BLKÖ:Habsburg, Ferdinand I. (deutscher Kaiser)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 6 (1860), ab Seite: 181. (Quelle)
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81. Ferdinand I., deutscher Kaiser (geb. 10. März 1503, gest. 25. Juli 1564). Zweiter Sohn des Erzherzogs Philipp von Oesterreich und Johanna’s, Tochter Ferdinand’s des Katholischen; Enkel des großen Maximilian I. und Bruder des Kaisers Karl V. Gemalin. Im Jahre 1521 vermälte er sich mit Wladislaw’s, Königs von Ungarn und Böhmen Tochter Anna [siehe d. Nr. 24], welche jedoch, nachdem sie ihm 15 Kinder geboren, von denen 2 in der Kindheit starben, bereits 1547 gestorben war. Kinder: Maximilian II., sein Nachfolger in der deutschen Kaiserwürde; Ferdinand, welcher Tirol und die auswärtigen Lande; Karl, welcher Steiermark erhielt; Elisabeth, nachmals an Sigismund II. August, König von Polen vermält [s. d. Nr. 70.]; Anna, vermält an Albrecht II., Herzog [182] in Bayern [s. d. Nr. 26]; Maria, vermält an Wilhelm, Herzog von Cleve; Magdalena, Aebtissin des Klosters Hall in Tirol; Katharina, vermält zuerst an Franz, Herzog von Mantua, zum andern Male, nach dem Tode ihrer Schwester Elisabeth, an ihren Schwager Sigismund August von Polen; Eleonore, vermält an Wilhelm, Herzog von Mantua; Barbara, vermält an Alphons II., Herzog von Ferrara; Johanna, vermält an Franz Maria von Medicis, Großherzog von Florenz; Margaretha und Helena, welche Beide den Schleier nahmen; Ursula und Johannes starben in zarter Kindheit. Wahlspruch: „Fiat justitia aut pereat mundus.“. Wichtigere Lebensmomente: Ferdinand erhielt eine sorgfältige Erziehung; als sein Bruder Karl die Regierung in Spanien antrat (1516), schickte er F. in die Niederlande, wo Erasmus von Rotterdam den Plan zu seiner weiteren Ausbildung entwarf; F. war bewandert in der classischen Literatur, sprach Spanisch, Italienisch, Deutsch und Französisch mit Fertigkeit, und auch im Gebiete der übrigen Wissenschaften war er nicht fremd. Nach seines Großvaters, des Kaisers Max I. Tode (1519) erhielt er die österreichischen Lande, d. i. das Erzherzogthum Oesterreich, Steiermark, Kärnthen, Krain, Tirol erb- und eigenthümlich. Als sein Schwager Ludwig II. , König von Ungarn und Böhmen, der Gemal seiner Schwester Maria, in der Schlacht bei Mohacs gegen die Türken am 29. August 1526 geblieben war, und keine Kinder hinterließ, erhob Ferdinand Ansprüche auf die Kronen von Ungarn und Böhmen, welche ihm auch Beide zu Theil wurden, letztere den 26. October, erstere im November 1526; seit welcher Zeit Ungarn und Böhmen (die mit Böhmen verbundenen Lande waren Mähren, Schlesien und die Lausitz) unausgesetzt Nebenreiche des Kaiserthumes geblieben sind. Ungarns wegen hatte Kaiser Ferdinand einen langen Kampf zu bestehen. Johann von Zapolya, Graf von der Zips und Woiwode von Siebenbürgen, besaß eine starke Partei im Lande, die auch ihn zum Könige krönte, und der Sultan Soliman unterstützte Zapolya’s Ansprüche mit einem Heere von 300.000 Mann. Bis Wien war das Türkenheer vorgedrungen, und belagerte 1529 die Kaiserstadt. Niclas Salm war damals Wien’s Retter. Die Türken zogen ab, kehrten aber mit neuer Heeresmacht 1532 wieder, rückten bis an die Grenzen Steiermarks vor, wo ein zweiter Niclas, Niclas Jurissisch, Commandant der Festung Güns, ihnen unbesiegbaren Widerstand