BLKÖ:Kray von Krajow, Paul Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kray, Zipser Familie
Band: 13 (1865), ab Seite: 161. (Quelle)
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Kray von Krajow, Paul Freiherr von (k. k. General-Feldzeugmeister und Commandeur des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Käsmark in der Zips 5. Februar 1735, gest. zu Pesth 19. Jänner 1804). Sohn des Vorigen. Primas Graf Csáky nahm sich des talentvollen [162] Knaben an und ließ ihn in Schemnitz, später in Wien studiren. Im Jahre 1754 trat K., 18 Jahre alt, als Cadet in das Infanterie-Regiment Nr. 31, damals Baron Haller, und kämpfte in den Schlachten des siebenjährigen Krieges. In jener von Liegnitz erhielt er eine tödtliche Wunde. Im Jahre 1760 war K. bereits Oberlieutenant und Adjutant des Generalen Grafen Draskovich. Als solcher zeichnete er sich besonders bei der Belagerung und Stürmung von Glatz aus, indem er mit den Croaten in die Festung drang, dem feindlichen Generale die Schlüssel abnahm und sie dem General Loudon überbrachte. Am 21. Juni 1762 warf er mit der Vorhut bei Heidersdorf den Feind zurück und nahm das Dorf. K. rückte zum Hauptmann vor. Schon hatte Loudon auf den tapferen Officier sein Augenmerk gerichtet und sich seiner mehrmals zu geheimen Sendungen an die russische Armee bedient, bei denen K. den Weg über feindliches Gebiet, zwischen preußischen Festungen, nehmen mußte und immer seine Aufgabe glücklich löste. Im Jahre 1778 wurde K. außer seinem Range vom Grenadier-Hauptmann bei Nádasdy-Infanterie zum Major befördert. Im Jahre 1782, mit der Leitung des Chaussee- und Brückenbaues bei Bartfeld betraut, zog er durch seine Geschicklichkeit die Aufmerksamkeit des Kaisers Joseph auf sich, der ihn bald darauf (1783) zum Oberstlieutenant im 2. Szekler Grenz-Infanterie-Regimente ernannte. Nun leistete er durch vollständige Bewältigung des in Siebenbürgen von Horja [Bd. IX, S. 272] und Klocska [Bd. XII, S. 111] geleiteten Aufstandes der Walachen, und durch Gefangennehmung Horja’s dem Staate wesentliche Dienste. Zwei Jahre dauerte diese Angelegenheit und Kray wurde in Anerkennung seiner Verdienste zum zweiten Obersten im Regimente ernannt. Im Türkenkriege 1788 befehligte er als Oberst das 1. walachische Grenz-Infanterie-Regiment. Am 10. Mai g. J. griffen ihn Osman Pascha von Widdin und Kara Mustapha Pascha mit 5000 Mann in der Nähe des Volkaner Passes auf drei Seiten zugleich an. Der Kampf schwankte längere Zeit; da erfaßte K. den Moment, als der Feind seine Reiterei unvorsichtig zu weit hatte vordringen lassen. Nun fiel er auf die Reiter ein und brachte ihnen eine große Niederlage bei; 300 Todte und darunter 5 höhere Officiere blieben auf der Wahlstatt. K. verfolgte die Fliehenden in die Walachei und campirte nun mit seinen Truppen fünf Monate im feindlichen Lande. Ein bösartiges Fieber jedoch nöthigte ihn, im August das Regiment zu verlassen. Im folgenden Jahre, 1789, hielt er den Volkaner Paß besetzt, schlug alle Versuche des Feindes, ihn zu durchbrechen, zurück und schützte so die Gegend vor Verwüstung und Plünderung. Bei mehreren Gelegenheiten erprobte nun K. seinen Muth und sein Führertalent; bei Porcseny, in den häufigen Kämpfen am Schilflusse, insbesondere bei Krajova, wo er überall die weit stärkeren Türken zu schleuniger Flucht trieb. Für seine Tapferkeit wurde K. in der 19., am 21. December 1781 in dem eroberten Belgrad gehaltenen Promotion mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet; im