BLKÖ:Sachsen-Teschen, Albert Kasimir Herzog

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 28 (1874), ab Seite: 32. (Quelle)
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Sachsen-Teschen, Albert Kasimir Herzog (k. k. Feldmarschall und Ritter des goldenen Vließes, geb. zu Morizburg bei Dresden am 11., n. A. am 17. Juli 1738, gest. zu Wien am 12. Februar 1822). Ein Sohn König August’s III. von Polen (gest. 1763) aus dessen Ehe mit Maria Josepha Erzherzogin von Oesterreich [Bd. VII, S. 49, Nr. 237]. Dieser ebenso edle als kunstsinnige Fürst ist erst in neuester Zeit Gegenstand der Geschichtsforschung geworden, und sein Leben wurde in so eingehender Weise geschildert – man vergleiche die Quellen – daß hier nur allgemeine Andeutungen über dasselbe gegeben zu werden brauchen. Nicht nur ob seiner Thätigkeit im Dienste des Kaiserstaates, auch in seiner Eigenschaft als Gemal der Lieblingstochter der großen Kaiserin Maria Theresia, der Erzherzogin Christine Marie [Bd. VI, S. 157, Nr. 44], ist der Prinz der Betrachtung würdig. Durch sie, welche er am 8. April 1766 zu Schloßhof ehelichte, [33] erhielt er das Herzogthum Teschen in Oesterreichisch-Schlesien und führte er zur Unterscheidung anderer Linien des kön. Hauses Sachsen den Namen Sachsen-Teschen. In jungen Jahren an den kaiserlichen Hof gekommen. hatte der Herzog im österreichischen Militärdienste die Feldzüge des siebenjährigen Krieges mitgemacht und bereits im Alter von 23 Jahren, 1761, den Grad eines Feldmarschall-Lieutenants erlangt. Bald nach seiner Vermälung siedelte der junge Fürst mit seiner Gemalin, mit welcher er den Bund aus Neigung geschlossen, nach Ungarn über, dessen Verwaltung als Statthalter ihm von der Kaiserin übertragen worden war. Länger als zehn Jahre weilten Beide hier, die glücklichste Zeit ihres Lebens verbringend, denn neben dem Glücke des Privatlebens genossen sie hier im vollsten Maße die Liebe und das Vertrauen des Landes. Wenige Regierungen österreichischer Statthalter sind in Ungarn so populär gewesen, als die Albrecht’s und Christinens. Mit Ausbruch des bayerischen Erbfolgekrieges begab sich auch der Herzog Albrecht in’s Feld und betrat es als kaiserlicher Feldmarschall. Er führte damals den Oberbefehl über das Heer in Mähren und brach im Juni 1778 mit dem größeren Theile desselben nach Böhmen auf. Im ganzen Feldzuge kam es jedoch zu keiner entscheidenden Schlacht. Nach einem auf den Vorposten beider Heere geführten kleinen Kriege wurden die Winterquartiere bezogen und der Herzog selbst begab sich nach Wien, wo der im März begonnenen Waffenruhe der am 22. Februar 1779 geschlossene Teschener Friede folgte. Im Jahre 1781 wurde der Herzog zum k. k. Gouverneur und General-Statthalter in den österreichischen Niederlanden ernannt, welche Würde er mit seiner Gemalin theilte. Was nun des Herzogs Verwaltung in den Niederlanden betrifft, so änderten sich die Verhältnisse wesentlich, als die Kaiserin starb und Joseph II. bezüglich der Niederlande von Regierungsprincipien ausging, welche den von seiner Mutter eingeschlagenen entgegengesetzt waren. Nach Joseph’s II. Ansichten sollte das Statthalterpaar thatsächlich nur eine repräsentative Rolle spielen, die eigentlichen Regierungsgeschäfte aber durch kaiserliche Beamte unter directiver Leitung von Wien besorgt werden. Dieß sagte ebenso wenig dem Herzog und seiner Gemalin zu, die sich zu Besserem, als zu bloßen Vollziehungsorganen der Wiener Hofkanzlei-Oenipotenz berufen fühlten, als das Land damit einverstanden war. Die Conflicte, die