BLKÖ:Blumauer, Alois

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Blüemel, Sebastian
Band: 1 (1856), ab Seite: 436. (Quelle)
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Blumauer, Alois[BN 1] (Dichter und Schriftsteller, geb. zu Steyer in Oesterr. ob der Enns 21. Dec. 1755, gest. in Wien 16. März 1798). B. vollendete die Studien in seiner Vaterstadt und trat darauf (1772) in den Orden der Gesellschaft Jesu, in welchem er aber nur ein Jahr blieb, da schon im folgenden Jahre die Aufhebung des Ordens stattfand. Nun fristete B. seinen Lebensunterhalt vom Unterrichtertheilen und literarischen Arbeiten, bis er bei der Censur-Commission, welche unter Van Swietens Vorsitz zusammengetreten war, eine Stelle als Büchercensor erhielt. Im J. 1793 legte B. seine Stelle nieder, und übernahm Rud. Gräffer’s Buchhandlung, an der er schon seit 1789 einigen Antheil gehabt. Bei der geistigen Gährung, die mit Joseph’s II. Regierungsantritt in den österreichischen Staaten entstand, machte sich B. als einer der besten Köpfe bemerklich. Mastalier und Denis hatten sich unter deutschen Poeten Oesterreichs einen schönen Namen erworben, da tauchten mit einem Male zwei jüngere [437] Poeten in Wien auf, die den beiden vorgenannten ihre Lorbeern streitig machten. Es waren Blumauer und Alxinger, beide in den Dichtungsarten, welche sie pflegten, ganz verschieden, doch in jener Zeit immer als das poetische Dioskurenpaar zusammen genannt. B.’s Arbeiten, deren locale Färbung vorherrschte, gewannen bald in Oesterreich eine ungeheure Verbreitung, aber auch im Auslande ließ man seinem Talente Gerechtigkeit widerfahren, wenn man darüber auch die Mängel seiner Arbeiten nicht übersah. [Vergleiche in den Quellen die einzelnen Auszüge der über ihn zu seiner Zeit erschienenen Urtheile anerkannter Kritiker Nr. III. u. X.] Seinen Ruhm begründete er vorerst mit seinen Gedichten, von denen die edlern im Geiste Bürger’s gehalten, sich durch schöne männliche Sprache, Gefühl, mitunter lebhafte Phantasie, ausnahmsweise durch wahrhaft erhabenen Schwung auszeichnen. In seinen burlesken Poesien, worunter sein „Lob des Ochsen“ – „des Esels“ – „des Schweines“ – „des Hahnes“ immer komisch bleiben, verirrte sich B. nicht selten in das Gebiet des Ekelhaften und Widrigen, mitunter Rohen. Eigentlichen Ruhm in der literarischen Welt bereitete ihm aber seine „Travestirte Aeneis“, wozu B. den Gedanken von Scarron entnommen haben soll [Gervinus, Geschichte der deutschen Dichtung, 4. Aufl.. 3. Bd. S. 64], während B. selbst in der Nachschrift zu seiner Probe sein Gedicht als eine Fortsetzung des Versuchs von Michaelis erklärt. [Vergleiche in den Quellen die einzelnen Auflagen, die Urtheile darüber, die Kupfer, u. dergl. m. Nr. V., VI., VII., VIII.] Kecker, oft derber Witz mit beißender Satyre und grotesker Laune, welche aber auch nicht frei ist von jenen cynischen Zuthaten, wodurch B.’s Arbeiten überhaupt entstellt werden, wetteifern in der „Aeneis.“ B. fand auch Nachahmer, aber nicht seines Witzes, der geistreich u. unerschöpflich war, wohl aber der Gemeinheiten, in denen ihn sein unsauberes Gefolge noch überbot; namentlich erregte Schabers Fortsetzung [s. unten Nr. VIII. „Fortsetzungen und Nachahmungen der Aeneis“] allgemeinen Unwillen, ja sogar B.’s Namen wurde bei einem dieser Machwerke mißbraucht. Die Reise Sr. Heiligkeit des Papst Pius VI. nach Wien veranlaßte B. zu einem prophetischen Prologe (dem bald eine 2. Aufl. folgte) und zu einem Epilog. Gegen Nicolai’s bekannte Reisebeschreibung verfaßte B. unter dem Namen Obermeyer einen satyrischen Prolog [im 2. Bande seiner Gedichte abgedruckt]; schrieb aus Veranlassung derselben seine: „Beobachtungen über Oesterreichs Aufklärung und Literatur“ (Wien 1783), und noch: „Process zwischen Nicolai und den 797 Pränumeranten auf seine Reise“ (Leipzig [Wien] 1783). [Vergl. Nr. XIV.] Doch ließ ihm Nicolai alles dies nicht entgelten. B.’s dichterische Verdienste fanden eben in der „allgem. deutschen Bibliothek“ willige Anerkennung, und sogar B.’s Bild wurde dem 27. Bande derselben vorgesetzt. Mit Ratschky zusammen gab B. zehn Jahre hindurch den „Wiener Musenalmanach“ heraus, den er dann einige Jahre allein fortsetzte; ferner besorgte B. die Herausgabe der „Wiener Realzeitung“ von 1782–84, und betheiligte sich auch an der „Jenaer allgemeinen Literatur-Zeitung“. B. hat sich auch im Dramatischen versucht, und in seinem Trauerspiele „Erwine von Steinheim“ Geschick dazu beurkundet. Als Dichter u. Schriftsteller