BLKÖ:Coburg-Saalfeld, Friedrich Josias Prinz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Cocchetti, Karl
Band: 2 (1857), ab Seite: 395. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Friedrich Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld in der Wikipedia
GND-Eintrag: 100443907, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Coburg-Saalfeld, Friedrich Josias Prinz|2|395|}}

Coburg-Saalfeld, Friedrich Josias Prinz[BN 1] (k. k. Feldmarschall, Großkreuz des Mar. Theresienordens, geb. in der Nacht vom 26. auf den 27. Dec. 1737, gest. zu Coburg 28. Febr. 1815). Er war der jüngste Sohn des Herzogs Franz Josias, seine Mutter Anna Sophia Prinzessin von Schwarzburg-Rudolstadt. Mit 19 Jahren (4. Jänner 1756) trat er in’s Anspach’sche Kürassier-Regiment Nr. 11 als Rittmeister in österreichische Kriegsdienste. Den siebenjährigen Krieg machte er im ersten Feldzug unter Browne, im zweiten unter Prinz Karl von Lothringen, die beiden der J. 1758 und 1759 unter Daun, die drei letzten unter Loudon mit. Die Armeeberichte nennen oft seinen Namen unter den Tapfern. Besonders zeichnete er sich bei Lobositz und in der Schlacht bei Hochkirchen aus, in letzterer wurde er verwundet. Am 1. April 1758 ward er Oberstlieutenant; am 13. Jänner 1759 Oberst, 1769 Inhaber des sechsten (1801 aufgelösten) Dragoner-Regmts., 1771 FML., 1786 General der Cavallerie und Commandirender in Galizien und der Bukowina. Als Ende 1787 die türkischen Feindseligkeiten ausbrachen, nahm er sein Hauptquartier zu Sayatin u. schob es nach erfolgter Kriegserklärung 1788 nach Czernowitz vor. Im Bezirke von Chotym griff er den Feind an; der erste Angriff mißlang, im zweiten war der Sieg vollständig erfochten und mehrere tausend Tartaren bedeckten das Schlachtfeld. Nun drang der Prinz in die Moldau ein, schlug den Pascha Ibrahim Nazir bei Batussan (21. März 1788) trieb ihn [396] nach Jassy, aus welcher Stadt er ihn auch verjagte und ihn am 19. April besiegte. In den Gefechten bei Rohatin und Bojana-Losy (24. April) schlug der Prinz den Pascha von neuem; am 15. Mai begann er die Beschießung von Chotym, welche Festung sich nach dem Bairamfeste am 16. Sept. ergab, und bis 29. mit der ganzen Landstrecke, welche 260 Ortschaften inbegriff, für Oesterreich in Besitz genommen wurde. In der Festung fand man 200 Geschütze, darunter eine 192 pfünd. metall. Kanone, 2000 Pfund Pulver, 80,000 Stück Kugeln und Bomben, 8500 Granaten und anderen reichen Kriegsbedarf. Nun rückte der Prinz mit seinem Corps tiefer in die Moldau vor, und schlug das Hauptquartier in Roman auf. Durch ein Handbillet des Kaisers Josef II. vom 18. Mai 1789 erhielt er die Vollmacht, alles nach seinem eigenen Ermessen auszuführen. Am 1. August griff er die bei Fokschan concentrirten Türken, 30,000 Mann an und erfocht über dieselben den glänzendsten Sieg. Viele Beute und 16 Fahnen geriethen in die Hände der Sieger. Der Monarch schickte an den Sieger das Großkreuz des Mar. Theresienordens. Der Prinz wies dem versammelten Heere das Ehrenzeichen vor mit den Worten: „Dieses Ehrenzeichen, meine Brüder, habe ich Euch zu danken“. Dem Siege von Fokschan folgte der ebenso glänzende bei Martinestie, wo C.’s Heer 17,000 Mann, das der Russen 7000 Mann stark, eine Truppenmacht von 100,000 Türken auf das entscheidendste[WS 1] schlug, so daß 5000 Tartaren das Schlachtfeld deckten und 100 Fahnen, 80 Geschütze nebst reicher Beute in die Hände der Sieger fielen. Später rückte der Prinz in die Walachei vor, wo er auf das Festlichste empfangen wurde. Der unerwartete Tod des Kaisers Joseph im J. 1790 vereitelte die Erwartungen, die man an das Gelingen dieses Feldzuges geknüpft hatte. Die Pforte durch Preußens Versprechungen übermüthig, rüstete sich zu neuem Kampfe. Der kaum begonnene Krieg endete aber bald durch den Frieden von Szistow (4. Aug. 1792) und der Prinz ging als commandirender General in Ungarn nach Ofen. Im Jän. 1793 stellt ihn Franz II. an die Spitze des Reichs- und österr. Heeres, welches gegen Frankreich zu Felde zog. Mitte Febr. begannen die Bewegungen. Der Feldzug begann in Holland und mit dem schönen Siege zwischen Düren und Aldenhoffen. Lüttich, mit großen Vorräthen an Geschütz und Munition, fiel in die Hände der Kaiserlichen. Bei Neerwinden (18. März) erfocht der Prinz einen glorreichen Sieg, in welchem der Feind einen General und 4000 Mann unter den Todten und mehrere tausend Verwundete hatte; noch der Sieg von Löwen