BLKÖ:Waldstein, Albrecht Wenzel Euseb

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Waldstein, Beneš
Band: 52 (1885), ab Seite: 210. (Quelle)
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5. Albrecht Wenzel Euseb (Herzog zu Friedland, geb. auf dem Schlosse Náchod am 14. September 1583, meuchlerisch ermordet in Eger am 25. Februar 1634). Der dritte Sohn Wilhelms von Waldstein aus dessen Ehe mit Margarethe geborenen von Smirzic. Das Leben dieses durch die Ränke der am kaiserlichen Hofe in Wien damals herrschenden Jesuitenpartei gemordeten Feldherrn wurde so oft, so ausführlich und [211] nach so wechselnden Gesichtspunkten beschrieben, und ist der Quellenapparat über diesen ob schuldigen oder nicht schuldigen, immer doch großen Feldherrn und merkwürdigen Menschen ein so bedeutender, auch ist die wichtigste Frage eben über seine Schuld noch heute eine offene, so daß wir uns hier nur auf eine chronologische Aufzählung seiner Lebensdaten beschränken können. Von Jugend auf bekundete Albrecht großen Scharfsinn und eine unbeugsame Charakterstärke, und weil er in äußeren Dingen großen Hang zu Sonderbarkeiten zeigte, wurde er in jungen Jahren nur der „tolle von Waldstein“ genannt. Nach dem 1595 erfolgten Hinscheiden seines Vaters Wilhelm – die Mutter war ihrem Gatten um zwei Jahre im Tode vorangegangen – kam der zwölfjährige Knabe unter die Obhut seines Oheims Albrecht Slawata auf Schloß Koschumberg; dann auf die Fürstenschule zu Goldberg und von dort in das adelige Convict der Jesuiten in Olmütz. 1509 und 1600 studirte er auf der Hochschule zu Altdorf, wo er sich wieder durch sein wildes Verhalten bemerkbar machte Hierauf kam er als Page an den Hof des Markgrafen von Burgau, wo er, dem Protestantismus, der Confession seiner Eltern, entsagend, zur katholischen Kirche übertrat. Schon zur Zeit seines Aufenthaltes bei den Jesuiten in Olmütz und dann während der Jahre 1601–1603 unternahm er Reisen durch einen Theil Europas; die letzte gemeinschaftlich mit Adam Leo Licek von Riesenburg. Der Mathematiker und Freund Kepler’s, Peter Verdungus aus Franken, war der Begleiter der beiden jungen Edelleute. Heimgekehrt widmete sich Wallenstein dem Waffendienste, und zwar als Officier unter General Basta in Ungarn. Während der Belagerung von Gran wurde er Hauptmann einer Compagnie; 1606 kehrte er nach Böhmen zurück, 1607 kam er durch Empfehlung seines Schwagers, des berühmten Karl von Zierotin, an den Hof des Erzherzogs Mathias. Hinsichtlich der Jahre 1607–1616 lauten die Nachrichten über ihn nur sehr lückenhaft, in diese Zeit mag auch seine erste Heirat mit der reichen Lucretia verwitweten Vickov fallen. 1617 zog er mit einem Trupp von 200 Dragonern, die er auf eigene Kosten geworben und bewaffnet hatte, nach Friaul, wo Erzherzog Ferdinand von Steiermark Krieg gegen die Republik Venedig führte. Seine kleine Schaar wuchs bald zu einem Regimente an, und dort begründete er seinen militärischen Ruf. Nach beendetem Feldzuge wurde er Kammerherr, Oberst und Commandant eines Regiments des mährischen Landaufgebotes. Am 30. März 1614 starb seine erste Frau, und er erbte ihr großes Vermögen, welches die Grundlage seines späteren Reichthums bildete. 1617 stiftete er auf seiner mährischen Herrschaft Lukow eine Karthause. Vom Beginn des böhmischen Aufstandes 1618 steht er auf Seite des Kaisers und der katholischen Kirche. Der Sache der Empörung überall mit größter Energie entgegentretend, machte er sich dadurch viele Große des böhmischen Adels, welche offen oder heimlich zur Rebellion hielten, zu Feinden. Man ließ es von dieser Seite nicht an Versuchen fehlen, ihn zu gewinnen, doch blieben alle vergebens. Er hielt treu zum Kaiser. Als General Bucquoy dem Grafen Mannsfeld entgegenzog, sendete der Kaiser Wallenstein zu Ersterem, und in dem Treffen bei Moldautein – 10. Juni 1619 – in welchem Mannsfeld hartnäckigen Widerstand leistete, war Wallenstein’s Erscheinen entscheidend. Mit seinen Kürassieren durchbrach derselbe die feindliche Aufstellung und half den Sieg erringen. Als dann Herzog Maximilian von Bayern mit Bucquoy nach Böhmen aufbrach, um die Rebellen zu züchtigen, versah Wallenstein die Stelle eines Generalquartiermeisters und überwachte die Herbeischaffung der Lebensmittel. Infolge dessen war er bei der Schlacht am weißen Berge (8. November 1620) nicht persönlich gegenwärtig, wohl aber fochten seine Kürassiere in derselben mit. Während der Bayernherzog und Tilly in Böhmen blieben und jede weitere Erhebung im Keime erstickten, übernahm er die gleiche Aufgabe für Mähren. Er kämpfte bei Kremsier (18. October 1621) gegen Bethlen Gábor, dann bei Göding (November 1623), um für den Kaiser den Besitz Ungarns zu sichern. Seine siegreichen Erfolge und seine rückhaltlose Hingebung für die Sache des Kaisers erwarben ihm bereits dessen ganzes Vertrauen. 1622 fand sich derselbe mit seinem Feldherrn, welcher mehrere Jahre hindurch einige Regimenter auf eigene Kosten ausgerüstet und unterhalten hatte, dadurch ab, daß er ihm die Herrschaft Friedland sammt den einverleibten Kreisen, Städten und Dörfern, namentlich Reichenberg, um die Summe von 150.000 fl. überließ. 