wird mit Bezug auf die in den Quellen angegebenen Urtheile die Kritik sich folgendermaßen aussprechen dürfen: „Blumauers Muse ist derb komisch, drollig, voll beißenden Witzes und lachender Satyre. In seiner travestirten Aeneis wollen die Anspielungen, komischen Verdrehungen des Virgil’schen [438] Textes, und Witzfunken gar nimmer endigen, und bei einer so fruchtbaren Witzesader muß man eben ihm mehr Zugeständnisse machen, als irgend einem Andern. Seine Aeneis, dieses Product des Witzes in seiner Culmination und Abschweifung ist noch durch kein anderes Werk weder der deutschen noch fremden Sprache überboten. Sonst als Dichter zeigt sich B. als Mann, der immer Edleres zu schaffen fähig war, der aber seine Muse mit Satyr und Comus buhlen ließ, weil ihr diese Gesellschaft eben am meisten behagte. Daß B. reiche Begabung zum lyrischen Dichter voll Schwung und Gedanken in sich trug, wird Niemand bezweifeln, der seine Gedichte: „An die Donau“; – „Meine Wünsche“ [vergleiche unten die in Musik gesetzten Gedichte B.’s, Nr. XIII.]; – „O Tahiti“, an Georg Forster; – „Mein Dank an Stoll“; – „Die beiden Menschengrössen“; – „Graf Lauzun“ [vergleiche darüber: Wieland’s deutschen Mercur 1774, 8. Stück, S. 254 u. f.]; – „Wunderseltsame Klage eines Landmädchens in der Stadt“ gelesen hat. Als Mensch war B. ein Cyniker vom Wirbel bis zur Zehe, und ein Religionsspötter ohne Gleichen. Sehr charakteristisch für ihn ist in dieser Hinsicht, was Franz Gräffer, der ihn theils selbst, theils durch seinen Vater genau kannte, in seinen „Neuen Wiener Tabletten“ (Wien 1848, Kuppitsch) S. 125 erzählt, welche Mittheilung auch als wesentliche Berichtigung der über Kaiser Joseph II. von Schlechtberichteten ausgestreuten Nachrichten u. Ansichten in Religionssachen gelten kann. Was B.’s Verbindung mit den deutschen Dichtern anbelangt, so ist hier insbesondere anzuführen, daß sich Wieland sehr zu Blumauer hingezogen fühlte. Nachdem B. in Weimar gewesen, erklärte Wieland, daß ihm das Leben nur darum lieb war, weil B. zugesagt, nächstes Jahr wiederzukommen. Mit B.’s Schriften ist der Nachdruckfrevel in einer Weise begangen worden, wie kaum mit den Schriften irgend eines andern deutschen Autors, denn die meisten Ausgaben seiner Werke sind reiner Nachdruck, alle ohne Wissen und ohne Abfinden mit dem Original-Verleger Rudolph Gräffer oder dessen Erben erschienen. B. selbst legte auf seine poetischen Arbeiten, die er nicht selten in Wein- und Bierhäusern auf die Speisekarten hinschrieb, gar kein Gewicht. – Wir haben bisher von Blumauer dem Dichter und Schriftsteller gesprochen; noch in einer Eigenschaft verdient er aber gewürdigt zu werden, die Niemand mehr berücksichtigt, weil Diejenigen, welche sie besitzen, meistens zu den sogenannten „Stillen im Lande“ zählen, welche mit ihrem reichen Wissen sich ganz von der Welt, die davon nichts brauchen kann, zurückziehen: „Blumauer der Bibliograph“. In dieser Hinsicht war B.’s Wissen bedeutend, und er hat davon in einem nun vergriffenen Werke glänzende Proben gegeben; es ist der „Catalogue raisonné des livres rares et prétieux qui se trouvent chez Blumauer“ (Wien 1797). Blumauer, der sich seiner Bedeutenheit in diesem Zweige bewußt war, liebte damit auch zu glänzen. Der genannte Katalog ist auch thatsächlich im Gebiete der Bibliographie eine Musterarbeit.

I. Biographische Mittheilungen über Blumauer: Leipziger Allgemeiner literar. Anzeiger, 1798, Nr. 125, 126. – Meusel (J. G.), Lexikon der vom J. 1750–1800 verstorbenen deutschen Schriftsteller. I. Bd. S. 430 u. f. – Pertsch, Neues allgem. literarisch-artistisches Lexikon. Abthl. I. S. 109. – Oestr. Zeitschrift für Geschichts- und Staatenkunde, herausgegeben von J. P. Kaltenbäck (Wien 1835, 4°.) I. Jhrg. in den Blättern für Literatur S. 296: „Einige Notizen von Blumauer“ – Baur (Sam.), Neues histor. biographisch-literarisches Handwörterbuch I. Bd. S. 404. – Gräffer (Franz), Wiener Dosenstücke (Wien, Mörschners Wittwe und Greß) II. Theil, S. 276 [enthält unter der Ueberschrift „Hobelspäne“ Einzelnes über Blumauer als Geschäftscompagnon [439] Rud. Gräffers, der durch ihn einen bedeutenden Theil seines Vermögens einbüßte, unter Anderem die Stelle: „Mein Compagnon, der Travestirer der Aeneis, Blumauer, travestirte mir mein Dominical- und Rusticalgut sammt dem Hause in der Stadt“, und das treffende Distichon:

Blumauer. Cynisch im Leben und Lied warst
     Mann Du des Volkes,
Nickend und schmunzelnd jedoch schüttelt Dir
     Virgil die Hand].