in Folge dieser veränderten Verhältnisse in den Niederlanden eintraten, sind bekannt, ein Aufstand brach 1787 aus, der Herzog und seine Gemalin, die schuldlosen Opfer des veränderten Regimes, mußten fliehen und sahen sich in Wien – kalt aufgenommen. Als indessen die Revolution in Frankreich, im beständigen Fortschreiten begriffen, auch die Niederlande bedrohte und die republikanischen Schaaren Frankreichs an der belgischen Grenze sich zu sammeln begannen, da betrat der Herzog neuerdings – nach mehrjähriger Muße – im Jahre 1792 den Schauplatz öffentlicher Thätigkeit, indem er nach Ausbruch des Krieges mit Frankreich eine Befehlshaberstelle erhielt. Mit den kaiserlichen Truppen nahm er Stellung zwischen Mons und Tournay. In der von Schels redigirten „Oesterreichischen militärischen Zeitschrift“ [siehe die Quellen S. 39] wird über des Herzogs Vertheidigung der österreichischen Niederlande im [34] Jahre 1792 ausführlicher Bericht erstattet. Dann wurde ihm im Jahre 1794 die Function des deutschen Reichs-Feldmarschalls – der Herzog ist der letzte deutsche Reichsmarschall – übertragen. Ueber die damaligen Verhältnisse in Deutschland, über das Spiel, welches Preußen mit dem deutschen Reiche trieb, über die Intriguen der preußischen Heerführer und Staatsmänner in dieser Periode, 1794 und 1795, gibt entgegen den entstellten Darstellungen Schlosser’s, Häusser’s und Sybel’s Alfred v. Vivenot in seinem in den Quellen angeführten Werke die interessantesten, aus im kaiserlichen Staatsarchive zu Wien befindlichen, bisher unbenützten Urkunden geschöpfte Aufschlüsse. Im dritten Jahre bereits wüthete der Krieg zwischen Frankreich und dem deutschen Reiche. Oesterreich machte alle Anstrengungen, die immer drohender sich gestaltende Lage der Dinge zu beschwören. Die ehrenhafte patriotische Sprache, welche die Minister und Gesandten Oesterreichs bereits im Jänner 1794 führten, fand auf dem Reichstage fast durchgehends taube Ohren. Und die Hauptschwierigkeiten erhob der churbrandenburgische Gesandte, welcher am 31. Jänner 1794 dem Reichstage ein Promemoria unterbreitete, welches ausführlich erweisen sollte, daß die Kräfte der preußischen Monarchie vollkommen erschöpft seien und daß deßhalb das Reich die Erhaltung der preußischen Truppen durch die Verpflegung der preußischen Armee mit einem täglichen Bedarfe von 41.966 Rationen und 82.184 Portionen (im Gesammtwerthe von jährlich 13,795.566 fl.) vom 1. Februar an vorläufig übernehmen sollte; „weil“, heißt es in diesem Promemoria, „wenn diese Anstalten nicht ungesäumt getroffen würden und also Se. kön. Majestät im Entstehungsfalle den unwandelbaren Entschluß[WS 1], den größten Theil allerhöchst ihrer Truppen zurückzuziehen, ausführen müßten, das gesammte deutsche Vaterland in das unübersehbarste Elend gestürzt werden würde!!“ Dabei setzte zur selben Zeit Preußen gewaltige Heeresmassen in Bewegung, um die dritte Theilung Polens vollziehen zu helfen und ein Stück Beute zur Vergrößerung seiner Hausmacht zu gewinnen. Diese Vorgänge bedürfen doch keines Commentars. Nach monatelangen Verhandlungen war man endlich zum Beschlusse der Errichtung einer Reichsarmee gekommen und am 18. März wurde dem Reichsrathe die Ernennung des Herzogs Albrecht von Sachsen-Teschen zum Reichs-Feldmarschall und die Errichtung einer reichsverfassungsmäßigen eigenen Reichsarmee bekannt gegeben. Man lese nun in Vivenot nach, wie die churbrandenburgische und churmainzische Comitialgesandtschaft. nachdem die kaiserlichen Minister die Armee als „selbstständige