BLKÖ:Clerfayt, Karl Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Clement, Franz
Band: 2 (1857), ab Seite: 384. (Quelle)
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Clerfayt, Karl Graf[BN 1] (österreichischer Feldmarschall, Ritter des goldenen Vließes, Großkreuz des Mar. Theresienordens, geb. zu Bruille im Hennegau 14. Oct. 1733, gest. zu Wien 21. Juli 1798). Er fing im siebenjährigen Kriege zu dienen an, wo er sich bei Prag, Hochkirchen und Liegnitz, und bei andern Affairen so sehr auszeichnete, daß er einer der ersten war, den die große Maria Theresia mit dem von ihr gestifteten Orden schmückte. Nach Beendigung des siebenjährigen Krieges war er bereits Oberst. Nach Beilegung des bairischen Erbfolgekrieges 1788 FML., und beim [385] Ausbruch des Türkenkrieges 1788 FZM. Als solcher befehligte er erst die Truppen im Banat, dann den linken Flügel der Armee, und noch später wieder ein abgesondertes Corps, mit dem er bei Mehadia, später bei Kalefat gegen den walachischen Fürsten Maurozeny (26. Juni 1788) rühmliche Siege erfocht, und zum Falle Belgrads wesentlich mitwirkte, für welche Waffenthaten ihm Joseph II. das Großkreuz des Theresienordens schickte. Beim Ausbruch des französischen Revolutionskrieges 1792 wies hauptsächlich er die Angriffe der Franzosen auf die Niederlande mit einer sehr geringen Truppenzahl zurück. Hierauf war er bei dem Einbruch des Herzogs von Braunschweig in der Champagne, schlug den Feind bei Stenai, nahm dieses ein u. deckte dann den Rückzug des Herzogs. Nun mußte er unter den Befehlen des Herzogs von Sachsen-Teschen Belgien mit 17,000 Mann gegen 80,000 beschützen. Ueber dieser durch noch andere Umstände unendlich erschwerten Aufgabe kam es zur denkwürdigen Schlacht von Jemappes, am 5. und 6. Nov. 1792, in welcher 14,000 Leichen die Wahlstatt deckten. Im bewundernswerthen Rückzuge, durch welchen die Armee gerettet wurde, führte C. den Oberbefehl. Das durch den Prinzen von Sachsen-Coburg verstärkte Heer siegte bei Neervinden im Frühjahr 1793. Diesem Siege folgten die Belagerung von Valenciennes, die Einnahme von Quesnoy durch C., u. im J. 1794 die Siege bei Chateau-Cambresis, Landrecy, Charleroi u. s. w. Die Uebermacht der republikanischen Armee an der Schelde und Sambre entschied das Loos der Niederlande. C., der sich mit einer eigenen Truppenabtheilung an der Lys und bei Lille ehrenvoll behauptet hatte, übernahm, als es Jourdan nach wiederholten großen Anstrengungen gelungen war, über die Sambre zu setzen, und der Herzog von Coburg, nachdem er die Schlacht bei Flerus verloren, das Heer verlassen hatte, abermals die Oberleitung u. Rettung der Armee, welche er nach glänzenden Kämpfen gegen den sechsfach überlegenen Feind bei Aspremont, Düren u. an der Roer glücklich über den Rhein zurückführte. Nun wurde C. Feldmarschall, und als des römischen Reiches FZM. erhielt er auch den Befehl über die Reichstruppen. Als solcher schlug er im Jahre 1795 Jourdan bei Höchst und warf ihn über den Rhein zurück. Noch unternahm er den Entsatz von Mainz, und die Erstürmung der furchtbaren von 80,000 Mann auf das hartnäckigste vertheidigten Mainzer Linien, ein Unternehmen, welches sich den größten und ersten Heldenthaten des Revolutionskrieges anreiht. Als Ende 1795 der Waffenstillstand geschloffen worden, begab sich C. nach Wien, wo ihn das Volk als den Retter Deutschlands begrüßte, ihn der Kaiser selbst mit dem Erzh. Karl besuchte und ihm den goldenen Vließorden verlieh. Kränklichkeit, noch mehr aber eine Spannung mit dem Minister Thugut veranlaßen C., um seine Entlassung zu bitten. Er trat