BLKÖ:Chlumecky, Peter Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Chmel, Adam Mathias
Band: 2 (1857), ab Seite: 349. (Quelle)
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Chlumecky, Peter Ritter von[BN 1][BN 2] (Geschichtforscher, geb. zu Triest 30. März 1825). Sohn des k. k. jubil. Hofraths Anton Ritter v. Ch. hat die Gymnasialstudien zu Zara in Dalmatien begonnen, und in Brünn, wohin er im J. 1836 kam, nebst der Philosophie beendet. Die Rechte studirte er zu Olmütz, und 1846 zu Wien. Reisen nach Deutschland, Italien und dem Orient vollendeten Ch.’s Bildung. Im August 1846 trat er in den k. k. Staatsdienst, wurde 1850 Bezirkscommissär, 1854 Statthaltereisecretär in Brünn, welchen Posten er noch gegenwärtig bekleidet. – Seit 1849 als Mitglied des mähr. Landesausschusses wiedergewählt, wirkte er anfänglich als ständ. Zeitungsamtsdirector, dann nach Aufhebung dieses Amtes (1852) richtete er auf die Pflege der Landesgeschichte seine volle Aufmerksamkeit. Die Ideen hierüber entwickelte er im Aufsatze: „Ueber österreichische Geschichtschreibung“ in Nr. 21 der „Oestr. Blätter für Literatur und Kunst“ des J. 1856, gründete zur Verwirklichung seiner Ideen im J. 1849 die hist.-statistische Section der k. k. mähr. schles. Gesellschaft, zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde, an welcher er anfänglich als Secretär, jetzt als Vorstands-Stellvertreter fungirt und welche unter des Finanzrathes d’Elverts umsichtiger Leitung zu den belangreichsten wissenschaftlichen Vereinen Oesterreichs zählt. Das Archivwesen überhaupt und die Reorganisirung des ständ. Archives machte sich Ch. zur Aufgabe, um einerseits die noch vorhandenen Schätze zu erhalten und deren Verluste zu verhüten, andererseits um durch Ordnung und Indicirung der Urkunden das reiche Material für Recht und Geschichte, Leben und Wissenschaft praktisch zu machen. Seit 1855 Director des Landesarchives, bearbeitete er entsprechende Instructionen und begründete das General-Repertorium aller im Lande vorhandenen älteren Urkunden und des sonstigen historischen Materials, eine Statistik aller Archive im Lande. Die nähere Darstellung dieses Organismus und seiner Tragweite bildet den Inhalt seines Aufsatzes: „Ueber die Geschichte Mährens und deren Quellenforschung“ in der Brünner Zeitung Nr. 57 u. 134 vom J. 1856, auch als Separatabdruck (Brünn 1857, Nitsch und Große). Neben dieser formellen Förderung der Geschichtforschung war er auch noch durch Herausgabe und Bearbeitung von Quellen thätig. Er veranlaßte im J. 1852 den Beschluß des mähr. Landesausschusses, den von Boczek begründeten „Codex Moraviae Diplomaticus“ (wovon fünf Bände schon erschienen) fortzusetzen; es wurde ihm die Herausgabe desselben anvertraut. Der 1. (6.) von ihm herausgegebene Band des „Codex“ ist 1854 erschienen; der 2. (7.) befindet sich unter der Presse. Ch. bewirkte auch über Anregung des Landtafel-Directors Demuth und Archivars Chytil, die Herausgabe der wichtigsten Quellen zur Geschichte des Rechtes, des Grundeigenthums, des Adels, der alten Geographie und Topographie. Von diesem, auf Kosten des begüterten Adels von Mähren unter Chlumecky’s Leitung, unter dem Titel: „Landtafel des Markgrafenthums Mähren“ (Brünn 1854–1856, Nitsch u. Große, kl. Fol.) herausgegebenen Prachtwerke sind 8 Liefer. schon erschienen. Um die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Schätze in den Archiven Mährens zu lenken, hat [350] Ch. die „Regesten der mährischen Archive“ (auf Kosten des Domesticalfondes Brünn 1856, Nitsch und Große) herausgegeben und in der Beilage die Correspondenz des Hofkriegsraths-Präsidenten Grafen Collalto und des Herzogs von Friedland veröffentlicht. Eine Skizze der Verfassung der Dorf- und Herrengerichte im 13. u. 14. Jahrhundert, als Beitrag zur Geschichte des deutschen Rechtes und seines Einflusses auf die Gesittung des Landes, ist in der Einleitung der von Chlumecky herausgegebene „Dorfweissthümer“ im 17. Bande des „Archives der kais. Akademie der Wissenschaften“ erschienen. Es ist dies das erste Ergebniß größerer Studien über die Geschichte des Grundeigenthums und der Agrar-Verfassung im 13. und 14. Jahrhund. In den Schriften der hist.