BLKÖ:Dietrichstein-Proskau-Leslie, Moriz I. Graf von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 3 (1858), ab Seite: 303. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Moritz von Dietrichstein in der Wikipedia
GND-Eintrag: 116113669, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Dietrichstein-Proskau-Leslie, Moriz I. Graf von|3|303|}}

Dietrichstein-Proskau-Leslie, Moriz I. Graf von[BN 1][BN 2] (Ritter des goldenen Vließes, geb. zu Wien 19. Februar 1775). Trat – für den Militärstand vorzüglich gebildet – 1791 (Jänner) als Unterlieutenant in das Inf.-Reg. des FM. Grafen von Lacy und 1792 als Oberlieutenant in die Artillerie, in welcher er auch in Belgien, in Schlachten und zwei Belagerungen Batterien commandirte; 1794, 1795 und 1796 wurde er als Hauptmann des General-Quartiermeister-Stabes in Belgien, am Rhein und in Italien verwendet, wo er auch im Herbste 1796 und Anfangs 1797 als Major und Flügeladjutant des FZM. Grafen Alvinczy sich befand; hierauf aber – dem FML. Baron Mack zugetheilt – denselben auf allen militärischen Bereisungen am Rhein, in Innerösterreich, an den italienischen Gränzen, in Krain, in Mailand, am Inn und in Baiern, begleitete. 1798 kehrte er zum Inf.-Reg. Graf Lacy zurück. Im Herbste desselben Jahres folgte er dem FML. Mack nach Neapel, wo er als Oberst und erster General-Adjutant dem kurzen unglücklichen Winterfeldzuge beiwohnte. Die Folgen für ihn, nach ausgebrochener Revolution waren: eine widerrechtliche Gefangenschaft in Mailand, Briançon, Dijon und endlich in Paris, wo er jedoch im April 1800 frei erklärt, nach Wien reiste, quittirte und sich mit der Gräfin Therese von Gilleis vermälte. Graf Dietrichstein widmete sich alsdann bis im Herbste 1814 den Wissenschaften und Künsten, wodurch viele literarisch-artistische und der Wohlthätigkeit gewidmete Unternehmungen entstanden, bis ihm von Sr. Majestät dem Kaiser Franz der Auftrag ward, im Beginn des Congresses Se. Majestät den König von Dänemark als Dienstkämmerer zu begleiten. Eine neue ehrenvolle Zukunft eröffnete sich ihm, als er von Sr. Majestät dem Kaiser Franz I. (30. Juni 1815) I: zum Erzieher Sr. Durchlaucht des Herzogs von Reichstadt auserwählt wurde. Hierauf [304] erfolgten die Ernennungen zu nachbenannten (mehrfach auch gleichzeitig verwalteten) Hofämtern: II: 1819–26 Hofmusikgraf (nebst I.); – III: 1821–1826 Hoftheater-Director (nebst I. und II. und seit 1818 wirkl. geheim. Rath); – IV: 1826–45 Präfect der Hofbibliothek (nebst I.); – V: 1833–48 Director der Münz- und Antiken-Sammlungen (nebst IV.); – VI: 1834–45 Obersthofmeister der jüngeren Königin von Ungarn dann Ihr. Majestät der Kaiserin Maria Anna (nebst IV. und V.); – VII: 1845–1848 Oberstkämmerer Sr. Majestät des Kaisers Ferdinand (nebst III. und V.); – VIII: 1846–48 (1. December) Obersthofmeisters Stellvertreter (nebst III. V. VII.); – dann trat der Graf in den Ruhestand. Nach dem Tode seines Bruders des Grafen Johann Karl (10. März 1852) succedirte der Graf demselben in den Fideicommißherrschaften der älteren Hollenburg’schen oder österr. Speciallinie. – Graf Dietrichstein ist Ritter des goldenen Vließes, Großkreuz des königl. ungar. St. Stephan- und des österr. kaiserl. Leopold-Ordens, gleichwie mehrerer fremder hohen Orden; er ist ferner wirkliches, correspondirendes und Ehren-Mitglied vieler gelehrten Institute des In- und Auslandes. Der Graf hat in den obenbenannten Sphären seiner Thätigkeit stets zahllose Beweise seines regen Eifers für Alles, was ihm zur Förderung der Künste und Wissenschaften geeignet erschien, an den Tag gelegt. Bei seinem Ausscheiden von der Leitung des Hofburgtheaters brachten ihm die Mitglieder der Hofbühne eine Adresse dar, worin der liebevollen Weise gedacht ist, mit welcher der kunstsinnige Graf dieses Institut geleitet. Ueberall wo er als Chef wirkte oder Einfluß nahm, erhielt er die unzweideutigsten Beweise der Liebe und Ergebenheit seiner Untergebenen. In ähnlicher Weise entstand auch die von den Beamten bes Münz- und Antikenkabinetes dem Grafen gewidmete Denkmünze. Ein wahrer Mäcen der Künste und Wissenschaften und ihrer Pfleger, ist sein Name mit der Erinnerung an manchen Andern enge verbunden, der unserer Erinnerung immer werth bleiben wird. Wir nennen nur Heinrich von Collin [man vergl. darüber die Quellen] Maximilian Korn (s. d.) u. A. Von früher Jugend an ein Freund der Musik, hat sich der Graf in vergangenen Jahren auch in der Composition versucht und sind mehrere seiner Arbeiten durch den Stich veröffentlicht worden.

