BLKÖ:Korn, Maximilian

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Korn, Friedrich
Nächster>>>
Korn, Philipp
Band: 12 (1864), ab Seite: 458. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 116340460, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Korn, Maximilian|12|458|}}

Korn, Maximilian (dramatischer Künstler, geb. zu Wien 12. October 1782, gestorben ebenda 23. Jänner 1854). Der Sohn nicht unbemittelter Bürgersleute, der nach beendeten Gymnasial- und philosophischen Schulen die Wiener Universität bezog, um die Rechte zu studiren und sich für den Eintritt in den Staatsdienst vorzubereiten. Der Besuch des Theaters, den er als Student jedem andern Vergnügen vorzog, machte in ihm das Verlangen rege, sich selbst in der dramatischen Kunst zu versuchen, wozu sich ihm bei der großen Anzahl von Privattheatern, welche zu jener Zeit in Wien bestanden, bald Gelegenheit darbot. Seit 1799 widmete K. seine Mußestunden diesem Vergnügen. Er erntete [459] bald Beifall und der Gedanke, auf dieser Bahn sein weiteres Glück zu versuchen, wurde in ihm so lebendig, daß er sich darüber gegen seinen Vater aussprach. Dieser stellte ihm die Schwierigkeiten auf der so verlockend scheinenden Laufbahn vor und rieth ihm, sich vorher doch durch Kenner dieses Faches die Ueberzeugung zu verschaffen, ob er denn auch das dazu erforderliche Talent besitze. Da fügte es sich, daß gerade um diese Zeit Iffland im Hofburg-Theater ein Gastspiel eröffnete. Dieser Meister der dramatischen Kunst sollte mit K. eine Talentprüfung abhalten und dieser wollte von dessen Ausspruch die Wahl seines künftigen Berufes abhängig machen. Dieß geschah und Iffland’s Urtheil lautete so befriedigend, daß K.’s Entschluß, sich der Bühne zuzuwenden, nun fest stand. Noch gelang es K. durch Bemühungen seiner Gönner, daß der damalige Hoftheater-Director Peter Freiherr von Braun [Bd. II, S. 123] das Privattheater, auf welchem K. zu spielen pflegte, bloß deßhalb besuchte, um K. spielen zu sehen. Braun war durch K.’s Leistung so befriedigt, daß er ihn für den nächsten Tag (den 5. März 1802) zu sich beschied, um ihm zu eröffnen, er gestatte ihm, in drei Debutrollen im Burgtheater aufzutreten, von deren Erfolge sein Engagement abhänge. Am 21. März, am 23. April und am 15. Mai 1802 trat K. als Cinthio in dem nach Zschokke’s „Zauberin Sidonia“ von Kotzebue bearbeiteten Schauspiele „Das rächende Gewissen“, als Pastor Ehrmann in Kotzebue’s „Kind der Liebe“ und als Fedor Ossakow in Babo’s „Strelitzen“ mit solchem Beifall auf, daß seine Anstellung am k. k. Hofburg-Theater erfolgte. So sah sich K., im Alter von 20 Jahren am Ziele seiner Wünsche. In der ersten Zeit wurde K. in kleinen Rollen verwendet, aber schon im zweiten Jahre nahm sein Repertoire bedeutend zu und es ergab sich bei einem Rückblicke seiner Künstlerlaufbahn, daß dasselbe die erstaunliche Höhe von fünfthalbhundert Rollen erreicht habe. Schauspieler Lange, vornehmlich aber Brockmann, übten wesentlichen Einfluß auf des jungen Künstlers fernere Ausbildung. Letzterer räumte ihm selbst bei sich eine Wohnung ein und beschäftigte sich auf das Angelegentlichste mit seiner Belehrung. So blieb K. nahezu durch 50 Jahre an diesem seiner Zeit und in Deutschland noch heut’ unübertroffenen Kunstinstitute künstlerisch thätig. Am 21. Mai 1842 feierte er das 40. Jahr seiner künstlerischen Laufbahn und wurde aus diesem Anlasse mit der goldenen Verdienstmedaille [s. d. Quellen] ausgezeichnet. Noch wirkte er darnach acht Jahre auf der Bühne mit, bis er am 11. Jänner 1850 in der Rolle des Giulio Romano in Oehlenschläger’s Tragödie „Correggio“ von derselben Abschied nahm, und bei diesem Anlasse mit einem kostbaren Chiffrering von Sr. Majestät dem Kaiser ausgezeichnet wurde. Nur drei Jahre genoß K. die Ruhe, bis er, 71 Jahre alt, einem längeren schmerzvollen Leiden erlag. Weidmann’s Biographie gibt nach Aufzeichnungen des Grafen Moriz Dietrichstein das vollständige