Reichsarmee“ bezeichnet wissen wollten, gegen das Wort „selbstständig“ remonstrirten, und wie der kaiserliche Commissär, um doch endlich zu einem Beschlusse zu kommen, bewogen ward, das Wort zu opfern. v. Vivenot gibt ganz ausführliche Aufschlüsse über das preußischer Seits stattgehabte Intriguenspiel, und warum man gegen den Ausdruck „selbstständig“ gar so sehr ankämpfte. Ein Motiv lag auch in der Ernennung des Herzogs zum Reichs-Feldmarschall, da Graf Görz für die Stelle des Reichs-Feldmarschalls Niemand entsprechenderen finden konnte, als den Preußenkönig Friedrich Wilhelm II., für dessen Feldherrnberuf der verunglückte Champagnefeldzug allerdings ein entsprechendes Relief bildete. [35] Dieser und noch mehrere andere Zwischenfälle, mit deren actenmäßiger Darstellung Vivenot interessante Illustrationen zur Frage bringt, was denn Preußen in jener Zeit Alles für das deutsche Reich geleistet habe, gingen Wochen und Monate vorüber; ungeachtet eines am 21. August in Regensburg eingelangten kais. Hofdecretes ddo. Wien 13. August, wonach das Vaterland in Gefahr erklärt wurde, schleppten sich die Dinge dahin, ohne daß etwas geschah. Die kleinen Erfolge der deutschen Waffen, namentlich der Sieg bei Kaiserslautern (20. September 1794), wollten nicht viel bedeuten, und das zweideutige Verhalten des preußischen Generals Möllendorf, der mit einem Male von einer Unmöglichkeit, den Krieg mit succes zu führen, zu sprechen begann, lähmte jedes energische Auftreten des Herzogs Albrecht. Das einzige, was der Herzog thun konnte, war die von den Preußen im Zustande vollster Verwahrlosung zurückgelassene Festung Mainz in kürzester Zeit in entsprechenden Vertheidigungsstand zu setzen. Hingegen fielen gegen das Ende des Jahres noch zwei wichtige Puncte auf dem linken Rheinufer in feindliche Macht, am 2. November die Festung Rheinfels, am 24. December die Rheinschanze bei Mannheim. Die Erfahrungen, welche der Herzog in dieser Kriegführung mit Contingenten der deutschen Länder, namentlich mit jenem Preußens, gegen eine einheitliche Armee, wie jene der Franzosen, gemacht, verdrossen diesen so sehr, daß er, als er sich zu Beginn des Winters nach Wien verfügte, dort sein Commando niederlegte, um nie wieder eines im Felde zu übernehmen. Vivenot schleudert die moralische Verantwortung für alles Ungemach, was damals Deutschland traf, in erster Linie auf Preußen, und zwar nicht auf den König Friedrich Wilhelm II., der an der damaligen Politik seines Staates einen verhältnißmäßig sehr geringen Antheil hatte, sondern, wie selbst Sybel, der in Schönfärberei des Preußenthums kaum seines Gleichen hat, eingesteht, auf des Königs gewissenlose, intriguante Rathgeber, die für patriotische Regungen kein Herz hatten und theilweise als Nichtdeutsche kaum haben konnten. Lucchesini und Lombard, zwei der Hauptmacher der damaligen preußischen Politik, der eine ein Italiener, der andere ein Franzose, hintergingen und mißbrauchten den König in seinem vielleicht allzu leicht sich hingebenden Vertrauen. Kein Mittel war zu schlecht, um den König über den wahren Sachverhalt der Dinge zu täuschen. War endlich dieß nicht mehr möglich, dann stellte man sie ihm in solchem Lichte dar, daß alles Odium auf den bösen Willen Oesterreichs und anderer deutschen Reichsfürsten fiel, welche die patriotischen Pläne und Entwürfe Preußens nicht hatten zur Perfection kommen lassen. Dabei bediente sich Preußen, wie heutzutage, schon damals der Presse, um die öffentliche Meinung zu bearbeiten. Der Herzog Albrecht gibt in seiner anläßlich