BLKÖ:Schreyvogel, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schreiner, Ignaz
Band: 31 (1876), ab Seite: 292. (Quelle)
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Schreivogel, auch Schreyvogel, Joseph (Schriftsteller, geb. zu Wien 27. März 1768, gest. ebenda 28. Juli 1832). Bekannter unter den Pseudonymen Thomas und Karl August West, auch Gebrüder West. Seine Studien machte er in seiner Vaterstadt Wien, wo er sich auch frühzeitig literarischer Beschäftigung zuwandte. Bereits in den Jahren 1793 und 1794 betheiligte er sich an der von Alxinger herausgegebenen „Oesterreichischen Monatschrift“, welche schon mit dem 6. Hefte einging. Auch wurde er um diese Zeit in eine literarische Fehde mit Franz Felix Hofstaeter [293] [Bd. IX, S. 181] verwickelt, welche ihn zur Herausgabe der Flugschrift: „Meine Rechtfertigung gegen die Verleumdungen, die Herr Hofstätter im 7. Hefte des „Magazin“ der Kunst und Literatur“ wieder mich vorbringt, als ein Vorbericht zu einem Anti-Hofstätter“ (Wien 1794, 4°.) veranlaßte. Gegen das Ende des Jahres 1794 begab er sich aber nach Jena, wo damals unter Schiller ein reges geistiges Leben sich zu entwickeln begann. Während eines zweijährigen Aufenthaltes daselbst schrieb S. – jedoch ohne Angabe seines Namens – für Schiller’s „Neue Thalia“ 1793 das zweiactige Lustspiel: „Die Witwe“, für Wieland’s „Mercur“ 1795 und 1796 den Anfang des Romans: „Der neue Lovelace“ und mehrere kleinere Aufsätze für die „Jenaische-Literatur-Zeitung“. Im Jahre 1797 kehrte S. nach Wien zurück und lebte da anfänglich als Privatgelehrter, bis er im Jahre 1802 nach Kotzebue’s Abgang als k. k. Hoftheatersecretär in den Staatsdienst trat. Aber schon zwei Jahre später legte er seine Stelle nieder, um sich einem Unternehmen, dem von ihm in Gemeinschaft mit mehreren Freunden begründeten „Kunst- und Industrie-Comptoir“, zuzuwenden, aber er blieb in dieser Zeit literarisch nicht unthätig. So begründete er im Jahre 1807 eine Wochenschrift unter dem Titel: „Das Sonntagsblatt“, im Geiste von Addison’s und Sterne’s „Zuschauer“, welche man noch heute als sein literarisches Hauptwerk, als das würdigste Denkmal seines Geistes, als eine Schöpfung, die vordem und nachher nichts Aehnliches aufzuweisen hatte, bezeichnet. Es war eine wahre Fundgrube von Studium, Belesenheit, Philosophie, Lebens- und Kunstansichten. Das Erscheinen der Lieferungen konnte man gar nicht erwarten; die vornehmsten Geister bestürmten das Verlagslocal, hochgestellte Männer holten die Nummern persönlich ab, um dem Verfasser – denn S. schrieb den größeren Theil des Blattes selbst – ihre Achtung zu bezeugen. S. führte das heut zu Tage schon höchst seltene, in keiner Literaturgeschichte gleich seinem Autor erwähnte Blatt noch im J. 1808, nach Anderen bis 1818 fort, worauf er die fernere Redaction desselben an Ludwig Wieland und Dr. Lindner überließ. Weder in Bücherkatalogen noch sonst wo gelang es mir, genauen Aufschluß über die Dauer des „Sonntagsblattes“ zu erhalten. Daß es 1807 u. 1808 Schreivogel führte, steht fest. In der Zwischenzeit zog er sich auch von dem Kunst- und Industrie-Comptoir zurück und trat es 1814 an einen seiner Gesellschafter ab, selbst aber übernahm er wieder die Stelle des Hoftheater-Secretärs und Dramaturgen bei den vereinigten k. k. Hoftheatern, in welchen Aemtern er bis kurz vor seinem Tode verblieb. Sein unmittelbarer Chef war der liebenswürdige, feinsinnige Moriz Graf Dietrichstein, ein Cavalier von reinstem Wasser, das Beste