Repertoire der Rollen Korn’s; hier sei nur jener gedacht, in denen er das Höchste geleistet und die daher auch in den Blättern des silbernen Kranzes eingravirt waren, den ihm seine Collegen anläßlich der Feier des vierzigsten Jahres seiner künstlerischen Laufbahn verehrt haben. Es sind folgende: Cinthio, welcher Rolle schon oben gedacht wurde, Balboa in Collin’s gleichnamiger Tragödie. Don Cäsar in Moreto-Schreyvogel’s „Donna Diana“, [460] Tasso im gleichnamigen Studie Göthe’s, Wiburg in Schröder’s Lustspiele „Stille Wasser sind tief“, Carlos in Schiller’sDon Carlos“, Posa in demselben Stücke, Klingsberg in Schröder’s Lustspiele „Der Ring“, Mortimer in der „Maria Stuart“, Lord Elmwood in Raupach’s „Vormund und Mündel“, Dorrisford in Raupach’s „Vater und Tochter“, Giulio Romano in Oehlenschläger’s „Correggio“, Hippolyt in Racine-Schiller’s „Phädra“, Romeo in Shakespeare’s „Romeo und Julie“, Max Piccolomini in Schiller’s „Wallenstein“, Hamlet in Shakespeare’s „Hamlet“, Linder in Beck’s Lustspiele „Die Quälgeister“, Figaro in Jünger’s Lustspiele „Die beiden Figaro“, Klinker in Kotzebue’s Lustspiele „Das Epigramm“ und Bolingbrock in Scribe’s „Glas Wasser“. Aber auch der Maler Conti in Lessing’s „Emilie Galotti“, Tancred in Voltaire-Göthe’s „Tancred“, Clavigo, Fiesko, Maeon in Collin’s gleichnamigem Stücke, Secretär Dallner in Iffland’s „Dienstpflicht“, Wilhelm in Göthe’s „Geschwister“, Hugo in Müllner’s „Schuld“, Phaon in Grillparzer’s „Sappho“, der Tempelritter in Lessing’s „Nathan“, Fürst Jury Chawansky in Raupach’s „Fürsten Chawansky“, Edgar in „König Lear“, Zawisch in Grillparzer’s „König Ottocar’s Gluck und Ende“, Isidor in Raupach’s „Isidor und Olga“, Major Tellheim in Lessing’s „Minna von Barnhelm“, Enzio in Raupach’s „König Enzio“, Baron Zinnburg in Bauernfeld’s „Bekenntnissen“ würden treffende Inschriften für die Blätter eines zweiten Kranzes gebildet haben. Um übrigens die Ausdauer und die Thätigkeit dieses seltenen Künstlers vollends zu würdigen, sei bemerkt, daß er innerhalb seiner 48jährigen Bühnenthätigkeit im Ganzen 5786 Mal aufgetreten sei, was im Durchschnitte 164 Mal für Ein Jahr ergibt. Korn als Künstler verband mit einer schönen äußeren Erscheinung Anstand in der Bewegung, tiefes inniges Gefühl, Feuer und Geist der Analyse. Diesen Vorzügen des Künstlers gaben aber jene des Menschen nichts nach; Dichter Collin, der seine herrliche Epistel „Ueber die Schauspielkunst“ an Korn gerichtet, zählte zu seinen innigsten Freunden und, wie er unter seinen Collegen großer Beliebtheit sich erfreute, so besaß er in den höchsten Kreisen der Gesellschaft Gönner und Freunde. Fremd der heut’ zu Tage herrschenden Sitte, seine Kräfte möglichst zu verwerthen, ohne Rücksicht auf das Institut, das dem von Ueberanstrengung frühzeitig unfähig werdenden Künstler vor der Zeit eine hohe Pension bezahlen muß, trat K. während einer 48jährigen Bühnenthätigkeit nur zweimal und zwar im Jahre 1822 in München und 1825 in Leipzig, Berlin, Hamburg als Gast auf. Hingegen spielte er durch 14 Jahre in Preßburg zu wohlthätigen Zwecken, als für das Armen-Institut, für das Spital und immer unentgeltlich, weßhalb ihn der Preßburger Magistrat durch Verleihung des Ehrenbürgerrechtes dieser k. Freistadt und mit der anläßlich der Restauration des Armenhauses geprägten Medaille in Gold auszeichnete. Im Jahre 1820 unternahm K., um Künstler zu sehen und Studien zu machen, eine große Reise durch Deutschland, die Niederlande und Frankreich, wo er in Paris Talma spielen sah. Seit 1812 war er, als Brockmann’s Nachfolger, Regisseur der k. k. Hofbühne. Seit 1806 [461] war K. mit Wilhelmine Stephanie [s. d. S. 463] vermält; jedoch der einzige Sohn dieser Ehe blieb der Künstlerlaufbahn seiner Eltern fremd. Wem von den Zeitgenossen der schöne Kunstgenuß, den noch jugendlichen Korn zu sehen, nicht zu Theil wurde, der sehe den ewig jugendlichen Fichtner an, dieser ist der talentvollste Schüler Korn’s.