1624 heiratete [212] Wallenstein, indessen in den Reichsgrafenstand erhoben, zum zweiten Male, und zwar Isabella Katharina, Tochter des kaiserlichen geheimen Rathes Grafen Karl von Harrach. Als die Rebellengüter eingezogen wurden – 1622 betrug die Zahl der für verfallen erklärten Herrschaften und Güter bereits 642 – hatte er Gelegenheit, die schönsten Rittergüter um geringe Summen vom Fiscus zu kaufen, wodurch sein Besitz einen großen Aufschwung nahm. Eine Haupterwerbung machte er im Jahre 1623, als es ihm gelang, den namhaften Güterbesitz seines Vetters, des blödsinnigen Adalbert Smirziczký, dessen Vormund er war, sich anzueignen. Der Kaiser überließ ihm nämlich die dazu gehörigen Herrschaften Kumburg. Aulibitz, Semil, Hořitz u. s. w. um den verhältnißmäßig sehr geringen Betrag von 502.325 fl. und tilgte auf diese Art eine Forderung seines Feldherrn für ausgelegte Werbegelder. Zu dieser Erwerbung gehörte auch die Stadt Gitschin, welche Wallenstein dann zum Hauptorte aller seiner böhmischen Besitzungen machte. Dieselben umfaßten als Ganzes mehr denn 60 Quadratmeilen, und der Kaiser erhob diesen Gesammtbesitz 1624 zu einem Fürstenthum, 1627 zu einem Herzogthum, welches den Namen der schon früher erkauften Herrschaft Friedland erhielt. Am 31. August 1624 wurde Wallenstein Reichsfürst, den herzoglichen Titel und Rang erhielt er mit Diplom vom 13. Juni 1625. Im letztgenannten Jahre tritt er bereits als selbstständiger Feldherr auf. Der allgemeine Bund der protestantischen Mächte erheischte die Aufstellung eines eigenen Heeres zu Diensten des Kaisers, und Wallenstein übernahm das Commando desselben. Mit dieser Waffenmacht erfocht er am 25. April 1626 einen glänzenden Sieg über Mannsfeld an der Dessauer Brücke, und sein Einfluß am Kaiserhofe wuchs; andererseits aber mehrten sich auch die Beschwerden über das Gebaren seiner Truppen, welche überall, wo sie waren, in entsetzenerregender Weise hausten und namentlich Böhmen, Mähren, Schlesien und die Erzherzogthümer bedrückten. Denn ein Hauptmoment der Kriegführung Wallenstein’s bestand darin, daß er sein Heer nicht selbst verpflegte, sondern es durch Brandschatzung, Plünderung und Requisition im feindlichen Lande, das er eben besetzt hielt, sich selbst verpflegen ließ. Am 1. September 1627 erwarb er unter ungemein günstigen Kaufbedingungen das Herzogthum Sagan. Im Herbst desselben Jahres rückte er mit seinem Heere gegen Dänemark vor und besetzte im October das Herzogthum Mecklenburg. Während er letzteres sich zur Beute ausersehen hatte, wollte er dem Kaiser das Königreich Dänemark zu Füßen legen. Die Städte Rostock und Wismar waren unterworfen, nur Stralsund widerstand ihm noch. Er breitete sein Heer über Pommern und Brandenburg aus, nahm den Titel eines Admirals der Ost- und Nordsee an und wurde vom Kaiser zur Entschädigung für aufgewendete Kriegskosten am 2. Jänner 1628 mit den Ländern der Herzoge von Mecklenburg belehnt. Um sich diesen neuen Besitz sicher zu stellen, leitete er mit Dänemark den Frieden ein, dessen Abschluß er bis jetzt verhindert hatte. Also dem Kaiser Dänemark zu Füßen zu legen, dieser Gedanke war aufgegeben. Aber die Erwerbung Mecklenburgs erregte zunächst das Mißtrauen der dem Kaiser ergebenen deutschen Fürsten, namentlich Maximilians von Bayern. Auch wurde dem Friedländer die Aeußerung in den Mund gelegt, und er konnte sie in allem Ernste gesprochen haben: „man bedürfe keiner Kur- und Fürsten mehr, man müsse ihnen das Gasthütel abziehen und wie in Frankreich und Spanien allein, so solle auch in Deutschland ein Herr allein sein“. Das nährte die Eifersucht und die Bitterkeit gegen den Feldherrn, und man betrachtete mit Mißtrauen das Wachsen seiner Macht. Am 27. Juni 1629 nannte er sich Herzog von Mecklenburg und setzte diesen Titel den übrigen voraus, sowohl bei seiner Unterschrift als auf seinen Münzen. Nun war man ernstlich darauf bedacht, den immer gefährlicher werdenden General zu stürzen. Schon auf dem Reichstage zu Regensburg, der am 8. Juli 1630 eröffnet worden, drang man offen darauf: „es möge der kaiserliche Generalissimus und Dictator imperii abgedankt und seines Commandos entlassen worden“. Namentlich am bayrischen Hofe – obwohl das kaiserliche Kriegsvolk die Grenzen Bayerns nie überschritten hatte – plante man seit 1628 den Sturz Wallenstein’s, und ein geschäftsgewandter Capuciner, P. Alexander von Ales, der schon früher unter dem Namen Rota zu geheimen Sendungen verwendet worden, wurde mit der Ausführung dieser Intriguen betraut. Am Wiener Hofe fing man an, durch diese Machinationen beeinflußt, ernstlich besorgt zu [213] werden. Man trat mit der Forderung an Wallenstein heran, seine Regimenter zu dislociren; aber seine Bestrebungen gingen dahin, sein Heer möglichst concentrirt zu behalten und stets an der Spitze der Bewaffneten zu stehen. Auf alle Vorstellungen, die auf ein Nachgeben seinerseits abzielten, hatte er ein trockenes „Es kann nicht sein“. Eine Denkschrift über Wallenstein, welche der vorgenannte P. Alexander auf Grund von Mittheilungen, die ihm der böhmische Kanzler Wilhelm Graf Slawata gemacht hatte, zu München im April 1629 verfaßte, gibt Aufschluß darüber, was man damals Alles dem Herzoge – freilich nicht ganz mit Unrecht– zur Last legte. Indessen dauerten die Bedrückungen des Heeres fort. Da von Seite des Kaisers nichts geschah, um dem Treiben Wallenstein’s zu steuern, rächten sich die Reichsstände durch Widerstand, welchen sie dem Kaiser entgegensetzten, und traten auf dem Reichstage zu Regensburg, wo Ferdinand am 7. Juni 1630 seinen feierlichen Einzug gehalten, der Absicht desselben, die Königswahl seines Sohnes durchzusetzen, mit offenbarem Widerspruch entgegen. Endlich siegten doch die Gegner. Der Kaiser mußte in des Feldherrn Entfernung vom Heere willigen, dem dringenden Wunsche der Stände nachgeben, das Heer selbst auf weniger als die Hälfte