Oestr. Militär-Konversations-Lexikon. Herausg. von Hirtenfeld u. Dr. Meynert (Wien 1851) II. Bd. S. 83. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 716. – Conversations-Lexikon (Leipzig 1824) XI. Bd. – Allgem. Theater-Lexikon von R. Blum, K. Herloßsohn und H. Marggraff[WS 1]. (1839, 1844) III. Bd. – Universal-Lexikon der Tonkunst (Stuttgart 1849) I. Bd. – Illustrirte Theaterzeitung von Ad. Bäuerle (Wien 1845) XXXVIII. Jahrg, Nr. 132: „Festmahl der k. k. Hofschauspiel-Gesellschaft zur Feier der Ernennung Sr. Exc. ... als Oberstkämmerer“, von Weidmann. – Schilling (G. Dr.), Das musikalische Europa (Speyer 1842, F. C. Neidhard, gr. 8°.) S. 70. – Schmid (Anton), Christoph Willibald Ritter v. Gluck (Leipzig 1854, Lex. 8°.) [in der Widmung an den Grafen spricht Schmid aus, dem Grafen viele namhafte Beiträge zu seinem Werke zu verdanken]. – Bartsch (Friedrich Ritter von), Die Kupferstich-Sammlung der k. k. Hofbibliothek (Wien 1854, 8°.) [daselbst heißt es S. VI der Vorrede: „Am 30. Mai 1826 empfing die Sammlung in der Person des zum Bibliotheks-Präfecten ernannten Herrn Grafen Moriz zu Dietrichstein einen ausgezeichneten Mäcen. Er wendete bedeutende Geldkräfte aus der Dotation dem Kupferstichfache zu, regte den Ankauf großer Gesammtwerke, wie des Seb. le Clerc, der deutschen Stecher Altorfer, Beham und Bink, des P. P. Choffard, H. Füger, D. Chodowiecki u. v. A. auf’s Neue an, begründete den Cimelienschatz der Nielli, Schrottschnitte und ältesten xylographischen [305] Producte in fliegenden Blättern, worauf Duchesne’s, Cicognara’s u. A. Publicationen aufmerksam machten. Ihm bleibt unter den Präfecten nach van Swieten das unbestrittene Verdienst, für diese Abtheilung der Bibliothek durch massenhafte Einführung schöner und seltener Blätter das Meiste geleistet zu haben“]. – Gräffer (Franz), Wiener Dosenstücke [Wien 1852, Mörschners Witwe und Groß, 8°.) II. Bd. S. 190: „Die Collin’sche Stiftung.“ [Vergl. darüber dieses biograph. Lex. II. Bd. S. 412: Collin, Heinrich Joseph II., in den Quellen unter dem Artikel: „Stiftung“] – Derselbe: Kleine Wiener Memoiren (Wien 1845, Beck, 8°.) III. Bd. S. 129 [daselbst heißt es: „Das Autographen-Cabinet der Hofbibliothek ist ein wahrer Schatz. Das Verdienst seiner Gründung und ununterbrochenen Vermehrung gebührt dem Herrn Präfecten, Moriz Grafen von Dietrichstein.“) – Oestr. Courier (Theater-Zeitung von Bäuerle) 1848, Nr. 292: „Der Wahrheit ihr Recht.“ – v. Mosel, Geschichte der k. k. Hofbibliothek (Wien 1835). – Irmischer (Dr.), Geschichte der kön. Bibliothek zu Erlangen (1829) I. Bd. – De Bausset, Mémoires anecdotiques ec. (Paris 1829) III. Bd.Duchesne ainé, Voyage d’un Iconographile (Paris 1834). – Mémoires du Maréchal Marmont, duc de Raguse (Paris 1857) VIII. Bd. – Allgemeine (Augsburger) Zeitung 1821. Beilage Nr. 54, vom 31. März. – Flügel (Gustav Dr.), Anzeigeblatt für Wissenschaft und Kunst (Meißen) Jänner 1842, Nr. XCVII. – Außerdem mehrere andere vaterländische Zeitungen und Zeitschriften. – Compositionen. In früheren Jahren gab der Graf mehrere Compositionen verschiedener Gattung heraus. – Medaille. Medaille von Lange. 