816, Wallishausser, 12°.) [sie enthalten das Sonett, Spiel in 1 Aufzuge und in freien Versen; – Mädchenlist, Lustspiel in 1 Aufzuge und in Alexandrinern; – Der Witwer, Posse in 1 Aufzuge und in freien Versen; – Der Rosenstock, Spiel in 1 Aufzuge und in freien Versen; – Boccaccio, dramat. Gedicht in 2 Aufzügen – „Ehestandsqualen, Lustspiel in 1 Aufzuge in Alexandrinern“ (Wien, Wallishausser, 12°.); – „Hans Sachs, dramat. Gedicht in 4 Aufzügen“ (Ebenda 1829, Armbruster, gr. 12°.); – „Skizzen einer Reise nun Wien über Prag, Teplitz, Dresden, Berlin, Leipzig, Karlsruhe, Stuttgart, München, Salzburg, Linz und von dort nach Wien zurück, in Briefen an einen Freund“ (Wien 1831, Gerold, 8°.) – „Theater“, 2 Thle. (Wien 1827 und 1833, Armbruster, gr. 8°.) [sie enthalten im I. Theile – die mit einem Stern (*) bezeichneten Stücke standen schon früher in Kotzebue’s Almanach, dessen Jahrgang in der Klammer angesetzt ist – Der Gast, Drama in 2 Acten – *Florette, Drama in 1 Act (1820); – *Die verschleierte Dame, Lustspiel in 1 Act (1823); – *Das Bild der Danae, Lustspiel in 2 Acten (1821); im II. Theile: Hans Sachs, 2. Auflage; – *Das diamantene Kreuz, Lustspiel (1824); – Der Witwer, Lustspiel; – Ehestandsqualen, Lustspiel]; – „Garrick in Bristol, Lustspiel in 4 Aufzügen und in Versen“ (Wien 1834, Wallishausser, gr. 8°.); – „Gesammelte dramatische Werke“ I.–VI. Band (Leipzig 1848–57, Weber, 8°.) [sie enthalten I: Liebe und Liebelei; – Der Egoist; II: Brautstand und Ehestand; – Das diamantene Kreuz; – Modestus; III: Verwandlungen der Liebe; – Zwei Tage aus dem Leben eines Fürsten; – IV: Erzherzog Maximilians Brautzug; – Stradella; – Irrthum und Liebe; – V: Fürst und Dichter; – Die rothe Schleife; – Florette; – Der Witwer; – Der Gast; – VI: Hans Sachs; – Die verschleierte Dame; – Die Gönnerschaften; – Das Bild der Danae; – „Classisches Theater des Auslandes“, 2 Bde. (Pesth, Wien und Leipzig 1856 und 57, Hartleben, 8°.) [sie enthalten I. Bd.: Der Herzog von Mailand, nach Massinger und Tartuffe nach Moliere. II. Bd.: Die Widerspänstige nach Shakspeare und Was ihr wollt nach Ebendems.]; – D.’s Poesien erschienen unter dem Titel: „Gedichte“ (Berlin 1845) und sind dem Könige von Preußen gewidmet. Als Pseudonym Dr. Römer gab D. heraus: „Theater“, 3 Bde. (Wien 1837–41, Mausberger, gr. 8°.) [I. Bd.: Stradella, Drama; – Liebe und Liebelei, Lustsp. – Brautstand und Ehestand, Lustsp.; – II. Bd.: Gönnerschaften; – Liebesintriguen – Die seltene Liebschaft; – III. Bd.: Leichtsinn und seine Folgen, Schausp. nach Alex. Dumas; – Louise von Lignerolles, Schausp. nach Dinaux und Legouvé]. In Anerkennung seiner literarischen Verdienste erhielt D. von Seite des Auslandes mehrere Orden und Diplome als wirkliches und Ehrenmitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften. Deinhardstein ist zum zweiten Male vermält; in erster Ehe mit der Tochter des Oberstlieutenants Prögler von Thalheim; in zweiter mit der Tochter des Juweliers und Lustspiel-Uebersetzers Koch.