herabsetzen, und zwar zu einer Zeit, als die Schweden Deutschland zu betreten im Begriffe waren. Wallenstein befand sich eben zu Memmingen, als er des kaiserlichen Commandos enthoben wurde. Er nahm seine Entlassung mit der ganzen Fassung eines Weltmannes entgegen und begab sich zunächst auf seine Güter in Böhmen. Dann ging er nach Prag, wo er mit fürstlicher Pracht – im Gegensatze zu der ihm widerfahrenen Erniedrigung – lebte. Hundert Häuser riß man nieder, um vor den sechs Thoren des herzoglichen Palastes geräumige Plätze zu erhalten. Die Vorzimmer füllten eigene Garden, eine ebenso zahlreiche als prächtige Dienerschaft, 60 Pagen, 20 Kammerherren von Adel harrten auf den Wink des Herzogs. Ja Manche gaben den kaiserlichen Kammerherrnschlüssel zurück, um in dieselben Dienste Wallenstein’s zu treten. Bei Tag und Nacht hielten zahlreiche Patrouillen jeden Lärm entfernt, und die Gassen wurden mit Ketten gesperrt, um das Gerassel der Carossen abzuhalten. Wenn er reiste, geschah es mit einem Gefolge von 200 Wagen. Aber diese dem Feldherrn wider Willen abgenöthigte Ruhe sollte nicht von langer Dauer sein. Die Schweden rückten immer näher. Nach dem Siege bei Leipzig (1631) breiteten sie sich immer weiter aus im Reiche, die Sachsen brachen in Böhmen ein. Des gefürchteten Tilly Stern schien zu erblassen, das Kriegsglück, ihm bislang hold, schien ihn verlassen zu haben. Da richteten sich denn Aller Augen wieder auf den Friedländer, und namentlich war es der Kaiser, dessen Vertrauen sich dem erprobten Feldherrn, welchem das Heer mit fast fanatischer Verehrung anhing, wieder zuwandte. Aber Wallenstein, der hohe Gunst erprobt und ihren Wechsel erfahren hatte, ging nicht sofort auf die ihm gemachten Anträge ein. War es, um Zeit zu gewinnen für Verhandlungen mit den Feinden, mit denen er sich bereits eingelassen haben soll, war es, um möglichst vortheilhafte Bedingungen für sich zu erhalten, die Sache ist heute noch nicht aufgeklärt, gewiß ist nur, daß er sich sehr langsam entschied, und daß er Unbeschränktheit in Macht und in den zu ertheilenden Belohnungen, und zwar beides in einer Art verlangte, zu welcher die spätere und frühere Geschichte kein Seitenstück bietet. Dieser kühne Mißbrauch der bedrängten Lage seines Herrn und Kaisers bleibt unter allen Umständen ein Makel in seinem Ruhmeskranze. Sehen wir uns zur Rechtfertigung des Vorstehenden diese Bedingungen näher an. Wallenstein sollte mit ungemessener Vollmacht, selbst ein König, seinem Herrn, seinem königlichen Gegner gegenüberstehen; der Kaiser sollte selbst nichts bei dieser Armee zu befehlen haben, nie bei derselben erscheinen und weder für sich noch für seinen Sohn, den König von Ungarn, Ferdinand III., das oberste Commando derselben in Anspruch nehmen, und bei allfälligem Rückzuge sollten dem Herzoge alle Erbstaaten offen stehen. Bei der künftigen Friedensverhandlung sollte Letzterem eine Entschädigung für das durch das Collegium der Kurfürsten ihm wieder entrissene Mecklenburg ausgemittelt und ihm überdies zur Belohnung ein kaiserliches Erbland gegeben werden. Endlich behielt sich Wallenstein über alles im Reiche Eroberte und Confiscirte die freie Disposition vor. Znaim war der Sammelplatz der Truppen, wohin alle Generäle und Obersten, dienende und entlassene, geladen wurden. Er bewog die Begüterten, auf eigene Kosten zu werben, [214] unterstützte die Unvermögenden, vergab Regimenter, nahm Beförderungen vor und machte die größten Versprechungen, von denen man wußte, daß er sie zu halten pflegte. Auf diese Weise stand in wenigen Wochen zu seinem Befehle ein Heer von nahe an fünfzigtausend Mann da, größtentheils neugeworbene Truppen. aber durch die Aufmunterung ihrer erfahrenen Kameraden zu gleicher Begeisterung hingerissen. Die erste That dieses jungen Heeres war, daß es die Sachsen aus Böhmen warf. Meißen, welches vor ihm offen stand, vor sich liegen lassend, zog nun Wallenstein über Eger nach der Oberpfalz, wo er sich mit dem Kurfürsten von Bayern und dessen 20.000 Mann vereinigte. Tann rückte er vor Nürnberg, wo Gustav Adolph sich verschanzt hielt und Verstärkungen erwartete. Dort fielen täglich immer kleinere Gefechte vor, welche aber keine Entscheidung brachten. Am 24. August 1632 ordnete der Schwedenkönig, von der wachsenden Hungersnoth gedrängt. einen allgemeinen Sturm auf Wallenstein’s weit ausgedehntes, durch eine zahlreiche Artillerie geschütztes Lager an. Nach einem zehnstündigen, mehrmals mit frischen Truppen erneuerten Gefechte zogen sich endlich die Schweden mit einem Verluste von 2000 Todten und 3000 Verwundeten wieder zurück und wendeten sich bald darauf nach Nordschwaben. Statt Nürnberg, wo er eine starke Besatzung und den König im Rücken wußte, zu belagern, wandte sich Wallenstein nun nach Norden, verwüstete, nachdem er die Besatzungen der kleineren Orte an sich gezogen, das Voigtland, nahm Coburg und rückte in Kursachsen ein. Gustav Adolph vereinigte sein Kriegsvolk mit den Schweden in Schlesien. Leipzig ergab sich nach fünf Tagen. Bei Torgau war der Kurfürst zuvorgekommen, ohne jedoch Wallenstein’s Vereinigung mit Pappenheim hindern zu können. Der Friedländer rückte nun vor, um Halle zu besetzen. Hier aber vernahm er schon den raschen Anzug von 20.000 Schweden, denen er kaum 12.000 Mann entgegenzustellen hatte; dennoch war sein Entschluß, Gustav Adolph die Spitze zu bieten, augenblicklich gefaßt. Am 6. November 1632 kam es bei Lützen zur Schlacht. Auf beiden Seiten wurde mit einer Tapferkeit ohne Gleichen gekämpft. Die