Mai 1790 außer seinem Range zum General-Major befördert und noch im September d. J. in den Freiherrnstand mit dem Prädicate von Krajow erhoben. K. erhielt nunmehr das Commando in der kleinen Walachei, wo aber dienstliche Anstrengungen und klimatische Einflüsse seine Gesundheit so sehr angriffen, [163] daß er vorerst Stärkung in den Bädern von Mehadia suchen und sich im Juli 1791 ganz vom Dienste zurückziehen mußte. Genesen, kehrte er zur Armee zurück und kam zum Armeecorps in den Niederlanden, welches der Prinz von Coburg befehligte. K. erhielt eine Brigade bei der Vorhut. Im Feldzuge d. J. 1793 zeichnete er sich bei mehreren Gelegenheiten aus, in den Treffen von Estreu und Famars, bei der Belagerung von Valenciennes, bei Courtray und Menin, bei Marchiennes (21. und 30. October), bei Orchies (24. October) gegen Jourdan, und daß in diesem Feldzuge der Feind ganz aus Flandern gedrängt wurde, daran hatte Kray’s geschickte Führung wesentlichsten Antheil. Er wurde auch dafür in der 34. Promotion (vom 7. Juli 1794) mit dem Commandeurkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Im Feldzuge des Jahres 1794 erfocht K. den glänzenden Sieg bei Catrou am 28./29. Mai, in welchem Pichegru mit bedeutendem Verluste geschlagen wurde. Auch in den Feldzügen der folgenden Jahre focht K., stets die Avantgarde führend, mit Auszeichnung, so daß[WS 1] Erzherzog Karl, kurz zuvor, als er im Feldzuge des Jahres 1796 an die Spitze des österreichischen und des Reichsheeres trat, an Kray schrieb: „Mit wahrer Theilnahme habe ich Ihren Namen fast immer in den von der Armee kommenden Berichten gefunden, Sie immer an der Spitze der Avantgarde der Armee den Weg zum Siege vorbereiten gesehen“. Auch im Feldzuge des Jahres 1796 führte K., der am 5. März zum Feldmarschall-Lieutenant befördert worden war, immer die Avantgarde, stand mit derselben oft der ganzen feindlichen Armee gegenüber und war nicht selten der Gefahr ausgesetzt, vernichtet zu werden. Seine Einsicht und Tapferkeit, verbunden mit Glück, standen ihm aber immer, auch in den größten Gefahren, rettend zur Seite. Einen der schönsten Siege erfocht er in den Ebenen von Neuwied; es war nach ununterbrochen aufeinander gefolgten Kämpfen und kleineren Gefechten bei Offenbach (7. September), Hanau (8. September), Butzbach (9. September), Staden an der Nidda (10. September), Münzenberg (11. September). Dornholzhausen und Höresheim (12. September), Wetzlar (13. September), Lollar (14. September) zum ernsten Kampfe bei Gießen und an der Lahn (26. September) gekommen. In einem derselben bei Altenkirchen wurde der französische General Marceau tödtlich verwundet. Kray ließ den entseelten Körper bei Neuwied durch ein Geleite von Barco-Huszaren den französischen Vorposten übergeben. Der französische General Castelvert richtete in Folge dessen an Kray folgendes Schreiben: „Die ganze Armee hat mit Interesse Ihr großmüthiges Betragen in Betreff des Generals Marceau vernommen. Sie ehret Sie, Herr General, und die Nation, zu der Sie gehören, und ich bezeuge Ihnen hiermit meine Erkenntlichkeit dafür“. Im Feldzuge des Jahres 1797 war die kaiserliche Armee unglücklich; Kray mußte sich, der feindlichen Uebermacht weichend, zurückziehen. Wohl gelang es ihm, bei Gießen den feindlichen Befehlshaber der Vortrabes, General Ney, gefangen zu nehmen; aber ehe es zu weiteren Kämpfen kam, folgte den Leobener Friedenseinleitungen der Friedensabschluß zu Campoformio. Nun besprach K. mit