Album östr. Dichter. Neue Folge (Wien 1852, Pfautsch u. Voß, 8°.) S. 43: „Biographie“ [209] von Joh. Gabr. Seidl [nach diesem geb. 21. Juni 1794). Auch Deinhardstein theilt mit seinem Biographen und Sangsgenossen, Joh. Gabr. Seidl, das gleiche Schicksal, noch bei Lebzeiten unter die Todten gesetzt worden zu sein. Christian Gottlob Kaysers „Vollständiges Bücher-Lexikon, enthaltend alle von 1847 bis Ende 1852 gedruckten Bücher ...“ (Leipzig 1853 u. folg., J. O. Weigel, 4°.) V. Thl. oder der ganzen Folge XI. Thl. S. 220 setzt den 12. Jänner 1853 als D.’s Todestag an, indeß der Dichter in diesem Augenblicke sich voller Gesundheit erfreut. Auch sind in den verschiedenen Sammelwerken die Geburtsdaten durchgängig unrichtig, nur jene im „Album“ der richtige. – Pietznigg (Frz.), Mittheilungen aus Wien Jahrg. 1835 I. Bd. S. 156. – Illustrirte Theater-Zeitung von Adolph Bäuerle XXXVIII. Jahrg. (Wien 1845) Nr. 24: „Biographie.“ – Conversations-Lexikon der neuesten Zeit und Literatur. In vier Bänden (Leipzig 1832, Brockhaus, Lex. 8°.) I. Bd. S. 579 [nach diesem 1789 geboren]. – Ergänzungs-Conversations-Lexikon von Dr. Fr. Steger (Leipzig u. Meißen 1853, Lex. 8°.) VIII. Bd. S. 479. – Wanderer (Wiener Blatt, 4°.) 1849, Nr. 48 u. folg.: „Schriftsteller und Künstler in Wien. Kritische Blätter von Caj. Cerri. 1. Johann Ludwig Deinhardstein.“ – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 692 [gibt den 21. Juli 1790 als D.’s Geburtsdatum an]. – Wigands Conversations-Lexikon für alle Stände (Leipzig 1847, O. Wigand, Lex. 8°.) III. Bd. S. 841 [gibt das J. 1789 als sein Geburtsjahr an und bemerkt, daß auch das J. 1792 u. d. J. 1798 als dasselbe angegeben werden]. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1853) XIII. Bd. Sp. 373. – (Brockhaus) Conversations-Lexikon (10. Auflage) IV. Bd. S. 656. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für gebildete Stände (Hildburghausen 1842, Bibl. Inst., Lex. 8°.) VII. Bd. 4. Abth. S. 17 [nach diesem geb. 1789]. – Oestr. Parnaß, bestiegen von einem heruntergekommenen Antiquar (Freysing bei Athanasius u. Comp. [Hamburg, Hoffmann u. Campe] 8°.) S. 13. – Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien 1828, 4°.) XIX. Jahrg. Nr. 33, 34: „Hans Sachs auf der Hamburger Bühne.“ – Seidlitz (Julius), Die Poesie und die Poeten in Oesterreich im J. 1836 (Grimma 1837, kl. 8°.) I. Bd. S. 58. – Gottschall (Rudolph), Die deutsche National-Literatur in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts (Breslau 1855, Trewendt, gr. 8°.) II. Bd. S. 205 u. 500 [nennt D.’s lyrische Dichtungen: „trockenen leeren Schiffszwieback“; – betreffs seiner dramatischen Arbeiten schreibt er: „Eine eigenthümliche Art des historischen Lustspieles, das „Künstlerlustspiel“ werde besonders von Deinhardstein („Garrik“ – „Hans Sachs“ – „Boccaccio“ – „Die rothe Schleife“) gepflegt, nicht ohne gediegene und solide Charakteristik und ohne festen und sicheren dramatischen Styl, aber allzu weitschweifig, in ernster Haltung und ohne poetischen Hauch.