darauf in den Hofkriegsrath, nachdem Erzherzog Karl den Oberbefehl der Armee übernommen. Von den Mühseligkeiten der vielen Kriege sehr in der Gesundheit geschwächt, starb er nach langem Leiden schon nach dritthalb Jahren, und wurde seiner letztwilligen Anordnung gemäß, ohne alles Leichengepränge zu Hernals bestattet. Die Stadt Wien ließ ihm ein schönes Grabmal errichten. C. war ein ausgezeichneter Feldherr und vortrefflicher Mensch. In der Armee nannte man ihn den „Soldatenvater“; thatsächlich schlug er auch alle Heiratsanträge aus. „Hab’ ich denn nicht eine genug große Familie? Meine Soldaten sind sie nicht alle meine Kinder?“ waren seine Worte, wenn man [386] an ihn solch ein Ansinnen stellte. Sein Beutel stand für die Officiere, die unter ihm dienten, immer offen, und den Tag vor seinem Tode verbrannte er alle Schuldscheine mit der Aeußerung: „er könne sich mit größerer Zuversicht auf sich selbst als auf seine Erben verlassen“. Im Felde von unerschütterlichem Muthe, setzte er sich selbst oft Gefahren aus, um seine Truppen zu schonen. Die Spitäler überwachte er sorgfältig u. war ernst darauf bedacht, daß es den kranken Soldaten an nichts gebrach. Gewöhnlich sehr schlicht in seiner Kleidung, machte er doch davon stets eine Ausnahme, wenn es gegen den Feind ging. Dann zeigte er sich in glänzender Uniform und mit allen seinen Orden. „Der Tag der Schlacht, sagte er, ist des Kriegers Ehrentag“.

Thaten und Charakterzüge berühmter österr. Feldherrn (Wien 1808) II. Bd. – Stassart (Goswin Joh. Aug. de), Le comte de Clerfayt (s. l. e. s. d., 8°.) [Abdruck aus dem Werke: „Les belges illustres“]. – Oeuvres divers. de Baron de Stassart. – Jomini, Histoire critique et militaire des guerres de la révolution. – Bornschein (Adolph), Oestr. Cornelius Nepos (Wien 1812, kl. 8°.) S. 30. – Megerle von Mühlfeld (J. G.), Memorabilien des östr. Kaiserstaates ... (Wien 1825, J. P. Sollinger) S. 282. – Ritter von Rittersberg (Johann), Histor. Militär-Almanach des 16., 17., 18. und 19. Jahrhunderts (Prag 1821, Enders) S. 276. – Szöllösy (Joh. Nep.), Tagebuch gefeierter Helden (Fünfkirchen in Ungarn 1847, gr. 8°.) S. 396. – Meißners Lebensgemälde I. Th. S. 176–195. – Thaten der östr. Feldherrn II. Bd. S. 45. – Baur (Samuel), Gallerie histor. Gemälde aus dem 18. Jahrhundert (Hof 1804–1806, 6 Bde., gr. 8°.) I. Bd., S. 87. – Nouv. Dict. hist. biogr. univ. IX. Bd.Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoffer (Paris 1853) X. Bd. Sp. 832 [von Baron de Stassart; nach diesem gestorben zu Wien 18. Juli 1798]. – Wigands Conversations-Lexikon für alle Stände (Leipzig 1847, gr. 8°.) III. Bd. S. 413. – Ersch (J. S.) und Gruber (J. G.), Allgemeine Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig 1822, Gleditsch, 4°.) I. Sect. 18. Thl. S. 55. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für gebildete Stände (Hildburghausen 1845, Bibliogr. Inst., Lex. 8°.) VII. Bd. 2. Abth. S. 792. – (Brockhaus) Conversations-Lexikon (10. Auflage) IV. Bd. S. 245. – Oettinger (E. M.), in seiner Bibliographie biographique univ. (Bruxelles 1854, q. 4°.) gibt den 18. Juli 1798 als seinen Todestag an.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Clerfayt, Karl Graf [Bd. II, S. 384].
    Vivenot (Alfred Ritter), Thugut, Clerfayt und Wurmser, Original-Documente aus dem k. k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv herausgegeben von – (Wien 1869, 8°.). – Illustrirte Militär-Zeitung (Wien, 4°.), herausgegeben von Ritter von Hack 1863, Nr. 8 u. f.: „Feldmarschall Clerfayt und das Treffen bei Höchst am 12. October 1795“. [Bd. 23, S. 377.]