dem französischen General Hoche die Abgrenzung der Linie, welche die feindlichen Heere trennen und welche im Laufe des Flusses Nidda von ihren [164] Quellen bis in ihre Mündung in den Mayafluß gefunden wurde. In Heidelberg aber wurde K. zugleich mit dem General Werneck vor das Kriegsgericht gestellt, um sich über das Unglück dieses Feldzuges zu verantworten. Er rechtfertigte sich vollkommen; wurde aber, um den commandirenden Generalen eine Art Genugthuung zu geben, zu einer zweiwöchentlichen Arreststrafe verurtheilt. An diesem Ergebnisse hatte ein Mann wie Kray genug. Er bat auch, als er nun seine Bestimmung zur Armee in Italien erhielt, um Enthebung von der activen Dienstleistung. Sie wurde ihm aber nicht ertheilt; nur einen Urlaub nach Pesth, um sich zu erholen, erhielt er, dann mußte er zur Armee nach Italien, wo er im September 1798 eintraf. Hier erhielt er unter des Grafen Wallis, später unter des Freiherrn von Melas Oberbefehl eine Division im Venetianischen. Um einen Ueberfall der Franzosen von der Seeseite zu vereiteln, errichtete K. eine Flottille, die er mit 2200 Mann besetzte, während er längs der Küste Geschützbatterien erbaute. Ohne die Aufkündigung des Waffenstillstandes abzuwarten, griffen die Franzosen schon am 26. März 1799 vor Morgengrauen die Stellungen den Oesterreicher bei Pastrengo, Verona und Legnago an, Die Vertheidigung von Pastrengo und Verona zwei anderen Generalen überlassend, brach Kray selbst mit seinem Corps nach Legnago auf. Dort schlug er den französischen General Montrichard mit solchem Erfolge, daß von feindlicher Seite 2000 Todte und Verwundete das Schlachtfeld bedeckten, und außer 500 Gefangenen noch 9 Kanonen, 5 Haubitzen und 32 Geschützkarren erbeutet wurden. Noch mörderischer war die wenige Tage später stattgehabte Schlacht bei Magnano (5. April), in welcher, nach französischen Angaben, 8000 Franzosen auf dem Schlachtfelde blieben, überdieß 4500 Mann, darunter 104 Officiere, von den Unseren zu Gefangenen gemacht und 18 Kanonen, 40 Geschützkarren und 7 Fahnen erbeutet wurden. Der Verlust der Unseren, die übrigens gegen einen um 5000 Mann stärkeren Feind gekämpft, war weit um die Hälfte geringer. Während die Unseren Kray den Retter Italiens nannten, hieß er bei den Franzosen: le terrible Kray, le fils chéri de la victoire. Wenn man aus den gleichzeitigen Berichten Kunde erhält von dem Jubel, mit welchem die Veroneser Kray empfingen, als er nach gewonnener Schlacht in der Nacht nach Verona zurückkehrte, wie die Veroneser sich um unsere Verwundeten zankten – denn jeder wollte sie erquicken, beschenken, bei sich unterbringen – so erfaßt einen Wehmuth über die Wendung der Dinge in Italien heut zu Tage; wie man so wenig verstanden hat, diese Sympathien zu pflegen und zu erhalten, und den Einflüssen Frankreichs wirksame Hindernisse entgegenzusetzen! – Kray war nun der Held des Tages. Lord Bristol schrieb an ihn aus London: Er lasse in seinem Parke einen hohen Obelisk aufrichten, auf dessen Seiten seine Siege in Basreliefs vorgestellt sein sollten; auch bat er ihn um sein Bildniß, um die Züge des „Ueberwinders der unüberwindlichen Nation“ der Nachwelt zur Verehrung hinstellen zu können. Kray wurde zum Feldzeugmeister befördert. Mittlerweile waren auch die neuen Verbündeten Oesterreichs, die Russen, unter Souwarow in Italien einmarschirt und die weiteren Kämpfe gegen die Franzosen fanden vereint mit ihnen Statt. Kray nahm zuerst Brescia (21. April), die 1120 Mann starke