Maximilian Korn. Sein Leben und künstlerisches Wirken. Ein Beitrag zur Geschichte des k. k. Hofburg-Theaters. Nach eigenen Erinnerungen und mit Benützung der zuverlässigsten Quellen zusammengestellt von Dr. Franz Karl Weidmann (Wien 1857, Staatsdruckerei, schm. 4°.). [Vornehmlich auf Veranlassung und auf Grund der reichen Materialien des Grafen Moriz Dietrichstein gearbeitet und herausgegeben. Enthält die Biographie, mehrere Gedichte auf Korn und das ganze 451 Rollen umfassende Repertoire des Künstlers.] – Monatschrift für Theater und Musik. Herausgegeben von Joseph Klemm (Wien, 4°.) III. Jahrgang (1857), S. 538. – Hormayr’s Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) Jahrgang 1823, Nr. 156 u. 157: „Gallerie scenischer Künstler“. – Allgemeine Theater-Zeitung, herausg. von Adolph Bäuerle (Wien, 4°.) XLIII. Jahrgang (1850), Nr. 4: „Max. Korn’s theatral. Laufbahn“; Nr. 16: „Nachfeier zu K.’s letztem Auftreten“; – dieselbe, XLVIII. Jahrg. (1854), Nr. 20–23: „Nekrolog“; – dieselbe, Nr. 91: „Maximilian Korn’s Grabdenkmal“. – Pesther Sonntagsblatt (4°.) 1854, Nr. 7, S. 108. – Ost-Deutsche Post (Wiener polit. Blatt, Fol.) Nr. vom 13. Jänner 1850 [Feuilleton von Dr. L. A. Frankl]. – Wiener Zeitung 1857, Abendblatt Nr. 243 [im Feuilleton]. – Oesterreichischer Zuschauer. Von J. S. Ebersberg (Wien, 8°.) Jahrgang 1837, S. 1236. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 259 [nach dieser geboren 22. October 1783]. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliographisches Institut, gr. 8°.) Bd. XVIII, S. 1171, und Supplement-Band IV, S. 324 [dieses Lexikon, wie auch andere Schriften geben das Jahr 1782 als Korn’s Geburtsjahr an]. – Porträte. 1) Ohne Unterschrift. Lanzedelli f. (Wien, 4°.); – 2) lithogr. von Kriehuber (Wien, Spina, Fol.): – 3) nach K. Mahnke gest. von D. Weiß[WS 1] (Wien, Wallishausser, 8°.) [schönes Blatt]; – 4) Costumbild in der Rolle des Heinrich v. Hohenstaufen im gleichnamigen Trauerspiele. Außer diesen in die Oeffentlichkeit gelangten Bildnissen ist noch zweier zu gedenken, und zwar eines von Strzegocky in Oel gemalten, welches sich im Besitze seiner Familie befindet, und eines zweiten lebensgroßen, von Schiman gemalten, welches ihn in der Rolle des Hugo Oerindur in Müllner’s „Schuld“ darstellt und in der Hofschauspieler-Porträt-Gallerie in einem der zwei Vorgemächer der k. k Hofloge aufgestellt ist. – Auf Korn geprägte Denkmünze. Diese wurde zur Feier seines vierzigjährigen Dienstjubiläums über Auftrag seiner Kunstcollegen von dem Medailleur Schön geprägt. Sie zeigt auf dem Avers das Bildniß des Künstlers mit der Umschrift: Max Korn, geboren den 12. October 1782 in Wien. Auf dem Revers sind die Embleme der Kunst gruppirt dargestellt mit der Ueberschrift: „Betrat die k. k. Hofbühne den 21. März 1802“. Unter den Emblemen erblickt man die Jahreszahl 1842. – Ueberdieß existirt noch eine zweite Korn-Medaille: denn die Civil-Verdienstmedaille, welche K. anläßlich seiner 40jährigen Künstlerlaufbahn von Sr. Majestät verliehen ward, zeigt auf dem Avers