dieses Krieges verfaßten Denkschrift die interessantesten Aufschlüsse. „Ich kann“, lautet eine Stelle derselben, „Euerer Majestät aus treuer Anhänglichkeit nicht unbemerkt lassen, daß das königlich preußische Interesse bei dem unwissenden Publico immer Recht behalten und dessen unrechtmäßige Handlungen mit der frechsten Bosheit in das schönste Licht gesetzt werden, weil die königlich preußischen Ministers, Residenten und Agenten, deren Zahl namhaft und aller Orten verbreitet, deren Köpfe gut organisirt, deren Vortrag geschickt, deren Beredsamkeit [36] thätig und deren Eifer für des Souveräns Interesse unermüdet ist, sich alle Mühe geben, das Publicum auf ihre Seite zu ziehen. So widersinnig auch immer ihre Gründe und Beweise sind, so betäuben sie dennoch nicht nur das gemeine, sondern selbst das über das Gemeine erhabene Publicum; weil Ew. Majestät Minister, Residenten und Agenten zu wenige; die Wenigen auf die Controversen nicht durchgängig wohl instruirt und auch nicht allzeit sich da befinden, wo sie wirken können und sollen. Es ist für Ew. Majestät Interesse äußerst wichtig, daß auf diesen Gegenstand mehrere Sorgfalt verwendet und solche Männer in größerer Zahl auf- und angestellt werden, welche Kopf, Geist und Muth genug besitzen, denen ausgestreuten boshaften Verleumdungen Einhalt zu thun und mit hinlänglichem Witze, Wahrheit und Scharfsinne zu begegnen, – die Schriftsteller und Zeitungsschreiber auf ihre Seite zu ziehen wissen und durch Geld dasjenige erhalten, was auch leider die bündigsten Vernunftschlüsse öfters nicht zu erhalten vermögen. – Diese Bemerkung ist von der höchsten Wichtigkeit und die Haupttriebfeder des kön. preußischen Cabinets, durch welches dasselbe Unrecht zu Recht, Laster zur Tugend, Betrug zur Klugheit, Unthätigkeit zur Thätigkeit umschafft, das Publicum verblendet und ungestrafft seiner Alliirten und des deutschen Reiches spottet! – – Wahrlich, die gute Sache, Ew. Majestät, verdient Aufmerksamkeit und Aufmunterung, aber nur durch Thätigkeit kann man der Thätigkeit begegnen und mit anhaltender Unthätigkeit geht die beste Sache verloren.“ Wie bemerkt worden, zog sich der Herzog Albrecht seit 1794 von aller militärischen, überhaupt öffentlichen Thätigkeit zurück und lebte mit seiner Gattin in Wien ein durch schmerzliche Erinnerungen vielfach getrübtes Stillleben. Schon wenige Jahre darnach, am 24. Juni 1798, verlor er seine Gemalin im Alter von 56 Jahren, er folgte ihr 24 Jahre später im hohen Alter von 84 Jahren. Adam Wolff in seinem Werke: „Marie Christine, Erzherzogin von Oesterreich“ entrollt ein meisterhaftes Bild dieser edlen Fürstin, welche der Liebling der Mutter war, die ihr nach der Heirath einen Brief schrieb, den jede Mutter, nicht blos eine fürstliche, ihrer Tochter, wenn sie zur Ehe schreitet, als köstlichste Brautgabe mitgeben sollte. Jede für erwachsene Mädchen oder junge Frau bestimmte Anthologie von Lesestücken sollte sich dieses köstliche Schriftstück, welches Adam Wolff in seinem schon genannten Werke dem vollen Wortlaute nach mittheilt, nicht entgehen lassen. Die Ehe des Herzogs mit Christinen war eine musterhafte, der Herzog war sich des Kleinods, das er in seiner ausgezeichneten Frau besaß, in vollem Werthe bewußt. Mit Christinens Tode betrachtete er sein Leben abgeschlossen; es hatte für ihn keine Bedeutung mehr in der Gegenwart; nur die Erinnerung an eine köstlich verlebte Vergangenheit, die zuversichtliche Hoffnung auf die Wiedervereinigung mit der Verklärten hielt ihn aufrecht. Der Herzog wollte in