entgegenstellte, wodurch Deutschland und Wien Zeit gewannen, die Kräfte zum Kampfe gegen den Feind der Christenheit zu vereinigen. Eine kaiserliche Flotte, befehligt von Andreas Doria, nahm eines der Dardanellenschlösser weg, und Soliman sah sich gezwungen seinen Rückzug anzutreten. Der Vertrag von Großwardein kam 1538 zu Stande, nach welchem der alte und unvermälte Zapolya bis an seinen Tod den Königstitel von Ungarn behalten, dieser aber alsdann an Ferdinand I. übergehen sollte. Zapolya aber vermälte sich wider Erwarten mit Isabella, Tochter Sigismund’s von Polen, und bekam 1540 einen Sohn Johann Sigismund. Als Zapolya bald darauf starb, widersetzte sich seine Witwe der Vollziehung des Vertrages, worin sie von dem ehrgeizigen Martinuzzi, einem mächtigen Prälaten, stark unterstützt wurde. Der Türkenkrieg begann von Neuem 1541, und nur mit schweren Bedingungen [183] erkaufte Ferdinand einen 5jährigen Waffenstillstand. Auch die Beseitigung von Martinuzzi’s Einfluß, der am 19. Dec. 1551 unter den Dolchen von Meuchelmördern fiel, half nichts zur Besserung der Sachlage. Der Kampf entbrannte von Neuem. Die Pforte betheiligte sich, und endlich kam 1562 ein 8jähriger Waffenstillstand mit Soliman zu Stande. Ferdinand gelangte, so lange er lebte, nicht zum ungestörten Besitze Ungarns. In Böhmen währten die religiösen Unruhen fort. Der Kuttenberger Landtag, 1485, hatte den Calixtinern 33 Jahre Duldung und Glaubensfreiheit zugestanden. Nun machte Luthers Lehre mächtige Fortschritte und ein engeres Band schien Böhmen und Sachsen zu verbinden. Ferdinand, entschiedener Gegner Luther’s und seiner Lehre, legte Hand an’s Werk zur Unterdrückung der Sectirer. Die Schlacht bei Mühlberg 1547, in welcher Johann Friedrich, Churfürst von Sachsen, gefangen worden, krönte seine Bemühungen. Der blutige Reichstag fand zu Prag am 22. August 1547 Statt, genannt so, weil von den Aufrührern, zwei dem Adel, zwei dem Bürgerstande Angehörige hingerichtet, viele andere mit Pranger, Peitschung, Geldbußen und Gefängniß bestraft wurden. Ferdinand übertrug nun 1556 den Jesuiten den Unterricht der Jugend, und eine strenge Büchercensur überwachte die neu erscheinenden Werke. Im Jahre 1530 war Ferdinand von seinem Bruder Karl zum römischen Könige ernannt worden. Da Karl’s Sohn Philipp sich nicht die Gunst der deutschen Reichsfürsten erwerben konnte, trat er bei seiner Abdankung 1556 die Kaiserkrone an Ferdinand ab. 1558 erfolgte die allgemeine Anerkennung seiner neuen Würde. Durch Mäßigung und Umsicht erhielt Ferdinand den Frieden in Deutschland. Das Concilium von Trient, von welchem Ferdinand Besserung der religiösen Zustände erwartete, hatte sich, ohne dieses zu erreichen, aufgelöst. Da starb Ferdinand im Alter von 62 Jahren. Die Geschichte nennt ihn einen guten Regenten. Anmuth und Würde waren über sein Aeußeres verbreitet; Milde und Sanftmuth machten die Grundzüge seines Charakters aus. Die von spanischen Geistlichen in früheren Jahren ihm eingeflößte Unduldsamkeit in Religionsangelegenheiten wich in späteren Jahren, und machte einer gemäßigten Anschauung Platz. Ferdinand, selbst hochgebildet, liebte den Umgang mit gelehrten und unterrichteten Leuten. Dem Münzwesen gab er 1559 eine neue Gestaltung, und den durch unregelmäßiges Verfahren bei Aushebung der Truppen gestörten Landfrieden befestigte er auf’s Neue.

