BLKÖ:Heyrenbach, Joseph Benedict

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 8 (1862), ab Seite: 463. (Quelle)
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Heyrenbach, Joseph Benedict (Geschichtsforscher und Priester der Gesellschaft Jesu, geb. zu Ettal in Bayern 24. Mai 1738, gest. zu Wien 20. April 1779). Die Humanitätsclassen besuchte er im Benedictinerstifte zu Kremsmünster; 1756 trat er, 18 Jahre alt, zu Wien in den Orden der Gesellschaft Jesu, kam 1759 nach zurückgelegtem Noviziat als Wiederholungslehrer der Humanitätsclassen nach Raab in Ungarn, kehrte darauf zur Beendigung der philosophischen Studien nach Wien zurück, von wo er 1762 als Wiederholungslehrer der Mathematik nach Trentschin in Ungarn geschickt wurde. Von 1763–1766 versah er zu Passau das Lehramt aus verschiedenen Fächern, hörte 1767–1770 zu Wien die Theologie, nach deren Beendigung er sich zu Judenburg der dritten Ordensprüfung unterzog. Im Jahre 1772 wurde er Historiograph im Profeßhause, 1773 dasselbe zu St. Anna in Wien. Nach der Aufhebung des Ordens (21. Juli 1773) wurde er Weltpriester, am 1. September d. J. als überzähliger Custos an der k. k. Hofbibliothek zu Wien mit jährlichen 450 Gulden und am 7. Jänner 1774 als wirklicher letzter Custos daselbst angestellt. Zu gleicher Zeit hielt er außerordentliche Vorlesungen über Diplomatik an der Wiener Hochschule. Da er dafür keinen Gehalt bezog und es zu besorgen war, daß H. seine Vorträge würde einstellen müssen, theilte Eckhel [Bd. III, S. 423], um die studirende Jugend eines so nützlichen Wissenschaftszweiges und die Hochschule eines so tüchtigen Lehrers nicht berauben zu lassen, seinen eigenen Gehalt von 800 Gulden mit Heyrenbach bis zu dessen Tode, der ihn leider in der Vollkraft seiner Jahre – H. zählte erst 41 Jahre – und wie Stoeger [siehe unten die Quellen] meldet, in Folge angestrengter Studien der Wissenschaft entriß. Die Zahl der gedruckten Arbeiten Heyrenbach’s ist minder groß. Seine selbstständig herausgegebenen Schriften, sind: „Dissertatio de salutationis angelicae in sancta ecclesia usu“ (Viennae 1773, 8°.), in neuer Auflage mit einem Zusatze von Hieronymus Strelecki, Pfarrer bei St. Barbara (ebd. 1794, 8°.); – „Grundsätze der älteren Staatsgeschichte von Oesterreich“ (Linz 1776, auch Wien 1777, 8°.); – „Kaiser Friedrich’s Tochter Kunigunde; ein Fragment aus der österreichisch-bayerischen Geschichte; sammt einem Codex probationum“ (ebd. 1778, kl. 8°.) [vergleiche Näheres über diese Schrift in Bergmann’s „Pflege der Numismatik“, II. Abtheilung,, S. 62]. In gelehrten Fachschriften zerstreut sind erschienen, und zwar in den „Beiträgen zu verschiedenen Wissenschaften“ (Wien 1775): „Abhandlung von der Lage des Grunzwiten-Gaues“, wozu das Kärtchen im Hormayr’schen „Taschenbuch für vaterländische Geschichte“, Jahrgang 1812, enthalten ist; – in den „Neuen Abhandlungen der königl. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften“: „Ueber die Slawen in Oesterreich“ (Bd. II, im diplom. hist. literar. Theile, S. 5). Nach der „k. k. privilegirten Realzeitung der Wissenschaften und Künste“ (Wien 1778), S. 234, hat H. sich auch an der von Martinez besorgten Ausgabe des „Weiss-Kunig“ (Wien 1775) betheiligt. Ungleich größer aber und mitunter von nicht geringem Werthe ist die Zahl seiner handschriftlichen Arbeiten, welche sich zu Wien in der kais. Hofbibliothek befinden; darunter sind vor Allem zu nennen: eine gediegene Recension von 531 Handschriften der Wiener Universität in 3 Foliobänden, [464] ferner Abhandlungen und historische Nachrichten über den Gau Pütten und Püttenberg in Oesterreich unter der Enns; über die alte Windische Mark in Steiermark, über die Bisthümer Lavant, Seckau, Chiemsee und Gurk, über die Klöster Traunkirchen und Kremsmünster in Oesterreich ob der Enns; historisch-diplomatische Forschungen über Ottocar und sein Geschlecht in Steiermark; über die Familien Herberstein, Oettingen, Saurau; Beiträge zur alten Topographie von Oesterreich, Steiermark, Kärnthen; eine Sammlung von Genealogien mehrerer in Oesterreich begüterter Adelsfamilien; Vorträge über das bayerisch-straubingsche Erbfolgerecht und die Ansprüche des Hauses Oesterreich in dieser Angelegenheit; diplomatische Studien und Forschungen verschiedenen Inhalts und vieles Andere, was Stoeger in dem unten in den Quellen bezeichneten Werke einzeln aufführt. Wie in den Quellen auch nachgewiesen ist, weichen die Angaben über H.’s Geburts- und Todesdatum in den Werken, welche Nachricht über ihn geben, mehr oder weniger ab; geradezu unrichtig aber ist in Gräffer’s „Oesterreichischer National-Encyklopädie“, daß H. im Jahre 1782 gestorben sei, denn das „Wienerische Diarium vom 24. April 1779, Nr. 33“, in dieser Sache doch die zuverlässigste Quelle, gibt den 20. April 1779 als Todestag des „Hochgelehrten“ Herrn Joseph Heyrenbach, wie es und mit Recht ihn nennt, an.

Bergmann (Jos.), Pflege der Numismatik in Oesterreich im XVIII. Jahrhundert mit besonderem Hinblicke auf das k. k. Münz- und Medaillen-Cabinet in Wien (Wien 1857, 8°.) II. Abthlg. S. 10, 61 [nach diesem geb. 24. Mai 1738, gest. 20. April 1779]. – Hormayr’s Taschenbuch für vaterländische Geschichte (Wien, kl. 8°.) Jahrg. II (1812), S. 159 [mit der unrichtigen Angabe des Jahres 1799 als Heyrenbach’s Todesjahr]. – Meusel (Johann Georg), Lexikon der vom Jahre 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller (Leipzig 1805, Gerh. Fleischer, 8°.) Bd. V, S. 505 [nach diesem geb. 1741, gest. 19. April 1779]. – Allgemeiner literarischer Anzeiger, Jahrgang 1799, S. 1486–1488. Von [BLKÖ:Alter, Franz Karl|Alter]]. – Oesterreich. National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. II, S. 576 [nach dieser geb. 1740 und gest. 1782]. – Neue Abhandlungen der kön. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften (Prag 1795, 4°.) Bd. II: „Beitrag zur Biographie J. B. Heyrenbach’s“, von J. Dobrowsky. – Frankl (L. A. Dr.), Sonntagsblätter (Wien, gr. 8°.) II. Jahrg. (1843), S. 153, im Aufsatze: „Literargeschichtliches von Franz Gräffer“ unter Eckhel. – Stoeger (Joh. Nep.), Scriptores Provinciae Austriacae Societatis Jesu (Viennae 1856, gr. 8°.) p. 139 [nach diesem geb. 24. Mai 1742, gest. 19. April 1779]. – Sitzungsberichte der philosophisch-historischen Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (Wien, 8°.) Bd. XXIV, S. 301, 352.