BLKÖ:Dietrichstein-Proskau-Leslie, Franz Joseph Johann Fürst

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 3 (1858), ab Seite: 300. (Quelle)
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Dietrichstein-Proskau-Leslie, Franz Joseph Johann Fürst[BN 1] (Staatsmann, Ritter des Mar. Theresienordens, geb. zu Wien 28. April 1767, gest. ebenda 8. Juli 1854). Der älteste Sohn des Fürsten Johann Baptist Karl Walther (s. d. folg.). Fürst Franz widmete sich dem Kriegsdienste, und zwar der Specialwaffe des Geniecorps, in welches er, 20 Jahre alt, als Oberlieutenant eintrat. Im März 1788 zum Hauptmanne im Generalstab befördert, that er sich im folgenden Jahre schon bei der Belagerung von Berbir so ruhmvoll hervor, daß Loudon ihn in seinen Berichten als einen der Ausgezeichnetsten rühmte. Im September 1789 zum Major ernannt und vorübergehend als Adjutant des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen verwendet, kam der Fürst nach Jahresfrist als Oberstlieutenant wieder zur Genietruppe und konnte seine theoretischen Kenntnisse nunmehr in der Wirklichkeit erproben. Bei dem Sturm auf das große Hornwerk bei Valenciennes am 25. Juli 1793 stellte er sich unaufgefordert an die Spitze der Angriffscolonne, und erstieg einer der Ersten das hartnäckig vertheidigte Werk; hierauf von dem Herzog von York angewiesen, die nöthigen Anstalten zu treffen, um die blutig erstrittene Stellung auch behaupten zu können, traf D. so zweckmäßige Vorkehrungen, daß dieselben wesentlich zur schnellen Capitulation von Valenciennes (28. Juli) beitrugen. FM. Prinz Coburg zollte dem Benehmen des Fürsten das schmeichelhafteste Lob und empfahl ihn der besonderen Gnade des Kaisers, die sich denn auch in der Verleihung des Ritterkreuzes des Mar. Theresienordens kund gab. Von der Sendung mit der Einnahme von Valenciennes aus dem kaiserlichen Hoflager zur Armee zurückgekehrt, gab er vor le Quesnoy, Maubeuge und bei andern Gelegenheiten dieses Feldzuges neue Beweise seines Heldenmuthes und militärischer Einsicht. Im J. 1796 rückte er zum Generalmajor vor, und betrat nun die Bahn des Staatsmannes, wurde erst Gesandter in Berlin, dann am Hofe zu St. Petersburg, welchen Posten er mehrere Jahre hindurch bekleidete, und in dieser Stelle die Thugut’sche Politik bis in ihre letzten Consequenzen vertrat. In diese Zeit (10. Juli 1797) fällt seine Vermälung mit Alexandrine Gräfin von Schuwalow. Im J. 1800 nahm er wieder am Feldzuge in Deutschland Theil und wurde vom FZM. Baron Kray als Bevollmächtigter zur Abschließung des Waffenstillstands-Vertrages von Parsdorf (15. Juni) mit dem französischen General La Horie abgeordnet. Als im Jahre 1801 an die Stelle des Ministers Thugut Graf Cobenzl trat, legte D., [301] dem nach Thuguts Sturze das Portefeuille des Aeußern angetragen worden war und welches er ablehnte, seine Stelle nieder, nahm (34 Jahre alt) seinen Abschied aus dem Staatsdienste und zog sich in’s Privatleben zurück. 1809 war er wieder als Obersthofmeister des Erzh. Franz von Este in Galizien und später bis zum Wiener Frieden als Hofcommissär in diesem Lande thätig. Später lebte er einige Jahre in England. Der Fürst war bis an sein Lebensende von dem regsten Interesse für Wissenschaft und Kunst beseelt. Als Humanist setzt ihm das Diplom des Ehrenbürgerrechtes, welches ihm die Gemeinde Wien 1850 einstimmig verlieh, das herrlichste Denkmal. Es nennt ihn den „Vater und größten Wohlthäter der nothleidenden Bevölkerung Wiens“ und das war er auch. Ueber die Verfügung seiner Ordenspension als Mar. Theresien-Ordensritter und über eine aus diesem Anlasse von ihm gemachte Stiftung siehe das Nähere in den Quellen. Eine Bestimmung des Testaments ordnet an, daß seine irdische Hülle auf dem allgemeinen Kirchhofe zu St. Marx beigesetzt werde. Sie ist bezeichnend für den Charakter des Fürsten. Die Schlußworte seines Nekrologes lauten: In ihm starb ein Weiser, ein Philosoph, und Tausende von Hilfsbedürftigen werden aufrichtige Thränen um ihn weinen. Sein Verlust ist ein Verlust für die Gesammtheit, unersetzlich für seine Freunde, die Zeugen seines sich nie verleugnenden Edelmuthes – und man fragt umsonst: wer wird jetzt in Wien wie er die unzähligen Thränen verschämter Armuth und verborgener Noth trocknen?

