BLKÖ:Cicognara, Leopold Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Cicuto, Antonio
Band: 2 (1857), ab Seite: 369. (Quelle)
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Cicognara, Leopold Graf (Kunstforscher, geb. zu Ferrara 17. Nov. 1767, gest. zu Venedig 5. März 1834). C. erhielt eine sehr sorgfältige Erziehung und zeigte früh Liebe für die schönen Künste. Dabei lag er fleißig den Studien der politischen und literarischen Geschichte seines Vaterlandes ob. Als Napoleon die cisalpinische Republik gegründet, erhielt C. eine der ersten Verwaltungsstellen, auch verlieh ihm Napoleon, der ihn sehr lieb gewonnen – nachdem C. in verschiedenen Functionen seinen Tact und seine Umsicht bewährt hatte – die Präsidentenstelle bei der Akademie der schönen Künste in Venedig, in welcher er später 1814 von Kaiser Franz bestätigt wurde. 1818 stand er an der Spitze der Deputation, welche der Kaiserin Karoline Auguste die ihr von Venedig überschickten Kunstwerke nach Wien überbrachte, welchen Geschenken Graf C. zugleich 100 Exemplare des von ihm veranstalteten Prachtwerkes: „Omaggio dette Provincie Venete alla Maestà di Carolina Augusta“, in welchem die überreichten Geschenke auf 18 von venetianischen Meistern prächtig gestochenen Kupfertafeln dargestellt waren, beifügte. Von diesem Werke, welches nie in den Buchhandel gekommen, wurden nur 600 Ex. aufgelegt. Von Wien aus machte er eine Reise durch das nördliche Deutschland und hielt sich dann einige Jahre in Paris auf. 1822 ging er nach Venedig zurück und begab sich nach kurzem Aufenthalt daselbst nach Rom, wo [370] er dann nur sich und seinen Studien lebte. Er besaß eine der gewähltesten und reichhaltigsten Bibliotheken, wie dies der in 2 Bdn. zu Pisa 1821 erschienene „Catalogo ragionato dei libri d’arte et d’antichità posseduti dal Conte Cicognara“ beweist. Als sein Vermögen nicht ausreichte, die großen Kosten der Ausgabe seiner Werke zu bestreiten, war C. genöthigt, seine Bibliothek zu verkaufen. Der h. Vater brachte sie 1824 käuflich an sich und vereinigte sie mit der Bibliothek des Vaticans. Der obige Catalog aber ist hochgeschätzt der zahlreichen, mit Fachkenntniß und Kritik verfaßten, bibliographischen Noten wegen, u. dies um so mehr, da er Nachrichten gibt über eine Menge außerhalb Italiens gar nicht bekannter kunsthistorischer Dissertationen, die zum großen Theile im Lande selbst schon zu den Seltenheiten gehören. (Brunet I. Bd. Artikel Cicognara). Die übrigen Schriften C.’s sind: „Del bello“ (Pisa 1808); – „Memorie storiche dei letterati ed artisti Ferraresi“ (Ferrara 1811); dieses Werk gab er in Gemeinschaft mit dem Abbé Hieronymus Baruffaldi heraus, dessen Manuscript sich in der Marciana zu Venedig befindet; – „Lettera sulla statua rappresentante Polimnia di Canova“ (Venedig 1817); – „Storia della scultura dal suo risorgimento in Italia ...“ 3 Bde. (Venedig 1813–1818, Fol., mit K. K.; 2 Aufl., 7 Bde. 1824 in 8°. Atlas in Fol., mit der Umänderung auf dem Titel „Sino al secolo di Canova“). Dieses Werk ist Napoleon gewidmet und in der Vorrede sagt C.: „I posteri potranno chiamare a buon diritto l’età nostra aureo secolo di Napoleone“, und nicht mit Unrecht, denn Napoleon wenngleich vorherrschend Feldherr u. Held in Schlachten, vergaß nie der Kunst, die unter ihm und von ihm gepflegt Triumphe feierte, wie keine Zeit vor und nach ihm. – „Le fabbriche più cospicue di Venezia misurate, illustrate ed intagliate da membri della Veneta R. Academia di belle arti“, 2 Bde. (Ebenda 1820, tip. Alvisopoli fol. mit K. K.); – „Memorie spettanti alla storia della calcografia“ (Prato 1831, 8°., Atlas dazu in Folio). – Seine kleineren Schriften sind gar nicht in den Buchhandel gekommen und daher äußerst selten. Cicognara war ein aufgeklärter Mann, der ganz für die Kunst lebte. Er hatte sich zweimal vermält, das erste Mal mit Massimiliana Cislago, das 2. Mal mit der schönen Witwe Foscarini. Sein Haus war der Sammelplatz der sowohl durch Geist als Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft hervorragenden Menschen. Am richtigsten charakterisirte ihn ein Franzose: „Cicognara possédait plus de science que n’en ont ordinairement les hommes d’esprit, plus de talent pour écrire que la plupart des antiquaires, plus de sagacité en matière d’art que les uns et les autres.“Francesco (geb. 16. Dec. 1790). Einziger Sohn des Vorigen aus der ersten Ehe. Verfertigte treffliche Federzeichnungen, unter denen besonders eine Darstellung aus der Fabel der Psyche gerühmt wird, die er nach einem zu Florenz aufgefundenen und Raphael zugeschriebenen Gemälde vollendete.