folgte und der Prinz rückte am 25. Marz in Brüssel ein. Am 29. brach C. gegen Courtrai vor. An Dumouriez’s Stelle war Dampierre Commandant der feindlichen Armee. C. schloß nun die Festung Condé ein und schlug die Franzosen bei Valenciennes in einem blutigen Siege (1. Mai). Einen Versuch der Franzosen, Condé zu entsetzen, vereitelte C.’s Sieg bei der Abtei Vicogne (18. Mai), ein zweiter bei Famars (23. Mai); die Einnahme von Valenciennes (11. Juli), wobei ungeheure Mengen von Geschütz und Munition erbeutet wurden, krönte diese glänzenden Waffenthaten. Der Prinz berathschlagte nunmehr über die Fortsetzung dieses Feldzuges und beschloß seinen Hauptangriff auf Dünkirchen zu richten. Das merkwürdige Reitergefecht bei Avesnes-le-Sec (12. Sept. 1793), bei welchem sich General Graf Bellegarde, Oberst Fürst Joh. Liechtenstein und Oberst Stipsicz so sehr ausgezeichnet; die Einnahme der Festung le Quesnoy mit der 5000 Mann starken Besatzung (13. Sept.); die Siege bei [397] Beaulieu und Erbach waren nun die glänzenden Waffenthaten. Die Aufhebung der unternommenen Blockade von Maubeuge mußte wegen zu großer Uebermacht des feindlichen Heeres stattfinden; hingegen wurde Marchiennes (30. Oct.) mit großen Munitions-Vorräthen genommen. Nun wurden die Streitkräfte der französ. Armee durch die Decrete der Revolution ungeheuer verstärkt. Die Gesammtmacht der Verbündeten betrug zu Anbeginn des Feldzuges 1794 in den Niederlanden 164,000 Mann. Die Macht, welche Frankreich stellte, bestand aus 300,000 Mann in erster Linie, welche Zahl in kurzer Zeit verdoppelt werden konnte. Der Operationsplan, den C. entworfen, konnte, so vortrefflich er war, wegen abweichenden Ansichten der Obergenerale nicht zur Ausführung kommen. Die Ergänzungen des durch die langen Kämpfe geschwächten Heeres blieben aus. Dennoch fanden noch die siegreichen Schlachten bei Landrecy (17. April), bei Ribouville und Wassyny statt. Nun sollte noch die Festung Landrecy selbst genommen werden, und am 25. April war schon die erste Parallele fertig. Die Franzosen versuchten den Entsatz der Festung mit einem sehr starken Heere. Der Ausfall der Franzosen wurde aber gänzlich vereitelt und die Verluste der Feinde waren stark. Am 30. April ergab sich die Festung und so war C. in 12 Tagen Sieger in 7 sehr bedeutenden Gefechten und einer Hauptschlacht, hatte eine der wichtigsten Festungen, 143 Geschütze genommen und mindestens 17,000 Feinde vernichtet. Das Eindringen Pichegrù’s in Westflandern und Brabant, wodurch er den Alliirten in den Rücken kam, veränderte die Lage der Reichsarmee. Doch wurde noch die fürchterliche Schlacht bei Tournai (17. u. 18. Mai) gekämpft, welche 16 Stunden dauerte u. mit einer Erbitterung gefochten wurde, von der man wenige Beispiele in der Kriegsgeschichte kennt. Die Verstärkungen der feindlichen Armee nahmen mit jedem Tage zu, ihre Uebermacht wurde furchtbar; das von der Reichsarmee besetzte Charleroi war am 25. Mai zur Uebergabe gezwungen worden. Coburg mußte die Idee, das Schicksal der Niederlande durch das Wagniß einer Schlacht zu bestimmen, sofort aufgeben; denn die am 26. Mai bei Fleurus begonnene Schlacht befahl Coburg abzubrechen, sobald er Kunde von dem Falle von Charleroi erhalten hatte. Nach und nach verringerten sich die Streitkräfte der Reichsarmee so sehr, daß sie der 300,000 Mann starken französischen Armee nicht länger Widerstand zu leisten im Stande war; die Truppen litten zudem großen Mangel an Lebensmitteln. C.’s Gesundheit hatte in den beschwerlichen Anstrengungen des Krieges sehr gelitten, er legte das Commando in des Grafen Clerfayt Hände (s. d.) nieder und trat für immer vom Kriegsschauplatze ab. Von der Verehrung und Liebe der österreichischen Heere, von dem Ruhme seiner Thaten begleitet, zog er sich in die Ruhe des Privatlebens nach Coburg zurück, welches er bis zum J. 1815 genoß, bis an’s Ende ein inniger Anhänger des Hauses Oesterreich, den lebhaftesten Antheil an dessen Schicksalen nehmend und den glänzenden Sieg der Sache erlebend, für welche er seine besten Kräfte geopfert. Coburg starb im hohen Alter von 78 Jahren. Der Prinz war ein großer Feldherr; seine Gegner im Felde, die Franzosen selbst nennen ihn „ce général qui avait acquit tant de célébrité dans le commandement des armées autrichiens en 1793.“ Sein Armeebefehl vom 12. März 1793 ist eines jener Meisterstücke der Kriegswissenschaft, deren dieselbe in Schrift nicht zu viele aufzuweisen hat.

