BLKÖ:Monse, Joseph Wratislaw Edler von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Monico, Jacob
Band: 19 (1868), ab Seite: 35. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 132790696, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Monse, Joseph Wratislaw Edler von|19|35|}}

Monse, Joseph Wratislaw Edler von (Rechtsgelehrter, geb. zu Neustadt in Mähren 15. Juni 1733, gest. zu Olmütz 6. Februar 1793). Sein Vater Johann Karl (gest. 1747) war Syndicus in Neustadt, hat sich in den Jahren 1741–1743 im bayerisch-sächsischen Kriege als österreichischer Patriot bewährt, wurde gefangen genommen und war in Folge der von Seite des Feindes erfahrenen üblen Behandlung im besten Mannesalter gestorben. Der Sohn [36] Joseph Wratislaw lag den Studien ob; die Humanitätsclassen beendete er gegen die sonst üblichen 6 Jahre in 4 Jahren zu Teltsch in Mähren, dann begab er sich nach Prag, wo er die philosophischen Collegien besuchte und von dort nach Wien, wo er die Rechte studirte und im Jahre 1762 die juridische Doctorwürde erlangte. Bei dieser Gelegenheit gab er die Dissertation: „Triga disquisitionum juridicarum“ (Viennae 1762, 4°.) heraus und bei der öffentlichen Disputation war Cardinal Migazzi Monse’s Oppugnent. Obwohl sich ihm für sein Bleiben in Wien nicht ungünstige Aussichten darboten, zog er es doch vor, in sein engeres Vaterland Mähren zurückzukehren, und er übernahm im Jahre 1764 die Stelle eines Consistorial-, Lehen- und Stadt-Advocaten in Olmütz, in welcher er durch seine Geschicklichkeit sich bald einen ausgezeichneten Ruf begründete. Er bekleidete diesen Posten bis zum Jahre 1778, also auch dann noch, nachdem er im Jahre 1768, von den mährischen Ständen vorgeschlagen, die Professur des Staatsrechtes an der Universität in Olmütz erlangte. Außer Staatsrecht trug Monse aus eigenem Antriebe auch Naturrecht vor und, wie er in seiner Selbstbiographie schreibt, habe, „gleichwie Oesterreich dieses Studium dem Baron Martini, also Mähren ihm die Lehre des Naturrechtes zu verdanken“. Herr d’Elvert bestreitet diese Ansicht, indem er in dem in den Quellen angegebenen Werke bemerkt, „daß lange vor Monse Naturrecht an der Olmützer Universität vorgetragen worden sei; vielleicht war das von Monse Vorgetragene ein geläutertes nach den neueren Ansichten?“ Uebrigens unterläßt es Herr d’Elvert, die Namen jener Professoren bekannt zu geben, die das Naturrecht in Mähren vor Monse vorgetragen haben. Im Jahre 1769 supplirte M. auch in Folge des Ablebens des Professors Sommer für einige Zeit die Lehrkanzel der Institutionen, Digesten und des Kirchenrechtes. Im nämlichen Jahre noch wurde er Beisitzer der Studiencommission in Olmütz; dann übertrug ihm das Landesgubernium im Jahre 1775 die Superintendentenstelle über das Olmützer Seminar und im Jahre 1777 die Aufsicht über die Universitäts-Bibliothek. Als im Jahre 1778 die Universität von Olmütz nach Brünn verlegt wurde, begab sich auch Monse dahin, erhielt den Titel eines kais. Rathes und überdieß das Directorat des juridischen Studiums. Im Jahre 1780 wurde er Beisitzer der Censurcommission, und in Anerkennung seiner Verdienste um das Lehramt und die Wissenschaft in den erbländischen Adelstand erhoben. Als im Jahre 1782 die Universität wieder von Brünn nach Olmütz zurückverlegt und dann in ein Lyceum verwandelt wurde, kehrte auch Monse nach Olmütz zurück und trug daselbst zuerst geistliches und vaterländisches, und seit 1786 Natur-, allgemeines Staats- und bürgerliches Recht vor. Monse war auf dem Gebiete seiner Fachwissenschaft und auch auf jenem der Geschichte vielfach literarisch thätig, außer der oberwähnten Dissertation, in welcher die drei Fragen: „Ob die weltliche Obrigkeit mit Recht die Ketzer, besonders am Leben, bestrafen könne?“ – „Ob es einer geistlichen Person erlaubt sey, eine weltliche Würde oder Amt zu bekleiden?“ – und „Ob die Reichsvasallen angehalten werden können, ihre Belehnung in Person vor dem Throne zu nehmen und persönliche Lehendienste zu thun?