BLKÖ:Hofstaeter, Felix Franz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Hofmann
Band: 9 (1863), ab Seite: 181. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 124671845, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Hofstaeter, Felix Franz|9|181|}}

Hofstaeter, Felix Franz (Literator, geb. zu Wien 4. October 1741, gest. 22. August 1814). Besuchte die unteren Schulen in Wien und trat 1756 in den Orden der Gesellschaft Jesu, worauf er die Studien zu Raab und später in Wien fortsetzte und insbesondere orientalische Sprachen und Mathematik betrieb. Nun lehrte er Grammatik zu Linz, Rhetorik zu Passau und beendete die Theologie zu Wien. Nach Aufhebung des Jesuitenordens erhielt er das Lehramt aus den schönen Wissenschaften an der Theresianischen Ritterakademie zu Wien, hielt aber zugleich Vorlesungen über die bildenden Künste und ihre Geschichte. Als Kaiser Joseph im Jahre 1782 die Ritterakademie aufhob, privatisirte H. einige Zeit in Wien, nahm dann eine Erzieherstelle an und begleitete den Fürsten Karl Liechtenstein auf die Universität nach Göttingen, wo er mit seinem Zöglinge bis 1788 verblieb; später machte er mit dem Fürsten eine Reise nach Italien. Am 24. April 1795 wurde H. Bibliothekar der k. k. Universität in Wien und 1797 zugleich Beisitzer der Studien-Revisionscommission; später Director der mittlerweile wieder neu begründeten Theresianischen Ritterakademie, als diese aber eine neue Einrichtung erhielt und die Leitung derselben den Piaristen übertragen wurde, [182] seines Directorates enthoben und mit 29. März 1803 zum zweiten Custos der Hofbibliothek ernannt, als welcher er noch einige Zeit die Leitung der Universitätsbibliothek beibehielt, bis er der sich häufenden Geschäfte wegen um Enthebung von dieser letzteren bat. Am 14. April 1806 verlieh ihm Maria Anna Josephine, verwitwete Fürstin von Liechtenstein, geborne Gräfin Khevenhüller-Metsch, eingedenk der Verdienste, die sich Hofstaeter als Erzieher ihres verblichenen Gemals erworben, die reiche Pfarre zu Großtajax im Znaimer Kreise Mährens, welche er bis zu seinem Tode versah, der ihn im Alter von 74 Jahren seiner Gemeinde entriß. Hofstaeter war ein fruchtbarer Schriftsteller; meine Bemühungen, ein Verzeichniß seiner gedruckten Schriften zusammenzustellen, waren vergeblich. Stoeger in dem in den Quellen bezeichneten Werke hat den – keineswegs glücklichen – Gedanken gehabt, die Titel der Druckschriften der schriftstellernden Jesuiten, also auch Hofstaeter’s, in’s Lateinische zu übersetzen, ein Vorgang, der Stoeger’s Werk, das sonst wenig zu wünschen übrig ließe, geradezu unbrauchbar macht. Hofstaeter’s im Drucke erschienene Schriften, soweit sie mir bekannt geworden, sind: „Nachrichten von Kunstsachen in Italien“. 2 Theile (Wien 1792, Kurzbeck, 8°.), der erste Theil behandelt die Kunstwerke Venedigs, der zweite jene von Padua, Ferrara und Bologna und sind das Ergebniß seiner mit dem Fürsten K. von Liechtenstein unternommenen Reise; – „Altdeutsche Gedichte aus den Zeiten der Tafelrunde, aus Handschriften der k. k. Hofbibliothek, in die heutige Sprache übertragen“. 2 Theile (Wien 1811, Schaumburg, 8°.). Ohne Namen gab er heraus: „Wahrmund oder Antwort auf alte Verleumdungen wider die Jesuiten, wie sie in den neuesten Schmähschriften wiederholt werden“. 4 Bde. (Augsburg 1793 und 1794, 8°.), die erste Auflage dieses Werkes erschien bereits im Jahre 1782 in 2 Bänden und eine spätere wieder 1820 in der Schweiz; – „Neue Beilagen zu Wahrmunds Unterredungen wider das neue Pharisäerthum des Torricella“ (Wien 1783, Schmidt, 8°.). Auch gab H. in den Jahren 1793–1796 eine periodische Schrift, betitelt: „Magazin für Kunst und Literatur“ (Wien, Math. Andr. Schmidl, kl. 8°.), heraus, wovon 12 Bändchen erschienen sind, die außer vielen Gedichten von Haschka und mehreren Mittheilungen über den Illuminatenorden auch interessante philosophische, kunsthistorische, namentlich aber Aufsatze zum Verständnisse jener denkwürdigen Zeit enthalten. Ferner enthielt das von O. H. Freiherrn von Gemingen in den Jahren 1784 und 1785 herausgegebene „Magazin für Wissenschaften und Literatur“ mehrere Aufsätze von H., darunter eine „Uebersicht der Künste“, eine „Abhandlung über die Luftschifffahrt“ als eine schon von unseren Vorfahren gekannte Erfindung. Eine Uebersetzung des zweiten Theiles von Spence’s Werk: „Von der Uebereinstimmung der Werke der Dichter und Künstler“, wovon die Uebersetzung des ersten von Professor Burkard besorgt wurde, hatte H. bereits im Jahre 1773 (Wien, 8°.) herausgegeben. Wie es sich aus dem schon erwähnten lateinischen Verzeichnisse der deutschen Werke H.’s ergibt, so gab er noch 1776 eine Edelsteinkunde (bei Kurzbeck). 1780 (bei Kraus in Wien) Gedichte, eine Uebersetzung von Rajcevich’s Beobachtungen über die Moldau und Wallachei historischen, politischen und naturhistorischen Inhalts (ebd.) und 1784 eine polemische Schrift gegen Sonnenfels, dann mehrere Oden, Gelegenheitsgedichte [183] und Gelegenheitsschriften heraus und ist der Verfasser der 1806 erschienenen neuen Statuten der Theresianischen Ritterakademie.

Erscheint verschieden geschrieben, bald Hofstetter, Hofstätter, Hofstädter, er selbst schrieb sich Hofstaeter, welche Schreibart auch beibehalten wird; auch erscheint er mit verschiedenen Taufnamen, als Anton, Karl, er selbst unterschrieb sich Felix Franz. – Stoeger (Joa. Nep.), Scriptores Provinciae Austriacae Soc. Jesu. (Viennae 1856, Lex. 8°.) S. 148. [nach diesem geboren 1740]. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1776, Ghelen’sche Schriften, 8°.) I. Bds. 1. Stück, S. 200. – Czikann (Joh. Jak. Heinrich), Die lebenden Schriftsteller Mährens (Brünn 1812, Joseph Georg Traßler, 8°.) S. 75. – Oesterreichische National-Encyklopädie herausg. von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 617. – (Pipitz) Der Jakobiner in Wien. Oesterreichische Memoiren aus dem letzten Decennium des achtzehnten Jahrhunderts (Zürch und Winterthur 1842, literar. Comptoir, 8°.) S. 101 [in diesem Werke wird H. als einer derjenigen aufgeführt, die sich in der merkwürdigen Zeit 1790–1792 zu dem niedrigsten Amte der Welt, zur Angeberei gebrauchen ließen. Mit Gotthardy, Hoffman, Watteroth im Vereine verstand es H. das ihm geschenkte Vertrauen Höherer zu mißbrauchen, besaß aber die meisten Kenntnisse unter den Genannten]. –