Hinkunft nur in Ruhe und in der Betrachtung leben, wie er denselben Weg gehen werde, auf dem seine Frau ihm vorausgegangen war. Selbst seine Memoiren, die er bis dahin gewissenhaft und mit einer Sorgfalt fortgeführt, daß sie nach dem Ausspruche Ad. Wolff’s ohne weiters dem Drucke übergeben werden konnten, schloß er mit Christinens Tode ab. Die letzten Worte des Tagebuches enthalten einen rührenden Nachruf an Sie, worin [37] er ausspricht: „Nach dreiunddreißig Jahren der glücklichsten Ehe verlor ich die edelste Frau, die je gelebt hat, mein Theuerstes auf Erden und den geliebten Gegenstand meines Glückes. ... Sie war ihrer Mutter liebstes Kind und hat all’ die edlen Eigenschaften ihres Geistes und Herzens geerbt, besonders den festen Muth und die Charakterstärke. In den schwierigsten Tagen des Lebens hat sie dieselben bewährt“. Der Herzog hat auch das Andenken dieser edlen Frau in wahrhaft erhebender Weise geehrt. Ein Denkmal, das zu den herrlichsten Zierden der Kunst dieses Jahrhunderts gehört, das Meisterwerk eines großen Künstlers, Canova’s, ein Werk, zu dem kunstsinnige und andere Fremde wallen, welche die Kaiserstadt besuchen, hat seiner verewigten Gattin der Herzog errichten lassen. Es prangt in unsterblicher Schönheit in der Augustinerkirche Wiens [vergleiche den Artikel Canova in diesem Lexikon, Bd. II, S. 258: „Mausoleum der Erzherzogin Marie Christine“]. Aber auch in anderer Richtung lebt das Andenken des humanen und kunstsinnigen Fürsten in der Erinnerung fort. Um den drei Meilen langen Morast in der Baranyer Gespanschaft Ungarns zu entwässern, ließ der Herzog aus eigenen Mitteln im Jahre 1793 einen Canal bauen, der 18.813 Klafter in der Länge betrug und im Jahre 1811 vollendet wurde. Es wurden dadurch 5702 Joch des üppigsten Wiesenlandes der Versumpfung entrissen; der Canal fuhrt zur Erinnerung an den Erbauer den Namen Albrechts-Cerositza-Canal. Ein nicht minder großes Werk ließ der Herzog in Wien herstellen, um der daselbst beginnenden Trinkwassernoth zu steuern. Als nämlich in den südwestlichen Vorstädten Wiens der Wassermangel sich sehr fühlbar zu machen begann, ließ der Herzog die noch unter seinem Namen bestehenden Albert’schen Wasserleitungen herstellen. Das Wasser kommt aus mehreren Bergquellen, deren zwei höher als der Stephansthurm liegen, hinter Hütteldorf aus der sogenannten hohen Wand, wird dann bis zum Dorfe in einem gemauerten Canale von 51/2 Fuß Tiefe und 2 Fuß Breite in eine Brunnenstube geführt, aus derselben in mehr als 16.000 eisernen, doppelt neben einander liegenden Röhren durch eine Strecke von 7155 Klaftern unter der Erde in die Vorstädte geleitet und so vertheilt, daß Gumpendorf 2, Mariahilf 3, die Laimgrube 2, die Josephstadt 2, dann die Gründe Neubau, Schottenfeld und St. Ulrich jeder 1 Brunnen mit gutem, trinkbarem Wasser besitzen. Eine genaue, mit Abbildungen versehene Beschreibung des großen Werkes ist in der Weber’schen „Illustrirten Zeitung“ {vergl. die Quellen S. 39] enthalten. Dem k. k. Blinden-Institute in Wien schenkte der Herzog 50.000 fl. Nach seiner Rückkehr in’s Privatleben ließ der Herzog in den Jahren 1801–1804 seinen Palast auf der Augustinerbastei vergrößern und legte, ein glühender Verehrer für Kunst und Wissenschaft, mit unermüdlichem Eifer und größtem Kostenaufwande eine Sammlung von Handzeichnungen, Kupferstichen und Büchern an, welche noch heute unter dem Namen der „Albertina“ zu den reichsten und kostbarsten ihrer Art zahlt. Als sie der Herzog nach seinem Ableben seinem Erben, dem Erzherzoge Karl, dem