-stat. Section der k. k. mähr. schl. Ges. (5. u. 7. Heft) sind zwei Abhandlungen Chlumecky’s erschienen: die eine umfaßt „Archäologische Untersuchungen über ein bei Brünn blosgelegtes tatarisches Grab“, und die andere enthält „Die öffentliche und Privatcorrespondenz, die Tagebücher und Urkundensammlungen Karls des Aelteren, Herrn von Zierotin“, dieses bedeutenden Mannes, dessen Wirksamkeit im Jahre 1608 während des Zwistes zwischen Kaiser Rudolph II. und dem Erzherzog (nachmal. Kaiser) Mathias, für Oesterreichs Geschichte so erheblich ist. Aus diesen Studien Ch.’s ergibt sich die Wichtigkeit einer Darstellung der Geschichte Oesterreichs von Ferdinand I. an bis zum westphälischen Frieden, in welche Periode die Grundlage der einheitlichen Gestaltung Oesterreichs fällt. Da die Tageszeit den Amtsgeschäften ganz und gar gewidmet ist, verwendet Ch. die spärlichen Mußestunden, diese Periode der österreichischen Geschichte ausführlicher zu bearbeiten. Neben den erwähnten Werken sind mehrere Aufsätze historisch-statistischen u. staatswissenschaftlichen Inhalts in scientifischen Journalen erschienen. Auch hat er Landesculturfragen zum Gegenstande seiner Studien gemacht. Von diesen ist nur eine größere Abhandlung: „Ueber die Theilung der Gemeinde-Hutweiden“ (Brünn 1848, Wimmer) selbständig erschienen. Im Jahre 1855 wurde er ständiges Mitglied der k. k. m. schl. Grundlastenablösungs- u. Regulirungs-Landescommission. Die Könige von Dänemark und Sachsen zeichneten Ch.’s wissenschaftliche Bestrebungen durch Verleihung ihrer Orden, mehrere gelehrte Akademien des In- und Auslandes durch Uebersendung ihrer Diplome aus.

d’Elvert, Geschichte des Bücher- und Steindrucks in Mähren. I. Bd. (oder 6. Heft der Schriften der histor.-statistischen Section der k. k. mähr. schles. Gesellschaft des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde u. s. w.) S. 315.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Chlumecký, Peter Ritter von [s. d. Bd. II, S. 349], gest. zu Brünn 28. März 1863. Seine letzte und bedeutendste Arbeit, welche leider nicht vollendet ist, und wovon der 1. Band kurz vor seinem Tode erschien, ist: „Carl von Zierotin und seine Zeit“ (Brünn 1862, Nitsch, gr. 8°.); umfassendes Materiale für den 2. Band. i. n dessen Arbeit er auch bedeutend vorgeschritten, ist vorhanden. Chlumecký stand mit den ersten Gelehrten Europa’s in lebhaftem Briefwechsel, und schon sein brieflicher Nachlaß, worin sich Briefe von Barozzi, Champollion, Chmel, Grimm, Klukhohn, Korff, Maurenbrecher, Lerchenfeld, Petzold, Röpel, Sybel u. A. vorfinden, böte für die Wissenschaft gewiß reiche Ausbeute
    Brünner Zeitung 1863, Nr. 91. – Wiener Zeitung 1863, Nr. 73, S. 986. [Bd. 11, S. 378.]
  2. E Chlumecky, Peter Ritter von [Bd. II, S. 349, u. Bd. XI, S. 379].
    Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, 4°.) Nr. 1042, 20. Juni 1863: „Peter Ritter v. Chlumetzky“ [mit dessen wohlgetroffenem Bildniß in Holzschnitt]. – Süddeutsche Zeitung 1853., Nr. 187, im Feuilleton. – Moravan, d. i. Der Mähre (polit. Blatt), 1863, Nr. 41, im Feuilleton. – Osservatore triestino 1863, Nr. 161, im Feuilleton. – d’Elvert (Christian Ritter von), Geschichte der k. k. mähr. schles. Gesellschaft ( u. s. w. (wie bei André), in den Beilagen S. 301, Nr. 67. [Bd. 23, S. 374.]