wollend, oft auch anregend, es mächtig fördernd, alles Andere seinen dienstbaren Geistern überlassend, die er aber mit Menschenkenntniß wählte und ihnen auch die Mittel an die Hand gab, das Zweckentsprechende durchzuführen. Unter Dietrichstein war Schreivogel Regent, unbeschränkter Regent der Hofbühne, was freilich nur zum Glanze derselben beitrug, denn es steht fest: unter Schreivogel’s Leitung hatte das Wiener Burgtheater seine goldene Aera. Anders – für das Theater eben nicht, aber für Schreivogel schlimmer – wurde es, als 1824 Graf Czernin an Dietrichstein’s Stelle trat und sich zwei selbstständige Charaktere gegenüberstanden, die sich [294] nur zerreiben, aber nicht gemeinschaftlich wirken konnten. Im Gegensatze zu Dietrichstein wollte Czernin persönlich regieren. So kunstsinnig Graf Czernin aber war, Schreivogel gegenüber verschwand dieser kunstsinnige Anstrich, denn was bei diesem aus innerstem Wesen entsprang, war bei jenem nur äußerer Glanz, gut aufgelegter Firniß. So geschah es denn, daß S., der nur die echte Kunst vertrat, dem Ansinnen des Grafen Widerstand entgegensetzte, freilich auch denselben mit Beweisen gegen die Unhaltbarkeit der Forderungen seines Vorgesetzten belegte. Der Kampf war fertig. Wo S. auf seine Erfahrung, seine erprobten Kenntnisse, seinen glühenden Eifer, auf das, was er geleistet, sich stützte, trat der Graf mit seiner Autorität, seiner Unfehlbarkeit in seiner Eigenschaft als Intendant und der Herrschlust für die Sache, die zuletzt doch seiner obersten Leitung unterstand, entgegen, und so setzten sich die Reibungen in’s Unendliche fort. Ein unbedeutender Anlaß rief sie hervor. Unnachgiebigkeit und Eigensinn von beiden Seiten erweiterten die Kluft von Jahr zu Jahr, zuletzt erstreckte sich das Verweigern auf die gleichgiltigsten Gegenstände. Schreivogel mochte proponiren, was er wollte, Novitäten, Gastspiele. Engagements, Allem setzte der Graf Schwierigkeiten entgegen, hingegen was der Dramaturg als unzweckmäßig verwarf, wurde zur Ausführung empfohlen. Es war so weit gekommen, daß in Hofrath von Mosel [Bd. XIX, G. 130] eine Mittelsperson aufgestellt werden mußte, da der unmittelbare Verkehr zwischen Graf Czernin und Dramaturg Schreivogel geradezu unmöglich geworden. Solche Verhältnisse konnten auf die Dauer nicht fortbestehen. Ein unbedeutender Anlaß rief eine erbitterte Weigerung Schreivogel’s hervor. Dieser verlangte mit dem Obersthofmeister persönlich zu sprechen. Der Ausgang dieses Dialogs war bei der Unbeugsamkeit und Schroffheit beider Charaktere vorauszusehen. Man hat vielerlei Gerüchte über die Veranlassung jener von beiden Seiten heftigen Unterredung in Umlauf gebracht. Es soll sich um das Engagement einer jungen Schauspielerin gehandelt haben, die talentlos war, aber von dem Grafen protegirt wurde. Bestimmtes über die Angelegenheit kam nie in die Oeffentlichkeit. Nur so viel erfuhr man, Schreivogel ließ sich in seinem Uebereifer zur absprechenden Bemerkung: „Excellenz, das verstehen Sie nicht“, hinreißen. Das war genügend, in einer Zeit gar, in welcher eine Excellenz Alles verstand, eben weil sie Excellenz war. Die Unterredung war mit obigen Worten S.’s beendet. Drei Tage später, Ende Mai 1832, wurde Schreivogel mittelst Decret, das freilich in den schmeichelhaftesten Ausdrücken abgefaßt war, mit einer Jahrespension von Eintausend Gulden entlassen. Er überlebte diese Kränkung nicht lange. Wenige Wochen darnach, am 28. Juli, Morgens 7 Uhr, hatte er vollendet. Schreivogel war