BLKÖ:Haschka, Lorenz Leopold

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Haselbauer, Franz
Band: 8 (1862), ab Seite: 20. (Quelle)
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Haschka, manchmal auch Haska, Lorenz Leopold (Dichter, geb. zu Wien [21] 1. September 1749, gest. ebenda 3. August 1827). Trat jung in den Orden der Gesellschaft Jesu und wurde dann zu Krems Lehrer der unteren Grammatikalclassen. Nach Aufhebung des Ordens 1773 trat H. in den weltlichen Stand zurück und begab sich nach Wien, wo er sich mit Schriftstellerei beschäftigte und dem Dichter Alxinger [s. d. Bd. I, S. 23] in der deutschen Metrik Unterricht ertheilte. Alxinger beschenkte H. bei einer Gelegenheit mit der namhaften Summe von 10.000 Gulden, welche – wie Gerüchte gingen – H. zum Sclavenhandel verwendet haben soll, was jedoch Karoline Pichler (vergl. Sonntagsblätter 1843, S. 266), wie auch den Umstand, daß Alxinger diese Summe in der Lotterie gewonnen und dann erst H. geschenkt haben soll, bestreitet. Im Umgange mit Alxinger, Blumauer, Ratschky, Leon und anderen gleichzeitigen Wiener Poeten, bildete sich auch H.’s poetisches Talent, und namentlich seit seiner Bekanntschaft mit Denis [s. d. Bd. III, S. 238] entschied sich H. für die höhere Ode, in der er auch, obgleich sein Ton meist gezwungen, frostig ist und ein falsches Pathos vorwaltet, doch noch das Beste geleistet hat. Später erhielt er die Stelle eines Custos an der k. k. Universitäts-Bibliothek und wurde Professor der Aesthetik am Theresianum. Am meisten bekannt machte sich Haschka durch seine Volkshymne: „Gott erhalte Franz den Kaiser“, zu welcher Haydn die erhebende Melodie componirt hat. Originalmanuscript der Hymne wie der Partitur befinden sich beide in der k. Hofbibliothek, wo sie im Jahre 1842 aufgefunden wurden. Eine Sammlung seiner Gedichte erschien nicht; die meisten derselben stehen in Flugblättern zerstreut gedruckt, deren vollständige Suite wohl eine Seltenheit sein dürfte, und auch in literarischen Zeitschriften. Mit Blumauer wetteiferte er im Pfaffenhasse – Herausgeber gebraucht hier das Wort Pfaff im Gegensatze zum Priester, wie Annast. Grün den Unterschied beider trefflich zeichnet, – auch nahm er mit demselben an der Fehde gegen Fr. Nicolai Theil, welcher in seiner „Reise durch Deutschland“ die Wiener Schriftsteller nicht zu glimpflich behandelt hatte. Schlosser in seiner „Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts“, Kurz in seiner „Geschichte der deutschen Literatur“ u. A., nennen H. ausdrücklich einen Spion und Denuncianten, und ein abscheuliches Bild von ihm entwirft der Verfasser des Werkes „der Jacobiner in Wien“. Von seinen Gedichten und Oden folgt hier eine Liste derjenigen, welche auf fliegenden Blättern erschienen sind: „Ode an Kaiser Joseph“ (Wien 1782); – „Auf die Eroberung von Belgrad“ (Wien 1789); – „An Ritter Gluck bei seiner Rückkunft von Frankreich“ (1775); – „Die Ehre der Tonkunst“ (1775); – „Ehrenrettung des Kaisers und Klopstock’s“ (1782); – „Die Wissenschaften“ (1784); – „Unsere Sprache“ (1784); – „Aufruf an die deutschen Schriftsteller wider Nicolai“ (1787); – „An den österreichischen Feldmarschall Loudon“ (ebd. 1790); – „Epinicion auf Joh. Aug. Stark[WS 1]“ (1790); – „Auf die Rückkehr Leopolds II. von der Krönung in Frankfurt“ (1790); – „Am Huldigungstage des 6. April 1790“; – „Auf den Frieden von Szisstov“[WS 2] (1791); – „An das gerettete Deutschland“ (1795); – „Der Todesbund“ (1796); – „An die Befreier Deutschlands“ (1796); – „Zur Fahnenweihe der Marine-Freiwilligen“ (1796); – „Gott erhalte Franz den Kaiser! Verfasset von Lorenz Leopold Haschka, in Musik gesetzt von Joseph Haydn. Zum ersten Male abgesungen den 12. Februar 1797“ (Wien 1797, 4°.); – „Auf den Frieden von Campoformio“ (1798); [22] – „Auf die Siege Oesterreichs und Russlands“ (1799); – „Auf Denis Tod“ (1800); – „Auf Franz l. Erbkaiser von Oesterreich“ (1804). – Auch betheiligte H. sich an der periodischen Schrift: „Die literarischen Monate“, welche von October 1776 bis in das Jahr 1777 in Wien erschienen ist, dann an Gemmingen’s „Magazin für Wissenschaft und Literatur“, am „deutschen Merkur“ u. m. a. Haschka war auch musikalisch und Gerber erwähnt eines unter seinem Namen gestochenen Clavier-Trio. Haschka starb im Pensionsstande, nachdem er das hohe Alter von 78 – und nicht wie Doering in Ersch und Gruber’s „Encyklopädie“ angibt von 81 – Jahren erreicht hatte.