Sieger von Aspern, hinterließ, zählte dieselbe 13.000 Stück Handzeichnungen der ersten Meister der Kunst aus allen Schulen, darunter 36 von Michael Angelo, 20 von Andrea del Sarto, 112 von Raphael Sanzio, 132 von Albrecht Dürer. [38] Die Sammlung der Kupferstiche überstieg 100.000 Blätter, in welchen die Werke der größten Maler von den größten Kupferstechern dargestellt sind; Dürer’s Werke sind vollständig in den schönsten Werken vorhanden; die Sammlung, zur Besichtigung geöffnet, ist in den letzteren Jahren in entsprechender Weise aufgestellt worden. Diese in Rücksicht auf den Zweck eines Lexikons knapp gefaßte Lebensskizze möge noch durch die Charakteristik des Fürsten geschlossen werden, wie sie der Biograph seiner erlauchten Gemalin mit wenigen, aber scharfen Zügen entwarf. Der Herzog war, heißt es in dieser Charakteristik, nur wenige Jahre älter als Christine, aber seine Persönlichkeit war von Natur aus ruhiger, bedächtiger, mehr in sich abgeschlossen. Auch an Kenntnissen und politischer Bildung war er seiner Frau weit überlegen. Aus seiner Heimat brachte er ein ausgebreitetes Wissen, eine Vorliebe für geistige Thätigkeit und eine gesunde, vorurtheilsfreie Lebensanschauung mit. Im siebenjährigen Kriege hat er den Degen wacker geführt. Die Stellung in Ungarn behauptete er mit viel Klugheit und Würde. Die ungarischen Herren waren mit seiner Verwaltung sehr zufrieden. Der Primas Batthyány, Graf Festetics, Joseph Eßterházy u. A. schrieben ihm nach Belgien, wie sehr sie ihn vermißten. Wie er Menschen und Zustände scharf zu beobachten wußte, wie er die Kraft oder Schwäche einer Regierung im Baue der Verwaltung, wie im Wohlstande eines Volkes rasch erkannte, davon zeigt jedes Blatt seiner Berichte über die italienischen Höfe. Im Jahre 1776 bereisten Christine und Albert Italien. Die Reise hatte zunächst den Zweck, die Geschwister an den Höfen zu Neapel, Florenz und Parma zu besuchen. Daneben hatte Maria Theresia ihren Schwiegersohn aber noch beauftragt, eingehende Beobachtungen über die politischen und materiellen Zustände, über Personen und Regierungsweise, über die öffentliche Stimmung und das Verhältniß der einzelnen Höfe anzustellen und deren Ergebniß in eine Denkschrift zusammen zu fassen. Aus letzterer bringt Wolff’s Biographie Auszüge von höchster Bedeutung; dieselben dürfen mit Recht als einer der werthvollsten Beiträge zur Kenntniß der inneren Geschichte der verschiedenen italienischen Staaten in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts bezeichnet werden, und selbst die Gegenwart kann aus der Unbefangenheit, Klarheit und Umsicht, womit Herzog Albert sein Urtheil schöpfte, viel lernen, denn großentheils sind die Mißstände, in welchen der Prinz vor hundert Jahren die Haupthindernisse einer gedeihlichen staatlichen und wirthschaftlichen Entwicklung Italiens erblickte, noch heute ohne erhebliche Abhilfe. Der Berichterstatter spricht sich darüber mit ebenso viel Offenheit als Scharfblick aus; und die Josephinische Regierung, welche bald nach Christinens und Albert’s italienischer Reise folgte, hätte wohl daran gethan, wenn sie die in der Denkschrift gegebenen Andeutungen und Winke mehr beherzigt hätte. Niemand hat vielleicht in jenen Jahren die Persönlichkeit Kaiser Joseph’s, seine politischen Bestrebungen tiefer erfaßt und mehr verstanden, als Herzog Albert. Der Herzog war von demselben Geiste genährt, in der gleichen doctrinären Richtung gebildet, aber er war nie so sanguinisch in seinen Hoffnungen und hing niemals so starr und so zähe an