Kaiserlichen, besonders aber Pappenheim und seine Kürassiere, richteten große Verheerung unter den Schweden an. Aber diese, durch den Fall ihres Königs bis zur Wuth getrieben, brachten unter die kaiserlichen Schaaren neue Bestürzung, die sich mit dem Falle Pappenheim’s nur steigerte. Erst die eintretende völlige Dunkelheit der Nacht machte dem blutigen Kampfe ein Ende. Das Geschütz beider Theile blieb die Nacht über auf dem Wahlplatze stehen, jeder Theil erklärte sich für unbesiegt, obschon die Kaiserlichen ihren Rückzug nach Leipzig nahmen und Herzog Bernhard von Weimar sich des anderen Morgens der verlassenen Artillerie beider Theile bemächtigte. Nach Prag zurückgekehrt, verhängte Wallenstein ein strenges Blutgericht über Diejenigen, welche die Schuld traf, ihre Pflicht nicht erfüllt zu haben, während er Anderen, die sich ausgezeichnet, glänzende Belohnungen zutheil werden ließ. Nun begann er die Zurüstungen zum folgenden Feldzuge (1633), ergänzte das Heer auf 30.000 Mann und rückte darauf nach Schlesien vor. Hier hielt man sich jedoch unter vermittelten Stillständen und kleinen Gefechten in den festen Lagern von Nimtsch und Schweidnitz bis in den Herbst, wo durch den Sieg an der Steinaubrücke die Schweden entwaffnet und zum Rückzuge gezwungen wurden. Schweidnitz war schon übergegangen; jetzt fielen auch Liegnitz und Glogau mit den kleineren Besatzungen; Frankfurt an der Oder und Bautzen ergaben sich fast ohne Widerstand; Görlitz wurde im Sturme genommen, und durch die Einnahme von Landsberg stand Pommern bis an die Ostsee offen. Der Kaiser wollte auch Regensburg entsetzt haben. Wallenstein rückte langsam heran und lagerte sich, inzwischen Regensburg überging, bei Pilsen, ohne aber gegen das schwedisch-weimar’sche Heer etwas Entscheidendes zu unternehmen. Diese auffallende Unthätigkeit bestärkte den Verdacht, der auf Wallenstein’s Friedensgeschäften in Schlesien, auf seinen Verhandlungen mit Schweden und Frankreich und auf seinem ganzen Verhalten seit der Schlacht bei Lützen ruhte. Da kam ihm mit einem Male der Befehl zu, dem spanischen Cardinal-Infanten, der aus Mailand mit einer nach den Niederlanden bestimmten Armee heranzog und Mangel an Cavallerie hatte, 6000 Reiter zur Begleitung entgegenzusenden. Wallenstein, in diesem Auftrage, der wenig zu seinen Bedingungen paßte, eine List von Oben suchend, ihn ohne Aufsehen des besten Theiles seiner Macht zu berauben, glaubte nun seinerseits Vorsichtsmaßregeln [215] ergreifen zu sollen und berief alle Obersten nach Pilsen. Dort soll er seine gefährlichen Pläne, die weitaus mehr als seine bloße Sicherstellung beabsichtigten, dem General Octavian Piccolomini anvertraut haben, denn auf dessen Freundschaft, Tapferkeit und Klugheit setzte er das größte Vertrauen. Piccolomini seinerseits versuchte es dann, den Feldherrn von dessen zweideutigem Unternehmen abzuziehen. Als aber seine Bemühungen vergeblich waren, vertraute er Wallenstein’s Pläne einigen zuverlässigen Generälen, so Aldringen, Gallas, Colloredo, und schließlich auch dem Hofe. Und nun geschah das Furchtbare. Statt ihn zu verhaften und vor das Kriegsgericht zu stellen und seine Verantwortung zu hören – man muß wohl gefürchtet haben, daß die Soldaten ihren Führer dann sicher befreit hätten – wurde einfach sein Mord geplant und beschlossen. Aber kein Oesterreicher, kein Deutscher gab sich zu dieser Schandthat her. Lauter Fremdlinge, die um Sold heute im Kampfe Einen erschlugen, und morgens meuchlings einen Anderen niedermachten, Charaktere, wie sie nur eine Zeit, wie es die damalige war, ausbrütet, boten ihre Mörderhand zur Schandthat. Gordon, Leslie, Buttler sind die Namen derjenigen, welche sich an derselben betheiligten. Buttler übernahm den Mord der treuesten Anhänger Wallenstein’s, der Grafen Trčka, Kinsky, Ilov und Niemann, die sich mit ihrem Feldherrn alle in Eger befanden. In einem Zimmer verbarg Buttler 24 Dragoner mit dem Hauptmann Deveroux, in einem zweiten den Oberstwachtmeister Geraldino mit 6 Dragonern. Als nun Alle als Gordon’s Gäste beim Abendmahl saßen, stürzten auf ein verabredetes Zeichen die Dragoner ins Gemach, und es begann die entsetzliche Schlächterei, der die Genannten nach kurzem Widerstande erlagen. Dann übernahm Deveroux die Ermordung des Herzogs. Dieser hatte den Lärm, welchen die Ermordung seiner Generäle verursachte, gehört und trat, bereits entkleidet, an das Fenster und fragte die Schildwache, was es gebe. Da stürzte Deveroux, die verschlossene Thüre mit Gewalt einstoßend, in des Herzogs Zimmer, und mit dem Rufe: „Du mußt sterben!“ stieß er ihm die Partisane in die Brust. Lautlos stürzte der Feldherr nieder. So geschehen am 25. Februar 1634 zu Eger. Albrecht Wallenstein war zweimal vermält, zuerst mit Lucretia Nekeš von Landek, verwitweten von Vickov, welche ihm bedeutendes Vermögen und Güterbesitz in Mähren zubrachte; sie starb am 23. März 1614 als die Letzte ihres Geschlechtes und hinterließ ihrem Gatten die Herrschaften Burg Lukow, Všetin und Řimnic. Am 12. October 1622 schritt Wallenstein zur zweiten Ehe, und zwar mit Maria Isabella Katharina Gräfin Harrach, welche ihm eine Tochter Maria Elisabeth gebar, die sich mit Rudolph Grafen Kaunitz vermälte. I. Quellen zur Biographie Wallenstein’s. Da der Scriptor der Gratzer Universitätsbibliothek Georg Schmid eine bibliographische Studie, betitelt: „Die Wallenstein-Literatur“, welche die Zeit von 1626–1878 umfaßt, ausgearbeitet und im XVII. Jahrg. (1878) der „Mittheilungen des Vereines für Geschichte der Deutschen