BLKÖ:Kininger, Vincenz Georg

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 11 (1864), ab Seite: 271. (Quelle)
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Kininger, Vincenz Georg (Kupferstecher, geb. zu Regensburg 1767, gest. zu Wien im Jahre 1851). Kam, 11 Jahre alt, nach Wien und fand, 14 Jahre alt, Aufnahme in der kais. Akademie der bildenden Künste. Dort bildete er sich anfänglich unter Schmutzer’s Leitung. Als aber im Jahre 1786 die Schabekunstschule, welcher der aus England zurückgekehrte John Jacobé [Bd. X, S. 19] als Professor vorstand, errichtet wurde, trat er als Stipendist in dieselbe. Bald that sich K. durch seine Arbeiten hervor. Der damalige Director der vereinigten Akademie Maler Füger [Bd. V, S. 1] wurde auf ihn aufmerksam und stand dem jungen Künstler bald so mit Rath und That zur Seite, daß Kininger sein ganzes Leben hindurch das Andenken seines Wohlthäters, wie er Füger stets nannte, in hohen Ehren behielt; denn arm und elternlos war K. nach Wien gekommen, auf ein kleines Einkommen beschränkt, welches kaum genügte, die einfachsten Bedürfnisse zu decken, fand er an Füger den unermüdeten Freund und Wohlthäter, der ihm Arbeiten verschaffte und nicht selten die Kosten für dieselben bezahlte. Allmälig mehrten sich die Bestellungen; durch viele vornehme Personen, deren Porträte K. geschabt, wurde er in weiteren Kreisen bekannt und K.’s Lage besserte sich zusehends. Im Jahre 1790 trat er aus der Schabekunstschule und dem Stipendium und arbeitete selbstständig. Die Schönheit seiner Blätter verschaffte ihm Gönner, welche nicht unbedeutende Bestellungen bei dem strebsamen Künstler machten. Besonders mehrte sich die Beschäftigung, als 1801 in Wien das Kunst- und Industrie-Comptoir mit bedeutenden Fonds gebildet und K. mit der Ausführung mehrerer großer Blätter, wie „Virginia“, „Sokrates“, „Coriolan“, „Alceste“. „Achill“ u. s. w. betraut wurde. Als [272] aber diese Anstalt nach leider nur kurzem Bestande sich auflöste, kehrte K. zum Porträt zurück. Später wurde er zum Professor der Schabekunst in der kaiserl. Akademie und zum akademischen Rathe ernannt. In späteren Jahren versuchte sich K. in der Lithographie und vollendete auch darin zwar nur wenige aber gelungene Arbeiten. Die Zahl von Kininger’s Blättern ist sehr groß, leider war es mir nicht möglich, die ganze Folge derselben zusammenzustellen. Seine vorzüglichsten größeren Blätter – mit Ausschluß der Porträte, welche weiter unten folgen – sind: „Ein alter Mannskopf“, nach Rubens, erster Versuch; – „Der von dem Löwen angefallene Tiger“, nach Ruthard (gr. Qu. Fol.); – „Philemon und Baucis“, nach van Hock geschabt, das Blatt wurde aber nicht von K., sondern erst von Wrenk vollendet; – „Ariadne“, nach Grassi, ist unvollendet geblieben; – „Maria mit dem Kinde“, nach Abel; – „Achill bei der Leiche des Patroklus“ (Roy. Fol., kostete beim Erscheinen 18 Thlr.); – „Der Tod der Virginia“ (Qu. Imp. Fol.); – „Sokrates vor seinen Richtern“, Gegenstück zu dem Vorigen; – „Coriolan und Veturia“; die letztgenannten vier Blätter, sämmtlich nach Füger, gehören zusammen; von dem letzten gibt es vier Abdrücke: Vor dem gereinigten Unterrande; vor den Veränderungen