Gräffer (Franz), Wiener Tabletten (Wien, Kuppitsch, 8°.) S. 125: „Joseph II. und Blumauer“ [ein interessanter anekdotischer Beitrag zur Charakteristik des Monarchen und des Dichters). – Gräffer (Franz), Kleine Wiener Memoiren (Wien) I. Bd. S. 60: „Das Kramersche Kaffeehaus“, S. 181: „Blumauers Tod“, III. Bd. S. 146: „Ein alter Blumauerianer“, S. 207: „An der Tafel Herrn von Greiners“. [Im Aufsatze: „Das Kramersche Kaffeehaus“ werden kurze Skizzen jener Personen gegeben, welche zu Blumauers Zeit diesen Ort zu besuchen pflegten, als: Ayrenhoff, Leon, Haschka, Ratschky, Blumauer u. A. Hier entwirft auch Gräffer in seiner gewohnten Weise das physische Porträt B.’s. – Im Artikel: „Blumauers Tod“ berichtet Franz Gräffer über B.’s Nachlaß, den Gräffers Vater (Rudolph) übernehmen sollte, der aber statt dessen einen Faszikel „Adversarien aus B.’s Lecture“ erhielt, welche wohl Beweise für B.’s anzuempfehlende Methode zu lesen abgeben, sonst aber höchstens für Autographen-Sammler Werth haben. Man weiß nicht, was mit dem eigentlichen Nachlasse geschehen. – Was im III. Bd. S. 146 unter: „Ein alter Blumauerianer“ mitgetheilt ist, siehe weiter unten: „Grabschrift auf Blumauer“ – Im Artikel S. 207: „An der Tafel Herrn von Greiners“, da werden die Schöngeister jener Zeit: Alxinger, Haschka, Greiner, Blumauer, Retzer, Denis, Mastalier, Ratschky beim heiteren Tischgespräch dargestellt, das sich eben um Nicolai’s Reise dreht; ein glücklich gezeichnetes Genrebild, in welchem die Gestalten der Genannten lebendig hervortreten, wie überhaupt Gräffer in diesem Genre groß war; leider ist das Genre selbst klein.] – Histor. Portefeuille zur Kenntniß der gegenwärtigen und vergangenen Zeit, 1786 Junius, S. 684. – Ersch (J. S.) und Gruber (J. G.), Allg. Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig 1822, Gleditsch, 4°.) I. Sect. 11. Theil, S. 49. – Jördens (Karl Heinrich), Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten (Leipzig 1806, Weidmann, 8°.) I. Bd. S. 99, V. Bd. S. 745. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen 1845) IV. Bd. 4. Abtheil. S. 1226. – (Brockhaus) Conversations-Lexikon (10. Aufl.) II. Bd. S. 774.
II. Porträte, Schrift, Grabschrift. Ein Porträt befindet sich vor dem 27. Bande der Neuen allgemeinen deutschen Bibliothek, Unterschrift: Aloys Blumauer, geboren zu Steyer in Oesterreich ob der Enns 1755, den 21. Dec. Kupferstich. W. Arndt sc. – Ein zweites. Unterschrift: Blumauer. Wachsmann sc. (Zwickau, bei den Gebr. Schumann). Ein mittelmäßiger Nachstich des Folgenden. – Ein drittes. In Medaillonform. Im oberen Halbkreis desselben: Aloysius Blumauer natus Styrae MDCCLV., unter dem Medaillon auf einem runden Stein, den die Embleme der Poesie und des Komus bedecken, steht ... qui sale multo

Urbem defricuit          Horat.

Jos. Kreutzinger del. Jac. Adam sc. Viennae 1787. Von diesem vortrefflichen Bilde gibt es auch Blätter avant la lettre. – B.’s Schrift charakterisirt A. Henze in seinem Buche „Die Handschriften der deutschen Dichter und Dichterinnen“ (Leipzig 1855, 8°.) S. 13 [wo sich auch das Facsimile von B.’s Unterschrift befindet] folgendermaßen: „Ausgesprungene splittrige Buchstaben, eckig, sarkastisch, mit hinaufgezogenen Mundwinkeln“ – Grabschrift. Rochs Allgem. liter. Anzeiger, 1798, S. 1239 theilt das folgende als Grabschrift auf Blumauer mit: Hier . ruhet . | Aloys. Blumauer . | Censor . Dichter . | Epikuräer . Freigeist . Genie . Hagestolz . Jesuit . | Kenner . Latiums . | Maurer . | Naso . Oestreichs. | Pfaffenfeind . | Quälte . Rom . | Spöttelte . | Travestirte . | Unsterblich . Virgils . Werk . | Xenophthalmisch[1] . Ybischartig[2] . | Zollte der Natur den Tribut | den XVI. März. MDCCXCVIII. [Das Vorstehende ist aber keine Grabschrift auf Blumauer, sondern der Versuch eines Schöngeistes, der B.’s Zeitgenosse war, diesen nach den Anfangsbuchstaben des Alphabets zu charakterisiren, wo sich’s eben glücklich schickte, daß Blumauers Taufname mit A anfing. Die Worte „Hier ruhet“ sind später dazu gesetzt. Man beobachte nur die übrigen Worte, so wird man das Alphabet in den sämmtlichen Anfangsbuchstaben entdecken. Das Ganze ist gezwungen und nur die vier Buchstaben T U V W (Travestirte Unsterblich Virgils Wert) stimmen treffend. Das Ganze machte die Runde durch deutsche Journale und [440] Lexika als B.’s Grabschrift, während es nicht mehr ist, als der Scherz eines Witzlings.) (Vergleiche: Gräffers Kleine Wiener Memoiren, III. Theil, S. 146: „Ein alter Blumauerianer.“