Hirtenfeld (J. Dr.), Der Mar. Theresien-Orden und seine Mitglieder. Nach authentischen Quellen (Wien 1857, Staatsdruckerei, Lex. 8°.) S. 387. – Wiener Zeitung 1854, Nr. 232: „Fürst Franz Joseph Dietrichstein“, Nekrolog [enthält unter Anderem das Diplom, welches der Gemeinderath dem Fürsten überreichte, als er ihm im Jahre 1860 einstimmig das Ehrenbürgerrecht zuerkannte. Ein Document, einzig in seiner Art, die seltenen Bürgertugenden des Verewigten verherrlichend]. – Dieselbe 1853, Nr. 86 [enthält das Handbillet Sr. Majestät des Kaisers ddo. 2. April 1853 über die von dem Fürsten Dietrichstein zur Unterstützung hilfsbedürftiger Witwen, Waisen und Verwandten verstorbener Mar. Theresien-Ordensritter gewidmeten 24,000 fl. C. M., welche Stiftung der Fürst gegründet, damit nach seinem Tode jene Unterstützung nicht aufhöre, wozu er von allem Anbeginn die Pension verwendet, die er als Ritter des Mar. Theresienordens bezog. Das Verleihungsrecht steht dem Ordenskanzler zu]. – Allgemeine (Augsburger) Zeitung 1854 enthält den Nekrolog von Zedlitz. – Militär-Kalender für 1855, redigirt von Hirtenfeld. S. 105. – Allgem. Theater-Zeitung von Adolph Bäuerle (Wien 1854) XLVIII. Jahrg. Nr. 154 und 158: „Leichenbegängniß.“ – Biographie des hommes vivants (Paris 1816, L. G. Michaud, 8°.) II. Bd. S. 400. [nach dieser geb. 29. April 1767]. – Ostdeutsche Post 1854 [in einer der Nummern des Monates Juli]. – Der Versuch, eine Liste der Spenden zusammenzustellen, welche Fürst Franz Joseph seit 1830 bei allen öffentlichen Unglücksfällen dargebracht, mußte aufgegeben werden; denn der größte Theil seiner Gaben erscheint als Spende eines „ungenannt bleiben Wollenden“ und die Summe derselben bildet viele Tausende. Aus den namentlich aufgeführten Summen heben wir hervor: Beim Brande von Wiener-Neustadt 1000 fl.; beim Brande in Ottakring 7000 Mauer-, 3000 Dachziegel; bei der Ueberschwemmung in Prag 1000 fl.; bei jener in Galizien 500 fl.; für die Armen im Erzgebirge 3000 fl.; bei Begründung des Schutzvereines für aus Straf- und Besserungsanstalten Entlassene 400 fl.; im Winter von 1847 auf 1848 für Arme in der Stadt und den Vorstädten Wiens 4000 fl.; im J. 1848 für Uniformirung unbemittelter Unterthanssöhne 1000 fl.; für die in den Märztagen Verwundeten 500 fl.: für die Freiwilligen 800 fl.; für die Uniformirung der Tyroler Schützen 500 fl.; für den in Brünn zu Stande gekommenen Verein zum Ankauf von Pferden für die Armee 6000 fl.; für die Verwundeten und in ihrer Habe Beschädigten 1000 fl. u. s. w.; auch wurde im nämlichen Jahre eine große Menge von bedeutenden Summen von dem Fürsten anonym gespendet. Porträte, Büsten u. d. m: 1) Schrift im Medaillon: „Franciscus Comes [302] A. Dietrichstein-Proskau“. In Stein unter’m Medaillon: Non ille pro charis amicis. Aut Patria timidus perire. Horat. (Dessiné par H. K. 1793, gravé par J. G. Mansfeld le fils (Wien), 8°.) . – 2) Unterschrift: Fürst Dietrichstein (Wien 1855, J. Rauchs lith. Kunstanstalt, Fol.). – Im Jahre 1856 war Bildhauer Max mit mehreren Arbeiten, welche das Andenken des Fürsten verherrlichen sollten, beschäftigt. Erstens fertigte er eine Büste desselben und dann zwei lebensgroße ganze Figuren. Einmal den Fürsten liegend im Todesschlummer; diese Figur ist für den Sarkophagdeckel bestimmt; das zweite Mal in sitzender Stellung mit Buch und Griffel, den Sinnbildern seiner wissenschaftlichen Beschäftigungen diese Figur wird auf einem hohen mit Hautreliefs und allegorischen Gestalten gezierten Würfel-Piedestal, vor dem fürstlichen Gruftgebäude in Nikolsburg zu stehen kommen.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Dietrichstein, Franz Joseph Johann Fürst [Bd. III, S. 300].
    Das Vaterland (Wiener polit. Blatt) 1861, Nr. 135, im Feuilleton: „Graf Franz Dietrichstein-Proskau’sche Stiftung“. – Notizenblatt u. s. w., von d’Elvert, wie bei Alois Carl, 1861, S. 25: „Die Stiftung des Franz Grafen von Dietrichstein-Proskau“. – d’Elvert (Christian Ritt. v.) Geschichte der k. k. mähr. schles. Gesellschaft u. s. w., wie bei Diebl, Beilagen S. 243, Nr. 54. [Bd. 24, S. 389.]