Bouterweck, Geschichte der Poesie und Beredsamkeit, Bd. II, S. 423. – Raßmann, Pantheon deutscher, jetzt lebender Dichter, S. 123. – Historisches Portefeuille 1786, Stück 6, S. 683, in den Briefen auf einer Reise durch Deutschland, von Fabricius. – Gräffer (Frz.), Kleine Wiener Memoiren (Wien, Beck, 1845), Bd. I, S. 58 [entwirft ein Bild von H.’s äußerer Erscheinung; – Bd. II, S. 71 [erzählt die Geschichte von Alxinger’s Schenkung an Haschka]; – Bd. III, S. 207 [führt Gräffer in seiner pikanten Manier H. im Hause Greiner, an dessen Tafel, im Kreise anderer literarischen Notabilitäten vor].. – Frankl (L. A.), Sonntagsblätter 1842, S. 542: „Alxinger und Haschka“ – S. 573: „Originalmanuscript der Volkshymne“; – Dieselben 1843, S. 266: „Haschka und Alxinger“, von Karoline Pichler; – Dieselben 1843, S. 617: „Haschka’s Briefe an die Pichler“. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, II. Sect. 3. Theil, S. 60. – Meusel (J. G.), Gelehrtes Teutschland, 5. Ausgabe, Bd. III. und die Nachträge. – Oesterreichische National-Encyklopädie, herausgegeben von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 520. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1776, v. Ghelen’sche Schriften, 8°.) Ersten Bandes erstes Stück, S. 171. – Guden (Karl Friedrich Arnim), Chronologische Tabellen zur Geschichte der deutschen Sprache und National-Literatur (Leipzig 1836, Fleischer, 4°.) III. Theil, S. 80 u. 81. [Guden nennt H. einen „geistlosen Nachahmer der Odendichter Denis und Mastalier. Man findet selten mehr unmelodisches Wörtergeklirr und hohles Phrasengebrause“.] – Goedeke (Karl), Grundrisz zur Geschichte der deutschen Dichtung. Aus den Quellen (Hannover 1859 L. Ehlermann, 8°.). – (Triml) Oesterreichs Walhalla (Wien 1849, A. Pichler’s Witwe, 16°.) S. 64. – Gerber (Ernst Ludwig), Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1812, A. Kühnel, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 513. – Schlosser (F. C.), Geschichte des 18. Jahrhunderts und des 19. bis zum Sturze des französischen Kaiserreiches (Heidelberg 1844, J. C. B. Mohr, 8°.) Zweite Aufl., Bd. III, S. 272, 311, u. Bd. V, S. 358. – Stoeger (Joh. Nep.), Scriptores Provinciae austriacae Societatis Jesu ab ejus origine ad nostra usque tempora (Viennae et Ratisbonae 1856, Lex. 8°.) S. 125 [erscheint daselbst mit der Schreibart Haska]. – Der Jacobiner in Wien (Zürch 1842), S. 230 [entwirft das nachstehende, wenig anziehende Bild von Haschka: „Zu den thätigsten und einflußreichsten Agenten der Colloredo’schen Partei, d. h. derjenigen. die im Innern eine Heerde Sclaven, nach Außen so lange Krieg wollten, bis der letzte Funke einer Revolution, die auch in Oesterreich einen Brand anfachen konnte, erstickt war, gehörte der Secretär des Cardinal-Erzbischofs, welcher wieder eine Menge Untergeordnete in seinem Solde hatte. In die Reihe derselben ließ sich bald nach Joseph’s Tode auch Lorenz Leopold Haschka aufnehmen, ein Exjesuit, der durch die Gutmüthigkeit seines Freundes Alxinger früher in den Stand gesetzt worden war, unabhängig leben zu können. Unter Joseph’s Regierung zeigte sich Haschka als den rasendsten Feind des Papstes, der Geistlichkeit und aller Könige, von denen er in einer seiner Oden sagt, daß auch nicht ein Einziger etwas tauge. Die Meisten, welche diesen Menschen genauer kannten, fürchteten oder verabscheuten ihn wegen seines unmoralischen Charakters. Um sein Capital zu vergrößern verwendete er den beträchtlichsten Theil desselben zum Ankaufe einiger Actien für den Sclavenhandel; aber das Schicksal bestrafte ihn für diese den Dichter und Philosophen so entehrende Speculation durch den Verlust des daran gewagten Capitals. Als Leopold den [23] Thron bestieg suchte Haschka seine zerrütteten Glücksumstände dadurch zu verbessern, daß er die Partei der Aufklärung, von der er nichts mehr erwartete, verließ, zur Fahne des Obscurantismus schwor und sich von der geheimen Polizei als Spion besolden ließ. Er und Gotthardy wurden vorzüglich dazu gebraucht, geheime Verbindungen auszukundschaften, welches Geschäft dem ersteren dadurch sehr erleichtert wurde, daß er nach und nach Jesuit, Freimaurer, Illuminat, Rosenkreuzer und Kryptojesuit gewesen war.