III. Urtheile über Blumauer, als Schriftsteller im Allgemeinen: Pölitz, Praktisches Handbuch zur Lecture der deutschen Classiker. II. Th. S. 385 u. f. „Blumauer gehört nicht zu den correktesten aber gewiß zu den gelesensten Dichtern der Nation. Die Freimüthigkeit in seinen philosophischen Gedichten, der beißende und lachende, bisweilen auch wohl etwas gemeine Witz, womit er die Thorheiten des Zeitalters bald geradezu, bald symbolisch geißelte, die glückliche Combinationsgabe, verbunden mit Leichtigkeit in der Darstellung, die ihm eigen war, verschafften ihm ein ausgebreitetes Publicum. Am bekanntesten ist seine, nur zu lascive Travestirung der Aeneide. Mehrere seiner witzigen, echt komischen Gedichte, an die Sonne, den Mond, den Magen, den Esel u. s. w., bezeichnen das dichterische Feld, das er am eigenthümlichsten anbaute.“ – Gruber, Wörterbuch zum Behuf der Aesthetik, der schönen Künste, deren Theorie und Geschichte und Archäologie. I. Thl. I. Bd. S. 684–686. Darin heißt es unter Anderem: „Die Urtheile über B. sind sehr verschieden gewesen, allein sie waren es von jeher über alle Dichter der Gattung, worin Blumauer sich auszeichnete, in der Gattung der Burleske, zu welcher Blumauer aber gewiß nicht durch ein niedriges Gemüth hingezogen wurde. Betrachten wir nämlich seine sämmtlichen Gedichte, so offenbart sich, daß er einer natürlichen Empfindung fähig war; sein Geist ringt nach Wahrheit, sehnt sich nach Licht, und strebt, mit dem gefundenen das ihn umgebende Dunkel zu erhellen. Wo absichtliche Verfinsterung ihm in den Weg tritt, entbrennt seine Idee, und er zeigt sich hier sowohl, als in dem Ringen nach Wahrheit selbst, edel, stark, kräftig, ja bisweilen wahrhaft erhaben.“ ... „Lied und Romanze gelangen ihm meist sehr wohl.“ ... „Am wenigsten gelang ihm das Didaktische und alles, was dieser Gattung sich nähert. – Den größten Ruhm erwarb sich B. durch seine travestirte Aeneis.“ .... „Unerschöpflich wurden der Witz und die Laune des Dichters mit Recht genannt ... die Einfälle reihen sich immer gedrängter und verstärken sich in ihrer Wirkung, so daß dieses leider unvollendet gebliebene Werk jetzt und vielleicht lange Zeit noch als einzig in seiner Art dasteht. Uebrigens will ich Blumauers wirkliche Fehler nicht bemänteln. Es ist wahr, daß sein Witz bisweilen gemein, sein Vers hin u. wieder holpericht, sein Reim (aber oft aus Schuld seines Provinzialdialectes) nicht rein ist; sein größter Mißgriff aber war unstreitig, daß er auch das Ekelhafte dem Groteskkomischen angehörig glaubte.“ – Literarische Reise durch Deutschland, Heft 4, S. 1–5, S. 10–13. – Gervinus (G. G.), Geschichte der deutschen Dichtung (Leipzig 1853, Engelmann, gr. 8°, 4. Aufl.) III. Bd. S. 64, IV. Bd. S. 264, V. Bd. S. 20. – Horn (Franz), Schöne Literatur Deutschlands während des achtzehnten Jahrhunderts I. Bd. S. 293.
IV. Gesammt-Ausgaben der Werke Blumauers: Sämmtliche Werke. 8 Bände. Neue Aufl. (Leipzig 1801–1803, Linke, Druckpapier, mit und ohne Kupf. 3 Thlr. 20 Gr., Velinpapier 10 Thlr. [Die ersten 3 Bde. Aeneis; die nächsten 4 Bde. B.’s Gedichte; der letzte oder achte Bd. enthalt Blumauers prosaische Aufsätze und das Trauerspiel „Erwine von Steinheim.“ Als Herausgeber nennt sich in der Vorrede des ersten Bandes B. L. Müller. Im 7. Bande ist aus den Wiener Musenalmanachen Alles zusammengerafft, was B.’s Namen trägt.] – Sämmtliche Werke. 7 Bde. (Königsberg 1801–1803, 8°., Bornträger), 1 Thlr. 20 Gr., Schreibpapier 2 Thlr. 8 Gr., mit Kupf. 3 Thlr. 16 Gr., Velin 6 Thlr. [Davon besonders: Virgils Aeneis, travestirt, 3 Bde., Gedichte 4 Bde.) – Sämmtliche Werke (Leipzig 1806, 8°.). – Sämmtliche Werke. Taschenausgabe in vier Bänden (Königsberg 1827, Bornträger, 12°.), Schreibpap. 2 Thlr., Velinpap. 3 Thlr. 8 Gr. – Sämmtliche Werke. Herausgegeben und durch Anmerkungen erläutert von A. Kistenfeger. 3 Bde. 2. Auflage (München [1827] 1830, Fleischmann, gr. 12°.), 1 Thlr. 12 Gr. – Gesammelte Werke, vollständig in drei Theilen. Mit dem Bildnisse des Verfassers (Stuttgart 1839, Scheible, Rieger und Sattler, 16°.) 11/2 Rthlr. – Dasselbe ergänzt durch einen 4. und 5. Theil von seinen Freunden (Ebenda 1840), 11/2 Thlr., zusammen alle fünf Theile 3 Thlr. – Gesammelte Werke. Miniatur-Ausgabe in einem Bande (Stuttgart 1840, Scheible, Rieger und Sattler, 16°.) 13/4 Rthlr.