in einigen Köpfen; mit diesen Veränderungen; und vor aller Schrift; – „Alceste“, nach Angelica Kauffmann; – „Der erste Schiffer“, nach Füger; – „Die heilige Familie“, nach Battoni; – „Der zum Trunke rauchende Bauer“, nach Rikaert; – „Die Rückkehr des Kaisers, 1814“, nach Füger’s großem allegorischen Bilde; – „Die Erwartung (l’attente)“, nach Füger; – „Die Transfiguration“, nach Raphael, ein schönes großes Blatt in Schwarzkunst (10 Thlr.); – von seinen Porträten sind zu nennen: „Kaiser Leopold“, nach Pilatti; – „Die Kaiserin“, nach Kreuzinger; – „Baron Jacquin“; – „Graf Csernitschew“; – „Die Gräfin Meerveldt“; – „Graf Fries“; – „Gräfin Hallwyl“, dieses Blatt blieb unvollendet; – „Erzherzog Ferdinand“; – „Freiherr I. von Born“, diese sieben nach Füger; – „Georg Graf Maiszech“; – „Fürst Kourakin“, beide nach Lampi; – „Graf Hohenwart“; – „Baron Natorp“, beide nach Abel; – „Freiherr von Arnstein“, nach Guerin; – „General Loudon“, nach Caspar; – „Fürst Auersperg“, nach Salomon; – „Maler Quadal“, nach Quadal’s eigenem Bildniß; – „General Buxhaevden“, nach Barbini’s Zeichnung; – „Fürst Esterházy“, nach Isabey; – „General Ferraris“, nach Daffinger; – „General Czernitschew zu Pferde“, nach einer Zeichnung von Letronne; – „Julie Gräfin Zichy“, nach Sales; – „Staatsrath Stifft“, nach Letronne; – „Maler Füger“; – „General Kamensky“, nach einem Miniaturbilde; – „General Stein“. Von Kininger’s Lithographien sind bekannt ein Heft mit vier Blättern, auf jedem ein Studienköpf; ein Heft mit sechs allegorischen Medaillons, diese wie die vorigen nach Füger; – „Die vor der Staffelei sitzende Dame mit zwei Kindern“; – „Der Lautenspielende Bauer“, nach Teniers; – eine „Landschaft mit Pferd und Esel“, nach Dujardin; – „Die säugende Tigerin“, nach Rubens; – „Der steirische Gemsjäger“, nach Loder; und von 12 Scenen zu Oberon, die er selbst gezeichnet, führte er nur die erste auf Stein aus. Von seinen Schülern sei der noch lebende Christian Mayer genannt, der seinem Meister und Lehrer Ehre macht.

Erscheint hie und da mit der Schreibart Kieninger, auch als Kieminger und Kinninger; auch wird er in einigen Werken statt [273] Georg Vincenz, wie seine Taufnamen waren, Johann Vincenz genannt. – (Hormayr’s) Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst (Wien, 4°.) XIV. Jahrgang (1823), S. 15. – Faust. Polygraphische Zeitschrift, herausg. von M. Auer (Wien, gr. 4°.) Jahrgang 1855, Nr. 21, S. 180. – Nagler (G. K. Dr.), ]]Neues allgemeines Künstler-Lexikon]] (München 1838, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. VII, S. 20. – Meyer (J.). Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Erste Ausgabe, Bd. XVII, S. 1203. – Annalen der Literatur und Kunst des In- und Auslandes (Wien, Ant. Doll, 8°.) Jahrgang 1810, Bd. IV, S. 153. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Prof. Fr. Müller, fortgesetzt von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1857, Ebner und Seubert, gr. 8°.) Bd. II, S. 481, unter Kieninger [nennt ihn irrig Johann Vincenz]. – Porträt. Unterschrift: Vincenz Georg Kininger. Gemalt von Kininger, geschabt von Chr. Mayer. Beilage zu M. Auer’s polygraphisch-illustrirter Zeitschrift „Faust“ (Wien, 4°.).