in Böhmen“ I. Heft, S. 65–143 veröffentlicht hat, und in seinem Nachlasse (Schmid erschoß sich im Frühling 1885), wie ich aus seinen Briefen erfuhr, sich Nachträge befinden müssen, so beschränke ich mich hier blos auf Angabe der Hauptwerke, in Allem sonst auf die musterhafte Arbeit des Verstorbenen verweisend. In 20 Unterabtheilungen berücksichtigt dieselbe im nächsten Hinblick auf Wallenstein seine Geschichte und Biographie, sein Verhältniß zur Astrologie, sein Münzwesen und seine Münzstätte, seine Besitzungen und seine Todesstätte, dann auf Nebensächliches übergehend, zieht sie in ihren Bereich: die dramatischen Bearbeitungen, die Volks- und Kriegslieder des XVII. Jahrhunderts, gleichzeitige und spätere Gedichte, Grabinschriften, Epigramme, Charaden, Romane, Novellen, Erzählungen, Sagen, Anekdoten und Curiosa, Volks- und Jugendschriften, Facsimilien. Porträts, sonstige bildliche Darstellungen, und zwar Scenen aus dem Leben Wallenstein’s und seine wie seiner Anhänger Ermordung; Statuen, Statuetten und Büsten, Pläne von Schlachten und Belagerungen, Wappen, Insiegel und Medaillen. Diese ganze Literatur umfaßt über 780 Nummern, die nach 1878 hinzugekommenen ungerechnet. – Selbständige größere Werke über Wallenstein: Deutsche Quellen. Aretin (Karl Maria Freih. von). Wallenstein. Beiträge zur näheren Kenntniß seines Charakters, seiner Pläne, seines Verhältnisses zu Bayern. Aus urkundlichen Quellen (Regensburg 1846, 8°, IV und 159 S. und [216] 50 Urkunden in 159 S.). – Chlumeczký (P. Ritter von). Die Regesten oder die chronologischen Verzeichnisse der Urkunden in den Archiven zu Iglau, Trebitsch, Triesch, Groß-Bitesch, Groß-Meseritsch und Pirnitz, sammt den noch ungedruckten Briefen Kaiser Ferdinands II., Albrechts von Waldstein und Romboalds Grafen Collalto (Brünn 1856, 8°. [mit mehr denn 329 bis dahin ganz unbekannten Briefen Wallenstein’s]). – Dudik (Beda Franz Dr.). Waldstein und seine Enthebung bis zur abermaligen Uebernahme des Armeecommandos vom 15. August 1630 bis 15. April 1632. Nach den Acten des k. k. Kriegsarchivs in Wien (Wien, Gerold’s Sohn, 1858, gr. 8°., XXII und 496 S.). – Derselbe. Waldstein’s Correspondenz. Eine Nachlese aus dem k. k. Kriegsarchive in Wien u. s. w. (Wien 1858), auch im „Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen. Herausgegeben von der kaiserl. Akademie d. W. XXXII. und XXXVI. Bd. – Förster (Friedrich). Albrechts von Wallenstein, Herzogs von Friedland und Mecklenburg ungedruckte eigenhändige vertrauliche Briefe und amtliche Schreiben aus den Jahren 1627–1634 an Arnheim (v. Arnimb) Aldringen, Gallas, Piccolomini und andere Fürsten und Feldherren seiner Zeit. 3 Theile (Berlin 1828 und 1829, gr. 8°., XVI und 406, XX und 360, XII und 468 S. und Anhang 160 S.). – Derselbe. Wallenstein, Herzog von Mecklenburg... als Feldherr und Landesfürst... Eine Biographie. Nach des Herzogs eigenhändigen Briefen u. s. w. (Potsdam 1834, Riegel, gr. 8°., 468 S.). – Derselbe. Wallenstein’s Proceß vor den Schranken des Weltgerichts und des k. k. Fiscus zu Prag. Mit einem Urkundenbuche bisher noch ungedruckter Urkunden. Mit Porträt (Leipzig 1844, Teubner, gr. 8°., 416 S.). – Grevenitz (Friedrich August von). Wahre, bisher immer verfälschte Lebensgeschichte A. Wallenstein’s, Herzogs von Friedland. Von einem preußischen General (Berlin 1797, 8°.). – Hallwich (Hermann Dr.). Wallenstein’s Ende. 2 Bände (Leipzig 1879, Duncker und Humblot, 8°.) [enthält 1500 bisher ungedruckte Briefe aus der Zeit vom 1. Jänner 1633 bis 25. Februar 1634. Früher schon veröffentlichte Dr. H. in den „Mittheilungen des Vereines für die Geschichte der Deutschen in Böhmen 1879“, eine größere Abhandlung: „Wallenstein und Arnim im Frühjahr[WS 1] 1633“]. – Helbig (Karl Gustav Dr.). Wallenstein und Arnim 1632–1634[WS 2]. Ein Beitrag zur Geschichte des dreißigjährigen Krieges... (Dresden 1850, Adler und Dietze, 8°.). – Derselbe. Kaiser Ferdinand und der Herzog von Friedland während des Winters 1633–1634. Nach handschriftlichen Quellen des königlich sächsischen Hauptstaatsarchivs... Mit Wallenstein’s Horoskop von Keppler (Dresden 1852, Adler und Dietze, VII und 72 S., gr. 8°.). – Heller (Wilhelm Friedrich). Leben, Thaten und Schicksale des Grafen A. von Wallenstein, Herzogs von Friedland (Frankenthal 1793, 8°., auch Mannheim 1814, 8°.). – Herchenhahn (Jos. Christian). Geschichte Albrechts von Wallenstein, des Friedländers. Ein Bruchstück vom dreißigjährigen Kriege. 3 Theile (Altenburg 1790–1791, Richter, 336, 240, 290 S.). – Hurter (F.). Zur Geschichte Wallenstein’s (Schaffhausen 1855, gr. 8°., XVI und 398 S.). – Derselbe. Wallenstein’s vier letzte Lebensjahre (mit Anhang: Wallenstein’s Revolte und Tod) (Wien 1862, Braumüller, gr. 8°., VIII und 514 S.). – Janko (Wilhelm Edler von). Wallenstein. Ein Charakterbild im Sinne neuerer Geschichtsforschung auf Grundlage der angegebenen Quellen (Wien 1867, Braumüller, 8°., XVIII und 238 S.). – Krönlein (Johann Heinrich). Wallenstein und seine neuesten historischen Ankläger und Vertheidiger (Leipzig 1845, 8°.). – Link (Wilh. Friedr. Dr.). Lebensgeschichte Albrechts von Waldstein, Herzogs von Friedland, kaiserlichen Generalissimi. Aus dem Italienischen des Grafen Priorato ins Deutsche übersetzt und mit Münzen erläutert (Nürnberg 1769, G. P. Monath, 8°., 272 S. und 2 Münztafeln). – Mebold (C. A.) Der dreißigjährige Krieg und die Helden desselben, Gustav Adolph, König von Schweden und Wallenstein, Herzog von Friedland, 2 Bände (Stuttgart 1835–1840, 8°.). – Murr (Christ. Gottl. von). Beiträge zur Geschichte des dreißigjährigen Krieges, insonderheit des Zustandes der Reichsstadt Nürnberg während desselben. Nebst Urkunden und vielen Erläuterungen zur Geschichte des berühmten kaiserlichen Generalissimus Albrecht Wallenstein, Herzogs von Friedland. Mit 1 Kupf. (Nürnberg 1790, Bauer und Mann, 8°., 398 S.). – Derselbe. Die Ermordung Albrechts Herzogs von Friedland. Mit 1 Urkunde und 2 KK. (Halle 1806, Hendel, gr. 8°., 96 S.). – Oberleitner (Karl). Beiträge zur Geschichte [217] des dreißigjährigen Krieges mit besonderer Berücksichtigung des österreichischen Kriegs- und Finanzwesens (Wien 1857, 8°., 48 S.) [ist eigentlich nur ein Beitrag zur Geschichte der Erhebung und des Falles des Herzogs von Friedland]. – Ranke (Leopold von). Geschichte Wallenstein’s (Leipzig 1869, Duncker und Humblot,. XII und 532 S.; 2. Aufl. ebd. 1870; 3. Aufl. in dessen „sämmtlichen Werken“ 23. Bd., 1872). – Rudhart. Einige Worte über Wallenstein’s Schuld u. s. w. (München 1850, 4°.). – Richter (O. V). Wallenstein und sein letzter Tag in Eger (Wunsiedel 1859, 8°.). – Schobeck (Edm.). Die Lösung der Wallenstein-Frage (1881). – Derselbe. Kinsky und Fuquières“ (1871). – Schottky (Julius Max). Ueber Wallenstein’s Privatleben (München 1832, 12°.). – Sporschill (Joh.). Wallenstein. Historischer Versuch (Leipzig 1828, 8°.). – Wappler (Richard). Wallenstein’s letzte Tage (Leipzig 1884). – Watterich (Franz Karl). Kriegsgeschichts-philosophische Ehrengebühr dem Heldencharakter und Feldherrnstabe A. Wallenstein’s, Grafen und Herzogs von Friedland (Prag 1843. 12°.). – Winter (Georg). Die Katastrophe Wallenstein’s (Breslau, Schottländer). – Zober (E. H. D.) Ungedruckte Briefe Albrechts von Wallenstein und Gustav Adolphs des Großen, nebst einem Anhange, enthaltend Beiträge zur Geschichte des dreißigjährigen Krieges (Stralsund 1830, Löffler, gr. 8°., VIII und 118 S.). – In fremden Sprachen. Arud (Josua). Vita Alberti Waldsteinii, Ducis Friedlandiae etc. Ex Italico Galeacii Gualdi in latinum sermonem translata (Rostochii 1668, editio nova, ibid. 1725, 8°.). – Malmstroem (Michael Simon). De Wallensteinio commentarius (Lund. 1818, 8°.). – Carve (Thomas). Itinerarium cum historia facta Buttleri, Gordon, Lesly et aliorum. Vol. I, II, III (1. und 2. Band Moguntiae 1640–1841; 3. Band Spirae 1646, 12°.; dieser 3. ist sehr selten). – Stief (Carl Benjamin). Programma paucula ad A. Waldsteinii historiam spectantia continens (Vratislaviae 1766, Fol.). – Roepell (Richard). Dissertatio de A. Waldsteinio proditore (Halle 1834, 8°.) [derselbe Autor brachte auch zehn Jahre später, im VI. Jahrgang der neuen Folge von Friedrich von Raumer’s „Historischem Taschenbuch“, eine Abhandlung über Wallenstein’s Verrath]. – Pellicer de Salas y Tovar (Jose). El Sejano Germanico. Historia de la conjuracion y muerte del duque de Fritland (Madrid 1639, 8°.). – Ribellione e morte del Volestain (Venezia 1634, 4°.). – Pomo (Pietro). Saggi d’istoria overo guerre di Germania dell’invasione del rè di Swedia (Gustavo Adolfo) sino alla morte di Wolestano (Venezia 1640, 4°.). – Priorato (Gualdo Galeazzo Conte). Istoria della vita d’Alberto Valstain duca di Fritland (A Lyon, J. A. Candy 1643, 4°.). – Rahlenbeck (Charles). Wallenstein, dans ses rapports avec la cour de Bruxelles et les officiers belges de son armée (Gand 1852, 8°.) [nur in 20 Exemplaren ausgegeben]. – Sarrasìn. Conspiration de Walstein. Épisode de la guerre de trente ans par – Avec un appendice extrait des Memoires de Richelieu (1634) (Paris 1853, L. Bachette, 8°., 66 S.). Ueberdies gibt Professor Constantin Höfler im Jännerheft 1867 der „Oesterreichischen Revue“ Nachricht von einem interessanten Funde, welchen er bei Durchforschung der Graf Clam-Gallas’schen Archive in einem Musicalienschranke der Bibliothek machte. Es war ein Theil der Originalcorrespondenz des Grafen Matthias Gallas, enthaltend 321 datirte Urkunden aus den Jahren 1633–1636 und eine kleine Anzahl undatirter. Die Schriftstücke aus dem Jahre 1634 beleuchten die Situation kurz vor dem Sturze Wallenstein’s und beziehen sich zum Theile direct auf dieselbe. Es sind 63 Briefe der kaiserlichen Generäle Medici, Suys, Piccolomini, Aldringen, Colloredo, Marradas und Anderer an Gallas vom 2. Jänner bis 1. April 1634. – Ferner bringt das „Magazin für die Literatur des In- und Auslandes“ 1884, Nr. 38 und 39 einen Artikel von Karl Braun-Wiesbaden, betitelt: „Die neueste Wallenstein-Literatur“, in welchem derselbe über die diesen Gegenstand behandelnden Schriften von Hallwich, Ranke, E. Wittig (Wallenstein und die Spanier in den preußischen Jahrbüchern 1868 und 1869), Hurter, Thomas Bilek, Edmund Schobeck, K. J. Müller, J. Bumüller, Georg Winter, Richard Wappler und Dr. Ant. Gindely (im 3. Bande seiner Geschichte des dreißigjährigen Krieges, Leipzig 1882) berichtet. Nach Braun-Wiesbaden ergibt sich denn doch, daß bei dem Für und [218] Wider über die Ansicht von der Schuld Wallenstein’s die Sache nach nicht spruchreif ist. – Schließlich sei noch erwähnt, daß d’Elvert’s „Notizenblatt der historisch-statistischen Section“ (I., II., V. und VI. Bd.), dann aber die von ihm redigirten Schriften derselben Section, namentlich der XVI., XVII., XXII. und XXIII. Bd. eine wahre Fülle von Material zur Wallenstein-Geschichte enthalten. – II. Porträts. 