Besatzung ergab [165] sich und 58 Stück Geschütze mit 480 Centner Pulver fielen in seinen Besitz; nun zwang er Peschiera zur Capitulation (7. Mai); die Garnison erhielt freien Abzug, aber 100 Kanonen und Mörser, 19 Kanonenschaluppen, 18 Blechpontons und ein bedeutendes Magazin waren unsere Beute. Kray setzte seine Operationen fort und begann die Belagerung Mantua’s. Die Annäherung eines französischen Corps unter Macdonald unterbrach, aber nur auf kurze Zeit, die Belagerungsarbeiten, dann wurden sie energisch aufgenommen und am 27. Juli übergab der französische Commandant die Festung, mit welcher 600 Stück Geschütze, 13.000 Feuergewehre und namhafte Vorräthe an Lebensmitteln u. dgl. m. in unsere Hände fielen. Die feindliche Mannschaft der Festung, welche sich kriegsgefangen ergeben hatte, erhielt freien Abzug. In der den vorgenannten Ereignissen nächstfolgenden Schlacht bei Novi (15. August), welche die vereint österreichischen und russischen Truppen den Franzosen lieferten, führte K. den rechten Flügel (50 Bataillone, 20 Escadronen) an, und namentlich sein heldenmüthiges Verhalten an diesem blutigsten Tage seit Anfang des Revolutionskrieges verhalf zum Siege, in welchem zwei französische Generale, Grouchy und Perignon, gefangen, u. a. 18 Kanonen, 4 Haubitzen, 4 Fahnen erbeutet wurden, und der Feind an Todten und Gefangenen 9000 Mann verlor. Kray’s Corps zählte im ganzen 726 Todte und 3400 Verwundete. Dem glänzenden Siege von Novi folgte noch das siegreiche Treffen von Fossano, welches gleichfalls K. erfochten hatte. Für den Sieg bei Novi wurde K. mit kaiserlicher Munificenz belohnt, er wurde zum Inhaber des Infanterie-Regiments Nr. 34 (heute König Wilhelm I. von Preußen) ernannt, und, nachdem die Feindseligkeiten in Italien des einbrechenden Winters wegen eingestellt worden, nach Wien berufen, wo ihm beim Ankaufe der Cameral-Herrschaft Topolya ein Nachlaß von 100.000 fl. gewährt; ferner ihm der Oberbefehl über das Heer in Deutschland, welchen Erzherzog Karl seiner leidenden Gesundheit wegen niedergelegt, übertragen wurde. Am 5. März 1800 verließ K. Wien, begab sich nach München, wo er mit dem englischen Minister wegen der Subsidien unterhandelte, und dann nach Donaueschingen. wo er am 18. März im dortigen Hauptquartiere den Oberbefehl übernahm. In Deutschland aber war K. das Glück der Waffen nicht günstig. Die Verluste bei Stockach (3. Mai 1800), bei Engen und Echingen (4. Mai), Möskirch (5. Mai), ungeachtet die Oesterreicher mit dem Muthe der Verzweiflung fochten und der General alle Künste der Tactik ausnützte, um über die Franzmänner den Vortheil zu erlangen, folgten sich rasch aufeinander. Kray’s glänzender Glücksstern war im Sinken und ihm durch die Verhältnisse in der Armee und in dem im Norden und Süden von Feinden bedrohten Staate nicht Zeit gelassen worden, sein Feldherrnamt niederzulegen, als er im Zenith seines Ruhmes gestanden, und im Heere jeder Zweifel an seine Unbesiegbarkeit unmöglich war. Die Schlacht von Möskirch war geschlagen und ungeachtet unsere Armee mit einem Muthe ohne Gleichen sich gerauft, wie es die Tausende von Todten und Verstümmelten bezeugten, welche die Wahlstatt bedeckten, der Sieg war auf der Seite des Gegners. Wohl Schritt für Schritt mußte ihn der Feind erkämpfen und erst dem Andrängen des weit überlegenen und durch sein Waffenglück kampflustig gewordenen [166] Gegners wich Kray. Bei Biberach (8. Mai) kam es wieder zum hartnäckigen Kampfe, den Kray selbst anführte und