BLKÖ:Hohenwarth, Sigismund Anton Graf von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 9 (1863), ab Seite: 208. (Quelle)
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Hohenwarth, Sigismund Anton Graf von (Fürsterzbischof von Wien, geb. zu Gerlachstein in Krain 2. Mai 1730, gest. zu Wien 30. Juni 1820). Wurde im elterlichen Hause unter der Leitung seines Vaters Franz Karl (geb. 1691, gest. 1772) erzogen. 16 Jahre alt, trat er 1746 in den Orden der Gesellschaft Jesu in Laibach und ging noch im nämlichen Jahre in das Noviziat nach Wien, wo er die Bekanntschaft des als Dichter berühmt gewordenen Michael Denis [s. d. Bd. III, S. 238] machte. Bald umschlang beide das innigste Band der vertrautesten Freundschaft, die nur mit Denis’ Tode endete. Im Jahre 1749 kam Hohenwarth in das Ordenshaus der Jesuiten nach Gratz, wo er die philosophischen Studien bis 1751 betrieb. In den Jahren 1752–1753 lehrte er in den Grammatikalclassen zu Triest, und 1754 zu Laibach in den Humanitätsclassen Poesie und Beredsamkeit. Vom Jahre 1755–1758 studirte er die Theologie im Ordenshause zu Gratz, 1759 erhielt er die h. Priesterweihe und hielt im nämlichen Jahre zu Laibach seine Primiz. Im Jahre 1760 ward er als Seelsorger in eine der beschwerlichsten und gebirgigsten Gegenden des Herzogthums Steiermark gesendet. Sein Wunsch, als Missionär nach Indien zu reisen, wurde ihm von seinen Vorgesetzten nicht bewilligt, er sollte sich ganz der Wissenschaft widmen; er wählte nun Botanik zu seinem Lieblingsstudium, verlegte sich aber nebstbei auf Geschichte und Alterthumskunde. Im Jahre 1761 wurde er Präfect in der k. k. Theresianischen Akademie, wo er im freundschaftlich vertrauten Umgänge mit Liesganig, Hell [Bd. VIII, S. 262], Eckhell [Bd. III, S. 423] und Neumann für die Geschichte und Alterthumskunde eine besondere Vorliebe gewann und sich in diesem gelehrten Kreise eine vielseitige wissenschaftliche Bildung erwarb. Bald darauf erhielt er, nachdem er das vierte Ordensgelübde abgelegt hatte, die Lehrkanzel der Universalgeschichte in eben derselben Akademie. Noch vor der Auflösung des Jesuitenordens wurde er zum Regens des nordischen Stiftes zu Linz ernannt und behielt auch später die Oberleitung dieses Vereins. Zu eben dieser Zeit ernannte ihn auch Kaiserin Maria Theresia zum Lehrer der Religion und Geschichte für die vier ältesten Prinzen des Großherzogs von Toscana. H. begab sich daher im Jahre 1778 nach Florenz, um sein ehrenvolles Amt anzutreten. Wohlthätig war H.’s Aufenthalt zu Florenz für deutsche Gelehrte und Künstler. Von hier eröffnete und unterhielt er einen lebhaften Briefwechsel mit den größten Gelehrten deutscher Muse, mit Herder, Becker, Fischer, Hirzel, Schäfer u. s. w. Zu Florenz schloß Hohenwarth mit den Gelehrten Cavaliere Fontana, dem Director Fabroni, dem Antiquar Lanzi und dem Domherrn Zucchini Freundschaft. In Florenz entwickelte sich, während eines zwölfjährigen Aufenthaltes, die schönste Epoche seines Lebens. Als der Großherzog Leopold sich nach Wien begab, folgte H. ebenfalls dahin nach. Hier, wo ihm die Quellen des geheimen Hof- und Hausarchivs offen standen, war er bemüht, die Geschichte des Hauses Lothringen weiter zu fördern. Die Stunden der Muße und Erholung verlebte er in Gesellschaft seiner gelehrten Freunde Born, Denis, Jacquin, Schmidt, des Geschichtschreibers der Deutschen, Kerens und Hofstädter. Im Jahre 1792 erfolgte seine Ernennung als Bischof zu Triest. Mit gewohnter Gewissenhaftigkeit, Umsicht und Strenge [209] erfüllte H. die wichtigen Pflichten seines Standes, bereiste oft seine Diöcese und predigte selbst in der Kathedralkirche. Im Jahre 1794 wurde er zum Bischof in St. Pölten und im Jahre 1804 zum Erzbischof in Wien ernannt. Im Jahre 1806 ertheilte ihm Se. Majestät den Vorsitz bei der k. k. Hofcommission in deutschen Schulsachen und ernannte ihn 1808 zum Ordensprälaten und Großkreuz des kais. Leopold-Ordens. Hohenwarth, wiewohl er erst im 74. Jahre seines Lebens den Erzbisthumstuhl bestieg, saß auf demselben nahezu 17 Jahre, während welcher Zeit er mehrere hohe kirchliche Functionen verrichtete. Er segnete die Ehen des Kaisers Franz I. und der Kaiserin, der Erzherzogin Maria Ludovica, Leopoldine und Clementine ein, taufte und firmte mehrere Erzherzoge und Erzherzoginen und hatte zuletzt die Freude, dem Erzherzoge Rudolph die Priesterweihe, die Weihe zum Bischof zu ertheilen und das erzbischöfliche Pallium zu überreichen. H. richtete als