“] – Cajetan Cerri in seinen in der „Iris“ (Sept. 1850) mitgetheilten Charakteristiken östr. Schriftsteller entwirft von D. folgendes Bild: „Lange hagere Figur, leicht und geschmeidig, muß einmal ein schöner Mann gewesen sein; spricht unendlich viel, aber gedehnt, und schließt dabei, gleichsam um sich zu sammeln, sehr oft die Augen zu; freundlich, lebhaft, nachlässig in Gang und Anzug; schrieb früher unter dem Pseudonym: Dr. Römer; vielseitige Bildung, diplomatisches Talent, dem er zahlreiche Orden verdankt; eifriger Conservativer, besitzt Briefe an sich von fast allen großen Notabilitäten der neueren Zeit, worauf er nicht wenig eitel zu sein scheint; Feind der gegenwärtigen Kunstrichtung; als Bühnendichter gewandt, effectvoll, fleißig und kluger Bühnenkenner; gewesener routinirter Theaterdirector. Selbstbewußtsein aus dem ff.“ – D. schrieb nicht nur unter dem bereits erwähnten Namen Dr. Römer, sondern auch unter dem Pseudonym Leutner: die „Geschwister.“ – Porträte. 1) Unterschrift: Facsimile der Unterschrift: Deinhardstein. M. Lämmel gest. (Kunstbeil. der Allgem. Moden-Zeitung von August Diezmann, 4°.). – 2) Unterschrift: Deinhardstein, k. k. Hoftheater-Vice-Director (Kriehuber 1833, gedr. im lith. Institut in Wien, kl. Fol.). – 3) Facsimile der Unterschrift: Deinhardstein (ohne Angabe des Zeichners und Stechers. Kotterba gest. nach einer Photographie. Im „Gedenke Mein“ und im „Album österr. Dichter“). – 4) Unterschrift: John. Ludw. Deinhardstein, K. K. N. O. wirkl. Regierungsrath, Vicedirector der k. k. Hoftheater etc. (Lithogr. ohne Angabe des Zeichners und Lithogr. [in Wien], bei Pietzniggs „Mittheilungen aus Wien“ Jahrg. 1835). – Charakteristik der Schrift D.’s: Adolph Henze in seinen „Handschriften der deutschen Dichter“ u. s. w. (Leipzig 1855, kl. 8°.) beurtheilt D.’s Schrift folgender Maßen: „An der ist doch eine Regentenschrift verdorben.“ [Das mitgetheilte Facsimile ist [210] D.’s gewöhnliche, kaum lesbare Unterschrift.] – Die Aufführung des „Hans Sachs“ auf der Hofbühne zu Berlin leitete Goethe mit einem Prologe ein, worin folgende Verse das Stück charakterisiren:

Er hat hingeschrieben mit leichter Hand,
Als stünd’ es farbig an der Wand,
Und zwar mit Worten so verständig,
Als würde Gemaltes wieder lebendig.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Deinhardstein, Ludwig Franz, dramatischer Dichter (Bd. III, S. 207), gest. 12. Juli 1859. [Bd. 9, S. 470.]
  2. Deinhardstein, Johann Ludwig [s. d. Bd. III, S. 207], gestorben zu Wien 12. Juli 1859.
    Wiener Zeitung 1859, 2. Quartal, S. 3164. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1859, Nr. 172. – Frankfurter Konversationsblatt 1859, Nr. 177. – Europa, Herausg., von Gust. Kühne, 1859, Nr. 31, S. 1127, und Nr. 38, S. 1374, im Artikel: „Zur Geschichte des Wiener Hofburgtheaters“ [gibt den 22. Juni 1794 als seinen Geburtstag an, sonst erscheint der 21. Juni als dessen Geburtstag]. – Didaskalia (Unterhaltungsbeilage des Frankfurter Journals) 1859, Nr. 215. [Bd. 11, S. 392.]
  3. E Deinhardstein, Johann Ludwig [Bd. III, S. 207; Bd. XI, S. 392].
    Fremden-Blatt. Von Gust. Heine (Wien, 4°.) 1867, Nr. 319: „Uebersicht der Aufführungen von 27 Stücken Deinhardstein’s im Hofburg-Theater“. – Wiener Zeitung 1867, Nr. 273. – Oesterreichisches Morgenblatt (Wien, 4°.) 1836, Nr. 63. – Wiener Courier 1856, Nr. 220: „Erklärung“. – Kurz (Heinr.), Geschichte u. s. w., wie bei Bauernfeld, Bd. IV, S. 528 a, 494 a, 509 b, 514 b, 515 b, 516 a, b, 521 a, 527 a, 528 a, b, 529 a, 530 a, 700 a. [Bd. 24, S. 386.]
  4. E Deinhardstein, Johann Ludwig [Bd. III, S. 207; Bd. XI, S. 392; Bd. XXIV, S. 386].
    Goedeke (Karl), Grundriß u. s. w., wie bei Castelli, Bd. III, S. 582, Nr. 58. [Bd. 28, S. 329.]