seinen Principien, wie Joseph. Er verlangte eine Regierung in Klarheit, [39] Ordnung und Festigkeit, und diese war in den wirren Zeiten, wo von dem alten Baue der Staaten Stein nach Stein abfiel, nicht zu finden und schwer zu begründen. Was ihn auszeichnete, war sein politischer Blick über die zusammenhängenden Interessen der europäischen und vor allem der deutschen Welt. Er mußte von der preußischen Politik während der belgischen Unruhen und der Feldzüge 1792 und 1794 viel Unbilden erfahren, aber er behielt die Meinung, daß nur in der Vereinigung von Oesterreich und Preußen eine Gewähr des Friedens und des öffentlichen Rechtes zu suchen sei. Er war in jeder Art ein deutscher Fürst, und die Freiheit der deutschen Nation, der unverletzte Bestand des Reiches wurde bei ihm politisches Gebot. ... Seine Freunde rühmten seine Gewissenhaftigkeit, seinen Freimuth. In seinen Schriften erkennt man eine gereifte, tüchtige Gesinnung, eine strenge Wahrhaftigkeit und die stete Rücksicht auf das Gemeinwohl. In seinem Aeußern zeigte er etwas Sanftes, eine ungekünstelte Würde, Ruhe und Gleichmuth in allen Ereignissen. Er konnte wie Marc Aurel von sich sagen: „Mögen Andere ihre Freude haben, wie sie wollen; meine Freude ist, wenn ich eine gesunde Seele habe, ein Herz, das keinem Menschen zürnt, nichts Menschliches sich fern hält, sondern Alles mit freundlichem Blicke ansieht und aufnimmt, und Jedem begegnet, wie es ihm gebührt“. Noch sei bemerkt, daß der Herzog Albert Kasimir Ritter des goldenen Vließes und seit 1768 Inhaber des 3. Kürassier-Regiments war, welche Stelle er bis zu seinem Tode, also durch 54 Jahre, bekleidete. Nach ihm waren Friedrich August und nach diesem Johann, König von Sachsen, Inhaber desselben Regiments. Auch war der Herzog ein geschickter Zeichner und nach seinen Vorlagen haben Boetius, Holzmann und Schmutzer mehrere Blätter gestochen.

Vivenot (Alfred von), Herzog Albrecht von Sachsen-Teschen als Reichs-Feldmarschall. 1. u. 2. Bd., 1. u. 2. Abthlg. (Wien 1865 u. 1866, Braumüller, mit Porträt und Karte, gr. 8°.). – Wolff (Adam), Marie Christine, Erzherzogin von Oesterreich, 2 Bde. (Wien 1863, Karl Gerold, 8°.) [die Erzherzogin war die Gemalin des Herzogs Albert Kasimir von Sachsen-Teschen und Wolff’s Werk enthält auch viel auf den Herzog Bezügliches]. – Wissenschaftliche Beilage der Leipziger Zeitung 1863, Nr. 34 u. f.: „Herzog Albert von Sachsen-Teschen und Maria Theresia’s Lieblingstochter“. – Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1863, Nr. 312–318; 1864, Beilage zwischen Nr. 3 bis 9; 1866, Beil. zwischen Nr. 112–118. – Ritter v. Rittersberg (J.), Biographien der ausgezeichnetesten verstorbenen und lebenden Feldherren der k. k. österreichischen Armee aus der Epoche der Feldzüge 1788–1821 u. s. w. (Prag 1828, C. W. Enders, 8°.) Zweite Abtheilg, S. 515. – Neue militärische Zeitschrift (Wien, 8°.) 1812, Bd. I, Heft 1, S. 3: „Des Herzogs Albert von Sachsen Teschen Vertheidigung der Niederlande im Jahre 1762“. – Militär-Zeitung, herausg. von Hirtenfeld (Wien, 4°.) 1863, S. 939. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber) 1844, Nr. 70, S. 279: „Die große Albertinische Wasserleitung in Wien“ [auf Kosten des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen]. – Porträte. 1) Isabey pinx., C. Pfeiffer sc. (Fol.); – 2) J. Adam fec. 1782 (8°.) [mit den irrigen Namen Albert August Moriz]; – 3) nach Monsorno gez. von Schier, gedruckt von Machek (Prag, 8°., Lithographie).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Entschuß.