leitete; als aber die feindlichen Reiter plötzlich in dem Rücken der österreichischen Infanterie erschienen, mußte K. auf Vermeidung eines weiteren unnützen Blutvergießens bedacht sein und sich nach Memmingen hinter der Iller zurückziehen, wo er zwischen dem Schlosse Kronenburg und Egelsee eine feste Stellung nahm. Auch aus dieser, nach blutiger und hartnäckiger Gegenwehr, verdrängt, machte das Hauptcorps am 11. Mai vor Ulm Halt. Die Armee war durch Anstrengungen, Eil-Märsche, tägliche blutige Gefechte und Mangel an ordentlicher Kost sehr erschöpft und geschwächt. Vor Ulm sollte sie sich stärken, aber der immer vordrängende Feind ließ Kray nicht viele Zeit. Am 16. Mai kam es neuerdings zum Kampfe. Wie auf einem Schachbrette thaten Kray und sein Gegner Moreau Zug um Zug und der Vortheil fiel bald auf diese, bald auf jene Seite. Die Franzosen brachten immer neue und frische Truppen in’s Gefecht und setzten Alles daran, Kray von Ulm hinweg gegen Ingolstadt zu drängen. Auch Kray zog das Sztaray’sche Corps als Verstärkung an sich und traf so glückliche Dispositionen, daß Moreau entweder den Ausgang seiner Bewegungen von einer förmlichen Schlacht abhängig machen oder sein Vorhaben, die Stellung vor Ulm statt der Oesterreicher einzunehmen, aufgeben mußte. Er entschloß sich zu letzterem, die Unseren behaupteten sich. Kray hielt seine Stellung an der Iller aufrecht, stellte die Communication mit dem Corps des Fürsten von Reuß in Graubündten her und konnte so seine und des Letzteren Bewegungen mit jenen der italienischen Armee in Einklang bringen, was eben zu vereiteln der Endzweck aller bisherigen Anstrengungen Moreau’s war. Indessen setzte Letzterer seine Bemühungen fort, um einen Vortheil über Kray’s Stellung zu gewinnen. Es fanden die Gefechte bei Holzheim und Steinheim (24. Mai) Statt. Moreau besetzte Landsberg (27. Mai), Augsburg und Friedberg (28. Mai), und setzte Alles daran, Kray zu vermögen, sich bei Ulm zu schwächen. Alle Versuche Moreau’s erwiesen sich aber als vergeblich. Kray behauptete standhaft diese wichtige Stellung, wodurch er Moreau verhinderte, die französischen Waffen tiefer in das Herz von Deutschland zu tragen. Moreau, die Hartnäckigkeit seines Gegners erkennend, beschloß, sofort einen entscheidenden Schlag auszuführen und um jeden Preis unterhalb Ulm einen Donauübergang zu bewerkstelligen, wodurch Kray von seinen Magazinen in Ingolstadt und Donauwörth abgeschnitten ward. Am 17. Juni begann er seine Bewegungen, am 19. erfolgte der Uebergang. Kray, als er davon Kenntniß erhielt, stellte sich diesem Vorhaben entgegen; aber Moreau’s Reiterei schritt siegreich ein, er selbst befand sich oft mitten im Gewühle des Kampfes, die Seinigen zur Ausdauer aufzumuntern. Eine Stunde vor Mitternacht war der Uebergang bewerkstelligt und gesichert und Kray genöthigt, seinen festen Stützpunct Ulm zu verlassen. Kray’s Absicht, sich nun an der untern Donau festzusetzen, und mit dem Corps, von dem er durch Moreau’s Bewegungen getrennt worden war, wieder zu vereinigen, erlitt durch die Manoeuvres des Feindes eine Aenderung. Nach mannigfachen Dispositionen nahm er vom 24. bis 25. Juni seine Stellung zwischen Wembdingen und Mannheim. Da Kray um diese Zeit [167] bereits Nachricht hatte von dem in Italien officiell abgeschlossenen Waffenstillstande, schickte er am 24. Juni einen Officier in Moreau’s Hauptquartier, um auch mit ihm einen Waffenstillstand zu schließen. Aber dieser Versuch, wie eine am 25. im Dorfe