V. Ausgaben der Aeneis: Proben seiner Aeneis ließ Blumauer theils in der ersten Ausgabe seiner Gedichte, theils im „deutschen Merkur“ (1783 Sept., S. 266–278) und im „deutschen Museum“ (1782 August, II. Bd. S. 171–86) drucken. Den Gedanken zu dieser Arbeit entnahm B. nach seinem eigenen Geständnisse in der Nachschrift zur ersten durch den Druck veröffentlichten Probe dem Dichter Michaelis, der „Leben und Thaten des theueren Helden Aeneas“, Erstes Mährlein (Halberstadt 1771, [441] 8°.) erscheinen ließ. Es ist dies ein drolliger Versuch, den Michaelis ganz auszuführen gedachte. Thatsächlich befinden sich auch in W. G. Beckers „Erholungen“ (1796) IV. Bd. S. 230–243: „Zwei Reliquien von Johann Benjamin Michaelis“, mit einigen Vorworten von Klamer Schmidt, welche das 2. Buch enthalten. Ein Ungenannter (Beckhon) machte im „Almanach der deutschen Musen auf das Jahr 1779“ S. 207–214 einen (mißlungenen) Versuch, Michaelis Arbeit fortzusetzen; einen zweiten glücklicheren F. B. im „Deutschen Museum“ 1783 August, II. Bd. S. 158–179. [Vergleiche über Michaelis Arbeit, deren Nichtvollendung durch Blumauers Travestie nicht mehr so sehr zu bedauern ist: Schirachs Magazin der deutschen Kritik, I. Bd. 1. Thl. S. 325–529.] – Virgils Aeneis, oder Abentheuer des frommen Helden Aeneas, 3 Theile [enthält die ersten 9 Bücher] (Wien 1783–1788, Gräffer, 8°.), 1 Rthlr. – Virgils Aeneis, travestirt von Blumauer. Neue Aufl. 1.–3. Theil (Leipzig 1803, 8°.), ohne Kupf. 1 Thlr., Druckp. mit Kupf. 2 Thlr., Schreibpap. mit Kupf. 2 Thlr. 6 Gr., Velin 3 Thlr. Die Kupfer sind Nachstiche der Chodowiecki’schen. I. und II. Bd. je eine Titelvignette und 4 Kupf. III. Bd. Titelvignette und 2 Kupf. [Aus der Ausgabe: B.’s Werke in 8 Bänden, 1801–1803, I.–III. Bd. mit besonderem Titel.] – Virgils Aeneis, travestirt in 9 Gesängen mit 36 (lith.) Skizzen von Franz Seitz (Leipzig 1841, Köhler, breit kl. 8°.), 11/4 Thlr. – Virgils Aeneide, travestirt (Schw. Hall 1844, Haspel’sche Buchh., kl. 16°.) mit Goldschnitt geb. 2/3 Thlr.
VI. Kupfer zur Aeneis von Chodowiecki: Daniel Chodowiecki lieferte im „Königlich Großbritannischen histor. genealogischen Kalender für 1790“ (Lauenburg 1789) folgende meisterhaft ausgeführte Kupfer zur travestirten Aeneis, welche von dem Herausgeber des Kalenders mit einer launigen Erklärung begleitet wurden. Im Geiste des Dichters hat auch der Künstler die Götter und Helden des Alterthums modernisirt. Die Kupfer stellen vor: 1) Juno bittet den Aeolus, einen Sturm auf dem Meere zu erregen; 2) Neptun gebietet Stille den Winden; 3) Venus klagt vor Jupiter ihre Besorgniß über das Schicksal ihres Sohnes; 4) Die aus dem Sturm geretteten Trojaner flehen die Dido um ihre Gunst an; Plötzlich zeigt sich Aeneas unter ihnen; 5) Aeneas erzählt der Dido und ihrem Hofstaate die traurige Geschichte von Troja’s Fall; 6) Aeneas flüchtet mit seinem alten Vater, Weib und Kind aus dem brennenden Troja; 7) Ein ehemaliger Schöngeist, „der Zeit und Geld den Menschenkindern raubte“ und jetzt in einem Walde spukt, wird durch Aeneas und seinen Begleiter, einen Kapuziner, gebannt; 8) Des Aeneas Zuhörer sind bei seiner Erzählung eingeschlafen; 9) Aeneas und Dido gerathen auf der Jagd zusammen in eine Höhle; 10) Aeneas erhält durch Merkur von Jupiter Befehl, Afrika und Dido zu verlassen; 11) Dido trauert über die Abreise des Aeneas; 12) Dido erhängt sich aus Verzweiflung. – Derselbe Kalender pro 1793 enthält noch sechs Kupfer desselben genialen Künstlers zur Travestie der Aeneis: 1) Aeneas landet in Latium; 2) Die Furie Alekto spiegelt dem Könige der Rutuler, Turnus, im Traume die boshaft erfundene Erscheinung, als ob Aeneas seine Braut liebkose; 3) Aeneas und der alte Evander erblicken eine Saumutter mit dreißig Jungen, als Sinnbild der künftigen Staaten des Aeneas; 4) Nach einer süß verlebten Nacht verläßt Vulkan mit anbrechendem Tage seine Gattin Venus und wirft beim Weggehen einen falschen Blick auf sein Stiefsöhnchen, den in der Wiege schlummernden Amor; 5) Mönche als Schmiedeknechte Vulkans sind im Begriff, einem Ketzer das Gehirn einzuschlagen; 6) Der im festen Lager der Trojaner eingeschlossene Turnus wehrt sich wie ein Rasender.