im Bereiche seiner Wirksamkeit unbeschränkter Autokrat, man erinnert sich, wenn man seiner Bühnentyrannei gedenkt, immer an den Wiener Spaziergänger, der Angesichts des ehernen Standbildes des Kaisers Joseph uns von der „Hand von Eisen“ des Kaisers singt, „welche Frühlingsrosen beut“. S. war ein Dramaturg, welcher seine Schauspieler und Dichter gegen die maßlose, parteiische Kritik schützte. So ging ihm, als der „Prinz von Homburg“ von Kleist durchfiel und vom Wiener Publicum theilweise ausgelacht wurde, dieser Kleist’sche [295] Durchfall sehr zu Herzen. Er nahm, da er zeitweilig die Vorcensur der Journale hatte, sogar auf die Recensionen Einfluß und ließ das frivole Wiener Publicum in der „Mode-“ und „Theater-Zeitung“, im „Sammler“, wie im „Wanderer“ für seinen Mangel an poetischem Verständniß, an Respect und Pietät gehörig herunterkanzeln. Uebrigens war er selbst mehr Kritiker als Poet – seine Schriften folgen weiter unten – und hat auch selbst verhältnißmäßig wenig geschaffen. Sein geschickt angelegtes Trauerspiel: „Abosinda“ (bald zu Adosinda und Abisonda entstellt) hat er niemals zu Ende gebracht. Der erste Act erschien in Lambert’s „Theater-Almanach für 1821“ zugleich mit Grillparzer’s erstem Acte von „Ein Traum ein Leben“; ein Lustspiel von ihm, die „Gleichgiltigen“, ließ seinem omineusen Titel entsprechend gleichgiltig; hingegen sind seine Bearbeitungen von „Donna Diana“, „Das Leben ein Traum“ und „Don Gutierre“ mustergiltig geblieben und haben die ersten zwei bis heute auf dem Repertoir sich erhalten. Seine übrigen Arbeiten, die er vorzugsweise für das Taschenbuch „Aglaja“, dessen Redaction er von 1819 bis 1824 selbst besorgte, schrieb, sind in seinen gesammelten Schriften enthalten. Seinem Dienste lebte er mit ganzer Seele; den ihm wie seinen Mitgliedern gewährten Ferienmonat verlebte er gewöhnlich in Baden nächst Wien. Sonst war er entweder im Bureau oder im Theater und, ausgenommen eine halbe Stunde vor Tisch, die er zu einer kleinen Promenade über das Glacis benützte, gewiß an dem einen oder andern Orte zu treffen. Ohne Pedant zu sein, war er doch die Ordnung selbst, aber auch die Rechtlichkeit in Allem und Jedem; verläßlich, nur die Kunst im Auge und das Talent, dem Künstler nicht nachtragend, was etwa der Mensch an ihm verbrochen haben mochte. [In diesem Puncte weicht Bauernfeld’s Charakteristik, der ihn eben so schildert, von jener Gräffer’s, der von ihm sagt: „er trug nach“, doch etwas grell ab. „So war der Mann beschaffen“, schreibt Bauernfeld, „der um den geringen Gehalt von 2000 Gulden, ohne alle weiteren Emolumente, achtzehn der besten Jahre seines Lebens dem Hofburg-Theater gewidmet hatte und der nun in seinem 64. Lebensjahre mit Tausend Gulden aus „Gnade“ pensionirt worden, weil er sich die Ungnade eines Großen und die Verfolgung der Kleinen zugezogen.“ Schreivogel’s literarische Arbeiten erschienen als „Gesammelte Schriften von Thomas und Karl August West“ in zwei Abtheilungen, jede zu 2 Theilen (Braunschweig 1829, Vieweg, gr. 12°.) Erste Abtheilung: Bilder aus dem Leben. 