Unterringingen stattgehabte persönliche Unterredung mit Moreau blieben erfolglos. Die Feindseligkeiten wurden also fortgesetzt und beide Feldherren suchten durch ihre Bewegungen Vortheile über einander zu erringen. Moreau suchte mit seinem Corps den Uebergang über drei Flüsse, den Lech, die Wernitz und die Donau, zugleich zu bewerkstelligen. Da kam es am 26. Juni, bereits gegen Abend, bei Neuburg an der Donau zu einem blutigen Zusammenstoße. Mit 30.000 Mann griff Kray, welcher bei Neuburg die Donau überschritten hatte, die Franzosen an, welche noch gar nicht ihre Stellung genommen hatten. Das Gemetzel des Kampfes war fürchterlich. Tausende fielen auf beiden Seiten, unter ihnen der berühmte erste Grenadier von Frankreich Latour d’Auvergne und die Generale d’Espagne und Forty; aber auch die Oesterreicher hatten große Verluste. Kray räumte sofort Neuburg, brannte die Brücke bei dieser Stadt hinter sich ab und begann seinen Rückzug nach Ingolstadt, von wo er seine anfängliche Stellung nach Landshut verlegte und dadurch Tirol näher kam. In Landshut schlug er am 1. Juli sein Hauptquartier auf. Auch aus dieser Stellung wurde er durch den massenhaft vordrängenden Feind gedrückt und Kray stellte sich nun zwischen Haag und Ampfing auf. Die Fortschritte des an Zahl weit überlegenen Feindes zu verhindern, war unmöglich; Kray bot nun Moreau am 12. Juli neuerdings einen Waffenstillstand an, der auch am 15. Juli abgeschlossen wurde. Die Eingänge Tirols am Lech sammt Regensburg blieben den Unseren, Philippsburg, Ingolstadt, Ulm den Franzosen. Nachdem Oesterreich die vorgeschlagenen Friedensbedingungen nicht annahm und also ein Friedenschluß nicht erfolgte, so kündigte Moreau am 27. Juli den Waffenstillstand auf. Kray aber, noch vor Anfang der Feindseligkeiten des Oberbefehls der Armee enthoben, den nach ihm Erzherzog Johann übernahm, verließ dieselbe am 21. Juli und zog sich in sein Vaterland in’s Privatleben zurück. Er genoß die Ruhe desselben noch einige Jahre theils zu Pesth, theils auf seinem Gute Topolya, bis ihn im Alter von 69 Jahren der Tod ereilte. Kray hatte auch in diesem unglücklichen Feldzuge alle Kunst des gewandten und erfahrenen Feldherrn an den Tag gelegt, sich als ein wahrhaft genialer Stratege bewiesen, dem nichts als das Glück fehlte, und hatte eine Reihe von Schlachten geschlagen, blutig, ja mörderisch und in so rascher Folge hintereinander, wie keiner der Generale in jenem großen Revolutionskriege; aber der stets wachsenden Uebermacht des Feindes auf die Dauer siegreichen Widerstand zu leisten, war er außer Stande und so mußte er selbst den Schmerz erleben, den hohen Ruhm seiner Thaten in Italien durch das Mißgeschick seiner Kämpfe in Deutschland verdunkelt zu sehen. – Der zweite Sohn Kray’s, Franz (gest. 1830), erhielt in der Wiener-Neustädter Akademie die militärische Ausbildung, trat 1788 bei Oroß-Infanterie als Fahnencadet ein, wurde 1795 Oberlieutenant bei Meszaros-Huszaren und zeichnete sich im October bei Mainz besonders aus. Im Jahre 1799 erscheint er als Major und Flügeladjutant bei seinem Vater. Im August desselben Jahres brachte er [168] das Journal der Belagerung von Mantua nebst 10 Fahnen nach Wien. Seine weiteren Lebensschicksale sind nicht bekannt.