“ beantwortet werden, gab er [37] noch im Drucke heraus: „Diatribe de societatis coniugatae inaequalitate ad principia juris naturae exacta“ (Olomucii 1764, 4°.); – „Ant. Pereira Doctrina antiquae ecclesiae de suprema imperantium civilium, etiam in personas ecclesiasticas potestate; latine reddita“ (Viennae 1773, 8°.); – „Pii manes et eximia in rem litterariam merita perill. ac clar. Dom. P. J. a Riegger (Olomucii 1775, 8°.), befindet sich auch im 2. Bändchen der im Jahre 1792 erschienenen Rieggeriana; – „Synopsis iuris ecclesiastici“ (Olomucii 1775, 8°.); – „Tabula juris publici marchionatus Moraviae“ (ibid. 1776, 8°.); – „De antiquitate hodiernae juris ecclesiastici doctrinae“ (ibid. 1777, 8°.); – „Diss. Suppeditata ad historiam litterariam Moraviae“ (ibid. 1777, 8°.); – „Infulae doctae Moraviae“ (Brunnae 1779, 8°.); – „Dialogus inter Clericum et Militem super dignitate papali et regia; edidit, praefatus est et notas adjecit ...“ (ibid. 1779, 8°.); – „Leitfaden zu den Vorlesungen über die Landesgesetze Mährens“ (Olmütz 1783, 8°.); – „Versuch einer kurzgefassten politischen Landesgeschichte des Markgrafenthums Mähren u. s. w.“, 2 Bände (Brünn 1785, 2. Band Olmütz 1788, 8°.); – „Ponawržení prostředkůw k umenšení nezdrawí takowých přibytkůw, které rozwodnění podrobené byly od M. Cadet de Vaux ... z němčíny přeložil Josef Wratislaw Monse“, d. i. Mittel zur Verminderung der Ungesundheit solcher Gebäude, die von Ueberschwemmungen gelitten haben, aus dem Französischen von M. Cadet de Vaux, nach der deutschen Uebersetzung (von Ferro) in’s Böhmische übersetzt (Olmütz 1785, 8°.) bei Jungmann erscheint es bei Anführung dieses Werkes, als ob Monse eigentlich Joseph Wratislaw hieße und aus Monse gebürtig wäre, ein Irrthum, der auch in etwas veränderter Weise in dem von Ign. J. Hanus verfaßten „Systematisch und chronologisch geordneten Verzeichniß sämmtlicher Werke und Abhandlungen der kön. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften(Prag 1854, 8°.) durchwegs, S. 35, 40, 43 u. 47, vorkommt, wo Monse bald nur als Wratislaw und wieder als Wratislaw von Monse erscheint. – „Abhandlung über die ältesten Municipalrechte der kön. Stadt Brünn und dessen (10) Bezirke, nach einem Codex aus dem vierzehnten Jahrhunderte. Mit beygefügten literarischen, historischen und juristischen Anmerkungen über die ursprüngliche Sammlung der alten Gesetze, ihre Quellen und Fortpflanzung, Sitten und Gewohnheiten, Justizpflege und Sprache im Markgrafthum Mähren“ (Olmütz 1788, 8°.); – „Historischer Versuch über das Landeswappen des Markgrafenthums Mähren“ (Olmütz 1792, 8°.), auch in den neuen Abhandlungen der kön. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften (Bd. II, 1795, S. 41); – „Odkryté tajnosti čarodějnických kunštů k wýstraze a wyučowání obecního lidu o powěrách a škodliwých bludech“, d. i. Aufgedeckte Geheimnisse der Hexenprocesse u. s. w. (Olmütz 1792, 8°.), eine Uebersetzung des deutschen Werkes von Eckartshausen[WS 1]. Außerdem gab Monse heraus in neuer Auflage mit einer Vorrede: „Baumeisteri Institutiones philosophiae naturalis“, – „Caroli Liberi baronis a Zierotim Epistolae selectae, fasciculus 1us (Brunnae 1781, 8°.), – in verbesserter Ausgabe Dobner’s Untersuchung[WS 2], wann Mähren ein Markgrafthum geworden (Olmütz 1781, 8°.). – „Jura primaeva Moraviae; collegerunt ac notis illustrarunt Benedictini Rayhradensis“ (Brunnae 1787, 8°.) – und [38] „Versuch über die ältesten Municipalrechte im Markgrafthum Meissen, mit eingestreuten juridisch-historischen Anmerkungen über die Sitten, Gewohnheiten, Gesetze und Justizpflege der damaligen Zeiten, nach dem Codex des 14. Jahrhunderts, welcher eine vollständige Sammlung der Brünner Municipalrechte enthält; diese Arbeit Monse’s befindet sich in den Abhandlungen der böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften (Bd. III, 1787, S. 75). In Anerkennung der wissenschaftlichen Verdienste Monse’s ist derselbe von der patriotischen Gelehrten-Gesellschaft zu Hessen-Homburg und von der kön. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaft als Mitglied aufgenommen, von Kaiser Joseph aber in den erbländischen Adelstand erhoben worden. Aber so ruhig und unangefochten, als es erscheinen mag, erfreute sich Monse nicht, weder seiner lehramtlichen Stellung, noch der ihm zuerkannten Würdigung seiner Verdienste. Er hatte, wie eine gleichzeitige Quelle berichtet, seiner geläuterten Grundsätze und fortschreitenden Ansichten wegen viele Drangsale und Verfolgungen auszustehen. Der Erzbischof von Olmütz und der Prälat von Allerheiligen verfolgten ihn auf das Heftigste und legten ihm überall Hindernisse in den Weg; der Pfarrer Petsch, ein in der Josephinischen Periode ob seines Fanatismus übelberüchtigter[WS 3] Geistlicher, predigte öffentlich gegen ihn; Monse’s Freisinn in Kirchensachen veranlaßte seine Gegner zu erfinden, daß, als er einmal communiciren gewollt, ihm vor dem Munde die Hostie verschwunden sei; ja man vergaß sich so weit, ihm die Ursache einer Feuersbrunst, durch welche ein Dorf eingeäschert worden, zuzuschreiben. Als er im Jahre 1776 von der Regierung den Auftrag erhielt, über den Zustand der Schulen und deren Gebrechen Bericht zu erstatten, und er diesem Auftrage Folge geleistet, wurde er von der Geistlichkeit als falscher Denunciant verschrieen und die Prälaten von Hradisch und Allerheiligen reichten eine gegen ihn gerichtete Schrift ein, die er, wie sehr er auch bat, ihm dieselbe zur Beantwortung mitzutheilen, nie zur Einsicht erhielt. Jedoch ließ sich Monse durch diese Umtriebe nicht beirren und ging seinen geraden Weg weiter. Monse besaß eine reichhaltige Bibliothek, die nach seinem Tode durch Verkauf zerstreut wurde. Der Katalog derselben befand sich in des bekannten Sammlers Cerroni [Bd. II, S. 324] Besitz, der auch Monse’s handschriftlichen Nachlaß, die Fortsetzung seiner politischen Geschichte Mährens bis zum Jahre 1780, dann die Geschichte der Olmützer Universität, des juridischen Studiums daselbst und der Schulen, sowie noch mehreres andere an sich gebracht hatte. Monse starb, 60 Jahre alt, geachtet als Mensch wie als Gelehrter.

Adelstands-Diplom ddo. 1. December 1780. – Weidlich (Christoph), Biographische Nachrichten von jetztlebenden Rechtsgelehrten (Halle 1751 u. f., 8°.) Theil II, S. 36; Nachträge S. 196 u. f.; fortgesetzte Nachträge S. 175. – Neuere Abhandlungen der kön. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften (Prag, 4°.) Bd. II (1795), S. XXXII–XXXX: „Biographie Monse’s“, von J. Dobrovsky. – Oberdeutsche allgemeine Literatur-Zeitung 1788, S. 1756 u. f. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1776, Ghelen’sche Schriften, 8°.) I. Bandes 1. Stuck, S. 353. – Meusel (Joh. Georg), Lexikon der vom Jahre 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller (Leipzig 1808, Gerh. Fleischer d. Jüng., 8°.) Bd. IX, S. 252. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 701. – d’Elvert (Christian), Geschichte des Bücher- und Steindruckes, des Buchhandels, der Büchercensur [39] und der periodischen Literstur u. s. w. (Brünn 1854, Rohrer’s Erben, gr. 8°.) S. 295. – Oesterreichische Biedermanns-Chronik. Ein Gegenstück zum Phantasten- und Prediger-Almanach (Freiheitsburg [Akademie in Linz] 1785, kl. 8°.) I. (und einziger) Theil, S. 144–148 [entwirft ein namentlich im Hinblick auf die Gegenwart höchst interessantes Gemälde der damaligen Verhältnisse]. – Oesterreichisches Archiv für Geschichte, Erdbeschreibung, Kunst und Literatur. Herausgegeben von Ridler (Wien, 4°.) III. (als Fortsetzung des Hormayr’schen Archivs XXII.) Jahrg. (1831), S. 171, im Texte. – Jungmann (Jos.), „Historie literatury české“, d. i. Geschichte der böhmischen Literatur (Prag 1849, Řiwnáč, 4°.) Zweite, von W. W. Tomek besorgte Ausgabe, S. 457, Nr. 1180, S. 476, Nr. 1478, u. S. 483, Nr. 1590. – Wappen. Ein von Roth und Silber geschachter Schild mit einem blauen, mit drei goldenen gestümmelten rechtssehenden Adlern belegten Schildeshaupte; aus dem Schildesfuße erhebt sich ein grüner dreihügeliger Berg, aus dessen mittlerem, die beiden anderen überragenden Hügel eine Kornstaude mit drei Aehren emporsteigt. Auf dem Schilde ruht ein rechtsgekehrter goldgekrönter Turnierhelm. Auf der Krone befindet sich der obbeschriebene dreihügelige Berg mit den Kornähren zwischen zwei gleich dem Schilde roth und silbern geschachten Adlerflügeln. Die Helmdecken sind beiderseits roth, mit Silber belegt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Eckertshausen
  2. Vorlage: Unsuchung
  3. Vorlage: übelbeberüchtigter