Biographie des Feldmarschalls Prinzen Friedrich Josias von Sachsen-Coburg (Wien 1795, 8°.). [398]Wellhoefer (Friedrich), Sieg des Herrn Friedr. Josias von Sachsen-Coburg, k. k. Feldmarschalls, bei Martinestie am Rimnich am 22. Sept. (1789) (Schwabach 1789, 4°.). – Der Feldzug in den Niederlanden unter dem Prinzen Friedr. Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld, im Jahre 1793 u. s. w. (Leipzig 1830, 8°.). – Ritter von Rittersberg (J.), Biographien der ausgezeichnetsten verstorbenen und lebenden Feldherrn der k. k. östr. Armee aus der Epoche der Feldzüge 1788–1821 (Prag 1828, 8°.) S. 1. Ebenda dessen Porträt gez. A. Machek, lith. von Schier. – Szöllösy (Joh. Nep.), Tagebuch gefeierter Helden ... (Fünfkirchen 1837, bisch. Lyc. Druck.) S. 489. – Biographie des hommes vivants (Paris 1816, L. G. Michaud, 8°.) II. Bd. S. 196.Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 565. – Porträt. Unterschrift: Prinz Coburg. Q. Marck sc., kl. 8°.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Saalfeld, siehe: Coburg-Saalfeld, Friedrich Josias Prinz [Bd. II, S. 395].
    Nachtrag zu den Quellen. Witzleben (A. v.), Prinz Friedrich Josias von Coburg-Saalfeld, Herzog zu Sachsen, k. k. und des heil. Römischen Reiches Feldmarschall. 3 Bände (Berlin 1859, gr. 8°.) [vergl. darüber die Wiener Zeitung 1860, Nr. 270. Nach Witzleben ist der Prinz am 26. December 1737 geboren]. – Kurze Bemerkungen über einige Lebensumstände, Thaten und den Charakter Friedrich Josias’ Herzogs von Sachsen-Coburg-Saalfeld u. s. w., nebst einigen Nachrichten von dessen Flügeladjutanten, dem k. k. Major Hartelmüller, einem gebornen Bayer u. s. w. (Berlin 1790, 24 S. kl. 8°.). – Die Leitha (Wiener polit. Blatt, Fol.) 1867, Nr. 7, im Feuilleton: „Ein Großonkel der Kaiserin von Mexiko“. – Porträte. 1) Jos. Kreutzinger p. 1792, J. Adam sc. (8°.); – 2) Swoboda p., E. W. Bock sc. (8°.); – 3) J. Kreutzinger p., J. Clerk sc. (Fol., Schwarzk.); – 4) Loutherbourg p., J. Gillray sc. (Fol.) [dasselbe Blatt auch im Farbendruck]; – 6) J. E. Mansfeldt sc. (8°.); – 6) F. Müller sc. (4°.); – 7) F. W. Nettling sc. (4°.); – 8) Naumann p., J. Pichler sc. (Fol., Schwarzk.); – 9) Schier lith. (A. Machek gedr., 8°. u. 4°.); – 10) Kupferstich ohne Angabe des Stechers (4°.). Unterschrift: Prince de Saxe-Cobourg | K. K. Feldmarschall (Ovalbild). [Bd. 28, S. 2.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: entscheidenste