1. Theil. I. Samuel Brink’s letzte Liebesgeschichte. Eine Episode aus dem Roman seines Lebens (1820); II. Etienne Durand. Eine wahre Geschichte, mitgetheilt von K. A. West; III. Die Fingerzeige der Vorsehung. Ein Cyklus moralischer Erzählungen von Thomas West: 2. Theil. I. Hilfe zur Unzeit, Gegenstück zu der Erzählung: „Die Fingerzeige der Vorsehung“; II. Wie es geschah, daß ich ein Hagestolz ward. Aus den Erfahrungen eines Ungenannten; III. Dialogen und Charakterskizzen von Thom. West (1807). Zweite Abtheilung, 1. u. 2. Theil: Kritische und satirische Streifzüge im Gebiete der Literatur und des Theaters, von Thom. West und seinen Freunden. Mit Anmerkungen und Zusätzen von K. A. West; –- „Don Gutierre. Trauerspiel in 5 Aufz. Nach Calderon’s „Arzt seiner Ehre“ (mit Titel-Vignette) (Wien 1834, Wallishausser, [296] gr. 8°.); – „Das Leben ein Traum, dramatisches Gedicht in 5 Aufz. Nach dem Spanischen des Don Pedro Calderon de la Barca“ (Wien, 4. Aufl. 1827, Wallishausser, gr. 8°.); in Reclam’s „Universal-Bibliothek“, Nr. 65; – „Donna Diana. Lustspiel in 5 Aufzügen. Nach dem Spanischen des Don Augustin Moreto, von C. A. West“ (Wien 1819; 2. Aufl. 1824, Wallishausser, 8°.), in Reclam’s „Universal-Bibliothek“, Nr. 29. Aus den oberwähnten „Gesammelten Schriften“ sind die „Bilder aus dem Leben“, 2 Theile (Braunschweig 1836, Vieweg, 12°.), besonders gedruckt erschienen. Außerdem brachte die „Aglaja für 1820“: „Des Helden Geist“, Scene aus einem Vorspiele zu „Attila“, und die Hell’sche „Abendzeitung“ 1820, Nr. 192, eine andere Scene. Als Schriftsteller gehört S. der „guten alten“ Schule an. Seine Feder ist fein und präcis; sein Witz und seine Darstellungsgabe nähern sich französischen Mustern, von denen sie jedoch nur das Gute entlehnen. In seiner Prosa herrschen seltene Eleganz der Form und geistreiche Auffassung, hingegen vermißt man Phantasie und Erfindungsgabe. In seiner ersten Zeit kämpfte er mit seiner besten Kraft gegen die in jugendlicher Ueberfülle kecke und rücksichtslos unbesonnene, romantische Schule. Als sie aber ausrumort hatte, erkannte er in seiner späteren Wirksamkeit als Dramaturg ihren unabweisbaren Einfluß, und wenn nicht ihren Werth, so doch ihre Wirksamkeit. Es ist dieß ein leuchtender Beweis seiner Unbefangenheit und ein seinen Charakter um so bestimmter bezeichnender Zug, als diese Wandlung zu Gunsten der in der Jugend verfolgten Richtung im vorgerückteren Alter eintrat. Mit gründlichen Studien verband er reiche Lebenserfahrungen, welche beide eine Bildung vollendeten, und ohne darauf einen Anspruch zu machen, galt er allgemein und mit Recht für einen Gelehrten. Seine Kenntnisse im Spanischen waren beachtenswerth und die gleiche Freude an den großen spanischen Dichtern brachte ihn Grillparzern nahe, auf den er unbedingt nicht geringen Einfluß ausübte, und wies auch Zedlitz auf die spanischen Dramatiker hin. S. war einer der wenigen würdigen schriftstellerischen Vertreter der Josephinischen Periode, die im Ganzen nicht zu viele keusche Muster aufzuweisen hatte. Seine „Entlassung“ überlebte er trotz ihrer Einwickelung in die schmeichelhaftesten Phrasen nicht lange. Im ersten Momente trug er sich mit der Absicht, sich nunmehr der Schriftstellerei ausschließlich zuzuwenden, aber, wie Emil Kuh treffend bemerkt: der feurige Sechziger täuschte wohl sich selbst und wollte auch Andere täuschen, daß er nun als Schriftsteller arbeiten werde und arbeiten wolle – er hatte große Pläne; aber wer den krampfhaft zitternden Greis sah, wußte, daß die Werke der Gebrüder West nicht um viel Bände mehr wachsen würden. Auch wird die Autorenfeder dem Sechziger zu einem schweren bleiernen Griffel, wenn er sie in den Vierzigern als leichten Kiel weglegte. Und so war es auch. Die Hintansetzung hatte den wackeren Mann, ungeachtet der von ihm äußerlich beobachteten Gleichgiltigkeit, doch im Lebenskern getroffen. Im Selbstbewußtsein seines Werthes, seines