VII. Urtheile über die Aeneis: Nürnberger gelehrte Zeitung, 1788, S. 177. – Neue Literatur des katholischen Deutschlands, III. Bd. 1. St. S. 77. – Allgemeine deutsche Bibliothek LXXI. Bd. 2. St. S. 422; LXXXIX. Bd. 2. St. S. 409; CIX. Bd. 1. St. S. 108. – Oberdeutsche allgemeine Literatur-Zeitung, 1788, II. Bd. S. 1165. – Allgemeine Literatur Zeitung, 1785, II. Bd. Nr. 104, S. 122–124; 1788, 1. Bd. Nr. 65, S. 698–701.
VIII. Fortsetzungen, Nachahmungen der Aeneis, Schriften dagegen, Uebersetzungen u. drgl. Als Fortsetzung erschien: Virgils Aeneide, travestirt von Blumauer, ausgeführt von Professor Schaber. Vierter und letzter Band [enthält Virgils Buch 10–12] (Wien 1794, 8°., auch Frankfurt 1794, Brönner), 12 Gr., ein plumpes, geschmackloses, pöbelhaftes Machwerk. [Vergleiche darüber: Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften, LIV. Bd. 1. St. S. 153 u. f. – Allgemeine Literatur-Zeitung, 1795, I. Bd. S. 161 u. f.] – Nachahmungen: Aeneas, der Fromme, von Friedrich Christoph Weißer. In Mathissons Lyrischer Anthologie, XV. Theil S. 176–190 [eine glückliche Nachahmung; es wird darin der erste [442] Gesang der Virgil’schen Aeneis parodirt]. – Ovids Heldenbriefe, nach Auswahl travestirt (Leipzig 1789, 8°.). – Verwandelte Ovidische Verwandlungen. Ad modum Blumaueri. Mit Anmerkungen; erstes bis fünfzehntes Buch, 6 Bände (Stuttgart 1790–1794, 8°., mit Titelvignetten). [Traurige Mißhandlung des großen römischen Dichters, dessen Witz, Poesie und lebensvolle Darstellung in gereimte Prosa und unschöne Form gebracht sind.] – Ovids Werke von der Liebe, nach Blumauer travestirt von Professor C. W. F. Schaber. Drei Bändchen (Berlin u. Leipzig 1794, 8°.). [Schaales u. gemeines Machwerk.] – Homers Iliade, travestirt nach Blumauer (in Blumauers Manier), Erster bis dritter Band (Weißenfels u. Leipzig 1796–98, 8°.). – Herkules, travestirt in 6 Büchern von Blumauer (Frankfurt und Leipzig 1794, 8°.). [Darin werden in burlesken Versen und mit schaalem Witz des Herkules Abenteuer erzählt. Der Verfasser mißbrauchte sogar Blumauers Namen.] – Uebersetzung. Eine solche in’s Russische erschien von dem geheimen Posttranslateur Ossipof (St. Petersburg 1791–93, 8°.). [Der Plan ist beibehalten, nur erscheint Aeneas als russischer Bauer u. Dido als eine russische Bauerndirne.] – Schrift gegen die Aeneis: Blumauer bei den Göttern im Olympus, Virgilius Maro contra Blumauer in puncto labefactae Aeneidis. Herausgegeben von einem P** (Leipzig und Graz 1792 und 1796, Ferstl, 8°.), 10 Gr. [Vergleiche darüber: Neue allgemeine deutsche Bibliothek, II. Bd. 1. St. S. 119–122; Allgemeine Literatur-Zeitung, 1792, II. Bd. S. 307 u. f.; Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften, 47. Bd. 1. St. S. 131 u. f.] – Zur ältern Literatur der Aeneis: Nachricht von einer in’s Deutsche travestirten Aeneis aus dem Anfange des verflossenen Jahrhunderts. Siehe: Morgenblatt für gebildete Stände, 1809, Nr. 51, S. 201–203; Nr. 52, S. 206 u. f.
IX. Ausgaben der Gedichte: Gedichte, 2 Thle. (Wien 1782–87, Blumauer [Gräffer], gr. 8°.) 1 Rthlr.; mit Kupf. 1 Rthlr. 12 Gr. [einzige rechtmäßige Auflage.] – Gedichte von Alois Blumauer. Erster bis vierter Theil (Leipzig 1801, 1802, 8°.), Druckp. ohne Kupf. 1 Thlr. 20 Gr., mit einem Titelkupfer und einer Titelvignette vor dem I. Bande, von Böttcher nach Schubert, 2 Thlr. 8 Gr., Schreibpap. 2 Thlr. 20 Gr., Velin 4 Thlr. 4 Gr. [Aus der Ausgabe: Blumauers Werke in 8 Bänden mit besonderem Titel, 1801–1803, der IV.–VII. Bd.] – Sämmtliche poetische Werke, herausgegeben und mit Anmerkungen erläutert von A. Kistenfeger, 2 Bde. in 4 Lief., 3. Aufl. [Mit Weglassung des prosaischen Theiles] (München 1839, 1840, Fleischmann), 11/2 Rthlr. – Gegen Blumauer als Dichter erschien: Recensitisches Lob- und Ehrengedicht an den schreibseligen deutschen Dichtergott und Wienerischen Sittenrichter, Herrn Blumauer, als ein Beitrag zu seinem schon im Druck erschienenen Gedichtbändchen (Wien 1787, 8°.). Vergleiche darüber: Allgemeine deutsche Bibliothek, LXXXIV. Bd. 1. St. S. 110.
