BLKÖ:Habsburg, Johanna von Oesterreich (Tochter des Kaisers Ferdinand I.)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Habsburg, Joseph I.
Band: 6 (1860), ab Seite: 290. (Quelle)
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122. Johanna von Oesterreich, Gemalin des Großherzogs Franz Medicis von Toscana (geb. 24. Jänner 1547, gest. 11. April 1578). Tochter des Kaisers Ferdinand I. und Anna’s [s. Nr. 24], einer Schwester Ludwig’s, letzten Königs in Ungarn und Böhmen. Ihre Vermälung mit Franz von Medicis, einem nachgebornen Sohne des Herzogs [291] Cosmus I. und dem ersten vom Kaiser anerkannten Großherzoge von Toscana, fand erst 1565, ein Jahr nach dem Tode Ferdinand’s, des Vaters Johanna’s, Statt. Den Titel eines Großherzogs erhielt Franz als Entschädigung für die ihm in Folge der Verdienste seines Vaters, – der namentlich der Insel Malta gegen die Türken große Dienste geleistet, – vom Papste Pius zugedachte Würde eines Erzherzogs. Johanna’s Bruder, der damalige Kaiser Maximilian II., hatte nichts gegen diese Rang- und Titelerhöhung, aber die kaiserlichen Räthe und der König von Spanien, Philipp II., weigerten sich dessen, weil die erzherzogliche Würde ein Vorrecht des Hauses Oesterreich sei. Aber wie etwa 70 Jahre später aus Anlaß eines österreichischen Erzherzogs, des berühmten Cardinal-Infanten Ferdinand, ein Höfling die Titulatur königliche Hoheit erfand [s. Nr. 85], so war es nun der kaiserliche geheime Rath Johann Ulrich Zasius, welcher für den Titel des Erzherzogs jenen des Großherzogs in Vorschlag brachte, um welchen sich Franz nunmehr auch bewarb und den er erhielt. Kurz vor seiner Vermälung verfügte sich Franz an den kaiserlichen Hof nach Innsbruck (1565) wo er eine sehr beifällige Aufnahme fand und namentlich durch seinen Kunstsinn Aufsehen erregte. Franz, ein großer Freund der Wissenschaften, war insbesondere in der Chemie trefflich unterrichtet, er verfertigte geschickt falsche Juwelen, welche nur der Kenner von echten unterscheiden konnte, er erfand die Bombe, konnte es jedoch nicht so weit bringen, daß sie zur rechten Zeit zersprang, weshalb sie von König Philipp I. und Don Juan von Oesterreich, welchen Beiden er sein Geheimniß mittheilte, nicht eingeführt werden konnte. Mit eigenen Händen verfertigte er Porcellangefäße und schenkte sie anderen Fürsten. Am kaiserlichen Hofe fand Franz eine sehr gastliche Aufnahme. Das Beilager des Großherzogs mit Johanna sollte in Trient gehalten werden, aber Rangstreitigkeiten, welche selbst der gewandte Cardinal-Legat Borromei nicht beizulegen vermochte, veranlaßten den Kaiser zur Anordnung, daß jeder Bräutigam sein Beilager in seinen eigenen Staaten halten solle. Johanna’s Ehe mit Franz ward durch dessen Verhältniß mit Bianca Capello getrübt. Die Erzherzogin war eben so schön, als fromm und tugendhaft, sie nahm deshalb an dem Lebenswandel ihres Gatten Anstoß und machte ihm Vorwürfe darüber. Johanna’s Bruder, der Kaiser Max, entsendete selbst einen Cavalier mit dem ausdrücklichen Auftrage nach Florenz, um seine Empfindlichkeit über die Hintansetzung seiner Schwester, welche ihre Klagen unter der Hand nach Wien gelangen ließ, zu äußern. Erst die Geburt eines Erbprinzen am 20. Mai 1577 machte diesem Unfrieden ein Ende. Der Erbprinz erhielt dem Könige Philipp von Spanien zu Ehren den Namen Philipp Cosmus, starb aber vor dem Vater (1582). Außer diesem hatte Johanna zwei Töchter, Eleonore und Maria, erstere (gest. 1611) Gemalin des Herzogs Vincenz von Mantua; letztere (gest. 3. Juli 1643) Gemalin Heinrich’s IV., Königs von Frankreich.

Adriani (Giovanni Battista), Oratio habita in funere Johannae Austriacae, uxoris Francisci I., magni ducis Etruriae (Florent. 1578, 4°.). – Angelio de Barga (Pietro), Epithalamium in nuptias Francisci Medicis, Florentinorum et Senensium principis, et Johannae Austriacae, Ferdinandi I., Imperatoris filiae (Florent. 1566, 4°.). – Bocchi (Francesco), Oratio de laudibus Joannae Austriae quae, regina nata Ungariae et Boemiae in matrimonio Francisci Medicis [292] magni ducis Etruriae Florentiae Infelici partu mortem obiit (Florent. 1578, 4°. – Gini (Leonardo), Oratio in funere serenissimae Joannae serenissimi Francisci Medicis Magni ducis Etruriae uxoris ... (Senis. 1578, 4°.). – Guadagni (Giovanni), Laudatio in nuptias Francisci Medicis et serenissimae Joannae Austriacae (Florent. 1568, 4°.). – Lottini (Giovanni Angelo), Orazione funerale etc. per consolare ogni animo pietoso dell’ immatura et dannosa morte della serenissima Giovanna d’Austria, etc. (Firenze 1578, 4°.). – Razzi (Silvano), Ecloga della santa vita e Morte della regina Giovanna d’Austria, granduchessa di Toscana (Florenz 1578, ebd. 1588, ebd. 1606, ebd. 1622, 8°.). – Renieri (Antonio), Hymenaeus in Francisci Medicis et Joannae Austriacae Etruriae principum nuptiis (Florent. 1565, 4°.). – Vettori (Pietro), Liber de laudibus Joannae Austriacae, natae Reginae Ungariae et Bohemiae (Florent. 1566, 4°.).