Wirkens, seines Waltens, schlug die durch Außerachtlassung aller Lebensklugheit selbstverschuldete Kränkung zu mächtig auf sein Gemüth und mag wesentlich dazu beigetragen haben, daß er eines der ersten Opfer wurde, welches die damals zum ersten Male aufgetauchte Cholera hinwegraffte. Bauernfeld meint freilich, er sei „an Kränkung und – am österreichischen [297] System gestorben“. Schreivogel ist 64 Jahre alt geworden. Das Leichenbegängniß war ärmlich. Die deutschen Literaturgeschichten kennen gar nicht oder kaum Schreivogel’s (West’s) Namen. Nur Goedeke in seinem „Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung“ weiß von ihm Etwas zu melden und modificirt das von einem Nekrologisten dem anderen nachgelallte Urtheil, „daß er auf Grillparzer einen ungünstigen Einfluß geübt“, auf die begrenztere Phrase: „er hatte auf Grillparzer’s „Ahnfrau“ ungünstigen Einfluß“, welche aber offen gesprochen nicht ganz verständlich ist.

Abend-Zeitung. Von Theodor Hell (Dresden, schm. 4°.) 1832, Nr. 208. – Allgemeines Theater-Lexikon u. s. w. Herausg. von R. Blum, K. Herloßsohn, H. Marggraff u. A. (Altenburg und Leipzig o. J. 8°.) Neue Ausgabe, Bd. VI, S. 293. – Concordia-Kalender für das Jahr 1869. Herausgegeben vom Journalisten- und Schriftsteller-Verein Concordia. Zweiter Jahrgang (Wien, Carl Frommann, 8°.) S. 229: „Ein Dramaturg von ehemals“. – Conversations-Lexikon, herausgegeben von F. A. Brockhaus (Leipzig, Brockhaus, gr. 8°.) Neue Folge, 1826. – Debatte (Wiener polit. Blatt) 1868, Nr. 294, im Feuilleton: „Schreyvogel“. – Frankl (Ludwig Aug.), Sonntagsblätter (Wien 8°.) VI. Jahrgang (1847), S. 154: „Briefe an Schreivogel in Wien von Kotzebue, Müllner, Houwald“. – Der Freimüthige, oder Berliner Conversationsblatt (4°.) XXVI. Jahrgang (1830), Nr. 103: „Die Gebrüder West“. – Gräffer (Franz), Kleine Wiener Memoiren (Wien 1845, Heck, 8°.) Theil II, S. 85: „Schreivogel“; S. 128: „Ein Souper“. – Kehrein (Joseph), Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert (Zürch, Stuttgart und Würzburg 1870, Leo Wörl, gr. 8°.) Bd. II, S. 128. – Komet. Redig. von Herloßsohn (Leipzig, 4°.) 1832, Nr. 126. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Zweite Abtheilung, Bd. VII, S. 1333. – Monatsschrift für Theater und Musik (von Fürst Czartoryski) (Wien, 4°.) 1857, S. 112: „Ueber Schreivogel“. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1869, Nr. 1705, im Feuilleton: „Aus Alt- und Neuwien“, von Bauernfeld. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, B. F. Voigt, kl. 8°.) X. Jahrg. (1932), II. Theil, S. 572, Nr. 239. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1836, 8°.) Bd. IV, S. 595 [nach dieser gest. 1832, nach anderen Quellen erst 1833). – Oesterreichische Zeitschrift für Geschichts- und Staatskunde. Herausg. von Johann Paul Kaltenbäck (Wien, 4°.) Jahrg. 1835: Artikel von Zedlitz; Jahrg. 1837, S. 324. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1864, Nr. 272, im Feuilleton von Emil Kuh: „Laube und das Burgtheater“; 1866, Nr. 45, im Feuilleton [aus Anschütz „Memoiren“. – Realis. Curiositäten-und Memorabilien-Lexikon von Wien. Herausg. von Anton Köhler (Wien 1845, gr. 8°.) Bd. II, S. 322. – Seyfried (Ferdinand Ritter von), Rückschau in das Theaterleben Wiens seit den letzten fünfzig Jahren (Wien 1864, 8°.) S. 258: „Ein prophetischer Bühnenleiter“. – Das Vaterland (Wiener polit. Parteiblatt) 1864, Nr. 5, im Feuilleton: „Aus Ghezy’s Memoiren“ [eine treffende Silhouette des allen Dramaturgen].