X. Beurtheilungen der Gedichte: Morgenblatt für gebildete Stände, 1809, Nr. 125, S. 479 [eine unvollendete Recension der Blumauerschen Gedichte von Bürger, die ob der darin ausgesprochenen Ansichten über die Form – welche lauten, als gehörten sie der Gegenwart an – noch heute von Interesse sein dürfte. Darin heißt es unter Anderem: „Vollkommen ist Recensent mit Jenen einverstanden, welche Blumauer zu den vorzüglichsten Dichtern unserer Nation zählen. Dies Urtheil gründet sich hauptsächlich auf seinen funkelnden Witz, auf die komische Kraft, wovon sein Satyr strotzt, und auf das tüchtige Horn desselben, welches die Thorheiten seiner Zeit, seines Landes und seiner Religionsverwandten auf eine so eigene und nachdrückliche Weise zu kitzeln versteht, daß man nicht weiß, ob sie sich zu Tode lachen oder schreien werden. ... Großer, nach richtigen Verhältnissen geordneter, vollendeter, unmittelbarer Ansichten scheint B.’s Phantasie nicht fähig zu sein. ... Was die Diction betrifft, so fehlt es B. gewiß nicht an Anlage, es darin zu einer weit größeren Vollkommenheit zu bringen, als sie gegenwärtig erscheint, wenn er sich erst lebhafter überzeugen wird, daß Correctheit besonders in kleineren poetischen Werken nie zu weit getrieben werden könne und daß es Dichter gebe, welche lieber ganze und vielleicht nicht die schlechtesten Bilder und Gedanken aufopfern, ehe sie sich solche poetische Freiheiten erlauben, welche wider Richtig- noch Reinigkeit, Angemessenheit, Lebhaftigkeit, Würde und Wohlklang des Ausdrucks, der Versification und des Reimes streiten. O, man glaubt kaum, wie viel Liebe und Leben gerade nichts anderes, als die Diction einem Werke verschafft. Vollkommene Diction ist fast der einzige Gesundheits- und Lebensbalsam für Schriftwerke in einer lebendigen Sprache. ... Wehe dem Schriftsteller, [443] der seine Perlen in ihren Plunder wickelt“]. – Bibliothek der neuesten theologischen, philosophischen und schönen Literatur, II. Bd. 1. St. S. 3–41 [eine vortreffliche, leider von Blumauer bei den folgenden Ausgaben seiner Gedichte nicht benutzte Kritik]. – Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften, XXXVI. Bd. 2. St. S. 202–229. – Allgemeine Literatur-Zeitung, 1790, IV. Bd. Nr. 356, S. 553 u. f. – Allgemeine deutsche Bibliothek, LXXXIV. Bd. 1. St. S. 15. – Goth. gelehrte Zeitung, 1788, 1. St. S. 6 u. f. – Oberdeutsche allgemeine Literatur-Zeitung, 1788, I. Bd. S. 63.
XI. Ausgaben einzelner Gedichte: Glaubensbekenntniß eines nach Wahrheit Ringenden (Herrnhut [angeblicher Verlagsort] 1786, 8°., auch Wien 1786, Gräffer [Ulm, Wohler]), 2 Gr. Beurtheilung desselben: Neue Literatur des katholischen Deutschlands, III. Bd. 4. St. S. 564. – Dagegen erschien 1) Glaubensbekenntniß eines Christen gegen das Glaubensbekenntniß eines nach Wahrheit Ringenden, von F. X. H. [Franz Xaver Huber] (Sinai und Golgatha [Salzburg 1786, 8°.]). Beurtheilungen darüber: Neue Literatur des katholischen Deutschlands, III. Bd. 4. St. S. 564. –2) Blumauers Glaubensbekenntniß, dem ein anderes entgegengesetzt von einem Landpfarrer (Münster 1788, Coppenrath). – Die Buchdruckerkunst bei Gelegenheit einer von Herrn Kurzbeck und Mannsfeld in Wien neu errichteten Schriftgießerei (Wien 1786, Heubner, gr. 4°.). Beurtheilungen darüber: Allgemeine Literatur-Zeitung, 1786, IV. Bd. S. 535. – Allgemeine deutsche Bibliothek, LXXXIV. Bd. 1. St. S. 112. – Neue Literatur des katholischen Deutschlands, IV. Bd. I. St. S. 149. – Freimaurergedichte von Blumauer (Wien 1786), Neue Aufl. (Ebenda 1791, Leipzig, Cnobloch, a. Bummer, 8°.), 16 Gr. [Dieselben befinden sich im 6. Bande der sämmtlichen Werke und im 3. der sämmtlichen Gedichte B.’s. Den Anfang macht das „Gebet eines Freimaurers“, gewissermaßen Seitenstück zu dem „Glaubensbekenntniß eines nach Wahrheit Ringenden.“ Ein anderes schwungvolles Gedicht darin ist „An die Weisheit“. Uebrigens sind diese Gedichte B.’s, der selbst Freimaurer war, von ungleichem Werthe.] Vergleiche darüber: Allgemeine Literatur-Zeitung, 1786, II. Bd. Nr. 150, S. 578 u. f.