das Brustbild des Kaisers mit der Unterschrift: Ferdinandus I. D. G. Austriae Imperator, auf dem Revers aber die Inschrift: „Meritis Maximilian Korn“. – Gedichte auf Korn. Von den zahllosen, von unbekannten und anonymen Dichtern an Korn gerichteten poetischen Ergüssen muß hier Umgang genommen werden, denn es haben gute Namen den Künstler mit ihren sinnigen Spenden verherrlicht; es seien hier nur genannt: Heinrich von Collin, der seine Epistel über die Schauspielkunst an Max Korn gerichtet, Otto Prechtler, J. J. Hannusch, die dramatische Schriftstellerin Franul von Weissenthurn, Braun von Braunthal und nach seinem Tode Johann Gabriel Seidl, aus dessen Nachrufe zwei Zeilen auf Korn’s Grabdenkmale eingegraben wurden. – Korn’s Grabdenkmal. Korn ruht auf dem St. Marxer-Friedhofe; ein einfacher Denkstein, den ihm sein Sohn setzen ließ, bezeichnet die Ruhestätte des Künstlers. [462] Das Denkmal, von Margarethner Sandstein geformt, ist aus der Wasserburger’schen Werkstätte hervorgegangen. Am oberen Theile des Denkmals erblickt man die Embleme des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe (das Kreuz, den Anker und das flammende Herz) von einem Lorberzweig umschlungen. An der Hauptfläche des Monuments zeigt sich der Name des Verewigten und die Bezeichnung seines Standes, seines Geburts- und Todestages mit der Jahreszahl, und tiefer unten die beiden Verse des „Nachrufes an Maximilian Korn“ von J. G. Seidl:

Es wird in frischem Angedenken leben
Was er gewirkt in seinem Künstlerlauf! –

Zur künstlerischen Charakteristik Korn’s. Mit Korn ging der „letzte Ritter“ des freien deutschen Lustspiels zu Grabe. Korn wußte sich im Saloncostume wie in Uniform, als bürgerlicher Dandy wie als Cavalier mit gleicher Ungezwungenheit und Natürlichkeit zu bewegen. Welch ein stürmischer Beifall war es, in welchen die im Burgtheater anwesenden Huszaren-Officiere ausbrachen, als Korn in der „Unvermälten“ im Dolmány schwertklingend auf der Bühne erschien! Ein Glanzmoment seines savoir faire war sein Entrée in den gräflichen Salon in dem Stücke „Menschenhaß und Reue“. Hier kam in der That der Cavalier zu dem Cavalier. Der große Mime Eßlair nahm sich in dieser stummen Scene, mit Korn verglichen, wie ein Thürsteher aus. Daß Korn das sweet-heart, der Liebling der Damenwelt werden mußte, läßt sich bei dieser Begabung wohl leicht denken. Eine hochgestellte Dame meinte einmal, sie müsse fortan auf alle liaisons verzichten, denn nach einer Liebeserklärung Korn’s auf der Bühne könne man keine andere mehr im Leben anhören. Korn war eben keine Schönheit; doch lag in seinem blauen Auge eine bezaubernde, in Wahrheit magnetische Kraft. So wettete er einmal mit der Schauspielerin W., sie könne seinen Blick nicht fünf Minuten lang aushalten. Die Wette ward angenommen und richtig brach die schöne Gegnerin schon nach zwei Minuten in ein krampfhaftes Schluchzen aus und bat ihr Gegenüber flehentlich, um des Himmelswillen seinen starren Blick abwenden zu wollen.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Dr. Weiß.