Schreivogel’s Grabdenkmal. Schreivogel liegt auf dem Stadtgottesacker bei Währing begraben. Das daselbst befindliche Denkmal enthält folgende, von Grillparzer verfaßte Inschrift: Hier liegt | Thomas West | und | Karl August West |und Josef Schreivogel | Drei Namen, bezeichnend nur Einen Mann | aber einen völligen. | Stand Jemand Lessing nahe, so war er’s. | Neben ihm | ruht sein Tochtermann, Josef Beckers. | Dieselbe Krankheit legte sie binnen zwei Tagen | in dasselbe Grab | Den Einen betrauert Deutschland | Beide waren sie gekannt. | Gestorben den 28. Juli 1832. Am Sockel liest man noch folgende Worte: Renovirt 1845 aus Achtung für die Verdienste des trefflichen Dramaturgen von den seiner Zeit noch angehörigen Mitgliedern des k. k. Hofburg-Theaters.
Schreivogel’s Charakteristik. Durch und durch ein Charakter, wie ihn auch Grillparzer in der auf ihn geschriebenen Grabschrift „Einen Mann, aber einen völligen“ nennt, ist eine Charakteristik S.’s, dessen Andenken noch heute lebendig ist, ebenso wichtig zur Ergänzung seiner sonst einfachen Lebensdaten, [298] als von Interesse, und dieß um so mehr, als er wie alle leidenschaftlichen Menschen – und das war er im hohen Grade – auch verschiedenartig beurtheilt wurde. Wenige Sterbliche hatten so viel Verstand, so hohen Verstand, wie er, so scharfe Beurtheilungskraft und zugleich so wenig Selbstbeherrschung. Er ließ sich hinreißen, war starr, eisern in vorgefaßter Meinung. Im Aeußeren war er kalt, trocken, schroff, einsylbig; seine Worte aber waren Mark. Er hatte häufig Zerwürfnisse, heftige Scenen, grelle, rigoröse Auftritte. S. war das völlig, was man „ein Gelehrter“ nennt. Noch in frischen Jahren lebte er einsam und still, im höchsten Stockwerke der tiefsten Straße (auf dem Salzgries), der Literatur und den Wissenschaften. Da bereitete er sein „Sonntagsblatt“ vor. Durch Verhältnisse ward er Kunsthändler. Er gefiel sich nicht in solcher Sphäre. Nun gewann ihn die Kunst; und das Hoftheater gewann in ihm einen bahnbrechenden Umbildner, einen kundigen, kräftigen Gestalter, eine mächtige Säule; neues Leben, neuen Geist, neue duftige Blüthen und Früchte. Schreivogel’s Wirken war eine neue Aera, eine Epoche. Die ganze Kunstwelt weiß und ehrt es. Dichter war er nicht, es gebrach ihm an Phantasie, aber gewandter Uebertrager, umsichtiger, tactvoller Anordner. Er war ein eiskalter Verstandeskopf; für Genialität hatte er keinen Sinn; sie war ihm ein Greuel. Als theoretischer Aesthetiker war er etwas arrierirt, als Dialektdichter, als Kritiker fein und glücklich. Den Dichtern und Schauspielern, selbst seinen Obern, war er eine Art Orakel. Sie suchten und fanden Rath und Auskunft. Er war Dictator und verdiente es zu sein. Werner fragte ihn häufig um Rath, er hat gar Manches von ihm gelernt, Schreivogel’s Feder war Lessing’s Feder.