XII. Erläuterungen einzelner Gedichte: Johann Heinr. Tieftrunk, in seinem Werke „Censur des christlichen protestantischen Lehrbegriffs“ I. Theil S. 222–238 erläutert Blumauers „Glaubensbekenntniß eines nach Wahrheit Ringenden“ [doch nicht vom ästhetischen, mehr vom philosoph. Standpuncte]. – Pölitz, Praktisches Handbuch zur Lecture der deutschen Classiker, II. Theil, S. 385 [erläutert B.’s Lied „An die Donau“]. – Ramler in seinen: „Fabeln und Erzählungen aus verschiedenen Dichtern gesammelt“ erläutert die Fabel: „Der Bock und die Ziege“, welcher eine Wiener Anecdote zu Grunde liegt.
XIII. B.’s Lieder in Musik gesetzt. „Meine Wünsche“ für das Clavier, von J. G. Witthauer, in dem deutschen Museum 1784, II. Bd. December. – Zwölf Lieder, größtentheils von Blumauer, beim Clavier zu singen und in Musik gesetzt von Mariottini (Dresden 1790). – Blumauers acht humoristische Lieder zur Verbreitung des Frohsinns für die Guitarre von Bornhardt (Hamburg 1808). – „Meine Wünsche“ (Ausgabe der Gedichte, Wien 1787, 2 Theile) I. Theil S. 46, in Musik gesetzt in Kümmels „Liedern“ mit Melodien (Leipzig 1786); desgleichen in den „Zwölf Liedern“ mit Melodien, beim Clavier zu singen, von J. Bengraf (Pesth 1784).
XIV. Andere Schriften Blumauers und darauf Bezügliches: (Blumauer A.) Erwine von Steinheim. Ein Trauerspiel in 5 Aufzügen (Wien 1780 und 1793, Blumauer, 8°.), 1/4 Rthlr. [War vorher im 5. Bande des „K. K. Nationaltheaters“ abgedruckt.] – Joseph II., Beschützer des Freimaurer-Ordens (Wien 1786, 8°., Mayer’sche Buchhandlung in Salzburg), 4 Gr. – Beobachtungen über Oesterreichs Aufklärung und Literatur (Wien 1783, Schönfeld, 8°.). Vergleiche darüber: Allgemeine deutsche Bibliothek, LIV. Bd. 2. St. S. 621 u. f. [diese und die folgende Schrift wurde durch Nicolai’s Reise veranlaßt]. – Proceß zwischen Hrn. Friedr. Nicolai an einem (sic), dann den 797 Pränumeranten, die auf dessen neueste Reisebeschreibung ihr bares Geld vorausbezahlten, anderen Theiles, welcher zu Wien im Real-Zeitungs-Comptoir von Rechtswegen verführt wird. Allen Buchhändlern, die auf so eine Art reich werden wollen, zum schrecklichen Beispiel theilweis herausgegeben (Prag [eigentlich Wien] 1783–1784, Schönfeld, 2 Bde., 8°.). – Mit Ratschky zusammen gab Blumauer den „Wiener Musenalmanach“ vom Jahre 1781 bis 1791 heraus; von diesem Jahre bis 1796 aber allein. – Ferner: Johann Pezzls [444] Denkmal an Maximilian Stoll; heraus gegeben von Alois Blumauer (Wien 1788, Gräffer), 2 Gr. – Die prosaischen Werke Blumauers, welche den achten Band seiner sämmtlichen [von Müller herausgegebenen] Werke bilden, enthalten folgende Aufsätze: „Des Maurers Wort“, – „Ueber den Charakter des Maurers“, – „Ueber die Leiden und Freuden des menschlichen Lebens“, – „Ueber den Kosmopolitismus“, – „Versuch einer Geschichte der alten Ritterschaft in Bezug auf die Freimaurerei“, – „Erste Spuren der Ritterschaft und festgesetzte Epoche derselben“, – „Erziehung der Ritter, Edelknabenstand und Knappenstufe“, – und „Beobachtungen über Oestr. Aufklärung u. Literatur“ [das auch besonders gedruckt ist]; ferner ist im „Deutschen Museum“ Sept. 1783 der Aufsatz: „Die Wiener Bücherschreiber nach dem Leben geschildert von einem Wiener“ von Blumauer. Auch erschienen: Blumauers und anderer berühmter Dichter auserlesene erotische Liebesgedichte etc. (Ulm 1793, Stettini), 10 Gr. – und der Aufsatz: „Eine Blumaueriade“ in der Zeitung für die elegante Welt, 1825, Nr. 89 ist eine in Blumauers Manier nicht glückliche Apotheose der „Gans“.

  1. Xenophthalmie eine Augenkrankheit; B. litt sehr an den Augen.
  2. Ybischartig. Eibisch, Althäa, die welsche gelbe Pappel. B. war von hagerer hoher Gestalt und sehr gelber Gesichtsfarbe.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Blumauer, Alois [Bd. I, S. 436]. Am 21. December (sein Geburtstag) 1863 wurde in Stadt Steyr auf seinem Geburtshause seine Gedächtnißtafel festlich aufgerichtet.
    Glocke (Wiener polit. Blatt) 1860, Nr. 209 u. 237: „Blumauerfeier“. [Bd. 22, S. 485.]