1) Unterschrift: „Wallenstein“. J. Gerstner sc. (Medaillon, kl. 8°.). – 2) Unterschrift: „Graf Albrecht von Waldstein | Herzog zu Friedland“. Lith. von Katzler, gedruckt bei Jos. Stoufs (8°.). – 3) Unterschrift: „Albert Walstein | duc de Fritland“. J. de Leeuw sculp. (8°.). – 4) Unterschrift: „Albrecht (Vojtech) Vácslav Eusebius z Valdštejna, vevoda Fridianský“. Nach einem zeitgenössischen Gemälde, gezeichnet von Jos. Scheiwl [im „Světozor“ 1869, Nr. 13]. – 5) Unterschrift: „Wallenstein“. van Dyck p., Gottschick sc. (4°.). Zwickau b. d. Gebrüdern Schumann. – 6) Unterschrift: „Wallenstein“. Van Dyck pinx. – 7) Unterschrift: „Wallenstein“. H. Lips sculp. (Medaillon, 32°.). – 8) Unterschrift: „Wallenstein, Herzog von Friedland“. Lithographie von F. Gerasch, gedruckt bei J. Rauh (Wien bei L. T. Neumann, 4°.). – 9) Unterschrift: „Albrecht Waldstein“. Joh. Langer sc. (8°.). – 10) Unterschrift: „Alberto di Walstein Duca di Fritland, Generallissimo dell’armi dell’impre Ferdinando, Secondo“. H. J. Schollenberger f. (kl. Fol.). – 11) Unterschrift: „Albert Dux Fritland“ (in Lavater’s „Physiognomik“, zusammen mit Don Diego Philippus de Gusman, 4°.). – 12) Unterschrift: „Wallenstein. | Nach dem Friedländer Original“. C. Steyrer lith., Druck von J. Sandtner jun. (gr. 8°.). – 13) Unterschrift: „Albrecht von Waldstein | Herzog von Friedland | in seinem | 49. Jahre“. Nach einem Originalgemälde. C. Frosch fec. (8°., ganze Figur). – 14) Nach Amalie Petter lith. (Fol, München, A. Petter). – 15) Lith. von Lichtwardt (Fol., Berlin, Gebr. Rocca). – 16) Stuttgart, Rieger’s Verlag, Stahlstich (8°.). – 17) Leipzig, Hinrichs (8°.) Stahlstich. – 18) J. C. G. Fritzsch sc. (8°.). – 19) E. Verhelst sc. (4°.). – 20) E. Widemann sc. (kl. 4°.). – 21) F. Brunn fec. (8°.). – 22) L. Schnitzer sc., Gürtelbild (4°.). – 23) P. von Isselburg sc., Gürtelbild (4°.). – 24) W. Kilian fec., Halbfigur (8°.). – 25) H. Hondius fec. (gr. Fol.). – 26) Aus Aubry’s Verlag nach van Dyck (8.) – 27) B. Moncornet exc., nach von Dyck (8°.). – 28) P. de Jode sc., Hüftbild (Fol.). – III. Wallenstein’s Horoskop. Eine Abbildung desselben im Holzschnitt bringt das Payne’sche „Neue Blatt“ 1872, S. 16. Nach diesem befände sich das Original in der Wiener Kunstkammer (es wird wohl die kaiserliche Schatzkammer in der Burg gemeint sein). – IV. Wallenstein-Münzen und -Medaillen. Schon als Herzog von Friedland hatte Wallenstein das Münzrecht erhalten, als er dann 1628 zum Besitze des Herzogthums Sagan in Schlesien gelangte, wurde ihm mit dem darüber ausgestellten Majestätsbriefe ddo. Schloß Prag 16. Februar 1628 das Recht bestätigt: „eine Münzstätte zu errichten und darin durch seine Münzmeister allerlei Gold- und Silbermünzen, groß und klein, mit Umschriften, Bildnissen, Wappen und Gepräg auf beiden Seiten münzen und schlagen zu lassen, doch sollen solche von Korn, Schrot, Gehalt, Werth und Gewicht nach des h. röm. Reiches und des Königreiches Böhmen Münzordnung ausgeprägt sein“. Thatsächlich machte auch Wallenstein von diesem Rechte den ausgedehntesten Gebrauch, und das Werk „Beschreibung der bisher bekannten böhmischen Privatmünzen und Medaillen. Herausgegeben von dem Vereine für Numismatik zu Prag“ (Prag 1852, 4°.) bearbeitet von Miltner, gibt auf S. 659–668 die Beschreibung und auf den Tafeln 69, 70, 71, 72. 73 und 82 die Abbildungen von nahezu einem halben hundert Pfennigen, Groschen, Gulden, Thalern und halben Thalern, Ducaten und Medaillen, welche Wallenstein hatte prägen lassen. – V. Ansichten von Wallenstein’s Schloß Friedland, den Oertlichkeiten seiner Ermordung in Eger, Facsimilien der Handschrift Wallenstein’s und seiner Gegner u. f. Eine Ansicht des Schlosses Friedland, nach welchem sich Wallenstein Herzog schrieb, bringt die „Gartenlaube“ 1857, S. 685; – Ansichten des Pachelbel’schen Hauses, in welchem er ermordet wurde, und des Schlosses zu Eger, in welchem Trčka, Kinsky, Ilov und Neumann meuchlings fielen, nebst einem Kniestück Wallenstein’s, gezeichnet von Herbert König, finden sich in derselben Zeitung 1863, S. 357; – Ansichten [219] des Friedländer-Hauses in Prag und der Wallenstein-Halle in demselben gibt die „Illustrirte Chronik von Böhmen“ im ersten Bande S. 533 u. f. – Murr in seinem Büchlein „Die Ermordung Albrechts, Herzogs von Friedland“ (Halle 1806), womit, nebenbei gesagt, die seither so angewachsene Wallenstein-Literatur eröffnet wurde, theilt eine Ansicht des Egerer Schlosses, wie es 1788 aussah. und ein Profil jenes Speisezimmers auf dem alten Schlosse in Eger mit, in welchem am 26. Februar 1634 die vier Anhänger Wallenstein’s den Tod durch Mörderhand fanden. – Endlich Facsimilien des Autographs Wallenstein’s und seiner Mörder Leslie, Gordon und Buttler sind zu sehen im obengenannten ersten Bande der „Illustrirten Chronik für Böhmen“, und ein besonders gelungenes Facsimile des Wallenstein’schen Autographs brachten die „Obecně listy“ (Prag 1860) S. 216. – Facsimilien aber der Unterschriften der wichtigsten Personen, welche zur Geschichte des Friedländers in irgend einer näheren Beziehung stehen, enthält das Werk von Joh. Ed. Heß: „Biographien und Autographien zu Schiller’s Wallenstein. Nach geschichtlichen Quellen“ (Jena 1869, Moncke, hoch 4°.). Auch findet man höchst interessante Facsimilien, nicht blos der Unterschriften, sondern ganzer Autographen in Karl Schramm’s „Album von Autographen hervorragender Personen der Vergangenheit und Gegenwart“ (Wien 1864, Bartelmus, gr. 4°.), und zwar in der zweiten Lieferung von Wallenstein, Kaiser Ferdinand II., Isabella, Herzogin vom Friedland; in der dritten Lieferung: von Friedrich von der Pfalz, Mathes von Thurn; in der vierten Lieferung: von Gallas, Trčka, Ilov, Questenberg; in