BLKÖ:Haase, Gottlieb

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 6 (1860), ab Seite: 110. (Quelle)
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Haase, Gottlieb (Industrielle Firma eines Prager Buchdrucker- und Buchhandlungs-Geschäftes). Dieselbe wird unter dieser älteren Bezeichnung mit dem Beisatze: Söhne, seit 1831 von den vier Brüdern Gottlieb, Ludwig, Andreas und Rudolph fortgeführt. Der erste Begründer dieses Geschäftes ist ihr Vater Gottlieb (Buchdrucker, geb. in Halberstadt 1765, gest. 1824). Er erlernte die Buchdruckerkunst, arbeitete an verschiedenen Orten, und kam nach Prag, wo er Factor in einer Buchdruckerei wurde, und ein kleines Geschäft mit Neujahrs- und Namensfestbilleten begründete. Im Jahre 1800 heirathete er die Tochter des Buchhändlers Widtmann, und wurde dadurch in den Stand gesetzt, eine Buchdruckerei mit 2 Pressen zu kaufen. Nach und nach verband er mit derselben eine Papierhandlung, eine Steindruckerei und Schriftgießerei, und hatte seine Buchdruckerei von 2 auf 18 Pressen vermehrt. Nach seinem Tode übernahmen die zwei ältesten Söhne Ludwig (geb. 1801) und Andreas (geb. 1804) das Geschäft; später vereinigten sich mit ihnen die zwei jüngeren Brüder: Gottlieb (geb. 1809), der bei Krause das Buchhandelsgeschäft erlernte und es bald selbst übernahm, und Rudolph (geb. 1811), welcher die Rechte studirt hatte. Zeit 1831 besteht die Gesellschaft dieser vier Brüder, unter der schon von den zwei älteren geführten Firma: Gottlieb Haase Söhne, und gehört dieses Geschäft zu den bedeutendsten des österreichischen Kaiserstaates. Es zerfällt in 5 Abtheilungen: 1) die Buchdruckerei, mit welcher ein Verlag von mehr als 800 Artikeln für Aemter und Kaufleute verbunden ist; sie waren die ersten, die den Congrevedruck (Druck mit mehreren Farben) in Oesterreich einführten; 2) die Schrift- und Stereotypgießerei; reich an Polytypen, einen großen Theil der Buchdruckereien in Oesterreich, in den angrenzenden türkischen Provinzen, in Krakau und in Polen damit versorgend; in der Stereotypie werden nach einem neuen sehr vereinfachten Verfahren, Platten von ungewöhnlicher Größe gegossen; 3) die Verlags- und Sortiments-Buchhandlung; eine der bedeutendsten Oesterreichs; sie sind die Pächter der amtlichen Prager Zeitung; 4) die Maschinen-Papierfabrik im Dorfe Wran, welche täglich 40 Centner Papier liefert; und 5) die Papierhandlung, welche nicht allein die Erzeugnisse der eigenen Fabrik, sondern auch die der meisten Fabriken und Mühlen Böhmens in den Handel bringt. Das Geschäft besitzt Commanditen in Wien, Linz, Lemberg, und beschäftigt an 700 Personen, die in eigenen Localitäten arbeiten. Bemerkenswerth erscheint es, daß diese Firma die große Welt-Industrie-Ausstellung in Paris im Jahre 1855 mit keinem ihrer Erzeugnisse beschickt hat.

J. Meyer, Das große Conversations-Lexikon (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XIV, S. 529, Nr. 6, 7, 8, 9, 10. – Bericht über die allgemeine Agrikultur- und Industrie-Ausstellung zu Paris im Jahre 1855. Herausg. unter der Redaction von Dr. Eberhard Jonák (Wien 1857/58, Staatsdruckerei, gr. 8°.) Bd. I, Zehnte Classe, S. 95. – Oesterr. National-Encyklopädie, herausg. von Czikann und Gräffer (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 459 und Bd. VI, Suppl. S. 468.