Becchi (Fruttuoso), Elogio del Conte L. Cicognara (Firenze 1837, 8°.). – Diedo (Antonio), Discorso funebre in memoria del Conte L. Cicognara (Venedig 1834, 8°.) [daselbst sein Porträt]. – Petruzzi (Gius. et Agostino), In morte del conte L. Cicognara, prose (Ferrara 1834, 8°.). – [Zanetti, Alessandro] Cenni puramente biografici di L. Cicognara (Venedig 1834, 8°.) [daselbst sein Porträt]. – Morgenblatt (Stuttgart, J. G. Cotta, 4°.) 1837, S. 1152: „Venedig, November“ [enthält ausführlichere Nachrichten über C.’s 1831 zum Verkauf ausgebotene Kupferstich- und Niellosammlung und interessante Details, welche C. auf mannigfaltige Weise charakterisiren]. – Omnibus (ein Venetianisches Unterhaltungsblatt) 1853, S. 116: [371] „Biografia“ di Paolo Zanini. – Biographie des hommes vivants (Paris 1816, L. G. Michaud, 8°.) II. Bd. S. 183. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für gebildete Stände (Hildburghausen 1845, Bibl. Inst., Lex. 8°.) VII. Bd. 2. Abth. S. 669 [gibt den 26. November 1767 als C.’s Geburtsdatum an]. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoffer (Paris 1853) X. Bd. Sp. 566 [auch nach diesem ist C. den 26. Nov. 1767 geboren]. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann), (Wien 1835, 6 Bde.) I. Bd. S. 544 [nach diesem ist C. erst 1780 geb.] u. VI. Bd. Suppl. S. 403. – (Brockhaus) Conversations-Lexikon (10. Auflage) IV. Bd. S. 195 [stimmt im Geburtsdatum mit der Nouvelle biogr. und mit Meyers Lexikon überein]. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgem. Künstler-Lexikon (München 1835 u. f., 8°.) II. Bd. S. 536. – Zanotto (Francesco), Nuovissima guida di Venezia (Venedig 1856, Brizeghel, kl. 8°.) S. 3, 13, 74, 229, 230, 286, 300, 338, 400, 437, 457, 464, 471, 480, 483, 495, 501, 555 [bemerkenswerth, weil darin manche von Cicognara in seiner „Storia della scoltura“ ausgesprochenen Ansichten berichtigt oder bestritten werden]. – Als Grund von C.’s Uebersiedlung nach Rom wird angegeben, daß er in Folge einer Verwechslung als vermeintliches Mitglied des Carbonaribundes in eine Untersuchung kam, über die er einen sehr freimüthigen Brief bekannt machte. Dies bereitete ihm bei seiner Rückkehr von Reisen einen kühlen Empfang in Venedig. Beleidigt darüber, siedelte er nach Rom über, wo er als Director der vaticanischen Sammlungen angestellt wurde. – In der I. R. Accademia di belle arti zu Venedig befindet sich im Corridor, welcher zur Pinakothek führt, sein Medaillon. – Eine der letzten Arbeiten Canova’s war Cicognara’s Kolossalbüste in Marmor, welche sich im Besitze der Familie Cicognara befindet.