BLKÖ:Sachsen-Hildburghausen, Wilhelm Herzog

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 28 (1874), ab Seite: 31. (Quelle)
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Sachsen-Hildburghausen, Wilhelm Herzog (kais. Feldmarschall und Ritter des goldenen Vließes, geb. am 8. October 1702, gest. am 4. Jänner 1787). Mit seinem ganzen Namen heißt der Fürst Joseph Maria Friedrich Wilhelm Hollandinus und ist ein Sohn des Herzogs Ernst von Sachsen-Hildburghausen und Sophiens gebornen Fürstin von Waldeck. Erst 16 Jahre alt, diente er schon in Italien und im Jahre 1734 unter Eugen am Rhein. Im Alter von 30 Jahren war er bereits Feldzeugmeister. Der Prinz war ein Liebling Eugen’s von Savoyen, hatte freien Zutritt bei Kaiser Karl VI. und seine offene Rechtlichkeit gewann ihm das Vertrauen des Monarchen, wodurch er in nicht geringer Weise den Neid anderer, auch einflußreicher Personen aus der Umgebung des Kaisers erweckte, welcher Umstand auf seine Unternehmungen als Feldherr nicht ohne entscheidenden Einfluß geblieben sein mag. Noch dem Tode des Prinzen Eugen erhielt der Herzog im Jahre 1737 den Befehl über ein kleines Heer in Bosnien, mit welchem er Banialuka belagerte. Sein kleines Belagerungscorps wurde nun am 4. August von dem durch allerlei Versprechungen schleunigst zusammengebrachten, 30.000 Mann starken Corps des Seraskiers von Bosnien angegriffen und der Herzog nach bedeutendem Verluste zum Rückzuge nach Gradisca gezwungen, ein Unfall, den seine Neider bei Hofe weidlich auszunützen verstanden. Hingegen gab er in den Treffen bei Cornia (4. Juli 1738), bei Krotzka (1739) und an der Temes im nämlichen Jahre Beweise seiner Umsicht und persönlichen Tapferkeit, namentlich bei Cornia, wo er eine durch Abberufung zweier Reiter-Regimenter im Mitteltreffen entstandene Lücke, welche die Türken sofort zu benützen suchten, mit dem einzigen Regimente Schulenburg deckte und den Türken Widerstand leistete. Nach dem [32] Tode Karl’s VI. trat der Herzog in die Dienste des Kaisers Karl VII. Reilly in den in den Quellen genannten „Skizzen“ schildert mit wenigen, aber bezeichnenden Worten das Mißgeschick und die Ursachen desselben in den Unternehmungen des Herzogs, namentlich jene, welche seine Niederlage in Bosnien erklären. Aber noch ein größeres Mißgeschick sollte er im zweiten Feldzuge des siebenjährigen Krieges erfahren, in welchem er als Reichs-Feldzeugmeister mit seinen Verbündeten, den unter dem Befehle des Prinzen Soubise stehenden Franzosen, die Aufgabe hatte, das von den Preußen schon im ersten Feldzuge besetzte Sachsen von jenen frei zu machen, und wo die zum geflügelten Worte gewordene Schlacht bei Roßbach (am 7. November 1757) die Reihe der strategischen Mißerfolge des Herzogs beschloß. Aber auch darüber gibt Reilly Aufklärungen, wodurch dieses Mißgeschick einigermaßen erklärt wird. Müde, beständig der Zusammenwirkung von Umständen zu unterliegen, deren Wegräumung über seine Kräfte ging, zog sich der Herzog von der weiteren Führung des Reichsheeres vollständig zurück und lebte fortan fern von allen militärischen und staatlichen Angelegenheiten. Höchsten Ortes gewann man auch Einsicht über die einzelnen Ursachen dieser Mißerfolge und der Herzog wurde, wenngleich ein unglücklicher General, vom kaiserlichen Hofe mit stets gleicher Auszeichnung behandelt, erhielt die Würde eines kais. Feldmarschalls und jene eines Ritters vom goldenen Vließe. Der Fürst war in jungen Jahren zur katholischen Religion übergetreten und hatte sich am 5. April 1738 mit Victoria von Savoyen, der Erbin des Prinzen Eugen, zu Schloßhof in Oesterreich vermält. Der Herzog starb im hohen Alter von 85 Jahren.

Oesterreichische militärische Zeitschrift. Herausg. von Schels (Wien, 8°.) 1833, Heft 1, Nr. 3: „Feldzug des Prinzen Wilhelm von Sachsen-Hildburghausen in Bosnien im Jahre 1732“. – Thaten und Charakterzüge berühmter österreichischer Feldherren (Wien 1808, Degen, 8°.) Bd. II, S. 90. – Der Tempel des Nachruhms, oder Sammlung kurz verfaßter Lebensgeschichten großer ausgezeichneter Militärpersonen u. s. w. (Wien 1797, J. G. Binz, 8°.) S. 155. – Reilly (F. J. J. v.), Skizzirte Biographien der berühmtesten Feldherren Oesterreichs von Maximilian I. bis auf Franz II. (Wien 1813, Kunst- u. Industrie-Comptoir, kl. 4-) S. 390. – Porträt. Kupferstich, auf einem kleinen Quartblatte gemeinschaftlich mit Franz Graf Nádasdy, Friedrich Fürst Hohenlohe und Karl Graf von Pellegrini. Langer sc. (4°).