“ – Kurz (Heinrich), Geschichte der deutschen Literatur mit ausgewählten Stücken aus den Werken der vorzüglichsten Schriftsteller (Leipzig 1859, B. G. Teubner, Lex. 8°.) Bd. III, S. 7, erste Spalte, S. 46, erste Spalte. [Kurz gedenkt hier, als er über die deutschen Odendichter schreibt, auch Haschka’s und schreibt: „Die meisten der bisher genannten Dichter (Stollberg, Voß , Hölty, Miller u. A.) haben die Odenform öfters zum Ausdruck ihrer vaterländischen Gesinnungen und ihrer Freiheitsliebe gebraucht und manche derselben haben dabei solche Ansichten an den Tag gelegt, und diese in einer so kräftigen und rücksichtslosen Sprache dargestellt, daß man heut zu Tage darüber erstaunt und es kaum begreifen kann, wie in der damaligen Willkührherrschaft eine solche freie Sprache geführt werden konnte. Wenn aber schon die hierhergehörigen Oden der Göttinger (Fr. L. Stollberg’s „die Freiheit“, „Freiheitsgesang“ u. a. m., Voß’s „Trinklied für Freie“, Miller’s „Todesengel am Lager eines Tyrannen“, Bürger’s „der Bauer an seinen durchlauchtigen Tyrannen“) unser Staunen erregen, so muß dieses noch steigen, wenn wir die Oden eines gleichzeitigen österreichischen Jesuiten, Lorenz Leopold Haschka aus Wien lesen, der in Gedanken und Ausdruck Alles weit überbietet, was Andere noch so scharf gesagt haben mochten. Freilich geht die Begeisterung oft in Wuth über, in welcher alle poetische Wirkung verschwindet, aber er ist doch keineswegs ohne Talent; es geht dasselbe, nicht bloß aus seinen anderen Gedichten, sondern selbst aus den Oden hervor, welche wir zunächst im Auge haben und welche im Voß’schen Musenalmanache für 1787 stehen („Zuruf an Deutschlands Dichter“, „Art läßt von Art“). Der nämliche Haschka gab sich später unter Leopold II. zum gemeinen Denuncianten gegen die Freunde der französischen Revolution her und entwickelte gegen sie eine ähnliche Wuth wie früher gegen die Tyrannen.“] – Die von Göthe und Schiller herausgegebenen „Xenien“ gedenken in der vorletzten auch Haschka’s, und zwar schreibt Schiller in Xenie 413, betitelt: „Muse zu den Xenien“:

Aber jetzt rath’ ich euch, geht, sonst kommt noch gar der Gorgona
    Fratze oder ein Band Oden von Haschka heraus.

Der nachmalige Superintendent von Halle, Christian Fürchtegott Fulda, der anonyme Verfasser der unter dem Titel „Trogalien zur Verdauung der Xenien (Kochstädt, zu finden in der Speisekammer, 1797)“ erschienenen Antixenien nimmt sich Haschka’s gegen Schiller an und schreibt, abgeschmackt genug:

Sicherlich hätt’ er Dich mit der Klappe verschonet, o Haschka,
    Hättest Du Wahrheit nicht unsern Regenten gesagt.

(Ein Haschka und Regenten die Wahrheit sagen!!!) Uebrigens waren auch Andere ähnlicher Ansicht wie Schiller über Haschka’s Poesie, und die „literarischen Spießruthen“, auch eine von Daniel Jenisch anonym herausgegebene Antixenienschrift, sagen gar und treffend: „Haschka sei der „wienerische Klopstock“, sowie Schikaneder der „wienerische Goethe“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Joh. Aug. Stork. [gemeint ist Starck, Johann August Freiherr von (ADB)].
  2. Frieden von Swischtow (Wikipedia).