Freiherrnstands-Diplom vom 8. September 1790. – Ritter von Rittersberg (J.), Biographien der ausgezeichnetesten verstorbenen und lebenden Feldherren der k. k. österreichischen Armee aus der Epoche der Feldzüge 1788–1821 (Prag 1828, Enders, 8°.) Bd. I, S. 265–354. – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, 4°.) S. 265, 407, 1733 u. 1737. – Bornschein (Adolph), Oesterreichischer Cornelius Nepos oder Leben, Thaten und Charakterzüge österreichischer Feldherren (Wien 1812, kl. 8°.) S. 118. – Der Wanderer (Wiener polit. Blatt) 1823, Nr. 308: „Die Schlacht bei Verona“. – Ungarischer Plutarch oder Biographien merkwürdiger Personen des Königreichs Ungarn. Aus authentischen Quelle geschöpft und ... dargestellt von Carl Vincenz Kölesy und Jakob Melzer (Pesth 1816, Eggenberger, 8°.) Bd. IV, S. 194. – Sartori (Franz, Pantheon denkwürdiger Wunderthaten volksthümlicher Heroen und Empörer des österreichischen Reiches, 3 Bde. (Prag und Wien 1816, Haas, 8°.). – Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf die österreichischen Staaten. (Von J. Schwaldopler.) (Wien, Doll, 8°.) Bdchn. IV, S. 235 [nach diesem gest. 19. Jänner 1808]. – Oesterreichisches Militär-Konversations-Lexikon (Wien 1850 u. f., gr. 8°.) Bd. III, S. 628. – Szöllösy (Joh. Nep. v.), Tagebuch gefeyerter Helden und wichtiger kriegerischer Ereignisse der neuesten Zeit (Fünfkirchen in Ungarn 1837, bisch. Lyceal-Buchdruckerei, gr. 8°.) S. 113. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XIX, 1. Abtheilung, S. 64 [nach diesem gest. zu Wien im Jänner 1801)]. – Baur (Samuel), Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehend des neunzehnten Jahrhunderts gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, gr. 8°.) Bd. I, Sp. 764. – Dictionnaire biographique et historique des hommes marquans de la fin du dix-huitième siècle ... (Londres 1800, 8°.) Tome IIde, p. 267. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1850 et s., 8°.) Tome XXVIII, p. 206. – Porträte. 1) Unterschrift: Paul Freiherr Kray v. Kraiowa, k. k. General-Feldzeugmeister. Lithogr. (v. Schönfeld’sche Lithographie Nr. 211, in 8°. u. 4°.) [ohne Angabe des Zeichners]; – 2) Unterschrift: Baron Kray, K. K. Feld-Zeugmeister, Befreyer Italiens. Peint par Oechs 1799. Gravé par Schleich. Published by C. Schleich (4°.); – 3) Kappeler pinx., Blaschke sc. (8°. u. 4°.); – 4) (J. Weiß fec.) (8°.); – 5) Oechs pinx. 1799, J. Neidl sc. (4°.); – 6) J. Rugendas fec. 1799 (4°.), Schwarzkst.; – 7) J. A. Kappeler p., C. H. Rahl sc. 1800 (Fol.); – 8) Kininger del., D. Weiß sc. (Fol.), Hüftbild; – 9) punctirt v. Weiß (Wien, Jos. Bermann, 4°.). – Wappen. In Blau auf natürlichem schroffen Dreiberge ein goldener, aufgerichteter, rechtwärts schreitender Löwe, der mit der vorderen rechten Pranke einen bloßen Säbel, am goldenen Gefäße haltend, zum Hiebe ausholt, mit der Linken aber einen Buchdrucker- sogenannten Winkelhaken von natürlicher Gestalt und Farbe hält. Den Schild bedeckt die Freiherrnkrone, auf welcher drei gekrönte Turnierhelme sich erheben. Aus der Krone des mittleren, in’s Visir gestellten Helms wächst der vorhin beschriebene goldene Löwe, aus jener des rechten, nach innen gekehrten, steigt ein Türke mit blauem Ober- und rothem Unterkleide, einen Turban auf dem Kopfe, in der rechten, von sich gestreckten Hand einen Roßschweif haltend, die Linke in die Hüfte gestemmt; aus jener des linken, gleichfalls nach innen gekehrten Helms wächst aber ein gemeiner, nach Landesart gekleideter bewaffneter walachischer Bauer, in der ausgestreckten Rechten den landesüblichen Spieß haltend, die Linke auf den Bauch legend. Die Helmdecken sind sämmtlich blau mit Gold belegt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: das.