der fünften und sechsten Lieferung von Pappenheim, Holck, Cardinal Harrach, Maradas, Octavio Piccolomini, Gustav Adolph, Wrangel, Baner und Bernhard von Weimar. – VI. Wallenstein’s Leiche, Beisetzung und Grabinschriften. Nach dem Morde wurde die Leiche des Friedländers in einen Fußteppich gewickelt und in Leslie’s Wagen nach der Citadelle zu den übrigen Leichen gebracht. Später kamen sie von Eger in das Franciscanerkloster zu Mies. Erst 1636 erhielt die verwitwete Herzogin von Friedland die Erlaubniß, die verblichenen Ueberreste ihres Gemals in der von demselben erbauten Walditzer Karthause nächst Gitschin beizusetzen. Dort ließ 1639 der schwedische General Baner sich die Gruft öffnen, nahm den Schädel und den rechten Arm heraus und schickte diese vermoderte Beute nach Schweden. In neuerer Zeit (1785) erhielt Graf Vincenz von Waldstein die Erlaubniß, die Ueberreste aus der Walditzer Karthause nach seinem Erbbegräbniß in der St. Annenkirche zu Münchengrätz zu bringen, wo sie feierlich beigesetzt und die Stelle mit einer ehernen Gedächtnißtafel bezeichnet wurde. Noch sei bemerkt, daß den kleinen Zeigefinger der rechten Hand der damalige Kronprinz von Preußen, Friedrich Wilhelm IV., als er während seiner Anwesenheit auf dem Münchengrätzer Congresse (1833) die Grabstätte des Friedländers besuchte, als Andenken mitgenommen haben soll. Auf der Innenseite der Nischenthüre zur Gruft befindet sich folgende Inschrift: „Quaeris, viator, qui hic jacet! Albertus Eusebius Waldstein, Dux Friedlandiae, qui 1634 die 25. Februarii aegre fatis cessit Egrae; fulgebat olim splendore Martis, pro Deo, pro ecclesia, pro Caesare, pro patria fortiter pugnabat et triumphavit heros inclitus; eum quoniam legitime certavit, Deus ad se vocavit coelestique corona praemiavit; cujus jam bello fessa hic in pace quiescunt ossa ex parte tumbae suae 1mae canthoralis“. – Nun hat es auch nicht an anderen Grabschriften gefehlt, die, von seinen Feinden verfaßt, nicht eben sein Lob verkünden. So lautet eine solche, welche man der ihm feindseligen Jesuitenpartei zuschreibt: „Hier liegt und fault mit Haut und Bein | Der große Kriegsfürst Wallenstein, | Der große Kriegsmacht z’sammenbracht, | Doch nie geliefert recht ein’ Schlacht.| Groß Gut that er sehr vielen schenken, | Dagegen auch viel’ unschuldig henken. | Durch Sterngucken und lang Tractiren | That er viel Land und Leut’ verlieren. | Gar zart war ihm sein böhmisch Hirn. | Konnt’ nicht leiden der Sporen Klirr’n. | Hahnen, Hennen, Hund’ er bandisirt | Aller Orten, wo er logirt. | Doch mußt’ er geh’n des Todes Strassen, | D’ Hahn’ krähen, d’ Hund’ bellen lassen.“ Diese Grabschrift theilt das „Theatrum Europaeum“ III. Theil, S. 187 mit. Geradezu empörend aber klingt die folgende, die ihn einen Herodes und proditor ludas nennt: „Herodes | Intravit ut Vulpes, | Superbiit ut Pavo, | Vixit ut Tigris, | Belliger ut Lepus, | Gratus ut Cuculus, | Mortuus [220] ut Canis. | Preditor Judas“. Feiner dagegen lautet die des Italieners Loredano: „Difensor della fede, e dell’Impero, | Un’hasta amica al fin passómi il cuore. | Non so dir, se tradito o traditore. | Perche nuoce anco ai morti il dir il vero.“VI. Curiosa. Andreas Argoli, Professor zu Padua, unterrichtete den jungen Wallenstein in der Astrologie. Als Letzterer 1617 auf dem Zuge Herzog Ferdinands gegen die Republik Venedig nach Friaul kam und seinen alten Freund und Lehrer besuchte, soll ihm dieser den nahen Tod des Kaisers Matthias durch sieben M verkündet haben. Diese sieben M bedeuten: Magnus Monarcha Mundi Matthias Morietur Mense Martio. In Argoli’s cabalistischem Nachlasse fand man auch fünf F, welche man auf Wallenstein bezog, und welche diesen nach langem Zweifeln und Schwanken endlich bestimmt haben sollen, mit dem Kaiser, seinem Herrn, zu brechen und es mit den Schweden zu halten. Diese fünf F bedeuten: Fidat Fortunae Friedlandus! Fata Favebunt. Wie Wallenstein auf die Astrologie baute und vertraute, ist bekannt. – Eine verhängnisvolle Rolle spielt die Zahl 7 in Wallenstein’s Leben. Fast alle Daten seiner bewegten Laufbahn endigen an sich oder addirt mit der Zahl 7. Das Licht der Welt erblickte er am 14. September (2x7) im Jahre 1583, welche vier Zahlen zusammen addirt 17 geben; ermordet wurde er am 25. Februar (2+5=7) im Jahre 1634, welche Zahlen zusammen addirt, 14 (2x7) geben; auch gibt jede Hälfte dieser Jahreszahl, nämlich 16 und 34, addirt sieben; ja sogar der Monatsname Februar hat 7 Buchstaben. In den Grafenstand wurde Wallenstein 1617 erhoben; die erste Hälfte dieser Jahreszahl gibt 7, die zweite enthält eine 7. Herzog von Friedland wurde er am 14. Juni (2x7) 1625; jede Hälfte dieser Jahreszahl gibt wieder sieben. Wallenstein erreichte ein Alter von 52 Jahren, also abermals die Zahl 7 (5+2), und um 7 Uhr Abends an seinem Todestage mordete man seine besten Freunde hin. Der Name seines Mörders Buttler zählt gleichfalls sieben Lettern. – Von der Ansicht, den Feldherrn Wallenstein unbedingt für einen Verräther zu halten, abgesehen davon, daß einzelne Schriftsteller für seine Schuldlosigkeit entschieden einstehen, scheint man auch in maßgebenden Kreisen zurückgekommen zu sein, da man die Aufstellung seiner Statue im Arsenal zu Wien anordnete, wozu man sich doch kaum entschlossen haben würde, wenn es erwiesen wäre, daß er seinen Herrn und Kaiser verrathen habe. Die Statue, 1867 vollendet, ist ein Werk des Prager Bildhauers Schimek. –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Frühjar.
  2. Vorlage: 1684.