Erzbischof sein erstes Augenmerk auf das erzbischöfliche Alumnat, die Pflanzschule künftiger Seelsorger und Volkslehrer, und traf zum Gedeihen dieses Institutes viele treffliche Anstalten und Umänderungen der früher bestandenen Einrichtungen. Durch zehn Jahre bereiste er jeden Sommer seine ausgedehnte Diöcese, um sich überall selbst von der Amtsverrichtung seiner Untergebenen zu überzeugen und die zum Gedeihen des Bessern nöthigen Vorkehrungen zu treffen. Ueberall hielt er Predigten und selbst die Christenlehre. Bei seinen Visitationen ging er in die ärmsten Hütten der Landbewohner und überall machte sein heiliger Eifer für die gute Sache einen Eindruck. Alle Geschäfte, auch die kleinsten, leitete er selbst mit rastloser Thätigkeit. Als Erzbischof von Wien hat er 430 Priestern die Weihe und 14 Bischöfen die Consecration ertheilt. Er starb im 91. Jahre seines Alters. Sein Leichnam wurde in der Metropolitankirche bei St. Stephan feierlich beigesetzt. Seine Biographen bezeichnen als Hauptzüge seines persönlichen Charakters wahre, ungeheuchelte Frömmigkeit, inniges, theilnehmendes Gefühl für Recht, unverbrüchliche Treue und Anhänglichkeit an den Landesfürsten, warme Liebe für Wissenschaft und Kunst, Achtung für Gelehrte, Liebe zur Natur, für ihre Vorzüge und Schönheiten, Milde und Wohlthätigkeit, Würde, Einfachheit in seinen häuslichen Einrichtungen und Genügsamkeit. Anläßlich seines Todes dichtete Zacharias Werner ein Klagegedicht, betitelt: „Werner’s Klage um seinen hochseligen Oberhirten und Wohlthäter“, welches zuerst in der von Passy herausgegebenen Zeitschrift „Oelzweige“ (1820, Nr. 55, vom 12. Juli) abgedruckt erschien, in neuerer Zeit aber in Sebastian Brunner’s Buch: „Clemens Maria Hoffbauer und seine Zeit“ im Anhange (S. 281) wieder abgedruckt wurde.

Erneuerte vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, 4°.) Jahrg. 1815. S. 530 [König Ludwig XVIII, verleiht dem Erzbischof eine goldene Medaille anläßlich des von dem Erzbischofe am 21. Jänner 1815 für Ludwig XVI. abgehaltenen Todtenamtes]; – Jahrg 1820, Intelligenzblatt Nr. 74–76: „Nekrolog“. – Oesterreichs Ehrentempel, herausgegeben von Ritter von Boor, Blasius Höfel (Wien, 4°.). – Oesterreich. National-Encyklopädie herausgeg. von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 626. – Ehrentempel der katholischen Geistlichen (Wien 1845, Joh. Dirnböck, 8°.) S. 178. – Ebersberg (J. S.), Oesterreichischer Zuschauer (Wien, 8°.) 1838, Bd. II, S. 536. – Stoeger (Joh. Nep.), Scriptores Provinciae Austriacae Societatis Jesu (Viennae 1856, Mechitar. Cong., Lex. 8°.) p. 146.Brunner (Sebastian), Clemens Maria Hofbauer [210] und seine Zeit (Wien 1858, Braumüller, 8°.) S. 5 und 150. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, II. Sect. 9. Theil, S. 412 [im genealogischen Artikel „Hohenwart“, nach diesem gest. 1. Juli 1820]. – Oesterreichs Pantheon. Gallerie alles Guten und Nützlichen im Vaterlande (Wien 1831, M. Chr. Adolph, 8°.) Bd. II, S. 24. – Der Gesellschafter, herausgegeben von Gubitz (Berlin, 4°.) Jahrg. 1837, S. 419. – „Kaiser Franz und sein Religionslehrer“ [wird die Geschichte seiner Berufung auf den erzbischöflichen Stuhl Wiens erzählt. Als nach Migazzi’s Tode Hohenwarth, damals Bischof von St. Pölten, nach Wien kam und dem Kaiser seine Aufwartung machte, wies ihm dieser ein an der Wand hängendes Bildniß, welches den St. Pöltner Bischof als Domherrn und als er noch des Kaisers Lehrer gewesen, vorstellte. Der Kaiser, auf das Gemälde deutend, fragte H.: „Was glauben Sie wohl, wer das ist?“ Bescheiden lächelnd entgegnete H.: „Wenn ich nicht irre, ist es der Bischof von St. Pölten“, der Kaiser, des Grafen Hand drückend, erwiederte: „Sie haben sich doch geirrt, es ist der Erzbischof von Wien“, damit war seine Erhebung angekündigt]. – Realis, Curiositäten- und Memorabilien-Lexikon von Wien (Wien 1846, Lex. 8°.) Bd. II, S. 49. – Hormayr’s Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst (Wien, 4°.) Jahrg. 1819, Nr. 84: „Der Hohenwarte Ehrentag“ [Gedicht von Prof. Richter auf den 4. October 1794, an welchem drei Hohenwarthe zugleich, darunter der obige Erzbischof, in der Laibacher Kathedrale die Messe lasen]. – Biographie des hommes vivants … (Paris 1817, L. G. Michaud, 8°.) Tom. III, S. 414 [nennt ihn Hohenswarthe]. – Porträt. Unterschrift: Sigismundus Comes à Hohenwart, Episcopus Tergestinus Regiae quondam Sobolis Institutor (J. Abel pinx., V. Kininger sculps., Viennae., Fol.).