Buchholtz (Franz Bernhard), Geschichte der Regierung Ferdinand’s I. 9 Bände (Wien 1830–1845, 8°). – Dolce (Lodovico), Vita di Ferdinando I. (Venezia 1566, 4°.; ebd. 1568, 4°.).Ekermann (Peter), Aureolum imperatoris Ferdinandi I. symbolum: Fiat justitia aut pereat mundus (Upsala 1766, 4°.). – Forgacs (Ferencz), Oratio in funere etc. imperatoris Ferdinandi etc. habita in templo D. Stephani (Vienn. 1565, 4°.). – Gebuillerius (Hieronymus), Epitome regii ac vetustissimi ortus sacrae caesareae et catholicae majestatis Caroli V. et Ferdinandi I., Hungariae et Bohemiae regis (Hagenoae 1530, 4°. et Lovan. 1650, 8°.).Herold (Basilius Joannes), Oratio in obitum Ferdinandi I. imperatoris (Francof. 1564, 4°.).Hoere (Joh. Gottfried), Programma de Romanorum rege Ferdinando pacis Augustanae conciliatore (Misen. 1755, Fol.). – Jockell (Joh. Bapt.), Geschichte der Regierung König Ferdinand’s I. u. s. w. 4 Thle. (Wien 1842 und 1843, 8°.). [Ein Auszug aus Buchholtz’s umfangreichem Werke.] – Masenius (Jacob), Anima historiae hujus temporis h. e. historia Caroli V. et Ferdinandi I. (Colon. Agr. 1672 4°.; ebd. 1684 u. ebd. [184] 1709, 4°). – Rost (C. H.), Dissertatio de Ferdinando I. Smalcaldici belli Socio (Lips. 1789, 4°.). – Ulloa (Alfonso de), Vita del potentiss. e christianiss. imperatore Ferdinando I. … dall’ anno 1520 fino al 1564 (Venez. 1568, 4°.). – Vergleiche übrigens die überaus reiche Literatur über Ferdinand in: Schmit Ritter von Tavera, Bibliographie zur Geschichte des österr. Kaiserstaates (Wien 1858, gr. 8°.) Nr. 1935–2449. [Tavera ordnet sie zur leichteren Uebersicht nach folgenden Abschnitten: Biographien und Biographische Beiträge Nr. 1935–1971; Urkunden und Briefe Nr. 1972–1983; Unruhen in Oesterreich Nr. 1984–1994, Bauernkrieg Nr. 1995–2020, Kirchliche Angelegenheiten Nr. 2021–2048; Würtembergische Angelegenheiten Nr. 2048–2060; Böhmen Nr. 2061–2066, Böhmische Unruhen Nr. 2067–2080; Ungarn Nr. 2081–2105; Türkenkriege (1527–1564) Nr. 2106–2125; Urkunden zum Türkenkriege Nr. 2126–2133, Lieder anläßlich des Türkenkrieges Nr. 2134–2138, Aufforderungen zum Kriege gegen die Türken Nr. 2139–2163; Von Ferdinand’s I. Zug nach Ungarn bis zur Belagerung Wiens (1527–1529) Nr. 2164–2186; Wiens Belagerung (1529) Nr. 2187–2216; Einzelnheiten und Lieder Nr. 2217–2231; Krieg 1532 Nr. 2232–2256; Belagerung von Güns Nr. 2256–2263; Feldzug 1532 Nr. 2264–2282, Türken in Steiermark Nr. 2283–2295, Krieg im J. 1537 Nr. 2296–2309; Krieg von 1540–1547 Nr. 2310–2344, Letzter Krieg Ferdinand’s I. gegen Suleiman 1551–1558 Nr. 2345–2397, Verhältniß zu Frankreich Nr. 2398–2402, Verhältniß zu Rußland Nr. 2403–2416; Pest, Heuschrecken, Comet, Furcht vor dem Weltuntergange Nr. 2417–2429; Leichen- und Lobreden auf Ferdinand I. Nr. 2430–2449.][BN 1]

Berichtigungen und Nachträge

  1. Bd. VI, S. 184, Sp. 1, in der Biographie des Kaisers Ferdinand I. (Nr. 81) ist den Quellen beizufügen:
    Austria. Oesterreichischer Universal-Kalender (Wien, Klang, gr. 8°.) IX. Jahrg. (1848), S. 29: „Kriegsartikel K. Ferdinand’s I. vom Jahre 1527“ [aus einer gleichzeitigen Handschrift]; – XX. Jahrg. (1859), S. 1: „Kaiser Ferdinand’s I. Heirathsordnung (1550)“. [Bd. 7, S. 412].