BLKÖ:Cobenzl, Johann Philipp Graf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 2 (1857), ab Seite: 391. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Philipp von Cobenzl in der Wikipedia
GND-Eintrag: 118669605, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Cobenzl, Johann Philipp Graf|2|391|}}

Cobenzl, Johann Philipp Graf (Staatsmann und Ritter des goldenen Vließes, geb. zu Laibach 28. Mai 1741, gest. zu Wien 30. Aug. 1810). Vetter[WS 1] des Vorigen. Nach einer sorgfältigen häuslichen Erziehung kam er 1755 in die savoische Akademie in Wien, 1759 nach Salzburg, wo er seine Studien vollendete. Unter der Leitung seines Oheims Joh. Karl Philipp Cobenzl, damals k. Minister in den Niederlanden, trat er in den Staatsdienst und zwar zuerst bei der niederländischen Chambre des comptes [392] und dann im Conseil des Finances zu Brüssel. Schon 1767 wurde er von der Kaiserin Maria Theresia zum Staatsrath mit der Auszeichnung ernannt, in Abwesenheit des Tresorier-General im Conseil des Finances den Vorsitz zu haben. Kurz darnach begab er sich nach Wien und wurde beauftragt, einen Plan zur besseren Administration der Mauthen zu entwerfen. Das damals neu errichtete Mauthdepartement war sein Werk und ihm untergeordnet. Im J. 1772 wurde er zum wirkl. geh. und ersten Rath bei der k. k. Hofkammer, der Ministerial-Banko-Deputation und des Commerzienraths ernannt. Im Jahr 1777 begleitete er den Kaiser Joseph II. auf seiner Reise nach Frankreich. Eine plötzliche Erkrankung seines Vetters, des Grafen Joh. Ludwig Joseph war Ursache, daß er an dessen Stelle als Bevollmächtigter zu dem Friedens-Congreß nach Teschen geschickt wurde. Der Graf bewährte sein diplomatisches Talent in solcher Weise, daß er nach seiner Zurückkunft aus Teschen zum Vice- Hof- und Staatskanzler ernannt, 1783 mit dem Großkreuz des königlichen Ungar. St. Stephanordens und 1792 mit dem Orden des goldenen Vließes ausgezeichnet wurde. Beim Ausbruche der Unruhen in Brabant 1789 wurde er dahin geschickt um Unterhandlungen zu eröffnen; doch blieb diese Sendung erfolglos; er begab sich nun nach Luxemburg, wo er im kaiserl. Auftrage alles wieder auf dem Fuß, auf dem es während Maria Theresiens Regierung gestanden hatte, herstellte. Im Oct. 1795 unterzeichnete er den Tractat mit England und Rußland, und 1797 war er einer von den kaiserl. Bevollmächtigten, die nach Wien gesandt wurden, Unterhandlungen mit Bonaparte zu pflegen. Auch auf den Rastadter Friedenscongreß war er als Bevollmächtigter beordert worden. Da nach dem Lüneviller Frieden dem Minister Talleyrand ein gewandter Diplomat entgegengestellt werden mußte, so schickte das Wiener Kabinet den Grafen von Cobenzl nach Frankreich, wo der Graf sich von Seite Napoleons eben keiner Zeichen des Wohlwollens zu erfreuen hatte. Nach dem neuen Ausbruche der Feindseligkeiten 1805 verließ er Paris und kehrte nach Wien zurück, wo er im Alter von 70 Jahren starb. Er war unvermält und der letzte Sprosse seiner Familie. Sein ansehnliches Vermögen, die Güter in Oesterreich und Illyrien hinterließ er durch Testament dem Grafen Coronini, einem Abkömmling der Gräfin Cassandra, welche eine Tochter des Graf. Joh. Kaspar Cobenzl II. (geb. 1664, gest. zu Wien 30. April 1742) mit dem Grafen Jh. Karl Coronini vermält war.

(Beckers) National-Zeitung 1810, St. 51, S. 1033. – Geh. Geschichte des Hofes von St. Cloud I. Thl. S. 87. – Allgemeine Zeitung 1810, Nr. 252. – Baur (Samuel), Allgem. histor.-biograph.-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die im 1. Jahrzehend des 19. Jahrhund. gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, 2 Bde.) I. Bd. S. 255. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoffer (Paris 1853) X. Bd. Sp. 938 [nach diesem geb. zu Laibach 1741, gest. zu Wien 30. Aug. 1810]. – Wigands Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Leipzig 1847 u. f., gr. 8°.), III. Bd. S. 457. – (Brockhaus) Conversations-Lexikon (10. Aufl.) IV. Bd. S. 262. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer und Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 563.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Neffe.