1846. Widmung des k. k. Münz- und Antiken-Cabinetes (Gr. 221/2, 31/2 L.). Avers: Wohlgetroffenes[WS 2] Porträt des Grafen. Umschrift: Mauritius . Comes . A . Dietrichstein. Im Abschnitt: K. Lange. Revers: Das Dietrichstein’sche Geschlechtswappen. Oberhalb: Literarum . Et . Artium | Praesidium . ac . Decus. Unterhalb: Museum . N(umism.) . A(rcheol.) . Vindob. D. D. MDCCCXLVI. – Der Graf selbst aber liest eine Denkmedaille zur Säcularfeier der Eröffnung der kaiserlichen Hofbibliothek (1826) und eine zweite (1837) zu Ehren des berühmten Numismatikers Eckhel (s. d.) anfertigen. – Porträt. Unterschrift: Graf Moriz Dietrichstein. lith. von Kriehuber (Wien, kl. Fol.).

Berichtigungen und Nachträge

  1. Dietrichstein, Moriz Graf [s. d. Bd. III, S. 303]. Starb zu Wien am 27. August 1864 nach langer schmerzlicher Krankheit im Alter von 90 Jahren. Mit ihm schließt die lange Reihe der Dietrichsteine, die seit nahezu einem Jahrtausende im kaiserlichen Heere, im Rathe des Monarchen, auf Bischofstühlen und in der Gelehrtenstube sich Ruhm und Ehre erworben. Nachdem einige Jahre früher die einzigen beiden Vertreter der zwei Nebenlinien (Hollenburg und Weichselburg) abgestorben, blieb Graf Moriz als der letzte Repräsentant der Haupt- oder fürstlichen Linie übrig. Den ihm als hohem Achtziger durch den Tod des letzten Fürsten Joseph (gest. 1858) zugefallenen Fürstenhut nahm er nicht an, da er sich noch bei Lebzeiten des Letzteren mit ihm dahin abgefunden hatte, daß er gegen Entschädigung in die Allodificirung des fürstlichen Fideicommisses willigt.
    Wiener Abendpost 1864, Nr. 197, S. 790. – Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1864, [424] Nr. 237 u. 239. – Prager Zeitung 1864, Nr. 204. – Wiener Zeitung 1864, Nr. 211, S. 596. – Bohemia (Prager Blatt, 4°.) 1864, S. 605. – Das Vaterland (Wiener polit. Blatt) 1861, Nr. 135 [bringt in einer Folge von Aufsätzen über „Institute und Stiftungen für Wissenschaft, Wohlthätigkeits- und Armenpflege in Mähren und Schlesien“ ausführliche Nachricht über eine Graf Franz Dietrichstein-Proskau’sche Stiftung, welche aus der ansehnlichen Summe von 125.000 fl. C. M. besteht]. – Oesterreichischer Volks- und Wirthschafts-Kalender (Wien, gr. 8°.) Jahrg. 1866, S. 27. [Bd. 14, S. 423 f.]
  2. E Dietrichstein, Moriz Graf [Bd. III, S. 303; Bd. XIV, S. 423].
    Weidmann (F. C.), Moriz Graf Dietrichstein. Sein Leben und Wirken aus seinen hinterlassenen Papieren dargestellt (Wien 1867, Braumüller, gr. 8°.). - Wiener Zeitung 1867, Nr. 128, S. 713. – Europa (Leipzig, schm. 4°.) 1867, Nr. 16. – Militär-Zeitung. Herausg. von J. Hirtenfeld (Wien, 4°.) 1868, Nr. 29–36: „Aus dem Leben des letzten Dietrichstein“. Von Julius Ebersberg. [Bd. 24, S. 389.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: H. Märzroth.
  2. Vorlage: Wohlgetrofenes.