BLKÖ:Kinsky von Wchinitz und Tettau, Wilhelm Graf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 11 (1864), ab Seite: 285. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Wilhelm Kinsky von Wchinitz und Tettau in der Wikipedia
GND-Eintrag: 118777203, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Kinsky von Wchinitz und Tettau, Wilhelm Graf|11|285|}}

32. Wilhelm K., der erste Graf (ermordet 25. Februar 1634), Sohn Johann’s K. [S. 280, Nr. 13] aus dessen Ehe mit Anna Pausar von Michnicz und Bruder Radslaws (II.) [Nr. 25], Ulrich’s [Nr. 28], Johann’s [Nr. 14] und Wenzel’s [Bd. 30]. Gleich denselben ein gewaltiger Charakter und ein tapferer Haudegen, der sich zuerst 1611 bei der Vertheidigung der Altstadt Prags gegen die Passauer mit seinen oben genannten Brüdern ausgezeichnet hat. Er war 1617 Oberstjägermeister von Böhmen, 1618 von den utraquistischen Ständen unter die Directoren und Vertheidiger ihres Glaubens gewählt. Bei der Königswahl der Utraquisten 1619 stimmte er für den Churfürsten von Sachsen. Als nach der Schlacht am weißen Berge die katholische Partei gesiegt, hatte K. manche Anfeindungen und Verfolgungen zu überstehen, daher er sich [286] vornehmlich in Sachsen und zwar zu Pirna aufhielt, wo er sich ein Haus gebaut hatte. Der Freundschaft Wallenstein’s gelang es, ihm ungeachtet seiner früheren feindseligen Haltung mit Diplom vom 2. Juli 1628 die Erhebung in den Grafenstand zu erwirken, aber eben diese Freundschaft war es auch, die seinen gewaltsamen Tod herbeiführte. Denn Kinsky war es, der für Wallenstein verschiedene Unterhandlungen mit Frankreich und später mit Schweden leitete, aus welchen man Wallenstein’s hochverrätherische – und trotz aller bisher über diesen Gegenstand erschienenen Schriften doch nicht erwiesene – Schuld abgeleitet hat; denn eben mit Kinsky’s Tode gingen die Beweise verloren, welche gerade er und nur er allein für oder gegen die Schuld Wallenstein’s hätte geben können. Kinsky befand sich auch am Abend jenes verhängnißvollen Tages (25. Februar 1634) bei dem Bankette auf dem Schlosse in Eger und wurde beim Tische mit Illo, Trzka und Neumann ermordet. Wilhelm war ungeheuer reich, nach seinem Bruder Radislaw dem Reichen hatte er sechs große Güter und nach einer Schwägerin eine bedeutende Summe Geldes geerbt Nach seinem gewaltsamen Tode wurden seine sämmtlichen Güter, obwohl noch Frau und Kind lebten, confiscirt. Oberst Gordon erhielt jene im Königgrätzer Kreise, Graf Aldringer Teplitz und die übrigen Güter, und General Gallas das Haus in Prag, welches noch im Besitze der Grafen Clam-Gallas ist. Wilhelm’s Gemalin war Elisabeth geb. Gräfin Trzka, deren Bruder Adam Erdmann Graf Trzka durch seine Heirath mit Maximiliana Gräfin Harrach der Schwager Wallenstein’s und die Kinsky also seine Schwägerin war. Gräfin Elisabeth [Wißgrill nennt sie (Bd. V, S. 133) Maria Magdalena] scheint den Berichten ihrer Zeitgenossen zu Folge auf ihres Gatten politische Haltung wesentlich Einfluß genommen zu haben. So berichtet Khevenhüller von ihr: „Die Kintzkin, so eine geborne Tertzkin gewesen, hat um alle des Hertzogs Vorhaben und Machinationen gewußt“, und der Marchese di Grana schreibt in seinem Briefe vom 3. März 1634 an den Kaiser über sie: „... Die Kinskyn ist in der Rebellion ärger als ihr Mann gewesen, hat noch viel Geldt in Sachsen u. s. w.“ Die Gräfin, mit welcher Wilhelm einen Sohn Adolph Ernst erzeugte, begab sich nach der Katastrophe nach Dresden. Die Nachkommenschaft Wilhelm’s starb schon mit seiner Urenkelin Franziska Theresia im Jahre 1687 aus. [Heß (Johann Eduard), Biographien und Autographen zu Schiller’s Wallenstein. Nach geschichtlichen Quellen bearbeitet (Jena 1859, Mauke, Lex. 8°.) S. 431–435 über Wilhelm, auf S. 431 das Facsimile seiner Unterschrift, S. 445 über seine Gemalin, gleichfalls mit Abbildung ihres Facsimile.]